Tausend Leben

Als ich zwölf Jahre alt war wurde mir klar, daß ich irgendetwas tun musste, um meinem Leben zu entkommen.
Ich dachte nie an Selbstmord, nein, dafür war ich schon immer zu positiv. Ich war mir absolut sicher, daß ich nur ein paar Jahre durchstehen müsste, bevor alles wieder besser werden würde, doch solange musste ich einen Ort finden, an dem ich vor der realen Welt sicher war.

Im nachhinein betrachtet ist mir nichts wirklich schlimmes passiert… Es war das Päckchen aus Mobbing, schulischen Problemen und einem Körper, der mir zu schaffen machte.
Jeder hat sein Päckchen zu tragen, besonders im Teenageralter und jeder hat seine Bewältigungsstrategien… Manche mobben mit, manche kapseln sich ab, manche suchen sich ein Hobby… Ich verschwand in meinen Büchern.

Bis dahin hatte ich tatsächlich mehr oder weniger lustlos gelesen… Ich war selten in Buchhandlungen. Meine Mutter hatte mir ihre Sammlung an Jugendbüchern vermacht und sich gedacht, daß mich das wohl durch die Pubertät bringen würde, aber besonders scharf war ich nie auf angestaubte Bücher wie „Pucki wird eine glückliche Braut“.

Aber eines Tages war ich bei einer Schulfreundin und betrat das Zimmer ihrer Schwester. Sie war eine begeisterte Leserin und ich war fasziniert von ihrem vollgestopften Bücherregal.
Selbst nach all den Jahren weiß ich noch, wie glücklich und zufrieden mich der Anblick der vielen Bücher gemacht hat. Die Titel waren alle neu und klangen so spannend!
Zumindest spannender als „Pucki als junge Hausfrau“! 🙂
Am nächsten Tag plünderte ich mein Sparschwein, radelte in die Stadt und begann Bücher zu kaufen.
Sobald ich mir meine Bücher selbst aussuchte, bekam ich auch viel mehr Lust zu lesen. Ich las und las und las und vergaß alles um mich herum.

Meine Mutter sagte mir gelegentlich, daß es noch ein anderes Leben gäbe, außerhalb der Bücher… Aber ich mochte dieses Leben nicht. Ich konnte es jeden Tag kaum erwarten, von der Schule heim zu kommen und in ein anderes Leben zu schlüpfen.
Andere mochten ihr langweiliges Leben, ich führte hundert Leben!

In dieser Zeit hatte ich ziemliche Probleme mit einer Art Neurodermitis. Sobald ich meine Haare wusch wurde meine Kopfhaut klebrig und begann sich regelrecht abzulösen. Meine Mutter musste meine Hände festhalten, damit ich nicht kratzte bis ich blutete, so sehr juckte und brannte es.
Am nächsten Tag ging ich immer mit blut- und eiterverklebten Haaren in die Schule.
Das perfekte Opfer!
Die Jungen in meiner Klasse gründeten einen Anti-Andrea-Club. Mit ausgedruckten Clubausweisen und eigener Hymne.
Hätte ich meine Bücher nicht gehabt, weiß ich nicht was aus mir geworden wäre.

An den Vormittagen war ich ein Opfer, an den Nachmittagen, sobald ich mein Buch aufgeklappt hatte, war ich eine Heldin, eine Kriegerin, eine Göttin…
An den Vormittagen stand ich heulend an der Tafel, weil es mein Mathelehrer offenbar pädagogisch wertvoll fand, mir zweimal die Woche eine mündliche sechs einzutragen, an den Nachmittagen befehligte ich Armeen, brachte die Erde zum beben und die Menschen zitterten vor mir…

Erst sehr viel später las ich bei George R. R. Martin, den Satz, der mein Leben und das Leben vieler Leser absolut auf den Punkt gebracht hat:
„A reader lives a thousand lives before he dies… The man who never reads lives only one.“

Seit 18 Jahren nun arbeite ich im Buchhandel. Bei vielen Kunden und Kollegen erfährt man irgendwann, daß sie ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Es muss nicht immer gleich ein Anti-Club gegründet worden sein, aber viele begeisterte Leser fühlten sich an gewissen Punkten in ihrem Leben fehl am Platz, nicht wirklich zugehörig und suchten nach einem Ort, an dem sie jemand anderes sein konnten.

