Mein Bold-Titel: „Die Neue“ von Harriet Walker + Gewinnspiel

Transparenz: Bei diesem Beitrag handelt es sich um eine bezahlte Kooperation mit dem dtv Verlag. Mir ist an dieser Stelle aber wichtig zu sagen, daß ich nicht daran teilgenommen hätte, wenn mich das Buch nicht auch wirklich überzeugt hätte. 🙂

Zehn Jahre lang hat sich Margot voll und ganz ihrer Karriere gewidmet und ihren absoluten Traumjob ergattert: Sie ist die Chefredakteurin einer bekannten Modezeitschrift.
Als sie schwanger wird, könnte ihr Glück kaum größer sein, immerhin erwartet auch ihre beste Freundin Winnie ein Baby. Während Margot sich um eine Elternzeitvertretung kümmert und dafür die junge und quirlige Maggie einstellt, zerbrechen aber die Träume der beiden Freundinnen vom geteilten Baby-Glück. Denn Winnie verliert ihren kleinen Sohn und bricht daraufhin den Kontakt zu Margot ab.
Auch als Margot ihre kleine Tochter zur Welt bringt, bleibt die große Euphorie aus. Schon bald ist sie mit dem Kind alleine zu Hause und weiß nur wenig mit sich anzufangen. Sie vermisst ihre beste Freundin und ihr altes Leben. Da hilft es wenig zu sehen, wie gut sich Maggie in Margots alten Job eingefunden hat und begeistert Fotos von ihren exklusiven Geschäftsreisen, Modeschauen und Partys mit den Kollegen auf Instagram postet.

Margot wird von Tag zu Tag nervöser: Kann es sein, daß Maggie ihre Stelle dauerhaft behalten möchte? Als Maggie dann auch noch beginnt, einen Freund von Margots Mann zu daten und Teil ihres Freundeskreises wird, fühlt sich Margot plötzlich immer mehr aus ihrem Leben herausgedrängt.
Zeitgleich wächst in ihr das Gefühl, beobachtet zu werden. Kann es sein, daß Winnie so eifersüchtig auf Margots Baby ist, daß sie bereit wäre, ein Geheimnis aus ihrer gemeinsamen Schulzeit ans Licht zu bringen, um ihr Leben zu zerstören?

Schon bald wird Margot immer panischer. Ist wirklich jemand hinter ihr und ihrer kleinen Tochter her oder wird sie langsam aber sicher verrückt?

Auf den ersten Blick wirkt „Die Neue“ von Harriet Walker wie ein Thriller der die klassischen Klischees bedient, doch davon sollte man sich nicht täuschen lassen!
Denn immer wieder wechselt die Erzählperspektive zwischen Margot, Maggie und Winnie und sorgt dafür, daß die Leser:innen ihre Annahmen ständig neu überdenken müssen.
Auch die Rivalität zwischen den Protagonistinnen lässt einen sofort an unzählige Thriller und Filme denken, in denen Frauen aufeinander losgehen, doch auch hier spielt die Autorin mit den Erwartungen der Leser und ohne zuviel verraten zu wollen, möchte ich nursagen, daß man bei diesem Buch keinen Thriller erwarten darf, der die typischen Klischees abhakt, sondern die Leser:innen immer wieder überrascht.

„Die Neue“ spricht viele Themen an, die mich selbst sehr beschäftigen und in denen ich mich wiederfinden konnte: Die Schwierigkeit, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen, Rivalität im Job, Freundschaften, die zerbrechen, sobald sich die Lebensumstände verändern,…
Über all das musste ich noch lange, nachdem ich „Die Neue“ gelesen hatte, nachdenken. Deshalb kann ich dieses Buch wirklich nur wärmstens empfehlen!

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Wenn ich euch jetzt Lust auf „Die Neue“ gemacht habe, dann habt ihr jetzt  auch gleich noch die Möglichkeit, eins von drei Exemplaren zu gewinnen.

Und so geht’s:
Folgt meinem Blog und/oder Instagram-Account, liked diesen Beitrag und schreibt mir in einem Kommentar, worauf es euch bei einem guten Thriller ankommt.
Wer auf dem Blog und auf Insta abonniert, liked und kommentiert hüpft sogar zweimal in den Lostopf.
Das Gewinnspiel läuft bis zum Mittwoch, dem 24.03.2021.
Am Donnerstag, dem 25.03.2021 wird ein Gewinner ausgelost.
Das Buch wird dem Gewinner dann direkt von dtv zugeschickt.
Ich drücke euch allen die Daumen!

Teilnahmebedingungen:
Verlost werden jeweils 3 Exemplare von „Die Neue“ von Harriet Walker.
An der Verlosung dürfen alle volljährigen Abonnenten des „Lesen… in vollen Zügen“-Blogs und/oder des Instagram-Accounts teilnehmen. 
Um an der Verlosung teilzunehmen, müsst ihr lediglich bis Mittwoch, den 24.03.2021 um 23:59 Uhr einen Kommentar unter diesem Blogbeitrag oder Instagram-Post schreiben. 
Verlost wird der Gewinn am Donnerstag, dem 25.03.2021.
Die Gewinner werden durch die zufällige Ziehung unter allen Teilnehmern, die rechtzeitig einen Kommentar dalassen, ermittelt und von mir per E-Mail oder Direktnachricht über den Gewinn informiert.
Mit der Teilnahme am Gewinnspiel willigen ihr in die Erhebung und Verwendung  eurer E-Mail-Adresse ein. Diese personenbezogenen
Daten werden zur Durchführung und Abwicklung des Gewinnspiels erhoben, gespeichert und verarbeitet, um euch im Falle eines Gewinns zu
benachrichtigen. Eine Weitergabe der Daten an Dritte findet nicht statt, ausgenommen davon ist jedoch die Übermittlung der Adresse des Gewinners an den dtv Verlag, der das Buch direkt an den Gewinner versendet.
Ihr könnt die Einwilligungen jederzeit durch eine Nachricht an mich widerrufen. Eure Daten werden anschließend gelöscht.

Neuer Lesestoff im März

Ich bin wirklich gespannt, wie sich dieser Monat entwickelt.
Der Kleinste darf ja schon wieder in den Kindergarten, während der Große weiterhin Distanzunterricht hat und ich in den letzten Wochen wieder zum Mathe-Ass werden musste, um Extremwertbestimmungen bei Termen korrigieren zu können. 😉
Vielleicht kann ich diesen Monat auch wieder anfangen, zu arbeiten. – Nachdem ich nun seit Anfang Dezember nicht mehr im Laden war, wäre das auch einmal wieder schön.

Während ich den Novitäten-Frühling 2020 ja eher mau fand, bietet dieses Jahr eine ganze Reihe an Highlights auf, auf die ich mich schon sehr freue.

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Beginnen wir mit zwei Titeln, an denen man derzeit auf Instagram gar nicht vorbeikommt und die ich auf BookBeat bereits gehört habe oder gerade höre: „Kim Jiyoung, geboren 1982“ von Cho Nam-Joo und „Ministerium der Träume“ von Hengameh Yaghoobifarah.

„Kim Jiyoung“ war ein Sensationserfolg in Südkorea und hat sich inzwischen zum weltweiten Phänomen entwickelt. Warum das so ist, versteht man schnell, wenn sich mit dem Stoff beschäftigt; denn auch wenn der Schreibstil sehr schnörkellos und an manchen Stellen fast schon sachbuchhaft daher kommt, ist die Erzählung vom Leben einer typischen südkoreanischen Frau, deren Alltag von misogynen Mikroaggressionen geprägt ist, extrem bedrückend und doch gar nicht einmal so weit von der Lebensrealität westlicher Frauen entfernt, auch wenn vieles, das Kim Jiyoung in diesem Roman auf den Kopf zu gesagt wird hierzulande vielleicht eher hinter vorgehaltener Hand geflüstert wird.

