Review: Stella

Mein Stapel der zu rezensierenden Bücher will gar nicht kleiner werden und auch wenn hier noch vieles liegt, was mich begeistert hat, ist es doch höchste Zeit, sich um die Titel zu kümmern, die – seit Monaten ganz stiefmütterlich behandelt – immer weiter nach hinten rutschen.

Heute also „Stella“ von Takis Würger, das ich zwar schon auf Höhe des Hypes gelesen hatte, zu dem aber soviel gesagt wurde, daß ich lange überlegt habe, wo ich nun eigentlich stehe.
Die Feuilletons zerrissen dieses Buch gnadenlos, Buchhändler sprangen Takis Würger bei, andere riefen zum Boykott auf, die Schmökerbox goss noch ein wenig Öl ins Feuer, als sie „Stella“ mit Badebomben-Goodies verschickte. NS-Romantik im Blubberbad?
Ich stand irgendwo dazwischen und zuckte nur resigniert mit den Schultern.

Doch für alle, an denen das ganze Drama um dieses Buch vorbeigegangen ist, hier eine kurze Zusammenfassung:

Friedrich kommt aus einer wohlhabenden Schweizer Familie, doch 1942 entschließt er sich, ausgerechnet nach Berlin zu gehen, um dort an Kunst-Kursen teilzunehmen. Es eine Mischung aus Abenteuerlust, Rebellion und Neugier die ihn nach Nazi-Deutschland gebracht hat; besonders politisch interessiert ist Friedrich jedenfalls nicht.

Bei seinem ersten Kunst-Kurs lernt er die kesse Kristin kennen, die dort als Aktmodell arbeitet und außerdem in Nachtklubs auftritt. Sofort ist Friedrich fasziniert von dieser Frau und beginnt, mit ihr und ihrem Bekannten Tristan das Berliner Nachtleben zu erkunden.

Doch bald stellt sich heraus, daß seine neuen Freunde nicht nur die fröhlichen Partygänger sind, als die Friedrich sie kennengelernt hat. Tristan ist ein Offizier der SS und Kristin, die eigentlich Stella heißt, ist Jüdin, hat allerdings keinerlei Bezug zu dieser Religion. Sie arbeitet als Greiferin, das heißt, sie spioniert die Verstecke von anderen Juden aus, um diese dann der Gestapo auszuliefern.
Zwar tut sie dies, nachdem sie gefoltert wurde und ihre Eltern ins Gefängnis gesteckt wurden, doch geschieht es auch mit einer gewissen Nonchalance, denn man merkt, daß sie der Ideologie der Nazis näher steht, als ihren jüdischen Wurzeln…

Ich muss ganz ehrlich sagen, daß ich nach all den Monaten immer noch keine rechte Meinung zu diesem Buch habe. Was ich allerdings mit Sicherheit sagen kann ist daß es wesentlich mehr Wirbel um diesen Roman gab, als gerechtfertigt gewesen wäre.

Die Geschichte lässt sich gut und schnell lesen, sie greift ein Thema auf, von dem ich zuvor nichts wusste und schlägt den Leser schnell in seinen Bann.
Allerdings bleibt alles in diesem Buch – die Beweggründe, die Motive, die Konsequenzen – absolut oberflächlich und damit hatte ich ein Problem.
Bestimmt ist es nicht leicht, über die moralischen Konflikte einer realen Person zu schreiben, die ja so nicht näher dokumentiert sind. Es bleibt also bei oberflächlichen Mutmaßungen, und das ist gerade bei einem so schwierigen Thema ein echtes Manko.
Vielleicht wäre es vom Autor schlauer gewesen, sich von der realen Person der Stella Goldschlag zu lösen und stattdessen eine fiktive Figur mit ähnlicher Geschichte zu schaffen. Man hätte so das Seelenleben einer Person, die zum Instrument des Nazi-Regimes wurde, freier erforschen können.

