Review: Beifang

In letzter Zeit habe ich ja einige wirklich gute Autobiografien gelesen, deshalb umschlich ich „Beifang – Eine Kindheit wie ein Roman“ von Lisa Brennan-Jobs schon seit Längerem.
Zwar war das Buch recht gut besprochen worden, andererseits finde ich es immer schwierig, wenn die Kinder berühmter Eltern aus dem Nähkästchen plaudern.
Oft wird es zu einer Abrechnung mit der Vergangenheit oder der Leser kann sich des Gefühls nicht erwehren, daß da jemand versucht, sich ein Stückchen vom Ruhm abzuschneiden.

Dann entdeckte ich „Beifang“ auf der New York Times Liste der zehn besten Bücher des letzten Jahres. Das einzige andere Buch, das ich aus dieser Auswahl gelesen hatte, war Befreit – Wie Bildung mir die Welt erschloss von Tara Westover, welches mich schwer beeindruckt hatte.
Als mir der Berlin Verlag dann „Beifang“ nochmal ans Herz legte, dachte ich: Wenn es mit „Befreit“ mithalten kann, dann sollte ich diesem Titel doch eine Chance geben…

Als Lisas Mutter erfährt, daß sie schwanger ist macht sich der Vater ihres Kindes auf und davon. Trotz eines positiven Vaterschaftstests verleugnet er seine Tochter, bis er plötzlich doch einwilligt, 500 Dollar Unterhalt im Monat zu zahlen.
Zwei Wochen später geht Apple an die Börse und Steve Jobs wird über Nacht zum Multimillionär.
Lisa und ihre Mutter, die ihre Ausbildung nicht abschließen konnte, sind über große Teile von Lisas Kindheit von Sozialhilfe abhängig, während Steve Jobs zum Milliardär wird.

Für Lisa ist ihr Vater über Jahre hinweg nur eine Fabelgestalt. Auf dem Schulhof erzählt man, daß er sich jedesmal einen neuen Ferrari kauft, wenn der alte einen Kratzer hat, doch von diesem angeblichen Luxus sieht Lisa nur wenig.
Gelegentlich besucht Steve seine Tochter und unterstützt sie und ihre Mutter finanziell wenn ihm danach ist, aber all das ist seinen Launen unterworfen, die absolut unvorhersehbar sind.

Erst als Lisa bereits ein Schulkind ist, beginnt ihr Vater, regelmäßigen Kontakt mit ihr zu haben. Doch wer nun erwartet, daß sie zwischen Armut bei der Mutter und Luxus beim Vater hin und her pendelt, der irrt.
Denn Steve kann ebenso freigiebig wie knauserig sein.
Jahrelang muss Lisa in einem kalten Zimmer schlafen, weil sich ihr Vater weigert, die Heizung reparieren zu lassen. Das selbe trifft für den Geschirrspüler zu.
Als es Lisa nach Jahren des Geschirrspülens von Hand doch irgendwann zu bunt wird und sie eigenmächtig den Techniker ruft, der die Maschine innerhalb von zehn Minuten repariert, lässt ihr Vater eine Woche darauf den Geschirrspüler durch einen neuen ersetzen.
Von ähnlichen kleinen Schikanen wimmelt es nur so in dem Buch.

Als sich Lisa im Teenageralter entschließt, dauerhaft bei Steve und dessen neuer Frau zu wohnen muss sie fast täglich kleine Tests bestehen, die beweisen sollen, daß sie dieser Familie würdig ist. Die vermutlich grausamste Forderung ihres Vaters ist, daß sie den Kontakt zu ihrer Mutter für ein halbes Jahr abbricht.
Lisa tut alles, um Steve zu gefallen und Teil seiner neuen Familie zu werden, doch alles unterliegt den Launen ihres Vaters.

Nun muss aber auch gesagt werden, daß Lisa Brennan-Jobs Steve in diesem Buch nicht verteufelt.
Immer wieder beschreibt sie auch sehr enge, zärtliche Momente mit ihm und erzählt von einer tiefen Verbundenheit.
Diese kann allerdings bereits am nächsten Tag wieder von einer Laune zerstört werden.

Ich finde es immer recht schwer, diese Art von Büchern auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Steve Jobs Witwe Laurene widerspricht Lisas Darstellung vehement.
Es wäre spannend zu hören, was die Halbgeschwister von „Beifang“ halten.

