Review: Kintsugi

Seit zwanzig Jahren sind Max und Reik nun ein Paar.
Anlass genug also, ein Wochenende in ihrem Ferienhaus am See zu verbringen und mit den wichtigsten Menschen in ihrem Leben zu feiern: Tonio und Pega.
Alle vier sind ziemliche Charakterköpfe; Reik der Künstler, Max der Universitätsprofessor, Tonio der als Teenager eine kurze Liebelei mit Reik hatte und dann, kaum daß er volljährig war Vater wurde und seine Tochter Pega, die ohne Mutter aufgewachsen ist und stattdessen von ihrem jungen Vater, Max und Reik großgezogen wurde.

Auf den ersten Blick ist es die perfekte Idylle: Das hübsche Haus am zugefrorenen See, die Ruhe und Abgeschiedenheit, das Paar, das alle Höhen und Tiefen gemeinsam gemeistert hat und der stolze Vater, dessen Tochter mittlerweile schon erwachsen ist und studiert.
Doch unter der Oberfläche brodelt es, denn jeder der vier hat Geheimnisse, die er den anderen – und in manchen Fällen auch sich selbst – nur schwer eingestehen kann.
Während Reik sich sehnlichst ein Kind wünscht, was Max kategorisch ablehnt, bekommt Tonio die Nachricht, daß er vielleicht wieder Vater wird. Doch seine neue Beziehung hat er bisher geheim gehalten; vor allem vor seiner Tochter Pega und das hat Gründe…
Pega dagegen könnte sich nicht weniger für das Liebesleben ihres Vaters interessieren, denn sie ist zu sehr mit ihren eigenen Herzensangelegenheiten beschäftigt. Nur Reik scheint zu ahnen, wie unglücklich verliebt Pega ist, doch darüber sprechen kann sie mit keinem der drei Männer. Und auch das hat Gründe…

Schon bald werden die Risse unter der scheinbar perfekten Oberfläche sichtbar und es stellt sich die Frage, ob die Beziehungen und Freundschaften der vier daran zerbrechen, oder ob es gelingt all das wieder zusammenzufügen, wie bei der japanischen Reparaturmethode Kintsugi, in der Bruchkanten mit Gold gekittet und so veredelt werden.

Miku Sophie Kühmels Debütroman „Kintsugi“ war ja letztes Jahr in aller Munde. Er landete nicht nur auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises, sondern gewann unter anderem auch den aspekte-Literaturpreis.
Ich habe nicht eine Stimme gehört, die nicht absolut begeistert von diesem Roman war. Aber vielleicht war gerade das mein Problem und ich bin mit absolut übersteigerten Erwartungen an diese Geschichte herangegangen.
Ich fand „Kintsugi“ wirklich gut, ein absolut gelungenes Debüt und trotzdem konnte es mich nicht so packen, wie es offenbar bei all den anderen Lesern der Fall war.

Lange habe ich hin und her überlegt, woran es liegen könnte, aber so ganz kann ich den Finger nicht darauf legen…
Ich fand die Charaktere einfach irgendwie zu glatt. Alles in ihrer Welt scheint perfekt zu sein. Alle sehen sie gut aus, das Haus, der Wald, der See, die komplette Einrichtung scheint einem Bildband entsprungen zu sein und nun kann man natürlich argumentieren, daß eben diese nach außen hin sichtbare Perfektion im krassen Kontrast zu den Gefühlswelten der Figuren stehen, aber selbst ihre Probleme kamen mir einfach zu konstruiert vor. Alles schien mir so klar abgesteckt, wie auf dem Reißbrett entworfen. Jeder Charakter und sein innerer Konflikt ließen sich in einem einzigen Satz zusammenfassen und so einfach ist die Welt eben nicht. Das ist für mich auch der Unterschied zwischen einem gut konzipierten Roman und einer Geschichte, in die ich komplett eintauchen kann und deren Protagonisten für mich greifbar werden.
Vielleicht spielt da auch der sehr geschliffene Erzählstil eine Rolle, in der zwar jede der Figuren einen Teil der Handlung schildert, deren Ton aber immer der gleiche bleibt.

