Kurz und knapp: Empfehlungen aus dem Podcast #2

Heute ist es einmal wieder Zeit, noch kurzes Feedback zu den Romanen zu geben, über die ich bereits im Podcast gesprochen habe, aber da ihn ja nicht jeder von euch hört, gibt es die Titel hier nochmal im Schnelldurchlauf.

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Marco Balzano – Ich bleibe hier

Vor gut zwei Jahren machte ich zusammen mit meinem Vater und den Kindern einen Urlaub in Südtirol, beidem uns unser Weg auch am Reschensee vorbei führte. Mein Großer hatte den Kirchturm von Graun im Reiseführer entdeckt und uns dann überredet, auf dem Rückweg nicht über den Brenner, sondern den Reschenpass zu fahren; ein Umweg, der sich für uns alle wirklich gelohnt hat, denn der Weg war landschaftlich extrem schön und der Kirchturm im Reschensee und die Wanderung, die ich mit meinem Sohn durch den See unternahm (ja, es führt tatsächlich ein Weg durch das Wasser) war ein unvergessliches Erlebnis.

In „Ich bleibe hier“ geht es um das Bergdorf Graun, das in den 1950er Jahren einem Staudammprojekt zum Opfer fiel und im See versank.
Am Beispiel von Trina erzählt Marco Balzano die Geschichte von Graun, das zu Zeiten des Faschismus komplett zwischen die Fronten gerät. Die Faschisten unter Mussolini verbieten es den Südtirolern, Deutsch zu sprechen und besetzen wichtige Posten mit regimetreuen Italienern. Als Fremde im eigenen Land kommt vielen das Angebot von Hitler recht, das ihnen ermöglicht, ein neues Leben im Deutschen Reich aufzubauen.
Bleiben oder gehen? – Diese Frage spaltet schon bald nicht nur das ganze Dorf, sondern auch Trinas Familie…

„Ich bleibe hier“ erzählt die Geschichte von Südtirol auf sehr lebendige Weise. Man beginnt zu begreifen, wie die politischen Entscheidungen der damaligen Zeit auch heute noch Einfluss auf diesen Landstrich haben.
Pflichtlektüre für alle, die den Reschensee besuchen wollen!

Nachzuhören in Folge #13 Im ICE nach Chemnitz

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Victor Jestin – Hitze

Es sind die heißesten Tage des Jahres, die der 17-jährige Léonard mit seiner Familie auf einem Campingplatz an der französischen Küste verbringt.
Léonard fühlt sich nicht wohl, er findet keinen Anschluss zu den anderen Jugendlichen, er weiß nicht, was er mit sich anfangen soll und kann in den drücken heißen Nächten nicht schlafen.
Als Léonard in der letzten Nacht des Urlaubs einen Strandspaziergang unternimmt, wird er Zeuge eines schrecklichen Ereignisses: Der gleichaltrige Oscar nimmt sich vor Léonards Augen das Leben und der tut nichts, um ihn zu retten.
Erst als Oscar tot ist, erwacht Léonard aus seiner Starre, doch von Schuldgefühlen geplagt, alarmiert er nicht etwa die Erwachsenen, sondern verscharrt den Leichnam im Sand.
Auch am nächsten Tag schafft es Léonard nicht, seinen Eltern zu erzählen, was passiert ist. Orientierungslos und zunehmend dehydriert beginnt Léonard, das fröhliche Treiben auf dem Campingplatz mehr und mehr als Alptraum wahrzunehmen, dem er nicht entkommen kann…

Bei „Hitze“ ist der Name Programm. Man fühlt beim Lesen die drückende Hitze, die sonnenverbrannte Haut und die Sandkörner zwischen den Zehen.
Ein Debütroman, der zwar noch erzählerische Schwächen aufweist, aber so atmosphärisch geschrieben ist, daß ich das nächste Buch von Victor Jestin schon mit Spannung erwarte.

Nachzuhören in Folge #11 Sommer, Sonne, rosa Hasen

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David Szalay – Turbulenzen

Eine Sammlung von Kurzgeschichten, die aber alle miteinander verbunden sind, ist „Turbulenzen“ von David Szalay.
Was die Protagonisten der einzelnen Geschichten miteinander verbindet, sind die Flugreisen, die sie alle unternehmen. Dabei fällt schnell auf: Keiner ist nur zum Urlaub machen unterwegs. Oft sind es berufliche oder familiäre Gründe, die der Anlass der Reise sind.
So beginnt dieses Buch beispielsweise mit einer älteren Frau, die ihren Sohn in London besucht, weil er an Prostatakrebs erkrankt ist. Auf dem Heimflug nach Madrid, wo sie lebt, lernt sie Cheikh kennen, der weiter nach Dakar fliegt, wo ihn eine schlimme Überraschung erwartet…
So nehmen uns die Figuren der einzelnen Geschichten jeweils ein Stück der Reise mit, wobei sie immer wieder in metaphorische Turbulenzen geraten, sei es einen Familienstreit, eine Affäre oder eine menschliche Katastrophe.

Wie die Weltkarte mit den eingezeichneten Flugstrecken auf dem Vorsatzpapier schon verrät, umrunden wir in „Turbulenzen“ einmal die gesamte Welt und begegnen dabei Menschen aus den verschiedensten Kulturen und sozialen Schichten und erleben kurze, aber einschneidende Momente in ihrem Leben.

Kurzgeschichtensammlungen mit einem gemeinsamen Thema finde ich immer spannend, denn das kann wirklich gut funktionieren, wie in Frank Berzbachs Die Schönheit der Begegnung oder es kann etwas konstruiert wirken, wie in Tom Hanks Uncommon Type. Bei „Turbulenzen“ gehen die einzelnen Geschichten so gut ineinander über, daß man schon fast eher das Gefühl hat, einen Roman zu lesen, als zwölf einzelne Kurzgeschichten.

Nachzuhören in Folge #16 Lost Places

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Lily King – Writers & Lovers

Lily Kings Roman Euphoria hat mich vor ein paar Jahren zwar durch seinen Stil begeistern können, allerdings fand ich, daß die Geschichte um eine Ethnologin auf Forschungsreise im Neuguinea der 1930er Jahre auch ihre Längen hatte.

Mit „Writers & Lovers“ legt Lily King nun einen sehr persönlichen Roman vor.

Casey ist Anfang 30 und hat nach dem Studium alles auf eine Karte gesetzt: sich ganz dem Schreiben zu widmen, um Autorin zu werden.
Doch inzwischen fragt sie sich immer öfter, wie lange sie diesen Traum noch verfolgen kann. Ihr Schuldenberg wächst ins Unermessliche, sie lebt in einem kleinen Schuppen auf dem Grundstück eines Bekannten und übernimmt lange Schichten als Kellnerin, um zumindest halbwegs über die Runden zu kommen.
Nach dem Tod ihrer Mutter und einer schmerzhaften Trennung ist Casey an einem Punkt angelangt, an dem sie kaum mehr schreiben kann, doch sie hält weiter an ihrem Traum fest…

„Writers & Lovers“ ist die perfekte Lektüre für all diejenigen, die gegen alle Widerstände an ihren Träumen festhalten wollen.
Am Ende löst sich alles vielleicht ein wenig zu harmonisch auf, aber nach Caseys langem Kampf gönnt man es ihr gerne.

Nachzuhören in Folge #14 Z wie Zukunftsmusik

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Leif Randt – Allegro Pastell

Eigentlich hatte ich schon lange vor, einmal ausführlich über „Allegro Pastell“ zu schreiben, doch inzwischen haben Andi und ich diesen Titel schon so oft im Podcast erwähnt und so ausführlich darüber gesprochen, daß ich das Gefühl habe, jeder der mich halbwegs kennt, weiß inzwischen, daß es das Buch war, daß mich dieses Jahr am meisten begeistern konnte.

