Kurz und Knapp – Was ich noch so alles gelesen habe #1

Nachdem ich die letzten Monate praktisch kaum zum Bloggen gekommen bin, haben sich so viele Titel angesammelt, zu denen ich zumindest noch ein kurzes Feedback geben möchte, daß mich der Gedanke daran, über jedes dieser Bücher noch einmal einzeln und ausführlich zu schreiben, regelrecht überfordert.
Deshalb habe ich mir nun vorgenommen, einmal kurz von den Titeln zu erzählen, die zum Teil schon länger auf meinem Rezensionsstapel liegen.

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Der Roman, der vermutlich am längsten auf diesem Stapel liegt, ist „Blackbird“ von Matthias Brandt. Ein paar Kollegen und ich hatten schon im letzten Sommer die Idee, dieses Buch gemeinsam zu lesen und dann darüber zu sprechen, aber irgendwie haben wir es nie geschafft, einen Termin zu finden, an dem wir alle Zeit hatten und so rutschte „Blackbird“ bei den Titeln, über die ich schreiben wollte, immer weiter zurück.

Hauptfigur ist der 15-jährige Motte, der eigentlich genug mit der Scheidung seiner Eltern und dem ersten Liebeskummer zu tun hätte, als er erfährt, daß sein bester Freund an Krebs erkrankt ist.
Es fällt Motte immer schwerer, Bogi im Krankenhaus zu besuchen und so zu tun, als ob alles normal sei. Also kapselt er sich mehr und mehr ab. Nicht nur von Bogi, sondern auch von allen anderen.

„Blackbird“ war ein Buch, mit dem ich ziemlich zu kämpfen hatte. Als Mutter von zwei Jungs fällt es mir unheimlich schwer, über lebensbedrohliche Krankheiten bei Kindern zu lesen. Deshalb kämpfte ich beinahe mehr mit dem Buch, als der Protagonist Motte mit seinem schlechten Gewissen. Dabei bedient sich Brandt eines jugendlich „verschlufften“ Erzählstils, der mich auch nicht wirklich mit dem Thema versöhnen konnte.
Kein schlechtes Buch, das nun wirklich nicht, aber einfach nichts für mich.

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Auch schon seit dem letzten Jahr wartet Dana von Suffrins Debütroman „Otto“ auf eine Besprechung. Auf der Frankfurter Buchmesse hatte ich die große Freude zu einer Lesung von Dana von Suffrin eingeladen zu werden und eigentlich wollten Andi und ich damals noch im Podcast in einer unserer alten Wohnzimmerfolgen darüber sprechen, aber dann kam verschiedenes dazwischen und auch „Otto“ verlor sich in meinem Rezensionsstapel.

Als der Patriarch Otto im Krankenhaus landet, ist für Timna und ihre Schwester Babi schnell klar, daß sie nicht in der Lage sind, ihrem Vater die rund-um-die-Uhr Betreuung zukommen zu lassen, nach der er verlangt. Nicht so sehr, weil er sie wirklich brauchen würde, aber Otto ist nur dann glücklich, wenn immer jemand da ist, den er herumkommandieren kann und der sich dennoch aufopferungsvoll um ihn kümmert. Von seinen alten siebenbürgischen Kameraden wird im schnell eine Pflegerin besorgt, die sich zum gewöhnungsbedürftigen Familienzuwachs entwickelt.

Rückblickend erzählt Timna von dem verrückten Leben mit Otto und den skurrilen Erlebnissen der Familie. Das schafft Dana von Suffrin mit so viel Wärme und Humor, daß ich hoffe, bald mehr von ihr lesen zu können.

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Ein weiterer Titel, der nun schon lange auf seine Besprechung wartet, ist „Melmoth“ von Sarah Perry.

Melmoth ist eine unheimliche Sagengestalt, die verzweifelte Menschen in ihren Bann zieht, sie mit sich nimmt und erst dann wieder freigibt, wenn sie bereit sind, zu sterben.
Helen glaubt nicht an solche Schauermärchen, doch dann zeigt ihr ihr guter Freund Karel ein Manuskript, daß er von einem Bekannten kurz vor dessen Tod bekommen hat und in dem dieser die Geschichte seines Lebens und seine Begegnung mit eben dieser Sagengestalt beschreibt. Karel wirkt so unruhig und paranoid, daß Helen einwilligt, das Manuskript zu lesen, doch dann verschwindet Karel plötzlich spurlos und Helen beginnt sich zu fragen, ob Melmoth nicht doch mehr sein könnte, als ein bloßes Hirngespinst.

„Melmoth“ ist eine höchst literarische Schauergeschichte, die man ganz wunderbar im Winter lesen kann. So mitreißen und begeisterten wie in „Die Schlange von Essex“, konnte mich Sarah Perry mit „Melmoth“ aber leider nicht.

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Ein dünnes Büchlein ist „Der Hund“ von Akiz.
Auf weniger als 200 Seiten erzählt er von Mo, einem Koch, der in einer Dönerbude gegenüber des berühmt-berüchtigten Sternerestaurants El Cion arbeitet.
Als eines Tages ein Straßenjunge in der Dönerbude aushelfen soll, entdeckt Mo, daß der Junge, den die anderen nur den „Hund“ nennen, ein kulinarisches Talent wie kein zweiter hat. Mo beschließt, zusammen mit dem Hund im El Cion anzuheuern und dort Karriere zu machen, doch dabei setzt er Ereignisse in Gang, die das Leben aller Beteiligten völlig aus den Fugen geraten lassen.

„Der Hund“ ist ein knappe, bitterböse Geschichte, die ein wenig an Süskinds „Parfum“ erinnert. Von der ziemlich derben Sprache sollte man sich dabei nicht abschrecken lassen.

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Sayaka Murata wurde mit ihrem Roman „Die Ladenhüterin“ bekannt, im Sommer erschien nun ihr neustes Buch „Das Seidenraupenzimmer“.

Natsuki fühlt sich schon als Kind als Außenseiterin. Ihre Eltern bevorzugen klar die Schwester und auch an der Schule ist sie nicht übermäßig beliebt.
Nur in den Ferien, die sie mit der ganzen Verwandschaft im Haus der Großeltern verbringt, fühlt sie sich wirklich wohl, denn in ihrem gleichaltrigen Cousin Yu hat sie einen Seelenverwandten gefunden.
Der erzählt, ein Außerirdischer zu sein und auch Natsuki glaubt, magische Fähigkeiten zu besitzen. So fühlen sich die beiden beieinader sicher und akzeptiert.
Doch zurück an der Schule wird Natsuki von einem Lehrer sexuell mißbraucht und so beschließt sie, daß sie sich Yu einmal hingeben will, bevor sie wohl sterben muss. Das verursacht einen Skandal in der Familie, der Natsuki und Yu für viele Jahre auseinanderreißt.
Erst als die beiden schon erwachsen sind, sehen sie sich wieder. Natsuki ist inzwischen mit einem Mann verheiratet, der nicht mit ihr schlafen möchte. – Eine Absprache, die beide sehr zu schätzen wissen.
Doch als ihre Familien immer mehr Druck machen, daß es doch an der Zeit wäre, ein Kind zu bekommen, wünscht sich Natsuki immer mehr aus der Gesellschaft zu fliehen, in der Menschen offenbar nur Reproduktionsmaschinen sind.
Zusammen mit ihrem Mann fährt sie in die Berge, um Yu zu besuchen, der mittlerweise im abgelegenen Haus der Großeltern lebt. Alle drei wünschen sich ein Leben fernab der Anforderungen der Gesellschaft. Doch schon bald werden sie selbst an diesem abgeschiedenen Ort von den Erwartungen ihrer Familien und der Vergangenheit eingeholt…

Während „Die Ladenhüterin“ noch halbwegs zahm daherkam, empfand ich „Das Seidenraupenzimmer“ schon hart an der Grenze des Erträglichen. Wer Trigger-Warnungen für Bücher braucht, der sollte definitiv nicht nach diesem Titel greifen!

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Zu guter letzt wollte ich euch noch ein Hörbuch ans Herz legen, das mich wirklich unheimlich berührt hat: „Wir haben Raketen geangelt“ von Karen Köhler, gelesen von der Autorin zusammen mit Sandra Hüller.

Als ich Karen Köhler letztes Jahr zur Präsentation ihres Romans Miroloi kennenlernen durfte, las sie uns auch die ersten Kapitel vor, was ein wirklich unheimlich schönes Erlebnis war.
Karen Köhler ist ja ausgebildete Schauspielerin und hat eine extrem angenehme Stimme, dazu kam auch, daß „Miroloi“ ja einen sehr eigenen Rhythmus hat, den die Autorin natürlich perfekt traf. Mit dieser Stimme im Ohr hatte ich dann auch keinerlei Schwierigkeiten, in das Buch mit seiner zum Teil eigenwilligen Sprache zu hineinzufinden.

