Review: Natürliche Schönheit

Dieses Frühjahr begeisterte mich ja die schwedische Comic-Künstlerin Liv Strömquist mit ihrer Graphic Novel „I’m every woman“, in der sie sich mit feministischen Themen und Denkmustern auseinandersetzt.
Nun hat der Avant Verlag auch ihre Landsfrau Nanna Johansson aufgelegt, die mit einem vergleichbaren Zeichenstil aufwartet und sich auch ähnlichen Themen widmet.
Klar, daß ich sehen wollte, ob ihr Buch „Natürliche Schönheit“ mich ebenso sehr begeistern würde, wie das von Liv Strömquist…

„Natürliche Schönheit“ ist eine Zusammenstellung von verschiedenen Comics, Cartoons, Zeichnungen und Kollagen, die auf die eine oder andere Art mit dem Thema Schönheit zu tun haben, wobei aber auch immer wieder völlig unterschiedliche Dinge behandelt werden.
So werden zum Beispiel die Schmink- und Abnehmtipps der Frauenzeitschriften wunderbar aufs Korn genommen, dann wiederum schaltet sich ein übler Teenager ein, der Tricks verrät, wie man bekommt, was man will.

Der Zeichenstil ist recht einfach gehalten und erinnert eben an den von Liv Strömquist. „Natürliche Schönheit“ kommt allerdings sehr viel bunter und auch vielseitiger daher, denn hier wechseln sich Cartoons, Fotos und Kollagen fröhlich ab, ohne daß es jedoch dabei zum Stilbruch kommen würde.

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Der größte Unterschied, den ich zu Strömquist sehe, ist daß Nanna Johansson eher mit Überspitzungen unterhält, während ihre Landsfrau dadurch punktet, daß sie Denkmuster (auch liberale!) auf eine sehr bissige Art und Weise hinterfragt.
Was mir in „Natürliche Schönheit“ ein bißchen fehlte, war ein roter Faden, der die zum Teil sehr unterschiedlichen Segmente miteinander verbunden hätte. Zwar war das Thema „Schönheit“ als Oberbegriff gewählt worden, allerdings gab es dann doch so viele verschiedene Geschichten, die nichts damit zu tun hatten, daß sie eher wie Beiwerk wirkten, anstatt dem Buch eine einheitliche Richtung zu geben.

Nanna Johansson hat mich mit „Natürliche Schönheit“ zwar gut unterhalten, aber noch nicht so überzeugen können, wie die Bücher von Liv Strömquist. Trotzdem erkennt man das Potential dieser Illustratorin, das auf jeden Fall Lust macht, beim nächsten Titel wieder reinzuschauen.

Review: Victor Hugo – Im Exil

„Der Glöckner von Notre-Dame“ und „Les Misérables – Die Elenden“ sind wohl Titel, von denen jeder schon einmal gehört hat. Über das Leben ihres Autors Victor Hugo wusste ich allerdings bis vor kurzem so gut wie gar nichts; das heißt, bis ich diese Graphic Novel las.

In „Victor Hugo – Im Exil“ vermischen Esther Gil und Laurent Paturaud Realität und Fiktion zu einer sowohl spannenden, als auch interessanten Geschichte.

Nachdem sich Charles Louis Napoléon Bonaparte nach einem Staatsstreich zunächst zum Präsidenten auf Lebenszeit und später zum Kaiser erklären lies, wurde Victor Hugo, der ihn dafür scharf kritisierte, aus Frankreich verbannt.
Die Jahre des Exils verbrachte er auf den britischen Kanalinseln, wohin mehrere Regimegegner geflüchtet waren. Trotz der Verbannung war Hugo politisch äußerst aktiv und versuchte, mit engagierten Briefen auf die Mächtigen einzuwirken.
Ein schwerer Schicksalsschlag war der Tod seiner Tochter Léopoldine, die ertrank, nachdem ihr Ausflugsboot gekentert war. Ihr Ehemann starb bei dem Versuch, sie zu retten.
Soweit die historischen Fakten.

