Weltklassiker – Kurz & Gut

Ihr alle wisst ja inzwischen, daß ich an schön illustrierten Titeln einfach nicht vorbeigehen kann! Kein Wunder also, daß mir die neue Reihe „Große Weltklassiker der britischen Literatur – Kurz & Gut erzählt in Zitaten und Bildern“ des Bohem Verlags sofort ins Auge gestochen ist.

Bisher gibt es vier Titel in der Serie: „Alice im Wunderland“, „Romeo und Julia“, „Der geheime Garten“ und „Stolz und Vorurteil“. Alles wohlbekannte und viel geliebte Titel also, die man hier in kurzer Zeit neu entdecken, oder noch einmal Revue passieren lassen kann.

Jeder Band ist ein Leporello in einem dünnen Schuber, in dem die ganze Geschichte in Szenenbildern nacherzählt wird und in dem jedem Bild ein Zitat des Buches beigestellt wurde.
Außerdem werden die Charaktere auf einer extra Seite vorgestellt und die gesamte Handlung sowie die Bedeutung des Romans für die Literaturgeschichte in wenigen Sätzen zusammengefasst.

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Für alle, die diese Klassiker gerade erst entdecken, ist die „Kurz & Gut“-Reihe wohl eher ein Appetitanreger, denn um den zum Teil recht komplexen Themen gerecht zu werden, dafür reichen jeweils 14 Bilder nicht aus. Doch gerade für Fans der Originale sind die Leporellos eine wirklich schöne Möglichkeit, um kurz in die Lieblingsbücher einzutauchen und sich von den Illustrationen von Yelena Brysenkova und Becca Stadtlander an die berühmten Schauplätze und zu den Protagonisten versetzen zu lassen.

Die „Große Weltklassiker“-Reihe eignet sich wunderbar, um Schulkindern, oder denen, die sich nicht an die Originale herantrauen, einen kurzen Einblick in die Handlung zu vermitteln und natürlich als das perfekte Geschenk für Fans der Romane.

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Review: Rot ist doch schön

Ich weiß schon, daß sich das Thema Menstruation nicht unbedingt großer Beliebtheit erfreut, aber könntet Ihr heute trotzdem ausnahmsweise nicht gleich wegklicken?
Pretty please? (Und an dieser Stelle könnt Ihr Euch vorstellen, wie ich einen furchtbar süßen Rehaugenblick aufsetze.)
Denn auch, wenn Ihr selbst nicht menstruiert, gehe ich doch stark davon aus, daß Ihr in Eurem unmittelbaren Umfeld Menschen habt, die von diesem Thema betroffen sind…

Gedankenexperimente sind schon etwas Schönes.
Manchmal spiele ich ganz abwegige Szenarien in meinem Kopf durch, um zu überlegen, wie man bestimmte moralische Dilemmas wohl lösen würde.
Vor ein paar Jahren hatte ich eines Tages folgende Idee: was wäre, wenn allen Männern der Erde an ihrem 18. Geburtstag der rechte Arm abfallen würde?
Mein erster Gedanke war, daß so ein großer Anteil der Menschheit betroffen wäre, daß wir natürlich alles in unserer Macht Stehende tun würden, um ihnen zu helfen und ein Heilmittel zu finden.
Doch dann überlegte ich: was aber, wenn man so daran gewöhnt wäre, weil es schon immer so war, daß man das Thema komplett ignorieren würde? Das man vielleicht sogar schlechte Witze darüber machen würde…?
„Nein!“, dachte ich. „So schlimm sind wir doch nicht… oder?“
Und im nächsten Moment musste ich schon bitter lachen, denn mir wurde bewusst, daß mein Kopf ein Szenario durchgespielt hatte, mit dem wir es schon lange zu tun haben, nur daß nicht die 18-jährigen Männer, sondern die etwa 12-jährigen Mädchen davon betroffen sind.

Ich erinnere mich noch an den Tag, an dem mich meine Mutter zur Seite nahm, mir mit gesenkter Stimme erklärte, was demnächst auf mich zukommen würde und mir ein kleines Täschchen „für den Notfall“ in den Schulranzen packte.
Mit meinen Mitschülerinnen habe ich damals nicht darüber geredet. Die gesenkte Stimme meiner Mutter hatte mir bereits suggeriert, daß es kein Thema war, über das geredet wurde, dazu kam dann noch die Angst, daß man die letzte sein könnte, die ihre Tage bekommen würde und man sich durch Fragen als Kind zu erkennen gegeben hätte, während alle anderen schon Frauen waren.

