Review: Die Kakerlake

Zuletzt hatte ich Euch Ali Smiths Roman „Herbst“ vorgestellt, in dem der Brexit immer wieder angesprochen wurde…
Offenbar ein Thema, das nicht nur Smith umtreibt, denn mit „Die Kakerlake“ hat nun auch Ian McEwan einen Roman zum Brexit beigesteuert.

Eines Morgens erwacht eine bis dahin völlig unbescholtene Kakerlake im Körper von Jim Sams, dem britischen Premierminister. Zunächst ist es ein großer Schock, das Skelett plötzlich im Inneren des Körpers zu wissen und nur noch vier Gliedmaßen zu besitzen, doch etwas treibt Jim Sams von der ersten Minute ab an: der Wille, das Chaos, das sich im Land ausbreitet, endlich zu stoppen.
Denn Großbritannien ist zerrissen; der Vorschlag, den Geldfluss umzukehren, hat bei einem Referendum die Mehrheit der Bevölkerung bekommen, doch nun scheint niemand diesen Plan auch in die Tat umsetzen zu wollen.
Kritiker schlagen Alarm, Ökonomen bezeichnen die Idee als Wahnsinn und kein anderes Land lässt sich davon überzeugen, mitzumachen.
Dabei ist die Idee denkbar einfach: Statt in Geschäften zu bezahlen, bekommt man für den Kauf der Waren auch noch Geld. Dieses braucht man schließlich auch dringend, um für seinen Beruf aufzukommen.

Seit aber entschieden wurde, den Geldfluss umzukehren, ist die Politik völlig gelähmt. Ein Glück also, daß Jim Sams und fast das komplette Kabinett nun von Kakerlaken ersetzt wurden, denn diese sind es gewohnt, als Schwarm zu denken und so herrscht plötzlich vollkommene Einigkeit in der Regierung.
Natürlich meldet noch der ein oder andere Mensch bedenken an, doch Sams versteht es, Allianzen zu schmieden und seine Gegner mundtot zu machen.
Und endlich können die Kakerlaken die Pläne umsetzen, an denen all die Politiker vor ihnen kläglich gescheitert sind…

In „Die Kakerlake“ interpretiert Ian McEwan Kafkas „Verwandlung“ neu und das mit sehr viel Witz und Zynismus.
Statt des Austritts aus der EU wird eine noch viel verrücktere Idee umgesetzt, nämlich die, den kompletten Geldfluss umzukehren. Das dieser Plan von vornherein zum Scheitern verurteilt ist, dürfte wohl jedem klar sein, trotzdem wird der Wille des Volkes mit aller Macht durchgesetzt. Den Kakerlaken ist die Unsinnigkeit dieser Idee egal. Sie erledigen nur den Auftrag, zu dem sie offenbar eine höhere Macht berufen hat und verschwinden danach wieder.

„Die Kakerlake“ hat mich sehr amüsiert und unterhalten.
Ein wirklich herrlich bissiger Kommentar zur aktuellen politischen Lage in Großbritannien!

Mehr von Ian McEwan findet Ihr übrigens hier:

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Review: Maschinen wie ich

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Review: Nutshell

Dezember

Jedes mal, wenn ich meinen aktuellen Monatsstapel vorstelle, denke ich mir: „Es kann doch gar nicht sein, daß es schon wieder September, Oktober, November… ist!“
Jetzt also Dezember!
Wohin ist dieses Jahr nur verschwunden?
Es kommt mir so fast vor, als wäre mein Sommerurlaub erst vor wenigen Wochen zu Ende gewesen…

In den letzten Wochen und Monaten haben sich einige Titel angesammelt, die noch vor Jahresende gelesen und rezensiert werden wollen, deshalb habe ich mir für den Dezember nicht allzuviel vorgenommen.
Man will ja schließlich keinen riesigen SUB mit ins neue Jahr nehmen…

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Drei Romane haben mich diesen Monat angelacht.