„Victor Hugo – Im Exil“ beginnt zehn Jahre nach diesen Ereignissen. Hugo lebt gemeinsam mit anderen Exilanten auf der Insel Jersey und hat den Tod von Léopoldine immer noch nicht verwunden. Gemeinsam mit Auguste Vaquerie, dem Bruder von Léopoldines ebenfalls ertrunkenem Ehemann, beginnt man, Séancen abzuhalten, um Kontakt zu den Seelen der Verstorbenen aufzunehmen.
Eines Abends erscheint dann tatsächlich Léopoldines Geist und fragt, warum sie sterben musste.

Hugo beschließt, trotz der Verbannung nach Frankreich zu reisen, um nachzuforschen, ob vielleicht doch mehr hinter dem Tod seiner Tochter steckt, als nur ein Unfall.
Schon bald findet er tatsächlich Ungereimtheiten und Hinweise, doch auch die Spione Napoléons III. haben ihre Augen und Ohren überall…

Diese Graphic Novel beeindruckt nicht nur durch ihre aufwendigen Illustrationen, sondern auch durch die Verdichtung historischer Fakten und moralischer Fragen, die in einen spannenden Kriminalfall eingebettet wurden.

Obwohl die Geschichte von „Victor Hugo – Im Exil“ in erster Linie erfunden ist, orientiert sie sich doch im Großen und Ganzen an wahren Ereignissen und so erfährt man viel über die damalige Zeit und die progressiven Ansichten eines außergewöhnlichen Autors.

Ein absoluter Tipp für alle Fans von phänomenal illustrierten Graphic Novels!

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Review: Ferngespräch

Wer das Cover sieht, denkt an Urlaub, Sonne, Strand…
Doch „Ferngespräch“ von Sheree Domingo ist eine Graphic Novel, die sich eindrucksvoll mit einem Thema beschäftigt, über das ich zuvor noch nie etwas gelesen hatte.

Es ist ein heißer Sommer und eigentlich möchte die junge Protagonistin nur ins Freibad, wie all ihre Schulkameraden. Doch ihre Mutter hat keinen Urlaub und nimmt sie kurzerhand mit in das Pflegeheim, in dem sie arbeitet.
Normalerweise würde sich ihre Tante kümmern, doch die ist auf die Philippinen geflogen, um bei ihrer Mutter, der Großmutter des Mädchens, sein zu können, weil diese im Sterben liegt…

Das Mädchen erinnert sich kaum noch an die Philippinen und ihre Familie dort. Sie weiß, sie sollte traurig sein, doch sie kennt ihre Großmutter nur noch von Fotografien und hat keinen richtigen Bezug zu ihr.
Ihre Mutter hingegen ist völlig zerrissen. Während sie sich um deutsche Rentner kümmert, ist sie in Gedanken weit weg, bei ihrer eigenen Mutter, von der sie sich nicht einmal verabschieden kann.
Ihre Tochter wandert indessen durch die Gänge des Pflegeheims und lernt dabei Frau Herrmann kennen, deren Ehemann gerade gestorben ist und die genauso verzweifelt ist, in diesem Heim festzusitzen, wie das Mädchen…

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„Ferngespräch“ ist eine Geschichte, die mit wenigen Worten auskommt und es schafft, stattdessen mit eindrucksvollen Bildern die Gefühle des Lesers anzusprechen.

Die drei Frauen der Geschichte haben alle eine andere Beziehung zum Tod: die Tochter, die zum ersten Mal damit konfrontiert ist und nicht weiß, wie sie damit umgehen soll, die Mutter, die nicht Abschied nehmen kann, und die Seniorin, die weiß, daß es für sie bald selbst soweit sein wird und die doch immer noch am Leben hängt…

In einem Nachwort erzählt Sheree Domingo von der Situation der philippinischen Auswanderer, zu denen auch ihre Mutter gehörte: etwa 10 % des Bruttosozialprodukts kommt in Form von Überweisungen ins Land, die Arbeitsmigranten an ihre Familien senden. Diese Migration wird von der Regierung sogar gefördert; an den staatlichen Universitäten werden Pflegekräfte gezielt für den ausländischen Markt ausgebildet, während die Krankenhäuser im eigenen Land chronisch unterbesetzt sind.
In fast jeder Familie arbeitet mindestens ein Familienmitglied im Ausland, ein viertel aller philippinischer Kinder wachsen daher ohne oder mit nur einem Elternteil auf.