Für mich klang das Buch allerdings recht plausibel.
Lisa Brennan-Jobs betreibt keine große Effekthascherei. Es scheint, als würde sie in diesem Buch lediglich versuchen, die schwierige Beziehung zu ihrem Vater für sich aufzuarbeiten.
Des Geldes wegen hat sie „Beifang“ jedenfalls bestimmt nicht geschrieben.
Trotz des bis zum Ende schwierigen Verhältnis zwischen Vater und Tochter, hinterließ Steve Lisa wohl mehrere Milliarden Dollar.

„Beifang“ ist ein recht ruhiges Buch, ohne greifbaren Höhepunkt.
Ich saß beim Lesen nicht mit offenem Mund da, wie bei Befreit, trotzdem fühlte ich mich vom ersten Kapitel an mit Lisa Brennan-Jobs verbunden.
Sie gibt in diesem Buch einen sehr persönlichen Einblick in die unwirkliche Welt der Superreichen, die sie trotz der Nähe zu ihrem Vater bis zuletzt immer nur als Randfigur miterlebte.

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Minimalismus schön und gut… – Nur wohin mit den Büchern?

Ein Gespenst geht derzeit um, das uns das Fürchten lehrt.
Es trägt meist weiß, lächelt viel und erschreckt uns mit der Ansage, daß man nicht mehr als dreißig Bücher besitzen sollte…
Die Rede ist von Marie Kondo, die gerade durch ihre Netflix-Doku „Tidying Up“ in aller Munde ist.
Ich selbst habe die Serie nicht gesehen, doch einige meiner Kollegen wirkten danach geradezu verstört.
Einer starrte bei einem abendlichen Absacker nur mit leerem Blick vor sich hin.
„Sie ist so klein…“, flüsterte er. „Und so grausam…“

Kein Wunder, denn allein der Gedanke nur noch dreißig Bücher zu besitzen ist für die meisten Buchhändler eine Qual und trotzdem bin ich gerade selbst dabei, die Titel, die sich in meiner Wohnung tummeln dramatisch zu reduzieren.

Schuld daran ist aber nicht Marie Kondo, sondern der Plan, die Zimmer demnächst neu zu verteilen; und so bin ich seit Anfang des Jahres fast täglich am Ausmisten.
Dem fallen nun auch etliche Bücher zum Opfer, aber keine Sorge… Von meinen etwa 3.000 Titeln sind erst etwa 500 fortgegeben worden. Von den berüchtigten dreißig bin ich also noch meilenweit entfernt.

Doch was tun mit all den Büchern?
Heute möchte ich Euch deshalb Möglichkeiten vorstellen, neue Heime für Eure alten Titel zu finden und auf einige Dinge hinweisen, die Ihr dabei beachten solltet.

Verkaufen

Um das gleich mal vorweg zu nehmen: ja, als Buchhändlerin besitze ich sehr viele Leseexemplare und als Bloggerin natürlich auch viele Rezensionsexemplare und ja, ich weiß, daß man diese nicht verkaufen darf.
Die meisten Leseexemplare sind ohnehin als solche gekennzeichnet, oder wurden im Laden „entwertet“, so daß ich die im Vorfeld leicht aussortieren kann.

Was mir allerdings immer einen kleinen Stich versetzt sind Titel, die ich vor Jahren für teures Geld gekauft und dann nie gelesen habe. Und wenn ich ganz ehrlich bin weiß ich, daß ich sie in den nächsten Jahren wohl auch nicht lesen werde. Ein kleiner Obolus hilft mir dann doch dabei, mich endlich von ihnen zu trennen.

Früher habe ich einzelne Titel schon mal bei Ebay verkauft, aber das ganze Gerenne für die paar Euro ging mir schnell gehörig auf die Nerven.
Deshalb habe ich die letzten Wochen viel bei Momox und reBuy verkauft.
Das Prinzip ist denkbar simpel: mit einer Handy-App kann man den Barcode des Buches scannen und erfährt sofort, ob das Buch angekauft wird und wenn ja für wieviel.
So kann man sich fröhlich durchs Regal arbeiten, die Bücher, CDs und DVDs in Kisten packen, gratis Versandaufkleber ausdrucken und zur nächsten DHL oder Hermes-Filiale bringen.
Die Lieferung wird dann überprüft und das Geld aufs Konto überwiesen.

Nun muss man sagen, daß man weiß Gott nicht mehr viel für seine alten Medien bekommt. Im Schnitt war es wohl etwa ein Euro bei mir.
Trotzdem war ich sehr zufrieden mit diesem Service, weil ich so alles recht einfach bündeln konnte und wenn man riesige Mengen hat wie ich, kommt am Ende auch ein schönes Sümmchen zusammen.

