Review: Ein Sommer am See

Wenn man die Tage am See verbringt und auf die lieben Kleinen aufpassen muss, ist es manchmal fast unmöglich, sich auf einen Roman zu konzentrieren.
In solchen Fällen ist es wunderbar, eine dicke Graphic Novel dabei zu haben, von der man zwar immer wieder kurz aufschauen kann, die aber genauso fesselnd ist wie ein Roman und die Sommergefühle perfekt einfängt.

„This One Summer“ („Ein Sommer am See“) von Jillian und Mariko Tamaki ist eine meiner liebsten Graphic Novels, zu der ich im Sommer immer wieder greife…

Jeden Sommer verbringen die 14jährige Rose und ihre Eltern in ihrem Cottage am See. Aber in diesem Jahr scheint sich keine rechte Ferienstimmung einstellen zu wollen… Roses Mutter ist ständig gereizt, die Streitereien der Eltern nehmen jeden Tag zu. Doch die Probleme ihrer Mutter irritieren Rose nur, viel spannender ist es da zusammen mit ihrer Freundin Windy die Dorfjugend auszuspionieren…
Dabei bahnt sich ein Drama an, das Rose ihre Sicht der Dinge überdenken lassen muss… Besonders die Beziehung zu ihrer Mutter.

„Ein Sommer an See“ fängt die Gefühlswelt von Teenagern, aber auch ihrer Eltern unglaublich stark ein. Auf der einen Seite ist da Rose, die einfach nur genervt und wütend auf ihre Mutter ist. Auf der anderen ist da die Mutter, die selbst leidet und nicht weiß, wie sie damit umgehen soll.

Deshalb finde ich dieses Buch wunderbar geeignet, wenn man als Mutter und Tochter nach einer gemeinsamen Lektüre sucht.
Mütter werden wieder an die verwirrende Zeit der Pubertät erinnert und für Töchter wird der Vorhang der Erwachsenenwelt ein Stück weit zurück gezogen, in der Eltern keine Überwesen sind, sondern Fehler und Sorgen haben, die sie manchmal nicht vor ihren Kindern verbergen können.

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Der Zeichenstil der Tamakis ist ziemlich reduziert, das Buch ist lediglich in Hell- und Dunkelblautönen gehalten. Oft wirken gerade die Gesichter und Körper sehr schlicht gezeichnet, doch das Buch überrascht immer wieder mit ungewöhnlichen Perspektiven.
So erinnert „Ein Sommer am See“ oft an ein Storyboard für einen Film.

Deutscher Titel: Ein Sommer am See

Kleiner Tipp für Sparfüchse: Die Deutsche Ausgabe ist mit 29€ nicht unbedingt ein Schnäppchen. Auf Englisch lässt sich die Geschichte aber wirklich gut lesen und die Ausgabe kostet dann nur etwa die Hälfte und ist vom Format her besser für die Strandtasche geeignet.

Autor: Lesen... in vollen Zügen

Seit 20 Jahren arbeite ich als Buchhändlerin in München und seit 2017 gibt es nun "Lesen... in vollen Zügen". Hier möchte ich euch vorstellen, welche Bücher mich gerade bewegen. Meine Beträge verfasse ich im Plauderton, eben so, wie ich auch mit meinen Kunden im Laden ins Gespäch komme. Der Schwerpunkt liegt dabei auf aktueller deutsch- und englischsprachiger Literatur. Aber ich bin auch ein großer Fan von schönen Illustrationen und stelle deshalb regelmäßig Graphic Novels und spannende illustrierte Sachbücher vor. Zu meinen Lieblingsautoren gehören Haruki Murakami, Banana Yoshimoto und Amélie Nothomb. Außerdem mache ich mir immer wieder Gedanken zum Thema Leseverhalten in der Rubrik Mein Leben als Leser und plaudere aus dem Nähkästchen in Bekenntnisse einer Buchhändlerin. Wem jetzt aber die Züge bei "Lesen... in vollen Zügen" zu kurz kommen, der kann gerne bei In vollen Zügen nach… vorbei schauen. Hier berichte ich von meinen Zugreisen, den Büchern, die mich dabei begleiten, den Städten die ich besuche und natürlich auch von schönen Buchhandlungen, die es dort zu entdecken gibt.

11 Kommentare zu „Review: Ein Sommer am See“

  1. Ich finde die Zeichnungen schön! Manchmal gibt es die im Original ja auch als E-Buch wesentlich billiger, wie z. B. die Adoption. Ich wollte die ersten beidne Bücher als E-Buch auf Französisch kaufen, aber die haben anscheinend keine Verträge mit Dänemark, jedenfalls kann ich sie nicht bekommen, 😦

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    1. An dieser Stelle musste ich mir gerade vorstellen, wie du mit dem Auto Richtung Deutschland rast, deinen eReader hinter der Grenze in den Wind hältst und es dir dort runter lädst. 😂
      Ich weiß schon, so einfach ist das nicht… Aber die Vorstellung gefällt mir. 😉

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      1. Na Gottseidank mit Sonnenbrille!
        Bei mir hätte es unter der Sonnenbrille rausgetropft. 😉
        Kennst du auch „Blau ist eine warme Farbe“?
        Ich musste mir das auf drei Tage aufteilen, weil ich nur noch geschluchzt habe… Jaja… Graphic Novels machen das mit mir!

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      2. Es steht auf jeden Fall in der Bücherei, aber nach dem Hype um den Film, dachte ich eher so: „Nee…“ Aber da unser geschmack recht ähnlich zu sein scheint, nehme ich es jetzt in Angriff^^

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