Mit dem „Tagebuch eines Buchhändlers“ habe ich schon im letzten Jahr auf Englisch geliebäugelt, dann erschien es im Sommer auf Deutsch, doch das recht winterlich anmutende Cover hat es mich bis zum Dezember aufschieben lassen.
Autor Shaun Bythell ist selbst Buchhändler und mit Booktuberin Jen Campbell befreundet, deren Empfehlungen ich ja immer sehr schätze.
Hoffentlich wird es mir im Weihnachtsgeschäft nur nicht zu viel, auch noch in meiner Freizeit von einer Buchhandlung zu lesen!

Ein Titel, auf den ich mich schon sehr freue ist „Das Geheimnis von Shadowbrook“ von Susan Fletcher.
Hier haben wir es mit einem literarischen historischen Roman zu tun, der zu Beginn des Ersten Weltkriegs spielt.
Ich hoffe auf einen Titel, der mich ähnlich wie „Die Schlange von Essex“ oder Tracy Chevaliers frühe Romane begeistern kann.

Ein weiterer Roman, der sich unheimlich spannend anhört und der mir auf der Buchmesse empfohlen wurde, ist „Die Einsamkeit der Seevögel“ von Gøhril Gabrielsen.
Vor der Messe hatte ich ja einige norwegische Autoren gelesen und die Art und Weise, wie hier düstere Themen auf sehr eindringliche Weise geschildert werden, zu schätzen gelernt.
In „Die Einsamkeit der Seevögel“ begleiten wir eine Wissenschaftlerin in die winterliche Einöde an der Küste Norwegens, wo sie nicht nur auf Vögel, sondern auch ihren Geliebten wartet…
Das Setting erinnert mich an Amy Liptrots autobiografischen Roman „Nachtlichter“, der mich seinerzeit zwar nicht ganz überzeugen konnte, dessen Naturbeschreibungen mich allerdings unheimlich beeindruckt haben.

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Zwei weitere Bücher widmen sich spannenden Gedankenexperimenten.

In Ian McEwans neustem Roman „Die Kakerlake“ nimmt er die aktuelle politische Situation in Großbritannien aufs Korn, indem er Kafkas „Verwandlung“ auf den Kopf stellt und eine unbescholtene Kakerlake eines Morgens im monströsen Körper des britischen Premierministers erwachen lässt.

Gleich elf Gedankenspiele bietet „2029 – Geschichten von Morgen“, ein Erzählband, in dem elf Autoren, darunter prominente Namen wie Vea Kaiser und Thomas Glavinic ihre Vorstellungen von unserer Welt in zehn Jahren zu Kurzgeschichten verarbeitet haben.

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Zum Schluß gibt es diesen Monat ganze drei Graphic Novels.

Aus der Reihe „Die Unheimlichen“ aus dem Carlsen Verlag erschien jetzt Sophokles‘ „Antigone“ mit Illustrationen von Olivia Viehweg und außerdem ganz neu: „Der goldene Kompass“ nach dem Roman von Philip Pullman, illustriert von Stéphane Melchior und Clément Oubrerie.
Ich muss zu meiner Schande gestehen, daß ich mit der „His Dark Materials“-Reihe nie so richtig warm geworden bin, was mich selbst ein wenig ärgert, weil ich weiß, wie viele Menschen, deren Empfehlungen ich sehr schätze, diese Bücher lieben.
Vielleicht schafft es ja die Graphic Novel, mich doch noch für die Romane zu begeistern.

Zu guter Letzt liegt noch „Schwarze Seerosen“ auf meinem Lesestapel, ein Krimi der in Giverny spielt, dem Dorf, in dem Monet seine berühmten Seerosenbilder gemalt hat.
Michel Bussis Roman, auf dem diese Graphic Novel basiert, ist bisher noch nicht auf Deutsch übersetzt worden, schön also, das die Geschichte nun über die Umsetzung von Didier Cassegrain und Fred Duval ihren Weg zu uns findet.

Euch allen wünsche ich eine schöne Adventszeit, egal ob Ihr Weihnachten feiert, oder nicht.
Und weil es schnell recht stressig werden kann, lasse ich Euch heute nochmal meine Tipps für halbwegs stressfreies Einkaufen im Weihnachtsgeschäft da.

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Willkommen im Weihnachtswahnsinn

Kommt gut durch die Zeit!