Was ich allerdings absolut nicht empfehlen kann ist der Abholservice von Hermes.
Man kann zwar einen Wunschtermin ausmachen, allerdings muss man an diesem Tag von 8:00-20:00 Uhr verfügbar sein.
Ich wollte es trotzdem gerne testen, wer allerdings nicht kam war der Hermes-Bote. Rückfrage beim Kundenservice, neuer Termin, selber Spaß.
Irgendwann habe ich dann die Pakete selbst zu Hermes-Shop gekarrt, aber eines davon ist seit zwei Wochen verschwunden…
Naja, ich hoffe, es taucht bald mal auf.

Verschenken

Meine Leseexemplare und alles, was ich nicht verkaufen konnte, musste also auf anderem Wege ein neues Zuhause finden.
Blöd nur, wenn die Freunde nicht unbedingt den selben Buchgeschmack haben und die Kollegen sich selbst vor alten Leseexemplaren kaum retten können.

Ein Glück, daß es im Umfeld meiner Eltern noch begeisterte Leser gibt, die viele meiner Bücher mit Handkuss genommen haben.
Zumindest der Chor meiner Mutter und der Englischkurs meines Vaters sind jetzt erstmal mit Lesestoff versorgt und besonders schön ist es, wenn man so in den Genuß von kleinen Tauschgeschäften kommt.
Eine Freundin meiner Mutter war beispielsweise so lieb, mir meine Tagesdecke in mühevoller Kleinarbeit neu einzufassen.
Bezahlt werden wollte sie dafür nicht, aber sie hat sich dann wahnsinnig über einen Stapel Bücher gefreut. Und ich mich über meine geflickte Decke.

Spenden

Ach ja, Bücher spenden… Ein schwieriges Thema!
Es gibt ja viele kleine Büchereien, Sozialkaufhäuser und Flohmärkte für gute Zwecke, die sich nur darüber freuen können, meine alten Bücher zu verkaufen! – Richtig?
Hmmm… Bedingt!

Ich selbst habe süße 18 Jahre lang als Büchereiassistentin ehrenamtlich in unserer kleinen Gemeindebücherei gearbeitet und irgendwann konnten wir den Begriff „Buchspende“ kaum noch hören.
Wenn wir darauf angesprochen wurden, erklärten wir, daß wir nur Bestseller annehmen würden, die nicht älter als vier Jahre wären. Daraufhin nickten alle nur und sagten: „Ja klar! Die sind noch ganz neu!“

Was wir dann aber kistenweise in die Bücherei geschleppt (oder in einem Fall einfach im Regen vor die Tür gekippt) bekamen war immer der selbe Anblick: etwa zwanzig Jahre alte, zerlesene Buchclubausgaben, die „Wohnungsauflösung, weil Oma tot!“ zu rufen schienen.
Klar kann man sich fünf uralt Ausgaben von „Die Muschelsucher“ ins Regal stellen. Nur halt leider nicht, wenn man als Bücherei für die Kunden halbwegs attraktiv bleiben möchte.

Die Spender, berauscht vom so genannten Helper’s High und froh, endlich Omas Wohnung wieder ein Stück weit ausgemistet zu haben, konnten nicht verstehen, wenn wir den Kopf schüttelten und sagten: „Tut uns leid, das können wir wirklich nicht brauchen!“
Sie traten sofort die Flucht an, ließen die Kisten zurück und riefen: „Na, dann könnt ihr die auch auf dem Flohmarkt verkaufen! Gern geschehen!“

Also die Kisten in das kleine, muffige Kämmerchen (unsere einzige Möglichkeit etwas zu lagern) gezerrt, wo sie bis zum nächsten Bücherflohmarkt in einem halben Jahr Schimmel ansetzen durften… Oh joy!

Tatsächlich freuen sich viele kleine Büchereien über Buchspenden.
Aber lasst sie bitte selbst entscheiden, welche Titel für sie Sinn machen!
Wenn ihr also Eure Bücher spenden wollt: sprecht die Büchereimitarbeiter an und fragt nach, was sie wirklich brauchen. Macht vielleicht ein Foto der Bücher und schickt es der Büchereileitung, so daß sie eine Auswahl treffen kann.
Und ladet Eure ausrangierten Titel nicht kommentarlos irgendwo ab, sondern redet mit den Leuten und fragt nach, ob aktuell Spenden angenommen werden.

Aussetzen

Auch das Aussetzen von Büchern erfreut sich immer größerer Beliebtheit.
Webseiten wie Bookcrossing oder öffentliche Bücherschränke laden dazu ein, Platz im Regal zu schaffen und neue Besitzer für seine alten Schätze zu finden.
Doch nicht alles gehört hierher.

