Review: The Handmaid’s Tale – Graphic Novel

Margaret Atwoods „Der Report der Magd“ ist ja eins der Bücher, die mich mit am meisten beeindruckt haben. Nun erschien auf Englisch gerade eine Adaption des Romans als Graphic Novel; klarer Fall, daß ich die haben musste!

„The Handmaid’s Tale“ erzählt die Geschichte von Offred (auf Deutsch: Desfred).
In einer dystopischen Zukunft existieren die USA, so wie wir sie heute kennen, nicht mehr. Stattdessen gibt es nun die ultrakonservative Republik Gilead, in der Frauen wenige bis gar keine Rechte mehr haben und das Land nach verschiedenen Umweltkatastrophen in manchen Teilen unbewohnbar geworden ist.
Da die Geburtenrate unaufhaltsam sinkt werden den Kommandanten der Republik sogenannte Mägde zur Verfügung gestellt: fruchtbare Frauen, die den Nachwuchs der Elite zur Welt bringen sollen.

Offred ist eine dieser Mägde, doch sie erinnert sich noch gut an die Zeit vor dem Umsturz, als es Frauen noch nicht verboten war zu Lernen, zu Arbeiten, oder ihren Besitz selbst zu verwalten. Eine Zeit, wie die unsere…
Nun ist sie in einer Welt gefangen, in der es für sie keinen Ausweg gibt, außer sich zu beugen. Doch nach und nach bemerkt sie kleine Risse in dieser Welt. Ist es vielleicht doch möglich auszubrechen?

Wer den „Report der Magd“ noch nicht gelesen hat sollte das wirklich nachholen!
Ich selbst habe es richtig bereut, das Buch erst vor ein paar Jahren und nicht schon als Teenager gelesen zu haben. Vermutlich hat es mich abgeschreckt, daß das Buch in der „Zukunft“ spielt; das hörte sich für mich immer nach Science Fiction an.
Dabei könnte die Handlung genauso jetzt, oder vor zwanzig Jahren spielen, denn alles was passiert ist, um Offreds Welt entstehen zu lassen, ist nichts was sich Margaret Atwood ausgedacht hat.
Naturkatastrophen, die Kernkraftwerke zerstört und ganze Landstriche radioaktiv verseucht haben? Nationalisten, die Dank eines Putsches an die Macht gekommen sind, der anschließend einer religiösen Minderheit in die Schuhe geschoben wurde? Frauen, die der Regierungselite als Gebärmaschinen zur Verfügung gestellt wurden? – Das alles ist schon einmal passiert und es gibt keine Garantie, daß es nicht wieder geschehen könnte.

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Die Adaption der Geschichte als Graphic Novel ist unheimlich gut gelungen! Fast möchte ich sagen: es ist eine der besten zeichnerischen Umsetzungen eines Buches, die ich je gesehen habe.
Dabei verwendet die Illustratorin Renée Nault sehr reduzierte Federzeichnungen, die sie dann aber umso aufwändiger koloriert und jeder Szene damit eine einzigartige Atmosphäre gibt.

Auch die Umsetzung der Handlung funktioniert hervorragend, wobei man natürlich im Buch mehr Informationen bekommt, wie es zum Umsturz kam. Trotzdem funktioniert die Graphic Novel auch problemlos als eigenständiges Werk für alle, die den Roman noch nicht gelesen haben.

Auf Deutsch wird die Graphic Novel von „Der Report der Magd“ wohl Anfang September im Berlin Verlag erscheinen, kurz bevor mit „The Testaments“ („Die Zeuginnen“) endlich die lang erwartete Fortsetzung von „The Handmaid’s Tale“ auf den Markt kommt.
Ich bin schon wahnsinnig gespannt!

 

Meine ausführliche Besprechung von „Der Report der Magd“ findet Ihr hier:

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Review: Der Report der Magd

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Review: I’m every woman

In letzter Zeit bin ich immer wieder auf die Comics von Liv Strömquist gestossen, die sich mit Titeln wie „Der Ursprung der Welt“ den Feminismus auf die Fahnen geschrieben hat.
Also habe ich mir ihr neustes Buch „I’m every woman“ geschnappt, denn wie konnte ich bitte dieser frech grinsenden Madonna auf dem Cover widerstehen?

