Review: Reise ins Innere der Stadt

Meine Liebe zu schön illustrierten Büchern dürfte mittlerweile hinlänglich bekannt sein und Shaun Tan, einem meiner liebsten Illustratoren, habe ich ja vor einiger Zeit schon einen ganzen Beitrag gewidmet.
Seine Graphic Novel „Ein neues Land“ ist eines der besten Bücher, die ich je gelesen habe, und daß, obwohl es ohne ein einziges Wort auskommt! Ja, Shaun Tan ist wirklich ein meisterhafter Autor und Illustrator.
Nun ist im Herbst sein neustes Buch „Reise ins Innere der Stadt“ erschienen, welches natürlich nicht in meiner Sammlung fehlen durfte.

„Reise ins Innere der Stadt“ ist eine Fortführung von „Geschichten aus der Vorstadt des Universums“, welches leider aktuell nicht mehr auf Deutsch erhältlich ist.
Gerüchten zufolge soll es demnächst wieder neu aufgelegt werden, doch man muss dieses Buch nicht gelesen haben, um „Reise ins Innere der Stadt“ zu verstehen.
Es ist ein sehr eigenständiges Buch.

Darin erzählt Shaun Tan in Kurzgeschichten, Skizzen und beinahe schon poetisch anmutenden Texten von Tieren, die sich die Stadt nach und nach zurückerobern.

Da gibt es beispielsweise ein Hochhaus, in dem eine komplette Etage nur von Krokodilen bewohnt wird, und Riesenschnecken, die zunächst für Proteste sorgen und doch nach einiger Zeit nicht mehr aus dem Stadtbild wegzudenken sind. Fische, die in der Stratosphäre leben und die die Kinder auf den Hochhausdächern mittels Anglerschnüren an Ballons fangen und Pferde, die mit den Autos um die Wette laufen.

In manchen Geschichten schleichen sich die Tiere durch die Hintertür ein, wie zum Beispiel in der eines jungen Genies, der nur von Flusspferden träumt.
Andere Erzählungen sind durchwegs magisch, wie die, in der ein kompletter Firmenvorstand in Frösche verwandelt wird, oder die, in der die müden Fabrikarbeiter abends von einem gigantischen Yak nach Hause getragen werden.

Andere wiederum sind gesellschaftskritisch, wie die der Bären, die die Menschheit wegen Versklavung, Mord, Folter und Genozid verklagen…

Schon wenn man die „Reise ins Innere der Stadt“ aufschlägt, merkt man daß Shaun Tan mindestens genauso viel wert auf die Aufmachung seiner Bücher, wie auf den Inhalt legt.
Bereits das Inhaltsverzeichnis ist ein kleines Kunstwerk, bei dem die Tiere, um die es in den Geschichten geht als Schattenrisse dargestellt werden.

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Zu jeder Geschichte gibt es dann noch ein oder mehrere stimmungsvolle Gemälde; manche davon fotorealistisch, andere wiederum leicht abstrakt.

„Reise ins Innere der Stadt“ ist ein Gesamtkunstwerk, dessen Bilder und Texte sich wunderbar ergänzen und den Leser abwechselnd zum Schmunzeln bringen, zum Träumen einladen, oder zum Nachdenken anregen.

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Da das Buch im Aladin Verlag erschienen ist, werdet Ihr es vermutlich eher in der Kinderbuchabteilung Eurer Buchhandlung finden. Doch „Reise ins Innere der Stadt“ ist kein Buch für kleine Kinder!
Empfohlen wird es von 10-99 Jahre, wobei ich die Altersangabe vielleicht eher von 12-101 legen würde. Manche Geschichten setzen eine gewisse Reife voraus und regen auch zu Gesprächen an. Vielleicht ist es also eine schöne Idee, dieses Buch als Anlass zu nehmen, seinen älteren Kindern daraus vorzulesen. Aber abgesehen davon braucht man kein Kind, um illustrierte Bücher zu kaufen!

Die Bücher von Shaun Tan kann ich nur jedem ans Herz legen.

 

Mehr von Shaun Tan findet Ihr hier:

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Lieblingsillustratoren: Shaun Tan

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Review: The Little Book of Feminist Saints

Ich mache ja nun wirklich kein Geheimnis daraus, daß man mich mit schön illustrierten Sachbüchern immer sehr begeistern kann… Und diesen Monat habe ich mir „The Little Book of Feminist Saints“ vorgenommen.

