Review: Happy End

Wenn ich nach meinen Lieblingsautoren gefragt werde landet Amélie Nothomb wohl immer in den Top 3. Wer diese aussergewöhnliche Schriftstellerin bisher noch nicht kennt, dem sei sie also hiermit wärmstens ans Herz gelegt.
Wobei man aber vielleicht einen Hang zu bösen Geschichten mit sehr überraschenden Wendungen mitbringen sollte, um ihr erzählerisches Ausnahmetalent voll schätzen zu können.

„Happy End“ ist gerade frisch erschienen und natürlich habe ich es sofort verschlungen.

Déodat in Trémière könnten unterschiedlicher nicht sein. Denn Déodat ist bereits seit frühster Kindheit so hässlich, daß sich die Menschen in seiner Nähe fast schon körperlich unwohl fühlen, dafür wurde er aber immerhin mit einem genialen Verstand gesegnet.
Trémière dagegen ist so hübsch, daß es fast schon weh tut, sie anzusehen, dafür verbringt sie die meiste Zeit aber damit, Dinge unentwegt anzustarren, was ihr den Ruf einhandelt, eine Idiotin zu sein.

Die Erfahrungen, die Déodat und Trémière allerdings machen, sind sich sehr ähnlich.
Beide werden von ihren Mitschülern ausgegrenzt und gequält, so daß sie sich in ihre eigenen Welten zurückziehen.

Déodat entwickelt enormes Interesse an Vögeln und wird später Ornithologe. Trémière hingegen ist fasziniert von der Schönheit der Dinge, ganz besonders von Schmuck und Edelsteinen und sichert sich einen Vertrag als Model für einen exklusiven Juwelier.

Klar, daß sich Gegensätze anziehen und so fiebert man als Leser gespannt einem Treffen dieser beiden ungewöhnlichen Charaktere entgegen…

Viele Geschichten von Amélie Nothomb sind ja nun wirklich sehr, sehr böse.
„Happy End“ ist dagegen trotz der Grausamkeiten, die Déodat und Trémière ertragen müssen, ein regelrechtes Feelgood-Buch, das mir wieder einmal großen Lesespaß bereitet hat.

Nothombs temporeiche Dialoge, unerwartete Wendungen und einzigartige Figuren sind aber auch immer wieder ein Garant für großartige Unterhaltung!

 

Mehr von Amélie Nothomb findet ihr hier:

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Review: Töte mich

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Review: Uns gehört die Nacht

Jamey und Elise scheinen auf den ersten Blick nichts gemein zu haben: er ist der vielversprechende Erbe einer einflußreichen Bankiersfamilie, sie eine Ausreißerin aus ärmsten Verhältnissen.
Trotzdem kreuzen sich die Wege der beiden, als sie in New Haven, wo Jamey studiert Nachbarn werden.

Anfangs können sie sich nicht ausstehen und man weiß ja, wohin das führt…
Jamey und Elise beginnen eine leidenschaftliche Affäre, wobei es ein eklatantes Ungleichgewicht in der Beziehung der beiden gibt.
Elise ist bald bis über beide Ohren in Jamey verliebt und richtet ihr Leben mehr und mehr nach ihm aus. Jamey hingegen weiß, daß Elise kein Mädchen ist, mit dem er eine ernsthafte Beziehung führen sollte. Nie würde sie es schaffen, von den Menschen seiner Klasse akzeptiert zu werden, und so hasst sich Jamey jedesmal ein bißchen, wenn er wieder in Elises Bett landet, doch genausowenig kann er die Finger von ihr lassen.

Im Lauf der Zeit aber merkt Jamey, wie wichtig Elise für ihn geworden ist und nach und nach beginnt sie der Dreh- und Angelpunkt seines Lebens zu werden.
Von seiner Familie bleibt das nicht unbemerkt und schon bald bekommt Jamey deutlichen Widerstand zu spüren…

„Uns gehört die Nacht“ ist ein Buch, das in den letzten Wochen für viel Aufmerksamkeit gesorgt hat. Mit dem klassischen Thema „Armes Mädchen verliebt sich in reichen Jungen“ spricht es natürlich auch Leser an, die sonst eher im Bereich Young Adult unterwegs sind. Dabei ist „Uns gehört die Nacht“ jedoch deutlich literarischer, als viele andere Bücher mit diesem Thema.
Besonders die Beschreibungen von Elises und Jameys Gefühlswelten zu Beginn der Geschichte haben mich absolut in ihren Bann gezogen.