Eure Andrea

 

Review: Allmen und der Koi

In seinem neusten Krimi „Allmen und der Koi“ nimmt uns Martin Suter wieder einmal mit in die glamouröse Welt der High Society.

Auf Ibiza verbringen viele der Ultrareichen ihre Freizeit, genießen einen exklusiven Lifestyle abseits des Medienrummels und frönen ihren kostspieligen Hobbys. Derzeit besonders beliebt: die Koi-Zucht. Und weil jeder zeigen will, daß er dem anderen in nichts nachsteht, werden immer größer Teiche angelegt, Pflegepersonal für die edlen Fische aus Japan angeworben und natürlich die kostspieligsten Kois ersteigert.
Doch Boy, der mit seinem Wert von über einer Million Dollar, der wohl teuerste Fisch der Insel ist, ist plötzlich verschwunden. Und da man in der High Society gerne diskret und unter sich bleibt, wird Johann Friedrich von Allmen auf den Fall angesetzt.
Der kennt sich freilich eher mit Kunstraub aus, doch da er sich mit seinem Charme und einer gehörigen Portion Improvisationstalent in der Welt der Schönen und Reichen bewegt, wie ein Fisch im Wasser, fällt es ihm leicht, schnell Zugang zu den Partys der Insel-Prominenz zu erhalten und sich dort nach Boy umzusehen.
Schon bald entpuppt sich die Suche nach dem Koi jedoch als gefährlicher als erwartet…

Die Allmen Krimis überzeugen ja nicht jeden Suter-Fan; für viele sind sie zu klischeebeladen und überzeichnet. Mir gefällt genau das.
Ich bezweifle, daß die Hauptsorgen der High Society darin liegen, welche Anzüge zu welchem Anlass getragen werden sollten und welche Unannehmlichkeit es ist, wenn ebendiese Anzüge vom Personal nicht ordentlich aufgebügelt werden, und so lese ich diese Passagen immer als herrlich überspitzten Seitenhieb auf die Reichen und Mächtigen.

Dabei kann ich mich bestens über Allmens Ermittlerarbeit amüsieren, in der alles mehr Schein als Sein ist, bei der die Klischees aus 70er Jahre Krimis humorvoll bedient werden und mich auf die Hauptcharaktere konzentrieren, die mir mittlerweile alle sehr ans Herz gewachsen sind.

Die Allmen-Reihe:

  1. Allmen und die Libellen
  2. Allmen und der rosa Diamant
  3. Allmen und die Dahlien
  4. Allmen und die verschwundene María
  5. Allmen und die Erotik
  6. Allmen und der Koi

Seite an Seite – Der Literaturpodcast Folge 3 oder ooh baby baby, it’s a wild world

Ein bißchen still ist es in den letzten Wochen auf unserem Podcast geworden…
Das lag aber nicht etwa daran, daß Andi und ich keine Lust gehabt hätten, über die Bücher zu reden, die wir gelesen haben. Das Problem war, daß Andi noch an der Zulassungsarbeit für sein Staatsexamen saß und den ganzen Tag nichts anderes tat, als alle Daniel Kehlmann Bücher zum wasweißichwievielten Male durchzulesen und auf ihre Metafiktionalität abzuklopfen.
Gut… Vielleicht hätten wir auch einen Podcast darüber machen können…
Vermutlich braucht Andi jetzt aber mal eine kurze Pause von Daniel Kehlmann.

Jetzt geht es jedenfalls wieder frisch motiviert weiter, also viel Spaß mit unserer neusten Folge!

Unsere Titel in dieser Folge sind:

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Andi:
Sophie Passmann – Frank Ocean
Jonathan Safran Foer – Wir sind das Klima!

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Andrea:
Tommy Orange – Dort dort
Mareike Fallwickl – Das Licht ist hier viel heller

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Und zusammen sprechen wir über:
Simone Lappert – Der Sprung

(Die blau unterlegten Titel führen Euch zu den Besprechungen auf meinem Blog.)

Ihr findet uns direkt hier: Seite an Seite – Der Literaturpodcast
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Sowie auf vielen weiteren Podcast-Plattformen!