Es ist schon eine erschreckende Entwicklung, die das Wohlstandsgefälle auf dem globalen Arbeitsmarkt auf eine Weise aufzeigt, die wir alle nachempfinden können. Denn ist es nicht schrecklich zynisch, daß viele Menschen in ihrem Land keine Perspektive sehen, so daß sie ihre eigenen Kinder verlassen, um die Kinder reicher Amerikaner zu betreuen? Oder daß sie ihre Eltern vor deren Tod nicht mehr sehen, während sie hier in Deutschland Senioren pflegen, deren eigene Kinder sie nicht einmal besuchen kommen?

„Ferngespräch“ spricht dieses Thema auf eine sehr eindrückliche Art und Weise an. Dabei wertet die Geschichte nicht; sie zeigt uns nur eine Welt, von der viele nicht wissen, daß es sie gibt. Es tut gut, gelegentlich über den Tellerrand zu blicken und sein Weltbild zu überdenken.

Mich hat „Ferngespräch“ jedenfalls tief berührt.

Ab in den Urlaub im August!

Willkommen im August!
Unfassbar, wie schnell das Jahr vergeht… Die Kinder haben jetzt Ferien und ich werde in anderthalb Wochen meinen Sommerurlaub beginnen.
Traditionell ist das der Monat des Jahres, in dem ich am wenigsten lese. Immerhin müssen die Kinder bespaßt werden und der Kleinste ist eindeutig noch zu klein, um ihm im Schwimmbad oder am See seinem Schicksal zu überlassen. Für drei Wochen werde ich auch nicht in die Arbeit Pendeln, was meine Lesezeit dann doch stark einschränkt.
Natürlich ist es aber auch die Zeit des Jahres, in der sich meine Regale unter den ganzen Leseexemplaren biegen, die gelesen werden wollen, um den Kunden dann die wichtigsten Neuheiten empfehlen zu können.

Diesen Herbst finde ich unheimlich spannend; wir haben wenige große Namen in den Programmen, dafür aber sehr vielversprechende Debütanten und Autoren, die schon vor ein paar Jahren ein erstes erfolgreiches Buch veröffentlicht haben und nun beweisen müssen, daß sie keine One Hit Wonder sind.

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Ein Backlist-Titel hat sich dann aber trotz der ganzen Novitäten eingeschlichen:
Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse von Thomas Meyer stand schon lange auf meiner Liste, jetzt kam gerade die wunderschön illustrierte Ausgabe der Büchergilde Gutenberg auf den Markt.
Also schnell her damit, bevor Mitte September der zweite Teil „Wolkenbruchs waghalsiges Stelldichein mit der Spionin“ bei Diogenes erscheint!

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Für den Podcast haben sich mein Kollege Andi und ich dann wieder auf zwei Titel geeinigt, die wir gemeinsam lesen und besprechen werden: Auf Erden sind wir kurz grandios von Ocean Vuong und Wir von der anderen Seite von Anika Decker.

Auf den ersten Blick haben die Titel vielleicht nicht viel gemeinsam, aber beide Autoren bringen schon Erfahrung mit, auch wenn dies ihre ersten Romane sind. Ocean Vuong hat sich in den USA bereits einen Namen als Lyriker gemacht, während Anika Decker als Drehbuchautorin hinter Filmen wie „Keinohrhasen“ steht.
Beide Autoren verarbeiten in ihren Büchern außerdem sehr persönliche Erfahrungen: Ocean Vuong schreibt über die Suche nach seiner Identität als homosexueller, vietnamesischer Einwanderer und Anika Decker setzt sich mit ihrer lebensbedrohliche Erkrankung und dem Kampf zurück ins Leben auseinander.

Mit Wir von der anderen Seite habe ich übrigens schon angefangen (obwohl ich meine Monatsstapel traditionell wirklich erst am Ersten des Monats beginne, aber ich brauchte dringend einen Ausgleich zu all den traurigen Büchern im letzten Monat) und bin unheimlich begeistert von Anika Deckers feinfühligem Humor.

