Review: Die Entstehung des Lebens – Evolution

Heute ist es einmal wieder Zeit, für ein schönes Buch aus der Kategorie illustriertes Sachbuch, die mir ja sehr am Herzen liegt, denn gibt es etwas Schöneres, als Wissen durch Kunst vermittelt zu bekommen?

Eine Reihe, die wirklich wunderbare Titel in diesem Bereich auf den Markt bringt, ist Eintritt frei! aus dem Prestel Verlag.

Für das neuste Buch „Die Entstehung des Lebens – Evolution“, das ein wenig kleiner daherkommt, als der Rest der Reihe, wurde wieder die Illustratorin Katie Scott verpflichtet, die auch schon die ersten beiden Bücher von Eintritt frei! so fabelhaft in Szene gesetzt hat: „Das Museum der Tiere“ und „Das Museum der Pflanzen“.

In „Die Entstehung des Lebens“ machen wir uns auf eine Reise durch die Geschichte der Erde, von ihrer Entstehung vor 4,6 Milliarden Jahren, bis in unsere heutige Zeit.
Dabei lernen wir spannende Lebewesen kennen, wie zum Beispiel LUCA, den Last Universal Common Ancestor, der vor 3,8 Milliarden Jahren auf den Plan trat, und von dem alles Leben auf unserer Welt abstammt.
Über die ersten Würmer und Fische geht es weiter, zu den großen Sauropoden des Jura und dem furchteinflößenden Tyrannosaurier der Kreidezeit, zu den gigantischen Säugetieren des Neogen, bis hin zu uns Menschen.

Da mich Dinosaurier schon immer fasziniert haben, sind Trias, Jura und Kreide natürlich Epochen, mit denen ich bereits bestens vertraut war, doch ich muss zugeben, daß ich über die Zeit davor und die danach – vor den Menschen – nicht besonders viel wusste.

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Die beiden Autorinnen Fiona Munro und Ruth Symons schaffen es, die komplette evolutionäre Geschichte der Erde auf überschaubare Episoden herunterzubrechen. Das ist kurzweilig und trotzdem sehr informativ.

Die wunderschönen Illustration von Katie Scott sind wie immer in ihrem unverwechselbaren Stil gehalten; wissenschaftlich akkurat und dennoch ein bißchen eigenwillig, das gefällt mir sehr!

Empfohlen wird „Die Entstehung des Lebens – Evolution“ ab acht Jahren, aber wie immer sage ich: nach oben ist da keine Grenze gesetzt!

Ein wirklich wunderbares Buch, das Wissen großartig in Szene setzt.

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Review: Die Angehörigen

Ihr ganzes Leben haben Maida und Gene miteinander verbracht, eine gemeinsame Tochter und Enkeltochter, ein bescheidenes, aber erfülltes Leben gelebt. Doch als Maida plötzlich stirbt, beginnt sich Gene zu fragen, ob das auch schon wirklich alles war.

Das Verhältnis zu seiner Tochter ist zwar gut, aber nicht eng, er wünscht sich eine Frau an seiner Seite; Liebe, eine Aufgabe…
Doch die Lücke, die Maida in seinem Leben hinterlassen hat, lässt sich nicht einfach schließen. Stattdessen beginnt Gene nach und nach ihr gesamtes gemeinsames Leben zu hinterfragen, kehrt in seinem Kopf zu bestimmten Momenten ihrer Ehe zurück, spielt sie immer wieder durch und versinkt in einer Abwärtsspirale negativer Gedanken.
Doch sind Genes Vermutungen und Verdächtigungen wirklich begründet oder spielt ihm seine Fantasie Streiche?

„Die Angehörigen“ hörte sich zunächst einmal ganz spannend an.
Die Geschichte einer Ehe, in der vielleicht nichts so war, wie es schien?
Darauf war ich sehr neugierig, doch leider kommt Katherine Dions Debütroman ein bißchen schwachbrüstig daher.