Hengameh Yaghoobifarah haben ja letztes Jahr mit ihrem umstrittenen Artikel „All cops are berufsunfähig“ eine ziemliche Kontroverse ausgelöst. Mich persönlich hat die Kolumne – wenn man sie aufs rein stilistische runterbricht – nicht besonders angesprochen und vermutlich hätte ich ihren Debütroman nicht wirklich auf dem Schirm gehabt, wäre nicht der irgendwie fast schon verträumt wirkende Titel für mich im starken Kontrast zu der rotzfrechen Schreibe des taz-Artikels gestanden.
So war ich dann aber doch recht neugierig und höre „Ministerium der Träume“ derzeit auf meinen Spaziergängen.
Die Geschichte erzählt von Nasrin, deren Schwester bei einem Verkehrsunglück ums Leben kommt. Ein Unfall oder doch Selbstmord?
Während Nasrins Gedanken immer wieder darum kreisen, was wohl mit ihrer Schwester passiert ist, muss sie sich nun auch um deren 14-jährige Tochter kümmern…

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Weiter geht es mit zwei Büchern von Autorinnen, die mich bereits mit ihren Debütromanen begeistert haben.

Raphaela Edelbauer war 2019 für ihr Debüt „Das flüssige Land“ für den Deutschen Buchpreis nominiert. Darin geht es um eine Stadt, die nach und nach von einem riesigen Loch verschluckt wird: Kafka meets Schildbürger.
In „Dave“ geht es nun um künstliche Intelligenz, was mich sofort an Ian McEwans „Maschinen wie ich“ denken lässt.

Megan Hunter hat mich bereits mit ihrem äußerst lyrischem Buch „The End We Start From“ („Vom Ende an“) in ihren Bann geschlagen.
In „Die Harpyie“ erfährt die Protagonistin Lucy, daß sie von ihrem Mann betrogen wird. Um die Beziehung zu retten, trifft man die Entscheidung, daß Lucy ihren Mann dreimal bestrafen darf…
„Die Harpyie“ hört sich für mich beinahe wie ein bitterböses Märchen an. Ich bin jedenfalls schon sehr gespannt darauf!

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Zu guter Letzt liegen noch zwei spannungsgeladene Titel auf meinem Märzstapel: „Das Geheimnis von Zimmer 622“ und „Die Neue“.

Joël Dickers Bücher waren für mich bisher immer die perfekte Mischung aus Krimi und literarischem Genuß; in seinem vierten Roman hat er sich nun selbst zum Protagonisten gemacht.
Hier macht Joël Dicker Urlaub in einem Schweizer Hotel, in dem es zwar einen Raum 621a, aber keinen mit der Nummer 622 gibt. Was steckt wohl dahinter, fragen sich er und seine Zimmernachbarin schon bald und beginnen zu recherchieren…

„Die Neue“ von Harriet Walker ist dagegen ein waschechter Thriller, in dem nichts so ist, wie es scheint.
Ich habe bereits letztes Jahr das englische Manuskript gelesen, da „Die Neue“ mein bold-Patenbuch ist und ich euch im Lauf des Monats – und besonders zum Erscheinen am 18. März – ausführlich davon berichten werde.
Nur soviel sei schonmal verraten: An sich greife ich ja eher selten zu Thrillern, weil mir die Charaktere oft zu eindimensional sind. In „Die Neue“ haben wir es aber mit unheimlich ausgefeilten Charakteren und wechselnden Blickwinkeln zu tun, die den Leser ständig seine Vermutungen ändern lassen müssen.

Kennt ihr schon den ein oder anderen Roman auf meinem Märzstapel und auf welche Titel freut ihr euch in diesem Monat?
Ich wünsche euch eine gute Zeit.

Bleibt alle gesund,
eure Andrea

Alles auf Neuanfang im Januar?

Das Jahr, das die Menschen auf der ganzen Welt so frustriert hat, wie kaum ein anderes, ist endlich vorbei. Nun wäre es schön, das alles hinter sich zu lassen und neu anzufangen, doch leider wird es wohl noch eine ganze Weile dauern, bis wieder Normalität einkehren wird.

Ein kleines Trostpflaster ist wenigstens das kommende Lesejahr, denn wir dürfen uns auf Neuerscheinungen von geliebten Autor:innen wie Benedict Wells, Juli Zeh oder Joël Dicker freuen, es gibt spannende Debüts, Übersetzungen, auf die wir schon lange gewartet haben, wie „Mädchen, Frau etc.“ von Bernadine Evaristo, neue Verlage wie Ecco werden frische Akzente auf dem Buchmarkt setzen, und um dem ganzen noch das Sahnehäubchen aufzusetzen, erscheint Saša Stanišićs erstes Kinderbuch!

Ich freue mich jedenfalls schon sehr darauf, mehr von meinen Lieblingsautoren zu lesen und neue Lieblinge zu entdecken. Deshalb habe ich mir für den Januar (um mich auch ein wenig für das zurückliegende Jahr zu belohnen) lauter Frühjahrsnovitäten auf den Lesestapel gepackt; die Erscheinungsdaten schreibe ich euch jeweils dazu.

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Den Anfang macht Monika Helfer, deren autobiografischer Roman „Die Bagage“ zu meinen Highlights des letzten Jahres gehört hat und das meiner Meinung nach mindestens auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises gehört hätte.
Während Helfer in „Die Bagage“ von der Familie ihrer Mutter (und den mysteriösen Umständen, unter denen diese gezeugt wurde) erzählt, widmet sie sich in „Vati“ der eigenen Kindheit und der Geschichte ihres Vaters.
Gerade eben habe ich kurz in das Buch hineingelesen, um hier ein paar Sätze darüber schreiben zu können, und es fiel mir unheimlich schwer, es wieder zur Seite zu legen, so schnell fesselt mich Monika Helfer mit ihrem unaufgeregten, aber wahnsinnig eindringlichem Erzählstil.

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Ein Debütroman, auf den ich schon extrem gespannt bin, ist „Identitti“ von Mithu Sanyal.
Darin geht es um Saraswati, eine indischstämmige Professorin, die für die junge Studentin Nivedita, die selbst einen indischen Vater hat, ein absolutes Idol ist. Doch dann platzt die Bombe, die das Weltbild der jungen Frau ins Wanken bringt: Saraswati ist gar keine Person of Colour…

Erinnert sich noch jemand an den Fall der Rachel Dolezal in den USA? 2015 wurde bekannt, daß die Professorin für afrikanische und afroamerikanische Studien und Präsidentin der örtlichen NAACP keine PoC war.
Damit konfrontiert begründete sie ihre Täuschung mit einer „transracial identity“, ein Konzept, das mich seitdem immer wieder hat grübeln lassen.
Deshalb bin ich schon unheimlich gespannt, wie Mithu Sanyal an dieses Thema herangeht.