Bestimmt hätte ich diesen Titel nie gelesen, hätte Andi ihn nicht unbedingt für den Podcast besprechen wollen; so unscheinbar wirkte das Cover auf mich.
Wir begannen mit der Lektüre in der ersten Woche des Lockdowns im März. Ich war mit meinen beiden Söhnen den ganzen Tag in der Wohnung, wo mir neben Homeschooling und dem Versuch, den Kleinen soweit abzulenken, daß sein großer Bruder seine Hausaufgaben machen konnte, langsam aber sicher die Decke auf den Kopf fiel.
Also beschloss ich, jeden Vormittag eine Runde über die Felder hinterm Haus zu drehen. Wir leben nämlich genau am Rand der Stadt und deshalb war es kein Problem, Spazieren zu gehen, ohne irgendwelchen Leuten zu begegnen.
Zu diesem Zeitpunkt war es noch wahnsinnig kalt. Ich erinnere mich, daß ich zwei Jacken und zwei Schals trug, die ich mir zusätzlich zur Mütze um den Kopf gewickelt hatte, weil der Wind auf den Feldern so eisig und schneidend war.
Von meinem Haus aus führt ein Weg den Hügel hinauf über die Felder. Am höchsten Punkt auf halber Strecke gibt es eine Bank vor einer alten Scheune, die halbwegs windgeschützt ist. Nachdem ich mich durch den Eiswind gekämpft hatte, war es dann auf dieser Bank im Sonnenschein oft so warm, daß ich mich nach und nach aus meinen Schals und Jacken schälte.
Von hier aus hat man einen wunderschönen Ausblick auf München und (bei klarem Wetter) die Alpen, denn der Hügel hinter meinem Haus ist tatsächlich eine der ersten Erhebungen hinter der Münchner Ebene.
Hier saß ich dann jeden Tag eine halbe Stunde, las „Allegro Pastell“ und lachte in meinem kleinen windgeschützten Versteck über Leif Randts hyperreflektierte Protagonisten, die einem mit ihrer überzeichneten selbstgefälligen Art so auf die Nerven gehen, daß man sich einfach nur darüber freut, wie geschickt und absolut überspitzt der Autor die Millenial Generation in diesem Roman aufs Korn nimmt.

Das war zugegeben sehr wenig über das Buch und sehr viel darüber, wo und wie ich es gelesen habe, aber die Umstände waren so außergewöhnlich, daß ich wohl immer an diese verrückten ersten Wochen des Lockdowns denken muss, in denen wir alle nicht wussten, was noch auf uns zukommen würde.

Nachzuhören in Folge #6 Germanys next Lovestory

Novitäten im November

Im November kann ich mich vor Novitäten kaum retten! – Klar, immerhin muss ich mich für das anstehende Weihnachtsgeschäft nochmal ausgiebig informieren und die Weihnachtsempfehlungsfolge für den Podcast vorbereiten.
Deshalb gibt es heute wieder einen bunten Mix aus bereits gelesenen und noch ungelesenen Romanen und Sachbüchern, die eine ziemliche Bandbreite abdecken.

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Los geht es mit drei etwas ernsteren Roman: „Meine dunkle Vanessa“, „Insel der verlorenen Erinnerung“ und „Als die Welt stehen blieb“.

„Meine dunkle Vanessa“ von Kate Elizabeth Russell erzählt von Vanessa, die als 15-Jährige von ihrem Highschool Lehrer sexuell missbraucht wird, und lange Zeit glaubt, sie selbst wäre es gewesen, die diese Beziehung gewollt hätte.
Eine unheimlich facettenreiche Geschichte, die ich schon als englisches Hörbuch gehört habe, und die es wert ist, sich noch einmal etwas ausführlicher damit zu beschäftigen.

„Die Insel der verlorenen Erinnerung“ von Yoko Ogawa erzählt von einer Insel, auf der Dinge nicht nur aus dem Alltag, sondern auch aus der Erinnerung der Menschen verschwinden und von einer geheimnisvollen Erinnerungspolizei, die dafür sorgt, daß diese Dinge auch verschwunden bleiben.
Auf Instagram und den Buchblogs hört man derzeit nur begeisterte Stimmen; Zeit also, mir diesen Titel auch einmal vorzunehmen.

Morgen beginnt ja der nächste Lockdown, diesmal in der Light-Version, aber ich denke, wir alle erinnern uns noch lebhaft an den ersten Lockdown im März. Bestsellerautorin Maja Lunde („Die Geschichte der Bienen“, „Die Geschichte des Wassers“) hat ihre Gedanken in dieser Zeit aufgeschrieben und zu einem Buch verarbeitet: „Als die Welt stehen blieb“.
Mein erster Gedanke war, daß ich definitiv kein Buch über den Lockdown brauche, allerdings höre ich von allen Seiten nur Gutes über „Als die Welt stehen blieb“. Ich hoffe also, daß mich dieser Titel gut durch den nächsten Lockdown bringen wird, vielleicht sogar so, als hätte ich eine Freundin an meiner Seite, die ihre Gedanken mit mir teilt.

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Zum Ausgleich habe ich mir auch gleich noch drei humorvollere Titel ausgesucht: „QualityLand 2.0“, „Der Massai, der in Schweden noch eine Rechnung offen hatte“ und das „Tagebuch einer furchtbar langweiligen Ehefrau“.

Tatsächlich habe ich Marc-Uwe Kling erst während des Lockdowns für mich entdeckt und dann gleich alles, was es gab, als Hörbuch durchgesuchtet.
Dabei war ich dann wirklich positiv überrascht, welchen Tiefgang gerade „QualityLand“ mit seiner nicht unrealistischen Dystopie zu bieten hat, obwohl man fast ununterbrochen lachen muss.
In „QualityLand 2.0 – Kikis Geheimnis“ tauchen wir wieder ins beste aller möglichen Länder ab und in die Abgründe, die sich darunter auftun.

Mein Verhältnis zu den Büchern von Jonas Jonasson schwankt zugegebenermaßen immer ein wenig. Während ich „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster Stieg und verschwand“ sehr mochte und „Die Analphabetin, die rechnen konnte“ geliebt habe, fand ich „Mörder Anders und seine Freunde nebst dem einen oder anderen Feind“ dagegen richtig schlecht. „Der Hundertjährige, der zurückkam, um die Welt zu retten“ war dann wieder recht sympathisch, von „Der Massai, der in Schweden noch eine Rechnung offen hatte“ erwarte ich mir nun einen Roman, der mich beim Pendeln ein wenig zum Lachen bringt, wenn es bald im Laden wieder stressiger wird.

Das „Tagebuch einer furchtbar langweiligen Ehefrau“ von Marie-Renée Lavoie handelt von Diane, Ende 40, die ganz plötzlich von ihrem Mann für eine deutlich jüngere Frau verlassen wird. Das beschreibt Lavoie mit soviel bissigem Humor, daß man trotz des eigentlich ziemlich traurigen Themas immer wieder laut loslachen muss.

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Gleich drei Titel aus dem Hause Diogenes haben mich diesen Monat erreicht, nämlich Amélie Nothombs neuster Roman „Die Passion“, „Dieses ganze Leben“ von Raffaella Romagnolo und „Das Buch eines Sommers“ vom „Ernährungskompass“-Autor Bas Kast.

Amélie Nothomb ist ja eine meiner liebsten Autorinnen, in „Die Passion“ erzählt sie von Jesus Christus in der Nacht vor seiner Kreuzigung. Nothombs düsterer Witz in einer biblischen Geschichte? – Schwer vorzustellen, aber ich bin sehr gespannt!

Raffaella Romagnolo wurde mit „Bella Ciao“ bekannt, in „Dieses ganze Leben“ geht es um ein Geschwisterpaar, das sich aufmacht, die Welt ihres Viertels zu erkunden. Der Klappentext hört sich zumindest schonmal vielversprechend an.

Wenn ein berühmter Sachbuchautor plötzlich einen Roman schreibt, finde ich das ja erstmal ziemlich spannend. Der Untertitel von „Das Buch eines Sommers“, nämlich: „Werde, der du bist“, machte mich zwar schon ein wenig stutzig, denn mit als Roman verpackten Lebensratgebern kann ich mich einfach nicht anfreunden, doch von einigen Leuten hörte ich, das Buch wäre überhaupt nicht kitschig, sondern einfach nur richtig schön.
Anfangs hätte ich das auch unterschrieben, aber leider driftet „Das Buch eines Sommers“ sehr schnell in die gefürchtete Lebensweisheit-Roman-Schiene ab. Leider gar nicht mein Fall!

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Auch zwei Sachbücher haben es auf meinen Novemberstapel geschafft.

„Kat Menschiks & des Diplombiologen Doctor Rerum Medicinalium Mark Beneckes illustrirtes Thierleben“ (Ja, das schreibt man wirklich so!) ist das unangefochten schönste Buch des Jahres!
Wenn Kat Menschik illustriert und Mark Benecke allerhand sonderbare Fakten über Tiere erzählt, dann ist das ein Buch genau für mich!