Studien haben ergeben, daß Vielleser sehr empathische Menschen sind. Natürlich… Wir schlüpfen im Laufe der Zeit in so viele Leben. Wir sind schwul oder lesbisch, Opfer und Täter, schön oder hässlich, Sklaven, Verstoßene, Mitläufer und Behinderte. Und auch wenn wir die Erfahrungen nicht am eigenen Leib machen, bleibt ein kleiner Teil der Schicksale über die wir lesen immer bei uns und macht uns zu vielschichtigen und offenen Menschen.

Vielleicht war es rückblickend das Beste, was mir passieren konnte, daß ich so unter meiner Neurodermitis zu leiden hatte und daß sich die Jungen aus der siebten Klasse die Mühe gemacht haben, ein Hass-Lied auf mich zu komponieren.
Denn ohne das alles hätte ich mich nie in Bücher verstecken müssen.
Ohne sie hätte ich nicht tausend Leben, sondern nur eins.

Autor: Lesen... in vollen Zügen

Seit 20 Jahren arbeite ich als Buchhändlerin in München und seit 2017 gibt es nun "Lesen... in vollen Zügen". Hier möchte ich euch vorstellen, welche Bücher mich gerade bewegen. Meine Beträge verfasse ich im Plauderton, eben so, wie ich auch mit meinen Kunden im Laden ins Gespäch komme. Der Schwerpunkt liegt dabei auf aktueller deutsch- und englischsprachiger Literatur. Aber ich bin auch ein großer Fan von schönen Illustrationen und stelle deshalb regelmäßig Graphic Novels und spannende illustrierte Sachbücher vor. Zu meinen Lieblingsautoren gehören Haruki Murakami, Banana Yoshimoto und Amélie Nothomb. Außerdem mache ich mir immer wieder Gedanken zum Thema Leseverhalten in der Rubrik Mein Leben als Leser und plaudere aus dem Nähkästchen in Bekenntnisse einer Buchhändlerin. Wem jetzt aber die Züge bei "Lesen... in vollen Zügen" zu kurz kommen, der kann gerne bei In vollen Zügen nach… vorbei schauen. Hier berichte ich von meinen Zugreisen, den Büchern, die mich dabei begleiten, den Städten die ich besuche und natürlich auch von schönen Buchhandlungen, die es dort zu entdecken gibt.

68 Kommentare zu „Tausend Leben“

  1. Das berührt wirklich sehr tief. Vor allem der letzte Satz ist sehr gut gewählt.
    Ich kann dich absolut verstehen. Bei mir war es früher auch nicht anders.
    Es tut wirklich gut, zu hören, dass man in der Hinsicht nicht allein ist und auch andere den Weg gegangen sind.
    Danke für diesen Post!

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  2. Schlimme Geschichte. Ich wurde auch ab der 7. Klasse gemobbt, mein Spitzname war „Kuhkopp“ und sobald mich einer aus meiner Klasse sah, machte er laut „muhhhh“. Ich habe das leider nicht gut weggesteckt, bin absolut geprägt dadurch. Ich hoffe, bei dir ist das besser. Und das mit den Büchern: vollkommen richtig. Meine Lieblingsbücher als Teenager waren Die Nebel von Avalon, der Herr der Ringe und Die unendliche Geschichte.

