In vollen Zügen auf der Frankfurter Buchmesse 2019

Kurz nach der Leipziger Buchmesse fassten meine Kollegen Andi, den Ihr ja vielleicht von unserem gemeinsamen Podcast kennt, Kafka (leider nicht verwandt) und ich den Entschluss, daß wir doch alle gemeinsam zur Frankfurter Buchmesse fahren könnten. Zusammen mit der wunderbaren Laura als Verstärkung brachen wir also am Mittwoch morgen Richtung Frankfurt am Main auf.
Für die anderen war es ihre erste Buchmesse überhaupt, während ich einen randvollen Terminkalender im Gepäck hatte.

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Da wir für diesen Tag noch nichts geplant hatten, beschlossen wir, ein bißchen Sightseeing zu machen. Tatsächlich hatte ich die Frankfurter Innenstadt noch nie gesehen und schon im Zug waren wir beeindruckt von den riesigen Wolkenkratzern.

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Die Innenstadt überraschte uns dann alle, weil sie so klein und überschaubar war. Es kam mit fast so vor, als hätte man das Klischee eines typisch deutschen Städtchens, wie es sich Chinesen oder Amerikaner vorstellen, mitten zwischen die Wolkenkratzer gesetzt. – Irgendwie nett aber surreal.
Also beschlossen wir, dem großen Hugendubel am Steinweg einen Besuch abzustatten, den wir ja nur von Fotos kannten. In der Filiale trafen wir dann auch gleich auf viele bekannte Gesichter, denn nicht nur die Frankfurter Kollegen war hier, auch einige Münchner hatten beschlossen vorbeizuschauen und schnell kam man miteinander ins Plaudern.
Dort trafen wir dann auch einen lieben Kollegen, der uns mit den kulinarischen Besonderheiten der Frankfurter Küche bekannt machte. Einen Bembel Ebbelwoi und Schnitzel mit grüner Soße? – Okay, das kannten wir vorher auch noch nicht!

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Am Donnerstag war dann unser erster Messetag.
Die anderen waren schnell ziemlich erschlagen von all den Eindrücken und fanden es ein wenig surreal, daß die Autoren der Bücher, die sie gestern noch im Zug gelesen hatten (Sascha Lobo und Saša Stanišić), ihnen offenbar ständig über den Weg liefen.
Und so blieben wir dann auch beim Spiegel Talk mit Saša Stanišić hängen. Immerhin war „Herkunft“ eines meiner Lesehighlights in diesem Jahr.
Saša war dann im Gespräch auch gleich unheimlich sympathisch und brachte wohl jeden im Publikum zum Schmunzeln, als er von seinem kleinen Sohn erzählte: „Der denkt nämlich, ich bin Kranfahrer. Das hab ich ihm irgendwann mal so erzählt und jetzt komm ich aus der Geschichte nicht mehr raus. Jedes Mal wenn wir durch die Stadt gehen und er einen Kran sieht, leuchten seine Augen auf und er fragt: „Papa, ist das deiner?“ und ich will ihm nicht sein Herz brechen. Ich werde mir wohl einen Helm und eine Warnweste kaufen müssen.“

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Saša Stanišić (wird wohl bald als Kranfahrer arbeiten müssen)

Mittags hatte ich dann meinen ersten Termin. Da wurde nämlich der Startschuss für die dritte Staffel des Blogbuster-Preises gegeben, wo ich dieses Mal mit von der Partie bin und in der Bloggerjury sitze.
Wer also ein vollständiges Manuskript aber noch keinen Verlag hat, kann sein Exposé und eine Leseprobe bis zum Jahresende auf der Blogbuster Website hochladen und sich für einen von zehn Bloggern entscheiden. Danach beginnen wir, die Manuskripte zu lesen und entscheiden uns für je einen Favoriten. Diese Longlist wird dann der Fachjury präsentiert, die dann den Gewinner kürt. In der Fachjury sitzen diesmal Eichborn Programmleiter Dominique Pleimling, Bloggerin Alexandra Stiller, Literaturkritiker Knud Cordsen, Autorin Alexa Henning von Lange und Literaturagentin Elisabeth Ruge.
Ich bin schon sehr gespannt auf die Manuskripte!

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Die Blugbuster-Truppe (Fotos mit freundlicher Erlaubnis von Elyseo da Silva)

Anschließend sauste ich dann von Termin zu Termin und hätte fast den Autor René Anour versetzt, der mir als Ortskundiger noch ein paar Tipps für meine Wien-Reise Ende des Monats und seinen Roman „Im Schatten des Turms“ mit auf den Weg gab.
Nochmal tausend Dank dafür!

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Nach meinem letzten Termin bei Uwe von Eichborn ging es dann los mit der Happy Hour…
Bei Hanser traf ich viele liebe und bereits bekannte Gesichter aus der Blogger-Szene und einige auch endlich zum ersten Mal im richtigen Leben, bei Random House fand ich dann all meine Kollegen wieder und ergatterte ein paar Snacks und bei Beltz versackten wir dann anschließend noch, denn diese Kinderbuchverlage wissen, wie man feiert! Und die Live-Musik war richtig gut…

Am Freitag hetzte ich dann von einem Termin zum nächsten.
Besonders schön waren die Bloggertreffen von KiWi und Diogenes
Bei KiWi präsentierte Dana von Suffrin ihren Debütroman „Otto“ unheimlich sympathisch und sorgte mit dem Team vom Verlag für viele Lacher, während Simone Lappert beim Diogenes-Treffen für Gänsehaut sorgte, als sie den Prolog von „Der Sprung“ auswendig vortrug.