Das zweite Sachbuch kommt dafür mit einem deutlich ernsteren Thema daher: „How to be an Antiracist“ von Ibram X. Kendi.
Während des Lockdowns im April habe ich mir ja „Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten“ von Alice Hasters und „exit RACISM“ von Tupoka Ogette als Hörbücher angehört und war schwer beeindruckt, zugleich aber auch schockiert, wie wenig ich zu Thema Rassismus in Deutschland wusste (Stichwort: Kolonialgeschichte).
Ibram X. Kendi erzählt in „How to be an Antiracist“ von seiner persönlichen Geschichte und davon, die man Rassismus aktiv entgegensteuern kann. Nachdem Kathy von anothergreatetc so von diesem Buch geschwärmt hat, bin ich jetzt richtig gespannt darauf!

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Seltsamerweise sind diesen Monat auch gleich zwei Titel über David Bowie auf meinem Lesestapel gelandet; seltsamerweise, weil ich an sich kein großer Bowie Fan bin. Das heißt nicht, daß ich ihn oder seine Lieder nicht mögen würde, ich habe nur tatsächlich nie aktiv seine Musik gehört und könnte (an dieser Stelle brüllen vermutlich viele von euch: „Frevel!“) wohl kein einziges Lied von ihm nennen.

„Bowies Bücher – Literatur, die sein Leben veränderte“ von John O’Connell rutschte auf meinen Lesestapel, nachdem einige Kollegen sehr davon geschwärmt hatten. Es ist wohl eine Eigenheit unseres Berufs, daß wir es lieben, in andere Bücherregale zu schauen, um uns ein Bild von der Person zu machen. Überraschenderweise habe ich auch von den hundert Büchern, über die Bowie spricht, gerade einmal drei gelesen!

Der zweite Titel über David Bowie ist „Bowie – Ein illustriertes Leben“ von María Hesse und Fran Ruiz.
María Hesses Illustrationen liebte ich ja schon in „Frida Kahlo – Eine Biografie“ sehr und inzwischen habe ich mir sogar zwei Drucke von ihr gegönnt. Klarer Fall also, daß ich nun auch ihr neustes Buch haben musste und zusammen mit „Bowies Bücher“ ergibt es bestimmt ein sehr schönes Porträt dieses spannenden Menschen. Vielleicht werde ich dabei sogar noch anfangen, seine Musik zu hören. 😉

Ganz schön viel habe ich mir da vorgenommen!
Kennt ihr vielleicht schon den ein oder anderen Titel?
Ich wünsche euch allen einen schönen November.

Bleibt gesund!

Kurz und Knapp – Was ich noch so alles gelesen habe #1

Nachdem ich die letzten Monate praktisch kaum zum Bloggen gekommen bin, haben sich so viele Titel angesammelt, zu denen ich zumindest noch ein kurzes Feedback geben möchte, daß mich der Gedanke daran, über jedes dieser Bücher noch einmal einzeln und ausführlich zu schreiben, regelrecht überfordert.
Deshalb habe ich mir nun vorgenommen, einmal kurz von den Titeln zu erzählen, die zum Teil schon länger auf meinem Rezensionsstapel liegen.

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Der Roman, der vermutlich am längsten auf diesem Stapel liegt, ist „Blackbird“ von Matthias Brandt. Ein paar Kollegen und ich hatten schon im letzten Sommer die Idee, dieses Buch gemeinsam zu lesen und dann darüber zu sprechen, aber irgendwie haben wir es nie geschafft, einen Termin zu finden, an dem wir alle Zeit hatten und so rutschte „Blackbird“ bei den Titeln, über die ich schreiben wollte, immer weiter zurück.

Hauptfigur ist der 15-jährige Motte, der eigentlich genug mit der Scheidung seiner Eltern und dem ersten Liebeskummer zu tun hätte, als er erfährt, daß sein bester Freund an Krebs erkrankt ist.
Es fällt Motte immer schwerer, Bogi im Krankenhaus zu besuchen und so zu tun, als ob alles normal sei. Also kapselt er sich mehr und mehr ab. Nicht nur von Bogi, sondern auch von allen anderen.

„Blackbird“ war ein Buch, mit dem ich ziemlich zu kämpfen hatte. Als Mutter von zwei Jungs fällt es mir unheimlich schwer, über lebensbedrohliche Krankheiten bei Kindern zu lesen. Deshalb kämpfte ich beinahe mehr mit dem Buch, als der Protagonist Motte mit seinem schlechten Gewissen. Dabei bedient sich Brandt eines jugendlich „verschlufften“ Erzählstils, der mich auch nicht wirklich mit dem Thema versöhnen konnte.
Kein schlechtes Buch, das nun wirklich nicht, aber einfach nichts für mich.

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Auch schon seit dem letzten Jahr wartet Dana von Suffrins Debütroman „Otto“ auf eine Besprechung. Auf der Frankfurter Buchmesse hatte ich die große Freude zu einer Lesung von Dana von Suffrin eingeladen zu werden und eigentlich wollten Andi und ich damals noch im Podcast in einer unserer alten Wohnzimmerfolgen darüber sprechen, aber dann kam verschiedenes dazwischen und auch „Otto“ verlor sich in meinem Rezensionsstapel.

Als der Patriarch Otto im Krankenhaus landet, ist für Timna und ihre Schwester Babi schnell klar, daß sie nicht in der Lage sind, ihrem Vater die rund-um-die-Uhr Betreuung zukommen zu lassen, nach der er verlangt. Nicht so sehr, weil er sie wirklich brauchen würde, aber Otto ist nur dann glücklich, wenn immer jemand da ist, den er herumkommandieren kann und der sich dennoch aufopferungsvoll um ihn kümmert. Von seinen alten siebenbürgischen Kameraden wird im schnell eine Pflegerin besorgt, die sich zum gewöhnungsbedürftigen Familienzuwachs entwickelt.

Rückblickend erzählt Timna von dem verrückten Leben mit Otto und den skurrilen Erlebnissen der Familie. Das schafft Dana von Suffrin mit so viel Wärme und Humor, daß ich hoffe, bald mehr von ihr lesen zu können.

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Ein weiterer Titel, der nun schon lange auf seine Besprechung wartet, ist „Melmoth“ von Sarah Perry.

Melmoth ist eine unheimliche Sagengestalt, die verzweifelte Menschen in ihren Bann zieht, sie mit sich nimmt und erst dann wieder freigibt, wenn sie bereit sind, zu sterben.
Helen glaubt nicht an solche Schauermärchen, doch dann zeigt ihr ihr guter Freund Karel ein Manuskript, daß er von einem Bekannten kurz vor dessen Tod bekommen hat und in dem dieser die Geschichte seines Lebens und seine Begegnung mit eben dieser Sagengestalt beschreibt. Karel wirkt so unruhig und paranoid, daß Helen einwilligt, das Manuskript zu lesen, doch dann verschwindet Karel plötzlich spurlos und Helen beginnt sich zu fragen, ob Melmoth nicht doch mehr sein könnte, als ein bloßes Hirngespinst.

„Melmoth“ ist eine höchst literarische Schauergeschichte, die man ganz wunderbar im Winter lesen kann. So mitreißen und begeisterten wie in „Die Schlange von Essex“, konnte mich Sarah Perry mit „Melmoth“ aber leider nicht.

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Ein dünnes Büchlein ist „Der Hund“ von Akiz.
Auf weniger als 200 Seiten erzählt er von Mo, einem Koch, der in einer Dönerbude gegenüber des berühmt-berüchtigten Sternerestaurants El Cion arbeitet.
Als eines Tages ein Straßenjunge in der Dönerbude aushelfen soll, entdeckt Mo, daß der Junge, den die anderen nur den „Hund“ nennen, ein kulinarisches Talent wie kein zweiter hat. Mo beschließt, zusammen mit dem Hund im El Cion anzuheuern und dort Karriere zu machen, doch dabei setzt er Ereignisse in Gang, die das Leben aller Beteiligten völlig aus den Fugen geraten lassen.

„Der Hund“ ist ein knappe, bitterböse Geschichte, die ein wenig an Süskinds „Parfum“ erinnert. Von der ziemlich derben Sprache sollte man sich dabei nicht abschrecken lassen.

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Sayaka Murata wurde mit ihrem Roman „Die Ladenhüterin“ bekannt, im Sommer erschien nun ihr neustes Buch „Das Seidenraupenzimmer“.