Wie schon gesagt; trotz meiner Kritikpunkte empfand ich „Kintsugi“ als wirklich gelungenes Debüt, das mich weitere Romane von Miku Sophie Kühmel mit Spannung erwarten lässt. Dem Hype bin ich allerdings nicht verfallen.

Review: Antigone

Wer heutzutage Sophokles liest, der tut das wohl meist während der Schulzeit. Zumindest kommt es mir als Buchhändlerin so vor, wenn ich in die unmotivierten Gesichter der Kunden blicke, die nach „Antigone“, „König Ödipus“ oder „Elektra“ in der zweisprachigen Reclam-Ausgabe fragen.
Ich selbst hatte nie Griechisch in der Schule und tatsächlich auch keine einzige Unterrichtsstunde zu den großen antiken Tragödien. Klar kennt man in meinem Beruf die Namen, Titel und von einigen auch den groben Inhalt, doch „Antigone“ war eines der Dramen, von denen ich im Vorfeld absolut gar nichts wusste.

Umso spannender fand ich also, daß eben dieser Stoff vom Carlsen Verlag für ihre Graphic Novel-Reihe „Die Unheimlichen“ aufgegriffen wurde.
Vor etwa einem Jahr hatte ich Euch aus dieser Serie bereits Das Wassergespenst von Harrowby Hall vorgestellt, nun erschien diesen Winter „Antigone“ in der Bearbeitung der Comic-Künstlerin Olivia Vieweg, die man von ihrem Drehbuch zum Zombie-Film „Endzeit“ und der darauf basierenden Graphic Novel kennt.

Mit düsteren Themen kennt sich Olivia Vieweg also bestens aus, kein Wunder also, daß sie nun auch einen Teil zu den „Unheimlichen“ beisteuert.
Wer die Reihe noch nicht kennt: Hier interpretieren bekannte Illustratoren klassische Schauergeschichten in ihrem ganz persönlichen Stil neu. – Ein wirklich spannendes Projekt, in das man unbedingt mal reinblättern sollte.

„Antigone“ ist wohl eines der berühmtesten antiken Dramen.
Die titelgebende Heldin ist die Schwester von Polyneikes und Eteokles, die nach dem Tod ihres Vaters König Ödipus beschließen, sich die Herrschaft über Theben zu teilen und abwechselnd zu regieren.
Lange geht das nicht gut und als Eteokles die Herrschaft nicht mehr abgeben will, zettelt sein Bruder eine Rebellion an, die mit dem Tod der beiden endet.
Ihr Onkel Kreon lässt sich daraufhin zum König von Theben ausrufen und verfügt, daß Polyneikes nicht begraben werden darf. Antigone verliert bei dem Gedanken an ihren toten Bruder, der vor der Stadt von wilden Tieren gefressen wird fast den Verstand und nimmt die Dinge in ihre eigenen Hände. Obwohl sie damit das Gesetz bricht, beerdigt sie Polyneikes und wird daraufhin von ihrem Onkel dazu verurteilt, lebendig eingemauert zu werden…

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Wie Anfangs erwähnt hatte ich ja mit diesem Drama noch keine Bekanntschaft gemacht und auch nichts zum Inhalt parat. Ich wusste also absolut nicht, was mich erwarten würde und war dann doch ziemlich geschockt, wie aufreibend und aktuell die Geschichte um Antigone ist, für die der moralischer Kompass wichtiger ist, als willkürliche Gesetze.
In Zeiten, in denen civil disobedience wieder zum Thema wird und in denen Kinder auf die Straße gehen, um für eine bessere Zukunft zu protestieren, wirkt die Geschichte von Antigone, die sich gegen das Gesetz auflehnt, um das zu tun, was richtig ist, alles andere als angestaubt.

Olivia Vieweg setzt die Geschichte in ihrem unverkennbaren Stil und mit starken Kontrasten zwischen den Grautönen bei Landschaft und Menschen und einem tiefen Rot für Sonne und Blut in Szene.
Dabei erzählt sie nicht die ganze Geschichte und lässt das Ende bewusst offen. – Irgendwie passt das zu den Zeiten in denen wir gerade leben…

Review: West, West Texas

Gibt etwas schöneres, als das neue Jahr mit einem Titel zu beginnen, der ganz zufällig auch im Januar spielt?