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    1. Awww… Ich könnte dich grad knutschen! 🙂 Das sind alles auch Lieblingsbücher von mir!!!
      Ja, „Die Nebel von Avalon“ hat mich dann weitestgehend durch die achte Klasse gebracht. 😉
      Klar… Wenn man mal gemobbt wird bleibt einem das irgendwie immer. Aber ich versuch das positive daraus zu ziehen und wer weiß, wenn alle nett zu mir gewesen wären wäre ich jetzt vielleicht in einem sterbenslangweiligen Job statt Buchhändlerin.

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      1. 🙂 Ich wünschte, bei mir wäre es auch so gelaufen, aber nein, ich musste ja unbedingt ein total bescheuertes Fach studieren (Übersetzen…). Bin dann leider in einem entsprechenden Job gelandet, der mir den Rest gegeben hat. Aber die Bücher fangen mich immer wieder auf. 🙂

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  3. Danke, dass du deine Geschichte mit uns teilst.
    Es freut mich von Herzen, dass du es geschafft hast, aus all dem Negativen etwas Positives zu gewinnen ❤ Kinder können wirklich grausam sein, wie ich selbst auch erlebt habe, wenn auch nicht so sehr wie du. Sich in eine andere Welt zu flüchten ist auch heute noch der beste Ausweg für mich, denn manchmal reicht das eigene Leben einfach nicht. Wobei ich inzwischen glücklicherweise so weit bin, auch die Seite an mir zu akzeptieren, für die ich gemobbt wurde. Genau genommen definiere ich mich sogar durch sie – irgendwie. Ich würde als Streberin und Besserwisserin gebrandmarkt, weil ich gerne las, mir in der Schule leicht tat und Lernen nicht als Strafe empfand. Als angehende Lehrerin hab ich sozusagen das Besserwissen zum Beruf erkoren.
    Wobei ich dich um deinen Job im Buchhandel schon irgendwie beneide – es muss wundervoll sein, täglich von lauter magischen Geschichten umgeben zu sein 🙂

    Liebe Grüße,
    Smarty ❤

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  4. Es bedarf sicher einigen Mutes und viel Überwindung, sich hier so zu äußern – und doch darf es Dir auch gleichzeitig leicht fallen, finden sich doch bestimmt viele Literatur-Blogger in Deinem Kommentar wieder. Nicht unbedingt, weil sie alle eine ähnlich schwere Zeit in der Schule hatten, aber weil vielleicht die meisten es ebenfalls kennen, wenn ein Buch eine Fluchtmöglichkeit aus der Realität darstellt, wenn fiktive Geschichten eine zeitlang die Schwernisse des Alltags vergessen lassen.

    Als gelernter Buchhändler weiß ich zudem, wie schön es ist, dass diese Fluchtmöglichkeit oft nur einen Handgriff entfernt liegt und beliebig oft an andere Menschen weitergegeben werden kann. Auch deswegen wird dieser Beruf immer MEIN Beruf bleiben. Genieße deine Arbeit und blicke gelassen auf damals zurück. Mehr als diese Hasslieder werden da wohl einige in ihrem Leben nicht zustande gebracht haben – Dein Blog ist nur ein Beleg dafür, inwieweit du ihnen menschlich inzwischen enteilt bist.

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  5. Lieben Dank für diesen Einblick. Dein Bericht hat mich sehr bewegt und mir Dich und Deinen Blog irgendwie noch ein Stückchen näher gebracht. Das Leben ist nicht immer nett zu einem und oft fragt man sich, was das eigentlich alles soll. Letztendlich merkt man dann ja aber doch irgendwann, das alles auf seine Art und Weise vielleicht ein Stück weit seinen Sinn hatte. Ich freue mich für Dich, dass Du den Weg in die Bücherwelt gefunden hast und ich lese sehr sehr gerne auf Deinem Blog mit.