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Zwei Titel, auf die ich schon sehr gespannt bin sind „Das Licht ist hier viel heller“ von Mareike Fallwickl und „Miroloi“ von Karen Köhler.
Mareike Fallwickl hatte ja mit Dunkelgrün fast schwarz ein wirklich aufsehenerregendes Debüt hingelegt, das mich sehr beeindruckt hat, Karen Köhler hat sich mit dem Erzählband „Wir haben Raketen geangelt“ einen Namen gemacht.

Vor Kurzem traf ich Karen Köhler bei einem wirklich netten Abendessen zu dem der Hanser Verlag eingeladen hatte und ich war sofort gefangen von der Lesung, die die Autorin da hingelegt hat. Da hat sich die Schauspielausbildung gelohnt!

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Zwei weitere Romane, auf die ich schon sehr gespannt bin sind „Der Sprung“ von Simone Lappert, auf den ich mich freue, seit die fabelhaften Diogenes-Damen auf der Leipziger Buchmesse von diesem Titel erzählt haben. Jetzt darf das Buch mit in den Urlaub!
Außerdem hört sich der Debütroman „Schöner als überall“ von Kristin Höller sehr vielversprechend an!

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Ein weiterer Titel, der mit in den Urlaub darf, ist „Fünf Lieben lang“ von André Aciman. Ich muss zugeben, daß ich immer noch nicht dazu gekommen bin, „Call Me by Your Name“ zu lesen und auch den Film habe ich bisher nicht gesehen. Dann beginne ich wohl einfach mit Acimans neustem Roman, während sein bekanntestes Buch weiterhin auf meiner Lesen!-Liste steht.

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Als illustriertes Sachbuch freue ich mich diesen Monat sehr über „Die wundersamen Zwölf – Kuriose Säugetiere, die tatsächlich existieren“ von Rae Mariz und der Künstlerin Moki, deren Graphic Novel „Sumpfland“ ich ja vor Kurzem vorgestellt habe.
Darin werden wirklich seltsame Geschöpfe, wie der Langschnabeligel oder der Wüstengoldmull vorgestellt und natürlich darf auch das Schuppentier nicht fehlen! Immerhin ist es das Verlagsmaskottchen des fabelhaften Reisedepeschen Verlags.

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Literarisch wird es dann bei den Graphic Novels.
Der Künstler Andreas Eikenroth hat sich nämlich Georg Büchners „Woyzeck“ vorgenommen und grafisch inszeniert. Dabei hat er den Text ein wenig modernisiert und auch die Handlung vom Anfang des 19. Jahrhunderts in die Weimarer Republik geholt.
Für mich war der „Woyzeck“ ja als Schullektüre ein Graus, diese Umsetzung gefällt mir allerdings sehr gut!

Und im Splitter Verlag erschien nun „Victor Hugo – Im Exil“ von Esther Gil und Laurent Paturaud. Darin wird die Entstehungsgeschichte von „Les Misérables“ zwar fiktiv geschildert, allerdings haben sich die Autoren wohl an realen Ereignissen orientiert.
Ich bin gespannt!

Ganz schön viel vorgenommen habe ich mir da, hoffentlich komme ich wenigstens halbwegs zum Lesen!

Was liegt auf Euren Lesestapeln und auf welche Neuerscheinungen freut Ihr Euch in diesem Herbst schon am meisten?

Ich wünsche Euch einen sonnigen August,
Eure Andrea

Review: Sumpfland

Heute möchte ich Euch eine ganz besondere Graphic Novel vorstellen, die mich sehr beeindruckt hat: „Sumpfland“ der deutschen Künstlerin Moki aus dem Reprodukt Verlag.

In „Sumpfland“ folgen wir sehr verschiedenen Charakteren in recht unterschiedlichen Geschichten, die aber durch gemeinsame Themen miteinander verbunden sind.
Da ist zum Beispiel Ocre, eine Frau die durch die Landschaft zieht und versucht, eins mit ihr zu werden. Dann gibt es den introvertierten Aldi und seine Füchsin Puffi, deren Beziehung fast an Aldis Eigenbrötlerei zerbricht. Und es gibt die Getüme, seltsame quallenartige Wesen, die all ihre Energie auf Arbeit und ökonomisches Wachstum verwenden, bis die Frage nach der Endlichkeit der Ressourcen aufkommt.

