Review: Töte mich

Amélie Nothomb ist eine der Autorinnen von der ich bis auf zwei, drei Ausnahmen alles gelesen habe.
Besonders gefallen mir die autobiographischen Geschichten aus ihrer Kindheit, ihre anderen Romane lese ich aber meistens auch in einem Rutsch durch, wobei ich den Inhalt bei einigen schnell wieder vergesse, bei anderen aber noch lange darüber nachdenke. Nothombs schrulliger Schreibstil ist allerdings in all ihren Büchern durchgängig temporeich und scharfsinnig.

In ihrem neusten Roman „Töte mich“ erzählt Amélie Nothomb „Lord Arthur Saviles Verbrechen“ von Oscar Wilde neu.
Graf Henri Neville wird von einer Wahrsagerin vorhergesagt, daß er auf seinem Gartenfest einen der Gäste umbringen wird. Seiner jüngsten Tochter Sérieuse kommt das sehr gelegen, denn sie empfindet ihr Leben als so trostlos, daß sie ihren Vater kurzerhand bittet doch einfach sie zu töten.
Neville wehrt sich mit Händen und Füßen gegen den Wunsch seiner Tochter, allerdings scheint es ihm selbst unausweichlich seinem Schicksal zu entgehen…

Wie man es von Amélie Nothomb nicht anders erwartet glänzt sie auch in „Töte mich“ wieder mit ihren verrückten Dialogen und treibt die Geschichte diesmal trotz des düsteren Themas sehr humorvoll auf die Spitze.
Definitiv eines ihrer Bücher, das ich so schnell nicht vergessen werde. 🙂

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Reif für die Insel

Ab einem gewissen Alter ist der Geburtstag plötzlich nicht mehr so wichtig.
Zumindest bei mir ist das so.
Mittlerweile sind es meine Kinder, die ihren großen Tagen entgegenfiebern, für mich ist mein Geburtstag einfach ein normaler Tag im Kalender.
Nur eine Sache habe ich mir die letzten Jahre angewöhnt… Wie es der Zufall so will kommt ein Großteil der Neuerscheinungen der Insel Bücherei um meinen Geburtstag herum auf den Markt und so habe ich immer die perfekte Ausrede, um mich selbst zu beschenken und meine Insel-Sammlung zu erweitern. 😀

Und dieses mal durften folgende Bücher bei mir einziehen:

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Bertolt Brecht: Buckower Elegien und andere Gedichte
Die schönsten deutschen Volkssagen
Die schönsten Mondgedichte
Theodor Storm: Der kleine Häwelmann
Goethes Monde Texte und Zeichnungen

Die „Buckower Elegien“ und „Goethes Monde“ sind wirklich dünne Bändchen, die ich in den nächsten Wochen so nebenher lesen werde.
Überhaupt geht es dieses Jahr recht mondlastig zu. 🙂

„Die schönsten Mondgedichte“ kommt von aussen recht schlicht daher und überrascht dann mit sehr stimmungsvollen und zum Teil auch witzigen Illustrationen.

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Den „Kleinen Häwelmann“ von Theodor Storm habe ich gestern Abend noch schnell durchgelesen. Ich kannte dieses kurze Märchen bis jetzt gar nicht.
Dabei geht es um einen kleinen Jungen, der Nachts nicht schlafen kann und dabei selbst den Mond auf Trab hält, bis sogar der die Nase voll hat. 😉
Sehr nett und mit Bildern im Kollagestil illustriert.

