Seite an Seite – Der Literaturpodcast Folge 3 oder ooh baby baby, it’s a wild world

Ein bißchen still ist es in den letzten Wochen auf unserem Podcast geworden…
Das lag aber nicht etwa daran, daß Andi und ich keine Lust gehabt hätten, über die Bücher zu reden, die wir gelesen haben. Das Problem war, daß Andi noch an der Zulassungsarbeit für sein Staatsexamen saß und den ganzen Tag nichts anderes tat, als alle Daniel Kehlmann Bücher zum wasweißichwievielten Male durchzulesen und auf ihre Metafiktionalität abzuklopfen.
Gut… Vielleicht hätten wir auch einen Podcast darüber machen können…
Vermutlich braucht Andi jetzt aber mal eine kurze Pause von Daniel Kehlmann.

Jetzt geht es jedenfalls wieder frisch motiviert weiter, also viel Spaß mit unserer neusten Folge!

Unsere Titel in dieser Folge sind:

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Andi:
Sophie Passmann – Frank Ocean
Jonathan Safran Foer – Wir sind das Klima!

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Andrea:
Tommy Orange – Dort dort
Mareike Fallwickl – Das Licht ist hier viel heller

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Und zusammen sprechen wir über:
Simone Lappert – Der Sprung

(Die blau unterlegten Titel führen Euch zu den Besprechungen auf meinem Blog.)

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Schaut auf jeden Fall mal vorbei und hört rein!
Wir freuen uns schon auf Eure Kommentare!

Andi & Andrea

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Nebeliger November

Willkommen im November!
Der Monat begrüßt mich mit nassgrauem Wetter und in den Isarauen, die ich von meinem Fenster aus überblicken kann, hängt noch immer der Nebel…
Zeit, es sich mit einem dicken Stapel Romane und einer Tasse Tee unter der Kuscheldecke gemütlich zu machen!

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Meine ersten beiden Bücher kommen dann auch gleich sehr herbstlich daher, was Titel und Cover betrifft, nämlich „Herbst“ von Ali Smith und „Fuchs 8“ von George Saunders.

Auf „Herbst“ bin ich schon sehr gespannt, schließlich schwärmt Jen Campbell auf ihrem YouTube-Kanal ständig von Smiths „Jahreszeiten-Quartett“.
Während der letzte Band der Reihe, „Summer“, nach „Winter“ und „Spring“ bald auf Englisch erscheinen wird, wurde nun mit „Herbst“ der erste Band, der auch für den Booker Prize nominiert war, auf Deutsch vorgelegt.

Ein ganz schmales Bändchen ist dagegen „Fuchs 8“ von George Saunders.
Saunders war lustigerweise im gleichen Jahr wie Ali Smith für den Booker Prize nominiert, hat diesen aber dann auch gewonnen und zwar für seinen einzigartigen Roman „Lincoln im Bardo“.
„Fuchs 8“ dagegen ist eine Kurzgeschichte, die illustriert und als kleine Einzelausgabe herausgebracht wurde.
Da mir Saunders innovativer und außergewöhnlicher Stil in „Lincoln im Bardo“ sehr imponiert hat, bin ich nun gespannt auf diese Geschichte, die aus der Sicht eines Fuches erzählt wird.

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Die nächsten beiden Bücher scheinen auf den ersten Blick nichts gemein zu haben, außer daß sie schmale Bändchen von jeweils deutlich unter 200 Seiten sind, für mich sind sie jedoch stark mit meinen Erinnerungen an die Frankfurter Buchmesse verknüpft.

Mona Høvring war ja als Vertreterin des Gastlandes Norwegen auf die Messe gekommen, wo Isa von it’s Vonk ein tolles Interview mit ihr geführt hat, das ihr hier sehen könnt.
Auf Isas Empfehlung hin hatte ich deshalb auch noch vor der Messe ihren Roman „Was helfen könnte“ gelesen und war einfach begeistert, wie diese Autorin es schafft, große Panoramen mit wenigen Sätzen zu zeichnen.
Deshalb musste ihr neustes Buch „Weil Venus bei meiner Geburt ein Alpenveilchen streifte“ dann auch unbedingt auf meinen Novemberstapel.