Wer Danis Blog Brösels Bücherregal liest wird vielleicht schon von den Problemen gehört haben, die ihr die Organisation eines Bücherschrankes bereitet.
Immer wieder muss sie ausrücken, um das zugemüllte Regal in einen präsentablen Zustand zu bringen und gelegentlich auch von Pornografie zu bereinigen.

Wenn ich selbst an einem öffentlichen Bücherschrank vorbei komme muss ich mich oft wundern, was da so alles steht. Denn während einige Leser wirklich schöne Titel teilen, kann man sich über anderes nur wundern. Ein schimmeliges Buch über Inneneinrichtung aus den 70er Jahren, das die Hälfte seiner Seiten eingebüsst hat… Ganz ehrlich, wer will das noch?

Und so muss man sich an den letzten und endgültigsten Schritt des Ausmistens machen:

Entsorgen

Vielen blutet das Herz bei dem Gedanken, Bücher wegzuwerfen und unlängst machten die Müllmänner von Ankara von sich reden, als sie eine Bibliothek mit den Büchern gründeten, die sie im Abfall gefunden hatten.

Wer sich die Bilder dieser Bücherei anschaut wird überraschenderweise recht neuwertige Titel erkennen und das muss ich ganz deutlich sagen: solche Bücher sollte man nun wirklich nicht wegwerfen!
Wenn ein Buch aber wirklich schon so zerlesen ist, daß die Seiten herausfallen und zum Teil fehlen, wenn es auf dem Dachboden Schimmel angesetzt hat oder im wahrsten Sinne des Wortes zum Himmel stinkt… Dann sollte man es vielleicht doch lieber entsorgen, statt es in einen Bücherschrank oder als Spende in die Bücherei zu bringen.

Das waren also meine Tipps und Anregungen zum Thema „Bücher aussortieren“.
Wie geht es Euch dabei? Mistet Ihr Eure Regale auch regelmäßig aus, oder könnt Ihr Euch nur schwer trennen?
Wohin gehen Eure alten Bücher?

Liebe Grüße,
Andrea

PS: Wer sich jetzt die Lippen nach den Büchern auf dem Foto leckt und sich ihrer gerne annehmen würde… Tut mir leid. Die bleiben erstmal schön bei mir. 😉

Review: Das Wassergespenst von Harrowby Hall

In der schönen kleinen Reihe „Die Unheimlichen“ aus dem Carlsen Verlag werden seit Kurzem regelmäßig gruselige Klassiker der Weltliteratur und auch neuere Texte als Graphic Novels herausgegeben, die von bekannten Comic-Künstlern in Szene gesetzt wurden.

Das neuste Buch der Serie ist „Das Wassergespenst von Harrowby Hall“, das der amerikanische Humorist John Kendrick Bangs vor bereits mehr als hundert Jahren geschrieben hat.

Darin erzählt er vom Fluch der Familie Oglethorpe, deren Residenz Harrowby Hall jedes Jahr am Weihnachtsabend von einem unheimlichen Wassergespenst heimgesucht wird.
Es stellt sich heraus, daß es der Geist eines Mädchens ist, das viele Generationen zuvor im See der das kleine Schloss umgibt, ertrank und der seither keine Ruhe findet.
Man versucht einen Trick nach dem anderen, um dem Gespenst Herr zu werden, bis der Erbe von Harrowby Hall einen verwegenen Plan fasst…
Doch lassen sich Geister wirklich auf ewig bannen?

„Das Wassergespenst von Harrowby Hall“ hat mit ausgesprochen gut gefallen.
Es hat eine perfekte Mischung aus gruseligen und humorvollen Elementen, die mich immer wieder zum Schmunzeln gebracht haben.

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Illustriert wurde das schöne Bändchen von Barbara Yelin, die man bereits von ihren Graphic Novels „Irmina“, „Gift“ oder „Der Sommer ihres Lebens“ kennt und die der Geschichte einen einzigartigen Look verleiht.

Allen, die Graphic Novels lieben kann ich „Das Wassergespenst von Harrowby Hall“ nur wärmstens ans Herz legen.

Für alle Münchner unter Euch, die jetzt Lust auf diese Geschichte oder auf die Bilder von Barbara Yelin bekommen haben, kommt jetzt noch ein kleiner Veranstaltungstipp:
An diesem Donnerstag, den 14. 02. 2019 kommt Barbara Yelin um 18:00 Uhr in unsere Buchhandlung, also in die Hugendubel Filiale am Stachus.
Dort wird sie ein wenig von ihrer Arbeit erzählen und ihre Bücher signieren.
Der Eintritt ist natürlich frei.
Schaut also gerne mal vorbei!