Natsuki fühlt sich schon als Kind als Außenseiterin. Ihre Eltern bevorzugen klar die Schwester und auch an der Schule ist sie nicht übermäßig beliebt.
Nur in den Ferien, die sie mit der ganzen Verwandschaft im Haus der Großeltern verbringt, fühlt sie sich wirklich wohl, denn in ihrem gleichaltrigen Cousin Yu hat sie einen Seelenverwandten gefunden.
Der erzählt, ein Außerirdischer zu sein und auch Natsuki glaubt, magische Fähigkeiten zu besitzen. So fühlen sich die beiden beieinader sicher und akzeptiert.
Doch zurück an der Schule wird Natsuki von einem Lehrer sexuell mißbraucht und so beschließt sie, daß sie sich Yu einmal hingeben will, bevor sie wohl sterben muss. Das verursacht einen Skandal in der Familie, der Natsuki und Yu für viele Jahre auseinanderreißt.
Erst als die beiden schon erwachsen sind, sehen sie sich wieder. Natsuki ist inzwischen mit einem Mann verheiratet, der nicht mit ihr schlafen möchte. – Eine Absprache, die beide sehr zu schätzen wissen.
Doch als ihre Familien immer mehr Druck machen, daß es doch an der Zeit wäre, ein Kind zu bekommen, wünscht sich Natsuki immer mehr aus der Gesellschaft zu fliehen, in der Menschen offenbar nur Reproduktionsmaschinen sind.
Zusammen mit ihrem Mann fährt sie in die Berge, um Yu zu besuchen, der mittlerweise im abgelegenen Haus der Großeltern lebt. Alle drei wünschen sich ein Leben fernab der Anforderungen der Gesellschaft. Doch schon bald werden sie selbst an diesem abgeschiedenen Ort von den Erwartungen ihrer Familien und der Vergangenheit eingeholt…

Während „Die Ladenhüterin“ noch halbwegs zahm daherkam, empfand ich „Das Seidenraupenzimmer“ schon hart an der Grenze des Erträglichen. Wer Trigger-Warnungen für Bücher braucht, der sollte definitiv nicht nach diesem Titel greifen!

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Zu guter letzt wollte ich euch noch ein Hörbuch ans Herz legen, das mich wirklich unheimlich berührt hat: „Wir haben Raketen geangelt“ von Karen Köhler, gelesen von der Autorin zusammen mit Sandra Hüller.

Als ich Karen Köhler letztes Jahr zur Präsentation ihres Romans Miroloi kennenlernen durfte, las sie uns auch die ersten Kapitel vor, was ein wirklich unheimlich schönes Erlebnis war.
Karen Köhler ist ja ausgebildete Schauspielerin und hat eine extrem angenehme Stimme, dazu kam auch, daß „Miroloi“ ja einen sehr eigenen Rhythmus hat, den die Autorin natürlich perfekt traf. Mit dieser Stimme im Ohr hatte ich dann auch keinerlei Schwierigkeiten, in das Buch mit seiner zum Teil eigenwilligen Sprache zu hineinzufinden.

Nachdem mich Karen Köhler also sowohl als Autorin, als auch als Sprecherin völlig begeistert hatte, wollte ich mir ihre Kurzgeschichtensammlung „Wir haben Raketen geangelt“ unbedingt als Hörbüch anhören.
Blöd nur, wenn man das im Auto macht, denn manche Geschichten bewegten mich derart, daß ich völlig verheult über österreichische Bergpässe kurvte. – Nicht zur Nachahmung empfohlen!

Eine große Empfehlung aber für „Wir haben Raketen geangelt“ und das wirklich unheimlich schön eingelesene Hörbuch, bei dem die Stimmen der beiden Sprecherinnen so gut aufeinander abgestimmt waren, daß ich manchmal wirklich Mühe hatte, sie auseinanderzuhalten.

Lesegrüße aus der Ferne

Ein kleiner Disclaimer am Anfang: Die Frage, ob man derzeit überhaupt in den Urlaub fahren sollte oder nicht, beschäftigt viele.
Der Lockdown und andere persönliche Ereignisse waren in den letzten Monaten eine ziemliche emotionale Herausforderung für mich, also habe ich mich dafür entschieden, einen kleinen Roadtrip mit meinen Jungs zu machen, um uns alle auf andere Gedanken zu bringen.
Mir ist klar, daß diese Entscheidung für viele Leute, die sich aktuell noch im Shielding befinden, ziemlich leichtsinnig wirken wird.
Ich kann an dieser Stelle nur sagen, daß ich mir im Vorfeld meine Gedanken gemacht habe und da ich von vielen gefragt wurde, wie meine Erfahrungen in den Freizeitparks und Hotels war und wie dort auf die Sicherheit der Besucher geachtet wurde, habe ich mich entschlossen, euch von meiner Reise zu erzählen.

Die wenigsten von euch wissen vielleicht, daß ich ein großer Freizeitpark-Fan bin und jedes Jahr bestimmt drei oder vier verschiedene Parks mit meinen Söhnen besuche.
Dieses Jahr wollten wir unbedingt einmal wieder nach Tripsdrill (in der Nähe von Stuttgart) fahren, weil hier gerade neue Achterbahnen fertiggestellt wurden und nachdem wir dann ohnehin schon so weit würden fahren mussten und wir auch noch Europapark Tickets hatten, entschlossen wir uns, das ganze zu einer großen Tour zu verbinden.

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Den Anfang machte also der Erlebnispark Tripsdrill, in dem den Besucher eine durchgängig schwäbischen Thematisierung und einige spektakuläre Achterbahnen erwarten.
Hier war es nicht so voll, daß ich mich unwohl gefühlt hätte, in den Wartebereichen herrschte Maskenpflicht und die Griffe der Achterbahnen und anderen Fahrgeschäfte wurden in regelmäßigen Abständen desinfiziert. Auf den Wegen nahmen dann zwar die meisten ihre Masken ab, allerdings gab es dort so viel Abstand, daß ich mich zu keiner Zeit unwohl fühlte.
Eine besonders schöne Überraschung, die uns bei diesem Besuch erwartete, waren auf den Boden gemalte 3D-Bilder. Diese Bilder hatte ich schon des Öfteren im Internet gesehen und mir immer gewünscht, einmal selbst in so einem Bild zu stehen. Nun hatte ich endlich die Gelegenheit dazu.

Für die Übernachtung hatten wir etwas ganz besonderes geplant: Einmal in einem Baumhaus wohnen!
Neben dem Erlebnispark liegt der Wildpark, an dem es eine Reihe von Baumhäusern und Schäferwagen gibt, in denen man sich einquartieren kann.

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Unser Baumhaus war auch wirklich unheimlich gemütlich. Es gab bequeme Betten, eine schöne Sitzecke, Kühlschrank, Kaffeemaschine, Fernsehen und WLAN. Und natürlich auch ein schönes kleines Bad mit Toilette und Dusche.
Alle Annehmlichkeiten eines Hotelzimmers also, aber in unschlagbarer Lage.
Nach dem Tag im Freizeitpark spazierten wir durch den Wald zu einem kleinen Schäferwagen, in dem man Abendessen holen konnte. Gleich daneben liegt ein idyllischer Löschteich, in dem riesige Kois leben, die die Kinder richtig fasziniert haben. Gegessen wurde dann bei Sonnenuntergang auf der Terrasse vor dem Baumhaus. – Sehr idyllisch!

Das Frühstück wird wohl normalerweise in einem kleinen Lokal im Wildpark serviert. Weil die Sicherheitsabstände dort aber aktuell nicht eingehalten werden könnten, brachten die Mitarbeiter stattdessen einen riesigen Picknickkorb vorbei, in dem ein so reichhaltiges Frühstück steckte, daß wir uns damit auch gleich noch Proviant für die weitere Reise packen konnten.

Viele haben mir unterwegs geschrieben, weil sie meine Baumhaus-Fotos auf Instagram gesehen hatten und die häufigste Frage war: Wie teuer ist das?
Meine Antwort: Günstig ist leider etwas anderes! Definitiv liegt es nicht im Budget einer Teilzeitbuchhändlerin, aber wir hatten Glück und einen Reisegutschein.
Außerdem muss gesagt sein, daß vor allem die erste Nacht recht teuer ist. Danach relativiert sich der Preis wieder und auch in der Nebensaison ist es nochmal deutlich günstiger.
Ich könnte mir auch gut vorstellen, im Winter in so einem Baumhaus zu wohnen, denn sie verfügen tatsächlich über Fußbodenheizung!
Ein Mitarbeiter erzählte sogar, daß Leute aus der direkten Umgebung die Baumhäuser hin und wieder mieten würden. Anstatt in 5 Kilometer Entfernung im eigenen Bett zu schlafen, erfüllen sich wohl viele den Wunsch, einmal in einem so schicken und komfortablen Baumhaus zu übernachten.
Ich wäre jedenfalls sofort wieder mit dabei!