Mein Kollege formulierte es wohl am besten, als er sagte: „Wenn man sich entscheidet, über den Abgrund zu schreiben, dann muss man auch in den Abgrund blicken!“
Mir fehlte jedenfalls dieser Abgrund. Stattdessen ist Stellas Geschichte eine von mit Drogen versetzten Pralinen, Schaumbädern und rauschenden Partys.
Schade, man hätte mehr daraus machen können!

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Neue Bekannte und alte Freunde im März

Schön langsam wird es Frühling und vor der Leipziger Buchmesse schneien gerade viele Neuerscheinungen ins Haus.
Mit dabei sind dieses mal zwei alte Bekannte, zwei Bücher von Autoren, die mir völlig neu sind und zwei Titel, die irgendwo dazwischen liegen.

Fangen wir mit den alten Freunden an, zu denen es auch schöne Geschichten gibt…

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Vea Kaiser hat mich vor Jahren mit Blasmusikpop oder Wie die Wissenschaft in die Berge kam“ schwer begeistert.
Wie es der Zufall so wollte hatte ich dieses Buch ausgerechnet dabei, als ich meine beste Freundin im Sommerhäuschen ihrer Familie im Blauen Land besuchte.
Ich las das Buch während ich mich gemütlich auf der Veranda sonnte, hinter dem Haus weideten die Kühe vorbei und bimmelten mit ihren Glocken, ab und zu tuckerte ein Traktor weiter unten durchs Dorf und wenn ich aufblickte sah ich die Zugspitze.
Für „Blasmusikpop“ hätte ich wohl keinen besseren Leseplatz wählen können und schon allein deshalb war es ein absolutes Lesehighlight für mich.

Auch Vea Kaisers zweiten Roman Makarionissi oder Die Insel der Seligen“ habe ich begeistert gelesen, obwohl ich zu diesem Zeitpunkt nicht in Griechenland war.
Nun freue ich mich schon sehr auf ihr neustes Buch Rückwärtswalzer oder Die Manen der Familie Prischinger.

Und wenn alles klappt, sehe ich Vea Kaiser auch demnächst auf der Leipziger Buchmesse.
Ich bin schon gespannt!

Eine ebenfalls alte Bekannte ist Ingrid Noll.

Ich weiß noch, wie ich damals meinen ersten Roman von ihr gelesen habe: es war vor ziemlich genau zwanzig Jahren. Ich war 17 und verbrachte das Wochenende bei einer Freundin (nicht die mit dem Sommerhäuschen).
Dort war ich im Zimmer ihrer Schwester untergebracht, die ihrerseits das Wochenende bei Freunden verbrachte und die ein wirklich schönes Bücherregal neben dem Bett stehen hatte.

Da die ganze Familie ausgesprochene Langschläfer waren und ich morgens hungrig und einsam war, aber niemanden wecken wollte, griff ich mir eines der Bücher aus dem Regal der Schwester: „Die Häupter meiner Lieben“.

Ich las es in einem Rutsch durch und erschien dann – trotz des frühen Aufwachens und des Hungers – als Letzte am Frühstückstisch. Das Buch hatte mich an diesem Morgen völlig ans Bett gefesselt.

In der Ausbildung schnappte ich mir noch „Kalt ist der Abendhauch“, aber seltsamerweise habe ich danach nichts mehr von Ingrid Noll gelesen. Dabei fand ich ihre Titel sehr humorvoll und kurzweilig.

Nachdem mich aber vor Kurzem eine regelrechte Nostalgiewelle überrollte, dachte ich mir beim Stöbern im neuen Diogenes Programm: „Warum eigentlich nicht?“
Und so durfte Nolls neustes Buch Goldschatz auf meinem Lesestapel Platz nehmen.

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Zwei Autorinnen, von denen ich zwar schon etwas gelesen habe, wenn auch noch keinen Roman sind Hiromi Kawakami und Elena Ferrante.

Von Kawakami habe ich letzten Sommer Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß als Graphic Novel mit im Südtirol-Urlaub gehabt. Vermutlich lässt sich daraus nicht viel auf ihren Schreibstil schließen, aber die Geschichte gefiel mir gut und deshalb fand ich es an der Zeit, einmal einen richtigen Roman von ihr zu lesen, nämlich ihr neustes Buch „Die zehn Lieben des Nishino“.