Denn es passiert nicht wirklich viel, außer eben dem, was in Genes destruktiver Gedankenwelt vor sich geht. Diese Spirale des Zweifels ist zwar wirklich unheimlich intensiv beschrieben, aber es fehlte mir an wirklich substantiellen Gründen, die Genes Gefühl irgendwie von seiner Frau verraten worden zu sein, für mich auch nur ansatzweise rechtfertigen konnten.
Ein Nachmittag im Sommer, an dem Maida so erschöpft und kränklich war, daß sie sich weigerte, ihre Tochter zu Stillen, lässt in Genes Kopf eine Gedankenkette ablaufen, an deren Ende er vielleicht gar nicht der Vater seines Kindes ist?
Das war mir alles ein bißchen zu weit hergeholt und auch wenn ich verstehe, daß solche destruktiven Gedanken ein Eigenleben entwickeln und denjenigen fast in den Wahnsinn treiben können, hat mir für einen Roman zu diesem Thema einfach eine Zuspitzung oder überraschende Auflösung der Geschichte gefehlt.

Schade, denn Katherine Dions Schreibstil und genaue Betrachtung der zwischenmenschlichen Beziehungen hat mir gut gefallen.
Nur leider fehlte das gewisse Etwas, was die Geschichte für mich zu einer gemacht hätte, die auch in Erinnerung bleibt…

Review: Der Zopf meiner Großmutter

Maxim ist ein kränkliches und vermutlich zurückgebliebenes Kind… Zumindest, wenn es nach seiner Großmutter geht. Denn während in Russland noch diverse Krankheiten diagnostiziert wurden, halten die offenbar unfähigen deutschen Ärzte den Jungen für vollkommen gesund, und so nimmt die Großmutter Maxims „Behandlung“ selbst in die Hand, verbietet ihm bestimmtes Essen nach Gutdünken, desinfiziert alles, worauf sein Blick fallen könnte und füttert ihn mit selbstgemachten Babybreichen bis über die Grundschulzeit hinaus.

Dabei ist sie ebenso fürsorglich wie grausam; zum Beispiel, wenn sie in mühevoller Arbeit eine riesige Sahnetorte zu Maxims Geburtstag bäckt, nur um sie dann vor seinen Augen selbst zu verspeisen, denn schließlich würde diese Köstlichkeit den Kleinen wohl ins frühe Grab bringen…

Doch das Leben der kleinen Familie ändert sich, als sich Maxims Großvater plötzlich in die Nachbarin Nina verliebt. Die Großmutter ignoriert die Beziehung mit einer beinahe schon fatalistischen Haltung, bis der kleine Tschingis das Licht der Welt erblickt und Maxims Großvater so aus dem Gesicht geschnitten ist, daß nicht einmal mehr die Großmutter die Tatsachen verleugnen kann.

Nach der Geburt verfällt Nina jedoch in eine schwere Depression, und so nimmt die Großmutter kurzerhand das Baby und Ninas Tochter Vera bei sich auf.
Es ist eine wirklich seltsame Familie, die Großmutter, Großvater, Nina, Maxim, Vera und der kleine Tschings da bilden.
Die Frauen respektieren sich, kämpfen um ihre Freiheiten und verzweifeln doch aneinander, die Kinder verbrüdern sich, der Großvater schweigt zu allem und der Kleinste wird verwöhnt wie ein Prinz.
Als der Großvater dann einen schlimmen Unfall erleidet, wird die Familie auf eine harte Probe gestellt…

„Der Zopf meiner Großmutter“ war mein erstes Buch von Alina Bronsky, aber bestimmt nicht mein letztes!
Ihr Stil ist leicht und schnell zu lesen und trotzdem schafft sie es immer wieder ganz wunderbare, profunde kleine Beobachtungen und Wahrheiten in Worte zu kleiden.
Bronskys Charaktere, besonders die Großmutter, sind so herrlich überzeichnet, daß man gar nicht anders kann, als sie sofort ins Herz zu schließen, obwohl man hin- und hergerissen ist, zwischen der Liebe, die sie offensichtlich zu ihrer Familie empfindet und den schrecklichen Kommentaren, die sie vom Stapel lässt.

Und so schwankt man in diesem Buch immer wieder zwischen Lachen, Empörung und Sentimentalität. Eine wirklich schöne Lektüre, die wohl eines meiner Highlights des Sommers werden wird.

Review: Nennt mich Nathan

Eine Graphic Novel zu einem spannenden Thema möchte ich Euch heute ans Herz legen: „Nennt mich Nathan“ von Catherine Castro und Quentin Zuttion aus dem Splitter Verlag.