Vom Aufbau und der Gestaltung her erinnert es an „Good Night Stories for Rebel Girls“, wobei die Illustrationen in diesem Buch allerdings alle aus einer Feder kommen, nämlich der von Manjit Thapp.
Diese schafft es, alle hundert Frauen sehr individuell und farbenfroh zu porträtieren.

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Die Autorin Julia Pierpont hat sich dagegen entschieden, reine Kurzbiografien zu schreiben, sondern vermittelt einen Eindruck der Leistungen dieser Frauen anhand von spannenden Anekdoten.

Auch die Auswahl finde ich sehr gelungen. Von der Antike bis in unsere Gegenwart werden Frauen aus der ganzen Welt und aus allen möglichen Gebieten der Wissenschaft, Kunst, Politik, usw vorgestellt.

Den Titel fand ich anfangs etwas irritierend. Saints war mir ein zu großes Wort, zumal einige der Porträtierten ja immer noch unter uns weilen. 😉
Im Vorwort wird dazu erklärt, daß die Inspiration von katholischen Heiligenbüchern kam, bei denen man jeden Tag etwas zu einem Heiligen lesen kann.

Mir hat „The Little Book of Feminist Saints“ jedenfalls wahnsinnig gut gefallen und ich war wieder fleißig am Googlen, YouTube Videos schauen und Wikipedia Einträge lesen, um noch mehr über diese spannenden Frauen zu erfahren.

Falls ihr diese Art von Büchern liebt, schaut doch auch noch hier vorbei:

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Review: Little Leaders

 

Review: Von Inseln, die keiner je fand

Mittlerweile dürfte wohl schon bekannt sein, daß ich schön gemachte Bücher mit wunderbaren Illustrationen über alles liebe. Da darf es auch schon mal ein Sachbuch sein. 😉

Als ich im Katalog über „Von Inseln, die keiner je fand“ gestolpert bin war ich sofort verliebt und habe es mir dann doch noch auf Englisch bestellt, weil ich die wenigen Wochen, bis es auf Deutsch erscheinen würde (mittlerweile ist es das) nicht mehr abwarten konnte.

In „The Un-Discovered Islands“ nimmt sich Malachy Tallack sagenhafte Inseln vor, die zwar mittlerweile ins Reich der Fantasie oder auch Archäologie eingegangen sind, die aber über Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte auf den Karten dieser Welt zu finden waren.

Hier finden wir natürlich Atlantis und Thule, aber auch weniger bekannte Archipele… Inseln, die wohl nur in Geschichten vorkamen und sich so einen Platz auf den Karten ergatterten oder solche, die trotz mehrfacher Sichtungen und genauer Angaben einfach und unerklärlich verschwanden.

Die Geschichten sind dabei immer einzigartig und kurzweilig.
Illustriert wurde alles ganz wundervoll von Katie Scott, die viele schon von ihren großartigen Bildbänden „Das Museum der Tiere“ und „Das Museum der Pflanzen“ kennen.

Ich liebe ja Bücher, bei denen alles zusammen passt und so ist „Von Inseln, die keiner je fand“ ein wirklich schönes Buch, daß man sich gönnen darf, wenn man ein bißchen von den Mythen und Forschern vergangener Epochen träumen möchte und natürlich auch ein perfektes Geschenk. 🙂

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Review: Little Leaders

Dieses Buch habe ich die letzten drei Tage kaum aus der Hand legen können!

Auf „Little Leaders“ bin ich im Zuge meines Black History Month gestossen und war sofort begeistert von diesem wunderbar illustrierten Sachbuch für Kinder und Jugendliche.

Vashti Harrison begann selbst während eins BHM, Bilder von kleinen Mädchen in den Rollen außergewöhnlicher afroamerikanischer Frauen zu malen. Dabei sollten sie als Platzhalter für die Träume von Mädchen dienen, die selbst eines Tages Großes erreichen wollen (deshalb eben auch „Little Leaders“), doch das Projekt verselbstständigte sich an diesem Punkt ein wenig…

Harrison begann ihre Illustrationen mit kurzen Biografien zu ergänzen und stieß dabei auf bewegende Geschichten.

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Einige der porträtierten Frauen waren mir natürlich bekannt, wie Oprah Winfrey, Nichelle Nichols oder Katherine Johnson, die seit dem Film „Hidden Figures“ ein Begriff sein dürfte. Aber auch Unbekanntere kann man hier kennenlernen, wie Ruby Bridges, die als erstes schwarzes Mädchen auf eine weiße Schule in New Orleans ging und damit heftige Proteste auslöste, oder Mary Bowser, die während des Bürgerkriegs als Dienstmagd bei den Konföderierten eingeschleust wurde und in Wirklichkeit eine geschickte Spionin war.