In der Graphic Novel „West, West Texas“ von Tillie Walden begeben sich zwei junge Frauen auf einen Roadtrip, der schon bald unerwartete Wendungen nimmt…

Lou hat sich seit dem Tod ihrer Mutter in die Arbeit gestürzt, sich keinen Urlaub, keine Auszeit gegönnt, doch nun ist sie völlig ausgebrannt. Also beschließt sie, sich mit ihrem kleinen Wohnwagen auf die mehrtägige Reise nach Texas zu machen, um dort ihre Tante zu besuchen und auf der langen Fahrt hoffentlich ein wenig zur Ruhe zu kommen.
Doch schon an der ersten Tankstelle läuft ihr die 18-jährige Bea, die Tochter einer Nachbarin, über den Weg.
Schnell wird klar, das Bea von zu Hause abgehauen ist, aber keine rechte Ahnung hat, wohin sie eigentlich will. Also entschließt sich Lou, sie ein Stück weit mitzunehmen.
Die beiden sind jedoch zunächst sehr unfreiwillige Begleiterinnen; sowohl Lou als auch Bea haben Probleme, mit denen sie zu kämpfen haben, beide sind nicht besonders aufgeschlossen, leicht reizbar und geraten mitunter schnell aneinander. Trotzdem beginnen sie sich einander nach und nach zu öffnen und über die Dinge zu sprechen, die sie beide auf diesen Weg geführt haben.
Alles ändert sich jedoch, als Bea und Lou ein Kätzchen finden, auf deren Marke eine Adresse in West, West Texas eingraviert ist. Kurzerhand packen die beiden die kleine Katze, die sie Diamond nennen ein, um sie zu ihrer Familie zurückzubringen, doch ab diesem Zeitpunkt nimmt die Geschichte eine überraschende Wendung…
Das Wetter spielt immer mehr verrückt, die Landschaft scheint sich zu verändern und plötzlich tauchen bedrohlich wirkende Männer auf, die offenbar hinter Diamond her sind.
Schnell wird aus dem Roadtrip eine immer surrealere Verfolgungsjagd, auf der sich Bea und Lou nicht nur ihren mysteriösen Verfolgern, sondern auch ihren eigenen Ängsten stellen müssen.

„West, West Texas“ hat mich sehr berührt und beschäftigt.
Was als eine einfache Geschichte über zwei junge Frauen beginnt, die sich eine Auszeit vom Leben nehmen müssen, um mit ihren Problemen klarzukommen, entwickelt ich nach und nach zu einer fantastischen Geschichte in der die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit immer mehr verschwimmen.

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Tillie Waldens Illustrationsstil ist an sich recht einfach, mit flächigen Kolorierungen, die meist über mehrere Seiten Ton in Ton gehalten sind, trotzdem schafft sie es, nicht nur große Emotionen einzufangen, sondern auch den Spagat zwischen den Landschaften der wirklichen Welt und denen der Traumwelt ohne Stilbruch zu machen.

„West, West Texas“ war für mich wohl eine der berührendsten Graphic Novels des letzten Jahres und am liebsten würde ich mich jetzt selbst mit einem winzigen Wohnwagen ins Abenteuer stürzen.

Abschiede und Neuanfänge im Januar

Das neue Jahr ist angebrochen und so wie es aussieht, steht mir ein turbulentes Jahr bevor…
Vieles ist noch nicht spruchreif und deshalb kann ich nicht viel darüber sagen, allerdings habe ich das Gefühl, das neue Jahr türmt sich mit seinen Möglichkeiten, Projekten und Veränderungen geradezu gewaltig vor mir auf.

Ähnlich sieht es auch auf meinem Nachtkästchen aus, auf dem noch einiges von den letzten Monatsstapeln liegen geblieben ist und das noch dringend gelesen und rezensiert werden will.