An sich hat Lila eine schöne Kindheit, auch wenn es immer wieder Situationen gibt, die sie ärgern: wenn ihre Oma ihr eine rosa Tasche statt eines Taschenmessers schenkt, oder wenn ihre Mutter sie bittet, ein schickes Kleid anzuziehen.
Doch als ihr Körper anfängt, sich in der Pubertät zu verändern, nehmen Angst und Selbsthass überhand. Denn für Lila ist klar, daß sie kein Mädchen ist.

Aus Lila wird Nathan; ein Schritt, der vor allen Dingen Nathans Familie ratlos zurücklässt. Die Mutter sorgt sich, der Vater glaubt an eine Phase, der kleine Bruder vermisst seine große Schwester…
Doch Nathan weiß, daß er nur glücklich werden kann, wenn er seinen eigenen Weg geht.
Zusammen mit der Hilfe seiner anfangs noch zögerlichen Eltern und Freunde, Experten und Beratern beginnt Nathan seine Reise, um endlich er selbst sein zu können…

Bis vor anderthalb Jahren hatte ich mich nicht groß mit dem Thema Transidentität beschäftigt. Ich hatte eher zufällig die ein oder andere Doku gesehen und war bei YouTube über die sehr bewegende Rede von Lana Wachowski gestolpert, die sie gab, als ihr der HRC Visibility Award verliehen wurde.

Danach hatte ich zwar immer noch keine Ahnung, wie eine Geschlechtsangleichung nun wirklich abläuft, aber ich wurde mir der Tatsache bewusst, daß die Selbstmordrate bei Trans Teenagern erschreckend hoch ist.

Vor anderthalb Jahren dann erklärte eine liebe Bekannte, daß es eine kleine Veränderung im Familienleben geben würde: von nun an hätte ihr Kind einen männlichen Vornamen und würde in Zukunft als Junge leben.
Unsere Söhne sind im selben Alter. Wir haben nicht viel Kontakt, sehen aber auf Facebook, wie die Kinder langsam größer werden.
Mich überraschte dieser Schritt nicht besonders, denn im Laufe der Jahre war das kleine Mädchen langsam aus den Fotos verschwunden und von einem selbstbewussten, lustigen Jungen abgelöst worden.
Dennoch berichtete meine Bekannte von Unverständnis in ihrem Bekanntenkreis und auch wenn ich die Entscheidung der Familie absolut nachvollziehen konnte, musste ich mich selbst über Geschlechtsangleichungen schlaumachen.

Als ich deshalb „Nennt mich Nathan“ sah, war ich sofort begeistert, daß man dieses Thema so greifbar und ehrlich in Szene gesetzt hat.
Nicht nur Nathan kommt zu Wort, sondern auch sein Bruder und seine Eltern, und so schwankt man als Leser immer wieder zwischen Nathans Wunsch nach Veränderung und der Angst, die die Familie vor eben dieser Veränderung hat.

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Die Geschichte wurde in einem reduzierten Stil illustriert: einfache Tuschezeichnungen, die recht flächig koloriert wurden.
Trotzdem taucht man schnell ab in Nathans Geschichte und durchlebt Höhen und Tiefen mit ihm und seiner Familie.

Ich bin ja immer sehr dankbar, wenn Verlage Themen aufgreifen, die nicht gerade Mainstream sind und Bücher machen, die vielleicht nur eine recht kleine Zielgruppe ansprechen, für die es aber unglaublich wichtig ist, gesehen und gehört zu werden.
In diesem Sinne: auch (oder vielleicht besonders) wenn ihr Euch noch nie mit dem Thema Transidentität beschäftigt habt, werft einen Blick in diese wunderbare Graphic Novel!

Review: Vom Glück zu Reisen

Der kleine aber feine Reisedepeschen Verlag hat sich innerhalb kürzester Zeit einen Platz in meinem Herzen erobert, weil man hier ausnehmend liebevoll gestaltete Titel mit zum Teil wirklich einzigartigen Themen findet, wie zum Beispiel Deutschland im Winter, ein Reisehandbuch, das uns mit tollen Tipps und Ausflugsideen durch die kalte Jahreszeit bringt.