Nachdem mich Karen Köhler also sowohl als Autorin, als auch als Sprecherin völlig begeistert hatte, wollte ich mir ihre Kurzgeschichtensammlung „Wir haben Raketen geangelt“ unbedingt als Hörbüch anhören.
Blöd nur, wenn man das im Auto macht, denn manche Geschichten bewegten mich derart, daß ich völlig verheult über österreichische Bergpässe kurvte. – Nicht zur Nachahmung empfohlen!

Eine große Empfehlung aber für „Wir haben Raketen geangelt“ und das wirklich unheimlich schön eingelesene Hörbuch, bei dem die Stimmen der beiden Sprecherinnen so gut aufeinander abgestimmt waren, daß ich manchmal wirklich Mühe hatte, sie auseinanderzuhalten.

Gewinnspiel: #eichborncanlit

Wenn die Frankfurter Buchmesse heute Abend eröffnet wird, wird vieles sehr anders sein, als in den Jahren zuvor.
Statt uns auf den Fluren der Messehallen zu treffen, in die Arme zu fallen und über die neusten Bücher zu sprechen, werden die meisten von uns nur online an den Angeboten der Verlage teilnehmen können. Natürlich ist das ein bißchen traurig, trotzdem aber auch wirklich schön zu sehen, was sich die Verlage alles einfallen lassen, um die Buchmesse zu den Leser:innen nach Hause zu bringen.

Deshalb freue ich mich ganz besonders, daß ich auch ein Teil des Ganzen sein kann und einen von euch in Kooperation mit dem Eichborn Verlag beschenken darf!

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Unter dem Hashtag #eichborncanlit macht das Eichborn-Team auf die Neuerscheinungen seiner Autor:innen aus dem Buchmesse-Gastland Kanada aufmerksam.
Vier spannende Titel wurden da zu einem Buchpaket geschnürt, das ich diese Woche an einen von euch verlosen darf!

Im #eichborncanlit Paket findet ihr diese Bücher:

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Michael Crummey: Die Unschuldigen

Der elfjährige Evered und seine zwei Jahre jüngere Schwester Ada wachsen unter kargen Bedingungen auf. Sie sind die Kinder von Fischern, die allein inmitten der kanadischen Wildnis leben.
Als ihre Eltern sterben, sind die Geschwister auf sich allein gestellt; sie wissen nur das von der Welt, was sie von Mutter und Vater gelernt haben. Also führen sie deren hartes Leben nach Kräften weiter. Bis die Loyalität der Geschwister auf die Probe gestellt wird und sie für ihre Zukunft kämpfen müssen.
 
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Marie-Renée Lavoie: Tagebuch einer furchtbar langweiligen Ehefrau 
 
Die 48-jährige Diane wird von ihrem Mann verlassen. Sie sei ihm zu langweilig geworden. Und er habe übrigens eine neue, natürlich ein paar Jahre jüngere, Freundin …
Diane macht sich auf die Suche nach ihrem Selbstvertrauen und erlebt Zusammenbrüche in Umkleidekabinen, kleine Rachen an der Geliebten sowie der ewig vorwurfsvollen (Ex-)Schwiegermutter, Weißweinpartys am frühen Nachmittag und Zerstörungsorgien im ehemals trauten Heim. 
Ein schreiend komischer und aufs Beste unterhaltender Roman.
 
Außerdem hat die Eichborn-Familie Zuwachs bekommen; nämlich mit ihrer eigenen Taschenbuch-Reihe!
 
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Anaïs Barbeau-Lavalette: So nah an den glücklichen Stunden
 
Als Anaïs geboren wird, ist das Band zwischen ihrer Mutter und ihrer Großmutter längst zerschnitten. Als junge Frau hatte die Großmutter ihren Mann und die zwei kleinen Kinder verlassen – für ihre Nachkommen ist sie eine Fremde. Erst nach ihrem Tod will Anaïs wissen, wer diese Frau war, die ihr Leben so rigoros geführt hat, und folgt ihren Spuren um die Welt. Es entsteht das bewegende Porträt einer faszinierenden Künstlerin, die immer ihren Platz suchte – unsentimental und liebevoll zugleich.
 
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Esi Edugyan: Washington Black
 
Barbados, 1830: Der Sklavenjunge Washington Black lebt und arbeitet auf einer Zuckerrohrplantage unter unmenschlichen Bedingungen. Bis er zum Leibdiener Christopher Wildes auserwählt wird, dem Bruder des brutalen Plantagenbesitzers. Christopher ist Erfinder, Entdecker, Naturwissenschaftler – und Gegner der Sklaverei. Das ungleiche Paar flieht von der Plantage in einem selbst gebauten Heißluftballon. Es beginnt eine abenteuerliche Flucht, die die beiden um die halbe Welt führen wird.
 
„Washington Black“ ist übrigens eine große persönliche Empfehlung von mir!
Letztes Jahr habe ich dieses Buch bereits gelesen und dann noch das große Glück gehabt, Esi Edugyan persönlich kennenlernen zu dürfen und ein Interview mit ihr zu führen.
Meine Rezension von „Washington Black“ findet ihr hier, das Interview mit Esi findet ihr hier.
 
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Und so könnt ihr teilnehmen:
Folgt meinem Blog und/oder Instagram-Account, liked diesen Beitrag und schreibt mir in einem Kommentar, was ihr dieses Jahr auf der Buchmesse vermissen werdet und auf welche Aktionen der Verlage ihr euch schon freut.
Wer auf dem Blog und auf Insta abonniert, liked und kommentiert hüpft sogar zweimal in den Lostopf.
Das Gewinnspiel läuft bis zum Samstag, den 17.10.2020.
Am Sonntag, den 18.10.2020 wird ein Gewinner ausgelost.
Das Buchpaket wird dem Gewinner dann direkt vom Eichborn Verlag zugeschickt.
 
Ich drücke euch allen die Daumen!
 
 
 
 

Teilnahmebedingungen:
Verlost wird ein Buchpaket mit den vier Titeln der #eichborncanlit Aktion.
An der Verlosung dürfen alle volljährigen Abonnenten des „Lesen… in vollen Zügen“-Blogs und/oder des Instagram-Accounts teilnehmen. 
Um an der Verlosung teilzunehmen, müsst ihr lediglich bis Samstag, den 17.10.2020 um 23:59 Uhr einen Kommentar unter diesem Blogbeitrag oder Instagram-Post schreiben. 
Verlost wird der Gewinn am Sonntag, den 18.10.2020.
Der Gewinner wird durch die zufällige Ziehung unter allen Teilnehmern, die rechtzeitig einen Kommentar dalassen, ermittelt und von mir per E-Mail oder Direktnachricht über den Gewinn informiert.
Mit der Teilnahme am Gewinnspiel willigen ihr in die Erhebung und Verwendung  eurer E-Mail-Adresse ein. Diese personenbezogenen
Daten werden zur Durchführung und Abwicklung des Gewinnspiels erhoben, gespeichert und verarbeitet, um euch im Falle eines Gewinns zu
benachrichtigen. Eine Weitergabe der Daten an Dritte findet nicht statt, ausgenommen davon ist jedoch die Übermittlung der Adresse des Gewinners an den Eichborn Verlag, der das Buchpaket direkt an den Gewinner versendet.
Ihr könnt die Einwilligungen jederzeit durch eine Nachricht an mich widerrufen. Eure Daten werden anschließend gelöscht.

Review: Hundert Augen

Zugegeben, manchmal hat man Autoren und Titel einfach nicht auf dem Schirm. Doch dann stolpert man über ein Cover, an dem man einfach nicht vorbeigehen kann und entdeckt dabei ein Lesehighlight. So ging es mir mit „Hundert Augen“.

In ihrem neusten Roman erfindet die argentinische Autorin Samanta Schweblin eine technische Spielerei, die Menschen auf der ganzen Welt auf eine innovative Weise miteinander vernetzen soll: die Kentukis.
Diese Plüschtiere sind mit Rädern, Kamera und Mikro ausgestattet und lassen sich über das Internet steuern. Eigentlich ist das doch nichts Neues, mag man denken, doch die Kentukis funktionieren nach einem einzigartigen Prinzip: Derjenige, der das Kentuki kauft und der, der es über das Internet steuert
wissen zunächst einmal nichts voneinander, denn Geräte und Zugangscodes werden getrennt voneinander verkauft und nach dem Zufallsprinzip miteinander verbunden. Da die Kentukis nur ein „Leben“ haben und sowohl die Geräte, als auch die Zugangscodes nicht mehr aktivierbar sind, sollte die Verbindung einmal unterbrochen werden, entwickeln sich zwischen den Besitzern und ihren Kentukis oft enge Bande, fast wie bei einem Haustier.