 

Review: Frida

Heute möchte ich Euch ein wunderschönes Bilderbuch vorstellen, mit dem ich schon lange geliebäugelt habe: „Frida“ von Sébastien Perez, illustriert von Benjamin Lacombe.

Schon wenn man dieses Buch in die Hand nimmt, merkt man, wieviel Liebe in seine Herstellung geflossen ist, denn bereits das Cover hat einen seidig weichen Stoffbezug, auf dem die Farben wunderbar leuchten.

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Im Buch taucht man sofort ein in die Welt der Frida Kahlo. Jeder Abschnitt widmet sich einem Thema, das für die Malerin eine zentrale Rolle in ihrem Leben und ihrer Kunst spielte und wird in kurzen Worten aus ihrer Sicht umrissen.
Das alles ist mit tatsächlichen Zitaten von Frida Kahlo gespickt, so daß man schnell das Gefühl hat, in ihre Gedankenwelt einzutauchen.

In zu jedem dieser Kapitel hat Benjamin Lacombe drei Seiten illustriert, die sich durch Cutouts mit jedem umblättern verändern und den Betrachter tiefer in die Seele dieser bemerkenswerten Künstlerin blicken lassen.
Dabei hat Lacombe die Bilder von Frida Kahlo relativ originalgetreu wiedergegeben, sie allerdings in seinen eigenen, unverwechselbaren Stil übertragen.

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Mit jedem Umblättern verändern sich die Bilder: von einer Silhouette hinter einem Spalier, über eine sinnliche Pose in geblümten Gewand, hin zu einem Skelett voller Leben…

Auch das Nachwort von Benjamin Lacombe ist wirklich interessant zu lesen, besonders spannend fand ich, daß sich Kahlo wohl nicht zu den Surrealisten zählen lassen wollte. Sie soll dazu gesagt haben: „Ich habe nie meine Träume gemalt, sondern meine eigene Realität.“

„Frida“ von Sébastien Perez und Benjamin Lacombe ist sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch erhältlich. Als kleiner Sparfuchs habe ich es mir auf Englisch gekauft, da es deutlich günstiger war, als die deutsche Ausgabe.
Auch wenn ich Anfangs geschrieben habe, daß es sich bei diesem Buch um ein Bilderbuch handelt, möchte ich nochmal in aller Deutlichkeit darauf hinweisen: dies ist kein Bilderbuch für Kinder!
Ja, es gibt Bilderbücher für Erwachsene und als jemand, der die Literatur ebenso liebt wie die Kunst, kann ich euch nur ans Herz legen, die Augen nach diesen Schmuckstücken offen zu halten.

 

Mehr Bücher zu Frida Kahlo findet ihr hier:

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Review: Frida

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Review: Frida Kahlo – Eine Biografie

Review: The Fault in our Stars

Als gefühlt letzter Mensch der Welt habe ich nun endlich John Greens Bestseller „The Fault in our Stars“ („Das Schicksal ist ein mieser Verräter“) gelesen, nachdem ich es über Jahre hinweg erfolgreich vor mir hergeschoben hatte.

Als es damals auf den Markt kam wurde es von Kunden und Kollegen in den Himmel gelobt und ich setzte es sofort auf meine Leseliste, doch genau zu der Zeit erkrankten zwei Freundinnen von mir an Krebs.
Also legte ich das Buch zur Seite und selbst als es eine der beiden zwischen ihren Chemotherapien las und es mir nochmal ans Herz legte, brachte ich es nicht über mich, es selbst zu lesen.

Jahrelang stand es also in meinem Regal ungelesener Bücher und wurde nicht mehr herausgeholt.
Nicht, als ich John Green einmal im Laden bediente und ihn nicht erkannte, nicht als ich Fan der Crash Course-Serie auf YouTube wurde und irgendwann mal kapierte, daß es sich dabei um den selben John Green handelte, nicht als ich begann die VlogBrothers Videos zu schauen und nicht, als ich ein paar andere Bücher von ihm las und sie für gut befand…

Letzten September fuhr ich dann nach Amsterdam und in letzter Sekunde warf ich „The Fault in our Stars“ noch zu meiner Zuglektüre in den Rucksack.
Ich dachte mir: „Wenn ich es jetzt nicht lese, dann vermutlich nie…“

Also begann ich auf der Fahrt nach Amsterdam darin zu lesen, ich besuchte die Bank, die in der Verfilmung eine Rolle spielt und auf der Fans ihrer Liebe zu diesem Buch mit kleinen Botschaften Ausdruck verleihen, dann kam ich nach Hause, rasierte meiner Schwiegermutter mit zitternden Händen die letzten verbliebenen Haare vom Kopf und legte das Buch wieder beiseite…

Gott, ich hasse Krebs!