Doch an den Winter will man gerade gar nicht denken! Denn endlich scheint die Sonne, gestern war ich zum ersten Mal in diesem Jahr im See baden, der Sommerurlaub ist bereits gebucht und die Vorfreude steigt mit jedem Tag!

Doch Reisen ist nicht gleich Reisen.
In der Reisebuchabteilung im Laden beraten wir derzeit auf Hochtouren, denn jeder Kunde hat eigene Pläne, Ziele und Vorstellungen, für die wir den passenden Reiseführer finden müssen.
Da gibt es die Backpacker, die dicke Individualreiseführer brauchen, kulturbegeisterte Städtereisende, für die wir Führer mit umfangreichem Kunst- und Kulturteil empfehlen oder die Pauschalurlauber, die sich zwei Wochen am Strand sonnen und am Hotelbuffet verwöhnen lassen wollen, aber doch gerne ein paar Informationen zu Land und Leuten mitnehmen möchten.

Ein Titel, der allerdings alle Reisenden ansprechen dürfte, egal welcher Urlaubstyp man letztendlich ist, ist „Vom Glück zu Reisen“ von Philipp Laage.

Zwar hört sich der Titel zunächst ein wenig wie der eines dieser stimmungsvollen Geschenkbücher an, doch dahinter verbirgt sich ein Buch, das das Reisen sehr differenziert und reflektiert beschreibt und mitunter auch zum Nachdenken anregt, wie wir reisen wollen.

Philipp Laage selbst ist meist als Individualreisender in Teilen der Welt unterwegs, in die es mich wohl vermutlich nie verschlagen wird, und trotzdem hat mich sein Buch sofort fasziniert; nicht weil ich nun plötzlich selbst nach Kamerun wollte, sondern weil er wirklich viele Erfahrungen von seinen Reisen mitgebracht hat. Nicht nur über Land und Leute, sondern besonders zum Reisen selbst.
Und so beobachtet er bestimmte Entwicklungen kritisch und räumt mit romantischen Vorstellungen auf, die wohl eher auf perfekt inszenierten Instagram-Fotos existieren, als in der Realität.

Es war wirklich erfrischend, ein Buch zu lesen, das derart ausgewogen über ein Thema berichtet. Denn der Autor schreibt über die großartigen Augenblicke, die das Reisen bietet, ohne sie zu verklären und weißt auf die Probleme des Massentourismus hin, ohne den Moralapostel zu spielen.

Am Ende nimmt man neue Blickwinkel wahr und hinterfragt das eigene Reiseverhalten vielleicht ein wenig kritischer.
Wieviele Flugreisen im Jahr will man sich angesichts der erschreckenden CO2-Bilanz gönnen? Wie authentisch ist das, was mir im Gastland geboten wird? Kann man sich auf Reisen neu erfinden? Und kann uns das Reisen wirklich glücklich machen?

„Vom Glück zu Reisen“ ist keines dieser typischen Fernweh-Bücher, sondern ein Titel mit spannenden Geschichten, interessanten Denkansätzen und zum Teil überraschenden Erkenntnissen.
Eine Empfehlung für alle, die nach dem Glück der Ferne suchen.

Sonnige Lesetage im Juni

Heute Morgen bin ich schon viel zu früh wach, aber die Sonne scheint so schön durch mein Fenster und der Tag schreit förmlich danach, im Schwimmbad verbracht zu werden.
Doch vorher ist noch Zeit, Euch meinen Lesestapel für den Juni vorzustellen.

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Seit ich in der neuen Filiale arbeite, lesen zwei liebe Kollegen und ich ganz zufällig meist die gleichen Bücher zur gleichen Zeit. Wolf Haas, Fred Vargas, Hilmar Klute, Takis Würger, Vea Kaiser, Joel Dicker und zuletzt Friedemann Karig… die Neuerscheinungen dieser Autoren landeten irgendwie immer auf den Lesestapeln von mindestens zwei, wenn nicht gar allen dreien von uns.
Das ist dann auch immer ein schöner Anlass, nach der gemeinsamen Abendschicht noch etwas trinken zu gehen und sich über das aktuelle Buch zu unterhalten. Wir haben zwar einen sehr ähnlichen Geschmack, gehen aber oft völlig verschieden an die Titel heran.
Bei mir muss das Bauchgefühl stimmen, der eine Kollege analysiert und fertigt mitunter schon mal Hefteinträge an, um seine Meinung zu unterstreichen (kein Wunder, immerhin wird er bald Lehrer) und der andere Kollege wird dann zum Schlichter, wenn wir uns gar nicht einigen können.
Ihr merkt schon: ich liebe diesen kleinen, unorganisierten Lesekreis!