Damit ich also nicht völlig überwältigt werde, habe ich mich – trotz all der Novitäten, die gerade nach und nach eintrudeln – dafür entschieden, es im Januar nochmal ruhig angehen zu lassen und mir nur wenig Neues vorzunehmen.

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Ein Roman abseits des Mainstreams, auf den ich schon gespannt bin, ist „Zeppelinpost“ von Florian Scherzer aus dem kleinen, feinen Hirschkäfer Verlag.
Darin geht es um eine Brieffreundschaft zwischen München und Brasilien, Anfang der 1930er Jahre.
Ähnlich wie manche Menschen sich heutzutage eine Art alternatives Leben auf Instagram oder Facebook aufbauen, in dem es mehr um Schein als Sein geht, erfindet sich hier ein Mann in Briefen neu.
Eine fesselnde Idee, die sich wohl im Laufe der Geschichte zu einem Kriminalfall entwickelt… Ich bin schon gespannt und werde berichten!

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Ein Titel, der irgendwo zwischen Roman und Sachbuch liegt, ist „Three Women – Drei Frauen“ von Lisa Taddeo, der am 13.01. erscheinen wird.
Taddeo hat drei Frauen über einen Zeitraum von acht Jahren begleitet und die Geschichten ihrer Wünsche und Ängste in eine literarische Form gebracht.
In den USA stieg „Three Women“ sofort auf Platz 1 der New York Times Bestseller Liste ein und war dort eines der meistdiskutiertesten Bücher des letzten Jahres.
Vor ein paar Wochen hatte ich die schöne Gelegenheit, Lisa Taddeo persönlich kennenzulernen und ich bin schon sehr gespannt, ob dieser Titel für ähnliche Furore in Deutschland sorgen wird, wie in den USA.

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Ein Sachbuch, das vielleicht die wenigsten von Euch auf den Leselisten haben werden, das mich aber mit den ersten Kapiteln schon sehr begeistern konnte, ist „Das Evangelium der Aale“ von Patrik Svensson, das am 27. 01. erscheinen wird.
Ja, es geht darin tatsächlich um Aale und eigentlich finde ich diese Tiere doch ein wenig eklig, aber Svensson schreibt so poetisch und interessant, daß ich schon seit Tagen meine Familie mit Aal-Fakten nerve.

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Ein ganz wunderbares Bilderbuch für Groß und Klein habe ich vor kurzem mit meinem Kleinen gelesen und möchte es Euch auch ganz bald vorstellen: „Das Stundenbuch des Jacominus Gainsborough“ von Rébecca Dautremer.
Darin geht es um das Leben eines kleinen Hasen von der Wiege bis zur Biege…
Das Ganze ist wirklich unheimlich schön illustriert und geht sehr ans Herz. – Bald also mehr davon!

Und recht viel mehr gibt es in diesem Monat schon gar nicht mehr…
Jetzt wird es also erstmal Zeit, den SUB in Angriff zu nehmen.

Habt Ihr irgendwelche spannenden Pläne für 2020?

Liebe Grüße,
Eure Andrea

 

 

Mein Lesejahr 2019

2019… Was für ein Jahr!
Es ist so unheimlich viel passiert hier auf dem Blog, daß ich fast gar nicht glauben kann, daß das alles in 365 schmale Tage gepasst haben soll.
Deshalb heute ein Rückblick auf das vergangene und ein kleiner Ausblick auf das nächste Jahr…

Vor ein paar Tagen stand die YouTuberin Dana Newman von „Wanted Adventure“ im Laden und rief begeistert: „It’s our one year anniversary!!!“ – Unglaublich, wie schnell die Zeit vergeht.
Danas YouTube-Kanal kannte ich schon seit Jahren, also war es für mich ein wenig surreal, als wir Ende letzten Jahres ins Gespräch kamen. Sie hatte zu diesem Zeitpunkt gerade „You go me on the cookie“ veröffentlicht; ein wirklich unheimlich lustiges Buch darüber, welche Herausforderung es ist die deutsche Sprache zu lernen, wenn sie ganz offensichtlich keinen logischen Regeln zu folgen scheint.
Im Januar trafen wir uns dann zu einem Interview – das erste übrigens auf diesem Blog – und schafften es im Sommer sogar, einen Buch-Event im Laden zu organisieren – übrigens auch meine erste Erfahrung dieser Art.
Und auch wenn ich an diesem Tag extrem nervös war, ob alles klappen würde, war der Event im Nachhinein ein wirkliches Highlight für mich, denn es kamen an die hundert Fans; einige sogar aus Düsseldorf und Salzburg!