In meiner Teenagerzeit, bevor ich anfing Verhütungsmittel zu nehmen, die den wunderbaren Nebeneffekt haben, den Schmerz zu dämpfen, lag ich mehr als einmal im Krankenzimmer der Schule um eine Wärmflasche zusammengekrümmt.
Darüber geredet haben Mädchen wir nie groß.
Und auch jetzt ist es noch so, daß es für viele schwierig ist, sich wegen Regelschmerzen krankzumelden, weil viele Kolleginnen dann mit den Augen rollen und sagen: „Also bitte… damit müssen wir doch alle klar kommen!“

Solidarität zeigt sich allerdings dann, wenn ein kleines Unglück passiert. Auf die Frage, ob denn jemand einen Tampon dabei hat, reagieren selbst wildfremde Frauen und beginnen, in ihren Taschen zu kramen… Schließlich war man vielleicht schon in genau derselben Situation.
Doch die Frage wird nach wie vor sehr diskret gestellt. Ganz anders, als würde man durch einen Laden rufen, ob jemand ein Pflaster dabei hätte.

Warum eigentlich?
Warum senken wir immer die Stimmen, wenn es um Menstruation geht?

Diese Frage hat sich auch Lucia Zamolo gestellt, die mit ihrem wunderbaren kleinen Büchlein „Rot ist doch schön“ dazu beitragen möchte, daß dieses Thema von der nächsten Generation freier und offener diskutiert wird.
Sie erzählt von ihren eigenen Erfahrungen, erklärt was da eigentlich im Körper passiert, gibt Tipps und Tricks, womit man die Schmerzen halbwegs in den Griff bekommen kann und erzählt vom Umgang mit Menstruation in anderen Kulturen.
So wusste ich zwar schon, daß Frauen in Nepal in Menstruationshütten verbannt werden, was mir allerdings völlig neu war ist, daß es in Japan bereits seit 1947 ein Gesetz gibt, das Frauen bei Periodenschmerzen erlaubt, bezahlten Urlaub zu nehmen.

„Rot ist doch schön“ ist informativ, humorvoll, ehrlich und unheimlich liebevoll illustriert. – Ein Buch, das man wirklich jedem Teenager in die Hand drücken sollte, um das Thema Menstruation mit der nächsten Generation von seinem „Darüber spricht man nicht!“-Dogma zu befreien und endlich mal mit sehr lauter Stimme nachzufragen, warum verdammt nochmal wir auf unsere Menstruationstassen, Binden und Tampons eigentlich den erhöhten Mehrwertsteuersatz zahlen müssen?
Was ist denn bitte die Alternative zu diesen „Luxusgütern“?!?
Eine Woche pro Monat in eine Menstruationshütte in die Berge gehen, oder was???

Großes Lob und Dank an dieser Stelle an die Autorin und Illustratorin Lucia Zamolo, die dieses Buch mit soviel Herzblut gemacht hat und an den Bohem Verlag, der dieses schwer zu bewerbende Thema ins Programm genommen hat!

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Sommerlese im Juli

Morgen ist schon wieder der erste Juli und das halbe Jahr ist vorbei!
Unglaublich, wie die Monate geradezu vorbeifliegen…

Wir Buchhändler stecken gerade zwischen dem Frühjahrsprogramm und den neuen Herbstvorschauen. Wir schwanken von „Oh, das wollte ich eigentlich noch lesen!“ über „Hach, das ist gerade erschienen, darauf hab ich ja schon gewartet!“ zu „Waaah… woher kommen denn jetzt schon all die Herbst-Novitäten, die da plötzlich in meinem SUB-Regal liegen?!?“.

Auch bei mir ist es diesen Monat eine Mischung aus „Solltest du doch schon kennen!“ und „Na, jetzt komm aber mal in die Gänge mit den Neuheiten. Bis zum Weihnachtsgeschäft musst du das Herbstprogramm einigermaßen abgegrast haben!“.
Und auch wenn sich das jetzt nach Stress anhört: ich liebe es, dieser Tage in der Sonne zu liegen und zu lesen und dabei all die spannenden Neuheiten zu entdecken, die demnächst auf den Markt kommen werden.

Fangen wir aber zunächst mal mit den Titeln der Rubrik „Immer noch nicht gelesen?“ an.

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Ich habe tatsächlich erst vor kurzem meinen ersten Roman von Elena Ferrante gelesen. Der Hype um die Neapolitanische Saga hat mich zwar immer abgeschreckt, jetzt muss ich aber doch mal reinlesen, nachdem mich Frau im Dunkeln so positiv überrascht hat.
Als einziges Taschenbuch diesen Monat wird Meine geniale Freundin mein treuer Begleiter fürs Schwimmbad.

Zwei Titel, die nicht auf meiner Leseliste standen, als sie Ende letzten Jahres, bzw Anfang diesen Jahres erschienen sind, sind Mein Ein und Alles von Gabriel Tallent und Jesolo von Tanja Raich.
Nachdem ich aber auf allen Kanälen nur begeisterte Stimmen zu diesen Romanen gehört habe, war ich allerdings doch noch neugierig geworden!