    Ganz liebe Grüße
    Lagoona

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  6. Also das finde ich wirklich mies von deinen ehemaligen Mitschülern.
    Hast Du wenigstens jetzt Menschen an deiner Seite die nicht so bösartig sind und denen Du vertrauen kannst?
    „Nur“ Rückzug in die Welt der Bücher ist ja auch nicht optimal, oder?
    Übrigens, es sind nicht alle Menschen schlecht …
    Liebe Grüße aus Österreich, Chris

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    1. Ja, nach der Realschule bin ich auf die FOS gegangen und hab wahnsinnig nette Leute kennengelernt, die mich seltsamerweise für meine kleinen Eigenheiten geliebt haben.
      Da hab ich auch meine beste Freundin kennengelernt die mit mir seit fast zwanzig Jahren durch dick und dünn geht. Also hatte ich recht, als ich mit zwölf dachte, daß ich nur ein paar Jahre überwinden muss bis alles gut wird…
      Seltsamerweise scheinen zur Zeit Bücher „in“ zu sein in denen Teenager Selbstmord begehen… Das finde ich richtig schlimm. Gerade wenn es Teenagern schlecht geht brauchen sie Bücher die ihnen Mut für die Zukunft machen.

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      1. Fachoberschule. Entweder man geht aufs Gymnasium oder man macht Mittlere Reife und danach eine Ausbildung oder man hängt noch zwei Jahre an der FOS dran. Da kann man ein fachbezogenes Abitur machen. Zum Beispiel in Psychologie. Man kann damit dann auch studieren, aber halt in der Richtung auf die man sich spezialisiert hat. Das Besondere ist, daß man ein halbes Jahr nicht zur Schule geht sondern ein Praktikum in der Fachrichtung macht. Ich hatte Pädagogik und Psychologie als Hauptfach und im Altenheim gearbeitet. Das war vermutlich das wertvollste halbe Jahr meiner gesamten Schulzeit. 😉

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      2. Alles klar.
        Habe erst gelesen, dass Du einen Sohn hast, d.h. es hat sich für Dich alles zum Guten gewendet?
        Was deine Erfahrungen betrifft – Kinder und Jugendliche können manchmal echt grausam sein. In Zeiten von Smartphone, FB und Social Media überhaupt ist Mobbing wohl auch ein Thema das man nicht unterschätzen sollte …
        Generell vermisse ich ja allgemein im REALEN Umgang miteinander immer öfter gegenseitigen Respekt und Wertschätzung.
        Virtuell ist z.B. das mit den Hasspostings echt grauslich – wenn Menschen glauben, dass sie anonym „unterwegs“ sind …
        Mein Blog soll dem entgegenwirken und POSITIVE Impulse setzen, Leser_Innen auch helfen durch die Buch-Rezensionen, die eben diverse Lebensthemen zum Inhalt haben …

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      3. Ja… Sobald die Realschulzeit vorbei war hatte ich Freunde, habe meinen Mann kennengelernt und meinen Traumjob gefunden.
        Ab und zu bin ich einfach nur froh, daß es damals noch kein Internet gab und sich all die kleinen Schikanen in einem absolut überschaubaren Rahmen abgespielt haben.
        Neulich traf ich einen ehemaligen Klassenkameraden auf einer Feier. Er sagte: „Oh, ich erinnere mich an dich, aber mir fällt dein Name nicht mehr ein.“ Ich: „Ja, bestimmt, weil du nur das Wort „Nutte“ auf den Gethweg vor meinem Haus gemalt hast. Ich musste so lachen wie ihm alle Gesichtszüge entglitten sind. Seine Frau hat entsetzt geschaut und der kleinen Tochter die Ohren zugehalten… Mein Sohn: „Das ist aber nicht nett!!!“ 😂
        Er hat sich tausendmal entschuldigt… Arbeitet mittlerweile als Erzieher und ist offenbar ein guter Kerl geworden.
        Ich hab meinen Frieden gemacht. 🙂