Und auf Instagram findet Ihr uns unter: seiteanseite.podcast

Schaut auf jeden Fall mal vorbei und hört rein!
Wir freuen uns schon auf Eure Kommentare!

Andi & Andrea

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Review: Wie man sich mit einem Gespenst anfreundet

Morgen ist Halloween und leider bin ich ein zu großer Angsthase, um irgendwelche Horrorstories für diejenigen zu empfehlen, die sich gerne gruseln.
Trotzdem wollte ich Euch eine kleine Gespenstergeschichte vorstellen, die ganz nebenbei auch das meiner Meinung nach entzückendste Buch des Jahres ist: „Wie man sich mit einem Gespenst anfreundet“ von Rebecca Green.

Vor einiger Zeit hatte ich dieses Bilderbuch auf Englisch entdeckt und mich sofort darin verliebt. Immer wieder versuchte ich es meinem Kleinsten gleich beim Vorlesen zu übersetzen, was aber manchmal ein bißchen holprig wirkte und weshalb ich mich unheimlich darüber freute, als ich sah, daß es nun die deutsche Übersetzung beim Diogenes Verlag gibt.

Die Geschichte ist eine ganz wunderbare Anleitung darüber, wie man ein Gespenst fängt, sich mit ihm anfreundet, was man ihm zu Essen geben kann und welche Dinge man besser nicht tun sollte.
Das ganze Buch über kommt man aus dem Schmunzeln nicht mehr heraus und am Ende wird man trotzdem Tränen in den Augen haben.

Wer Sy Montgomerys Autobiografie „Einfach Mensch sein“ gelesen hat, der kennt auch schon Rebecca Greens Zeichenstil, denn die Illustrationen in diesem Buch stammen ebenfalls  aus ihrer Feder.
In gedeckten Grau- und Brauntönen und mit roten Farbakzenten setzt sie die herbstlich-düstere Stimmung perfekt in Szene und schafft es trotzdem, daß die Geschichte insgesamt unheimlich farbenfroh wirkt.

„Wie man sich mit einem Gespenst anfreundet“ ist ein wirklich wunderbares Bilderbuch, das Kinder und Erwachsene gleichermaßen bezaubern dürfte.
Empfohlen ist es ab vier Jahren und auch für all die geeignet, die sich sonst eigentlich vor Geistern fürchten. Denn am Ende der Geschichte wird niemand mehr Angst haben, sondern eher darüber nachdenken, wie er sich selbst ein kleines Gespenst fangen kann.

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Review: Wolkenbruchs waghalsiges Stelldichein mit der Spionin

In meinem Sommerurlaub hatte ich ja nun endlich „Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse“ gelesen. Nun kam mit „Wolkenbruchs waghalsiges Stelldichein mit der Spionin“ eine Fortsetzung der Geschichte auf den Markt und nachdem mir Motti Wolkenbruch im ersten Teil sehr ans Herz gewachsen war, wollte ich nun unbedingt wissen, wie es weitergeht.

Viel Vorwissen ist nicht nötig, um in „Wolkenbruchs waghalsiges Stelldichein…“ einzusteigen.
In der „Wunderlichen Reise“ haben wir Motti und seine jüdisch-orthodoxe Familie kennengelernt, von denen er sich abzunabeln versucht, nachdem er sich in eine Nichtjüdin verliebt, ihn die Mutter aber partout mit einer jüdischen Frau verkuppeln will. Am Ende des ersten Bandes lassen wir Motti einsam in einem Hotel zurück, nachdem er von seinen Eltern vor die Tür gesetzt wurde…
Hier finden wir ihn dann auch zu Beginn de zweiten Teils wieder, wo er nach einigen Wochen immer noch orientierungslos und verlassen ist.
Doch da bekommt er unerwarteten Besuch von einem jungen Mann, der Motti einlädt, mit ihm nach Israel zu kommen und sich den „Verlorenen Söhnen“ anzuschließen. Diese Gruppe besteht aus den Söhnen (und Töchtern) streng orthodoxer jüdischer Eltern, die mit ihren Kindern gebrochen haben, nachdem sie eine etwas freiere Glaubensausrichtung an den Tag gelegt haben. Zusammen leben und arbeiten sie in einem Kibbuz, in dem Orangen angebaut und exportiert werden.
Nach außen hin läuft das Leben hier recht ruhig und beschaulich ab, doch dann wird Motti in das Geheimnis der „Verlorenen Söhne“ eingeweiht: Hierbei handelt es sich nämlich um die Jüdische Weltverschwörung, die ja eigentlich eine Lüge der Nazis war, von den Kibbuzbewohnern aber irgendwann begeistert aufgegriffen wurde und an der sie nun seit Jahren mit recht mäßigem Erfolg arbeiten.