Bei einem Schwimmbadbesuch mit den Kindern begann ich mit dieser Graphic Novel und musste sie auch schon bald wieder zur Seite legen, weil ich so laut lachen musste, daß die Leute schon guckten…

In verschiedenen Episoden erzählt Liv Strömquist von starken Frauen und spannenden Ideen und nimmt dabei auch schon mal vermeintlich liberale Denkmuster etwas genauer unter die Lupe.

Im ersten Abschnitt werden beispielsweise „Die unsäglichsten Lover der Weltgeschichte“ gekürt. Ein Segment, das ich ebenso lustig wie lehrreich fand, denn daß einige berühmte Männer diverse Frauen nebenher hatten ist ja bekannt. Wie sich manche Herren dabei aber aufgeführt haben, war auch für mich neu…
Edvard Munch zum Beispiel schaffte es, sich bei einem Streit mit seiner Geliebten selbst in den Finger zu schießen, das ganze dann aber ihr in die Schuhe zu schieben (mit der Begründung, sie hätte ihn hypnotisiert) und anschließend blutrünstige Gemälde mit Titeln wie „Die Mörderin“ zu malen, um den Vorfall zu verarbeiten.
Darüber kann man wirklich nur lachen und den Kopf schütteln!

Liv Strömquists Zeichenstil ist sehr schlicht und reduziert. Manche finden ihn ja deshalb nicht besonders ansprechend, ich habe aber nichts daran auszusetzen.
Sie setzt auf sehr einfache Illustrationen, die dann zum Teil koloriert, zum Teil schwarz-weiß belassen sind und bedient sich hin und wieder auch gerne der Kollagetechnik.

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„I’m every woman“ ist kein Buch, das gefallen möchte. Man kann sich immer wieder an einigen Aussagen reiben und stoßen, sie gutheißen oder ablehnen… Liv Strömquist schreibt frei Schnauze, ohne auf political correctness zu achten, oder nach Bestätigung zu heischen. Durch ihre Unangepasstheit bekommt diese Graphic Novel das gewisse Etwas, das sie mir wahnsinnig sympathisch gemacht hat und der rotzfreche Humor hat mich vollends begeistert.
Bestimmt wird das nicht mein letztes Buch von Liv Strömquist gewesen sein!

Abenteuerliches im April

Morgen ist schon der erste April und bevor ihr denkt, daß der riesige Stapel, der sich diesen Monat bei mir angesammelt hat nur ein Aprilscherz ist, erzähle ich Euch lieber jetzt schnell, was im nächsten Monat alles auf meiner Leseliste steht.
Denn es ist eine ganze Menge zusammen gekommen!

Leider hänge ich noch ein wenig mit meinem Märzstapel hinterher, denn wie viele von Euch ja vielleicht mitbekommen haben, war ich schwer beschäftigt damit, die Wohnung zu renovieren, aber wenigstens habe ich nun endlich ein eigenes Zimmer.
Deshalb setze ich für den April vermehrt auf illustrierte Bücher und Graphic Novels. Hach… ich freue mich, denn es ist viel Spannendes und Abenteuerliches mit dabei.

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Aber beginnen wir mit den Romanen:

Das Buch, auf das ich mich wohl am meisten freue ist Das Verschwinden der Stephanie Mailer von Joel Dicker.
Bereits mit seinen ersten beiden Romanen „Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert“ und „Die Geschichte der Baltimores“ hat mich Dicker restlos begeistert. Hoffentlich kann „Stephanie Mailer“ daran anschließen.

Spannend hört sich auch Katherine Dions Debütroman „Die Angehörigen“ an.
Es geht um einen Mann, der nach dem Tod seiner Frau feststellt, daß sie wohl Zeit Lebens Geheimnisse vor ihm hatte…

Auf der Buchmesse wurde mir am Stand von weissbooks von Luna Al-Mouslis Roman „Als Oma, Gott und Britney sich im Wohnzimmer trafen oder Der Islam und ich“ vorgeschwärmt.
Ende letzten Jahres haben ja viele Blogger sich die Mühe gemacht, um durchzuzählen, wie hoch die Frauenquote bei ihrer Lektüre war. Ich nahm das zum Anlass, um zu sehen, wie divers ich lese. Das Ergebnis: Während ich ganz gut bei den Persons of Color lag (vorausgesetzt man zählt Asiaten mit) und noch recht okay im Bereich LGBTQ+, war lediglich eine einzige Autorin mit Behinderung dabei und gar keine muslimischen Autoren! Daran wollte ich also ohnehin arbeiten, Luna Al-Mousli scheint da schon mal ein guter Einstieg zu sein.