Unabhängig von der Hautfarbe haben wir hier Porträts von starken Frauen, die ihrer Zeit oft voraus waren. Daß sie dabei dann noch gegen Vorurteile und Rassismus kämpfen mussten macht ihre Errungenschaften nur noch beeindruckender.
Wir sehen hier Anwältinnen, Ärztinnen, Sportlerinnen, Künstlerinnen und sogar eine Astronautin. Ihnen allen ist nichts in den Schoß gefallen und ich ziehe meinen Hut vor so viel Willenskraft und Stärke.

„Little Leaders – Bold Women in Black History“ ist zwar als Kindersachbuch konzipiert, aber ich kann es auch jedem Erwachsenen ans Herz legen.
Mein Großer war sehr an den Geschichten der Frauen interessiert und ließ sich alles übersetzen und der Kleine war begeistert von so vielen Berufen in einem Buch. 😉

Das dürfte wohl auch erklären, warum ich drei Tage für dieses dünne Buch gebraucht habe. Ständig wollte ich googlen, um noch mehr über die Frauen zu erfahren, so faszinierend waren ihre Geschichten…
Ich habe mir Aufnahmen der Sängerinnen angehört, Videos der Sportlerinnen angesehen, die Bilder der Künstlerinnen betrachtet…

Ihr merkt schon… ich war begeistert! 😉

Review: Der Fuchs und der Stern

Heute möchte ich euch ein kleines aber feines Buch vorstellen, das ich schon länger umschlichen und mir jetzt doch endlich zugelegt habe.

„Der Fuchs und der Stern“ ist ein dünnes Bändchen. Ein Märchen, das hauptsächlich von seinen wunderbaren, im Ornamentstil gehaltenen Illustrationen lebt.

Darin geht es um einen Fuchs, dessen einziger Freund ein Stern ist. Als dieser Stern aufhört zu scheinen fällt der Fuchs zunächst in tiefe Trauer, doch dann macht er sich auf die Suche um seinen Stern zu finden.

Obwohl „Der Fuchs und der Stern“ ihr erstes Buch ist, war die Autorin Carolie Bickford-Smith keine Unbekannte für mich. Schließlich designed sie schon seit Jahren die Cover für die fabelhafte Penguin Clothbound Classics Reihe, die mich früher oder später noch ins Armenhaus bringen wird… Doch das ist – wie Michael Ende immer zu sagen pflegte – eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden...

„Der Fuchs und der Stern“ ist eine Fabel, die vom Leser – je nach Gemütslage – auf verschiedene Arten gedeutet werden kann.
Freunde von liebevoll gestalteten Büchern sollten auf jeden Fall mal einen Blick hinein werfen.

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Review: 20.000 Meilen unter dem Meer

Vor einiger Zeit hatte ich ja meine Liste der Schande erwähnt, die bei euch auf großes Interesse gestoßen ist.
Deshalb wollte ich heute mal einen Klassiker vorstellen, den bestimmt jeder von euch kennt, auch wenn ihn vielleicht die wenigsten komplett gelesen haben. 😉

„20.000 Meilen unter dem Meer“ hat mich schon als Kind fasziniert und damals gab es auch eine illustrierte Kinderbuchausgabe in unserer kleinen Stadtteilbücherei.
Die Vorstellung, im Meer zu leben hat mich absolut verzaubert, aber auch furchtbar gegruselt… man denke nur an den Riesenkraken!

Erst viele Jahre später habe ich dann die Originalausgabe gelesen und war überrascht, wie prophetisch und sozialkritisch dieser Roman wirklich ist.
In der Kinderbuchausgabe war der Text natürlich stark gekürzt und vereinfacht… Spätestens bei dem Kapitel „Einige Zahlen“, in dem auf etwa dreißig Seiten das Fassungsvermögen und die Kapazität der Nautilus erörtert werden, würden die meisten Teenager entnervt aufgeben. 😉

Für alle, die die Geschichte nur vom Hörensagen kennen:
Im Jahr 1867 nimmt der Meeresforscher Pierre Aronnax an einer Reise teil, bei der das Geheimnis eines vermeintlichen Seemonsters gelüftet werden soll. Innerhalb eines Jahres wurden nämlich mehrere Schiffe von einem mysteriösen Etwas unter Wasser regelrecht aufgeschlitzt.
Auch Aronnaxs Schiff wird angegriffen, doch er selbst, sein Diener Conseil und der Harpunier Ned Land können sich retten… und befinden sich plötzlich in einem hochmodernen Unterseeboot, der Nautilus.
Kapitän dieses Schiffes ist der geheimnisvolle Nemo, der mit einer handvoll Gleichgesinnter ein Leben unter Wasser und fernab einer Zivilisation, die er verabscheut, gewählt hat.
Aronnax, Conseil und Land bleibt keine andere Wahl, als auf der Nautilus zu bleiben und sich auf einer abenteuerlichen Reise den Gefahren der Meere und den Abgründen der menschlichen Seele zu stellen…