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Ein Buch, das ich gleich zweimal hier habe, ist „Jeder Tag ist eine Schlacht, mein Herz“, bzw. „When We Were Vikings“ von Andrew David MacDonald.
Nachdem mir Steffi von dtv den Roman so ans Herz gelegt hatte, habe ich ihn mir auf Englisch gekauft, nur um kurz darauf die deutsche Ausgabe im Leseexemplar-Regal bei uns im Laden zu entdecken.
Zugegeben, die deutsche Aufmachung und auch der Titel hätten mich so gar nicht angesprochen! Tatsächlich ist das Cover im echten Leben dann aber deutlich hübscher, als es in der Vorschau oder auf dem Foto rüberkommt.

In „Jeder Tag ist eine Schlacht, mein Herz“ geht es um die 21-jährige Zelda, die mit fötalem Alkoholsyndrom geboren wurde und um ihren Bruder, der sich liebevoll um seine kleine Schwester kümmert, zumindest so lange, bis er selbst in Schwierigkeiten gerät und Zelda beschließt, daß sie diejenige ist, die sich nun um ihn kümmern muss…
Das Buch hört sich für mich nach einem tollen comfort read an. Mal sehen, ob ich es auf Englisch oder auf Deutsch lesen werde.

„Jeder Tag ist eine Schlacht, mein Herz“ erscheint auf Deutsch am 23.04.2021.

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„Alles, was ich weiß über die Liebe“ von Dolly Alderton ist eines dieser Bücher, das ich immer einmal lesen wollte und dann doch nie dazu kam.
Nun ist ihr neuster Roman „Gespenster“ bei mir angekommen und ich habe mich sofort in das wunderschöne Cover verliebt.
In „Gespenster“ geht es um Nina, die sich Hals über Kopf verliebt, doch vom einen auf den anderen Tag verschwindet ihr neuer Freund spurlos. Zeitgleich wird Nina von weiteren größeren und kleineren Katastrophen heimgesucht…
Ich bin gespannt und hoffe auf eine humorvolle aber trotzdem tiefgründige Geschichte.

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Zu guter Letzt gibt es ein neues Buch von Lucia Zamolo, der Autorin von „Rot ist doch schön“ und Illustratorin des hübschen Drucks, den ihr im Titelbild dieses Blogbeitrags sehen könnt.

In „Elefant auf der Brust“ nimmt sie sich das Thema Liebeskummer vor und illustriert das Ganze wieder äußerst liebe- und humorvoll.
Zu diesem Buch gibt es schon ganz bald einen ausführlichen Beitrag.

Ich hoffe, ihr hattet einen guten Start ins neue Jahr und wünsche uns allen, daß 2021 ein wenig stressfreier wird, als sein Vorgänger!

Kurz und knapp: Empfehlungen aus dem Podcast #1

In den letzten Monaten war ich ja auf diesem Blog nur recht sporadisch aktiv.
Der Grund dafür war in erster Linie der Lockdown, durch den ich drei Monate lang keine freie Minute für mich hatte.
Ich kann mich wirklich nur vor den Laptop setzen und konzentriert schreiben, wenn kein Kind um mich herumspringt und meine Aufmerksamkeit fordert. Ach ja, und natürlich wäre es dazu auch hilfreich, tatsächlich vor einem Laptop sitzen zu können. Wenn der aber vom großen Sohn beansprucht wird, um seine Schulaufgaben machen zu können, dann wird schnell klar, daß für das Bloggen kaum Zeit bleibt.

Ein weiterer Grund, der zu der Corona-Krise dazu kam, war daß der Seite an Seite – Podcast meines Kollegen Andi und mir Anfang März seinen Relaunch erlebte und seitdem ganz professionell von Hugendubel produziert wird.
Während Andi und ich also früher in unseren „Wohnzimmerfolgen“ einfach losredeten und uns keinerlei Gedanken über Form und Gliederung machten, werden die neuen Episoden natürlich wesentlich intensiver vorbereitet. Dazu gehört auch, daß wir ein Skript schreiben, um unserer Redakteurin eine Art Fahrplan für die Folge zu geben und auch um uns abzustimmen, über welche Themen wir diskutieren wollen.
Nun ist es so, daß sich die Skripte, die wir schreiben, einfach nicht auf den Blog übertragen lassen. Dazu sind sie viel zu stichpunktartig und zu unvollständig.
Wenn ich dann aber bereits ein Skript zu einem Buch angefertigt und auch schon im Podcast ausführlich davon erzählt habe, stelle ich inzwischen fest, daß ich bei den meisten Titeln wenig hinzufügen kann. Es fühlt sich dann für mich fast so ein, als würde ich nur noch vom Podcast abschreiben.
Deshalb dachte ich, daß es doch schön wäre, die Titel an dieser Stelle noch einmal kurz und knapp vorzustellen und wenn ihr Lust bekommen habt, mehr zu erfahren, dann könnt ihr das ganz einfach in der entsprechenden Podcast-Folge tun.

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Jasmin Schreiber – Marianengraben

In unserer ersten professionellen Folge, die ihr als Folge #5 hören könnt (immerhin hatten wir vier Episoden bereits mit liebevollem Dilettantismus und wenig Ahnung von Schnittprogrammen in Andis Wohnzimmer aufgenommen) stellte ich Jasmin Schreibers Debütroman „Marianengraben“ vor.

Darin wird die Geschichte von Paula erzählt, die nicht über den Tod ihres kleinen Bruders Tim hinwegkommen kann. Als sie aber eines Nachts auf dem Friedhof einbricht, macht sie eine Begegnung, die ihrem Leben eine völlig neue Richtung geben und sie auf einen unerwarteten Roadtrip schicken wird.

In „Marianengraben“ gelingt Jasmin Schreiber der Spagat zwischen Humor und Traurigkeit perfekt. Ich habe gelacht, ich habe geweint, ich habe die schönsten Sätze daraus auswendig gelernt… Was will man mehr?

Nachzuhören in Folge #5 Nackt im Hotel Corona

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Katya Apekina – Je tiefer das Wasser

Kaum tauchen wir aus dem Marianengraben auf, erwarten uns schon die nächsten Abgründe mit Katya Apekinas literarischen Erfolgsdebüt „Je tiefer das Wasser“.

Als sich ihre Mutter versucht, das Leben zu nehmen, werden die Schwestern Edie und Mae von Louisiana nach New York geschickt, wo sie von nun an bei ihrem Vater, einem berühmten Schriftsteller, leben sollen. Zu dem hatten die beiden zwar keinerlei Kontakt seit er die Familie kurz nach Maes Geburt verließ, trotzdem kümmert er sich sofort rührend um seine Töchter. Es scheint, als wolle er die verlorenen Jahre wieder gutmachen, doch seine immer besitzergreifendere Art bereitet Edie schnell Kopfzerbrechen. Sie sieht ihre Loyalitäten klar bei der Mutter und bricht auf, um sie aus der Nervenklinik zu befreien. Doch ab dem Zeitpunkt, an dem die Schwestern voneinander getrennt sind, entwickelt sich zwischen den Mädchen und dem jeweiligen Elternteil eine immer verstörender werdende Dynamik.

„Je tiefer das Wasser“ ist ein Roman, der dem Leser die volle Dramatik der Geschichte nur nach und nach preisgibt. Erzählerisch macht das Katya Apekina mit verschiedenen Erzählebenen und Perspektiven so gekonnt, daß ich fast gar nicht glauben kann, daß dies ihr erster Roman ist.
Ich bin jedenfalls schon sehr gespannt darauf, was wir von dieser Autorin noch alles in Zukunft erwarten dürfen.