Als die beiden dann aber endlich an einem gemeinsamen Punkt ankommen, wurde die Handlung ein wenig zu glatt für mich. Hier hätte es deutlich mehr Konfliktpotential geben können.
Doch Jamey und Elise sind ab etwa der Mitte des Buches so in ihrer gemeinsamen Glückseligkeit gefangen, daß die Katastrophe, die ihre Beziehung bedroht, dann recht erzwungen auf mich wirkte und nicht wirklich zum Rest der Geschichte zu passen schien.

Trotzdem hat mich „Uns gehört die Nacht“ gut unterhalten und ich bin definitiv gespannt, was wir noch alles von Jardine Libaire erwarten dürfen.

Review: Die Wahrheit über das Lügen

Vor anderthalb Jahren hat sich Benedict Wells mit „Vom Ende der Einsamkeit“ in mein Herz geschrieben. Nun ist gerade sein neustes Buch „Die Wahrheit über das Lügen“ erschienen, in dem er zehn Kurzgeschichten vorlegt.
Ich fragte mich: Schafft es Wells damit genauso zu überzeugen, wie mit seinen Romanen?
Also nichts wie her mit dem Buch und reingelesen!

Zunächst einmal wartete eine kleine Überraschung auf mich, denn in seinen Geschichten wirkt Wells viel freier und experimentierfreudiger.
So macht er auch den ein oder anderen Ausflug in die Welt des magischen Realismus, was er tatsächlich außerordentlich gut kann und mich umso mehr gefreut hat.
Da steigt ein Mann auf einen Berg, während unterdessen sein ganzes Leben – im wahrsten Sinne des Wortes – an ihm vorbei zieht.
Oder eine erfolglose Schriftstellerin wird von der Muse geküsst und muss sich zwischen dem Schreiben und der Liebe entscheiden…

Auch die längste und titelgebende Geschichte „Das Franchise oder: Die Wahrheit über das Lügen“ lässt sich auf ein spannendes Gedankenspiel ein, das vermutlich jeder schon hatte, der „Zurück in die Zukunft“ gesehen hat. Was würde ich tun, wenn ich mit meinem jetzigen Wissen in die Vergangenheit reisen könnte?

Dazwischen gibt es jedoch auch immer wieder kurze Skizzen, beispielsweise über die Einsamkeit einer alten Frau, oder eine Fliege im Limonadenglas wird sinnbildlich für das Scheitern einer Ehe.

Dabei wird schnell klar, warum Benedict Wells ein großartiger Schriftsteller ist, denn er schafft es, die verschiedensten Charaktere wirklich glaubhaft zum Leben zu erwecken.
Meiner Meinung nach krankte die moderne deutsche Literatur ja daran, daß besonders die männlichen Autoren, lange Zeit nur in der Lage waren, über sich selbst zu schreiben.
Ein Buch nach dem anderen, in dem ein mittelerfolgreicher, mittelalter Protagonist sein mittelmäßiges Leben bemitleidet haben will… das will doch nun wirklich niemand mehr lesen!

Benedict Wells ist einer der Autoren, die die Farbe in die deutsche Literatur bringen, die sie dringend nötig hatte. In diesem Sinne: bitte mehr davon!

 

Mehr von Benedict Wells findet ihr hier:

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Review: Becks letzter Sommer

Stapelweise Neues im September

Der September ist mein Lieblingsmonat!
Die Luft beginnt nach Herbst zu riechen, die Blätter verfärben sich, die Stürme wehen und trotzdem stehen uns noch goldene Tage bevor…

Der September ist allerdings auch die Zeit des Jahres, in der die Arbeit für uns Buchhändler so richtig losgeht!
Denn jetzt kommen all die Neuerscheinungen auf den Markt, die im Weihnachtsgeschäft empfohlen werden wollen und das bedeutet für uns: lesen, lesen, lesen!

Ein klein wenig Panik kommt ja schon auf, wenn ich den dicken Stapel Novitäten neben mir anschaue und auch an meinen Planer denke, in dem ebenso viele Titel für den Oktober notiert sind!
Allerdings freue ich mich schon sehr über neue Bücher von Lieblingsautoren und auch darauf, noch unbekannte Schriftsteller kennenzulernen.

Los geht’s!

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Ein ganzer Stapel spannender neuer Titel kommt diesen Monat von Diogenes, einem meiner absoluten Lieblingsverlage.

