Review: Der Sprung

Auf dieses Buch habe ich mich schon gefreut, seit es beim Diogenes-Bloggertreffen auf der Leipziger Buchmesse angekündigt wurde: „Der Sprung“ von Simone Lappert.
Zwar haben es Bücher, in die ich schon lange hohe Erwartungen gesetzt hat, dann meistens schwer bei mir, doch dieser Roman hat gehalten, was versprochen wurde…

Es ist ein Ereignis, das das gewohnte Leben vieler Menschen aus dem Tritt bringt: eine Frau steht auf dem Dach eines Hauses und weigert sich herunterzukommen.
Schnell ist die Polizei vor Ort, Sprungkissen werden aufgepumpt, Gaffer versammeln sich auf der Straße, um das Geschehen zu filmen…
Doch der ganze Trubel hat auch Auswirkungen auf die Menschen, die in der Straße wohnen, arbeiten oder vorbeikommen.
Da sind zum Beispiel Theres und Werner, deren Gemischtwarenladen gegenüber der Frau auf dem Dach schon seit Jahren keine Gewinne mehr abwirft, und die sich plötzlich einem Ansturm von Kunden gegenüber sehen. Oder Felix, der Polizist, der mit der jungen Frau reden soll und der zu sehr mit seinen eigenen Problemen zu kämpfen hat. Da ist Maren, deren Lebensgefährte vermutlich eine Affäre hat und die diesen sonderbaren Tag nutzt, um aus ihrem gewohnten Leben auszubrechen, oder Winnie, das unbeliebteste Mädchen der Schule, die an diesem Tag eine unverhoffte Allianz mit einer Mitschülerin schließt…

In jedem Kapitel schlüpfen wir in eine andere Figur, die das Geschehen auf dem Dach passiv beobachtet, oder versucht, aktiv einzugreifen. Die Gründe, warum die Frau auf dem Dach steht, kann man sich erst nach und nach zusammenpuzzeln, doch auch wenn sie der Ausgangspunkt der Geschichte ist, entwickeln sich die Erzählstränge der zehn Personen um sie herum in zum Teil völlig verschiedene Richtungen. Es sind Geschichten über die Liebe und deren Ende, von Freundschaft, davon, aus seinem Leben auszubrechen, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen oder ihr hinterherzutrauern, vertane Chancen und neue Möglichkeiten…

Simone Lappert schreibt über all das in einem Stil, der den Leser sofort mitreißt und auch wenn manche der Geschichten vielleicht ein bißchen kitschig oder weit hergeholt wirken, macht es einfach großen Spaß, dieses Buch zu lesen!

Obwohl wir es mit einer ganzen handvoll Protagonisten zu tun haben und die Kapitel relativ kurz sind, so daß wir die Perspektive immer wieder wechseln, ist man sofort mitten im Geschehen, fiebert mit den Charakteren mit und kann es dann trotzdem kaum erwarten, wieder zu früheren Handlungssträngen zurückzukehren, um zu sehen, wie es bei diesen Figuren weitergeht.
Das macht den „Sprung“ zu einer absolut kurzweiligen Lektüre, die man jedem Leser ans Herz legen möchte.

Autor: Lesen... in vollen Zügen

Seit 20 Jahren arbeite ich als Buchhändlerin in München und seit 2017 gibt es nun "Lesen... in vollen Zügen". Hier möchte ich euch vorstellen, welche Bücher mich gerade bewegen. Meine Beträge verfasse ich im Plauderton, eben so, wie ich auch mit meinen Kunden im Laden ins Gespäch komme. Der Schwerpunkt liegt dabei auf aktueller deutsch- und englischsprachiger Literatur. Aber ich bin auch ein großer Fan von schönen Illustrationen und stelle deshalb regelmäßig Graphic Novels und spannende illustrierte Sachbücher vor. Zu meinen Lieblingsautoren gehören Haruki Murakami, Banana Yoshimoto und Amélie Nothomb. Außerdem mache ich mir immer wieder Gedanken zum Thema Leseverhalten in der Rubrik Mein Leben als Leser und plaudere aus dem Nähkästchen in Bekenntnisse einer Buchhändlerin. Wem jetzt aber die Züge bei "Lesen... in vollen Zügen" zu kurz kommen, der kann gerne bei In vollen Zügen nach… vorbei schauen. Hier berichte ich von meinen Zugreisen, den Büchern, die mich dabei begleiten, den Städten die ich besuche und natürlich auch von schönen Buchhandlungen, die es dort zu entdecken gibt.

4 Kommentare zu „Review: Der Sprung“

  1. Hallo,

    bei mir war es irgendwie genau umgekehrt! Ich hatte eigentlich keine Erwartungen irgendeiner Art, blieb am Schluss jedoch leicht enttäuscht zurück…

    Im Ansatz fand ich das Buch klasse, und ich liebe es normal, wenn sich die Geschichte aus vielen Perspektiven zusammensetzt. Hier hatte ich jedoch das Gefühl, dass manche Charaktere sich nicht wirklich weiterentwickeln, und der Handlungsstrang mit dem Designer las sich für mich zum Beispiel etwas überzogen.

    Aber ich finde, wie immer, spannend, wie unterschiedlich die Meinungen sind!

    LG,
    Mikka

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