Nachzuhören in Folge #6 Germanys next Lovestory

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Angie Kim – Miracle Creek

Ein Gesellschaftsroman, der auch ein Thriller sein könnte, ist „Miracle Creek“ von Angie Kim. Darin geht es um die Bewohner der Kleinstadt Miracle Creek, in der ein schreckliches Unglück passiert ist: bei einer Explosion starben zwei Menschen, darunter der achtjährige Henry. Nun ist ausgerechnet seine Mutter Elizabeth wegen Mordes angeklagt; doch ist der Fall wirklich so klar, wie es zunächst den Anschein hat?

Als die Betroffenen ihre Aussagen machen, begreift man als Leser schnell, daß jeder etwas zu verheimlichen hat und das der Fall nur gelöst werden kann, wenn man die Widersprüche in den Aussagen aufdeckt und so der Wahrheit auf die Spur kommt.
Ein wirklich spannender und überraschend vielschichtiger Roman, der mich ein wenig an „Das Verschwinden der Stephanie Mailer“ von Joël Dicker erinnert hat.

Nachzuhören in Folge #8 Üble Überraschung

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James Baldwin – Giovannis Zimmer

Einen modernen Klassiker haben sich Andi und ich in Folge #9 mit „Giovannis Zimmer“ von James Baldwin vorgenommen.

„Giovannis Zimmer“ zählt als einer der Klassiker der schwulen Literatur und wäre in den 1950er Jahren beinahe nicht erschienen; immerhin riet Baldwins Verleger ihm, das Manuskript zu verbrennen. Nun werden Baldwins Werke seit zwei Jahren in einer großartigen Neuübersetzung von Miriam Mandelkow bei dtv neu aufgelegt.

David ist ein amerikanischer Auswanderer, der gemeinsam mit seiner Verlobten in Paris lebt. Als die aber alleine Urlaub in Spanien macht, verliebt sich David in Giovanni, bei dem er auch eine Zeitlang unterkommt.
Es ist nicht die erste homosexuelle Erfahrung für David, doch in den USA, wo Beziehungen zwischen Männern bei Strafe verboten sind, hat er einen regelrechten Hass auf sich und seine Gefühle entwickelt. Im liberalen Paris sieht er zum ersten Mal die Möglichkeit zu leben, ohne einen Teil seiner selbst verleugnen zu müssen. Trotzdem fühlt er, daß die Zeit mit Giovanni schon bald ein Ende finden wird.

„Giovannis Zimmer“ liest sich – trotz seiner mittlerweile siebzig Jahre – immer noch unheimlich modern, was man wohl der wirklich großartigen Neuübersetzung zuschreiben muss. Doch der innere Kampf, den David mit sich ausfechten muss, lässt einen die Unterdrückung, die queere Menschen noch vor einigen Jahrzehnten erfahren mussten, auf eine fast schon beklemmende Weise miterleben.
Baldwins berühmtestes Buch ist daher keine leichte Lektüre, aber eine absolut lohnende!

Nachzuhören in Folge #9 Fast untergegangene Bücher

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Franziska Hauser – Die Glasschwestern

Dunja und Saphie sind Zwillinge, doch sie haben auf den ersten Blick nicht viel gemeinsam. Dann aber sterben die Männer der beiden am selben Tag völlig überraschend; ein Ereignis, das die Schwestern völlig aus der Bahn wirft.
Saphie, die ein Hotel in der Kleinstadt im ehemaligen deutsch-deutschen Grenzgebiet leitet, in der die Zwillinge aufgewachsen sind, stürzt sich in die Arbeit, während Dunja zunächst einmal gar nicht mehr weiß, was sie nun tun soll. Ihre Kinder sind fast erwachsen und behandeln die Mutter wie eine unliebsame Mitbewohnerin, auf die Arbeit als DaF-Lehrerin kann sie sich nicht wirklich konzentrieren und plötzlich steht die Frage im Raum, ob es nicht Zeit ist, noch einmal neu anzufangen.
Und so zieht Dunja in das Hotel ihrer Schwester, um sich neu zu orientieren, doch nach und nach scheint es, als müssten die Zwillinge das Leben der jeweils anderen übernehmen, um wieder glücklich werden zu können.

„Die Glasschwestern“ ist ein Roman, der viele Themen anschneidet: Tod, Trauer, Depression und die Abnabelung der Kinder, der aber auch auf die deutsche Geschichte kurz vor der Wende eingeht und sich mit Flucht und Verrat beschäftigt. Lauter schwierige Themen, so könnte man meinen, trotzdem liest sich dieses Buch mit einer regelrechten Leichtigkeit und unbeschwertem Humor. Denn – das wird schnell klar – die beiden Schwester und ihre Familie lieben sich trotz all des Dramas und als Leser kann man nicht anders, als sich zu wünschen, Teil dieser Familie zu sein.

Nachzuhören in Folge #9 Fast untergegangene Bücher

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Mariam Kühsel-Hussaini – Tschudi

Ende des 19. Jahrhunderts hat der Leiter der Nationalgalerie in Berlin, Hugo von Tschudi, den ehrgeizigen Plan, die besten Vertreter des neuen französischen Impressionismus in sein Museum zu holen. Er ist begeistert von Monet, Manet, Renoir und Degas und erkennt als einer der Ersten, wie revolutionär diese neue Kunstform ist. Doch das ruft auch viele Neider auf den Plan. Schon bald entwickelt sich die Frage, ob diese Gemälde ausgestellt werden sollen, zu einem Politikum, das sich bis in die höchsten Kreise um Kaiser Wilhelm II. zieht.

Auch als begeisterter Kunst- und Museumsfan muss ich zugeben, daß ich zuvor noch nie von Hugo von Tschudi gehört hatte. Und das, obwohl die Bilder von van Gogh oder Degas, die ich schon oft in der Neuen Pinakothek in München gesehen hatte, dank der Tschudi-Spende nach München kamen, wo er Museumsleiter wurde, nachdem er in Berlin in Ungnade gefallen war.
Dabei war Hugo von Tschudi ein absolut faszinierender Charakter: zwar war er mit allen bedeutenden Künstlern der damaligen Zeit befreundet oder zumindest bekannt, trotzdem gibt es kein Porträt von ihm, da sein Gesicht von Lupus völlig entstellt war.

Mariam Kühsel-Hussaini schreibt über diesen faszinierenden Mann in einem Stil, der wie mit dem Pinsel eines Impressionisten aufgetragen scheint; sie erschafft neue Worte und spielt begeistert mit den Möglichkeiten der Sprache.
Es würde mich wirklich wundern, wenn dieser Titel nicht auf der Longlist des Deutschen Buchpreises auftauchen würde.

Nachzuhören in Folge #10 First Date im Fetischshop

 

Review: Das wirkliche Leben

Die letzten Wochen habe ich ja Corona-bedingt kaum noch Rezensionen geschrieben. Dafür war es hier mit den Kindern zu chaotisch und auch der Relaunch des Podcasts hat viel Zeit in Anspruch genommen. Schön langsam aber – man glaubt es kaum – kehrt wieder ein wenig Ruhe ein und ich hoffe, daß ich den Stapel der Titel, die endlich rezensiert werden wollen, nach und nach in Angriff nehmen kann.

Ein Buch, von dem ich schon im Podcast geschwärmt habe und das ich hier auch nochmal vorstellen wollte, ist Adeline Dieudonnés Debütroman „Das wirkliche Leben“, welcher mich wirklich geplättet hat.