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Natürlich darf auch der neue Moers nicht fehlen!
In Der Bücherdrache legt Walter Moers zwar nicht den lang erwarteten dritten Teil der „Stadt der träumenden Bücher“-Saga vor, dennoch geht es endlich wieder in die Katakomben von Buchhaim, diesmal allerdings mit dem kleinen Buchling Hildegunst von Mythenmetz.

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Weiter geht es mit den Sachbüchern.
Bei meinem neuen Lieblingsreisebuchverlag, dem Reisedepeschen Verlag ist vor Kurzem „Vom Glück zu Reisen“erschienen.
Darin setzt sich Philipp Laage wohl ebenso kritisch wie humorvoll mit den Auswüchsen der heutigen Reise-Industrie auseinander; von Selbstfindungstrips über Pauschal-Abenteuerurlaube.

Ein Titel auf den ich schon sehr gespannt bin ist „Einfach Mensch sein – Von Tieren lernen“ von Sy Montgomery. Ihr erstes Buch „Rendezvous mit einem Oktopus“ wurde ja zum Bestseller und mir schon lange von Kollegen ans Herz gelegt. Allerdings habe ich mich nun doch für „Einfach Mensch sein“ entschieden, immerhin wurde es von Rebecca Green illustriert, die zwar in Deutschland weitestgehend unbekannt ist, deren entzückendes Bilderbuch „How to Make Friends with a Ghost“ aber zu meinen Favoriten in diesem Bereich zählt.

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Mit Tieren und Menschen geht es weiter und zwar in zwei Graphic Novels, die von den Forschungsreisen zwei der berühmtesten Naturwissenschaftler ihrer Zeit berichten:
„Darwin – An Exceptional Voyage“ von Fabien Grolleau und Jérémie Royer erzählt von der berühmten Reise auf der Beagle, während „Die Abenteuer des Alexander von Humboldt“ von Humboldt-Expertin und Biografin Andrea Wulf und Illustratorin Lillian Melcher sich mit den Amerika-Reisen des Forschers beschäftigt.
So ähnlich sich die beiden Titel auch vom Thema her sind, so unterschiedlich sind sie in der Umsetzung und den Illustrationen.
Ich freue mich wirklich schon sehr darauf, Euch die Titel diesen Monat noch genauer vorzustellen!

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Bleiben wir bei illustriertem Sachbuch und widmen wir uns den Frauen…
Die Graphic Novel I’m every woman von Liv Strömquist setzt sich auf absolut humorvolle Weise mit Feminismus und Themen, die Frauen bewegen auseinander.

„Kickass Women – 52 wahre Heldinnen“ von Mackenzi Lee dagegen ist im Stil von Büchern wie „Good Night Stories for Rebel Girls“ aufgemacht, wartet aber mit wesentlich unbekannteren Frauen auf, von denen ich zum Großteil noch nie gehört habe, und das obwohl ich im letzten Jahr bereits einige solcher Titel gelesen habe!

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Zu guter letzt bleiben wir bei Geschichten um Frauen und deren grafischer Umsetzung.

The Handmaid’s Tale von Margaret Atwood liegt nun endlich auf Englisch als Graphic Novel vor und wurde wirklich verdammt gut umgesetzt!
„Mary Who Wrote Frankenstein“ ist dagegen ein Bilderbuch, das zwar im englischsprachigen Raum zig Preise gewonnen hat, in Deutschland aber noch weitestgehend unbekannt ist.
Darin geht es um die Geschichte von Mary Shelley… Spannend!

Das ist er also, mein viel zu hoher Aprilstapel und wenn ich mir anschaue, was da alles noch vom März liegt könnte man ein bißchen an meinen Plänen zweifeln…
Allerdings ist nun tatsächlich wieder ein bißchen Ruhe in die Wohnung eingekehrt und ich merke, daß ich wieder Zeit finde, mehr zu lesen.
Der Maistapel wird dann aber garantiert wieder kleiner… Bestimmt!