Uns gehört die Nacht von Jardine Libaire habe ich ironischerweise bereits in einer schlaflosen Nacht angelesen und finde den Stil schön flüssig und die Geschichte bisher recht spannend.
Dieses Buch hat bereits viele Fans aber dann auch wieder Leser, die es gar nicht mochten… Love it or hate it? Ich bin gespannt!

Eine Autorin von der in bisher noch nie etwas gelesen habe ist Muriel Spark. Ihr nun fast schon sechzig Jahre alter Roman „Die Blütezeit der Miss Jean Brodie“ erschien gerade in einer Neuübersetzung.
Offenbar haben wir es hier mit dem weiblichen Pendant zu „Der Club der toten Dichter“ zu tun. Da möchte ich auf jeden Fall mal hineinlesen!

Philippe Djian ist ebenfalls ein Autor, mit dem ich noch nie die Ehre hatte… Ich weiß, ich weiß… Shame on me!
Also werde ich mir seinen neuen Roman „Marlène“ vornehmen.

Ein „alter Bekannter“ ist dagegen Benedict Wells.
Mit „Vom Ende der Einsamkeit“ hat er mich tagelang zum Schluchzen gebracht, in Die Wahrheit über das Lügen legt er nun zehn Kurzgeschichten vor.
Ich bin gespannt, ob er mich damit genauso überzeugen kann, wie mit seinen Romanen.

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Zwei Titel, die auf den ersten Blick vielleicht wenig miteinander zu tun haben, die sich aber beide mit Sagen und Mythen beschäftigen und ganz wunderbar illustriert wurden sind Der Held im Pardelfell und „Der Fall von Gondolin“.

Mit Der Held im Pardelfell hat der Galiani Verlag rechtzeitig zur Buchmesse einer 800 Jahre alten georgischen Sage neues Leben eingehaucht.
Das Ganze wurde von meiner Lieblingsillustratorin Kat Menschik herrlich bebildert.
Letzte Nacht habe ich auch schon ein bißchen hinein gelesen und war sofort gefesselt von dieser Geschichte.

„Der Fall von Gondolin“ von J.R.R. Tolkien ist eine Geschichte, die man schon aus dem Silmarillion kennt und die sein Sohn Christopher nun neu herausgegeben hat.
Wie schon bei anderen Titeln dieser Reihe hat er sich dabei nicht nur auf die ursprüngliche Geschichte beschränkt, sondern liefert auch viele Hintergrundinformationen und veränderte Fassungen mit.
Das ist zwar ein bißchen Lesearbeit, allerdings wird man dabei auch von den sehr stimmungsvollen Aquarellen und Bleistiftzeichnungen von Alan Lee bei Laune gehalten.

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Königskinder heißt der neue Roman von Alex Capus.
Bisher habe ich nur „Das Leben ist gut“ von ihm gelesen und mochte seinen recht feinen Humor.

Auch Juli Zeh, deren knappen Stil ich sehr schätze, hat wieder eine neue Geschichte herausgebracht.
Neujahr ist ein dünnes Buch, auf das ich schon wahnsinnig gespannt bin!

Tom Rachman ist dagegen ein Autor von dem ich bisher noch nichts gelesen habe.
Mit „Die Gesichter“ habe ich allerdings schon länger auf Englisch geliebäugelt, nun ist sein Künstlerroman also auf Deutsch erschienen und ich habe hohe Erwartungen an ihn.

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Die wohl höchsten Erwartungen habe ich diesen Monat allerdings an Timus Vermes‘ neustes Buch Die Hungrigen und die Satten.
In „Er ist wieder da“ hat Vermes der Gesellschaft ja bereits einen bitterbösen Spiegel vorgehalten, nun geht es um die Flüchtlingsthematik und die Medien, die diese ausschlachten.
Der Eichborn Velag war so großzügig, mir gleich noch das von Christoph Maria Herbst gelesene Hörbuch mitzuschicken und nachdem mein Großer „Er ist wieder da“ rauf und runter gehört hat, hat er sich „Die Hungrigen und die Satten“ sofort unter den Nagel gerissen. Ich habe aktuell meine liebe Mühe damit zu verhindern, daß er mich spoilert, so begeistert wie er schon ist.

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Im Bereich Sachbuch freue ich mich auf „Befreit – Wie Bildung mir die Welt erschloss“ von Tara Westover.
Auf ihre Geschichte bin ich auf englischsprachigen Buchblogs aufmerksam geworden, denn obwohl Westover ein Klassenzimmer zum ersten Mal mit 17 Jahren betrat, legte sie anschließend eine steile akademische Karriere hin.
Ich bin gespannt zu erfahren, wie ihr das gelungen ist!