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Dana von Suffrin (oben) bei KiWi und Simone Lappert (unten) bei Diogenes

Besonders schön finde ich es auch immer, wenn man eben nicht nur bei den großen, sondern auch bei den ganz kleinen Verlagen nette Gespräche hat und so freute ich mich sehr auf das Treffen mit Marianna Hillmer vom Reisedepeschen Verlag.
Ein kleines Highlight war es dann auch für mich, als sie mir die aktuelle Verlagsvorschau in die Hand drückte, wo für den Verlag unter anderem mit einem Zitat von mir geworben wird. Das hat mich unheimlich stolz und glücklich gemacht!

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Zum Abschluß landete etwa die Hälfte der Kollegen, die sich auf der Messe tummelten bei dtv, wo mir der netteste Key Account Manager noch einen Roman als Mitbringsel für die daheimgebliebene Kollegin gab.

Eigentlich hatte ich mir ja vorgenommen, keine Bücher auf der Messe mitzunehmen, aber wenn im Gespräch die Frage kommt: „Kann ich dir irgendwas Schönes mitgeben?“, kann ich einfach nicht widerstehen und bitte die Verlagsmenschen gerne, ein Buch für mich auszusuchen. Schließlich wird man als Buchhändler ja eher selten beim Buchkauf beraten und da freue ich mich immer über die Herzensbücher der Verleger, denn oftmals sind Sachen dabei, die ich selbst gar nicht auf dem Schirm hatte.
Deshalb durften dann auch dieses Jahr ein paar Titel mit, die mir so begeistert ans Herz gelegt wurden.

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Tausend Dank für die tollen Empfehlungen!

Anschließend hieß es dann Aufbruch und ab in den Zug nach Hause.
Hier verliebte ich mich spontan in den Zugführer, der mit Durchsagen wie: „Aktuell haben wir zehn Minuten Verspätung, aber… ach… egal! Ist auf jeden Fall schön, daß Ihr jetzt alle da seid, das freut mich. Klasse! Dann fahren wir auch gleich mal los…“ für gute Laune sorgte.
Um Mitternacht war ich dann endlich zuhause und am Samstag auch schon wieder im Laden. Diese Bücher verkaufen sich ja nicht von selbst!

Es war eine wirklich schöne Messe und ging wie immer viel zu schnell vorbei.
Das nächste Mal habe ich dann hoffentlich wieder mehr Zeit für Gespräche.
Liebe Grüße an alle, denen ich begegnet bin und an die, die ich knapp verpasst habe.
Es war mir ein Fest!

Vielen Dank für die schöne Zeit und liebe Grüße,
Eure Andrea

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Und weil ich auf der Messe immer zu überwältigt bin, um vernünftige Fotos zu machen, springt mein lieber Kollege Thomas Kafka mit der Reihe „Kafka am Stand“ ein!

Autor: Lesen... in vollen Zügen

Seit 20 Jahren arbeite ich als Buchhändlerin in München und seit 2017 gibt es nun "Lesen... in vollen Zügen". Hier möchte ich euch vorstellen, welche Bücher mich gerade bewegen. Meine Beträge verfasse ich im Plauderton, eben so, wie ich auch mit meinen Kunden im Laden ins Gespäch komme. Der Schwerpunkt liegt dabei auf aktueller deutsch- und englischsprachiger Literatur. Aber ich bin auch ein großer Fan von schönen Illustrationen und stelle deshalb regelmäßig Graphic Novels und spannende illustrierte Sachbücher vor. Zu meinen Lieblingsautoren gehören Haruki Murakami, Banana Yoshimoto und Amélie Nothomb. Außerdem mache ich mir immer wieder Gedanken zum Thema Leseverhalten in der Rubrik Mein Leben als Leser und plaudere aus dem Nähkästchen in Bekenntnisse einer Buchhändlerin. Wem jetzt aber die Züge bei "Lesen... in vollen Zügen" zu kurz kommen, der kann gerne bei In vollen Zügen nach… vorbei schauen. Hier berichte ich von meinen Zugreisen, den Büchern, die mich dabei begleiten, den Städten die ich besuche und natürlich auch von schönen Buchhandlungen, die es dort zu entdecken gibt.

25 Kommentare zu „In vollen Zügen auf der Frankfurter Buchmesse 2019“

    1. Er hätte mich ja zum Narrenturm geschickt, schon allein, weil da sein Buch spielt. 😉 Ist bestimmt auch super interessant, wegen der anatomischen Sammlung, aber ich möcht den Vierjährigen nicht traumatisieren. Die Kinder sind ja mit dabei. 😅

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      1. Der Narrenturm war für meine (erwachsene) Mutter so traumatisierend, dass ich ihr versprechen musste, dort nie nie nie einen Fuß hineinzusetzen. Es gibt dort unter anderem viele entstellte Kinderleichen in Formaldehyd zu begutachten.

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  1. Liebe Andrea,
    dann hast du für die Zukunft noch einiges mit uns vor… 😊😊😊
    Habe gerade in unserem lokalen Radiosender ein Interview mit Martin Walker gehört.
    Habe all seine Bücher von Commisair Bruno im Schrank.
    Lieben Gruß, Ewald

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  2. Ja schade, hab dich also verpasst. War aber auch nur am Donnerstag und Freitag auf der Messe und da war ich auch schon ziemlich durchgeplant. Dann aber vielleicht mal in München. Ich komm mal in deiner Filiale vorbei. 🙂

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