Es beginnt an einem Sommerabend in der Kleinstadt. Die zehnjährige Ich-Erzählerin und ihr sechsjähriger Bruder Gilles wollen sich nur schnell ein Eis holen, als sie Zeugen eines schrecklichen Unfalls werden; ein Mann stirbt direkt vor den Augen der Kinder.
Beide sind völlig traumatisiert, doch die Eltern sprechen nicht darüber, was passiert ist und bieten ihren Kindern auch keinerlei Trost. Allein die Erzählerin bemerkt, wie sich ihr kleiner Bruder mehr und mehr zurückzieht.
Als der ohnehin schon aggressive Vater der Mutter gegenüber immer handgreiflicher wird, scheint etwas in Gilles zu zerbrechen. Doch was kann eine Zehnjährige tun, um ihren Bruder vor all dem zu schützen?
Bald ist sie überzeugt davon, daß das Unglück am Abend des Unfalls seinen Anfang nahm und daß man in der Zeit zurückreisen müsste, um alles wieder ins Lot zu bringen und zurück in das „wirkliche“ Leben zu finden.
Wie eine Besessene beginnt sich die Ich-Erzählerin dem Ziel zu widmen, eine Zeitmaschine zu bauen, um den Unfall zu verhindern. Die ganzen Sommerferien über schraubt sie auf einem Schrottplatz an Autowracks und kaputten Mikrowellen herum und beginnt, Bücher über Physik zu verschlingen. Doch am Ende des Sommers muss sie enttäuscht feststellen, daß es nicht so einfach ist, die Zeit zurückzudrehen, wie es in den Filmen den Anschein hat.
Was ihr nach diesem Sommer bleibt, ist die Liebe zu den Naturwissenschaften und das unbedingte Bedürfnis, die Seele ihres Bruders doch noch irgendwie zu retten.

In den folgenden fünf Jahren wächst die Ich-Erzählerin heran, sie beschäftigt sich weiter mit Physik und bekommt sogar Privatunterricht von einem ehemaligen Uni-Professor, sie wird selbstständiger und reift zu einer jungen Frau heran, doch sie weiß, daß sie all das vor ihrem Vater geheim halten muss. Der wird immer aggressiver und beginnt nun auch seiner Tochter gegenüber handgreiflich zu werden. Doch die möchte sich nicht zm Opfer machen lassen, sondern ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen und dabei auch ihren Bruder retten, der selbst immer grausamer und gefühlskälter wird.
Diese explosive Mischung steuert auf einen Höhepunkt zu, der es wirklich in sich hat und mich komplett zerstört zurückgelassen hat.

„Das wirkliche Leben“ ist ein Buch, das eine absolute Sogwirkung auf mich hatte. Auch wenn es stellenweise wirklich harte Kost ist, war ich von Anfang an voll in die Protagonistin investiert und musste einfach weiterlesen, um die Geschichte mit ihr zusammen durchzustehen.
Manche mögen diesem Buch handwerkliche Schwächen ankreiden, die ich zwar zum Teil nachvollziehen kann – immerhin haben wir es hier mit einem Debütroman zu tun – aber die ich jederzeit verzeihe, weil die Geschichte mich mit ihrer Intensität voll überzeugt hat.

Für mich ist „Das wirkliche Leben“ jedenfalls einer der Titel dieses Frühjahrs, den ich nur empfehlen kann, der aber auch nichts für schwache Nerven ist.

Alles neu im Mai?

Der April war ein unheimlich anstrengender, aber auch ereignisreicher Monat, in dem ich leider so gut wie gar nicht zum Bloggen gekommen bin.
Das liegt einfach daran, daß ich mit den Kindern zu Hause keine Zeit mehr habe, um die Ruhe zu finden, die ich brauche, um meine Gedanken zu formulieren. Wenn ich mir aber etwas Zeit freischaufeln kann, dann geht es an die Planung für die nächsten Podcast-Folgen, ans Skripte und Artikel schreiben.
Für „Mit Vergnügen“ haben Andi und ich zum Beispiel eine ganze Liste mit Buch-Tipps zusammengetragen, die ihr hier finden könnt.
Überhaupt waren die ersten Wochen, seit „Seite an Seite“ von Hugendubel übernommen wurde richtig arbeitsintensiv. Langsam finden Andi und ich aber in einen Rhythmus, mit dem wir ganz gut klar kommen und die Planung, Unterstützung und die Zusammenarbeit mit dem ganzen Team zahlt sich wirklich aus, denn was als kleines Wohnzimmerprojekt angefangen hat, schafft es mittlerweile in die Podcasts Charts.
Für Andi und mich ist das alles immer noch absolut surreal, aber wir haben extrem viel Spaß an der Sache und freuen uns über die Möglichkeiten, die sich uns durch dieses Projekt plötzlich bieten.

Ich habe mir die letzten Wochen überlegt, ob ich dieses Format hier weiterhin beibehalten soll, denn mein Leseverhalten hat sich durch den Podcast extrem verändert. Statt meiner durchgeplanten Monatsstapel, herrscht mittlerweile das kreative Chaos.
Immerhin müssen Andi und ich unsere Leseinteressen jetzt deutlich besser koordinieren, da rutscht dann immer mal wieder etwas rein oder raus, womit wir vielleicht vorher gar nicht gerechnet haben.
Also hatte ich überlegt, statt meiner Monatsstapel zu Monatsrückblicken zu wechseln. Da wir aber immer die Podcast-Folgen eines ganzen Monats im Vorfeld aufnehmen, wäre es vermutlich arg spoilerig, welche Titel ich dann alle gelesen habe.
Letztendlich bleibe ich nun doch bei meinem gewohnten Format und was es dann in die „Seite an Seite“-Episoden schafft ist weiterhin eine Überraschung.

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Beginnen wir den Monat gleich mit zwei Titeln, die euch vielleicht verwundern dürften: „Krokodilwächter“ und „Blutmond“ von Katrine Engberg.
Den dritten Teil ihrer Kopenhagen-Krimis – „Glasflügel“ – hatte ich zuletzt gelesen, warum jetzt aber so schnell noch die beiden Vorgänger, wenn ich doch aktuell damit beschäftigt bin, für den Podcast zu lesen?
Der Grund dafür freut mich sehr, denn am nächsten Dienstag, also am 05.05. werden Katrine und ich einen Livestream auf dem Instagram-Kanal von Hugendubel und Seite an Seite machen. Ich freue mich schon wahnsinnig darauf, diese unheimlich nette und spannende Autorin zu interviewen und will mich da vorher natürlich noch ein bißchen mehr in ihre Bücher einlesen.

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Zwei Titel, die ich dann auch noch im April gelesen habe, sind „Giovannis Zimmer“ von James Baldwin und „Die Schönheit der Begegnung“ von Frank Berzbach.

„Giovannis Zimmer“ erschien bereits in den 1950er Jahren und wurde jetzt – wie die anderen Werke von James Baldwin – neu übersetzt.
Soviel kann ich schon mal verraten: Selten habe ich so viele Post-it’s gebraucht, um großartige Stelle zu markieren, wie in diesem Buch.

Frank Berzbach habe ich im Februar kennengelernt, als der Eisele Verlag zu einem unheimlich schönen Verlagsabend eingeladen hatte, an dem ich mit lieben Kollegen und Buchhändlern aus ganz Bayern zusammen saß, aß und trank und nicht ahnte, daß ich schon bald darauf auf all das verzichten würde müssen…

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Ein weiterer Titel, der es noch in den April geschafft hat, ist „Tschudi“ von Mariam Kühsel-Hossaini.
In dieser literarischen Romanbiografie habe ich den Namen Hugo von Tschudi zum ersten Mal gelesen. – Dabei bin ich doch sonst ein echter Kunst-Nerd!
Der damalige Leiter der Nationalgalerie in Berlin war es, der Anfang des 20. Jahrhunderts die bekanntesten impressionistischen Werke nach Deutschland holte und der eine ganz persönliche Tragödie erleben musste…
Eine unheimlich spannende Figur und ein wahnsinnig schöner und literarischer Text!