Ich bin ja ein großer Fan von Jules Verne und immer wieder erstaunt darüber, wie prophetisch seine Werke zuweilen sind.
Als ich diese wunderbar illustrierte Ausgabe des Knesebeck Verlages entdeckt habe war ich absolut begeistert und musste einfach zuschlagen.
Hierbei handelt es sich um den Originaltext, weshalb mein Großer leider ein wenig daran verzweifelt… aber für alle diejenigen, die schön gestaltete Bücher lieben ist diese Ausgabe ein richtiger Schatz!

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Lieblingsillustratoren: Kat Menschik

Die letzten Wochen habe ich hier ja viele eurer Erlebnisberichte von der Frankfurter Buchmesse gelesen. Das Highlight der meisten war wohl ein Treffen mit ihrem Lieblingsautor.
Dabei bin ich ein wenig ins Grübeln gekommen… Wie ich ja schon im Mystery Blogger Award verraten habe sind Autoren für mich nicht besonders wichtig.
Durch meine Arbeit in der Buchhandlung habe ich über die Jahre hinweg einige Autoren kennenlernen dürfen, aber für mich sind die Geschichten immer wesentlich spannender als die Personen, die sie geschrieben haben.
Also dachte ich nach… Bei wem würde ich weiche Knie bekommen…? Und schlagartig wurde mir bewusst, daß ich nicht für Autoren sondern für Illustratoren schwärme wie ein verliebter Teenager. 😉

Deshalb dachte ich, ich beginne an dieser Stelle eine kleine Reihe, in der ich euch meine liebsten Illustratoren und ihre schönsten Bücher vorstelle.

Den Anfang macht natürlich Kat Menschik, deren Drucke ich so liebe, daß ich wirklich jedes Buch von ihr besitzen möchte.
Bisher sieht meine Sammlung so aus:

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Aufmerksam wurde ich auf sie durch die Kurzgeschichten von Haruki Murakami.
Murakami ist einer der wenigen Autoren von denen ich alles gelesen habe. – Sogar das Buch über das Laufen, obwohl ich nach 200 Metern Sprint meine Seele aushusten würde und sogar die Interviews mit dem Dirigenten Seiji Ozawa, obwohl ich absolut unmusikalisch bin!
Als ich „Schlaf“ zum ersten Mal in meinen Händen hielt war ich sofort verliebt in Kat Menschiks Vierfarbdrucke in blau, weiß, grau und silber.
Seitdem kann ich an keinem Buch vorbeigehen, das sie bebildert hat, ohne es sofort haben zu wollen.
Als der Galiani Verlag dann begann, sie eine eigene Reihe gestalten zu lassen, in der jedes Buch ein kleines Gesamtkunstwerk ist, war es um mich geschehen…

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Aus dieser Reihe stammt auch mein Lieblingsbuch von ihr, nämlich E.T.A. Hoffmanns „Die Bergwerke zu Falun“. Die Illustrationen sind einfach umwerfend und der Titel leuchtet sogar im Dunkeln!

Zu Weihnachten gönne ich mir ja immer einen kleinen Luxus und letztes Jahr habe ich mir dann tatsächlich selbst einen limitierten und signierten Druck von Kat Menschik geschenkt.
Der Kontakt mir ihr war wirklich sehr nett und unkompliziert und „My Lovely Pangolin“ ist mittlerweile das Herzstück meiner Leseecke:

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Sollte es mich in absehbarer Zeit doch mal wieder auf eine Buchmesse verschlagen, werde ich wohl alle Autoren links liegen lassen (sogar Haruki Murakami) und Kat Menschik auflauern wie ein gruseliger Stalker. 😉

Wer also wunderschön gestaltete Bücher liebt, der möge doch bei seinem nächsten Besuch in der Buchhandlung die Augen nach Illustrationen von Kat Menschik offen halten. 🙂

 

Noch mehr über Kat Menschik schwärme ich zum Beispiel hier:

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Review: Moabit

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Review: Unheimliche Geschichten

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Review: Der Held im Pardelfell