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  7. Erst ein mal: Respekt dafür, dass du so offen damit umgehst!
    Ich hab schon seit frühster Kindheit das Lesen geliebt. Mein Papa sagte immer ich sei in die „weißen Gefilde“ aka Bücherseiten abgetaucht und versorgte mich heimlich mit Büchern, die meine Mutter als zu brutal für mein Altwr empfand ;P
    Mir ist zwar nichts dergleichen passiert, dennoch haben mir Bücher immer schon geholfen Situationen zu entfliehen in denen ich mich unwohl fühlte.
    Abends, alleine in der Straßenbahn, ist es irgendwie tröstlich zu wissen, dass es Helden wie Percy Jackson gibt, die auf mich aufpassen.
    Du hast wirklich einen tollen Post verfasst, und ich hoffe dass du auch in Zukunft so viel Spaß am Lesen haben wirst.
    Ganz viel Liebe für dich!

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    1. Das schöne an so unguten Erlebnissen ist ja, wenn man nach zwanzig Jahren zurück schauen kann und feststellt, daß sich nur Gutes daraus entwickelt hat. Deshalb kann ich auch mittlerweile relativ gelassen damit umgehen…
      Oder um es mit einem anderen Zitat von George R. R. Martin zu sagen: „Never forget what you are, for surely the world will not. Make it your strength. Then it can never be your weakness. Armour yourself in it, and it will never be used to hurt you.“ (Gott, der Mann schreibt gut… 😉)

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  8. Ein ganz wundervoller ehrlicher Beitrag, herzlichen Dank dafür! :-* Ich wünschte, du hättest nicht so viel durchmachen müssen, um zur Leserin zu werden.
    Dass ich als Kind ständig in der Bibliothek war hing auch damit zusammen, dass ich lieber nicht zu Hause sein wollte. Oder wenn, dann zumindest mit Lesestoff, in den ich mich verkriechen konnte. Interessant ist, dass ich mich heute nicht mehr daran erinnern kann, wo ich überhaupt gelesen habe. Auch das wird seine Gründe haben.

    Uns an deinem Leben auf diese Weise teilhaben zu lassen, ist mutig und spricht für dein Selbstbewusstsein. Ganz toll. Und nochmal: DANKE!

    Liebe Grüße,
    Sandra

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  9. Puh. Danke für deinen berührenden Beitrag!
    Nein, ich glaube besser wäre es gewesen, keine Neurodermitis , keinen Stress – der dieser zu Grunde liegt – und eine liebevolle Kindheit gehabt zu haben.
    Dennoch – gut, dass du einen Weg dort raus gefunden hast und ich wünsche dir, dass du auch in der Tiefe deine Wunden schließen konntest.
    Lg

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  10. Ein wundervoller Beitrag♥ Meinen ganzen Respekt so ehrlich zu sein. Dazu benötigt man wirklich viel Mut und ich bin stolz auf dich, dass du dich so gut aufgerappelt hast und dich nicht hast unterkriegen lassen👍💞
    Wie ich einmal gelesen habe: A book a day keeps the reality away.
    Alles alles Liebe💕✨

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  11. Danke für diesen wundervollen Beitrag und für deine Ehrlichkeit! Ich kann sehr gut nachvollziehen, was die Bücher für dich bedeuten und vor allem damals bedeutet haben!
    Noch heute helfen sie mir oft, wie bestimmt vielen, dem stressigen oder schwierigen Alltag zu entfliehen und geben mir unglaublich viel neue Kraft. Ich finde, durch das Lesen kann man unglaublich viel über sich selbst lernen, neue Sichtweisen entwickeln und somit auch Selbstvertrauen schöpfen!
    LG Ricy

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  12. Deine sehr persönliche Geschichte hat mich tief berührt und mir außerdem zum ersten Mal im Leben bewusst gemacht, wie viel Kraft ich selbst aus Büchern geschöpft habe. Und wenn ich daran denke, wie viel weiter ich durchs Lesen gekommen bin als meine ach so coolen und manchmal sehr verletzenden Klassenkolleginnen kann ich mir ein Lächeln nicht verkneifen und freue mich aufs nächste Klassentreffen.
    Vielen Dank und gute Nacht!