In „Hundert Augen“ folgen wir fünf Protagonisten ab der Inbetriebnahme ihres Kentukis. Da sind Emilia, eine ältere Frau, deren Sohn weit weg lebt und den sie sehr vermisst und der kleine Marvin, dessen Mutter gestorben ist und der sich seitdem furchtbar alleine fühlt. Beide steuern Kentukis in völlig verschiedenen Erdteilen; während Emilia ihre Nachmittage nun in der Wohnung einer jungen deutschen Frau verbringt, für die sie schon bald mütterliche Gefühle entwickelt, steuert Marvin ein Kentuki in Norwegen, das zunächst in einem Schaufenster gefangen ist und das der Junge auf eine abenteuerliche Reise in den Schnee schicken will.

Enzo und Carmen sind dagegen Besitzer von Kentukis. Enzo zunächst eher gegen seinen Willen, da seine Exfrau darauf besteht, daß er ein solches Gerät als Haustierersatz für den gemeinsamen Sohn besorgt. Doch schon bald hat Enzo das Gefühl in seinem neuen Gefährten eine wunderbare Ergänzung zur Familie gefunden zu haben.
Carmen dagegen kauft sich ihr Kentuki eher aus Langeweile. Da ihr Mann ein Stipendium in Mexiko erhalten hat, sitzt sie nun mit ihm in einer Künstlerkolonie fest, in der sie kaum Anschluss findet. Doch schon bald bereut sie ihre Entscheidung und beginnt all ihren Frust auf den Kentuki zu projizieren.

Grigor dagegen verdient sein Geld mit einer schlauen Geschäftsidee; denn viele Menschen wollen nicht die Katze im Sack kaufen. Also kauft er Zugangscodes für Kentukis, spioniert diese aus und schreibt Steckbriefe, die seine Kunden informieren, in welchen Land sich das Gerät befindet, mit wie vielen Personen welcher Altersgruppe es zusammenlebt, in welchem sozialen Umfeld es sich bewegt und was es dort alles zusehen gibt. Die Zugangscodes mit diesen Informationen verkauft er dann für ein Vielfaches des regulären Preises an Kunden, die ganz gezielte Vorstellungen haben, was sie sehen und erleben wollen.

Neben diesen fünf Geschichten, deren Kapitel sich immer wieder abwechseln, gibt es noch weitere, einzelne Episoden aus dem Kentuki-Kosmos und die sind so unterschiedlich, wie die Menschen selbst. Mal verlieben sich zwei Kentukis ineinander, mal beginnt eines, den Besitzer zu erpressen und fast immer versuchen die Kentukis und ihre Herren, Kontakt miteinander aufzunehmen und zeigen sich dabei von ihrer besten, oft genug aber von ihrer schlechtesten Seite.

„Hundert Augen“ war wohl eines meiner intensivsten Leseerlebnisse dieses Jahr. Sofort stellt man sich die Frage, was man denn selbst wohl lieber wäre? Ein Kentuki oder sein Herr?
Ist man voyeuristisch genug, um das Leben einer Person oder auch deren ganzer Familie mehrere Stunden am Tag zu beobachten oder ist man so exhibitionistisch, einem völlig Fremden uneingeschränkten Zugang zu seinem Privatleben zu geben.
Schnell stoßen auch die Protagonisten in „Hundert Augen“ an ihre Grenzen und das sorgt beim Lesen immer wieder für Gänsehautmomente.

Dabei nimmt sich Samanta Schweblin sehr zurück, sie verzichtet darauf, die Emotionen der Charaktere lang und breit zu schildern, sondern lässt den Leser die Geschichten unmittelbar miterleben und so selbst in die Rolle des Protagonisten versetzen.
Durch diese erzählerisch direkte Art, in der man ständig Grenzsituationen durchlebt, wurde „Hundert Augen“ zu einem der Bücher, die mich dieses Jahr wohl am meisten beeindruckt haben und das mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird.

Mehr zu diesem Buch erfahrt ihr übrigens auch in der neusten Folge von „Seite an Seite“:
#19 „100 Augen – 100 Punkte“

Herbststimmung im Oktober

Die letzten Tage hält sich der Nebel vor meinem Fenster meist bis Mittag und sorgt dafür, daß ich mich lieber mit einem guten Buch und einer Kuscheldecke zusammenrolle, als das Haus zu verlassen.
Auch diesen Monat gibt es wieder ein buntes Sammelsurium an noch un-, halb- und schon ausgelesenen Büchern, die ich euch heute gerne vorstellen möchte.

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Zwei Romane, die auf den ersten Blick scheinbar wenig miteinander zu tun haben, sind „Was ich im Wasser sah“ von Katharina Köller und „Queenie“ von Candice Carty-Williams. Doch bei beiden stehen Frauen im Mittelpunkt, die auf die eine oder andere Weise mit ihrer Gesundheit zu kämpfen haben.

In „Was ich im Wasser sah“ (von mir bisher erst angelesen) geht es um Klarissa, die als Brustkrebs-Überlebende auf die Insel zurückkehrt, auf der sie aufgewachsen ist.
Katharina Köller hat einen sehr eindringlichen Erzählton, der mich fasziniert. Bald also mehr darüber!

Um die seelische Gesundheit einer jungen Frau geht es in „Queenie“, welches ich bereits gelesen habe.
Was zunächst als 08/15 RomCom über eine ebenso charmante wie naive Protagonistin beginnt, entwickelt sich im Lauf des Buches zu einem unheimlich relevanten Buch über psychische Probleme, deren Stigmatisierung, über Alltagsrassismus und Mikroaggressionen, und einem Plädoyer für Selbstliebe.
Darüber werde ich schon ganz bald mehr berichten!

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Zwei Titel, die man nicht wirklich in die Kategorie „Romane“ einsortieren kann, sind „Aus der Zuckerfabrik“ und „Gefolgt von niemandem, dem du folgst“.

„Aus der Zuckerfabrik“ von Dorothee Elmiger steht derzeit auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises und lässt sich nur schwer in eine Kategorie einordnen. Roman? Tagebuch? Recherche? Reportage? – Dorothee Elmiger versucht in diesem Buch einer Spur aus Zuckerkrümeln zu folgen.

Mit „Gefolgt von niemandem, dem du folgst“ hat der Satiriker Jan Böhmermann sein Twitter-Tagebuch von 2009-2020 vorgelegt, in dem der Autor zunächst recht banale Sachen von sich gibt, oder seinen damaligen Chef Harald Schmidt trollt, aber nach und nach eine immer politischere Stimme findet.

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Mit gleich zwei Büchern über William Shakespeare geht es weiter!

Letzten Monat stellte ich euch doch die schöne Reihe  Weltklassiker: Kurz & Gut aus dem Bohem Verlag vor, die unter anderem von Becca Stadtlander illustriert wurde. Nachdem mir ihre Bilder so gut gefallen haben, habe ich ein wenig recherchiert und dabei „Bold and Brave Women from Shakespeare“ entdeckt. Klar, daß ich mir das sofort gönnen musste!

Das zweite Shakespeare Buch diesen Monat ist „Judith und Hamnet“, mit dem Maggie O’Farrell vor Kurzem den Women’s Prize for Fiction gewonnen hat.
Ihre Autobiografie „Ich bin, ich bin, ich bin“ hat mich vor etwa anderthalb Jahren schwer beeindruckt und ich liebe ihren unaufgeregten und trotzdem bildgewaltigen Schreibstil sehr.
In „Judith und Hamnet“ geht es um Shakespeares Familie; besonders seinen kleinen Sohn Hamnet, der früh starb und darüber, wie sein Tod die Familie beeinflusste.
Aktuell lese ich dieses Buch sehr langsam, weil ich mich gar nicht traue, es in den Zug mitzunehmen, aus Angst, daß ich dann vielleicht in der Öffentlichkeit weinen muss.

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Die letzten beiden Bücher drehen sich um faszinierende Künstlerinnen.
Mit „Frida“ legt Maren Gottschalk einen Roman über das Leben von Frida Kahlo vor und „Kusama“ von Elisa Macellari ist eine Graphic Novel über die berühmte japanische Künstlerin Yayoi Kusama. Zwei Bücher also, die mich schon brennend interessieren!

Kennt ihr den ein oder anderen Titel von meinem Oktober-Stapel schon?
Was lest ihr gerade?

Ich wünsche euch ein gemütliches Herbstwochenende!
Eure Andrea

 

Weltklassiker – Kurz & Gut

Ihr alle wisst ja inzwischen, daß ich an schön illustrierten Titeln einfach nicht vorbeigehen kann! Kein Wunder also, daß mir die neue Reihe „Große Weltklassiker der britischen Literatur – Kurz & Gut erzählt in Zitaten und Bildern“ des Bohem Verlags sofort ins Auge gestochen ist.