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Als letztes durften noch „Die schönsten deutschen Volkssagen“ mit, denn ich bin absolut begeistert von den Illustrationen von Burkhard Neie. Der bebilderte schon die Insel-Bände „Und noch fünfzehn Minuten bis Buffalo“ und „Tand, Tand ist das Gebilde von Menschenhand“, zwei großartige Sammlungen mit deutschen Balladen, die ich nur jedem ans Herz legen kann! 🙂

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Die Bücher werde ich den Herbst über lesen. Vermutlich werde ich für die dünnen Bändchen keine extra Rezensionen schreiben.
Wenn ihr aber mehr zu den Büchern wissen möchtet, oder über die Favoriten aus meiner Insel Bücherei Sammlung dann sagt bescheid. 🙂

 

Review: Black Mould

Ende des Monats soll ja der siebte Teil der „Rivers of London“-Reihe, „The Furthest Station“, erscheinen… Ich bin da noch skeptisch, weil die letzten Bände immer wieder verschoben wurden, aber warten wir’s mal ab… 😉
Solange gibt es meine Besprechung des mittlerweile dritten Comics aus der Serie.

In „Black Mould“ sind Peter Grant und Sahra Guleed dem Geheimnis von mysteriösem Schimmel auf der Spur, der Häuser in London befällt. Die Bewohner reagieren mit Panikattaken und Gewaltphantasien… Was steckt wohl dahinter?

Ich muss ja sagen, daß mir die Comics wirklich gut gefallen.
Der typische Erzählstil von Ben Aaronovitch wird gut eingefangen und ich mag es, daß ich so Nebencharaktere besser vor Augen habe. Sahra Guleed, zum Beispiel, habe ich in der Buchreihe immer nur als Nebenfigur wahrgenommen, in den Graphic Novels wird sie zur Spitzenpolizistin im schicken Hijab vor der sich jeder Verbrecher in Acht nehmen sollte.

Ein Kritikpunkt von anderen Aaronovitch-Fans ist der Zeichenstil der Comics. Der ist ziemlich modern, glatt, wenig detailiert und wirkt auf viele recht lieblos. Schade, daß da nicht „richtig“ gezeichnet wurde, um den Flair der Buchreihe besser einzufangen.

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Review: Der Junge auf dem Berg

Zuerst sollte ich vielleicht sagen, daß ich John Boynes bekanntestes Buch „Der Junge im gestreiften Pyjama“ nie gelesen habe. „Der Junge auf dem Berg“ ist ziemlich spontan auf meinen Septemberstapel gerutscht, weil ich den Klappentext ganz spannend fand.

Pierrot ist sieben und wächst bei seiner Mutter in Paris auf. Als diese stirbt, holt ihn seine Tante, die Schwester seines deutschen Vaters, zu sich. Tante Beatrix arbeitet als Hauswirtschafterin für einen einflussreichen Mann auf dessen Anwesen auf dem Obersalzberg. Der Name des Mannes: Adolf Hitler.
Pierrot wächst auf dem Berghof auf und wird Zeuge weitreichender historischer Ereignisse. Dabei wird er mehr und mehr von Hitlers Macht korrumpiert…

Ich muss sagen, daß ich sehr zwiegespalten bin, was dieses Buch betrifft…
Was mir gleich beim ersten Kapitel negativ aufgefallen ist, war die Sprache. Es gab immer wieder Abschnitte, in denen so viele Informationen in einen kurzen Dialog gepackt wurden, daß alles sehr gestelzt klang. – Nicht, wie sich Leute wirklich miteinander unterhalten würden.
Auch Pierrots Entwicklung von einem lieben, mitfühlenden Jungen zu Peter, einem machthungrigen Nazi, war für mich zu kurz abgehandelt. Es findet kein innerer Monolog statt, es gibt kaum Schlüsselszenen, die ihn negativ beeinflussen, allerdings genug, die ihn zum Nachdenken hätten zwingen müssen, was er aber nicht tut.
Das Buch springt einfach von einer Szene zur anderen und jedes mal ist Pierrot kälter und widerlicher. 😦

Was man dem Buch zugute halten muss, ist, daß es wirklich recht kurzweilig geschrieben ist. Durch die vielen Dialoge (und vermutlich auch durch die große Schrift) lässt es sich tatsächlich ziemlich schnell lesen. (Und das, obwohl ich ja neulich noch gejammert habe, wie langsam ich lese. 😉 )

Insgesamt denke ich, daß „Der Junge auf dem Berg“ wohl gut geeignet wäre um lesefaule Schüler etwas darüber beizubringen, wie Hitler polarisieren konnte und wie schnell Macht korrumpiert. – Beides wichtige Themen, gerade in der heutigen Zeit!
Für mich persönlich hatte das Buch zu wenig Tiefgang und wirkte eher unfertig, wie der Entwurf zu etwas größerem.

