Review: Sumpfland

Heute möchte ich Euch eine ganz besondere Graphic Novel vorstellen, die mich sehr beeindruckt hat: „Sumpfland“ der deutschen Künstlerin Moki aus dem Reprodukt Verlag.

In „Sumpfland“ folgen wir sehr verschiedenen Charakteren in recht unterschiedlichen Geschichten, die aber durch gemeinsame Themen miteinander verbunden sind.
Da ist zum Beispiel Ocre, eine Frau die durch die Landschaft zieht und versucht, eins mit ihr zu werden. Dann gibt es den introvertierten Aldi und seine Füchsin Puffi, deren Beziehung fast an Aldis Eigenbrötlerei zerbricht. Und es gibt die Getüme, seltsame quallenartige Wesen, die all ihre Energie auf Arbeit und ökonomisches Wachstum verwenden, bis die Frage nach der Endlichkeit der Ressourcen aufkommt.

Es gibt viele gesellschafts- und sozialkritische Themen, die in „Sumpfland“ angesprochen werden: die Zerstörung der Natur und der Versuch einzelner, zur Natur zurückzufinden oder die Wachstumsgesellschaft, in der die Leistung des Einzelnen kaum gewürdigt wird. Es gibt aber auch sehr menschliche Themen, wie Verlassen zu werden, sich selbst zu verlieren und wiedergefunden zu werden.

So richtig erklären kann man „Sumpfland“ nicht. Man muss es schon gesehen haben und die Bilder auf sich wirken lassen; bestimmt werden viele Leser ganz andere Themen für sich entdecken.
Dabei würde man die Vielschichtigkeit dieser Graphic Novel beim ersten Durchblättern vielleicht gar nicht erkennen, denn Mokis Protagonisten sind Wesen, die wirken, als wären sie aus den verschiedensten Filmen oder Comics zusammengewürfelt worden. Da gibt es zum Beispiel die kleinen, niedlichen Flocken, die aussehen, wie flauschige Bällchen, die aber alles sehr genau beobachten und kritische Fragen stellen, oder Ichi, eine Art hasenohrigen Geist, der so zufrieden mit sich und der Welt ist, daß er stets nur das Gute sieht.

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Die Seiten des Buches sind alle in einem hellen Grünton gehalten, die Illustrationen wechseln von cartoonhaften Zeichnungen zu detailverliebten Skizzen, ohne daß es dabei zum Stilbruch kommen würde.

„Sumpfland“ ist für mich definitiv eins der Graphic Novel-Highlights dieses Jahres, auch wenn es mir wirklich schwerfällt, die Geschichte auf den Punkt zu bringen.
Denn hier werden in erster Linie Emotionen transportiert und das schafft Moki wie es wirklich nur wenige können.
Sollte Euch „Sumpfland“ also beim nächsten Besuch in Eurer Lieblingsbuchhandlung in die Hände fallen, dann lest auf jeden Fall rein!

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Autor: Lesen... in vollen Zügen

Seit 20 Jahren arbeite ich als Buchhändlerin in München und seit 2017 gibt es nun "Lesen... in vollen Zügen". Hier möchte ich euch vorstellen, welche Bücher mich gerade bewegen. Meine Beträge verfasse ich im Plauderton, eben so, wie ich auch mit meinen Kunden im Laden ins Gespäch komme. Der Schwerpunkt liegt dabei auf aktueller deutsch- und englischsprachiger Literatur. Aber ich bin auch ein großer Fan von schönen Illustrationen und stelle deshalb regelmäßig Graphic Novels und spannende illustrierte Sachbücher vor. Zu meinen Lieblingsautoren gehören Haruki Murakami, Banana Yoshimoto und Amélie Nothomb. Außerdem mache ich mir immer wieder Gedanken zum Thema Leseverhalten in der Rubrik Mein Leben als Leser und plaudere aus dem Nähkästchen in Bekenntnisse einer Buchhändlerin. Wem jetzt aber die Züge bei "Lesen... in vollen Zügen" zu kurz kommen, der kann gerne bei In vollen Zügen nach… vorbei schauen. Hier berichte ich von meinen Zugreisen, den Büchern, die mich dabei begleiten, den Städten die ich besuche und natürlich auch von schönen Buchhandlungen, die es dort zu entdecken gibt.

2 Kommentare zu „Review: Sumpfland“

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