Auch von Elena Ferrante habe ich bisher keinen Roman, sondern nur die Kurzgeschichte Der Strand bei Nacht gelesen.
Frau im Dunkeln hörte sich jedenfalls spannend an und die Besprechungen, die ich bisher davon gelesen habe, haben mich wirklich neugierig gemacht.

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Kommen wir nun zu zwei Titel von mir noch völlig unbekannten Autoren.
„Worauf wir hoffen“ von Fatima Farheen Mìrza wäre wohl nicht auf meiner Leseliste gelandet, gäbe es die gute Jen Campbell und ihren fabelhaften YouTube-Kanal nicht.
Denn in der Liste ihrer Lieblingsbücher des letzten Jahres landete „A Place for us“, die englische Ausgabe dieses Titels auf Platz 1!

Da ich mit Jens Empfehlungen bisher gute Erfahrungen gemacht habe, wollte ich mir dieses Buch auf keinen Fall entgehen lassen.

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Zu guter Letzt durfte diesen Monat natürlich auch kein Sachbuch fehlen.
Als verhinderte Forscherin war ich sehr dankbar für den Tipp zu Christopher Kemps Buch Die verlorenen Arten – Große Expeditionen in die Sammlungen naturkundlicher Museen.

Das hört sich nun erstmal nicht besonders reißerisch an, aber ich finde es faszinierend, was alles noch unentdeckt in den Schubladen großer Museen vor sich hinschlummert.
Sollte jemand daran zweifeln, dann empfehle ich den YouTube-Kanal „The Brain Scoop“ mit Emily Graslie. Wer naturkundliche Museen danach immer noch langweilig findet, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen! 😉

Das ist er also, mein Märzstapel!
Kennt Ihr schon den ein oder anderen Titel?
Auf welche Novitäten freut Ihr Euch besonders?
Und seid Ihr auch auf der LBM und wenn ja: habt Ihr Tipps für mich?

Liebe Grüße und einen guten Start in den Frühling,
Eure Andrea

Review: Königskinder

In den letzten Jahren hat sich der Schweizer Autor Alex Capus nicht zuletzt durch „Léon und Louise“ einen Namen damit gemacht, gute Literatur mit schönen Liebesgeschichten zu verbinden.
Bisher hatte ich von ihm nur „Das Leben ist gut“ gelesen, wobei Capus mich mit seinem feinen Humor schnell für sich gewinnen konnte.
Deshalb habe ich mich auch schon sehr auf sein neustes Buch „Königskinder“ gefreut.

Tina und Max sind ein recht glückliches Ehepaar, das es jedoch liebt, über die kleinen Dinge des Lebens zu streiten, während man sich über die großen Dinge immer einig ist.
Als sie eines Nachts auf einem Gebirgspass im Schnee stecken bleiben, beschließen sie, das in dieser Situation sinnvollste zu tun und abzuwarten, bis es morgen wird und das Räumfahrzeug kommt.

Um sich die Zeit bis dahin zu vertreiben beginnt Max, eine Geschichte zu erzählen, die ihren Anfang vor etwa 250 Jahren in ebendieser Gegend genommen haben soll:

Jakob ist ein Waisenjunge, der alleine in einer kleinen Hütte in den Bergen wohnt und die Sommer damit verbringt, die Kühe des Bauern aus dem Tal zu hüten.
Im Herbst bringt er die Kühe dann zurück zu ihrem Besitzer und dabei verliebt er sich in Marie, die Tochter des reichsten Bauern im Dorf.

Das daß von ihrem Vater nicht gerne gesehen wird ist klar, und so brennt das junge Paar eines Tages miteinander durch.
Doch schnell begreifen die beiden, daß sie sich damit einen mächtigen Feind gemacht haben und so kehrt Marie zurück zu ihrer Familie, während sich Jakob für zehn Jahre beim Militär verpflichtet.

Jakob wird in Frankreich stationiert, doch Marie will ihm in all der Zeit nicht aus dem Kopf gehen. Sobald er seinen Dienst abgeleistet hat, kehrt er zurück in seine Heimat und wieder brennt Marie mit ihm durch.