Prompt wird Motti dann auch zum Vorsitzenden des Weltjudentums; eine Aufgabe, an die er mit Ehrgeiz herangeht. Durch geschickte Werbekampagnen und die Beeinflussung von Googles Alexa werden plötzlich Schäferlocken, Schakschuka und Klezmer hip, doch es gibt auch eine Gruppe von Menschen, die die Entwicklung mit unverhohlenem Abscheu beobachten. Denn in einer Bergfeste in den bayerischen Alpen hält sich eine Gruppe Nazis seit dem zweiten Weltkrieg versteckt und arbeitet mit Hochdruck an neusten Technologien, um den Hass der Bevölkerung auf Juden, Muslime und Ausländer im Allgemeinen durch Fake News, antisemitische Memes und Trollkommentare zu schüren.
Und während die neuste Erfindung der Nazis – die Hassmaschine – auf das Internet losgelassen wird, entsendet man zeitgleich die hübscheste Spionin der Bergfeste, um Motti Wolkenbruch ein für alle Mal aus dem Weg zu räumen…

Während „Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse“ eine recht humorvolle Geschichte über den etwas überforderten Sohn einer jüdisch-orthodoxen Familie war, ist „Wolkenbruchs waghalsiges Stelldichein mit der Spionin“ völlig anders gestrickt.
Der erzählerische Ton des zweiten Teils unterscheidet sich stark vom ersten, in dem Motti seine Geschichte noch in der ersten Person geschildert hat. Im neuen Roman wird nun die dritte Person benutzt und auch der Fokus der Geschichte wechselt in jedem Kapitel zwischen dem Kibbuz der Jüdischen Weltverschwörer und der Bergfeste der Nazis.
Auch inhaltlich verabschieden wir uns von der beschaulichen Welt der Familie Wolkenbruch hin zu künstlicher Intelligenz, die die Weltherrschaft erlangen will, einem möglichen dritten Weltkrieg und sogar UFOs.
Einen so krassen Unterschied zwischen zwei Romanen mit demselben Protagonisten habe ich noch nie erlebt und trotzdem, oder vielleicht sogar besonders deswegen, hat mich „Wolkenbruchs waghalsiges Stelldichein mit der Spionin“ absolut begeistert.
Viele Fortsetzungsromane kranken ja ein wenig daran, daß oftmals die gleiche Geschichte wieder neu aufgewärmt wird… Das ist hier definitiv nicht der Fall!

Als ich die „Wunderliche Reise“ diesen Sommer las, war ich fast ein wenig traurig, daß ich kein Hörbuch zu diesem Roman hatte. Der ist nämlich in weiten Teilen auf Jiddisch geschrieben und auch, wenn wohl alles in der Regel so ausgesprochen wird, wie es geschrieben ist, hatte ich bei vielen Worten keine Vorstellung davon, wie betont wird.

Deshalb wollte ich das „Waghalsige Stelldichein“ unbedingt auch parallel hören. Gelesen wird das Hörbuch als ungekürzte Fassung von Autor Thomas Meyer persönlich.
Das macht unheimlichen Spaß, nicht nur, weil er jiddisch spricht, sondern das Ganze auch noch mit einem Schweizer Akzent.
Könnten Ohren lächeln, sie würden es tun!

Einzige Warnung: Wer sich für das Hörbuch entscheidet, was ich wirklich sehr empfehlen kann, der sollte es sich möglichst nicht im Auto anhören, während man mit den Kindern unterwegs ist. Es fallen einige deftige Ausdrücke und ich muss wohl noch im Kindergarten des Jüngsten erklären, warum er „Alarm! Alarm! Ein Jud! Ein Jud!“ ruft. X)

 

Meine Rezension zu „Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse“ findet ihr hier:

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Review: Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse

Auf Achse im Oktober!