Bisher gibt es vier Titel in der Serie: „Alice im Wunderland“, „Romeo und Julia“, „Der geheime Garten“ und „Stolz und Vorurteil“. Alles wohlbekannte und viel geliebte Titel also, die man hier in kurzer Zeit neu entdecken, oder noch einmal Revue passieren lassen kann.

Jeder Band ist ein Leporello in einem dünnen Schuber, in dem die ganze Geschichte in Szenenbildern nacherzählt wird und in dem jedem Bild ein Zitat des Buches beigestellt wurde.
Außerdem werden die Charaktere auf einer extra Seite vorgestellt und die gesamte Handlung sowie die Bedeutung des Romans für die Literaturgeschichte in wenigen Sätzen zusammengefasst.

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Für alle, die diese Klassiker gerade erst entdecken, ist die „Kurz & Gut“-Reihe wohl eher ein Appetitanreger, denn um den zum Teil recht komplexen Themen gerecht zu werden, dafür reichen jeweils 14 Bilder nicht aus. Doch gerade für Fans der Originale sind die Leporellos eine wirklich schöne Möglichkeit, um kurz in die Lieblingsbücher einzutauchen und sich von den Illustrationen von Yelena Brysenkova und Becca Stadtlander an die berühmten Schauplätze und zu den Protagonisten versetzen zu lassen.

Die „Große Weltklassiker“-Reihe eignet sich wunderbar, um Schulkindern, oder denen, die sich nicht an die Originale herantrauen, einen kurzen Einblick in die Handlung zu vermitteln und natürlich als das perfekte Geschenk für Fans der Romane.

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„Seite an Seite“ über Familien

Wer unseren Podcast kennt, der weiß, daß Andi und ich immer drei Titel vorstellen; einen den wir gemeinsam gelesen haben und jeder einen weiteren, den nur er gelesen hat.
Für die aktuellen Folge #17 „Short Story Short“ habe ich aber tatsächlich alle drei Titel gelesen! Nun gut, wie der Name der Folge verrät waren es auch wirklich sehr kurze Büchlein, und weil wir dann auch ein schönes gemeinsames Thema gefunden haben, nämlich Familie im engsten und im weitesten Sinne, dachte ich, ich stelle euch die Bücher aus der Folge einfach mal alle zusammen vor.

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Ilona Hartmann: „Land in Sicht“

„Land in Sicht“ durfte ja mit in den Istrien-Urlaub, wo es sich ganz schnell zum Lektüreliebling entwickelt hat. Der arme Andi bekam per WhatsApp so viele Zitate aus dem Buch geschickt, daß er nicht anders konnte, als mitzulesen und es genauso zu lieben, wie ich.

In Ilona Hartmanns Debütroman geht es um die 24-jährige Jana, die ohne Vater aufgewachsen ist und auch keine Ahnung hat, wer er ist. Nach dem Gespräch mit einem Freund entschließt sie sich allerdings doch, einmal nachzuforschen. Mit dem Namen, den sie im alten Adressbuch ihrer Mutter findet, entdeckt sie im Internet auch schnell den Erzeuger, der als Kapitän auf dem Donaukreuzfahrtschiff MS Mozart arbeitet. Für Jana ist sofort klar, daß sie diesen Mann endlich einmal kennenlernen will, doch ob sie ihm auch verraten möchte, daß sie seine Tochter ist steht auf einem anderen Blatt. Und so bucht sie kurzentschlossen eine Flusskreuzfahrt auf der MS Mozart, von Passau nach Wien und wieder zurück. 
Ihr Plan, den Vater zunächst aus der Ferne zu beobachten, stellt sich allerdings schnell als schwierig heraus. Erstens, weil das Schiff zu klein ist, um „Ferne“ wirklich zuzulassen und zweitens, weil Jana unter den gefühlt hundertjährigen Rentnern trotz beiger Tarnkleidung sofort auffällt wie ein bunter Hund. Unglücklicherweise auch dem eigenen Vater, der sie auf ein Date einlädt…

„Land in Sicht“ ein Roman, der eine perfekte Balance zwischen Humor und Herzlichkeit findet. Die Geschichte von Jana und ihrem Vater ist kein Traumschiff-Kitsch, bei dem sich die Protagonisten unter Palmen in die Arme fallen, sondern zeigt die schwierige Situation in all seiner Peinlichkeit und mit all den Fragen, die sich stellen, und schafft es trotzdem, einen leichten Ton beizubehalten, der so pointiert ist, daß es extremen Spaß macht, dieses Buch zu lesen.

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Philipp Winkler: „Carnival“

Mit „Hool“ stand Philipp Winkler 2016 auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises, nun hat er mit „Carnival“ ein dünnes Bändchen vorgelegt, das durch Sprache und Stil so besticht, daß es auch ohne Handlungsbogen auskommt.

„Carnival“ ist eine Art Abgesang auf Kirmesse und Jahrmärkte, die sich gerade in diesem Jahr, in dem alle abgesagt wurden, mit ganz besonderer Melancholie und Wehmut liest.
Es ist die Geschichte der Kirmser: Schausteller, Artisten, fahrendes Volk, oder auch einfach gestrandete Gestalten, die in der Welt keinen Platz mehr hatten und sich auf den Jahrmärkten neu erfinden konnten.

Philipp Winkler erzählt vom Unterschied zwischen Kirmsern und dem Rest der Welt, von der Hackordnung und Problemen auf dem Jahrmarkt, allerdings auch von Freundschaft und Zusammenhalt und das tut er so atmosphärisch, daß man sofort Sehnsucht nach Zuckerwatte, dem Geruch gebrannter Mandeln und dem Singsang der Fahrgeschäftsleiter bekommt.

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Mely Kiyak: Frausein

Ein Buch, das mich sehr beeindruckt hat, ist Mely Kiyaks autobiografischer Essay „Frausein“, in dem sie erzählt, wie sie ihre Familie, Herkunft und Erfahrungen, ihre Gesundheit und ihr Körper zu der Frau gemacht haben, die sie heute ist.

Mely Kiyak wurde als Tochter türkischstämmiger alevitischer Kurden, die als Gastarbeiter nach Deutschland geholt worden waren, geboren und ist Autorin und Journalistin, unter anderem bei „Zeit Online“.

Von frühster Kindheit interessiert sie sich für das Schreiben und ihre Eltern tun alles, um die Kinder zu fördern. Es gibt Szenen, in denen Kiyak beschreibt, welchen extremen körperlichen Belastungen der Vater bei der Arbeit in der Fabrik ausgesetzt ist und der trotzdem immer härter arbeitet, nur um seinen Kindern ihre Wünsche zu erfüllen. 
Man lernt, wie übel den Gastarbeitern mitgespielt wurde, erfährt von der Familie, von der sich Kiyak mehr und mehr entfernt, von den Cousinen, die sich gegenseitig aufklären, ersten sexuellen Erfahrungen und Übergriffen…
Es sind viele Themen, die Mely Kiyak da auf gerade einmal 120 Seiten anspricht, sodass ich ständig fürchte, dem Buch mit ein paar Sätzen nicht gerecht zu werden, aber jeder, der den autobiografischen Stil von Rachel Cusk liebt, sollte sich unbedingt einmal in „Frausein“ reinlesen.

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Alle drei Titel Empfehlungen gibt es auch zum Nachhören, entweder direkt hier, bei Spotify, Apple Podcasts und dem Podcast-Anbieter eurer Wahl, oder beim YouTube-Kanal von Hugendubel.

Lesegrüße aus Istrien

Heute ist der erste Tag, an dem meine Kinder beide wieder in der Schule und im Kindergarten sind. Es ist ungewohnt still in der Wohnung, draußen hält sich der Nebel und der Herbst hat nun wirklich Einzug gehalten.
Kaum zu glauben, daß ich vor gut zwei Wochen noch im Meer geschwommen bin!
Deshalb möchte ich heute noch kurz von meinem Urlaub berichten, bevor es hier bald so richtig grau und regnerisch wird.

Ich war schon seit Ewigkeiten nicht mehr am Meer! Und mit Meer meine ich in diesem Fall ein Meer in dem man angenehm schwimmen kann. Nicht die Ostsee oder die Lagune von Venedig.
Als Kind hatten meine Eltern jedes Jahr Strandurlaub mit mir gemacht, sodass ich als Erwachsene eigentlich nur die Nachteile sah: Sonnenbrände, Sand in allen Ritzen und die ständige Langeweile? Ich wollte lieber neue Städte sehen und fremde Landschaften erkunden!

Nachdem uns dieser Frühling dann aber an die eigenen vier Wände gefesselt hatte, wurde meine Sehnsucht nach Wärme, Strand und Meer immer größer. Ausgerechnet in dem Jahr, in dem sich die meisten dafür entschieden, Urlaub in der Heimat zu machen, beschloss ich, daß ich ganz, ganz dringend in einem warmen Land Urlaub machen wollte.
Nachdem wir uns aber nicht wirklich wohl damit fühlten, einen Flug zu buchen, entschlossen wir uns, nach Istrien zu fahren; von uns aus in sieben Stunden mit dem Auto zu erreichen, warm und schön. Nachdem dann auch noch einer meiner Kollegen ausgerechnet in dem Hotel Urlaub machte, mit dem wir liebäugelten und schrieb, wie schön es dort war, war es beschlossene Sache!