Doch auch dieses Glück ist nur von kurzer Dauer, denn schon bald trifft eine Nachricht von König Ludwig XVI. auf der kleinen Berghütte ein, in der Jakob nach Versailles beordert wird.
Der Grund: Prinzessin Elisabeth, die Schwester des Königs, hat sich in der Nähe des Schlosses einen kleinen Bauernhof eingerichtet, doch ihre Kühe wollen keine Milch geben. Nun soll sich ausgerechnet Jakob darum kümmern.

Wieder muss sich das Paar trennen und während Jakob die königlichen Kühe hütet und sich nach Marie sehnt, rückt die Revolution immer näher…

„Königskinder“ ist ein dünnes, leichtes Büchlein, das einfach Spaß zu lesen macht.
Immer wenn die Geschichte von Jakob und Marie droht zu kitschig oder vorhersehbar zu werden, schaltet sich Tina ein, um ihren Mann dazu zu bringen, die Handlung zu verändern.
Diese Geschichte in der Geschichte ist ein schöner Kunstgriff, den ich sehr schätze. Nicht umsonst ist „Die Brautprinzessin“ eines meiner Lieblingsbücher.

Tina und Max sind dabei keine bloßen Randfiguren, sie treten immer wieder in den Vordergrund, sie schmollen, streiten ein bißchen und beeinflussen damit die Geschichte von Jakob und Marie.

Eine wirklich schöne Lektüre für die bevorstehenden Winterabende!

Stapelweise Neues im September

Der September ist mein Lieblingsmonat!
Die Luft beginnt nach Herbst zu riechen, die Blätter verfärben sich, die Stürme wehen und trotzdem stehen uns noch goldene Tage bevor…

Der September ist allerdings auch die Zeit des Jahres, in der die Arbeit für uns Buchhändler so richtig losgeht!
Denn jetzt kommen all die Neuerscheinungen auf den Markt, die im Weihnachtsgeschäft empfohlen werden wollen und das bedeutet für uns: lesen, lesen, lesen!

Ein klein wenig Panik kommt ja schon auf, wenn ich den dicken Stapel Novitäten neben mir anschaue und auch an meinen Planer denke, in dem ebenso viele Titel für den Oktober notiert sind!
Allerdings freue ich mich schon sehr über neue Bücher von Lieblingsautoren und auch darauf, noch unbekannte Schriftsteller kennenzulernen.

Los geht’s!

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Ein ganzer Stapel spannender neuer Titel kommt diesen Monat von Diogenes, einem meiner absoluten Lieblingsverlage.

Uns gehört die Nacht von Jardine Libaire habe ich ironischerweise bereits in einer schlaflosen Nacht angelesen und finde den Stil schön flüssig und die Geschichte bisher recht spannend.
Dieses Buch hat bereits viele Fans aber dann auch wieder Leser, die es gar nicht mochten… Love it or hate it? Ich bin gespannt!

Eine Autorin von der in bisher noch nie etwas gelesen habe ist Muriel Spark. Ihr nun fast schon sechzig Jahre alter Roman Die Blütezeit der Miss Jean Brodie erschien gerade in einer Neuübersetzung.
Offenbar haben wir es hier mit dem weiblichen Pendant zu „Der Club der toten Dichter“ zu tun. Da möchte ich auf jeden Fall mal hineinlesen!

Philippe Djian ist ebenfalls ein Autor, mit dem ich noch nie die Ehre hatte… Ich weiß, ich weiß… Shame on me!
Also werde ich mir seinen neuen Roman Marlène vornehmen.

Ein „alter Bekannter“ ist dagegen Benedict Wells.
Mit „Vom Ende der Einsamkeit“ hat er mich tagelang zum Schluchzen gebracht, in Die Wahrheit über das Lügen legt er nun zehn Kurzgeschichten vor.
Ich bin gespannt, ob er mich damit genauso überzeugen kann, wie mit seinen Romanen.