Es wird nun aber wirklich Herbst…
Die Stürme wehen, die Novitätenstapel erreichen Höhen, die mich ins Schwitzen bringen und neben dem Lesen steht einiges an im Oktober!

Mitte des Monats geht es mit den weltbesten Kollegen auf die Frankfurter Buchmesse. Mein Notizbuch platzt schon aus allen Nähten, so viele Termine hab ich mir eingetragen, und ich bin wirklich sehr gespannt, was wir dort alles erleben werden.

Ende des Monats sollte es dann hoffentlich einmal wieder Zeit für eine neue Folge von „In vollen Zügen nach…“ werden. Diesmal soll es nach Wien gehen, allerdings mit beiden Kindern und die haben schon sehr eigene Pläne, was sie dort anstellen wollen!
Ich hoffe aber trotzdem, daß vielleicht ein, zwei Buchhandlungen auf dem Weg liegen werden, über die ich dann berichten kann. Also, liebe Wiener: Welche Buchhandlungen sollte ich unbedingt gesehen haben?

Wie schon erwähnt wird der Novitätenstapel nicht kleiner und ich bin schon wahnsinnig gespannt auf die Titel, die ich mir diesen Monat ausgesucht habe:

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Beginnen wir einmal mit ganz viel Liebe für den Diogenes Verlag, der einen Löwenanteil zu meinem Oktoberstapel beigetragen hat.

Wie eigentlich jedes Jahr gibt es etwas Neues von meiner Lieblingsautorin Amélie Nothomb, von der ich seit meiner Ausbildung jedes Buch verschlinge. „Klopf an dein Herz“ kam schon Anfang des Jahres auf Englisch auf den Markt und so hatte ich bereits im englischsprachigen BookTube sehr begeisterte Besprechungen dazu gesehen. Nun hat das Warten endlich ein Ende!

Ein weiterer Autor, von dem jede Neuerscheinung sofort auf meiner Wunschliste landet, ist Martin Suter. Mit „Allmen und der Koi“ legt er den mittlerweile sechsten Band der Allmen-Reihe vor und auch, wenn nicht jeder Suter-Fan automatisch zum Allmen-Fan wird, mag ich die Charaktere einfach unheimlich gern.

In meinem Sommerurlaub hatte ich „Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse“ von Thomas Meyer gelesen, nun erschien der zweite Teil „Wolkenbruchs waghalsiges Stelldichein mit der Spionin“.
In den letzten Monaten habe ich ja langsam wieder angefangen, Hörbücher zu hören und gerade beim ersten Wolkenbruch-Roman bedauerte ich sehr, kein Hörbuch davon zu haben, denn auch wenn man jiddisch wohl ausspricht, wie es geschrieben wird, hatte ich oft keine Ahnung, wie betont wird.
Gestern habe ich dann schon mal ins Hörbuch reingehört und war sofort begeistert von Thomas Meyers Stimme. Jiddisch und ein Schweizer Akzent! – Das freut das Ohr!

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Weiter geht es mit einer ganzen handvoll Romanen:

„Gespräche mit Freunden“ von Sally Rooney hatte mein Kollege Andi ja schon im letzten Podcast vorgestellt und er war nicht wirklich überzeugt davon, allerdings lese ich ausschließlich absolut begeisterte oder komplett enttäuschte Rezensionen. Love it or hate it? Da bilde ich mir immer gern meine eigene Meinung.

Margaret Atwoods neustes Buch „Die Zeuginnen“ habe ich schon gelesen, da es allerdings im September erst auf den Markt kam, nachdem ich meinen Monatsstapel vorgestellt hatte und ich weiß, daß sich einige Leser an den Bildern in meiner Rubrik „Mit Büchern durch das Jahr“ orientieren, um bestimmte Titel wiederzufinden, von denen sie sich nur noch an das Cover erinnern, wird dieser Titel sozusagen nochmal optisch nachgereicht. Die Besprechung könnt ihr allerdings jetzt schon lesen.