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Als Reiselektüre hatte ich mir übrigens „Zeit der Wildschweine“ von Kai Wieland eingepackt. Denn wo sollte man dieses Buch denn besser lesen können, als in Schwaben in unmittelbarer Nähe eines Wildschweingeheges?
Besagte Wildschweine ließen sich dann aber am nächsten Tag, als wir der Wildpark besuchten gar nicht blicken.
Dafür waren die Kinder begeistert davon, Hirsche zu füttern und den Schildkröten am Teich zuzuschauen.
Außerdem gibt es hier auch einen sagenhaft schönen Abenteuerspielplatz, von dem selbst ich mich schwer lösen konnte, doch wir hatten an diesem Tag noch eine weite Reise vor uns.

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Von Stuttgart aus ging es dann weiter in Richtung französische Grenze, zum Europapark Rust. Auch hier sind wir etwa alle zwei Jahre, zuletzt kurz vor dem spektakulären Brand, bei dem die „Piraten in Batavia“ vollständig zerstört wurden. Nun wurde die Attraktion wieder neu eröffnet und wir waren unheimlich gespannt darauf, die „neuen Piraten“ zu sehen.

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Diesmal hatten wir uns im Hotel El Andaluz eingemietet, in das ich auch schon immer einmal wollte. Immerhin lese ich ja gerade noch „Die Wahnsinnige“ von Alexa Hennig von Lange, in dem es um Johanna von Kastilien geht. Die perfekte Kulisse also!

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Am Abend nutzten wir dann die Möglichkeit, als Hotelgäste in der letzten Stunde vor Schließung kostenlos in den Park zu gehen und fuhren schon einmal eine Runde „Piraten in Batavia“ und den Favoriten meines Jüngsten: „Madame Freudenreich Curiosités“.
Nach dem Abendessen nutzten wir noch den Poolbereich des Nachbarhotels Santa Isabella und fielen dann recht erschöpft in die Betten. Schließlich erwartete uns noch ein weiterer Hotelwechsel.

Den ganzen nächsten Tag verbrachten wir dann im Europapark und ich muss ganz ehrlich sagen, daß ich hier des Öfteren an die Grenzen meiner Komfortzone kam. Ich bin nun wirklich einiges gewöhnt, immerhin arbeite ich in der Münchner Innenstadt, aber so viele Leute auf so engem Raum habe ich wirklich schon lange nicht mehr gesehen!
Dabei waren die Warteschlangen überraschenderweise nicht das Problem. Zunächst einmal sehen die zwar wirklich endlos aus, was daran liegt, daß sie extrem auseinandergezogen werden. Viele Wartebereiche liegen ja in den Gebäuden und hier wurde alles was ging nach draußen verlagert.
Alle trugen ihren Nase-Mundschutz und das nicht nur in der Warteschlange, sondern auch in den Achterbahnen und die meisten hielten sich an den Sicherheitsabstand.
Wer trotzdem nicht so lange in einer Warteschlange stehen möchte, der kann auch an einigen Achterbahnen den Single-Rider-Eingang nehmen, solange er keinen großen Wert darauf legt, mit einer Gruppe zusammen zu fahren und in der Europapark-App gibt es eine Virtual Line, in der man sich für Zeitslots bei den großen Attraktionen anmelden und dann ohne Wartezeit einsteigen kann. Allerdings muss man immer wieder schauen, ob und wann etwas frei wird und man kann sich auch nur für eine Attraktion anmelden und den nächsten Slot erst dann buchen, wenn man seinen Termin entweder wahrgenommen oder storniert hat. Realistisch gesehen kann man so vielleicht zwei bis vier Warteschlangen vermeiden, aber ein, zwei Stunden Zeitersparnis bringt das Ganze auf jeden Fall.
Was aber definitiv außerhalb meiner Komfortzone lag, waren die Menschenmengen auf den großen Plätzen, wie zum Beispiel im französischen Parkteil. Dabei muss man sagen, daß zwar fast jeder seine Maske trug, wenn es zu solchen Massenansammlungen kam, aber richtig wohlgefühlt habe ich mich dabei nicht.

Immerhin konnten wir aber all unsere Favoriten, wie das Voletarium, die Silver Star und die Blue Fire abhaken und uns dann dort verstecken, wo eigentlich nie jemand ist. Beim Abenteuer Atlantis habe ich zum Beispiel noch nie warten müssen. Warum eigentlich nicht? Ich finde diesen interaktiven Darkride wirklich lustig.

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Abends ging es dann in das nächste Hotel, das Krønasår, das direkt neben dem neuen Wasserpark Rulantica liegt und somit auch das neuste der Europapark-Hotels ist.
Die Thematisierung hier ist wirklich traumhaft!
Das Krønasår ist ein Museum Hotel im skandinavischen Stil, in dem jede Menge Schaukästen, Exponate und wissenschaftliche Illustrationen für ein Ambiente sorgen, das genau meinen Geschmack trifft.
Auch in den Zimmern gibt er Schaukästen und eine Bücherwand und nein, leider kann man die Bücher nicht herausziehen und darin lesen, trotzdem habe ich das Ambiente geliebt.

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Besonders schön konnte man hier auch Frühstücken, denn es gibt eine große Terrasse, die an ein künstliches Meer mit kleinem Hafen und Schiffchen gebaut ist.
Dazu gibt es ein wirklich reichhaltiges Buffet mit Zimtschnecken, die die Kinder und ich sehr lieben.
Für das Frühstück musste man übrigens auch schon im Vorfeld einen Zeitslot buchen. Das Buffet wurde stark entzerrt und Wurst, Käse und Brötchen gibt es nun hinter Plexiglasscheiben. Dort sagt man den Mitarbeitern einfach, was man gerne möchte und sie stellen es dann zusammen. Das hat wirklich gut geklappt und im Krønasår musste ich auch nie warten.

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Zum Abschluss der Reise ging es dann in den neuen Wasserpark Rulantica.
Auch der ist skandinavisch thematisiert, mit einem Tannenwald, einem nordischen Fischerdorf und einem Eispalast.
Es gibt viele Rutschen, einen wirklich wunderschönen Wasserspielplatz für Kinder, ein Wellenbad und Entspannungsbecken.
Hier herrscht natürlich keine Maskenpflicht und deshalb gibt es auch Beschränkungen an den Becken. Ich musste zwar nie besonders lange warten und ich hatte auch nie das Gefühl, komplett auserhalb meiner Komfortzone zu sein, trotzdem habe ich Rückzugsorte vermisst.

Besonders groß ist Rulantica nämlich nicht und auch wenn es wirklich zum Niederknien schön thematisiert ist – besonders für Kinder – finde ich den Preis dann doch etwas überzogen.
Mein 13-Jähriger zählt natürlich schon als Erwachsener, schlägt also mit 38,50 € zu buche und auch für den 5-Jährigen muss bereits 35,50 € bezahlen. Auch Abendtickets sind nur 3 € günstiger.
Meine Meinung: Da muss noch einiges kommen, um die Preise zu rechtfertigen oder es sollten auch Stundentarife angeboten werden, wie in anderen Bädern oder Thermen.

Später an diesem Tag machten wir uns dann wieder auf den Heimweg.
Es war ein wirklich schöner, aber auch anstrengender Roadtrip mit den Kindern, bei dem ich zwar hin und wieder außerhalb meiner Komfortzone, insgesamt aber recht zufrieden damit war, wie die aktuellen Herausforderungen gelöst wurden.

Ich hoffe, ich habe all die Fragen beantwortet, die mir viele von euch während der Reise geschickt haben und kann euch mit diesem Beitrag ein wenig mit der Entscheidung helfen, ob so ein Urlaub für euch infrage kommt oder nicht.

Alles Liebe,
Andrea

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arsEdition macht Leselust

Darf man als Buchhändler eigentlich auch ein bißchen schummeln?
So ein klitzekleines bißchen?
Denn egal wie viel man liest, ob in der Badewanne, während man darauf wartet, daß die Plätzchen fertig werden oder auf den zehn Minuten Fahrt zum Kindergarten noch ein Hörbuch hört: Es ist nie genug!
Irgendwie schaffen es die Kunden immer zielsicher nach all den Büchern zu fragen, die ich eben nicht gelesen habe; und zu denen im schlimmsten Fall auch kein Kollege Feedback gegeben hat.
Deshalb liebe ich ja Bücher über Bücher!
Denn solche Titel helfen mir ungemein, meine Wissenslücken zu füllen und ganz nebenbei auch noch Bücher zu entdecken, die mich selbst brennend interessieren.

