Review: Blau ist eine warme Farbe

Seit ein paar Jahren habe ich mit „Blau ist eine warme Farbe“ geliebäugelt, bei meinem letzten Geburtstagseinkauf durfte es jetzt endlich mit. Ein Glück! 😀

In dieser preisgekrönten Graphic Novel geht es um die anfangs fünfzehnjährige Clementine, die mit der Zeit merkt, daß sie sich nicht wirklich zu Jungen hingezogen fühlt.
Während sie mit ihren Gefühlen kämpft, trifft sie Emma, eine Kunststudentin, die seit Jahren offen lesbisch lebt. Für Clementine ist es Liebe auf den ersten Blick, trotzdem will sie nicht wahr haben, daß sie homosexuell ist.
Doch mit der Zeit werden Clementines Gefühle zu Emma immer stärker und ihr ganzes Leben wird auf den Kopf gestellt…

Vor kurzem ging es ja in der Montagsfrage um Comics. Viele schrieben, daß ihnen hier das Kopfkino fehlen würde, daß sie sich die Figuren nicht selbst vorstellen könnten.
Ich hielt dagegen, daß man dafür eben keinen inneren Monolog hätte, daß das Kopfkino in Graphic Novels darin besteht, in einem Bild zu lesen, wie es den Charakteren geht.
Julíe Maroh ist dafür ein tolles Beispiel. In einer Szene des Buches standen auf einer Seite gerade mal drei Worte. Trotzdem sind mir die Tränen in die Augen gestiegen…

Überhaupt habe ich viel geweint. Gut, ich hab auch nah am Wasser gebaut, aber „Blau ist eine warme Farbe“ ist wirklich wahnsinnig traurig, aber eben auch unheimlich schön.
Dieses Buch hat mich sehr berührt und ist definitiv eines meiner Lieblingsbücher geworden.

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Autor: Lesen... in vollen Zügen

Seit 20 Jahren arbeite ich als Buchhändlerin in München und seit 2017 gibt es nun "Lesen... in vollen Zügen". Hier möchte ich euch vorstellen, welche Bücher mich gerade bewegen. Meine Beträge verfasse ich im Plauderton, eben so, wie ich auch mit meinen Kunden im Laden ins Gespäch komme. Der Schwerpunkt liegt dabei auf aktueller deutsch- und englischsprachiger Literatur. Aber ich bin auch ein großer Fan von schönen Illustrationen und stelle deshalb regelmäßig Graphic Novels und spannende illustrierte Sachbücher vor. Zu meinen Lieblingsautoren gehören Haruki Murakami, Banana Yoshimoto und Amélie Nothomb. Außerdem mache ich mir immer wieder Gedanken zum Thema Leseverhalten in der Rubrik Mein Leben als Leser und plaudere aus dem Nähkästchen in Bekenntnisse einer Buchhändlerin. Wem jetzt aber die Züge bei "Lesen... in vollen Zügen" zu kurz kommen, der kann gerne bei In vollen Zügen nach… vorbei schauen. Hier berichte ich von meinen Zugreisen, den Büchern, die mich dabei begleiten, den Städten die ich besuche und natürlich auch von schönen Buchhandlungen, die es dort zu entdecken gibt.

13 Kommentare zu „Review: Blau ist eine warme Farbe“

  1. Hallo! Gute Rezi!
    Freut mich, dass dieses tolle Werk gefällt.
    Geweint hab ich auch. Wer nicht?!
    Besonders hat mich das Bild berührt, als Clem beerdigt wird und auf der einen Seite die Eltern/verwandten stehen und einige Meter entfernt die Gruppe von Clems Freunden und Freundinnen. Keine allgemeine Versöhnungszene, sondern ehrliche Abbildung der Realität.
    Auch die sexuelle Freizügigkeit (ist ja schon was …) fand ich gut. Sonst wird dieser Aspekt ja „umschrieben“ (vor der Schlafzimmertür endet die love story).
    Ganz, ganz blöde ist natürlich, dass die Protagonistin überhaupt sterben muss!

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    1. Natürlich ist es so traurig gewesen, daß Clementine stirbt. Aber ich glaube, daß ist auch die Kernaussage des Buches… Vorgründig ist es natürlich eine Coming Out Geschichte, aber für mich ging es auch darum, was man mit seinem Leben anstellt…
      Relativ am Anfang sagt Emma ja: „Hätte ich gewusst, daß es uns an Zeit fehlen würde… hätte ich sie nicht derart verschwendet.“

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      1. Wenigtens Gutscheine? 😀
        Das ist wirklich.. traurig.
        Wobei viele ja denken, dass wir Blogger auch einfach JEDES. VERDAMMTE. BUCH umsonst bekommen. Es gab sogar Unmut, wenn Blogger bei Gewinnspielen gewonnen haben. Sowas ist blöd.

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      2. Naja… Als Buchhändlerin kriegt man ja auch relativ viel, aber ich lese eben auch gerne Englisch, die Bücher muss ich natürlich selber kaufen. Ich denke ja, daß Buchhandlungen in erster Linie überleben, weil Büchersüchtige dort arbeiten. 😂 Mein Mann sagt immer, daß ich keinen Cent nach Hause bringe, weil ich mein ganzes Gehalt eh im Laden lasse. 😉

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      3. Haha, oh Gott, so wäre ich wahrscheinlich auch als Buchhändlerin 😀 Ein Grund wieso ich dort nie arbeiten sollte.
        Trotzdem ist es natürlich schön, Bücher geschenkt zu bekommen.
        Meistens nenne ich meiner Familie ganz bestimmte Bücher, die ich mir selber erstmal nicht kaufen würde, weil zu teuer, gerade nicht drin, oder so. Zum Beispiel bekomme ich jedes Jahr an Weihnachten oder zum Geburtstag die neue illustrierte Harry Potter Ausgabe.

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  2. Das sieht wirklich nach einer guten Leseempfehlung aus 🙂 Das werde ich mir auf jeden Fall merken. Ich finde auch, dass in Comics/Mangas/Graphic Novels so viel transportiert werden kann über die Bilder. Diese Mischung aus Zeichnung und Text ist es doch letztendlich, die diese Art von Büchern so spannend macht.

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