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Tausend Dank an Dana für die Fotos, ich war an dem Tag offenbar zu beschäftigt damit, an einer Säule zu lehnen (rechts oben) anstatt Bilder zu machen…

Im Laden ist aber auch abgesehen davon viel passiert!
Es vergeht kaum eine Woche, ohne einen spannenden Event und es macht wirklich unheimlichen Spaß, da an vorderster Front mit dabei zu sein, auch wenn es meistens bedeutet, verdammt viele Stühle zu schleppen. 😉

Veranstaltungen, die mich ganz persönlich begeistert haben, waren die „Seitenspringer“ Karla Paul und Günter Keil, die mit ihrem Literaturduell für Stimmung und viel Leseinspiration sorgten.

Dann war da noch Ben Aaronovitch, dessen „Flüsse von London“-Bücher ich ja schon seit Jahren liebe und der gemeinsam mit dem Hörbuchsprecher Uve Teschner seinen neusten Titel „Der Oktobermann“ vorstellte.

Ein weiteres Highlight war der literarische Abend, den meine Kollegin Lalena organisierte. Zum Thema „Abgründe“ hatte sie Corinna T. Sievers („Vor der Flut“),  Luba Goldberg-Kuznetsova („Lubotschka“), Gunther Geltinger („Benzin“) und Gunnar Kaiser („Unter der Haut“) eingeladen.
Es war ein wirklich toller Event und viele Gäste meinten danach, daß sie selten so einen ungezwungenen und entspannten Autorenabend erlebt hätten. Ich hoffe also sehr, daß es nicht bei diesem einen literarischen Abend bleiben wird.

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Langweilig kann jeder… Bei uns im Laden ist dafür immer was los! Egal ob Literaturbattle, Autorenabend, Lesung oder Signierstunde…

Aber auch die Verlage luden zu Autorentreffen ein.
Im Frühling lernten wir beim Hanser Verlag Karen Köhler kennen, kurz bevor „Miroloi“ veröffentlicht wurde. Es war ein wirklich lustiger, entspannter Abend, bei dem uns Karen mit ihrer Erzählstimme absolut einnehmen konnte.
Außerdem wurde ich zu Joel Dickers Buchpräsentation von „Das Verschwinden der Stephanie Mailer“ ins Literaturhaus eingeladen.
Ein unheimlich sympathischer Autor, der im Interview verriet, daß er die verschiedenen Handlungsstränge und Zeitebenen tatsächlich alle während des Schreibprozesses im Kopf behält und sich kaum Notizen macht. Ich war schwer beeindruckt!

Dank des Eichborn Verlags hatte ich dann im Sommer die Möglichkeit, mit der kanadischen Erfolgsautorin und zweifachen Giller-Prize Gewinnerin Esi Edugyan ein Interview zu führen.
Ihr neustes Buch „Washington Black“ schaffte es letztes Jahr auf die „Bücher des Jahres“-Liste von Barack Obama und soll demnächst verfilmt werden.
Natürlich war ich unheimlich nervös, mich bei einem Interview mit einer so intelligenten und erfolgreichen Autorin nicht völlig zu blamieren, aber nachdem wir das Gespräch kurzerhand nach draußen in den Sonnenschein verlegt hatten, führten wir ein wirklich schönes und entspanntes Gespräch, das nicht nur gezeigt hat, wie reflektiert und überlegt Esi ist, sondern auch, wie offen und humorvoll sie sein kann.

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Autoren zu treffen ist immer spannend. Besonders großartig ist es, wenn die Verlage für eine entspannte Umgebung sorgen und man dabei ins Plaudern kommen kann.