Die Fahrt nach Istrien gestaltete sich aber dann schon recht abenteuerlich. Obwohl wir vorher brav Vignetten und die elektronische Maut für Tauernautobahn und Karawankentunnel gezahlt hatten und auch die Einreise nach Kroatien online angemeldet hatten, obwohl wir um drei Uhr morgens losgefahren waren, wurden aus sieben Stunden auf dem Navi 14 Stunden im realen Leben.
An dieser Stelle kann ich Marc-Uwe Kling nicht genug dafür danken, daß er die Känguru-Bücher so großartig eingelesen hat! Ich kannte die Hörbücher ja bereits, aber nun hatte auch der Rest der 5- bis 41-jährigen Truppe seinen Spaß daran und tatsächlich kamen wir zwar sehr erschöpft, aber ohne Streit und Gequengel in Pula an.

Diese Aussicht lässt mich die lange Fahrt sofort vergessen!


Das Hotel, für das wir uns entschieden hatten, war eine perfekte Mischung aus allem, was wir uns wünschten: direkt am Meer gelegen, mit Pools und Freizeitangeboten für die Kinder, mit Märkten und Restaurants und trotzdem keine riesige Bettenburg, sondern eher eine Ansammlung von Reihenhäusern, in denen wir ein zweigeschossiges Appartement mit Küche und allem, was wir so brauchten, gebucht hatten.
Und der Ausblick vom Balkon war dann sogar so umwerfend, daß ich nicht zum Frühstücken ins Hauptgebäude ging, sondern mich im Supermarkt mit Lebensmitteln eindeckte und jeden Morgen mit Buch, Brot und Blick aufs Meer dort saß und die Schiffe in der Ferne beobachtete.

In meinen Lesekoffer waren natürlich viel zu viele Bücher gewandert, die mit einfach zu große Lust auf Sommer gemacht hatten, als daß ich sie zuhause hätte lassen können:

“Unter uns das Meer” von Amity Gaige, “Nach der Sonne” von Jonas Eika, “Untertauchen” von Daisy Johnson, “Land in Sicht” von Ilona Hartmann und “Das lügenhafte Leben der Erwachsenen” von Elena Ferrante.

Als Erstes schnappte ich mir “Land in Sicht”, was zwar nicht am Meer spielt, dafür aber auf einem Schiff, nämlich einem Donaukreuzfahrtschiff.
Darin geht es um die 24-jährige Jana, die ohne Vater aufgewachsen ist und ihn nun kennenlernen möchte. Als sie herausfindet, daß er Kapitän auf ebendiesem Kreuzfahrtschiff ist, beschließt sie, eine Reise darauf zu buchen und fällt natürlich zwischen all den Rentnern an Bord sofort auf, wie ein bunter Hund.
“Land in Sicht” habe ich praktisch am Stück durchgelesen, so begeistert hat mich dieses kleine Büchlein mit seinem Humor, in dem trotzdem ganz viel Herz steckt.
In der aktuellen Podcast-Folge könnt ihr Andi und mich übrigens von diesem Roman schwärmen hören!

Nachdem mich gleich der erste Titel so begeistert hatte, war klar, daß es jedes weitere Buch schwer haben würde. Trotzdem musste natürlich immer Lektüre mit und so packte ich mir für unseren Ausflug zum Nationalpark Kap Kamenjak gleich “Untertauchen” von Daisy Johnson ein. 

Der Nationalpark ist wirklich schön, die Straßen darin ein Alptraum, aber der Weg ist trotzdem absolut lohnend.
Zuerst wanderten wir auf einem Dinosaurier-Pfad, an dem es lebensgroße Dino Modelle und sogar versteinerte Fußspuren gab. Dabei wanderten wir auch durch ein Wäldchen, in dem die Zikaden so laut zirpten, daß man sich tatsächlich in die Urzeit zurückversetzt glauben konnte.

Nachdem der Kleine auf seine Kosten gekommen war, forderte der Große sein Recht und da der zurzeit absolut begeistert vom Klippenspringen ist, beschlossen sein Papa und er, zu den Klippen zu wandern, während ich mit dem Kleinen zum Schnorcheln in eine Bucht in der Nähe ging.

An dieser Stelle muss einmal gesagt sein: Ich liebe es zu Schnorcheln!
Als Kind und als Teenager war praktisch keine Pfütze vor mir und meiner Taucherbrille sicher, warum ich es so lange nicht mehr gemacht habe, ist mir inzwischen völlig unbegreiflich.
Während die Bucht, in der unser Hotel lag, hauptsächlich von Seeigeln und größeren Fischen bewohnt war, gab es am Kap Kamenjak viele Seegurken, bunte Meeresschnecken und praktisch jede Muschel war von einem Einsiedlerkrebs bewohnt. Es war wirklich witzig, über diesen Tieren zu schwimmen und zu beobachten, wie sie um die größeren Muscheln kämpften.

Ein bißchen wollte ich dann doch noch lesen, und nach der Donaukreuzfahrt schien es sinnvoll zu sein, ein Buch über eine Mutter und eine Tochter zu lesen, die gemeinsam auf einem Hausboot leben, doch “Untertauchen” kam gleich recht düster daher.
Darin geht es um Gretel, deren Mutter in ihrer Jugend verschwand und nach der sie seitdem immer wieder in Krankenhäusern und Leichenhallen sucht. – Ein wirklich zu beklemmendes Szenario, um es an einem Badestrand zu lesen.
Deshalb habe ich “Untertauchen” erstmal zur Seite gelegt. Es ist nicht so, daß mir der Stil nicht gefallen hätte, es ist aber eher ein Buch, um es eingekuschelt bei eben diesem Nebelwetter zu lesen.

Als Nächstes hatte ich mir deshalb “Unter uns das Meer” vorgenommen, was vom Setting her wirklich ganz wunderbar gepasst hat, auch wenn es in der Karibik und nicht am Mittelmeer spielt.
“Unter uns das Meer” erzählt die Geschichte von Juliet und ihrem Mann Michael. Die beiden haben eine Familie mit zwei kleinen Kindern und ein ganz normales und geregeltes Leben, als Michael plötzlich beschließt, daß er aussteigen und für mindestens ein Jahr mit der ganzen Familie auf einem Segelschiff leben will. Für Juliet ist diese Idee zunächst etwas beängstigend, doch mit der Zeit lässt sie sich von Michael überreden.
Wir folgen dem, was auf ihrer Reise geschieht einerseits unmittelbar, durch Michaels Logbucheinträge und rückblickend, durch Juliets Erzählung, bei der von Anfang an klar ist, daß irgendetwas auf dieser Reise mit Michael passiert sein muss.
Dieses Buch mit Blick aufs Meer zu lesen war natürlich ein Traum, aber Michael war mir von Anfang an wahnsinnig unsympathisch.

Deshalb nahm ich mir am vorletzten Tag noch “Nach der Sonne”, eine Kurzgeschichtensammlung von Jonas Eika, vor.
In der ersten Geschichte strandet der Protagonist auf einer Geschäftsreise in Kopenhagen und lernt dort einen jungen Mann kennen, der ihn in den Online Derivatehandel einführt. Für mich war die Geschichte ein bißchen zu schräg, allerdings gefällt mir Jonas Eikas Schreibstil, weshalb ich auch dieses Buch bald weiterlesen möchte.
Zu “Das lügenhafte Leben der Erwachsenen” kam ich in meiner kurzen Zeit in Istrien leider gar nicht, dafür lese ich es, seit ich wieder daheim bin und bin bisher sehr angetan davon.

Die Zeit in Istrien war wirklich wahnsinnig schön, auch wenn ich nicht so viel zum Lesen gekommen bin, wie gehofft, was in erster Linie daran lag, daß ich unheimlich viel Geschnorchelt bin. Und das ist doch mal ein schöner Grund, die Bücher ein wenig zur Seite zu legen!

Ich hoffe, ihr alle hattet einen schönen Sommer und jetzt guten Start in den Herbst.

Alles Liebe,
Andrea

Stapelweise Neues im September

Es ist schon komisch… Da denkt man, der Sommer würde ewig dauern, dann kommt ein Regentag, an dem man fast schon froh ist, daß man ein wenig Abkühlung hat, doch dann ist der nächste Tag ebenfalls verregnet und der Tag darauf bewölkt und man begreift, daß der Sommer von einem auf den anderen Tag vorbei ist.
Kaum zu glauben, daß ich vor nicht einmal zwei Wochen noch im Meer geschwommen und geschnorchelt bin!
Doch jetzt hat mich die Arbeit wieder, ein riesiger Stapel mit Herbstnovitäten wartet darauf gelesen zu werden, die Longlist des Deutschen Buchpreises steht fest und mit dem September beginnt meine liebste Zeit des Jahres.