Welche Titel liegen auf Euren Lesestapeln?
Worauf freut Ihr Euch am meisten und kennt Ihr einige der Titel, die ich heute vorgestellt habe vielleicht schon?
Ich wünsche Euch einen wunderbaren Frühling!

Eure Andrea

Review: Wer die Nachtigall stört – Graphic Novel

Viele Jahre lang stand „Wer die Nachtigall stört“ auf meiner Liste der Schande, also meine Liste der Bücher, die ich unbedingt gelesen haben sollte und es trotzdem noch nicht getan habe.
Als ich dann vor zehn Jahren in Chicago war und die Buchhandlungen dort besuchte, war ich zudem überrascht, welchen Status dieses Buch in den USA geniest. Denn in jeder Belletristik-Abteilung gab es immer ein ganzes Regal, das ausschließlich „To Kill a Mockingbird“ gewidmet war und in dem man die verschiedensten Ausgaben fand.

Vor ein paar Jahren, habe ich den Roman dann endlich gelesen und ich weiß noch, daß ich überrascht war, wie leicht er sich lesen lies. Und auch, weil das vordergründige Thema „Rassismus“ vielleicht gar nicht einmal den Kern der Geschichte bildet, sondern weil es für mich die amerikanische Seele beschrieben hat, wie kein anderes Buch.

Nun gibt es „Wer die Nachtigall stört“ auch als Graphic Novel.
Klarer Fall, daß ich sehr gespannt auf die Umsetzung war.

Alabama in den 1930er Jahren. Die achtjährige Scout und ihr großer Bruder Jem wachsen bei ihrem Vater, dem Anwalt Atticus Finch auf.
Ihre Sommer verbringen die Geschwister damit, durch die Nachbarschaft zu stromern und sich mit ihrem Freund Dill Spiele auszudenken. Im Mittelpunkt ihrer Mutproben steht der geheimnisvolle Boo Radley, der sein Haus seit Jahren nicht mehr verlassen hat und über den es die schaurigsten Gerüchte gibt.

Doch alles ändert sich, als der schwarze Arbeiter Tom Robinson angeklagt wird, eine weiße Frau vergewaltigt zu haben und Atticus dessen Verteidigung übernimmt.
Von da an werden nicht nur Atticus, sondern auch Scout und Jem rassistisch beschimpft und beleidigt.
Während Atticus und auch Jem diesen Umstand recht gleichmütig ertragen, hat die leidenschaftliche Scout sehr damit zu kämpfen. Bald findet sie sich in den Frontlinien eines Konfliktes, der ihre Sicht auf die Dinge nachhaltig verändern wird…

„Wer die Nachtigall stört“ ist ein wirklich vielschichtiges Buch und ich muss sagen, daß der Roman als Graphic Novel wirklich unheimlich gut umgesetzt wurde.
Ich kann mich an keine Szene erinnern, die gefehlt hätte; alles woran ich mich noch lebhaft aus dem Roman erinnere habe ich hier wiedergefunden.

Dabei beschränkte sich Illustrator Fred Fordham nicht nur auf die Dialoge, sondern flicht auch immer wieder stimmungsvolle Bilder ein, die den Szenen eine zusätzliche Tiefe geben.

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Herausgegeben wurde die Graphic Novel bei Rotfuchs, der Jugendbuch-Reihe des Rowohlt Verlags, und wird ab zwölf Jahren empfohlen.

Nun hatte ich ja anfangs geschrieben, daß der Roman recht leicht zu lesen ist, daß er aber ein starkes Bild der amerikanischen Seele zeichnet. Damit meine ich folgendes: während ich persönlich bei dem Thema Rassismus auf die Barrikaden gehe, reagiert Atticus auf eine Weise, die für mich anfangs schwer zu verstehen war.
In einer Szene beispielsweise verbringt Atticus die Nacht vor dem Gefängnis, als ein Mob auftaucht, der Tom ohne Prozess am nächsten Baum aufknüpfen möchte.
Die Situation wird letztendlich erst von der kleinen Scout entschärft, die den Rädelsführern leidenschaftlich entgegen tritt.
Zuhause fühlt sich Scout völlig vor den Kopf gestoßen und sagt: „Ich dachte immer, daß Mr. Cunningham unser Freund ist.“ Woraufhin Atticus ihr entgegnet, daß er das immer noch ist.