Mitte Juni erscheint „Das Seidenraupenzimmer“ von Sayaka Murata, die mit „Die Ladenhüterin“ bekannt geworden ist.
Dieses Buch steht schon lange auf der Liste der Bücher, die ich unbedingt noch lesen wollte; nachdem nun aber schon das Leseexemplar ihres neusten Romans hereinschneite, habe ich mir jetzt wirklich vorgenommen, endlich etwas von Murata zu lesen.

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Zwei französische Titel, die sich ganz wunderbar draußen in der Sonne lesen lassen dürften (vielleicht sogar an einem See, der Balkon ist aber notfalls auch wieder gemütlich hergerichtet), sind „Hitze“ von Victor Jestin und „Du wirst mein Herz verwüsten“ von Morgane Ortin. Beide habe ich schon angelesen und beide machen unheimlich viel Lust auf mehr.

In „Hitze“ wird ein 17-jähriger Junge Zeuge eines Selbstmordes, doch anstatt zu helfen oder jemanden zu alarmieren, lässt er die Leiche verschwinden. Eine unheimlich intensive Ausgangssituation!

„Du wirst mein Herz verwüsten“ ist ein extrem spannendes Projekt, von dem ich hoffe, daß es auch wirklich konstant gut bleibt.
Morgane Ortin hat für dieses Buch nämlich reale Chatverläufe und SMS von anonymen Teilnehmern gesammelt und sie so arrangiert, daß sie eine durchgängige Geschichte bilden.
Ich liebe es ja sehr, wenn sich Autoren trauen, gängige Erzählstrukturen aufzubrechen und sich Neues trauen. Hoffentlich geht dieses Konzept auf!

Das ist also das Kuddelmuddel aus gelesenen, angelesenen und noch ungelesenen Titeln, mit denen ich mich auf jeden Fall noch im Mai beschäftigen werde.
Kennt ihr vielleicht den ein oder anderen davon?

Bis bald und bleibt gesund!
Eure Andrea.

Review: Fünf Lieben lang

Brrr… Kalt ist es geworden in den letzten Tagen, auf Instagram tauchen schon die ersten Schneebilder auf und auf meinem Rezensionsstapel wartet noch ein letztes Sommerbuch darauf, besprochen zu werden, doch irgendwie konnte ich mich bisher einfach nicht so recht motivieren, etwas zu „Fünf Lieben lang“ von André Aciman zu schreiben.
Nun ist sein neuster Roman „Find Me“, die Fortsetzung seines Weltbestsellers „Call Me by Your Name“ auf Englisch erschienen, deshalb noch ganz kurz mein Feedback zu „Fünf Lieben lang“.

Nein, begeistern konnte mich dieses Buch leider nicht.
Um ehrlich zu sein hat es mich sogar zum Ende hin regelrecht genervt.

Es geht darin um Paul, der von den fünf großen Liebesgeschichten seines Lebens erzählt.
Als Zwölfjähriger verliebt er sich auf einer kleinen italienischen Insel, auf der seine Eltern ein Ferienhaus besitzen, in den Kunstschreiner Giovanni, der für Pauls Familie kleine Reparaturarbeiten am Mobiliar ausführt.
Paul ist hingerissen von diesem Mann, er besucht ihn schon bald täglich unter dem Vorwand, ihm bei seinen Arbeiten helfen zu wollen, aber doch einfach nur, um in seiner Nähe zu sein…
Jahre später lebt Paul dann in New York mit der smarten Journalistin Maud zusammen, doch als er sie eines Tages zufällig beim Mittagessen mit einem anderen Mann sieht, verzweifelt er vor lauter Eifersucht…
Dann folgen Manfred, den Paul lange nur aus der Ferne bewundert, Chloe, mit der ihn eine lange Beziehung verbindet, die aber immer wieder an der Realität scheitert und zum Schluß, als Paul bereits ein wenig in die Jahre gekommen ist, noch die junge Heidi, mit der plötzlich alles noch einmal möglich scheint…

Während ich die ersten beiden Geschichten, besonders die um Maud, wirklich gut fand und sie gerne gelesen habe, begann mir das Buch aber mit jeder weiteren „Liebe“ mehr und mehr auf die Nerven zu gehen.
Denn jede Geschichte hat am Ende immer einen kleinen Kniff, der sich ständig wiederholt. Da der Roman in der ersten Person verfasst wurde, schlüpft man automatisch in Pauls Rolle, man leidet mit ihm mit und wird dann zum Schluss immer wieder von einer Information überrascht, die uns bis dahin vorenthalten wurde und die all den Liebeskummer dann doch stark relativiert.
Beim ersten Mal mag das noch ein überraschender Kunstgriff sein, durch die ständige Wiederholung dieses Kniffs in den folgenden Geschichten macht es Paul einfach nur noch unsympathisch.

Letztendlich geht es in diesem Buch nicht um die Liebe, sondern um einen alternden, egozentrischen Mann, der wohl mehr in das Gefühl des Verliebtseins verliebt ist, als in die Menschen in seinem Leben.
Das ist – trotz erfreulicher Diversität – ein Thema, mit dem ich einfach durch bin…

Ab in den Urlaub im August!

Willkommen im August!
Unfassbar, wie schnell das Jahr vergeht… Die Kinder haben jetzt Ferien und ich werde in anderthalb Wochen meinen Sommerurlaub beginnen.
Traditionell ist das der Monat des Jahres, in dem ich am wenigsten lese. Immerhin müssen die Kinder bespaßt werden und der Kleinste ist eindeutig noch zu klein, um ihm im Schwimmbad oder am See seinem Schicksal zu überlassen. Für drei Wochen werde ich auch nicht in die Arbeit Pendeln, was meine Lesezeit dann doch stark einschränkt.
Natürlich ist es aber auch die Zeit des Jahres, in der sich meine Regale unter den ganzen Leseexemplaren biegen, die gelesen werden wollen, um den Kunden dann die wichtigsten Neuheiten empfehlen zu können.

Diesen Herbst finde ich unheimlich spannend; wir haben wenige große Namen in den Programmen, dafür aber sehr vielversprechende Debütanten und Autoren, die schon vor ein paar Jahren ein erstes erfolgreiches Buch veröffentlicht haben und nun beweisen müssen, daß sie keine One Hit Wonder sind.

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Ein Backlist-Titel hat sich dann aber trotz der ganzen Novitäten eingeschlichen:
Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse von Thomas Meyer stand schon lange auf meiner Liste, jetzt kam gerade die wunderschön illustrierte Ausgabe der Büchergilde Gutenberg auf den Markt.
Also schnell her damit, bevor Mitte September der zweite Teil „Wolkenbruchs waghalsiges Stelldichein mit der Spionin“ bei Diogenes erscheint!

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Für den Podcast haben sich mein Kollege Andi und ich dann wieder auf zwei Titel geeinigt, die wir gemeinsam lesen und besprechen werden: Auf Erden sind wir kurz grandios von Ocean Vuong und Wir von der anderen Seite von Anika Decker.

