Review: Weil Venus bei meiner Geburt ein Alpenveilchen streifte

Die Schwestern Ella und Martha sind seit frühster Kindheit unzertrennlich. Beide haben sogar am gleichen Tag Geburtstag, allerdings mit einem Jahr Abstand und ihre Verbindung wirkt – zumindest in Kindertagen – geradezu symbiotisch.

Das ändert sich jedoch, als sich Martha verliebt und vom einen auf den anderen Tag die Koffer packt, um zu ihrem Geliebten nach Dänemark zu ziehen.
In Ella geht daraufhin etwas kaputt; ohne ihre Schwester fällt sie in ein regelrechtes Loch. Sie kündigt ihre Stelle und kapselt sich von allem ab. Wann immer sie an Martha erinnert wird, verliert sie im wahrsten Sinne des Wortes den Boden unter den Füßen und erleidet kleine Zusammenbrüche.

Aber dann ist Martha wieder da. – Fast ebenso plötzlich, wie sie verschwunden ist.
Die Beziehung hat ein jähes Ende gefunden und Martha hat sich stark verändert. Sie ist nun extrem reizbar und passiv-aggressiv. Eine Ärztin empfiehlt deshalb einen Kuraufenthalt und die Mutter willigt ein, dafür zu zahlen, wenn Ella ihre Schwester begleitet.

Gemeinsam fahren sie in ein abgelegenes Hotel an einem norwegischen Fjord, doch das Verhältnis der Schwestern leidet unter der erzwungenen Nähe noch mehr.
Ella nimmt Marthas Launen fast schon stoisch hin, doch in ihr brodelt es. Und so beginnt sie, sich immer neue Wege auszudenken, um sich von ihrer Schwester abzugrenzen: Sie lässt sich die Haare kurz scheiden und beginnt eine Affäre mit der Freundin einer Hotelangestellten.
Die Spannungen zwischen den Schwestern nehmen von Tag zu Tag zu und dann ist Martha plötzlich verschwunden…

Kurz vor der Buchmesse hatte ich ja schon Mona Høvrings Debütroman „Was helfen könnte“ gelesen und war unheimlich beeindruckt von ihrem stark verdichteten Schreibstil, bei dem sie in wenigen Sätzen Szenen beschreibt, für die andere Autoren ganze Kapitel brauchen.
Auch in „Weil Venus bei meiner Geburt ein Alpenveilchen streifte“ schafft es Høvring, in weniger als 140 Seiten die komplexe Emotionalität einer lebenslangen Beziehung unglaublich eindringlich zu Erzählen.
Dabei lässt der Text – trotz seiner Kürze – viele Interpretationsmöglichkeiten und Doppeldeutigkeiten zu, sodaß er mir die letzten Tage gar nicht aus dem Kopf gehen wollte.
Für mich ist Mona Høvring eine Autorin allererster Klasse und ich hoffe sehr, daß edition fünf auch bald ihre bisher noch unübersetzten Werke ins Programm nehmen wird.

Autor: Lesen... in vollen Zügen

Seit 20 Jahren arbeite ich als Buchhändlerin in München und seit 2017 gibt es nun "Lesen... in vollen Zügen". Hier möchte ich euch vorstellen, welche Bücher mich gerade bewegen. Meine Beträge verfasse ich im Plauderton, eben so, wie ich auch mit meinen Kunden im Laden ins Gespäch komme. Der Schwerpunkt liegt dabei auf aktueller deutsch- und englischsprachiger Literatur. Aber ich bin auch ein großer Fan von schönen Illustrationen und stelle deshalb regelmäßig Graphic Novels und spannende illustrierte Sachbücher vor. Zu meinen Lieblingsautoren gehören Haruki Murakami, Banana Yoshimoto und Amélie Nothomb. Außerdem mache ich mir immer wieder Gedanken zum Thema Leseverhalten in der Rubrik Mein Leben als Leser und plaudere aus dem Nähkästchen in Bekenntnisse einer Buchhändlerin. Wem jetzt aber die Züge bei "Lesen... in vollen Zügen" zu kurz kommen, der kann gerne bei In vollen Zügen nach… vorbei schauen. Hier berichte ich von meinen Zugreisen, den Büchern, die mich dabei begleiten, den Städten die ich besuche und natürlich auch von schönen Buchhandlungen, die es dort zu entdecken gibt.

4 Kommentare zu „Review: Weil Venus bei meiner Geburt ein Alpenveilchen streifte“

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