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Zwei Titel, die auf den ersten Blick vielleicht wenig miteinander zu tun haben, die sich aber beide mit Sagen und Mythen beschäftigen und ganz wunderbar illustriert wurden sind Der Held im Pardelfell und Der Fall von Gondolin.

Mit Der Held im Pardelfell hat der Galiani Verlag rechtzeitig zur Buchmesse einer 800 Jahre alten georgischen Sage neues Leben eingehaucht.
Das Ganze wurde von meiner Lieblingsillustratorin Kat Menschik herrlich bebildert.
Letzte Nacht habe ich auch schon ein bißchen hinein gelesen und war sofort gefesselt von dieser Geschichte.

Der Fall von Gondolin von J.R.R. Tolkien ist eine Geschichte, die man schon aus dem Silmarillion kennt und die sein Sohn Christopher nun neu herausgegeben hat.
Wie schon bei anderen Titeln dieser Reihe hat er sich dabei nicht nur auf die ursprüngliche Geschichte beschränkt, sondern liefert auch viele Hintergrundinformationen und veränderte Fassungen mit.
Das ist zwar ein bißchen Lesearbeit, allerdings wird man dabei auch von den sehr stimmungsvollen Aquarellen und Bleistiftzeichnungen von Alan Lee bei Laune gehalten.

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Königskinder heißt der neue Roman von Alex Capus.
Bisher habe ich nur „Das Leben ist gut“ von ihm gelesen und mochte seinen recht feinen Humor.

Auch Juli Zeh, deren knappen Stil ich sehr schätze, hat wieder eine neue Geschichte herausgebracht.
Neujahr ist ein dünnes Buch, auf das ich schon wahnsinnig gespannt bin!

Tom Rachman ist dagegen ein Autor von dem ich bisher noch nichts gelesen habe.
Mit Die Gesichter habe ich allerdings schon länger auf Englisch geliebäugelt, nun ist sein Künstlerroman also auf Deutsch erschienen und ich habe hohe Erwartungen an ihn.

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Die wohl höchsten Erwartungen habe ich diesen Monat allerdings an Timus Vermes‘ neustes Buch Die Hungrigen und die Satten.
In „Er ist wieder da“ hat Vermes der Gesellschaft ja bereits einen bitterbösen Spiegel vorgehalten, nun geht es um die Flüchtlingsthematik und die Medien, die diese ausschlachten.
Der Eichborn Velag war so großzügig, mir gleich noch das von Christoph Maria Herbst gelesene Hörbuch mitzuschicken und nachdem mein Großer „Er ist wieder da“ rauf und runter gehört hat, hat er sich „Die Hungrigen und die Satten“ sofort unter den Nagel gerissen. Ich habe aktuell meine liebe Mühe damit zu verhindern, daß er mich spoilert, so begeistert wie er schon ist.

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Im Bereich Sachbuch freue ich mich auf Befreit – Wie Bildung mir die Welt erschloss von Tara Westover.
Auf ihre Geschichte bin ich auf englischsprachigen Buchblogs aufmerksam geworden, denn obwohl Westover ein Klassenzimmer zum ersten Mal mit 17 Jahren betrat, legte sie anschließend eine steile akademische Karriere hin.
Ich bin gespannt zu erfahren, wie ihr das gelungen ist!

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Das einzige Buch, das nicht brandneu ist, ist diesen Monat Die Welt der Berge von Dieter Braun.
Es ist ein ganz wunderbar illustriertes Sachbuch, das der Verlag schon ab 8 Jahren empfiehlt, für das man aber meiner Meinung nach nie zu alt ist und das ich Euch ganz bald ausführlich vorstellen werde!

Puh, was für ein Stapel!
Wie sieht es bei Euch aus?
Welche der aktuellen Neuerscheinungen interessieren Euch am meisten?

Ich hoffe, daß mich die Titelflut diesen Monat nicht erschlägt, bevor sich der Oktoberstapel auftürmt.

Ende des Monats gibt es, wenn alles gut geht, übrigens die nächste Episode der allseits beliebten Kategorie In vollen Zügen nach…
Dann bin ich nämlich in… (Trommelwirbel) Amsterdam!
In Amsterdam war ich noch nie, also wenn ihr dort schöne Buchhandlungen kennt: immer her mit Euren Tipps!