Darin geht es übrigens um zwei Schwestern, genauso wie im nächsten Buch, das ich mit der Buchmesse verbinde: „Die langen Arme“ von Sebastian Guhr.
Guhr war der Gewinner der zweiten Staffel des Blogbuster-Preises, von dem nun auf der Messe der Startschuss zur dritten Staffel gegeben wurde.
Und dieses Mal bin ich mit dabei in der Blogger-Jury!
Wer also ein fertiges Romanmanuskript zu Hause hat, der sollte auf die Website des Blogbuster Awards gehen und überlegen, ob er sich nicht bewerben möchte.
Dabei lesen zehn Blogger die Manuskripte und wählen jeweils einen Favoriten aus. Diese Longlist geht dann an die Fachjury und der Gewinnertitel wird in dieser Staffel bei Eichborn verlegt.
Doch auch viele Autoren, die nicht den ersten Preis gewonnen haben, schafften es in vergangenen Staffeln, durch die Aufmerksamkeit, einen Verlagsvertrag zu ergattern, wie zum Beispiel Gunnar Kaiser mit seinem Roman „Unter der Haut“.
Ein wirklich spannendes Projekt, auf das ich mich schon ungemein freue!

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Auf der Buchmesse traf ich beim KiWi-Verlag dann auch die Autorin eines meiner nächsten Titel: Dana von Suffrin stellte dort nämlich ihren Debütroman „Otto“ vor und brachte die ganze Runde sehr zum Lachen…

Wer mich auch immer wieder zum Schmunzeln bringt, ist ja Philipp Tingler, von dem ich bisher tatsächlich noch nichts gelesen habe, dessen Videos mit Nicola Steiner ich aber gerne mal in Dauerschleife sehe. Schaut einfach mal unter „Steiner/Tingler“ bei YouTube! Die Dynamik der beiden macht einfach unheimlich Spaß, da bin ich schon gespannt, auf Tinglers neusten Roman „Rate, wer zum Essen bleibt“.

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Gleich drei Titel, die sich mit Frauen und ihren Lebensentscheidungen beschäftigen, liegen diesen Monat auf meinem Lesestapel:
In „Drei Wünsche“ von Laura Karasek geht es um drei Frauen um die dreißig, die wichtige Lebensentscheidungen treffen müssen…
Etwas weiter im Leben sind wir dann bei „Die Zehnjahrespause“ von Meg Wolitzer. Hier geht es um vier Frauen Anfang vierzig, die alle feststellen, daß es eben nicht einfach ist, Kinder und Karriere gut miteinander zu vereinbaren und die nun die Weichen für ihr zukünftiges Leben stellen müssen.
Wolitzers letzter Roman „Das weibliche Prinzip“ hatte es ja recht schwer, weil es als feministisches Buch vermarktet wurde, obwohl der Fokus der Geschichte eigentlich woanders lag. Trotzdem hatten mich ihre starken, sehr lebensnahen Charaktere beeindruckt, weshalb ich ihrem neuen Buch gerne nochmal eine Chance geben wollte.
In „Tage des Verlassenwerdens“ von Elena Ferrante geht es dann, wie man sich schon denken kann, um das Ende einer Ehe…
Während ich die Neapolitanische Saga zwar ganz nett, aber nicht unbedingt beeindruckend fand, gehörte ihr früher Roman „Frau im Dunkel“, das im Frühling erstmal auf Deutsch erschien zu meinen Lesehighlights des Jahres.
„Tage des Verlassenwerdens“ soll ähnlich sein, also habe ich sehr hohe Erwartungen an dieses Buch!

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Zum Schluß werden wir noch ein bißchen klassisch…
„Der unsichtbare Roman“ von Christoph Poschenrieder handelt von Gustav Meyrink, dem Autor des „Golem“. Der soll hier gegen Honorar ein Buch schreiben, das den Freimaurern die Schuld am Ersten Weltkrieg gibt. Das hört sich für mich nach einem unheimlich spannenden Roman an!

Und weil mittlerweile nun wirklich jeder mitbekommen haben dürfte, wie sehr ich gut illustrierte Bücher liebe, freue ich mich diesen Monat sehr auf „Die Nibelungen“ aus der Insel-Bücherei, die von Burkhard Neie illustriert wurden. Ich bin ja ein großer Fan von Neies Illustrationsstil und freue mich schon sehr auf diesen Augenschmaus…
In der Insel-Bücherei gibt es von Neie übrigens bereits zwei Bände mit deutschen Sagen und zwei mit Balladen, die ich wirklich nur jedem ans Herz legen kann!

Das ist er also, mein November-Stapel…
Unglaublich, wie schnell das Jahr vergeht!
Kommt gut und ohne Schnupfen durch den Monat!