Auch diesen Monat wird wieder ein Buch ganz zufällig zusammen gelesen, nämlich „Maschinen wie ich“ von Ian McEwan.
Die Kollegen haben schon damit angefangen und ich habe es nun gestern begonnen. Ich bin schon sehr gespannt, wie unsere Meinungen ausfallen werden!

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Gleich zwei Titel aus dem Hause Luchterhand haben mich vor Kurzem erreicht:
„Geschichte einer Ehe“ von Geir Gulliksen passt ganz wunderbar in meine Leseplanung, weil ich vor der Buchmesse ohnehin noch ein paar norwegische Autoren lesen wollte und „Herkunft“ von Sasa Stanisic wurde mir jetzt schon mehrfach empfohlen, ganz besonders von einem Kollegen, der in der selben Gegend wie Stanisic aufgewachsen ist.
Bisher kenne ich nur seine Kurzgeschichtensammlung „Fallensteller“, die ist mir aber durch einen sehr angenehmen Stil in Erinnerung geblieben.
Ich freu mich drauf!

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Im Bereich Sachbuch gibt es diesen Monat gleich zwei Bücher, die sich mit dem Thema Evolution beschäftigen.

Mit „Ausgestorben, um zu bleiben“ von Bernhard Kegel habe ich schon seit Längerem geliebäugelt, schließlich bin ich seit meiner Kindheit fasziniert von Dinosauriern und lasse auch heute noch kein Museum aus, in dem es Fossilien und Dinosaurierskelette zu bestaunen gibt.
Als ich dann die Ausgabe der Büchergilde Gutenberg gesehen habe, war ich vollkommen hin und weg! Unter dem Schutzumschlag versteckt sich nämlich nochmal ein echter Hingucker.
Hoffentlich begeistert mich der Inhalt genauso sehr wie die Aufmachung.

Als illustriertes Sachbuch ist im Juni Die Entstehung des Lebens – Evolution aus dem Prestel Verlag mit dabei. Die Illustratorin Katie Scott kennt der ein oder andere von Euch ja vielleicht von „Das Museum der Tiere“, das ebenfalls in der „Eintritt frei!“-Reihe erschienen ist. Ausserdem hatte ich letztes Jahr das von ihr illustrierte Sachbuch Von Inseln, die keiner je fand vorgestellt.

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Und natürlich darf auch diesen Monat keine Graphic Novel fehlen!
Sehr begeistert war ich, als ich in der Vorschau des Splitter Verlags Nennt mich Nathan von Catherine Castro und Quentin Zuttion entdeckte.
Darin geht es um den Transjungen Nathan und seinen Weg zur Geschlechtsangleichung, aber auch um seine Familie, die mit der Situation emotional überfordert ist.
Das Thema Transgender interessiert mich nun schon seit längerem, denn als sich der Sohn einer lieben Bekannten als trans outete, stellte ich fest, wie wenig ich eigentlich über Geschlechtsangleichungen wusste.
Ein Glück, daß es YouTube-Kanäle gibt, auf denen man sich schlau machen kann und jetzt eben auch eine sehr persönliche Graphic Novel, die auf einer wahren Geschichte beruht.

Das ist er also, der Juni-Stapel!
Ich bin sehr glücklich mit der Auswahl der Titel und freue mich, Euch bald mehr von ihnen berichten zu können.
Was liegt gerade auf Euren Lesestapeln und kennt ihr vielleicht schon das ein oder andere Buch von meinem?

Ich wünsche Euch einen ganz wunderbar sonnigen Juni!

Eure Andrea

Review: Goldschatz

Ein bißchen erschrocken war ich ja schon, als ich feststellte, daß es an die zwanzig Jahre her ist, seit ich zuletzt etwas von Ingrid Noll gelesen habe!
Als Teenager hatte ich „Die Häupter meiner Lieben“ und „Kalt ist der Abendhauch“ gelesen, danach allerdings nichts mehr und das, obwohl ich die beiden Bücher stets in guter Erinnerung hatte; es hat sich einfach nicht ergeben.