Bis dahin ganz liebe Grüße und einen schönen Start in den Herbst!

Andrea

Review: Unter der Drachenwand

Anfang 1944 wird der junge Soldat Veit Kolbe verwundet und zurück in die Heimat geschickt.
Doch in der elterlichen Wohnung in Wien hält er es kaum aus und so beschließt er, zu seinem Onkel nach Mondsee zu fahren.
Hier führen die Leute ein ruhiges, vom Krieg weitestgehend unberührtes Leben, und zum ersten Mal seit fünf Jahren kann Veit wieder ein wenig aufatmen und ein bißchen Leben nachholen.
Bald kommt er seiner Zimmernachbarin Margot näher und fast ein ganzes Jahr lang geniest er ihr Zusammensein und die scheinbare Normalität des Alltags.

Doch der Krieg holt Veit und Margot immer wieder ein, sei es durch Briefe, die die beiden erreichen, durch die drohende Gesundschreibung Veits, oder durch kleine und große Ereignisse, die die Bewohner Mondsees nicht vergessen lassen, daß der Führer ein stets wachsames Auge hat…

Eigentlich gehe ich Büchern über dem Krieg ja meistens aus dem Weg. „Unter der Drachenwand“ hörte sich jedoch interessant und anders an.
Nicht der Krieg steht hier im Vordergrund, sondern die zerbrechliche Illusion des Friedens.

Ein wahnsinnig spannendes Buch darf man hier nicht erwarten. „Unter der Drachenwand“ kommt langsam und ruhig daher, trotzdem leidet und fiebert man irgendwann so mit den Protagonisten mit, daß man immer wieder vorblättern möchte um herauszufinden, ob es ein Happy End für sie geben wird.

Worauf man an dieser Stelle allerdings noch hinweisen sollte:
Irgendwie habe ich das Gefühl, daß sich irreführende Klappentexte bei Hanser in letzter Zeit häufen. So auch bei diesem Buch.
Denn wenn man den Schutzumschlag liest, scheint es, als würde hier eine Dreiecksgeschichte verkauft werden wollen.
„…hier trifft er zwei Frauen…“
„Was Margot und Margarete mit ihm teilen, ist die Hoffnung…“
Dabei ist Margarete letztendlich eine Frau, der Veit anfangs zwei-, dreimal begegnet und die recht schnell klar macht, daß sie nicht an ihm interessiert ist.

Vermutlich wurde hier darauf gesetzt, daß sich ein Buch mit der Handlung „Junger Soldat zwischen zwei Frauen“ einfach besser verkauft als „Junger Soldat hat keine Lust mehr auf Krieg“.
Der Klappentext ist nicht absichtlich falsch, aber er lenkt die Gedanken doch irgendwie in eine falsche Richtung.

In letzter Zeit passiert mir das immer häufiger…
Woran das wohl liegen mag…?

Alles neu macht der Mai…

Willkommen im Mai!

Die letzten Tage war es ja schon herrlich warm und ich konnte endlich wieder draußen sitzen und lesen… Hach, wie habe ich das vermisst!
Ich habe meine Bücher regelrecht verschlungen und das ist vermutlich auch der Grund, warum der Maistapel deutlich dicker ausfällt als üblich.

Natürlich musste Teil zwei von Haruki Murakamis Die Ermordung des Commendatore mit! – Eine Metapher wandelt sich. Die Besprechungen, die ich bisher gelesen habe sind ja recht verhalten, aber ich bin ganz offen und hoffe, es reicht an den grandiosen ersten Teil heran.

Einen weiterer japanischen Autor, auf den ich schon gespannt bin ist Genki Kawamura mit Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden.
Der Klappentext klang ziemlich vielversprechend und mit magischem Realismus kann man mich ja immer begeistern.