Es hat mich schon als Erwachsene viel Zeit gekostet zu verstehen, wie Atticus in der einen Sekunde einen Schwarzen verteidigen kann, der zu Unrecht beschuldigt wurde um in der nächsten den Mob zu verteidigen, der diesen Unschuldigen lynchen will.
Für Kinder und Jugendliche dürfte das ebenso schwer nachzuvollziehen sein und trotzdem finde ich, daß die Altersempfehlung ab zwölf gerechtfertigt ist.
Allerdings würde ich anregen, es mit dem Kind zusammen zu lesen und darüber zu diskutieren und auch zu erklären, warum zu dieser Zeit (und damit auch in diesem Buch) Worte benutzt werden, die heutzutage unverzeihlich wären.

„Wer die Nachtigall stört“ ist ein moderner Klassiker, der durch seine Vielschichtigkeit und das immer noch aktuelle Thema nach wie vor auf jeder Leseliste stehen sollte.
Die Graphic Novel ist ganz wunderbar und unheimlich detailgetreu umgesetzt und steht dem Roman in nichts nach.

Review: Das Wassergespenst von Harrowby Hall

In der schönen kleinen Reihe „Die Unheimlichen“ aus dem Carlsen Verlag werden seit Kurzem regelmäßig gruselige Klassiker der Weltliteratur und auch neuere Texte als Graphic Novels herausgegeben, die von bekannten Comic-Künstlern in Szene gesetzt wurden.

Das neuste Buch der Serie ist „Das Wassergespenst von Harrowby Hall“, das der amerikanische Humorist John Kendrick Bangs vor bereits mehr als hundert Jahren geschrieben hat.

Darin erzählt er vom Fluch der Familie Oglethorpe, deren Residenz Harrowby Hall jedes Jahr am Weihnachtsabend von einem unheimlichen Wassergespenst heimgesucht wird.
Es stellt sich heraus, daß es der Geist eines Mädchens ist, das viele Generationen zuvor im See der das kleine Schloss umgibt, ertrank und der seither keine Ruhe findet.
Man versucht einen Trick nach dem anderen, um dem Gespenst Herr zu werden, bis der Erbe von Harrowby Hall einen verwegenen Plan fasst…
Doch lassen sich Geister wirklich auf ewig bannen?

„Das Wassergespenst von Harrowby Hall“ hat mit ausgesprochen gut gefallen.
Es hat eine perfekte Mischung aus gruseligen und humorvollen Elementen, die mich immer wieder zum Schmunzeln gebracht haben.

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Illustriert wurde das schöne Bändchen von Barbara Yelin, die man bereits von ihren Graphic Novels „Irmina“, „Gift“ oder „Der Sommer ihres Lebens“ kennt und die der Geschichte einen einzigartigen Look verleiht.

Allen, die Graphic Novels lieben kann ich „Das Wassergespenst von Harrowby Hall“ nur wärmstens ans Herz legen.

Für alle Münchner unter Euch, die jetzt Lust auf diese Geschichte oder auf die Bilder von Barbara Yelin bekommen haben, kommt jetzt noch ein kleiner Veranstaltungstipp:
An diesem Donnerstag, den 14. 02. 2019 kommt Barbara Yelin um 18:00 Uhr in unsere Buchhandlung, also in die Hugendubel Filiale am Stachus.
Dort wird sie ein wenig von ihrer Arbeit erzählen und ihre Bücher signieren.
Der Eintritt ist natürlich frei.
Schaut also gerne mal vorbei!

 

Review: Das unabwendbare Altern der Gefühle

Letztes Jahr hat mich Zidrou mit Die Adoption tief berührt, nun ist gerade seine neuste Graphic Novel „Das unabwendbare Altern der Gefühle“ beim Splitter Verlag erschienen und schon auf den ersten Blick war ich von der Geschichte gefesselt…

Mediterranee ist Anfang sechzig, als ihre Mutter stirbt. Schlagartig wird ihr bewusst, daß sie nun die Älteste in der Familie ist und das, was man wohl eine „alte Frau“ nennt, auch wenn sie sich in ihrem Inneren noch lange nicht so fühlt.

Ulysses ist Ende fünfzig, als er in Frührente geschickt wird. Seine Frau ist schon vor Jahren gestorben und so sitzt er Abends oft alleine vor dem Fernseher oder einem Sudoku, dabei will er noch nicht zum alten Eisen gehören.