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  13. Erstaunlich, dass du in der Lage bist, etwas Gutes in der Mobberei zu sehen (das mit dem Anti-Club finde ich ganz schön krass), aber du hast sicherlich Recht! Man scheint zu bekommen, was man haben soll und letztendlich ist das gut so, auch wenn man es in dem aktuellen Moment nicht unbedingt sehen kann.
    „Studien haben ergeben, daß Vielleser sehr empathische Menschen sind. “ So habe ich das noch gar nicht betrachtet, aber wenn ich darüber nachdenke, meine ich, dass das durchaus richtig und logisch ist.
    Meine Mitschülerinnen in der Grundschule machten sich manchmal lustig über mich, weil ich oft abgelegte/abgeänderte Sachen und so genannte „vernünftige“ Schuhe trug. Ich bin 10 Jahre nach Kriegsende geboren, da hatten wir es nicht so dicke. Aber systematisches Mobbing, wie man das heutzutage so oft hört, gab es bei uns damals irgendwie nicht.

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    1. Ja… Bei mir ging es auch erst an der Realschule los. Die Grundschulzeit über waren noch alle lieb zueinander. Bei meinem Großen wurden schon in der ersten Klasse Worte gesagt für die mir meine Mutter heute noch den Mund mit Seife auswaschen würde. Also metaphorisch. 😉
      Ich denke ein Problem sind Helikoptereltern, die ihren Kindern das Gefühl geben immer und überall die wichtigste Person zu sein.
      Auch deshalb bin ich dankbar für das was mir passiert ist. Ich habe meinem Sohn oft davon erzählt und wie traurig es mich damals gemacht hat. Das hat ihn sehr betroffen gemacht und ich hoffe, das sorgt dafür, daß er sich nie zu so etwas mitreißen lässt.

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  14. wow, was für ein berührender und mutiger Beitrag! Danke für’s Teilen! Es ist immer total interessant zu lesen, wie Menschen zum Lesen gekommen sind und was sie mit Büchern verbinden. Die Idee, in ein neues Leben eintauchen zu können und neue Welten zu entdecken, fasziniert mich auch. Und wenn Bücher dann noch Menschen helfen können und glücklich machen, ist das großartig!!
    Liebe Grüße 🙂

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  15. Mobbing muss man ja auch nicht einfach so hinnehmen. Dagegen kann man ja was tun. Man kann sich an Freunde, Eltern, Lehrer und Arbeitgeber wenden und sie um Hilfe bitten. Ich finde es klasse, dass Du davon erzählst, denn daran kann man sehen, dass sich alles auch auf einmal ändern kann und dass man das nicht persönlich nehmen sollte. Viel Glück und Erfolg auch weiterhin!

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    1. Naja… Wenn ich überlege wie unsere Schule damals war… Meine Lehrerin hat ja sogar ein Stück weit mitgemacht beim Mobbing… Aber das war kein Einzelfall… Ein anderer Lehrer hat eine Mitschülerin mal Nutte genannt und als sie sich beim Rektor beschwert hat, hat der ihr den Mund verboten. Ein anderer Lehrer hat eine 15 jährige Schülerin immer wieder aus dem Unterricht bei anderen Lehrern geholt um sie im Notenraum zu „vernaschen“. Da hat auch niemand der anderen Lehrer was gesagt. Und die Eltern sagten immer wir sollen die Lehrer respektieren… Eigentlich krass, wenn man sich das heutzutage überlegt, aber Eltern und Lehrer sind ja noch in einer Zeit aufgewachsen, als es die Prügelstrafe gab. Die hielten sich wohl für super pädagogisch.