Verfrorene Grüße,
Eure Andrea

Review: Liebe in Lourdes

Viele Blogger bekamen ja im letzten Monat „Liebe in Lourdes“ von Sophie von Maltzahn mit einem glühenden Brief des Lektors als kleine Überraschung zugesandt.
Der Titel schreckte mich zunächst einmal ab; Liebesromane sind einfach nicht meine Welt, der Klappentext versprach aber eine Geschichte, die durchaus Potenzial hatte.

Offenbar pilgern viele Adelige gerne und manche von ihnen schließen sich dabei einem Orden an, um mit einer Gruppe behinderter Kinder nach Lourdes zu fahren und sich in der Zeit um diese Kinder zu kümmern. Natürlich stilecht in Uniform und Schwesternkostüm mit Umhang und Häubchen.
Hier präsentiert man sich von seiner besten Seite: als frommer und aufopferungsvoller Mensch, um vielleicht einen geeigneten Heiratskandidaten unter den adeligen Mitpilgern zu finden.

Die Idee, daß man nun eine Enddreißigerin aus dem hippen Berlin auf diese Reise gehen lässt fand ich noch ganz spannend. Stößt da kritisches Denken auf religiöse Dogmen?
Wie fühlt sich jemand, der noch nie mit behinderten Menschen gearbeitet hat und vielleicht bisher nur für sich selbst verantwortlich war?
Man hätte durchaus etwas spannendes aus diesem Stoff machen können, doch dann trudelten nach und nach die Meinungen der anderen Blogger ein und rechte Begeisterung kam da nicht auf.
Besonders lesenswert fand ich den Beitrag von Alexandra vom Read Pack Blog, die die Darstellung von Menschen mit Behinderung in diesem Buch kritisiert und auch sehr eindrücklich von ihren eigenen Erfahrungen berichtet. Ihre Rezension findet Ihr hier.

Nach einigem hin und her entschloss ich mich dann aber doch, das Buch zu lesen und ich kann nur sagen, daß sich all meine Befürchtungen bewahrheitet haben.

Schon rein sprachlich lässt einen der Roman immer wieder innerlich aufstöhnen. Ständig wird da ins Englische oder Lateinische gewechselt, offenbar der Versuch, dem Leser eine gewisse Weltläufigkeit und religiöses Wissen zu suggerieren.
Dazu dann noch kryptische Fußnoten, die möglicherweise gehobene Literatur sein sollen, aber beim Lesen nur für Augenrollen sorgen. Nein sprachlich kann „Liebe in Lourdes“ mich nicht überzeugen.
Vielleicht könnt Ihr ja mehr damit anfangen, hier ein kleines Beispiel:

„Dann lass uns derweil für Anke ein Souvenir besorgen. Ein bisschen Zeit haben wir ja noch.“*

* While the angels sing.

Gut, vielleicht ist es große Kunst und ich verstehe es nicht, allerdings konnte mich auch die Handlung nicht überzeugen.

Kassandra, die Hauptfigur fährt also mit einem Orden und einer Gruppe behinderter Kinder im Sonderzug nach Lourdes, ihre persönliche Überzeugungen werden nie wirklich ganz klar, manchmal stellt sie kritische Fragen, was die Marienerscheinungen betrifft, dann wieder verfällt sie ganz plötzlich in ein regelrechtes High, das durch die Anwesenheit Gottes, oder irgendwas im Wasser ausgelöst wird, jedenfalls läuft sie kapitelweise wie eine Besoffene durch die Geschichte.
Natürlich verliebt sie sich auch, nämlich in „Oki“, mit dem es dann ein großes Happy End gibt, als sich herausstellt, daß ihm ganz zufällig ein Schloss gehört und somit das letzte Klischee abgehakt wäre.

Und können wir bitte nochmal über die Kinder sprechen?
Alexandra hatte ja schon gesagt, daß die Art und Weise wie hier über Menschen mit Behinderung geschrieben wird, einfach nur falsch ist. Ständig liest man „diese Geschöpfe“ oder „diese Kreaturen“… Immer wieder ist Kassandra komplett überrascht, wenn eines der Kinder (die übrigens zum Teil schon Bartwuchs haben, aber das Alter spielt hier offenbar keine Rolle, solang es sich nur um eine „hilflose Kreatur“ handelt) eine halbwegs menschliche Regung zeigt.