Wie immer in den letzten Monaten, seit der Podcast mein Leben im Griff hat, zeige ich euch hier ein buntes Sammelsurium an Büchern, die ich diesen Monat lesen möchte, die ich bereits angelesen oder zum Teil auch schon beendet habe.
Es ist jedenfalls eine spannende Titelauswahl, die ich euch heute vorstellen möchte.

Von der Longlist des Deutschen Buchpreises hatte ich vor Erscheinen der Auswahl nur zwei Titel gelesen: „Allegro Pastell“ von Leif Randt, das Andi und ich im Podcast schwer gefeiert haben, und „Der letzte Satz“ von Robert Seethaler, der Ende August noch auf meinen Lesestapel gerutscht war und deshalb hier bisher noch nicht aufgetaucht ist.
Einen Titel der Longlist, den ich unbedingt noch lesen wollte, ist „Triceratops“ von Stephan Roiss; schon alleine, weil ich nicht an diesem unheimlich liebevoll gestalteten Buch vorbei gehen konnte.
Die Handlung und auch die Erzählweise beginnt recht unorthodox, immerhin spricht der Erzähler von sich selbst als „wir“. Trotzdem entwickelt die Geschichte einen ungemeinen Sog, der mich sehr gespannt auf das macht, was noch kommt.


Drei dünne Titel von jungen deutschsprachigen Autoren, die mich sehr für sich einnehmen konnten sind „Land in Sicht“, „Das Palais muss brennen“ und „Carnival“.

Ilona Hartmanns Debütroman „Land in Sicht“ hat sich zu meinem Urlaubslektüre-Highlight entwickelt. Darin macht sich die 24-Jährige Jana auf die Suche nach ihrem Vater und landet auf einem Flusskreuzfahrtschiff, dessen Passagiere allesamt Janas Groß- und Urgroßeltern sein könnten.
Ein wirklich humorvolles Buch, das die Suche nach dem leiblichen Vater aber auch sehr herzlich und ehrlich beschreibt.

Ein weiteres Romandebüt ist „Das Palais muss brennen“ von Mercedes Spannagel, in dem die aufmüpfige Tochter der rechtskonservativen österreichischen Bundespräsidentin die Regierung stürzen will.
Am Wochenende habe ich bereits die ersten Kapitel angelesen und war von der Idee und der schwarzhumorigen Erzählweise sehr begeistert.

Ein weiterer dünner Titel, den ich schon gelesen habe und der mich sofort in seinen Bann geschlagen hat, ist „Carnival“ von Philipp Winkler.
Für sein Debüt „Hool“ stand der Autor auf der Shortlist des Deutschen Buchpreis 2016 und gewann den aspekte-Literaturpreis. Mit „Carnival“ legt er nun eine sehr atmosphärische Erzählung vor, die ein Abgesang auf Jahrmärkte und Kirmessen ist.
Gerade in diesem Jahr, in dem eben all die aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt wurden, liest sich dieses Büchlein mit einer ganz besonderen Wehmut.


Weiter geht es mit noch mehr deutschsprachigen Autoren.

In „Das Rauschen der Nacht“ erzählt André Hille von einem Paar, das endlich eine Familie gegründet und ein eigenes Haus gebaut hat. Doch wie der Putz der Hausfassade, so bekommt auch das Leben des Protagonisten immer mehr Risse.

Am 10. September erscheint mit „Hamster im hinteren Stromgebiet“ der fünfte Teil der „Alle Toten fliegen hoch“-Reihe von Joachim Meyerhoff, in dem er seinen Schlaganfall und die Zeit danach verarbeitet. An sich ein schwieriges Thema, das Meyerhoff aber mit seinem gewohnten Witz ganz wunderbar zu verpacken versteht.

Oliver Hilmes ist ja für mich einer der wenigen Sachbuchautoren, die es schaffen, so zu schreiben, daß man nie das Gefühl hat, man würde mit Wissen vollgestopft, sondern die einen in erster Linie ganz großartig unterhalten.
Seine Alma Mahler-Werfel Biografie „Witwe im Wahn“ ist eines meiner liebsten Sachbücher und auch sein Buch zur Olympiade von 1936 „Berlin 1936“ hat mich schwer begeistert.
In „Das Verschwinden des Dr. Mühe“ widmet sich Hilmes nun einem Kriminalfall von 1932, auf den er eher zufällig bei seinen Recherchen zum Olympia-Buch gestoßen ist und der ihn nie ganz losgelassen hat.
Für mich besonders spannend: Während des Lockdowns habe ich alle Gereon Rath-Krimis von Volker Kutscher als Hörbuch durchgesuchtet. Jetzt stoße ich bei Hilmes auf viele bekannte Namen.


An Annie Ernaux hat ja in den letzten Jahren kein Weg vorbeigeführt, trotzdem habe ich noch keins ihrer Bücher gelesen. Das aktuelle Buch, das nun übersetzt wurde, heißt „Die Scham“ und lässt mich verstehen, warum so viele Leser:innen Annie Ernaux schätzen und lieben, auch wenn ich das Gefühl habe, nicht so ganz mit der Handlung warmzuwerden. Es fühlt sich im Moment so an, als würden mir zu viele Hintergrundinformationen zu Ernaux aus ihren früheren autobiografischen Werken fehlen.

Ein Titel, der perfekt zu diesem Monatsstapel passt, ist die „Septembernovelle“ von Johan Bargum.
Darin geht es um zwei Männer, die zu verschiedenen Zeiten mit derselben Frau verheiratet waren. Nach deren Tod begeben sich die beiden auf einen Segeltörn, von dem nur einer wieder zurückkehren wird.

Sehr gespannt bin ich ich auch auf den neusten Roman von Elena Ferrante. Während ich „Die Frau im Dunkeln“ als komprimiertes Psychogramm einer älteren Frau ganz großartig fand, war ich dann sehr überrascht über den völlig anderen Erzählton in „Meine geniale Freundin“. Ob wirklich unterschiedliche Autor:innen dahinter stecken?
„Das lügenhafte Leben der Erwachsenen“ lässt sich jedenfalls schon gut an, erinnert mich aber vom Stil her eher an die Neapolitanische Saga.


Der Titel, zu dem ich aktuell am häufigsten greife, ist „Hundert Augen“ von Samanta Schweblin. Darin lässt sie ein neue technische Spielerei auf die Menschheit los: die Kentukis.
Diese kleinen Plüschtiere, die sich über das Internet steuern lassen, verbinden die unterschiedlichsten Menschen auf der Welt anonym und bringen dabei die besten wie die schlechtesten Eigenschaften vieler User ans Licht.

Nachdem mich ja „Gespräche mit Freunden“ letztes Jahr nicht wirklich vom Hocker gehauen hat, will ich Sally Rooney trotzdem noch eine Chance geben. Und wieder lese ich nur Kritiken, die „Normale Menschen“ entweder feiern, oder es richtig schlecht finden.
Auch diesmal bin ich gespannt, wo ich mich positionieren werde.


Last but not least gibt es jetzt beim Bohem Verlag eine tolle neue Reihe mit dem handlichen Titel „Große Weltklassiker der britischen Literatur – Kurz & Gut erzählt in Zitaten und Bildern“.
Dabei handelt es sich um vier Klassiker, die in einem wunderschön gestalteten Leporello mit Schuber auf wenigen Seiten erzählt und erklärt werden.
Aktuell gibt es in der Reihe: „Romeo und Julia“, „Alice im Wunderland“, „Der geheime Garten“ und „Stolz und Vorurteil“.
Eine wirklich tolle Reihe, die ich euch schon bald genauer vorstellen möchte.

Ihr seht schon: Für den September habe ich mir wirklich einiges vorgenommen.
Welche der vorgestellten Titel kennt ihr vielleicht schon und auf welche seid ihr ganz besonders gespannt?

Ich wünsche euch einen ganz wunderbaren Start in den Herbst.
Andrea

Lesegrüße aus der Ferne

Ein kleiner Disclaimer am Anfang: Die Frage, ob man derzeit überhaupt in den Urlaub fahren sollte oder nicht, beschäftigt viele.
Der Lockdown und andere persönliche Ereignisse waren in den letzten Monaten eine ziemliche emotionale Herausforderung für mich, also habe ich mich dafür entschieden, einen kleinen Roadtrip mit meinen Jungs zu machen, um uns alle auf andere Gedanken zu bringen.
Mir ist klar, daß diese Entscheidung für viele Leute, die sich aktuell noch im Shielding befinden, ziemlich leichtsinnig wirken wird.
Ich kann an dieser Stelle nur sagen, daß ich mir im Vorfeld meine Gedanken gemacht habe und da ich von vielen gefragt wurde, wie meine Erfahrungen in den Freizeitparks und Hotels war und wie dort auf die Sicherheit der Besucher geachtet wurde, habe ich mich entschlossen, euch von meiner Reise zu erzählen.