Mit zwei so ähnlichen Geschichten und so schicksalhaften Namen ist klar, daß sich die beiden eines Tages begegnen müssen. Und so kommt es, daß sich Mediterranee und Ulysses ineinander verlieben, sich wieder jung fühlen und ihren zweiten Frühling genießen.

Doch dann passiert etwas, womit keiner rechnen konnte und was das Leben der beiden völlig auf den Kopf stellt…

„Das unabwendbare Altern der Gefühle“ hat mich wirklich sehr bewegt und am Schluß hatte ich – wie so oft bei großartigen Graphic Novels – Tränen in den Augen.

Zunächst einmal hat mich das Thema sehr angesprochen. Über Liebe und Sex im Alter liest man nicht sehr häufig; eigentlich fiel mit spontan nur „Die Liebe in den Zeiten der Cholera“ ein.
Dabei zeigt Illustratorin Aimée de Jongh die Körper von Mediterranee und Ulysses wirklich ungeschönt, mit Fettpolstern, Falten und Altersflecken und trotzdem mit sehr viel Schönheit, die von ihrer inneren Haltung und dem gemeinsamen Glück ausgeht.

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„Das unabwendbare Altern der Gefühle“ ist eine wirklich schöne Graphic Novel, mit einer Geschichte, die ans Herz geht, Charakteren, zu denen man (bei mir trotz deutlichem Altersunterschied) sofort eine Verbindung aufbaut und einer Wendung, die man garantiert nicht vorhersieht.

Von mir gibt es dafür eine klare Empfehlung!

Review: Die entsetzliche Angst der Epiphanie Schreck

Vor Kurzem erschien „Die entsetzliche Angst der Epiphanie Schreck“ bei toonfish, dem Kinderimprint der Splitter Verlags.
Da ich mich sofort in die Illustrationen verguckt hatte, war ich sehr gespannt auf diese Graphic Novel von Séverine Gauthier und Clément Lefèvre.

Epiphanie ist achteinhalb Jahre alt und fast genauso alt ist ihre Angst, die ihr wie ein Schatten folgt. Um genau zu sein ist es ihr Schatten vor dem Epiphanie Angst hat, denn sie leidet an Sciophobie.

An manchen Tagen ist die Angst so mächtig, daß Epiphanie weder ein noch aus weiß und so macht sie sich auf die Suche nach Hilfe. Dabei landet sie in einer seltsamen Welt, die eigenen, verrückten Regeln unterworfen ist, doch niemand hier scheint Epiphanie helfen zu können. Weder der Doktor, noch ein heldenhafter Ritter oder ein Dompteur, der versucht, den Schatten zu zähmen.
Im Gegenteil: je verzweifelter Epiphanie wird, desto größer und mächtiger wird ihre Angst…

Erst als sie begreift, daß sie selbst es schaffen muss, sich von ihrer Angst zu befreien, können Epiphanie und der Schatten Frieden schließen.

Clément Lefèvres Zeichenstil hat mich sofort angesprochen. Ein bißchen fühlte ich mich an „Chihiros Reise ins Zauberland“ erinnert.

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Auch die Grundidee der Geschichte fand ich sehr spannend: viele Kinder leiden an unbestimmten Ängsten, die sie oft nicht erklären können und die von Erwachsenen nicht ernst genommen werden. Das Leben kann in diesem Alter aber auch wirklich beängstigend sein!

Allerdings war mir die Erzählung stellenweise fast ein bißchen konfus. Man wird sofort in die Epiphanies Suche nach Hilfe geworfen und jagt dann atemlos von einem Abenteuer zum nächsten, so daß man oft das Gefühl hat, gar nicht richtig hinterherzukommen.

Trotzdem hat mir „Epiphanie Schreck“ gut gefallen. Für mich punktet die Geschichte vor allem durch die schönen Illustrationen und das schwierige Thema, das hier sehr kindgerecht aufgearbeitet wird.
Da das Buch ab acht Jahren empfohlen wird, habe ich es gleich noch meinem Zwölfjährigen in die Hand gedrückt, der es auch „sehr, sehr schön“ fand.

Schaut auf jeden Fall mal rein, wenn es Euch in die Finger fällt!