Alles auf Neuanfang im Januar?

Das Jahr, das die Menschen auf der ganzen Welt so frustriert hat, wie kaum ein anderes, ist endlich vorbei. Nun wäre es schön, das alles hinter sich zu lassen und neu anzufangen, doch leider wird es wohl noch eine ganze Weile dauern, bis wieder Normalität einkehren wird.

Ein kleines Trostpflaster ist wenigstens das kommende Lesejahr, denn wir dürfen uns auf Neuerscheinungen von geliebten Autor:innen wie Benedict Wells, Juli Zeh oder Joël Dicker freuen, es gibt spannende Debüts, Übersetzungen, auf die wir schon lange gewartet haben, wie „Mädchen, Frau etc.“ von Bernadine Evaristo, neue Verlage wie Ecco werden frische Akzente auf dem Buchmarkt setzen, und um dem ganzen noch das Sahnehäubchen aufzusetzen, erscheint Saša Stanišićs erstes Kinderbuch!

Ich freue mich jedenfalls schon sehr darauf, mehr von meinen Lieblingsautoren zu lesen und neue Lieblinge zu entdecken. Deshalb habe ich mir für den Januar (um mich auch ein wenig für das zurückliegende Jahr zu belohnen) lauter Frühjahrsnovitäten auf den Lesestapel gepackt; die Erscheinungsdaten schreibe ich euch jeweils dazu.

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Den Anfang macht Monika Helfer, deren autobiografischer Roman „Die Bagage“ zu meinen Highlights des letzten Jahres gehört hat und das meiner Meinung nach mindestens auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises gehört hätte.
Während Helfer in „Die Bagage“ von der Familie ihrer Mutter (und den mysteriösen Umständen, unter denen diese gezeugt wurde) erzählt, widmet sie sich in „Vati“ der eigenen Kindheit und der Geschichte ihres Vaters.
Gerade eben habe ich kurz in das Buch hineingelesen, um hier ein paar Sätze darüber schreiben zu können, und es fiel mir unheimlich schwer, es wieder zur Seite zu legen, so schnell fesselt mich Monika Helfer mit ihrem unaufgeregten, aber wahnsinnig eindringlichem Erzählstil.

„Vati“ erscheint am 25.01.2021.

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Ein Debütroman, auf den ich schon extrem gespannt bin, ist „Identitti“ von Mithu Sanyal.
Darin geht es um Saraswati, eine indischstämmige Professorin, die für die junge Studentin Nivedita, die selbst einen indischen Vater hat, ein absolutes Idol ist. Doch dann platzt die Bombe, die das Weltbild der jungen Frau ins Wanken bringt: Saraswati ist gar keine Person of Colour…

Erinnert sich noch jemand an den Fall der Rachel Dolezal in den USA? 2015 wurde bekannt, daß die Professorin für afrikanische und afroamerikanische Studien und Präsidentin der örtlichen NAACP keine PoC war.
Damit konfrontiert begründete sie ihre Täuschung mit einer „transracial identity“, ein Konzept, das mich seitdem immer wieder hat grübeln lassen.
Deshalb bin ich schon unheimlich gespannt, wie Mithu Sanyal an dieses Thema herangeht.

„Identitti“ erscheint am 15.02.2021.

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Ein Buch, das ich gleich zweimal hier habe, ist „Jeder Tag ist eine Schlacht, mein Herz“, bzw. „When We Were Vikings“ von Andrew David MacDonald.
Nachdem mir Steffi von dtv den Roman so ans Herz gelegt hatte, habe ich ihn mir auf Englisch gekauft, nur um kurz darauf die deutsche Ausgabe im Leseexemplar-Regal bei uns im Laden zu entdecken.
Zugegeben, die deutsche Aufmachung und auch der Titel hätten mich so gar nicht angesprochen! Tatsächlich ist das Cover im echten Leben dann aber deutlich hübscher, als es in der Vorschau oder auf dem Foto rüberkommt.