Es gibt viele gesellschafts- und sozialkritische Themen, die in „Sumpfland“ angesprochen werden: die Zerstörung der Natur und der Versuch einzelner, zur Natur zurückzufinden oder die Wachstumsgesellschaft, in der die Leistung des Einzelnen kaum gewürdigt wird. Es gibt aber auch sehr menschliche Themen, wie Verlassen zu werden, sich selbst zu verlieren und wiedergefunden zu werden.

So richtig erklären kann man „Sumpfland“ nicht. Man muss es schon gesehen haben und die Bilder auf sich wirken lassen; bestimmt werden viele Leser ganz andere Themen für sich entdecken.
Dabei würde man die Vielschichtigkeit dieser Graphic Novel beim ersten Durchblättern vielleicht gar nicht erkennen, denn Mokis Protagonisten sind Wesen, die wirken, als wären sie aus den verschiedensten Filmen oder Comics zusammengewürfelt worden. Da gibt es zum Beispiel die kleinen, niedlichen Flocken, die aussehen, wie flauschige Bällchen, die aber alles sehr genau beobachten und kritische Fragen stellen, oder Ichi, eine Art hasenohrigen Geist, der so zufrieden mit sich und der Welt ist, daß er stets nur das Gute sieht.

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Die Seiten des Buches sind alle in einem hellen Grünton gehalten, die Illustrationen wechseln von cartoonhaften Zeichnungen zu detailverliebten Skizzen, ohne daß es dabei zum Stilbruch kommen würde.

„Sumpfland“ ist für mich definitiv eins der Graphic Novel-Highlights dieses Jahres, auch wenn es mir wirklich schwerfällt, die Geschichte auf den Punkt zu bringen.
Denn hier werden in erster Linie Emotionen transportiert und das schafft Moki wie es wirklich nur wenige können.
Sollte Euch „Sumpfland“ also beim nächsten Besuch in Eurer Lieblingsbuchhandlung in die Hände fallen, dann lest auf jeden Fall rein!

Review: Audubon – On the Wings of the World

Kennt ihr eigentlich Jean-Jacques (John James) Audubon?
Ich muss selber zugeben, daß ich mir seinen Namen nie merken konnte, allerdings ist mir sein bedeutendes Werk ein Begriff: „The Birds of America“.

„The Birds of America“ gilt mittlerweile als ein Meisterwerk der Buchkunst. Wenn heutzutage eines der wenigen vollständigen Exemplare versteigert wird, werden immer Millionenbeträge dafür gezahlt.
Doch der Weg, den Audubon ging, um dieses Werk zu schaffen, war oft mehr als nur steinig…

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In Haiti geboren und in Frankreich aufgewachsen, wurde der junge Jean-Jacques Audubon in die amerikanischen Ländereien seines Vaters geschickt, um den Napoleonischen Kriegen zu entgehen.
Nachdem er als Geschäftsmann gescheitert war, widmete er sich seiner großen Leidenschaft: den Vögeln.

Er reiste durch das ganze Land, um jeden amerikanischen Vogel zu finden, zu fangen und zu malen. Eine Idee, die auf wenig Unterstützung stieß, immerhin gab es schon einen Atlas der Vogelkunde, der erst kurz zuvor herausgegeben wurde.
Ein weiterer Kritikpunkt war, das Audubon die Vögel nicht in streng wissenschaftlichen Illustrationen abbildete, sondern sie künstlerisch ambitioniert und in lebensechten Situationen darstellte.
Doch Audubon ließ sich nicht beirren und opferte sein halbes Leben diesem Projekt, das schließlich in Großbritannien und nicht in den USA realisiert wurde.

Das Besondere an diesem Buch ist außerdem, daß Audubon versuchte, die Vögel möglichst im Maßstab 1:1 abzubilden, es ist also ein wirklich großes Buch, das unter anderem in „Alles Licht, das wir nicht sehen“ erwähnt wird.