Auf den ersten Blick haben die Titel vielleicht nicht viel gemeinsam, aber beide Autoren bringen schon Erfahrung mit, auch wenn dies ihre ersten Romane sind. Ocean Vuong hat sich in den USA bereits einen Namen als Lyriker gemacht, während Anika Decker als Drehbuchautorin hinter Filmen wie „Keinohrhasen“ steht.
Beide Autoren verarbeiten in ihren Büchern außerdem sehr persönliche Erfahrungen: Ocean Vuong schreibt über die Suche nach seiner Identität als homosexueller, vietnamesischer Einwanderer und Anika Decker setzt sich mit ihrer lebensbedrohliche Erkrankung und dem Kampf zurück ins Leben auseinander.

Mit Wir von der anderen Seite habe ich übrigens schon angefangen (obwohl ich meine Monatsstapel traditionell wirklich erst am Ersten des Monats beginne, aber ich brauchte dringend einen Ausgleich zu all den traurigen Büchern im letzten Monat) und bin unheimlich begeistert von Anika Deckers feinfühligem Humor.

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Zwei Titel, auf die ich schon sehr gespannt bin sind „Das Licht ist hier viel heller“ von Mareike Fallwickl und „Miroloi“ von Karen Köhler.
Mareike Fallwickl hatte ja mit Dunkelgrün fast schwarz ein wirklich aufsehenerregendes Debüt hingelegt, das mich sehr beeindruckt hat, Karen Köhler hat sich mit dem Erzählband „Wir haben Raketen geangelt“ einen Namen gemacht.

Vor Kurzem traf ich Karen Köhler bei einem wirklich netten Abendessen zu dem der Hanser Verlag eingeladen hatte und ich war sofort gefangen von der Lesung, die die Autorin da hingelegt hat. Da hat sich die Schauspielausbildung gelohnt!

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Zwei weitere Romane, auf die ich schon sehr gespannt bin sind „Der Sprung“ von Simone Lappert, auf den ich mich freue, seit die fabelhaften Diogenes-Damen auf der Leipziger Buchmesse von diesem Titel erzählt haben. Jetzt darf das Buch mit in den Urlaub!
Außerdem hört sich der Debütroman „Schöner als überall“ von Kristin Höller sehr vielversprechend an!

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Ein weiterer Titel, der mit in den Urlaub darf, ist „Fünf Lieben lang“ von André Aciman. Ich muss zugeben, daß ich immer noch nicht dazu gekommen bin, „Call Me by Your Name“ zu lesen und auch den Film habe ich bisher nicht gesehen. Dann beginne ich wohl einfach mit Acimans neustem Roman, während sein bekanntestes Buch weiterhin auf meiner Lesen!-Liste steht.

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Als illustriertes Sachbuch freue ich mich diesen Monat sehr über „Die wundersamen Zwölf – Kuriose Säugetiere, die tatsächlich existieren“ von Rae Mariz und der Künstlerin Moki, deren Graphic Novel „Sumpfland“ ich ja vor Kurzem vorgestellt habe.
Darin werden wirklich seltsame Geschöpfe, wie der Langschnabeligel oder der Wüstengoldmull vorgestellt und natürlich darf auch das Schuppentier nicht fehlen! Immerhin ist es das Verlagsmaskottchen des fabelhaften Reisedepeschen Verlags.

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Literarisch wird es dann bei den Graphic Novels.
Der Künstler Andreas Eikenroth hat sich nämlich Georg Büchners „Woyzeck“ vorgenommen und grafisch inszeniert. Dabei hat er den Text ein wenig modernisiert und auch die Handlung vom Anfang des 19. Jahrhunderts in die Weimarer Republik geholt.
Für mich war der „Woyzeck“ ja als Schullektüre ein Graus, diese Umsetzung gefällt mir allerdings sehr gut!

Und im Splitter Verlag erschien nun „Victor Hugo – Im Exil“ von Esther Gil und Laurent Paturaud. Darin wird die Entstehungsgeschichte von „Les Misérables“ zwar fiktiv geschildert, allerdings haben sich die Autoren wohl an realen Ereignissen orientiert.
Ich bin gespannt!

Ganz schön viel vorgenommen habe ich mir da, hoffentlich komme ich wenigstens halbwegs zum Lesen!

Was liegt auf Euren Lesestapeln und auf welche Neuerscheinungen freut Ihr Euch in diesem Herbst schon am meisten?

Ich wünsche Euch einen sonnigen August,
Eure Andrea

Review: The October Man

Auf den Oktober freue ich mich dieses Jahr schon sehr, denn dann wird Ben Aaronovitch bei uns im Laden zu Gast sein, um sein neustes Buch „Der Oktobermann“ vorzustellen.
Als großer Fan der Rivers of London-Reihe schnappte ich mir diesen Band natürlich gleich auf Englisch und war dann zugegebenermaßen ein bißchen überrascht…
Ich hatte zwar gesehen, daß dieser Teil in Deutschland spielen würde, daß es allerdings ganz ohne Peter Grant und Co ablaufen würde… damit hatte ich nicht gerechnet.
Denn auch wenn auf der englischen Ausgabe frech „A Rivers of London Novella“ steht, betritt in „The October Man“ ein völlig neuer Ermittler die Bühne: Tobi Winter vom KDA, der Abteilung für Komplexe und diffuse Angelegenheiten des Bundeskriminalamts. Man könnte es wohl als das deutsche Äquivalent der Folly bezeichnen, wäre hier nicht alles streng reglementiert und mit preußischer Effizienz durchorganisiert.
Wer jetzt aber glaubt, daß damit der Charme der Reihe verlorengeht, der irrt, denn Tobias Winter ist zwar deutlich organisierter und abgeklärter als Peter Grant, aber deshalb nicht weniger liebenswert.

An einem Weinberg in Trier wird eine seltsam entstellte Leiche entdeckt: der gesamte Körper ist von einem Pilz überzogen, der dazu eingesetzt wird, Weine zu veredeln und der eigentlich nicht auf den Menschen übergreifen kann. Ein Fall für die Abteilung KDA?
Tobi Winter reist an, um sich selbst ein Bild der Lage zu machen und wird vor Ort von einer Ermittlerin betreut, die zur Belustigung aller ausgerechnet Vanessa Sommer heißt.

Schnell wird klar, daß Magie beim Tod des Mannes definitiv eine Rolle gespielt haben muss und so beginnen Tobi und Vanessa, die sich erst an den Gedanken gewöhnen muss, daß ihr neuer Partner zaubern kann, zu ermitteln.
Dabei stoßen sie auf eine seltsame Trinkbruderschaft, ein altes Familiengeheimnis und natürlich auf die obligatorischen Flußgöttinnen…

„The October Man“ ist Aaronovitchs zweite Novella nach The Furthest Station und mit knapp 180 Seiten zwar ein kurzes, aber absolut lohnendes Lesevergnügen.

Das beeindruckende an dieser Geschichte ist, daß es Ben Aaronovitch gelungen ist, einen weiteren magischen Ermittler zu schaffen, der aber einen ganz eigenen Erzählton und eine völlig andere Herangehensweise hat. Dabei arbeitet er die Unterschiede zwischen England und Deutschland auf eine wirklich pointierte Art und Weise heraus, ohne dabei die typischen Klischees zu bedienen.
Denn wenn man in der Folly auf Ergebnisse aus anderen Abteilungen wartet, dann sind in der Regel die überarbeiteten, unterbesetzten Kollegen schuld, daß es nicht vorangeht. In Deutschland wird auf die Uhr geschaut, lakonisch festgestellt, daß die Beamten bereits Feierabend haben und der Rest der Ermittlung bis zum Dienstbeginn am nächsten Tag verschoben.