Langsam Lesen

Seit gut einem Monat bin ich nun auf WordPress aktiv und ich muß sagen, daß es mir hier wirklich gut gefällt! So viele liebe Leute, die sich über Bücher austauschen. So viele nette Gespräche und Diskussionen. So viele Besprechungen!
Vermutlich ist das das Einzige, was mich ein wenig nervös macht… Die unglaubliche Menge am Büchern, die manche von euch jeden Monat wegfetzen!
In meinem Freundeskreis bin ich diejenige, die mit Abstand am meisten liest. In der Buchhandlung bin ich totaler Durchschnitt; manche lesen mehr, manche weniger…
Aber hier auf WordPress schaue ich mir einige Blogs an und denke, daß ich das Leseniveau eines Grundschulkindes habe, so wenig lese ich im Vergleich mit manchen von euch! Da werden jeden Monat zehn bis zwanzig Bücher verschlungen!
An manchen Tagen schüchtert mich die schiere Menge ganz schön ein…
Also habe ich darüber nachgedacht, warum ich eigentlich relativ langsam lese.

Wir könnten mit den üblichen Ausreden anfangen:
Lüge Nummer 1: Ich habe Kinder! Ein großes Kind, mit dem ich für die Schule lernen muss und ein kleines Kind, daß noch nicht mal in den Kindergarten geht und den ganzen Tag bespaßt werden muss!
Hört sich logisch an, wäre da nicht mein kleines Büchlein in dem ich mir jedes Buch, das ich seit meiner Ausbildung gelesen habe, notiert habe. Das Ergebnis: Abgesehen von den Jahren in denen ich schwanger war blieb meine Bücherquote ziemlich konstant. Also daran liegt es nicht… Ich hab auch schon vorher langsam gelesen.
Lüge Nummer 2: Aber… Englisch! Das dauert länger!
Nein… tut es nicht. Nicht wirklich.
Ich lese zwar viel auf Englisch und ich weiß, daß einige Leser da mehr Zeit einplanen müssen. Bei mir macht es aber keinen großen Unterschied, ob ich nun auf Deutsch oder Englisch lese.

Warum lese ich also derart gemächlich, aber immerhin stetig vor mich hin?
Die Wahrheit hört sich vermutlich etwas seltsam an.
Der wahre Grund ist, daß ich den Buchcharakteren die Zeit geben muss, die sie brauchen.
Verwirrt? – Hier ein Beispiel: Nehmen wir mal an, ich lese einen Satz wie „Er lehnte sich gegen den Baum und glitt langsam am Stamm hinunter“. In diesem Fall macht mein Gehirn ein drei- bis fünfsekündige Lesepause um dem Protagonisten genug Zeit zum Lehnen und Hinabgleiten zu geben.
Es wird noch merkwürdiger:
Lese ich zum Beispiel: „“Ich finde nicht, daß du das tun solltest!“, sagte sie schmollend“, dann kann es sein, daß ich den Satz zweimal lesen muss, bis er sich richtig anhört.
Vielleicht habe ich mir „Ich finde nicht, daß du das tun solltest!“ zuerst mit einer schnippischen oder nervösen Stimme vorgestellt. Wenn ich also die Information „schmollend“ danach lese, muss ich das gegebenenfalls korregieren.
Auch in meine Gedankenorte stecke ich viel Arbeit:
Je mehr Informationen ich zu einem Ort bekomme, desto genauer stelle ich ihn mir vor. Das erfordert ganz schöne Umbauarbeiten, wenn mein erstes Bild falsch war.
Dann muss ich neue Bilder aufhängen, die Farbe der Vorhänge ändern, und so weiter…

Manchmal habe ich das Gefühl, während ich lese ist ein kleiner, verschwitzter Regisseur in meinem Hirn dabei mein Gedankenkino am Laufen zu halten. Ein ganzer Stab von Schauspielern, Requisiteuren, Kostümschneidern und Maskenbildernern ist da im Dauereinsatz.