Ein Buch vor dem ich fast schon ein bißchen Angst habe, weil es von allen in den Himmel gelobt wird ist Dunkelgrün fast schwarz von Mareike Fallwickl.
Nach all den Hymnen, die ich die letzten Wochen gelesen habe, wird es vermutlich meine absolut übersteigerte Erwartungshaltung nicht erfüllen können.
Sei’s drum! – Ich will es jetzt trotzdem endlich auch mal lesen! 😉

An sich gehe ich Büchern, in denen es um den Krieg geht ja eher aus dem Weg, trotzdem finden sich diesen Monat gleich zwei Kriegsgeschichten auf meinen Lesestapel.
In Unter der Drachenwand von Arno Geiger geht es um einen Soldaten im zweiten Weltkrieg, der sich nach einer Verwundung am Mondsee erholt… Vermutlich der Hauptgrund für mich, dieses Buch mitzunehmen, denn ich war als Kind am Mondsee und fand es einfach wunderschön dort.

Das zweite Buch, das sich mit dem Krieg beschäftigt, allerdings mit dem ersten Weltkrieg, ist die Insel der Frauen aus dem Splitter Verlag.
In dieser Graphic Novel geht es jedoch nicht um die Soldaten, sondern um die Daheimgebliebenen. – Ein Thema, daß ich sehr spannend finde, weil ich die Geschichten, die meine Großmütter von Krieg zu erzählen hatten immer wesentlich wichtiger fand, als die meiner Großväter…

Um die Seele ein bißchen baumeln zu lassen gibt es dann noch ein Buch aus der für mich eher untypischen Kategorie Regionalkrimi: Kluftinger von Michael Kobr und Volker Klüpfel. Ein bißchen seicht, ein bißchen kitschig und auch vorhersehbar… trotzdem habe ich Kommissar Kluftinger irgendwann doch in mein Herz geschlossen.
Man muss nicht viel nachdenken und fliegt nur so durch die Seiten… muss auch ab und zu mal sein! 😉

Ein Buch, das mich wohl ziemlich fordern wird ist hingegen Nutshell („Nussschale“) von Ian McEwan.
„Abbitte“ fand ich ja seinerzeit ganz großartig, von „Nutshell“ habe ich dagegen nur sehr verhaltene Meinungen zu hören bekommen. Ich fand die Idee des Buches aber doch so spannend, daß ich auf jeden Fall mal reinlesen wollte. Bisher habe ich die ersten Kapitel gelesen und ich muss leider sagen, daß ich doch recht damit zu kämpfen habe.
Der Erzählton des Ungeborenen erinnert mich irgendwie an Baby Stewie aus Family Guy und macht das Buch für mich damit unfreiwillig komisch.
Ich bleibe aber am Ball!

Im Mai geht es auch endlich wieder weiter mit In vollen Zügen nach…!
Mitte des Monats bin ich auf eine Hochzeit in Hamburg eingeladen und ich freue mich schon sehr darauf.
Hamburg, das bedeutet für mich insgesamt an die 15 Stunden Zugfahrt und deshalb habe ich mir lange überlegt, welche Lektüre mit auf die Reise darf.
Die Wahl fiel schließlich auf Aristotle and Dante Discover the Secrets of the Universe („Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums“) von Benjamin Alire Sáenz, welches eine Empfehlung von John Green war und Die Herrenausstatterin von Mariana Leky.
Ein bißchen Angst habe ich ja vor diesem Buch, weil Was man von hier aus sehen kann mein absolutes Lieblingsbuch 2017 war und „Die Herrenausstatterin“ ein schweres Erbe hat. Trotzdem freue ich mich schon darauf und auf die Reise.

Da ich in erster Linie zum Freunde besuchen und Hochzeit feiern in Hamburg bin, werde ich vermutlich nicht viel Zeit haben, die dortigen Buchhandlungen unsicher zu machen. Allerdings liegt mir schon viel daran, in meiner wenigen freien Zeit ein, zwei schöne Läden zu besuchen und euch davon zu berichten.
Wenn ihr also Tipps habt, welche Buchhandlungen ich in Hamburg auf jeden Fall gesehen haben muss, dann lasst mir einen Kommentar da!

Schon mal ganz vielen Dank für eure Tipps und liebe Grüße,

Andrea