Während alle über die Shortlist des Deutschen Buchpreises diskutieren, ist heimlich still und leise die Auswahlliste des Bayerischen Buchpreises erschienen. Mit dabei: „Levi“ von Carmen Buttjer.
Auch so ein Titel, auf den ich mich diesen Monat schon sehr freue!

Ein weiteres „Love it or hate it“-Buch ist wohl „Es ist Sarah“ von Pauline Delabroy-Allard. Wie gesagt; da bilde ich mir gern eine eigene Meinung.

Worauf ich mich aber schon wirklich lange freue, ist „Melmoth“ von Sarah Perry. Ihr Roman „Die Schlange von Essex“ hat mich vor zwei Jahren nach anfänglichen Startschwierigkeiten absolut begeistert, weshalb ich auch große Erwartungen an ihr neues Buch habe.

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Wer meinen Blog nicht erst seit gestern verfolgt, dürfte inzwischen wissen, wie sehr ich die Illustrationen von Kat Menschik liebe, weshalb ihr neustes Buch „Die Puppe im Grase – Norwegische Märchen“ natürlich auf meinem Lesestapel gelandet ist.
Und was für eine schöne Einstimmung auf das diesjährige Gastland der Frankfurter Buchmesse!

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Weil ich nicht nur gerne Bücher, sondern auch Bücher über Bücher lese, freue ich mich diesen Monat sehr über „Leseglück“ von Mareike Fallwickl und Florian Valerius und „Nervenkitzel“ von Miriam Semrau. Nachdem ich so gut wie nie Krimis lese, ist besonders letzteres eine tolle Möglichkeit für mich, mein Krimi-Wissen für den Laden etwas aufzupolieren ohne mich zu Tode fürchten zu müssen.

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Ich sage ja immer: „Es ist kein guter Monat, wenn keine Graphic Novel dabei ist!“, dieser Monat sollte demnach großartig werden!
Mit dabei sind nämlich „Hawking“, die neue Graphic Novel-Biografie von Ottaviani & Myrick, von denen ich auch schon den Band über Richard Feynman sehr begeistert gelesen habe. Dann noch „Natürliche Schönheit“ von Nanna Johansson, die sich feministische Themen im Stil ihrer Landsfrau Liv Strömquist vornimmt und „West, West Texas“ von Tillie Walden. Von ihr wollte ich ja immer „Pirouetten“ lesen, aber irgendwie hat es sich nicht ergeben, dann fang ich eben einfach mit ihrem neusten Buch an.

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Zu guter Letzt noch zwei Bücher aus der Rubrik „In der Kinderbuchabteilung gefunden, lassen aber auch die Herzen der Großen höher schlagen“:
„Wie man sich mit einem Gespenst anfreundet“ von Rebecca Green ist eines meiner liebsten Bilderbücher, das ich seit längerem auf Englisch besitze. Nun habe ich es mir nochmal auf Deutsch besorgt, um nicht immer simultan übersetzen zu müssen, wenn ich es dem Kleinen vorlesen will und um es Euch allen nochmal vorzustellen.
Es ist nämlich unheimlich entzückend!
Ein großartiges illustriertes Sachbuch hingegen ist „Verlorene Arten“ von Jess French und Daniel Long. Hier geht es eben nicht nur um Mammuts und Dinosaurier, sondern auch um Tiere, die erst in den letzten Jahren ausgerottet wurden.
Sehr spannend und informativ und ich kann jetzt schon sagen, daß dieses Buch sowohl mich, als auch meinen Kleinsten ungemein fasziniert.

So… Seid Ihr noch da oder schon von meinem Oktoberstapel erschlagen worden?

Kennt ihr einige der Titel und wie haben sie Euch gefallen?
Sehen wir uns auf der Buchmesse?
Und was sollte ich in Wien auf keinen Fall verpassen, selbst wenn ich alle Hände voll zu tun habe, weil ein Kind verlangt, die Krokodile im Haus des Meeres zu befreien, während sich das andere einen Panzer im Heeresgeschichtlichen Museum klauen will?

Liebe Grüße,
Andrea