Ich denke, das ist der Grund, warum ich nie zweihundert Bücher im Jahr schaffen werde.
Trotzdem mag ich diese Art zu lesen. Bei jedem Buch läuft ein so detaillierter Film in meinem Kopf ab, daß ich mir die wichtigsten Szenen jederzeit vor Augen rufen und meinen Kunden davon erzählen kann. Ich mag das. 🙂

Wie lest ihr so? Langsam oder schnell?
Werdet ihr manchmal auch nervös, wenn ihr seht wieviele Bücher andere Blogger verschlingen?
Wie sieht euer Kopfkino aus?

Alles Liebe,
Eure Andrea

Review: The Illustrated Compendium of Amazing Animal Facts

Vor kurzem hatte ich ja von Maja Säfströms erstem Buch Animals of a Bygone Era berichtet und jetzt habe ich mir ihr zweites Buch „The Illustrated Compendium of Amazing Animal Facts“ gegönnt.

Unverwechselbar ist dabei ihr schlichter, humorvoller Zeichenstil. 🙂

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Auf Deutsch erscheint dieses schöne Buch im Oktober mit dem ebenso einfachen wie einprägsamen Titel: „Pinguine sind kitzlig, Bienen schlafen nie, und keiner schwimmt so langsam wie das Seepferdchen. Verblüffendes aus der Tierwelt“

Review: Becks letzter Sommer

„Becks letzter Sommer“ wurde mir schon lange von Kollegen empfohlen, aber ich dachte immer: Dieser Benedict Wells ist so ein junger Hüpfer, was kann der schon zu erzählen haben?
Dann las ich Anfang letzten Jahres „Vom Ende der Einsamkeit“ und heulte zwei Tage lang Rotz und Wasser und mir war klar, daß dieser junge Hüpfer verdammt viel zu erzählen hat.

Deshalb habe ich mir als letztes Buch für diesen Sommer „Becks letzten Sommer“ vorgenommen und schnell wurde mir klar, daß dieses Buch alle Zutaten hat zu einem dieser typischen deutschen Herrenromane zu werden, die ich so hasse: ein Typ, der seine Jugend schon länger hinter sich hat stellt fest, daß er seine Träume begraben kann und daß er sein Leben vergeudet hat… Solche Romane habe ich schon viel zu oft gelesen und keinen davon mochte ich.
Doch Benedict Wells hat es tatsächlich geschafft, aus diesen schrecklichen Zutaten ein verdammt gutes Buch zu machen!

Robert Beck ist Ende dreißig, arbeitet als Lehrer, seinen Traum Musiker zu werden hat er schon vor Jahren begraben, da kommt das Wunderkind Rauli in seine Klasse und stellt Becks Leben auf den Kopf.
Der siebzehnjährige Rauli macht Musik zum Niederknien und scheint sich dabei nicht einmal anzustrengen. Alles fliegt ihm nur so zu und Beck begreift, daß er nie das hatte, was Rauli hat, aber daß er ihm helfen kann ein gefeierter Musiker zu werden und so vielleicht auch selbst noch ein Stück vom Kuchen abzubekommen…
Natürlich scheint da das Scheitern vorprogrammiert, doch dann nimmt Wells uns plötzlich mit auf einen absolut verrückten Roadtrip nach Istanbul. 🙂

Ich war wirklich total glücklich mit diesem Buch, obwohl ich am Anfang ziemliche Angst hatte, daß es sich zu einem dieser drögen Herrenromane entwickeln könnte.
Die beiden anderen Bücher von Benedict Wells „Spinner“ und „Fast genial“ werden auf jeden Fall auch noch gelesen!