Derzeit bin ich allerdings sehr nostalgisch und als ich „Goldschatz“ sah, dachte ich: Warum nicht Ingrid Nolls neustes Buch lesen, um zu sehen, wie sich mein Geschmack und ihr Stil in den letzten zwanzig Jahren so entwickelt haben?

Als Trixis Großtante Emma stirbt, erbt ihre Mutter das kleine marode Bauernhaus, in dem die Tante bis zu ihrem Tod gelebt hat. Viel damit anfangen kann Trixis Mutter allerdings nicht, denn eine teure Sanierung macht keinen Sinn mehr.
Doch Trixi hat sofort eine Idee: sie überredet ihre Mutter ihr das Haus zu überlassen, um dort eine Studenten-WG mit ein paar Freunden zu gründen.
Geld wollen die Eltern auf keinen Fall in das abbruchreife Haus stecken, aber solange sich Trixi darum kümmert die Bude zu entrümpeln, spricht für sie nichts dagegen.

Gemeinsam mit ihrem Freund Henry und ihrer besten Freundin Saskia zieht Trixi also in das Bauernhäuschen und bald darauf kommen noch die gemeinsamen Freunde Oliver und Martina dazu.
Die Stimmung ist zunächst gut. Henry ist ohnehin ein Verfechter einer einfachen Lebensweise ohne Konsumwahn. Und so nennt sich die kleine Gruppe „Gegenstrom“ und beschließt, möglichst umweltfreundlich zu leben und Obst und Gemüse selbst anzubauen.

Als sie beginnen, die Scheune auszuräumen, machen Trixi und Saskia eine Entdeckung, mit der sie nicht gerechnet haben: in einer alten Milchkanne steckt ein Lederbeutel voller Goldmünzen!
Doch so überraschend dieser Fund ist, so schnell ist er auch wieder fort. Offenbar hat ihn sich der alte Nachbar Gerhard Gläser in einem unbeobachteten Moment unter den Nagel gerissen und behauptet nun, daß es sich bei dem Goldschatz um sein Eigentum handelt. Trixi und Saskia verschweigen den Schatz zunächst vor ihren Mitbewohnern. Besonders, weil sie mit jeweils einem Taler abgespeist wurden, die sie sofort verkauft und beim anschließenden Shopping ausgegeben haben. Soviel zum Thema Konsumverzicht…

Doch Trixi und Saskia wollen den Schatz nicht so schnell verloren geben, besonders als klar wird, daß die Freunde wirklich viel Geld in das Häuschen stecken müssen, um im Winter nicht der Kälte wegen wieder ausziehen zu müssen, und so beginnen die Mädchen, Gerhard Gläser zu schmeicheln, zu erschrecken, auszutricksen und in sein Haus einzusteigen, um an mehr Münzen aus dem Schatz zu gelangen.

Doch ein Großteil der Taler bleibt verschwunden, aber dafür taucht beim Umgraben der Gemüsebeete ein menschliches Skelett auf…

„Goldschatz“ hat mich gut unterhalten und auch wirklich sehr an die Zeit damals erinnert, in der ich Ingrid Noll zum ersten Mal las. Allerdings wollte sich bei mir keine rechte Spannung einstellen.
„Die Häupter meiner Lieben“ mochte ich wegen der gewissen Leichtigkeit, mit der da eher aus Versehen gemordet wurde, und ja, mir ist bewusst, daß Leichtigkeit in diesem Zusammenhang wohl das falsche Wort ist, aber so fühlte es sich seinerzeit an.
„Goldschatz“ lässt diese Leichtigkeit vermissen und auch mit dem Stil habe ich ein wenig gehadert. Da die Protagonisten fast allesamt junge Studenten Anfang zwanzig sind, fallen immer wieder Begriffe oder Sätze in Jugendsprache, nur um dann gleich darauf wieder in eine zum Teil recht gestelzt wirkende Ausdrucksweise zu verfallen. So richtig „rund“ hörte es sich deshalb nicht an.

Insgesamt fand ich „Goldschatz“ ein wirklich nettes, leichtes Buch, das man gut im Urlaub lesen kann, ganz oben auf die Empfehlungsliste könnte ich es allerdings nicht setzen.