Überhaupt merkt man, daß Ben Aaronovitch sich Hilfe aus Deutschland geholt hat, denn es gibt keinen einzigen Fehler, wenn einmal etwas auf Deutsch gesagt wird. Wie oft habe ich schon englische Bücher gelesen, in denen plötzlich deutsche Figuren auftreten, die dann ein Kauderwelsch von sich geben, für das sich selbst der Google Translator schämen würde?
Sogar einen kleinen Schwaben-Witz bringt Aaronovitch locker unter! Da macht es auch Deutschen Spaß, das Buch im Original zu lesen.

Wer ein bißchen traurig ist, auf Peter Grant und Thomas Nightingale verzichten zu müssen, der sei getröstet… „The October Man“ bietet einen ganz großartigen Einblick in die Welt der Magie außerhalb der Folly und man beginnt zu ahnen, daß mit der Ausbildung von Peter etwas ins Rollen gebracht wurde, das weitreichendere Konsequenzen hat, als man bisher ahnen konnte.
Es gibt auch eine herrliche Szene, in der Tobi Abends im Bett liegt, an Peter Grant denkt und sich fragt, ob Peter wohl weiß, daß es ihn – also Tobi – überhaupt gibt…

Die Geschichte macht absolut Lust auf mehr vom Winter/Sommer-Team und lässt auf ein Crossover mit der Folly hoffen.
Für Fans ein absolutes Muss, auch ohne die üblichen Protagonisten!

Die deutsche Übersetzung „Der Oktobermann“ erscheint Ende September bei dtv.

Neue Bekannte und alte Freunde im März

Schön langsam wird es Frühling und vor der Leipziger Buchmesse schneien gerade viele Neuerscheinungen ins Haus.
Mit dabei sind dieses mal zwei alte Bekannte, zwei Bücher von Autoren, die mir völlig neu sind und zwei Titel, die irgendwo dazwischen liegen.

Fangen wir mit den alten Freunden an, zu denen es auch schöne Geschichten gibt…

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Vea Kaiser hat mich vor Jahren mit Blasmusikpop oder Wie die Wissenschaft in die Berge kam“ schwer begeistert.
Wie es der Zufall so wollte hatte ich dieses Buch ausgerechnet dabei, als ich meine beste Freundin im Sommerhäuschen ihrer Familie im Blauen Land besuchte.
Ich las das Buch während ich mich gemütlich auf der Veranda sonnte, hinter dem Haus weideten die Kühe vorbei und bimmelten mit ihren Glocken, ab und zu tuckerte ein Traktor weiter unten durchs Dorf und wenn ich aufblickte sah ich die Zugspitze.
Für „Blasmusikpop“ hätte ich wohl keinen besseren Leseplatz wählen können und schon allein deshalb war es ein absolutes Lesehighlight für mich.

Auch Vea Kaisers zweiten Roman Makarionissi oder Die Insel der Seligen“ habe ich begeistert gelesen, obwohl ich zu diesem Zeitpunkt nicht in Griechenland war.
Nun freue ich mich schon sehr auf ihr neustes Buch Rückwärtswalzer oder Die Manen der Familie Prischinger.

Und wenn alles klappt, sehe ich Vea Kaiser auch demnächst auf der Leipziger Buchmesse.
Ich bin schon gespannt!

Eine ebenfalls alte Bekannte ist Ingrid Noll.

Ich weiß noch, wie ich damals meinen ersten Roman von ihr gelesen habe: es war vor ziemlich genau zwanzig Jahren. Ich war 17 und verbrachte das Wochenende bei einer Freundin (nicht die mit dem Sommerhäuschen).
Dort war ich im Zimmer ihrer Schwester untergebracht, die ihrerseits das Wochenende bei Freunden verbrachte und die ein wirklich schönes Bücherregal neben dem Bett stehen hatte.

Da die ganze Familie ausgesprochene Langschläfer waren und ich morgens hungrig und einsam war, aber niemanden wecken wollte, griff ich mir eines der Bücher aus dem Regal der Schwester: „Die Häupter meiner Lieben“.

Ich las es in einem Rutsch durch und erschien dann – trotz des frühen Aufwachens und des Hungers – als Letzte am Frühstückstisch. Das Buch hatte mich an diesem Morgen völlig ans Bett gefesselt.

In der Ausbildung schnappte ich mir noch „Kalt ist der Abendhauch“, aber seltsamerweise habe ich danach nichts mehr von Ingrid Noll gelesen. Dabei fand ich ihre Titel sehr humorvoll und kurzweilig.

Nachdem mich aber vor Kurzem eine regelrechte Nostalgiewelle überrollte, dachte ich mir beim Stöbern im neuen Diogenes Programm: „Warum eigentlich nicht?“
Und so durfte Nolls neustes Buch Goldschatz auf meinem Lesestapel Platz nehmen.

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Zwei Autorinnen, von denen ich zwar schon etwas gelesen habe, wenn auch noch keinen Roman sind Hiromi Kawakami und Elena Ferrante.

Von Kawakami habe ich letzten Sommer Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß als Graphic Novel mit im Südtirol-Urlaub gehabt. Vermutlich lässt sich daraus nicht viel auf ihren Schreibstil schließen, aber die Geschichte gefiel mir gut und deshalb fand ich es an der Zeit, einmal einen richtigen Roman von ihr zu lesen, nämlich ihr neustes Buch Die zehn Lieben des Nishino.

Auch von Elena Ferrante habe ich bisher keinen Roman, sondern nur die Kurzgeschichte Der Strand bei Nacht gelesen.
Frau im Dunkeln hörte sich jedenfalls spannend an und die Besprechungen, die ich bisher davon gelesen habe, haben mich wirklich neugierig gemacht.

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Kommen wir nun zu zwei Titel von mir noch völlig unbekannten Autoren.
„Worauf wir hoffen“ von Fatima Farheen Mìrza wäre wohl nicht auf meiner Leseliste gelandet, gäbe es die gute Jen Campbell und ihren fabelhaften YouTube-Kanal nicht.
Denn in der Liste ihrer Lieblingsbücher des letzten Jahres landete „A Place for us“, die englische Ausgabe dieses Titels auf Platz 1!

Da ich mit Jens Empfehlungen bisher gute Erfahrungen gemacht habe, wollte ich mir dieses Buch auf keinen Fall entgehen lassen.

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Zu guter Letzt durfte diesen Monat natürlich auch kein Sachbuch fehlen.
Als verhinderte Forscherin war ich sehr dankbar für den Tipp zu Christopher Kemps Buch Die verlorenen Arten – Große Expeditionen in die Sammlungen naturkundlicher Museen.

Das hört sich nun erstmal nicht besonders reißerisch an, aber ich finde es faszinierend, was alles noch unentdeckt in den Schubladen großer Museen vor sich hinschlummert.
Sollte jemand daran zweifeln, dann empfehle ich den YouTube-Kanal „The Brain Scoop“ mit Emily Graslie. Wer naturkundliche Museen danach immer noch langweilig findet, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen! 😉

Das ist er also, mein Märzstapel!
Kennt Ihr schon den ein oder anderen Titel?
Auf welche Novitäten freut Ihr Euch besonders?
Und seid Ihr auch auf der LBM und wenn ja: habt Ihr Tipps für mich?

Liebe Grüße und einen guten Start in den Frühling,
Eure Andrea