Was mir aber auch die ganze Zeit über sauer aufgestoßen ist, war der Umgang der Pilger mit den Kindern. Da wird nämlich die ganze Zeit gebusselt, geschmust oder zu den Kindern ins Bett gekrabbelt, um mit ihnen zu kuscheln.
Es ist ein wirklich sonderbares Bild, was da gezeichnet wird (und ich möchte an dieser Stelle absolut keinen Vorwurf der Pädophilie bringen), aber ich hatte immer das Gefühl, daß da Grenzen überschritten werden.
Ich weiß zum Beispiel aus dem Kindergarten meines Sohnes, daß die Erzieher*innen einen bestimmten Verhaltenscodex befolgen, was die Nähe zu Kindern angeht. Nähe, die die Kinder signalisieren ist okay, sich ein Kind allerdings auf den Schoß zu ziehen, wenn es nicht darum gebeten hat, ist mittlerweile ein No-Go.

Wie steht es also mit behinderten Kindern, denen körperliche Nähe vielleicht sehr wichtig ist, die das allerdings nicht verbalisieren können?
Bin ich da zu kritisch, wenn ich sage, daß ich es irgendwie bedenklich finde, daß da wildfremde Menschen (und man muss hier nochmal betonen, daß die Pilger nur in dieser einen Woche der Pilgerschaft etwas mit den Kindern zu tun haben) mit diesen Kindern herumbusseln?
Also habe ich einen Freund gefragt, der als Sonderschullehrer mit behinderten Kindern arbeitet und auch er sagte, daß das ein No-Go für ihn ist.

Und nur um das noch einmal zu betonen: ich spreche hier nicht von Unsittlichkeiten. Aber all dieses Geherze und Geschmuse machte auf mich immer den Eindruck, als ob es eher die Erwachsenen waren, die sich etwas bei den Kindern geholt haben.
Mitunter war ich fast schon an Delfintherapie erinnert, so als bräuchten es die adeligen Pilger mehr als die Kinder, in den Arm genommen zu werden und so denkt sich Kassandra am Ende auch: „Danke, dass du für eine Woche eine Mutter aus mir gemacht hast!“

Abgesehen von dem gewollt gekünstelten Stil und der flachen Handlung fand ich die Darstellung und den Umgang mit behinderten Menschen in diesem Buch wirklich sehr bedenklich.
Von mir gibt es definitiv keine Empfehlung.

Sommerlese im Juli

Morgen ist schon wieder der erste Juli und das halbe Jahr ist vorbei!
Unglaublich, wie die Monate geradezu vorbeifliegen…

Wir Buchhändler stecken gerade zwischen dem Frühjahrsprogramm und den neuen Herbstvorschauen. Wir schwanken von „Oh, das wollte ich eigentlich noch lesen!“ über „Hach, das ist gerade erschienen, darauf hab ich ja schon gewartet!“ zu „Waaah… woher kommen denn jetzt schon all die Herbst-Novitäten, die da plötzlich in meinem SUB-Regal liegen?!?“.

Auch bei mir ist es diesen Monat eine Mischung aus „Solltest du doch schon kennen!“ und „Na, jetzt komm aber mal in die Gänge mit den Neuheiten. Bis zum Weihnachtsgeschäft musst du das Herbstprogramm einigermaßen abgegrast haben!“.
Und auch wenn sich das jetzt nach Stress anhört: ich liebe es, dieser Tage in der Sonne zu liegen und zu lesen und dabei all die spannenden Neuheiten zu entdecken, die demnächst auf den Markt kommen werden.

Fangen wir aber zunächst mal mit den Titeln der Rubrik „Immer noch nicht gelesen?“ an.

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Ich habe tatsächlich erst vor kurzem meinen ersten Roman von Elena Ferrante gelesen. Der Hype um die Neapolitanische Saga hat mich zwar immer abgeschreckt, jetzt muss ich aber doch mal reinlesen, nachdem mich Frau im Dunkeln so positiv überrascht hat.
Als einziges Taschenbuch diesen Monat wird Meine geniale Freundin mein treuer Begleiter fürs Schwimmbad.

Zwei Titel, die nicht auf meiner Leseliste standen, als sie Ende letzten Jahres, bzw Anfang diesen Jahres erschienen sind, sind Mein Ein und Alles von Gabriel Tallent und Jesolo von Tanja Raich.
Nachdem ich aber auf allen Kanälen nur begeisterte Stimmen zu diesen Romanen gehört habe, war ich allerdings doch noch neugierig geworden!