Die wenigsten von euch wissen vielleicht, daß ich ein großer Freizeitpark-Fan bin und jedes Jahr bestimmt drei oder vier verschiedene Parks mit meinen Söhnen besuche.
Dieses Jahr wollten wir unbedingt einmal wieder nach Tripsdrill (in der Nähe von Stuttgart) fahren, weil hier gerade neue Achterbahnen fertiggestellt wurden und nachdem wir dann ohnehin schon so weit würden fahren mussten und wir auch noch Europapark Tickets hatten, entschlossen wir uns, das ganze zu einer großen Tour zu verbinden.

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Den Anfang machte also der Erlebnispark Tripsdrill, in dem den Besucher eine durchgängig schwäbischen Thematisierung und einige spektakuläre Achterbahnen erwarten.
Hier war es nicht so voll, daß ich mich unwohl gefühlt hätte, in den Wartebereichen herrschte Maskenpflicht und die Griffe der Achterbahnen und anderen Fahrgeschäfte wurden in regelmäßigen Abständen desinfiziert. Auf den Wegen nahmen dann zwar die meisten ihre Masken ab, allerdings gab es dort so viel Abstand, daß ich mich zu keiner Zeit unwohl fühlte.
Eine besonders schöne Überraschung, die uns bei diesem Besuch erwartete, waren auf den Boden gemalte 3D-Bilder. Diese Bilder hatte ich schon des Öfteren im Internet gesehen und mir immer gewünscht, einmal selbst in so einem Bild zu stehen. Nun hatte ich endlich die Gelegenheit dazu.

Für die Übernachtung hatten wir etwas ganz besonderes geplant: Einmal in einem Baumhaus wohnen!
Neben dem Erlebnispark liegt der Wildpark, an dem es eine Reihe von Baumhäusern und Schäferwagen gibt, in denen man sich einquartieren kann.

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Unser Baumhaus war auch wirklich unheimlich gemütlich. Es gab bequeme Betten, eine schöne Sitzecke, Kühlschrank, Kaffeemaschine, Fernsehen und WLAN. Und natürlich auch ein schönes kleines Bad mit Toilette und Dusche.
Alle Annehmlichkeiten eines Hotelzimmers also, aber in unschlagbarer Lage.
Nach dem Tag im Freizeitpark spazierten wir durch den Wald zu einem kleinen Schäferwagen, in dem man Abendessen holen konnte. Gleich daneben liegt ein idyllischer Löschteich, in dem riesige Kois leben, die die Kinder richtig fasziniert haben. Gegessen wurde dann bei Sonnenuntergang auf der Terrasse vor dem Baumhaus. – Sehr idyllisch!

Das Frühstück wird wohl normalerweise in einem kleinen Lokal im Wildpark serviert. Weil die Sicherheitsabstände dort aber aktuell nicht eingehalten werden könnten, brachten die Mitarbeiter stattdessen einen riesigen Picknickkorb vorbei, in dem ein so reichhaltiges Frühstück steckte, daß wir uns damit auch gleich noch Proviant für die weitere Reise packen konnten.

Viele haben mir unterwegs geschrieben, weil sie meine Baumhaus-Fotos auf Instagram gesehen hatten und die häufigste Frage war: Wie teuer ist das?
Meine Antwort: Günstig ist leider etwas anderes! Definitiv liegt es nicht im Budget einer Teilzeitbuchhändlerin, aber wir hatten Glück und einen Reisegutschein.
Außerdem muss gesagt sein, daß vor allem die erste Nacht recht teuer ist. Danach relativiert sich der Preis wieder und auch in der Nebensaison ist es nochmal deutlich günstiger.
Ich könnte mir auch gut vorstellen, im Winter in so einem Baumhaus zu wohnen, denn sie verfügen tatsächlich über Fußbodenheizung!
Ein Mitarbeiter erzählte sogar, daß Leute aus der direkten Umgebung die Baumhäuser hin und wieder mieten würden. Anstatt in 5 Kilometer Entfernung im eigenen Bett zu schlafen, erfüllen sich wohl viele den Wunsch, einmal in einem so schicken und komfortablen Baumhaus zu übernachten.
Ich wäre jedenfalls sofort wieder mit dabei!

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Als Reiselektüre hatte ich mir übrigens „Zeit der Wildschweine“ von Kai Wieland eingepackt. Denn wo sollte man dieses Buch denn besser lesen können, als in Schwaben in unmittelbarer Nähe eines Wildschweingeheges?
Besagte Wildschweine ließen sich dann aber am nächsten Tag, als wir der Wildpark besuchten gar nicht blicken.
Dafür waren die Kinder begeistert davon, Hirsche zu füttern und den Schildkröten am Teich zuzuschauen.
Außerdem gibt es hier auch einen sagenhaft schönen Abenteuerspielplatz, von dem selbst ich mich schwer lösen konnte, doch wir hatten an diesem Tag noch eine weite Reise vor uns.

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Von Stuttgart aus ging es dann weiter in Richtung französische Grenze, zum Europapark Rust. Auch hier sind wir etwa alle zwei Jahre, zuletzt kurz vor dem spektakulären Brand, bei dem die „Piraten in Batavia“ vollständig zerstört wurden. Nun wurde die Attraktion wieder neu eröffnet und wir waren unheimlich gespannt darauf, die „neuen Piraten“ zu sehen.

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Diesmal hatten wir uns im Hotel El Andaluz eingemietet, in das ich auch schon immer einmal wollte. Immerhin lese ich ja gerade noch „Die Wahnsinnige“ von Alexa Hennig von Lange, in dem es um Johanna von Kastilien geht. Die perfekte Kulisse also!

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Am Abend nutzten wir dann die Möglichkeit, als Hotelgäste in der letzten Stunde vor Schließung kostenlos in den Park zu gehen und fuhren schon einmal eine Runde „Piraten in Batavia“ und den Favoriten meines Jüngsten: „Madame Freudenreich Curiosités“.
Nach dem Abendessen nutzten wir noch den Poolbereich des Nachbarhotels Santa Isabella und fielen dann recht erschöpft in die Betten. Schließlich erwartete uns noch ein weiterer Hotelwechsel.

Den ganzen nächsten Tag verbrachten wir dann im Europapark und ich muss ganz ehrlich sagen, daß ich hier des Öfteren an die Grenzen meiner Komfortzone kam. Ich bin nun wirklich einiges gewöhnt, immerhin arbeite ich in der Münchner Innenstadt, aber so viele Leute auf so engem Raum habe ich wirklich schon lange nicht mehr gesehen!
Dabei waren die Warteschlangen überraschenderweise nicht das Problem. Zunächst einmal sehen die zwar wirklich endlos aus, was daran liegt, daß sie extrem auseinandergezogen werden. Viele Wartebereiche liegen ja in den Gebäuden und hier wurde alles was ging nach draußen verlagert.
Alle trugen ihren Nase-Mundschutz und das nicht nur in der Warteschlange, sondern auch in den Achterbahnen und die meisten hielten sich an den Sicherheitsabstand.
Wer trotzdem nicht so lange in einer Warteschlange stehen möchte, der kann auch an einigen Achterbahnen den Single-Rider-Eingang nehmen, solange er keinen großen Wert darauf legt, mit einer Gruppe zusammen zu fahren und in der Europapark-App gibt es eine Virtual Line, in der man sich für Zeitslots bei den großen Attraktionen anmelden und dann ohne Wartezeit einsteigen kann. Allerdings muss man immer wieder schauen, ob und wann etwas frei wird und man kann sich auch nur für eine Attraktion anmelden und den nächsten Slot erst dann buchen, wenn man seinen Termin entweder wahrgenommen oder storniert hat. Realistisch gesehen kann man so vielleicht zwei bis vier Warteschlangen vermeiden, aber ein, zwei Stunden Zeitersparnis bringt das Ganze auf jeden Fall.
Was aber definitiv außerhalb meiner Komfortzone lag, waren die Menschenmengen auf den großen Plätzen, wie zum Beispiel im französischen Parkteil. Dabei muss man sagen, daß zwar fast jeder seine Maske trug, wenn es zu solchen Massenansammlungen kam, aber richtig wohlgefühlt habe ich mich dabei nicht.

Immerhin konnten wir aber all unsere Favoriten, wie das Voletarium, die Silver Star und die Blue Fire abhaken und uns dann dort verstecken, wo eigentlich nie jemand ist. Beim Abenteuer Atlantis habe ich zum Beispiel noch nie warten müssen. Warum eigentlich nicht? Ich finde diesen interaktiven Darkride wirklich lustig.