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Das einzige Buch, das nicht brandneu ist, ist diesen Monat Die Welt der Berge von Dieter Braun.
Es ist ein ganz wunderbar illustriertes Sachbuch, das der Verlag schon ab 8 Jahren empfiehlt, für das man aber meiner Meinung nach nie zu alt ist und das ich Euch ganz bald ausführlich vorstellen werde!

Puh, was für ein Stapel!
Wie sieht es bei Euch aus?
Welche der aktuellen Neuerscheinungen interessieren Euch am meisten?

Ich hoffe, daß mich die Titelflut diesen Monat nicht erschlägt, bevor sich der Oktoberstapel auftürmt.

Ende des Monats gibt es, wenn alles gut geht, übrigens die nächste Episode der allseits beliebten Kategorie In vollen Zügen nach…
Dann bin ich nämlich in… (Trommelwirbel) Amsterdam!
In Amsterdam war ich noch nie, also wenn ihr dort schöne Buchhandlungen kennt: immer her mit Euren Tipps!

Bis dahin ganz liebe Grüße und einen schönen Start in den Herbst!

Andrea

Review: Erinnerungen aus der Sackgasse

Die Bücher von Banana Yoshimoto begleiten mich nun schon mein halbes Leben…
In der Ausbildung las ich „Kitchen“ in einer Nacht durch und war sofort begeistert von ihrem unaufgeregtem aber eindringlichen Schreibstil.
Ihre Bücher gehörten auch mit zu den ersten, an die ich mich auf Englisch heran wagte und sie ist eine der wenigen Autorinnen, von denen ich tatsächlich jedes Buch gelesen habe.

„Erinnerungen aus der Sackgasse“ ist ihr neuster Erzählband mit fünf Kurzgeschichten. Drei davon sind länger, zwei relativ kurz.

Was all diese Geschichten verbindet ist das gemeinsame Thema: Menschen, die an einem Punkt in ihrem Leben angekommen sind, an dem sie nicht mehr weiter wissen und sich neu orientieren müssen.

Da ist beispielsweise Iwakura, der die Konditorei seiner Eltern weiterführen soll und sich einfach nicht durchringen kann, diesen Weg zu gehen.
Oder Frau Matsuoka, die einen Giftanschlag überlebt, aber anschließend Schwierigkeiten damit hat, wieder zurück ins Leben zu finden.
Und Mimi, die ihr Leben bereits durchgeplant hat und deren Träume sich alle in Luft auflösen, als sie herausfindet, daß ihr Verlobter eine andere Frau liebt…

Man könnte nun denken, daß diese Geschichten traurig oder auch deprimierend wären, aber das ist nicht der Fall.
Banana Yoshimotos größte Stärke ist es, meiner Meinung nach, daß ihre Protagonisten immer unheimlich positiv sind und versuchen, das beste aus den Prüfungen des Schicksals zu machen.

Ich denke, das ist auch der Grund, warum ich ihre Romane und Erzählungen so liebe.
Nicht nur, daß ihre Figuren sehr positiv ins Leben schauen, auch alle Dinge die sie tun, sei es ihre Arbeit, zu Putzen oder zu Kochen, – besonders das Kochen! – tun sie mit großer lieber Liebe zum Detail.
Dem Alltag wohnt stets ein gewisser Zauber inne, ohne dabei esoterisch zu werden.
Es ist einfach schön, sich das Glück der kleinen Dinge gelegentlich vor Augen zu halten.

Auch Yoshimotos Charaktere sind durch die Bank weg liebenswert. Obwohl sie in der Regel ganz normale Durchschnittstypen sind, gibt es bei genauerer Betrachtung immer etwas, das sie besonders macht.

So schafft sie es auch, einen Band wie „Erinnerungen aus der Sackgasse“ vorzulegen, der eigentlich voll von bedrückenden Themen ist und den Leser trotzdem mit einem zufriedenen, warmen Gefühl zurück lässt.

In langen Julinächten…

…wird gelesen, gelesen, gelesen…

Der Juni ist so schnell vergangen und leider bin ich kaum zum Lesen gekommen, weil ich seit zwei Wochen kränkle und einschlafe, sobald ich ein Buch in die Hand nehme.
Deshalb müssen ein paar Bücher von meinem Junistapel mit in den Juli.