Nun gibt es aber bei arsEdition die neue Reihe „Leselust“, für die man prominente Autoren verpflichten konnte, die wissen, wovon sie schreiben.
Die beiden „Leselust“-Titel, die ich heute vorstellen möchte, sind „Nervenkitzel – 99 Krimis, die unter die Haut gehen“ von Krimi-Bloggerin und Moderatorin Miriam Semrau und „Leseglück – 99 Bücher, die gute Laune machen“ von Buchhändler und Bookstagrammer Florian Valerius und Autorin und Bloggerin Mareike Fallwickl (Dunkelgrün fast schwarz, Das Licht ist hier viel heller).
Zusätzlich gibt es in der Reihe bisher auch zwei Buch-Quizze, die kleine „Quergelesen“-Reihe mit Zitaten und Aphorismen berühmter Schriftsteller und den Titel „Bücher auf Rezept“, der ebenfalls von Valerius und Fallwickl verfasst wurde und bei dem man die passende Lektüre zur aktuellen Stimmung empfiehlt bekommt.

In „Leseglück“ werden uns Favoriten aus verschiedenen Themengebieten vorgestellt, zum Beispiel mit tierischen Protagonisten, schwarzem Humor oder erotischer Literatur.
Da ist definitiv für jeden etwas dabei!
„Nervenkitzel“ hat mir in letzter Zeit schon mehrfach das Leben in der Buchhandlung enorm erleichtert, denn leider bin ich keine große Krimileserin. Zwar habe ich eine großartige Kollegin, die sich in diesem Bereich auskennt, wie kaum eine andere und von der ich mir auch immer regelmäßig Tipps hole, aber leider sind wir meist zu beschäftigt, um uns ordentlich auszutauschen.
Welch ein Glück, wenn dann eine Kundin nach einer blinden Ermittlerin fragt, kurz nachdem man in „Nervenkitzel“ über die Thriller von Andreas Pflüger gelesen hat.
„Fall gelöst!“, sag ich da…

Illustriert wurden die Bücher übrigens sehr liebevoll Franziska Misselwitz, sodass die Büchlein nicht nur inhaltlich, sondern auch optisch sehr gelungen sind.

Das perfekte Geschenk für Leseratten und eine großartige Inspiration für die nächste Lektüre!

Hohe September-Stapel

Die letzten warmen Tage des Jahres sind angebrochen und wir Buchhändler lesen uns durch die hohen Novitäten-Stapel, um die Kunden in der kalten Jahreszeit perfekt beraten zu können. Schon komisch, wenn man noch in der Sommersonne liegt und dabei überlegt, welche Titel man dieses Jahr in die Weihnachtsempfehlungen packen möchte…

Jetzt genieße ich aber erst einmal meinen Lieblingsmonat September. Ich freue mich auf meinen Geburtstag in zwei Wochen und habe angefangen, mein geliebtes Lesezimmer gemütlich für den Herbst und Winter zu machen.

Aber schauen wir uns an, welche Titel diesen Monat auf meinem Lesestapel gelandet sind:

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Zunächst einmal wollte ich mich noch ein bißchen tiefer in die Longlist des Deutschen Buchpreises einlesen. Bisher kenne ich nämlich nur „Herkunft“ und „Miroloi“.
Diesen Monat möchte ich mir nun also „Kintsugi“ von Miku Sophie Kühmel und „Das flüssige Land“ von Raphaela Edelbauer vornehmen.
Von beiden Büchern habe ich bisher nur Gutes von den Kollegen gehört.
Ich freue mich darauf und bin schon sehr gespannt, wer es in die Shortlist schafft und am Ende das Rennen macht.

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Zwei Titel, auf die ich ebenfalls schon gespannt bin sind „Washington Black“ von Esi Edugyan und „Ich bin Circe“ von Madeline Miller.
Beide Titel sind dicke Romane mit historischem Hintergrund, die wohl eine gehörige Portion magischen Realismus mitbringen. Eigentlich genau meine Welt.
Da könnte es draußen sogar gerne noch ein bißchen ungemütlicher werden, um sich damit einzumummeln.

Esi Edugyan wird übrigens am 11. September im Amerikahaus in München zu Gast sein, um ihren Roman zu präsentieren. Der Eintritt ist frei, man sollte sich aber vorher anmelden. Ich habe das schon getan und hoffe, ich kann mir an dem Tag ein bißchen Zeit freischaufeln. Vielleicht sieht man sich ja!

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Zwei Romane von amerikanischen Autoren, die sich mit ihrem Platz in der Gesellschaft auseinandersetzen, sind Tommy Orange mit seinem Debütroman „Dort Dort“ und Elizabeth Acevedo mit „Poet X“.

Tommy Orange schreibt über Traditionen und das moderne Leben der native americans; spannend, denn zu diesem Thema habe ich bisher noch nichts gelesen.
Elizabeth Acevedo ist Poetry Slammerin, deren erstes Jugendbuch in den USA zig Preise abgeräumt hat. Nachdem ich ja nun im Laden wieder in der Belletristik-Abteilung arbeite, neben der auch gleich die Young Adult Bücher zu finden sind, möchte ich mich auch hier einmal wieder ein bißchen einlesen.

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Zwei Bücher, die auf den ersten Blick wohl gar nichts miteinander zu tun haben, die aber beide von norwegischen Autoren geschrieben wurden und von denen ich ja im Zuge der Frankfurter Buchmesse noch mehr lesen wollte, sind „Mittwoch also“ von Lotta Elstad und „Ein Freitod“ von Steffen Kverneland.

In „Mittwoch also“ geht es um eine junge Frau, die nach einem One-Night-Stand ungewollt schwanger wird und sich zu einer Abtreibung entschließt. Allerdings muss sie eine kurze Wartezeit einhalten, die ihr dann wider Erwarten sehr zu schaffen macht.
Angeblich soll dieses Buch recht humorvoll sein. Bei dem Thema bin ich eher skeptisch, aber es hat mich dann doch wirklich neugierig gemacht.

„Ein Freitod“ ist dagegen eine Graphic Novel, in der der Autor mit Illustrationen und Collagetechnik den Selbstmord seines Vaters verarbeitet.
Auch wieder so ein düsteres Thema, aber ich hoffe auf eine ähnlich gute Aufarbeitung der eigenen Familiengeschichte, wie es Nora Krug letztes Jahr mit „Heimat“ gelungen ist.

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Am Ende haben wir auch wieder einen schönen Titel aus der Kategorie illustriertes Sachbuch mit dabei: „Rebel Artists – 15 Malerinnen, die es der Welt gezeigt haben“.
Eigentlich habe ich ja nun mittlerweile wirklich viele Bücher gelesen, in denen starke, mutige und außergewöhnliche Frauen in farbenfrohen Porträts vorgestellt werden, eines das sich aber ausschließlich mit Künstlerinnen beschäftigt war bisher noch nicht dabei.

Ich freue mich schon sehr auf all die Titel auf meinem September-Stapel. Hoffentlich komme ich diesen Monat dann auch wieder mehr zum Lesen; der August war da eher schwierig, nachdem ich die liebsten Kinder von früh bis spät bei Laune halten durfte und ich dank Urlaub auch so gut wie keine Zeit beim Pendeln verbrachte.

Auf welche Bücher freut Ihr Euch im September?
Kennt Ihr Titel von meinem Stapel schon und wie haben sie Euch gefallen?

Ich wünsche Euch einen tollen Start in einen hoffentlich goldenen Herbst!

Eure Andrea

Review: Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse

„Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse“ von Thomas Meyer ist ein Roman, der mir immer wieder von begeisterten Kunden empfohlen wurde, die sich gerne eine Fortsetzung der Geschichte wünschten.
Nachdem ihnen dieser Wunsch nun endlich im Oktober mit „Wolkenbruchs waghalsiges Stelldichein mit der Spionin“ erfüllt wird und der erste Band schön illustriert bei der Büchergilde Gutenberg aufgelegt wurde, war es nun für mich wirklich höchste Zeit, mir dieses Buch einmal vorzunehmen!