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Ein Buch, zu dem ich keine begeisterten Stimmen hörte, ist dagegen Liebe in Lourdes von Sophie von Maltzahn. Im Rahmen einer Blogger-Aktion wurde mir dieses Buch überraschend zugesandt und nachdem ich zunächst dachte: „Oje… so ein kitschiger Titel!“, dann den Klappentext las und dachte, daß diese Geschichte durchaus Potential haben könnte, stolperte ich über die Rezension von Alexandra vom Read Pack Blog.
Ihr Beitrag ist wirklich ziemlich lesenswert: ihr findet ihn hier.

Sie kritisiert darin sehr scharf, wie Menschen mit Behinderung in diesem Buch dargestellt werden und nachdem, was sie dazu sagte und ich entsprechende Textstellen aus dem Buch gelesen hatte, wollte ich es eigentlich lieber weggeben.
Dann schrieb ich aber ein bißchen mit Alexandra und letztendlich dachte ich mir, vielleicht ist es besser, dieses Buch gerade deshalb zu lesen, um anschließend ein informiertes Feedback abgeben zu können. Schließlich kann man 2019 einfach nicht mehr über bestimmte Themen schreiben, wie man es vielleicht noch 1979 getan hat!

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Aus der „Rivers of London“-Reihe von Ben Aaronovitch gibt es auch wieder etwas Neues!
Mit The October Man ist die zweite Novella der Reihe erschienen und der Titel passt ganz wunderbar! Schließlich wird Ben Aaronovitch mein Oktober-Mann sein! – Zumindest was die Veranstaltungsorganisation bei uns im Laden betrifft, denn dann wird Aaronovitch zu einer Lesung in meine Filiale kommen!
Ich freu mich schon sehr!

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Kommen wir nun zu den ersten Herbstnovitäten dieses Jahr.
Von Stig Sæterbakken schwärmte mir Torsten Woywod von Dumont schon auf der Leipziger Buchmesse vor, Mitte Juli wird es nun endlich erscheinen.
Durch die Nacht hört sich zwar ziemlich düster an, aber Torsten hat einen Geschmack, der den meinen eigentlich immer trifft, deshalb vertraue ich seinem Urteil da gerne blind.

Ein Buch, das erst Ende August erscheint ist „Blackbird“ von Matthias Brandt.
Letzten Monat hatte ich ja schon ein bißchen von meinem kleinen, inoffiziellen Lesekreis mit zwei Kollegen erzählt, jetzt haben sich noch andere angeschlossen, so daß wir uns zu acht auf das Leseexemplar gestürzt haben!
Spannend wird es, weil mein Kollege schreibende Schauspieler absolut nicht leiden kann und dieser Zunft mit „Blackbird“ eine allerletzte Chance gibt. Das verspricht spannend zu werden!

Zwei Hinweise an dieser Stelle…

Erstens: hättet Ihr denn Lust, daß ich hier auch von dem Lesekreis mit meinen Kollegen erzähle, sie Euch ein bißchen vorstelle und statt einer normalen Rezension zu dem Buch all die verschiedenen Meinungen von uns sammle?

Zweitens: mir ist bewusst, daß ich oft der Kollege schreibe, so als hätte ich nur den einen. Tatsächlich ist es aber so, daß in der Regel immer derselbe Kollege gemeint ist, wenn ich schreibe: „Der Kollege hat mir das empfohlen…“ oder „Dem Kollegen hat das nicht gefallen…“
Diesen Kollegen möchte ich Euch Mitte des Monats gerne einmal richtig vorstellen. Wir haben da nämlich ein gemeinsames Projekt in Planung, auf das ich mich schon sehr freue!

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Natürlich durfte auch diesen Monat wieder ein illustriertes Sachbuch mit auf den Lesestapel: Rot ist doch schön von Lucia Zamolo aus dem Bohem Verlag.
Darin geht es (schockschwere Not!) um die Menstruation; ein Thema, über das ja immer noch kaum offen gesprochen wird. Deshalb bin ich jetzt schon ganz begeistert von diesem schön illustrierten Büchlein, das verspricht, Klartext zu reden.

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Kein Monat ohne Graphic Novel!
Im Juli ist das Sumpfland der Künstlerin Moki aus dem Reprodukt Verlag.
Seitenweise ohne Text und mit absolut ungewöhnlichen Figuren, scheint „Sumpfland“ nach dem ersten Anlesen ein Titel zu sein, in dem man wirklich abtauchen und sich ein Stück weit selbst verlieren kann.
Ich freu mich sehr darauf, es mir in einer stillen Nacht ganz in Ruhe vorzunehmen.