Ein Glück also, daß diesen Monat nur ein einziges dickes Buch auf dem Programm steht: Das weibliche Prinzip von Meg Wolitzer nämlich.
Auf den englischsprachigen Blogs führt ja dieser Tage kein Weg daran vorbei… Ich bin jedenfalls gespannt, da ich bisher noch gar nichts von der Autorin gelesen habe.

Worauf ich mich schon länger freue ist der neue Erzählungsband von Banana Yoshimoto. Yoshimoto ist eine der wenigen Autoren, von denen ich tatsächlich alles gelesen habe.
Erinnerungen aus der Sackgasse war leider zunächst in der Post verschollen, jetzt ist es aber endlich da und bereit gelesen zu werden.

Noch mehr Kurzgeschichten gibt es in Jen Campbells Buch The Beginning of the World in the Middle of the Night. Dieser Band wurde auch schon auf mehreren Blogs ziemlich euphorisch besprochen.
Die erste Geschichte habe ich schon gelesen und war ziemlich überrascht… Sehr märchenhaft und fast schon gruselig. Ich bin gespannt, was mich noch erwartet.

Zwei weitere englischsprachige Bücher, die auf anderen Blogs immer wieder empfohlen werden, sind Piecing Me Together von Renée Watson und Midnight at the Electric von Jodi Lynn Anderson.
Bei beiden Büchern weiß ich noch gar nicht, worum es geht. Manchmal muss man sich auch überraschen lassen!

Ein Buch, das sich sehr von den anderen abhebt ist Die Tagesordnung von Éric Vuillard. Es basiert auf tatsächlichen Treffen, die Hitler nach der Machtübernahme mit hochrangigen Vertretern der Industrie hatte und bei denen die Weichen für seine Politik gestellt wurden.
Das Buch ist allerdings kein geschichtlicher Tatsachenbericht, sondern Literatur erster Güte, was schnell klar wird, wenn man die ersten Seiten anliest.

Ein kleiner Schatz ist auch die illustrierte Frida Kahlo Biografie von María Hesse aus dem Insel Verlag. Verschiedene Schrifttypen und Illustrationen im Stil von Kahlo auf jeder Seite… Was will der bibliophile Kunstliebhaber mehr?

Zu guter Letzt durfte noch Nightlights von Lorena Alvarez als Graphic Novel mit auf den Julistapel.

Das ist also meine Auswahl für den Monat.
Was liegt auf euren Julistapeln?

Ich hoffe, ich bin gesundheitlich bald wieder auf dem Damm und komme mit den ganzen Büchern hinterher. 😉

Einen wunderschönen Juli euch allen!

Eure Andrea

Review: Jack

Obwohl ich bisher noch nichts von Jack Kerouac gelesen habe, war ich doch sehr gespannt auf Anthony McCartens neues Buch „Jack“, weil eine Kollegin so davon schwärmte…

Als das Gerücht umgeht, daß sich der berühmte Autor Jack Kerouac langsam aber sicher zu Tode säuft, setzt die junge Literaturwissenschaftlerin Jan alles daran, den zurückgezogen lebenden Schriftsteller zu finden.
Ihr Traum ist es, seine erste Biografie zu schreiben und so steht sie eines Tages vor seiner Haustür und bittet ihn um Interviews.
Kerouac ist zu diesem Zeitpunkt schwer alkoholkrank und dabei, körperlich zu verfallen. Die forsche Jan, die ihn offenbar sehr bewundert schmeichelt ihm dabei so, daß er einwilligt, ihr von seinem Leben zu erzählen.
Doch die Stimmung kippt, als die Rede auf Neal Cassady, das Vorbild zu Dean Moriarty in „On the Road“, kommt.
Kerouac verweigert jeden Zusammenarbeit mit Jan und sie setzt alles auf eine Karte, um das Vertrauen ihres Idols nicht zu verlieren…

Es fällt mir ein bißchen schwer, eine Besprechung zu diesem Buch zu schreiben, weil die Karten im Lauf der Geschichte des Öfteren gemischt werden und man seine Sichtweise dementsprechend ändern muss.
Deshalb bleibt es bei einer sehr kurzen Inhaltsangabe um keine Wendung zu spoilern.

Ich liebe ja Geschichten, in denen der erste Schein trügt und man immer wieder überrascht wird…

Wie schon gesagt, habe ich bisher noch kein Buch von Jack Kerouac gelesen, aber das war auch nicht nötig, um diesen Roman zu genießen.
„Jack“ ist eine gelungene Mischung aus Literaturgeschichte und Fiktion und dabei noch spannend wie ein Thriller.