Im Winter stellte dann Monika Helfer ihr neustes Buch „Die Bagage“ vor, das nächstes Jahr im Februar erscheinen wird und das ich vorab lesen durfte. – Für mich jetzt schon eines der Frühjahrs-Highlights 2020, also schreibt Euch das dringend auf die Merklisten!

Und bei Piper wurde zu einem wirklich üppigen Essen mit Lisa Taddeo geladen, deren New York Times Bestseller „Three Women – Drei Frauen“ im Januar auf Deutsch erscheinen wird.
Ein wirklich spannender Titel und eine absolut sympathische Autorin, mit der ich unheimlich viel Spaß hatte, als wir feststellten, daß wir beide unsere Kinder nach Lieblingsbuchcharakteren benannt haben.

Im März war ich ja zum ersten Mal auf der Leipziger Buchmesse und hatte endlich die Möglichkeit, viele Blogger, Verlagsmenschen und Autoren im echten Leben kennenzulernen.
Eine tolle Gesprächspartnerin war Vea Kaiser, die nun für meine Punschkrafenabhängigkeit verantwortlich ist.
Auch das Treffen mit Daniela Krien bei Diogenes war sehr bewegend für mich.

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Buchmesse mit den besten Kollegen! Stellvertretend für all die vielen Autoren und Events müssen Saša Stanišić und Simone Lappert herhalten. Oh, und ich bin in der Blogbuster Jury! Einsendeschluss ist übrigens heute!

Nachdem ich ja in Leipzig noch alleine auf die Messe gefahren bin, hatte ich dann in Frankfurt eine ganze Truppe zur Verstärkung dabei: meine Kollegen Andi und Kafka mit Laura.
Es war so viel los und geboten, daß ich vermutlich eine ganze Woche gebraucht hätte, um am Ende das Gefühl gehabt zu haben, mich nicht von einem Termin zum anderen zu hetzen, aber immerhin schaffte ich es auch hier wieder, ein paar wunderbare Büchermenschen zu treffen und ich freue mich definitiv schon wieder auf Leipzig im Frühjahr.

Und weil ich meinen Kollegen Andi gerade noch erwähnte: Hat eigentlich irgendjemand noch nicht mitbekommen, daß wir beide dieses Jahr einen Podcast gestartet haben?
Hört auf jeden Fall mal bei „Seite an Seite“ rein!

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Warum eigentlich nur im Laden über Bücher reden? Zusammen mit meinem Kollegen Andi machen wir das auch nach Dienstschluss. Mit Mikros!

Für das nächste Jahr haben wir einiges geplant und hoffen sehr, daß sich alles so umsetzen lässt, wie wir und das wünschen. Also bleibt gespannt!

Und die Bücher?

Anfang des Jahres hatte ich ja eine ziemliche Leseflaute, weil ich schwer damit beschäftigt war, einen Teil der Wohnung zu renovieren, was dann doch sehr zeitintensiv und erschöpfend war.
Und auch die letzten Wochen kam ich kaum zum Lesen. Naja, solche Phasen gibt es eben immer mal wieder.
Trotzdem habe ich es dieses Jahr dann doch noch auf genau 100 Titel gebracht.

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Meine 100 Bücher des Jahres. Man kann nachzählen, wenn man will…

Es gab viele Bücher, von denen ich nicht viel erwartet hatte, die mich aber extrem positiv überrascht haben und andere Bücher, die sehr gehyped wurden und mit denen ich oft wenig bis gar nichts anfangen konnte.

Mein Lieblingsbuch des Jahres ist „Herkunft“ von Saša Stanišić und ich finde es großartig, daß Stanišić dieses Jahr nicht nur Abitur über sein eigenes Buch geschrieben, sondern auch den Deutschen Buchpreis gewonnen hat und er begeisterte mich mit seiner Rede, seinen Interviews auf der Buchmesse, seiner sympathische Art und seinen Beiträge auf Twitter, die einem selbst den miesesten Tag versüßen können.