Soviel also von meiner Seite und jetzt seid Ihr dran:
Welche Titel habt Ihr Euch für den Juli vorgenommen?
Kennt Ihr den ein oder anderen Titel von meinem Lesestapel?
Und für mich besonders interessant: möchtet Ihr meine Kollegen kennenzulernen und ihre Meinungen zu den Büchern aus dem Lesekreis hören?

Genießt den Sommer!
Eure Andrea

 

Review: Der Zopf meiner Großmutter

Maxim ist ein kränkliches und vermutlich zurückgebliebenes Kind… Zumindest, wenn es nach seiner Großmutter geht. Denn während in Russland noch diverse Krankheiten diagnostiziert wurden, halten die offenbar unfähigen deutschen Ärzte den Jungen für vollkommen gesund, und so nimmt die Großmutter Maxims „Behandlung“ selbst in die Hand, verbietet ihm bestimmtes Essen nach Gutdünken, desinfiziert alles, worauf sein Blick fallen könnte und füttert ihn mit selbstgemachten Babybreichen bis über die Grundschulzeit hinaus.

Dabei ist sie ebenso fürsorglich wie grausam; zum Beispiel, wenn sie in mühevoller Arbeit eine riesige Sahnetorte zu Maxims Geburtstag bäckt, nur um sie dann vor seinen Augen selbst zu verspeisen, denn schließlich würde diese Köstlichkeit den Kleinen wohl ins frühe Grab bringen…

Doch das Leben der kleinen Familie ändert sich, als sich Maxims Großvater plötzlich in die Nachbarin Nina verliebt. Die Großmutter ignoriert die Beziehung mit einer beinahe schon fatalistischen Haltung, bis der kleine Tschingis das Licht der Welt erblickt und Maxims Großvater so aus dem Gesicht geschnitten ist, daß nicht einmal mehr die Großmutter die Tatsachen verleugnen kann.

Nach der Geburt verfällt Nina jedoch in eine schwere Depression, und so nimmt die Großmutter kurzerhand das Baby und Ninas Tochter Vera bei sich auf.
Es ist eine wirklich seltsame Familie, die Großmutter, Großvater, Nina, Maxim, Vera und der kleine Tschings da bilden.
Die Frauen respektieren sich, kämpfen um ihre Freiheiten und verzweifeln doch aneinander, die Kinder verbrüdern sich, der Großvater schweigt zu allem und der Kleinste wird verwöhnt wie ein Prinz.
Als der Großvater dann einen schlimmen Unfall erleidet, wird die Familie auf eine harte Probe gestellt…

„Der Zopf meiner Großmutter“ war mein erstes Buch von Alina Bronsky, aber bestimmt nicht mein letztes!
Ihr Stil ist leicht und schnell zu lesen und trotzdem schafft sie es immer wieder ganz wunderbare, profunde kleine Beobachtungen und Wahrheiten in Worte zu kleiden.
Bronskys Charaktere, besonders die Großmutter, sind so herrlich überzeichnet, daß man gar nicht anders kann, als sie sofort ins Herz zu schließen, obwohl man hin- und hergerissen ist, zwischen der Liebe, die sie offensichtlich zu ihrer Familie empfindet und den schrecklichen Kommentaren, die sie vom Stapel lässt.

Und so schwankt man in diesem Buch immer wieder zwischen Lachen, Empörung und Sentimentalität. Eine wirklich schöne Lektüre, die wohl eines meiner Highlights des Sommers werden wird.

Mai-Freude

Willkommen im Mai!
Auch wenn sich der Wonnemonat heute nicht gerade von seiner besten Seite zeigt, freue ich mich schon sehr auf die nächsten (hoffentlich) sonnigen Tage und all die Bücher, die ich mir für diesen Monat ausgesucht habe, und auf die ich schon sehr gespannt bin.

Dank meines neuen Zimmers bin ich im April endlich wieder mehr zum Lesen gekommen, auch wenn einige Rezensionen noch ausstehen, weil das launische Wetter leider einige Krankheitstage mit sich gebracht hat.
Hoffentlich wird das diesen Monat wieder besser und ich komme endlich dazu, Euch von all den Büchern zu erzählen, die mich in den letzten Wochen begeistert haben.