Mordechai Wolkenbruch – genannt Motti – lebt ein sehr entspanntes Leben im Schoß seiner jüdisch-orthodoxen Familie. Zumindest bis seine Mutter beschließt, daß es höchste Zeit wird, ihren Jüngsten unter die Haube zu bringen.
Bald schon kann sich Motti gar nicht mehr retten, vor Abendessen mit jungen Frauen, die ihm seine Mutter schmackhaft machen will, dabei hat er a) noch gar keine Lust schon zu heiraten und ist b) in seine hübsche Studienkollegin Laura verliebt, die allerdings eine Schickse, also nicht jüdisch ist.

Je stärker seine Mutter ihre Hochzeitspläne vorantreibt, desto unwilliger wird Motti und umso mehr beginnt er, die strengen Ansichten seiner Familie zu hinterfragen.
Nach und nach fängt Motti an, sich abzukapseln und die Welt außerhalb seiner Gemeinde zu erkunden. Daß das dann aber auch schon bald für Ärger mit seiner Mutter sorgt, kann man sich lebhaft vorstellen…

„Wolkenbruchs wunderliche Reise…“ ist ein sehr humorvoller Roman, der einen bittersüßen Einblick in die jüdisch-orthodoxe Welt bietet.
Das Buch ist in weiten Teil auf Jiddisch verfasst, weshalb ich ein wenig Anlauf brauchte, bis ich voll im Lesefluss war, dann konnte ich mich aber sehr an Ausdrücken wie zum Beispiel „blizbrif“ (für E-Mail) erfreuen.

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Bei der Gestaltung hat sich die Büchergilde Gutenberg wirklich mächtig ins Zeug gelegt und ein richtiges Gesamtkunstwerk herausgebracht.
Die Illustrationen von Samuel Glättli sind in rostrot und graublau gehalten und mit Fäden in diesen Farben wurde das Buch geheftet; ein kleines, aber wirklich schönes Detail.
Schade fand ich es deshalb besonders, daß eine Seite des Buches nicht gedruckt wurde.
Ich vermute, daß man wohl in letzter Minute noch eine Illustration eingefügt und den Text dabei verschlampt hat. Das kann passieren, ist aber natürlich gerade bei einem so hochwertigen Buch wirklich schade.
Unglücklich fand ich auch, daß dieser Umstand dann nicht ausreichend kommuniziert wurde.
Ich las nachts im Bett und ahnte nichts Böses, als ich plötzlich das Gefühl hatte, daß ich den Faden verloren hatte. War ich zu müde zum Lesen?
Ich blätterte vor und zurück, aber der Satz machte keinen Sinn.
Zum Glück war die fabelhafte Isa von it’s Vonk noch wach. Von ihr wusste ich, daß sie die Originalausgabe aus dem Diogenes Verlag hatte und bat sie, mir doch zu sagen, wie der Satz bei ihr weiterging. Isa war mir allerdings schon zwei Schritte voraus: sie machte nämlich gerade einen Beitrag zur neuen Büchergilde Abo Box, in der in diesem Quartal „Wolkenbruchs wunderliche Reise…“ verschickt wird und war bei ihrer Recherche über einen Vermerk in der Produktbeschreibung gestoßen, in dem es hieß, daß eben tatsächlich vergessen wurde, eine Seite zu drucken und ein Link zum Download des fehlenden Textes hinterlegt war.
Ein Glück, wenn man so schlaue Leute kennt! In der Titelbeschreibung hätte ich nämlich vermutlich nie nachgesehen…

In den Ausgaben, die mittlerweile ausgeliefert werden, sind übrigens Errata-Zettel beigefügt. Alle die sich das Buch aber gekauft haben, bevor der Fehler bemerkt wurde, so wie ich, schauen dann erstmal ein bißchen blöd, wenn sie niemanden haben, der Bescheid weiß.
Ich war ja schon ein bißchen motzig, daß man nicht einfach eine E-Mail (oder gerne auch einen blizbrif) geschrieben und über den Fehler informiert hat. Da ich das Buch online bestellt habe, hätte das ja nicht besonders schwer sein dürfen. Die Büchergilde antwortete allerdings auf Instagram, daß es nicht möglich wäre, Einzelkunden zu informieren.
Eine Followerin, die das Buch ebenfalls in der Erscheinungswoche gekauft hatte und die fehlende Seite nirgendwo finden konnte, merkte daraufhin an, daß man so etwas doch bitte offener kommunizieren könnte, zum Beispiel auf den Social Media Kanälen oder in einem Newsletter.
Die Büchergilde antwortete zwar darauf, daß man nicht vorhätte, die Kunden damit allein zu lassen, eine entsprechende Meldung habe ich aber bisher nirgendwo entdecken können.

Ich möchte aber auch gar nicht zu viel schimpfen, denn abgesehen von der fehlenden Seite, ist dieses Buch wirklich absolut lesenswert und ich freue mich schon sehr auf die Fortsetzung. Die würde ich dann am liebsten parallel mit dem Hörbuch lesen, beziehungsweise vorgelesen bekommen. Bei den jiddischen Begriffen kann man so nämlich bestimmt noch einiges dazulernen.

 

Meine Rezension von „Wolkenbruchs waghalsiges Stelldichein mit der Spionin“ findet ihr hier:

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Review: Wolkenbruchs waghalsiges Stelldichein mit der Spionin

Review: Ausgestorben, um zu bleiben

Meine Liebe zu Dinosauriern begann sonderbarerweise damit, daß in einem Neubaugebiet in der Nähe meines Hauses Solnhofener Kalkstein benutzt wurde, um die Baustelle zu schottern. Wir Kinder verbrachten unsere Wochenenden in den halbfertigen Häusern und stellten schnell fest, daß es etwas mit diesen hellen, staubigen Steinen auf sich hatte, die auf dem ganzen Gelände herumlagen.
Manche hatten ganz seltsame Formen, fast wie Schneckenhäuser, nur größer.
Schon bald schleppten wir eimerweise Steine von der Baustelle, bis wir dabei beobachtet wurden und das Gelände abgesperrt wurde, bevor wir alle Steine stehlen und ein Kind in einen ungesicherten Kellerschacht stürzen konnten.

Danach führte mich mein Weg in die kleine Gemeindebücherei, in der ich ein Buch über Fossilien entdeckte, auf dessen Umschlag eine dieser großen Schnecken – Ammoniten, wie ich erfuhr – abgebildet war, wenn auch wesentlich hübscher als meine Baustellenfunde. Von da an war klar, daß ich Paläontologin werden wollte. Ich liebte die Besuche im Museum „Mensch und Natur“ in München, ich sammelte jedes Buch, jede Figur, jedes noch so kleine Fitzelchen, das irgendetwas mit Fossilien oder Dinosauriern zu tun hatte.
Als ich elf Jahre alt war, kam dann der Film „Jurassic Park“ in die Kinos und machte Dinos plötzlich auch bei allen anderen Kindern unheimlich populär, was mich unheimlich freute. Endlich konnte ich mit anderen über meine Leidenschaft sprechen.
Wenig später war der Hype dann auch schon wieder vorbei und meine Klassenkameraden rollten nur noch mit den Augen, wenn ich einen neuen Trilobiten aus meiner Tasche zog. Nun ja… alles hat irgendwann ein Ende. Auch meine Pläne, Paläontologin zu werden.

Mein ältester Sohn hat sich nie für Dinosaurier interessiert, doch dann kam der Kleinste, sah seinen ersten Dinosaurier und verlor sein Herz, genauso wie seine Mutter damals…
Als ich damit begann, ihm neue Dino-Bücher vorzulesen, wurde mir bewusst, daß sich in den letzten 25 Jahren einiges getan hatte. Daß in Südamerika riesige Sauropodenskelette gefunden worden waren, daß es Beweise dafür gab, daß einige Raubsaurier gefiedert gewesen sein mussten, das hatte ich am Rande mitbekommen, doch viele Dinos, mit denen der Kleinste jetzt aufwächst hat es in meiner Kindheit noch gar nicht gegeben, beziehungsweise waren sie einfach noch nicht entdeckt oder ausreichend erforscht worden.

Und plötzlich hatte ich wieder große Lust, mich auch einmal jenseits von Bilderbüchern ein bißchen über meine einst so geliebten Urzeitriesen zu informieren.

Das Buch, das mir dabei am häufigsten empfohlen wurde, ist „Ausgestorben, um zu bleiben – Dinosaurier und ihre Nachfahren“ von Bernhard Kegel.
Mittlerweile ist der Titel auch schon als Taschenbuch bei Dumont erschienen, ich hatte mich aber in die wunderschöne Ausgabe der Büchergilde Gutenberg verguckt.