Andere Titel, die mich dieses Jahr großartig unterhalten haben, waren „Das Licht ist hier viel heller“ von Mareike Fallwickl, „Die Zeuginnen“ von Margaret Atwood, „Fuchs 8“ von George Saunders, „Dort dort“ von Tommy Orange, „Schöner als überall“ von Kristin Höller und „Wir von der anderen Seite“ von Anika Decker.
Klickt auf jeden Fall mal auf die blau unterlegten Titel, um meine ausführlichen Gedanken zu diesen Romanen zu erfahren.

Alles in allem war es ein wirklich schönes Lesejahr, das durch die vielen Begegnungen mit Autoren und Verlagsmenschen unheimlich aufgewertet wurde.

Und 2020?
Es stehen einige Projekte und Ideen an, auf die ich mich schon unheimlich freue.
Mehr dazu gibt es dann hoffentlich ganz bald!

Bis dahin einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Eure Andrea

Ich teste die Büchergilde-Abobox

Als jemand, der einfach nicht an Büchern mit außergewöhnlich schöner Gestaltung vorbeigehen kann war klar, daß ich irgendwann einmal bei der Büchergilde Gutenberg landen würde.
Ich mag die besonderen Cover, die schön illustrierten Ausgaben und die Tatsache, daß ich hier auch die englischen Ausgaben der Folio Society bestellen kann.

Für alle, die die Büchergilde noch nicht kennen: Hierbei handelt es sich um eine Buchgemeinschaft, die sowohl aktuelle Titel, als auch Klassikerausgaben in eigens gestalteten Lizenzausgaben herausgibt.
Die Mitgliedschaft in der Büchergilde ist kostenlos, man verpflichtet sich nur, jedes Quartal ein Buch zu bestellen.

Ein neuer Service der Büchergilde ist die Abobox, die vierteljährlich versandt wird und die ein Buch aus dem aktuellen Programm sowie einige dazu passende Überraschungen enthält.

Vor kurzen wurde ich von der Büchergilde gefragt, ob ich nicht Lust hätte, die neuste Abobox zu testen und darüber zu berichten und da ich ja sonst eigentlich nie mit Büchern überrascht werde, habe ich gerne zugesagt.

Sobald ich wusste, daß die Abobox auf dem Weg zu mir ist, blätterte ich neugierig durch das aktuelle Büchergilde Magazin und überlegte, welches Buch wohl in der Box sein würde. Auch das ist nämlich immer eine Überraschung.
Als mir der Postbote dann das Paket in die Hand drückte, war ich schon sehr gespannt, ob ich mit meinen Vermutungen richtig liegen würde.

Wer sich nicht spoilern lassen möchte, der wende also jetzt seine Augen ab!

Oben in der Kiste lag auch gleich ein Kärtchen, das meine Ahnung, was wohl in der Box sein könnte, bestätigte. Na, habt ihr an dieser Stelle schon eine Idee?

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Als Nächstes fand ich einen kleinen Kompass mit Thermometer, ein Schächtelchen voller Postkarten mit Farnmotiven und eine geheimnisvolle Rolle. Und dann natürlich das Buch, das wirklich unheimlich schön verpackt war.

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Wie von mir bereits vermutet handelt es sich dabei um die illustrierte Ausgabe von Jon Krakauers „In die Wildnis“.
Das Buch habe ich tatsächlich noch nicht gelesen, aber vor nicht allzu langer Zeit die Verfilmung „Into the Wild“ gesehen.
Darin berichtet Jon Krakauer von Chris McCandless, einem jungen Mann aus behütetem Elternhaus, der Anfang der 1990er versuchte alleine in der Wildnis Alaskas zu überleben und letztendlich verhungerte.
Die Illustrationen von Christian Schneider fangen die Einsamkeit der Gegend perfekt ein. Eine wirklich wunderschöne Ausgabe!