Für alle, die das Buch überraschenderweise nicht kennen sollten:
Die sechzehnjährige Hazel leidet an einer seltenen Form von Lungenkrebs, den man mit einem neuen Medikament halbwegs in den Griff bekommen hat. Sie wird davon nicht gesund, ist aber halbwegs stabil.
Doch immer wieder bricht sie zusammen und so fühlt sie sich wie eine tickende Zeitbombe, voller Sorge um ihre Eltern, die ihr ganzes Leben auf ihre kranke Tochter ausgerichtet haben und die sie vermutlich überleben werden.

Eines Tages begegnet Hazel dem gleichaltrigen Augustus, genannt Gus, in einer Selbsthilfegruppe für krebskranke Jugendliche.
Gus hat zwar ein Bein verloren, seine Erkrankung aber mittlerweile hinter sich und so ist er nur in der Gruppe um seinen Freund Isaac zu begleiten, der bald sein zweites Auge durch Augenkrebs verlieren wird.

Hazel und Gus sind sofort auf einer Wellenlänge, sie beginnen sich über Bücher auszutauschen, einander zu texten und sich nach dessen OP um den erblindeten Isaac zu kümmern.
Hazels Lieblingsbuch, das sie Gus ans Herz legt ist „An Imperial Affliction“ („Ein herrschaftliches Leiden“), in dem es um die junge Anna geht, die ebenfalls an Krebs leidet.
Das Buch bricht ganz plötzlich ab und sowohl Hazel, als auch Gus brennen darauf, herauszufinden, wie die Geschichte weitergeht.

Da eine Stiftung krebskranken Kindern und Jugendlichen einen Wunsch erfüllt, hat Gus die Idee, damit nach Amsterdam zu reisen, um den dort lebenden Autor von „An Imperial Affliction“, Peter van Houten zu finden, und ihm den Rest der Geschichte zu entlocken.
Für Hazel ist es besonders wichtig zu wissen, wie Annas Mutter nach dem Tod ihrer Tochter weiterlebt. Natürlich, weil Hazel sich diese Sorgen um ihre eigene Mutter macht.

In Amsterdam kommen sich Hazel und Gus näher, doch das Treffen mit Peter van Houten entwickelt sich zur Katastrophe. Denn statt Antworten auf ihre Fragen zu bekommen, lernen die beiden einen zynischen Alkoholiker kennen, der nicht daran interessiert ist, die Geschichte von Anna weiter zu erzählen.

Und dann gesteht Gus Hazel, daß sein Krebs zurück gekehrt ist und bereits auf den ganzen Körper gestreut hat…

Irgendwann habe ich das Buch dann doch wieder zur Hand benommen und beendet, aber… Gott, ich hasse Krebs wirklich!

„The Fault in our Stars“ ist kein Buch, das künstlich auf die Tränendrüse drückt, eigentlich ist es weitestgehend witzig und geistreich. Es ist kein Titel, der sich auf Teufel komm raus das traurigste Thema der Welt ausgesucht hat, um damit Geld zu machen, sondern ein Denkmal für Esther Earl, die ein großer Fan von John Green war und ihre Geschichte mit ihm teilte, bevor sie selbst im Alter von sechzehn Jahren an Krebs starb.

Ich bin, das muss ich an dieser Stelle sagen, keine Schönwetterleserin. Bei mir muss nicht immer alles eitel Freude, Sonnenschein sein… Aber bei diesem Thema sperrt sich einfach alles in mir.
Ich sehe natürlich sofort meine eigenen Kinder in dieser Situation und das macht es für mich unglaublich schwer, dieses Buch halbwegs objektiv zu bewerten.

 

Mehr von John Green findet Ihr hier:

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Review: Turtles All the Way Down

Und von Hank Green – dem anderen VlogBrother – hier:

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Review: An Absolutely Remarkable Thing

Review: Bibliophile

Im Dezember hatte ich dieses Buch schon einmal kurz in meinen Weihnachtsgeschenketipps erwähnt, nun möchte ich Euch „Bibliophile“ von Jane Mount noch etwas genauer vorstellen.