Doch beginnen wir mit meiner Auswahl für den Mai:

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Worauf ich sehr gespannt bin, nicht zuletzt, weil zwei Kollegen schon davon geschwärmt haben, ist Friedemann Karigs Romandebüt Dschungel. Bisher kennen wir Karig nur von seinem Sachbuch „Wie wir lieben“, trotzdem liegt meine Erwartungshaltung recht hoch.
Gestern habe ich im Zug mit Dschungel angefangen und war sofort gefesselt von der Geschichte über eine, wie es auf den ersten Blick scheint, sehr ungleiche Freundschaft, die mich ein wenig an Dunkelgrün fast schwarz erinnert hat.
Mal sehen, wohin die Reise noch gehen wird… Zunächst einmal nach Kambodscha.

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Es ist mir ja fast schon ein bißchen peinlich, wie lange ich gebraucht habe, um zu kapieren, wer hinter dem nächsten Titel steckt, aber irgendwann fiel dann auch bei mir der Groschen und ich begriff, warum jeder so begeistert von Giulia Becker ist.
Die arbeitet nämlich als Autorin für das Neo Magazin Royale und tritt dort immer mal wieder in Sketchen oder mit ihren Songs auf.
Vor zwei Jahren besang sie das weibliche Geschlechtsorgan so leidenschaftlich wie witzig, daß ich dieses Lied rauf und runter hörte, bis sogar meine Söhne „Wir haben eine Scheide…“ mitsangen. Genau mein Humor!
Insofern freue ich mich auch ganz besonders auf ihr Debüt Das Leben ist eins der Härtesten und hoffe, sie schreibt so gut wie sie singt!

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Eine Autorin, die sich dagegen schon vor Jahren einen Namen gemacht hat, ist Sarah MossJen Campbell lobt sie in ihren YouTube-Videos immer wieder über den grünen Klee, weshalb ich mir zwar schon ihren autobiografischen Roman über Island auf Englisch besorgt, aber noch nicht gelesen habe.
Auf der Leipziger Buchmesse kam ich dann aber so nett mit einer Mitarbeiterin des Mare-Verlags ins Gespräch, daß sie mir den Roman Gezeitenwechsel, der ohnehin auf meiner Wunschliste stand, liebenswerterweise gleich in die Hand drückte.
Darin geht es um eine Familie, die lernen muss, mit dem unsicheren Gesundheitszustand der Tochter umzugehen. Als Mutter leide ich bei solchen Themen ja ganz besonders mit…

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Ein Titel, mit dem ich schon ein Weilchen geliebäugelt habe, ist Siebzehnter Sommer von Maureen Daly. Der Titel ist bereits 1942 auf Englisch erschienen, wurde aber vor zwei Jahren von der kleinen Wiener Buchhandlung Anna Jeller, die auch Bücher herausgibt, neu entdeckt.
Aufmerksam wurde ich, weil Kat Menschik, die auch das Cover illustriert hat, dafür Werbung machte, doch zunächst war es nicht über die Großhändler lieferbar und so verschwand das Buch ein wenig aus meinem Fokus, bis es jetzt vom Kein & Aber Verlag als Taschenbuch aufgelegt wurde.

An dieser Stelle ein kleines Geständnis: ich habe bisher noch nichts von Alina Bronsky gelesen!
Ihr neuster Titel Der Zopf meiner Großmutter hat mich nun aber vom Inhalt und Cover her so angesprochen, daß ich das schleunigst ändern wollte.
Familiengeschichten sind aber auch meistens recht spannend!

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Nachdem ich letzten Monat sehr angetan von Sy Montgomerys Autobiografie Einfach Mensch sein war, habe ich mir für diesen Monat ihr Naturkundebuch mit dem eingängigen Titel Vom magischen Leuchten des Glühwürmchens bei Mitternacht – Und anderen kleinen großen Wundern der Natur vorgenommen.
Darin erzählt sie nicht von den Tieren, die sie auf Expeditionen im Dschungel erforscht hat, sondern macht uns auf die kleinen, leicht zu übersehenden Pflanzen und Tiere vor unserer eigenen Haustür aufmerksam.
Gestern habe ich das erste Kapitel über Flechten gelesen und was soll ich sagen? Sy Montgomery schreibt tatsächlich so leidenschaftlich und begeistert, daß einem Flechten plötzlich so exotisch vorkommen, wie Lebewesen von einem anderen Planeten!