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In der geheimnisvollen Rolle steckte übrigens eine Rubbel-Weltkarte im DIN-A3-Format.
Solche Karten sind ja immer ein beliebtes Geschenk für Weltreisende und ich habe tatsächlich auch schon länger überlegt, mir einmal eine zu gönnen, allerdings beschränke ich mich ja dank meiner Flugangst meist auf die europäischen Nachbarländer. Auch wenn es deshalb für mich nicht allzu viel freizurubbeln gab, machte es wirklich Spaß, meine Reisen so noch einmal Revue passieren zu lassen und ich stellte fest, daß ich dringend mal nach Ungarn oder Rumänien fahren sollte…

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Die Büchergilde Abobox hat mir wirklich sehr gefallen und ist eine schöne Möglichkeit, sich als jemand, der sonst immer nur selbst entscheidet, was er als Nächstes lesen möchte, auch einmal überraschen zu lassen und so vielleicht den ein oder anderen Titel zu entdecken, den man nicht auf der Leseliste hatte.

Wer sich die Abobox nun einmal genauer anschauen möchte, der kann dies hier tun.
Wenn Ihr dann Lust darauf bekommen habt, erhaltet Ihr mit dem Code „Andrea1.20“ bis zum 31.01.2020 5€ Rabatt auf Eure erste Abobox-Bestellung.

Dieser Beitrag entstand in Kooperation mit der Büchergilde Gutenberg, die mir die Abobox kostenlos zur Rezension zur Verfügung gestellt hat.
Vielen Dank noch einmal dafür!

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Review: Weil Venus bei meiner Geburt ein Alpenveilchen streifte

Die Schwestern Ella und Martha sind seit frühster Kindheit unzertrennlich. Beide haben sogar am gleichen Tag Geburtstag, allerdings mit einem Jahr Abstand und ihre Verbindung wirkt – zumindest in Kindertagen – geradezu symbiotisch.

Das ändert sich jedoch, als sich Martha verliebt und vom einen auf den anderen Tag die Koffer packt, um zu ihrem Geliebten nach Dänemark zu ziehen.
In Ella geht daraufhin etwas kaputt; ohne ihre Schwester fällt sie in ein regelrechtes Loch. Sie kündigt ihre Stelle und kapselt sich von allem ab. Wann immer sie an Martha erinnert wird, verliert sie im wahrsten Sinne des Wortes den Boden unter den Füßen und erleidet kleine Zusammenbrüche.

Aber dann ist Martha wieder da. – Fast ebenso plötzlich, wie sie verschwunden ist.
Die Beziehung hat ein jähes Ende gefunden und Martha hat sich stark verändert. Sie ist nun extrem reizbar und passiv-aggressiv. Eine Ärztin empfiehlt deshalb einen Kuraufenthalt und die Mutter willigt ein, dafür zu zahlen, wenn Ella ihre Schwester begleitet.

Gemeinsam fahren sie in ein abgelegenes Hotel an einem norwegischen Fjord, doch das Verhältnis der Schwestern leidet unter der erzwungenen Nähe noch mehr.
Ella nimmt Marthas Launen fast schon stoisch hin, doch in ihr brodelt es. Und so beginnt sie, sich immer neue Wege auszudenken, um sich von ihrer Schwester abzugrenzen: Sie lässt sich die Haare kurz scheiden und beginnt eine Affäre mit der Freundin einer Hotelangestellten.
Die Spannungen zwischen den Schwestern nehmen von Tag zu Tag zu und dann ist Martha plötzlich verschwunden…

Kurz vor der Buchmesse hatte ich ja schon Mona Høvrings Debütroman „Was helfen könnte“ gelesen und war unheimlich beeindruckt von ihrem stark verdichteten Schreibstil, bei dem sie in wenigen Sätzen Szenen beschreibt, für die andere Autoren ganze Kapitel brauchen.
Auch in „Weil Venus bei meiner Geburt ein Alpenveilchen streifte“ schafft es Høvring, in weniger als 140 Seiten die komplexe Emotionalität einer lebenslangen Beziehung unglaublich eindringlich zu Erzählen.
Dabei lässt der Text – trotz seiner Kürze – viele Interpretationsmöglichkeiten und Doppeldeutigkeiten zu, sodaß er mir die letzten Tage gar nicht aus dem Kopf gehen wollte.
Für mich ist Mona Høvring eine Autorin allererster Klasse und ich hoffe sehr, daß edition fünf auch bald ihre bisher noch unübersetzten Werke ins Programm nehmen wird.