Mount ist Illustratorin und selbst begeisterte Leserin, was lag also näher, als ihre beiden Leidenschaften miteinander zu verbinden?
Und so gründete sie „My Ideal Bookshelf“, einen Onlineshop in dem man alle möglichen buchigen Geschenke, wie Anstecknadeln, Tassen und Taschen finden kann; alles von Jane Mount liebevoll und detailiert illustriert.
Dabei bietet sie auch Gemälde auf Kundenwunsch an, bei dem man sich sein eigenes „ideales Bücherregal“ mit den persönlichen Lieblingstiteln bestellen kann.

Über die Jahre illustrierte Jane Mount also viele, viele Bücher, stellte fest, daß gewisse Titel immer wieder auftauchten und entdeckte so selbst neue Lieblinge.

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In „Bibliophile“ versammelt sie nun all diese Bücher, wobei sie so viele Themengebiete herausarbeitet, wie es sonst selten in dieser Art von Literatursammlungen vorkommt.
Sie beginnt mit Bilderbüchern und arbeitet sich über Kinder- und Jugendbücher vor zu den Klassikern, aktuellen Bestsellern, Thrillern und Liebesromanen.
Es gibt Empfehlungen zu Gedicht- und Erzählbänden, aber auch zu Essaysammlungen.

Und auch die Sachbücher nehmen einen großen Bereich ein, wobei die Themengebiete in die sie die Bücher ordnet nicht unbedingt der klassischen Einteilung entspricht.
Zum Beispiel gibt es da das Kapitel „Sterblichkeit“, in dem man die Essays von Joan Didion ebenso findet, wie einen Titel über forensische Untersuchungen, aber auch „H wie Habicht“ und „Vom Ende einer Geschichte“ von Julian Barnes.

Auf fast jeder zweiten Doppelseite gibt es einen solchen Themenstapel, sowie interessante Anekdoten und Fakten zu einzelnen Büchern und Autoren.
Dazwischen lockert Jane Mount die Listen immer wieder durch kleine Exkursionen in die Welt der Bibliophilie auf.
Sie stellt bemerkenswerte Bibliotheken und geliebte Buchhandlungen vor, gewährt Einblicke in die Schreibstuben verschiedener Autoren, gibt dem Leser Rätsel auf (zum Beispiel „Zu welchen Science Fiction Klassikern gehören diese Planeten?“ oder „In welchem Buch spielt dieses Essen eine Rolle?“ ) oder erzählt, welche Romane Musiker zu Liedern inspiriert haben.

„Bibliophile“ ist ein wirklich wunderbares, vielseitiges Buch und das perfekte Geschenk für jede Leseratte.
Schade, daß es noch nicht ins Deutsche übersetzt wurde, aber dank der kurzen Kapitel und Absätze ist es auch für all die, die sich nicht an englische Romane herantrauen, recht leicht zu lesen.

Fabelhaftes im Februar

Der Januar ist so schnell vergangen, daß ich kaum glauben kann, daß schon wieder Februar ist. Gelesen habe ich so gut wie nichts… Schrecklich!
Meine freie Zeit verbringe ich aktuell damit, alles in meiner Wohnung zu ordnen, auszusortieren und neue Heime für alte Dinge zu finden. Schuld daran ist nicht etwa Marie Kondo, sondern der Plan, die Zimmer neu zu verteilen. Eine gute Gelengenheit zu entrümpeln, allerdings mit dem Nachteil, daß viel Lesezeit wegfällt…
Naja, wenn alles so läuft, wie ich mir das vorstelle, ist das Schlimmste in zwei Monaten geschafft und ich hätte dann sogar einen eigenen Arbeitsplatz und müsste nicht immer am Küchentisch oder auf dem Bett schreiben.

Trotzdem sind natürlich auch diesen Monat wieder neue Bücher auf dem Lesestapel gelandet. Hoffentlich komme ich dazu, wieder mehr zu lesen, denn auf die Titel freue ich mich schon sehr!

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Los geht es mit zwei Büchern, von denen eines die letzten Wochen so auf den Blogs und Instagram gehyped und diskutiert wurde, daß ich es schon fast gar nicht mehr sehen kann: „Stella“ von Takis Würger.

Der andere Titel wurde im Dezember im Literarischen Quartett sehr begeistert besprochen und mir von einem Kollegen noch begeisterter empfohlen, bis ich es nun auch endlich haben musste: „Was dann nachher so schön fliegt“ von Hilmar Klute.