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Abends ging es dann in das nächste Hotel, das Krønasår, das direkt neben dem neuen Wasserpark Rulantica liegt und somit auch das neuste der Europapark-Hotels ist.
Die Thematisierung hier ist wirklich traumhaft!
Das Krønasår ist ein Museum Hotel im skandinavischen Stil, in dem jede Menge Schaukästen, Exponate und wissenschaftliche Illustrationen für ein Ambiente sorgen, das genau meinen Geschmack trifft.
Auch in den Zimmern gibt er Schaukästen und eine Bücherwand und nein, leider kann man die Bücher nicht herausziehen und darin lesen, trotzdem habe ich das Ambiente geliebt.

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Besonders schön konnte man hier auch Frühstücken, denn es gibt eine große Terrasse, die an ein künstliches Meer mit kleinem Hafen und Schiffchen gebaut ist.
Dazu gibt es ein wirklich reichhaltiges Buffet mit Zimtschnecken, die die Kinder und ich sehr lieben.
Für das Frühstück musste man übrigens auch schon im Vorfeld einen Zeitslot buchen. Das Buffet wurde stark entzerrt und Wurst, Käse und Brötchen gibt es nun hinter Plexiglasscheiben. Dort sagt man den Mitarbeitern einfach, was man gerne möchte und sie stellen es dann zusammen. Das hat wirklich gut geklappt und im Krønasår musste ich auch nie warten.

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Zum Abschluss der Reise ging es dann in den neuen Wasserpark Rulantica.
Auch der ist skandinavisch thematisiert, mit einem Tannenwald, einem nordischen Fischerdorf und einem Eispalast.
Es gibt viele Rutschen, einen wirklich wunderschönen Wasserspielplatz für Kinder, ein Wellenbad und Entspannungsbecken.
Hier herrscht natürlich keine Maskenpflicht und deshalb gibt es auch Beschränkungen an den Becken. Ich musste zwar nie besonders lange warten und ich hatte auch nie das Gefühl, komplett auserhalb meiner Komfortzone zu sein, trotzdem habe ich Rückzugsorte vermisst.

Besonders groß ist Rulantica nämlich nicht und auch wenn es wirklich zum Niederknien schön thematisiert ist – besonders für Kinder – finde ich den Preis dann doch etwas überzogen.
Mein 13-Jähriger zählt natürlich schon als Erwachsener, schlägt also mit 38,50 € zu buche und auch für den 5-Jährigen muss bereits 35,50 € bezahlen. Auch Abendtickets sind nur 3 € günstiger.
Meine Meinung: Da muss noch einiges kommen, um die Preise zu rechtfertigen oder es sollten auch Stundentarife angeboten werden, wie in anderen Bädern oder Thermen.

Später an diesem Tag machten wir uns dann wieder auf den Heimweg.
Es war ein wirklich schöner, aber auch anstrengender Roadtrip mit den Kindern, bei dem ich zwar hin und wieder außerhalb meiner Komfortzone, insgesamt aber recht zufrieden damit war, wie die aktuellen Herausforderungen gelöst wurden.

Ich hoffe, ich habe all die Fragen beantwortet, die mir viele von euch während der Reise geschickt haben und kann euch mit diesem Beitrag ein wenig mit der Entscheidung helfen, ob so ein Urlaub für euch infrage kommt oder nicht.

Alles Liebe,
Andrea

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Ausflüge im August?

Ein Sprichwort, an das ich dieses Jahr oft denken muss, ist: „Wenn du Gott zum Lachen bringen willst, erzähle ihm von deinen Plänen“.
Ich denke, jeder von uns hat dieses Jahr Pläne gemacht, die dann spektakulär ins Wasser gefallen sind, deshalb traue ich mich fast gar nicht mehr, darüber zu schreiben… Allerdings habe ich die nächsten drei Wochen Urlaub und natürlich habe ich ein paar vorsichtige Pläne gemacht. Drückt mir die Daumen, daß etwas daraus wird!

Ich habe die leise Hoffnung, daß ich bald das Meer sehen darf. Hoffen wir mal, daß uns die aktuelle Situation dem keinen Strich durch die Rechnung macht.
Dafür habe ich mir diese drei Titel ausgesucht, die zwar alle noch nicht regulär erschienen sind, die ich aber unbedingt in Wassernähe lesen möchte.

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„Unter uns das Meer“ von Amity Gaige erscheint erst Ende September, aber die Geschichte schreit geradezu danach, am Meer gelesen zu werden. Immerhin geht es um eine Familie, die sich auf einen Segeltörn in die Karibik aufmacht. Da wäre es doch schade, dieses Buch erst im Herbst in der S-Bahn zu lesen.

Ein dünner Kurzgeschichtenband, der Sommer und Meer verspricht ist „Nach der Sonne“ von Jonas Eika. Ich stelle mir vor, Abends mit Blick aufs Meer darin zu lesen, aber besser nicht zu sehr, sonst bin ich am Ende nur zu enttäuscht, wenn doch wieder nichts daraus wird. „Nach der Sonne“ erscheint am 17. August.

„Untertauchen“ von Daisy Johnson spielt zwar nicht am Meer, sondern auf einem Hausboot, trotzdem darf es mit in den Urlaub, denn auf diesen Titel bin ich schon gespannt, seit er vor zwei Jahren für den Booker Prize nominiert war.
Auf Deutsch erscheint „Untertauchen“ am 14. September.

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Drei Romane, die ich bereits im Juli gelesen oder zumindest angelesen habe, sind „Zeit der Wildschweine“, „Schwarzpulver“ und „Die Wahnsinnige“.

„Zeit der Wildschweine“ ist ein Titel, den mir bereits mehrere Kollegen ans Herz gelegt haben und da Kai Wieland im Herbst wohl in unserer Filiale zur Langen Nacht des Lesens zu Gast sein wird, möchte ich den Roman vorher auf jeden Fall noch lesen.

Ein Debütroman, der mich komplett geplättet hat, ist „Schwarzpulver“ von Laura Lichtblau.
Darin geht es um drei Protagonisten, die in Berlin – wenige Jahre in der Zukunft – leben. Der einzige Unterschied zu unserer Zeit ist, daß mittlerweile eine rechtspopulistische Partei an der Macht ist, die ihre streng konservativen Werte mit einer solchen Macht durchsetzt, daß sich die Geschichte fast schon wie eine Dystopie liest.
Bald hört ihr mehr darüber!

Ein Buch, auf das ich schon gewartet habe, seit ich ein Teenager war, ist „Die Wahnsinnige“ von Alexa Hennig von Lange. Mit etwa 13 Jahren hörte ich zum ersten mal von Johanna von Kastilien, die eigentlich eine der mächtigsten Königinnen ihrer Zeit hätte sein sollen, die aber von ihrer Familie weggesperrt wurde.
Die Geschichte hat mich schon damals unheimlich fasziniert, als mir eine Biografie von Johanna in die Hände fiel. Daß es jetzt endlich einen Roman über diese spannende Frau gibt, freut mich ungemein!
„Die Wahnsinnige“ erscheint am 18. August.

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Obwohl ich mir eigentlich schon wieder viel zu viel vorgenommen habe, haben es aber diesen Monat dann noch zwei richtig dicke Wälzer auf meinen Lesestapel geschafft.

„Brüste und Eier“ von Mieko Kawakami kommt mit einer solch begeisterten Empfehlung von meinem Lieblingsautor Haruki Murakami daher, daß ich nicht anders konnte, als es mir vorzunehmen.
Der Titel erscheint am 18. August.

Und dann musste ich mir noch „A Beautifully Foolish Endeavor“, die Fortsetzung von „An Absolutely Remarkable Thing“ („Ein wirklich erstaunliches Ding“) von Hank Green gönnen.
Der erste Teil hat mir wirklich gut gefallen, nur das Ende hat mich ziemlich ratlos zurückgelassen. Hoffentlich werden all die Fragen, die nach dem ersten Teil noch offen waren, endlich geklärt.

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Als wäre mein Auguststapel damit noch nicht hoch genug, habe ich mir auch zwei ganz dünne Bändchen ausgesucht. So habe ich immer noch etwas leichtes (aber gehaltvolles) zur Hand, wenn ich die Wälzer nicht mitschleppen möchte:

„Sh*tshow“ von Richard Russo ist eine politische Parabel auf die Präsidentschaft von Donald Trump, „Frausein“ von Mely Kiyak ist ein Essay, der sich auf sehr persönliche Weise mit dem Thema Weiblichkeit auseinandersetzt.
„Frausein“ erscheint am 17. August.

Wie sieht es bei euch aus?
Habt ihr für dieses Jahr Urlaubspläne gemacht, oder bleibt ihr daheim?
Und wenn ihr Urlaub macht: Welche Bücher nehmt ihr mit?

Sonnige Grüße,
Andrea