In „Jeder Tag ist eine Schlacht, mein Herz“ geht es um die 21-jährige Zelda, die mit fötalem Alkoholsyndrom geboren wurde und um ihren Bruder, der sich liebevoll um seine kleine Schwester kümmert, zumindest so lange, bis er selbst in Schwierigkeiten gerät und Zelda beschließt, daß sie diejenige ist, die sich nun um ihn kümmern muss…
Das Buch hört sich für mich nach einem tollen comfort read an. Mal sehen, ob ich es auf Englisch oder auf Deutsch lesen werde.

„Jeder Tag ist eine Schlacht, mein Herz“ erscheint auf Deutsch am 23.04.2021.

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„Alles, was ich weiß über die Liebe“ von Dolly Alderton ist eines dieser Bücher, das ich immer einmal lesen wollte und dann doch nie dazu kam.
Nun ist ihr neuster Roman „Gespenster“ bei mir angekommen und ich habe mich sofort in das wunderschöne Cover verliebt.
In „Gespenster“ geht es um Nina, die sich Hals über Kopf verliebt, doch vom einen auf den anderen Tag verschwindet ihr neuer Freund spurlos. Zeitgleich wird Nina von weiteren größeren und kleineren Katastrophen heimgesucht…
Ich bin gespannt und hoffe auf eine humorvolle aber trotzdem tiefgründige Geschichte.

„Gespenster“ erscheint am 02.02.2021.

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Zu guter Letzt gibt es ein neues Buch von Lucia Zamolo, der Autorin von „Rot ist doch schön“ und Illustratorin des hübschen Drucks, den ihr im Titelbild dieses Blogbeitrags sehen könnt.

In „Elefant auf der Brust“ nimmt sie sich das Thema Liebeskummer vor und illustriert das Ganze wieder äußerst liebe- und humorvoll.
Zu diesem Buch gibt es schon ganz bald einen ausführlichen Beitrag.

„Elefant auf der Brust“ ist gerade eben erschienen.

Ich hoffe, ihr hattet einen guten Start ins neue Jahr und wünsche uns allen, daß 2021 ein wenig stressfreier wird, als sein Vorgänger!

Autor: Lesen... in vollen Zügen

Seit 20 Jahren arbeite ich als Buchhändlerin in München und seit 2017 gibt es nun "Lesen... in vollen Zügen". Hier möchte ich euch vorstellen, welche Bücher mich gerade bewegen. Meine Beträge verfasse ich im Plauderton, eben so, wie ich auch mit meinen Kunden im Laden ins Gespäch komme. Der Schwerpunkt liegt dabei auf aktueller deutsch- und englischsprachiger Literatur. Aber ich bin auch ein großer Fan von schönen Illustrationen und stelle deshalb regelmäßig Graphic Novels und spannende illustrierte Sachbücher vor. Zu meinen Lieblingsautoren gehören Haruki Murakami, Banana Yoshimoto und Amélie Nothomb. Außerdem mache ich mir immer wieder Gedanken zum Thema Leseverhalten in der Rubrik Mein Leben als Leser und plaudere aus dem Nähkästchen in Bekenntnisse einer Buchhändlerin. Wem jetzt aber die Züge bei "Lesen... in vollen Zügen" zu kurz kommen, der kann gerne bei In vollen Zügen nach… vorbei schauen. Hier berichte ich von meinen Zugreisen, den Büchern, die mich dabei begleiten, den Städten die ich besuche und natürlich auch von schönen Buchhandlungen, die es dort zu entdecken gibt.

2 Kommentare zu „Alles auf Neuanfang im Januar?“

  1. Ja, viele Titel sind verschoben worden, auch Homeoffice und finanzielle Unsicherheit, haben durch die Pandemie alles durcheinandergewirbelt. Es wird noch eine ganze Weile dauern und ob es wieder normal* wird? Emotionale Bücher hast Du rausgesucht. Durchaus neugierig machende Titel. Bin auf mehr gespannt.
    Hab schöne erste neue Tage 2021. Liebe Grüße
    Nina

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  2. Vielen Dank für diese ausführliche Liste! Da klingt vieles sehr interessant, vor allem „When we were vikings“. Da sollte der Tag schon mal 25 (oder 26 …) Stunden haben, um endlich wieder ausführlich lesen zu können …
    Einen guten Start ins hoffentlich rundum bessere 2021 wünscht die Flocke.

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