In diesem schönen Sachbuch erhalten wir auf durchaus spannende Weise einen Überblick über die Geschichte der Paläontologie, von den Anfängen bis zur Gegenwart.
Dabei wird beschrieben, wie sich unser Bild der Dinosaurier im Laufe der Zeit und mit jeder neuen Entdeckung oftmals grundlegend verändert hat, zum Beispiel mit der Entdeckung der Liaoning-Fossilien in China, bei denen zweifelsfrei nachgewiesen werden konnte, daß viele der kleinen Raubsaurier Federn hatten und den Vögeln damit ähnlicher waren, als Anfangs gedacht.

Bernhard Kegel bietet einen unterhaltsamen und spannenden Einblick in die Geschichte der Paläontologie. Dabei greift er auch immer wieder Filme und Bücher auf, die unsere Vorstellung der Dinosaurier geprägt haben, und klopft diese auf ihren Wahrheitsgehalt hin ab.
„Ausgestorben, um zu bleiben“ ist ein wirklich informatives und kurzweiliges Sachbuch für alle Erwachsenen Dino-Fans, die sich einmal wieder schlaumachen wollen, was sich in den letzten Jahre alles in der Forschung getan hat.

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Hier nochmal die schönen Details der Büchergilden-Ausgabe. Und ein paar der Kalksteine, die ich damals als Kind gefunden und bis heute aufbewahrt habe.

Review: Deutschland im Winter

Vor ein paar Wochen wurde ich auf das wunderschöne Reisehandbuch „Deutschland im Winter“ des kleinen aber feinen Reisedepeschen Verlags aufmerksam.
Schon die Covergestaltung und die spannende Zusammenstellung waren sehr vielversprechend, doch dann öffnete ich das Buch um den Klappentext zu lesen und schon war ich diesem Verlag verfallen, denn sie verstehen es wie kein anderer, sich beim potentiellen Käufer beliebt zu machen.

Nicht nur wird man hier ob seines ungewöhnlich guten Geschmacks gelobt, nein; man bekommt im selben Atemzug noch den seltsamen Schuppentier-Orden verliehen. Das nenne ich mal Kundenbindung!

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Und meine Begeisterung stieg gleich darauf noch weiter, denn bevor wir zu den Winteraktivitäten kommen, gibt es erst noch ein paar Tipps zum Thema „Nachhaltiges Reisen“.
Sehr gut!

Danach durchstreifen wir Deutschland von Nord nach Süd, Ost nach West.
Aus allen Regionen wurden die besten Tipps zusammengetragen, die den Leser für die kalte Jahreszeit begeistern sollen, sei es mit Indoor oder Outdoor Aktivitäten, Wellness-Oasen, Museen, Wanderungen, Wintermärkten, undundund…

Wolltet Ihr das neue Jahr schon immer mit einem unvergesslichen Erlebnis starten? Wie wäre es dann mit dem traditionellen „Anbaden“ in Büsum.
Wollt Ihr Schnee und Eis so richtig genießen und habt nicht das Geld, Euch eine Reise nach Grönland zu leisten? Auch im Allgäu kann man Iglus bauen und darin übernachten!
Oder zieht es Euch eher hin zu fremden Kulturen? Dann schaut doch mal im Hinduistischen Tempel von Hamm vorbei!

Für die großen Städte gibt es gesonderte Karten, auf man neben Schlittenhügeln, Hamams und Eislaufdiskotheken auch die besten Adressen für heiße Schokolade oder frische Waffeln finden kann.

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Die Tipps in diesem Buch sprechen jeden an: sei es für Alt oder Jung, Gemütliche oder Aktive und für größere oder kleinere Geldbeutel…

„Deutschland im Winter“ ist deshalb so vielseitig, weil es aus Beiträgen von verschiedenen Reisebloggern und Journalisten zusammengestellt wurde.
Jeder erzählt in seinem ganz eigenen Stil; manchmal fast ein bißchen poetisch, dann wieder humorvoll oder mit einer persönlichen Geschichte verbunden.
So macht das Buch seinem Untertitel „Geheimtipps von Freunden“ alle Ehre.

Ich kann „Deutschland im Winter“ wirklich nur empfehlen, sei es als Geschenk, als kleinen Anreiz, den Hintern im Winter ein bißchen hoch zu bekommen, oder für alle, die die undankbare Aufgabe haben, Firmenausflüge im Winter zu planen.

Und haltet die Augen offen nach diesem wunderbarem, kleinen Verlag, der seinen Leser schon auf der ersten Seite das Gefühl gibt, etwas ganz besonderes zu sein!

Review: Mittagsstunde

Vor drei Jahren landete Dörte Hansen mit ihrem Debütroman „Altes Land“ einen absoluten Überraschungserfolg, der seitdem aus den Bestsellerlisten nicht mehr wegzudenken ist.
Zunächst war ich von dem Hype um das Buch abgeschreckt und las es erst, kurz bevor es als Taschenbuch auf den Markt kam, aber dann war auch ich begeistert.
Nach einem solch erfolgreichen Debüt ist es immer schwierig, den zweiten Roman abzuliefern, der sich dann unweigerlich mit seinem Vorgänger messen lassen muss. Trotzdem war es mir wichtig, daß ich unvoreingenommen an „Mittagsstunde“ herangehe.

Ingwer Feddersen ist schon beinahe fünfzig Jahre alt, doch er hat nicht das Gefühl, viel im Leben erreicht zu haben.
Schon sein halbes Leben wohnt er in einer Wohngemeinschaft, die er mit den Worten „zwei Männer, eine Frau, nichts Halbes und nichts Ganzes“ beschreibt. Und auch beruflich tut er sich schwer damit, sich als vollwertiger Universitäts-Professor zu fühlen, denn eigentlich, so denkt Ingwer, hätte er in dem kleinen Ort Brinkebüll bleiben müssen, aus dem er stammt, die Dorfwirtschaft des Großvaters übernehmen und vielleicht auch seine Landwirtschaft ein Stück weit weiterführen sollen.

Doch nun kehrt Ingwer zurück in das Dorf seiner Kindheit, um sich um seine pflegebedürftigen Großeltern zu kümmern, die Ingwer seinerzeit großgezogen haben…

In Rückblenden erzählt Dörte Hansen von Ingwers Familie, deren Geschichte eng mit der von Brinkebüll verbunden ist. Besonders die Flurbereinigung Ende der sechziger Jahre verändert nicht nur das Aussehen des Dorfes, sondern beschert der Familie Feddersen auch den kleinen Ingwer, den ein Landvermesser auf der Durchreise mit der siebzehnjährigen, geistig verwirrten Marret zeugt.

Bei seiner Rückkehr nach Brinkebüll muss Ingwer feststellen, daß das Dorf seiner Kindheit beinahe nur noch in der Erinnerung seiner Bewohner existiert.

„Mittagsstunde“ ist ein Buch, das mich ganz persönlich tief angesprochen hat.
Als ich noch Kind war, fuhren meine Eltern und ich jedes zweite Wochenende zu meinen Großeltern aufs Land, wo wir von Freitag bis Sonntag zusammen in ihrem großen Haus wohnten.
Eigentlich hatten meine Großeltern dieses Haus für unsere ganze Familie gebaut, doch meine Eltern zogen es vor, sechzig Kilometer entfernt in der Stadt zu wohnen, wo man nicht für jede Besorgung zwangsläufig ins Auto steigen musste, oder nie sicher war, ob der Kindergarten und die Dorfschule nicht im kommenden Schuljahr geschlossen werden mussten.

Ich liebte diese Wochenenden auf dem Land, doch als meine Großeltern das Haus altersbedingt aufgeben mussten, wollten auch mein Mann und ich nicht dort einziehen. So schön das Landleben auch ist, praktisch ist es nicht.

Vielleicht konnte ich mich deshalb so gut in Ingwer Feddersen hineinversetzen. Deswegen und auch, weil ich weiß wie es ist, demenzkranke Großeltern zu haben.

Im direkten Vergleich ist „Altes Land“ ein Buch, das es dem Leser leichter macht. Hier geht es um Neuanfänge und die Versöhnung mit der Vergangenheit. In „Mittagsstunde“ hingegen geht es um Abschiede; von den Großeltern, der Kindheit und den Orten, die uns geprägt haben und die nach und nach verschwinden, um Neuem Platz zu machen.

Deshalb wird es „Mittagsstunde“ vermutlich schwerer haben, eine so breite Leserschaft zu begeistern, wie sein Vorgänger.
Trotzdem hat mich die Geschichte auf ihre ruhige und etwas nostalgische Art sehr angesprochen.