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Ein Buch, zu dem ich keine begeisterten Stimmen hörte, ist dagegen Liebe in Lourdes von Sophie von Maltzahn. Im Rahmen einer Blogger-Aktion wurde mir dieses Buch überraschend zugesandt und nachdem ich zunächst dachte: „Oje… so ein kitschiger Titel!“, dann den Klappentext las und dachte, daß diese Geschichte durchaus Potential haben könnte, stolperte ich über die Rezension von Alexandra vom Read Pack Blog.
Ihr Beitrag ist wirklich ziemlich lesenswert: ihr findet ihn hier.

Sie kritisiert darin sehr scharf, wie Menschen mit Behinderung in diesem Buch dargestellt werden und nachdem, was sie dazu sagte und ich entsprechende Textstellen aus dem Buch gelesen hatte, wollte ich es eigentlich lieber weggeben.
Dann schrieb ich aber ein bißchen mit Alexandra und letztendlich dachte ich mir, vielleicht ist es besser, dieses Buch gerade deshalb zu lesen, um anschließend ein informiertes Feedback abgeben zu können. Schließlich kann man 2019 einfach nicht mehr über bestimmte Themen schreiben, wie man es vielleicht noch 1979 getan hat!

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Aus der „Rivers of London“-Reihe von Ben Aaronovitch gibt es auch wieder etwas Neues!
Mit The October Man ist die zweite Novella der Reihe erschienen und der Titel passt ganz wunderbar! Schließlich wird Ben Aaronovitch mein Oktober-Mann sein! – Zumindest was die Veranstaltungsorganisation bei uns im Laden betrifft, denn dann wird Aaronovitch zu einer Lesung in meine Filiale kommen!
Ich freu mich schon sehr!

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Kommen wir nun zu den ersten Herbstnovitäten dieses Jahr.
Von Stig Sæterbakken schwärmte mir Torsten Woywod von Dumont schon auf der Leipziger Buchmesse vor, Mitte Juli wird es nun endlich erscheinen.
Durch die Nacht hört sich zwar ziemlich düster an, aber Torsten hat einen Geschmack, der den meinen eigentlich immer trifft, deshalb vertraue ich seinem Urteil da gerne blind.

Ein Buch, das erst Ende August erscheint ist „Blackbird“ von Matthias Brandt.
Letzten Monat hatte ich ja schon ein bißchen von meinem kleinen, inoffiziellen Lesekreis mit zwei Kollegen erzählt, jetzt haben sich noch andere angeschlossen, so daß wir uns zu acht auf das Leseexemplar gestürzt haben!
Spannend wird es, weil mein Kollege schreibende Schauspieler absolut nicht leiden kann und dieser Zunft mit „Blackbird“ eine allerletzte Chance gibt. Das verspricht spannend zu werden!

Zwei Hinweise an dieser Stelle…

Erstens: hättet Ihr denn Lust, daß ich hier auch von dem Lesekreis mit meinen Kollegen erzähle, sie Euch ein bißchen vorstelle und statt einer normalen Rezension zu dem Buch all die verschiedenen Meinungen von uns sammle?

Zweitens: mir ist bewusst, daß ich oft der Kollege schreibe, so als hätte ich nur den einen. Tatsächlich ist es aber so, daß in der Regel immer derselbe Kollege gemeint ist, wenn ich schreibe: „Der Kollege hat mir das empfohlen…“ oder „Dem Kollegen hat das nicht gefallen…“
Diesen Kollegen möchte ich Euch Mitte des Monats gerne einmal richtig vorstellen. Wir haben da nämlich ein gemeinsames Projekt in Planung, auf das ich mich schon sehr freue!

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Natürlich durfte auch diesen Monat wieder ein illustriertes Sachbuch mit auf den Lesestapel: Rot ist doch schön von Lucia Zamolo aus dem Bohem Verlag.
Darin geht es (schockschwere Not!) um die Menstruation; ein Thema, über das ja immer noch kaum offen gesprochen wird. Deshalb bin ich jetzt schon ganz begeistert von diesem schön illustrierten Büchlein, das verspricht, Klartext zu reden.

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Kein Monat ohne Graphic Novel!
Im Juli ist das Sumpfland der Künstlerin Moki aus dem Reprodukt Verlag.
Seitenweise ohne Text und mit absolut ungewöhnlichen Figuren, scheint „Sumpfland“ nach dem ersten Anlesen ein Titel zu sein, in dem man wirklich abtauchen und sich ein Stück weit selbst verlieren kann.
Ich freu mich sehr darauf, es mir in einer stillen Nacht ganz in Ruhe vorzunehmen.

Soviel also von meiner Seite und jetzt seid Ihr dran:
Welche Titel habt Ihr Euch für den Juli vorgenommen?
Kennt Ihr den ein oder anderen Titel von meinem Lesestapel?
Und für mich besonders interessant: möchtet Ihr meine Kollegen kennenzulernen und ihre Meinungen zu den Büchern aus dem Lesekreis hören?

Genießt den Sommer!
Eure Andrea