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Obwohl das Leben und Werk von Jean-Jacques Audubon wirklich faszinierend ist, hätte ich mich wohl nie damit beschäftigt, gäbe es nicht diese schöne Graphic Novel von Fabien Grolleau und Jérémie Royer.
Vor kurzem hatte ich ja schon ihren Band über Darwin gelesen, der mir so gut gefallen hat, daß ich mir diesen Titel dann sofort bestellte.

Die Geschichte wurde im franko-belgischen Comicstil illustriert, mit einfach gezeichneten Figuren und opulenten Landschaftsbildern.

„Audubon – On the Wings of the World“ ist eine dieser Graphic Novels, die Wissen und Kunst vereinen, eine Idee, für die Audubon selbst schon vor zweihundert Jahren geworben hat.

Meine Rezension zu der schönen Graphic Novel über Charles Darwin findet ihr hier:

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Review: Darwin – An Exceptional Voyage

Review: Darwin – An Exceptional Voyage

Vor Kurzem hatte ich hier ja schon Die Abenteuer des Alexander von Humboldt von Andrea Wulf und Lillian Melcher vorgestellt; eine Graphic Novel, die von den Amerika-Reisen des berühmten Naturforschers erzählt.
Zufälligerweise zog zeitgleich eine weiter Graphic Novel bei mir ein, die sich ebenfalls mit den Reisen eines Wissenschaftlers beschäftigt, der auch heute noch in aller Munde ist: „Darwin – An Exceptional Voyage“ von Fabien Grolleau und Jérémie Royer.

Es war wirklich ganz wunderbar, diese beiden Geschichten gleich nacheinander zu lesen, denn mir war bis dahin nicht bewusst gewesen, welchen Einfluss die Reisen Humboldts auf Darwin hatten.

1831 bricht der junge Charles Darwin gegen den Willen seines Vaters auf eine Reise auf, bei der er innerhalb von fünf Jahren die Welt umrunden und Entdeckungen machen wird, die die Geschichte unserer Erde für immer verändern werden.

Dabei erlebt er viele Abenteuer, kämpft gegen Seekrankheit, lernt neue Völker und Kulturen kennen und entwickelt seine berühmte Theorie von der Entstehung der Arten.
Soweit kennt man die Geschichte vermutlich…
In dieser Graphic Novel lernte ich aber auch vieles, was ich noch nicht über Darwin und die Reise auf der HMS Beagle wusste: zum Beispiel, daß Darwin hauptsächlich deshalb mit auf diese Reise genommen wurde, um dem Kapitän des Schiffes, Robert FitzRoy, Gesellschaft zu leisten. Dieser hatte auf einer früheren Expedition drei Feuerländer gefangen, die er in London „zivilisierte“ und sie nun zurück in ihre Heimat bringen wollte, damit sie gemeinsam mit einem Pfarrer das Wort Gottes und die moderne Zivilisation nach Feuerland bringen sollten.
Darwin selbst hatte sehr starke Ansichten, was das Thema Sklaverei anging: er lehnte sie rundheraus ab, weshalb es immer wieder zu Streitigkeiten mit Kapitän FitzRoy kam.

Spannend, was ich in diesem Buch alles gelernt habe!

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Illustriert wurde es im frankobelgischen Comicstil, das heißt recht vereinfachte, gelegentlich fast cartoonhafte Figuren, während der Hintergrund meist sehr realistisch und atmosphärisch in Szene gesetzt wird.

Dieses Gesamtkunstwerk aus Text, spannenden Informationen und wunderbaren Illustrationen hat mich schwer begeistert. So sehr, daß ich mir sofort die Graphic Novel über Audubon aus der selben Reihe bestellen musste, und das, obwohl mich Audubon bisher nicht wirklich interessiert hat!

Auf Deutsch wird das Buch im September unter dem Titel „Charles Darwin und die Reise auf der HMS Beagle“ bei Knesebeck erscheinen.
Ich kann es allen, die an Graphic Novels, Biografien und/oder Naturwissenschaften interessiert sind nur wärmstens ans Herz legen!