Der Spaß bei diesen beiden Büchern ist nun der: während besagter Kollege den Klute über den grünen Klee lobte, konnte ihn „Stella“ nicht wirklich überzeugen.
Das aber gefiel wiederum meiner Kollegin sehr, die ihrerseits „Was dann nachher so schön fliegt“ nicht besonders begeistern konnte.
Nun werde ich also beide Bücher selbst lesen und sehen, ob ich eher mit dem Kollegen oder der Kollegin auf einer Wellenlänge bin.
Ich bin schon gespannt!

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Worauf ich mich ebenfalls sehr freue ist „Die Liebe im Ernstfall“ von Daniela Krien.
Vor einigen Jahren hatte ich ja meinen Glauben an die moderne deutsche Literatur ein wenig verloren, wenn ich ganz ehrlich bin…
Jedes Buch schien die selbe Geschichte zu erzählen und nichts konnte mich wirklich begeistern. Sobald ein Titel einen deutschen Verfasser hatte, sagte ich nur: „Danke, nein.“

Doch dann kam „Irgendwann werden wir uns alles erzählen“ auf den Markt und mein Chef redete so lange auf mich ein, bis ich es las. Gottseidank!
Daniela Krien hat mich damals fast im Alleingang wieder für die moderne deutsche Literatur begeistern können, also liegt die Erwartungshaltung bei ihrem neuen Buch natürlich hoch.

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Nachdem ich ja im letzten Jahr einige wirklich gute Autobiografien gelesen habe, ist es nun diesen Monat endlich Zeit für „Ich bin, ich bin, ich bin“ von Maggie O´Farrell.
Darin schildert sie ihre Siebzehn Berührungen mit dem Tod; ein verdammt spannendes Thema!

Ich selbst hatte erst einmal das zweifelhafte Vergnügen, dem Sensenmann von der Klinge zu springen und habe nicht das Verlangen, es so schnell wieder zu tun.
Umso mehr interessiert mich nun Maggie O´Farrells Geschichte.

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Bei den illustrierten Büchern habe ich mir für den Februar die Graphic Novel zu „Wer die Nachtigall stört“ von Harper Lee vorgenommen.
Den Roman habe ich vor ein paar Jahren gelesen und ich bin wirklich gespannt, wie diese doch recht komplexe Geschichte zeichnerisch in Szene gesetzt wurde.
Das Buch möchte ich auch wirklich gerne meinem Großen in die Hand drücken und mit ihm darüber diskutieren. Im Moment liest er gerade eine Biografie über Nelson Mandela und das Thema Rassismus beschäftigt ihn sehr. Da bietet es sich natürlich an, über „Wer die Nachtigall stört“ zu sprechen.

Ein weiteres illustriertes Buch, das allerdings deutlich textlastiger ist, ist „The Restless Girls“ von Jessie Burton. Von ihr hatte ich vor Jahren „The Miniaturist“ („Die Magie der kleinen Dinge“) gelesen, das mir wirklich gut gefallen hat.
Nun hat sie ein feministisches Märchen für Jugendliche geschrieben, und Jen Campbell, die Autorin von The Beginning of the World in the Middle of the Night, deren YouTube Kanal ich auch sehr empfehlen kann hat es gleich in verschiedenen Videos immer wieder begeistert in die Kamera gehalten. Klar also, das „The Restless Girls“ mit musste!

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Und zu guter Letzt möchte ich Euch diesen Monat noch zwei ganz wunderbare Bilderbücher näher bringen, nämlich „Mama“ von Hélène Delforge und Quentin Gréban und Frida von Sébastien Perez und Benjamin Lacombe.

„Mama“ beschäftigt sich mit dem Thema Mutterschaft und ist beim ersten Durchblättern eher für Erwachsene geeignet.
Wunderschöne Illustrationen und ehrliche Texte… ich hatte gleich Tränen in den Augen.

Frida ist ebenfalls für Erwachsene gedacht und zeigt die Welt der Frida Kahlo in herrlich farbenfrohen Bildern, die sich durch Cutouts bei jedem Umblättern verändern.
Klar, daß ich das haben musste!

Das ist er also, mein Februarstapel.
Hoffentlich komme ich diesen Monat wieder mehr zum Lesen.
Wie sieht es bei Euch aus? Habt Ihr auch manchmal Leseflauten?
Ein bißchen beruhigt hat es mich, am Montag nach der Arbeit noch mit Kollegen Essen zu gehen. Da meinten so gut wie alle, daß sie im Januar recht wenig geschafft haben.
Vielleicht ist das ja eine buchhändlerische Ermüdungserscheinung…
Immerhin haben wir bis Dezember gelesen wie die Wahnsinnigen um im Weihnachtsgeschäft gut beraten zu können.

Ich wünsche Euch allen einen tollen Start in den Februar!

Eure Andrea