Zu gute Letzt darf natürlich auch diesen Monat keine Graphic Novel fehlen und nachdem ich im April Darwin – An Exceptional Voyage von Fabien Grolleau und Jérémie Royer gelesen hatte und sehr begeistert war, musste ich mir dann natürlich auch ihr zweites Buch Audubon – On the Wings of the World gönnen.
Audubon sagt vermutlich den wenigsten etwas, doch vielleicht habt Ihr von seinem Werk „The Birds of America“ gehört, das als einer der Schätze der Buchkunst gilt und bei Versteigerungen immer mehrstellige Millionenbeträge erzielt.
Nun bin ich gespannt, mehr über den Mann hinter diesem Buch zu erfahren!

Das ist er also, der Mai-Stapel.
Ich freue mich unheimlich über meine Auswahl!

Was liegt gerade auf Euren Lesestapeln und kennt Ihr vielleicht den einen oder anderen Titel von meiner Liste?

Ich wünsche Euch einen wunderschönen, hoffentlich sonnigen Mai!
Eure Andrea

Review: Rückwärtswalzer

Seit ich „Blasmusikpop“ damals in einem kleinen Dörfchen nahe der Berge und mit Blick auf die Zugspitze gelesen habe, bin ich begeistert von Vea Kaisers Geschichten. Denn sie schafft es, Generationen umspannende Familiengeschichten so zu schreiben, daß man immer am Ball bleibt und staunt, wie die Ereignisse der Vergangenheit oftmals bis in die Zukunft nachklingen.

Deshalb war ich auch sehr gespannt, als ich endlich Vea Kaisers dritten Roman „Rückwärtswalzer oder Die Mahnen der Familie Prischinger“ in Händen hielt.
Kurz vor der Leipziger Buchmesse begann ich also mit der Lektüre und freute mich umso mehr, als ich die Autorin dann auf der Messe und bei einem kalorienreichen Bloggertreffen kennenlernen durfte.
Tolle Frau, tolles Buch!

In Lorenz Prischingers Leben läuft es gerade wirklich nicht rund. Seine Schauspielkarriere steht vor dem aus, die Schulden häufen sich und seine Freundin lässt ihn sitzen.
So ist er gezwungen, seine schicke Stadtwohnung unterzuvermieten und bei seinen fabelhaften Tanten unterzukriechen.
Hedi, Wetti und Mirl leben alle im selben Genossenschaftsgebäude in einem der weniger schicken Vororte von Wien und die Tatsache, daß er nun im ehemaligen Kinderzimmer seiner Cousine leben muss, kratzen schon gewaltig am Ego von Lorenz, doch immerhin tun seine Tanten ihr Möglichstes, um ihn aufzupäppeln, indem sie das machen, was sie ohnehin am liebsten tun; nämlich den ganzen Tag in der Küche von Tante Hedi und Onkel Willi sitzen und zu kochen und backen als wäre der Notstand ausgebrochen.

Doch eines Nachts passiert etwas, womit niemand gerechnet hat. Onkel Willi, der immer so sportlich und fit war, stirbt völlig unerwartet und bringt Tante Hedi damit in eine prekäre Lage. Denn Willi hat geschworen, in Montenegro – dem Land seiner Kindheit – beerdigt zu werden, doch das Sparkonto, daß er extra für Überführungs- und Beerdingungskosten angelegt hat wurde vor kurzem von Hedi geplündert, um der gemeinsamen Tochter finanziell unter die Arme zu greifen.

Was tun, wenn man ein Versprechen gegeben hat, aber nicht das Geld, es zu erfüllen?
Improvisation ist also gefragt, und so machen sich Lorenz, seine Tanten und der tote Onkel Willi kurz darauf auf zu einen unvergesslichen Roadtrip, bei dem Lorenz ganz nebenbei noch von den Geheimnissen der Familie Prischinger erfährt und von den Schicksalsschlägen, die sie so zusammengeschweißt hat.

Mit viel Gefühl und Humor erzählt Vea Kaiser in „Rückwärtswalzer“ wieder einmal eine wunderbare Familiengeschichte mit einzigartigen Charakteren, die man am Liebsten sofort in die eigene Familie aufnehmen möchte.
In Rückblenden erfährt man vom Leben, der drei Tanten, die zwar Österreich bis zu dieser Reise nie verlassen, aber trotzdem viel erlebt haben.

Ich habe viel geschmunzelt, gelacht, und mir am Ende auch ein paar Tränchen verdrückt. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung!

Und falls ich Euch jetzt Lust auf mehr gemacht habe… In meinen Urlaubs-Empfehlungen habe ich letztes Jahr unter anderem eben „Blasmusikpop“ vorgestellt.
Den Link dazu findet ihr hier:

Urlaubslektüre? – Meine Tipps für Euch!

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