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      1. Schlimm! Da wüsste ich wohl auch nicht weiter. Aber heute kann man sich auch externe Hilfe holen. ZB hat die EU eine Informationsseite eingerichtet, was Cybermobbing ist, was man selbst und das Umfeld tun kann und eine Beratungsstelle eingerichtet. Weil Mobbing furchtbar ist finde ich es wichtig, immer wieder darauf hinzuweisen, dass es wirklich Möglichkeiten gibt, sich helfen zu lassen.

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  16. Hallo,
    In der Schule saß ich immer so weit hinten wie möglich. Nicht bei den coolen bösen Jungs, sondern woanders. Am liebsten wäre ich gar nicht dort gewesen. Beim Vorlesen hab ich schon Minuten bevor ich dran war gezittert. Ich hab mich nie wirklich dazugehörig gefühlt, was natürlich entsprechende Konsequenzen hatte … und meine Mathelehrer muss mit Deinem irgendwie verwandt sein …
    Noch heute kann ich diese Dinge nicht … auf Partys findest Du mich ganz hinten in der Ecke. Irgendwo wo ich am besten nicht gesehen werde.
    Zum Glück habe ich gelernt aus einigen Schwächen Stärken zu machen und mich in meiner Ecke einzurichten. Dieser Ort gehört und ich treffe dort auf sehr viele nette Menschen!
    Beste Grüße
    Björn

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  17. Wunderschön geschrieben. Mir ging es ähnlich. Zwölf Jahre Schulmobbing. Ich habe es überlebt. Bücher gaben mir Selbstbewusstsein. Ich war andere, wollte es aber sein. Ich bereue nichts, egal was die anderen taten. Dein Beitrag ist wirklich wunderbar und berührend. Danke.

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      1. Ja hinter mir habe ich beinahe alles lassen können. Aber Freunde sind bei mir eher mau. Es gibt kaum Menschen, denen ich wirklich vertrauen kann. So habe ich eher meine Eltern und nur flüchtige Bekanntschaften.

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  18. Wow, wirklich toll. Respekt dass du das so für dich hinbekommen hast.Lesen ist super und toll, ich wünsche dir ein glückliches Leben und du hast bestimmt einen richtig tollen Job jetzt:))) Schade, dass es mittlerweile so viele Buchketten und immer weniger eigenständige Buchandlungen gibt.

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    1. Danke für die lieben Worte!
      Natürlich mache ich mich jetzt gleich wieder unbeliebt wenn ich mich oute und sage, daß ich bei einer großen (aber immerhin noch inhabergeführten) Buchhandeskette arbeite? 😉
      Tatsächlich haben aber alle Buchhandlungen die gleichen Probleme, egal ob groß oder klein, es sind halt die Maßstäbe, die sich ändern. Ich wurde auch in der Lehre von meinen Ausbildern immer mit in kleine Buchhandlungen genommen, wo wir uns alle sehr gut unterhalten haben. Ich habe auch immer wieder Besitzer von kleinen Buchläden in der Filiale, die vorbei kommen um sich bei uns inspirieren zu lassen und die sagen: „Das gefällt mir, das übernehme ich!“ oder „Das funktioniert bei mir nicht.“
      Der Umgang miteinander ist da sehr nett. Wenn ein Kunde zu mir sagt, er bestellt das Buch lieber bei sich im Ort in seiner kleinen Buchhandlung bin ich ganz bei ihm… Nur wenn er sagt: „Danke für die Beratung, ich bestell mir das dann bei Amazon.“ dann fang ich an zu verhandeln. 😉

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      1. Haha Nein, alles Gut:) Das war sehr salopp und allgemein formuliert was mir dann Leid tut:) Ich verstehe das durchaus, fände es aber schade wenn nachher alle Buchhandlungen gleich aussehen. Für mich ist das immer eine Sache von Atmosphäre und Wohlfühlen….Dieses beraten lassen und dann im Netz bestellen finde ich auch nervig. Das sind dann die Leute, die sich über zu viele LKW und DHL Wagen beschweren :D:D Klingt aber gut, das wichtigste ist, das man sich wohl fühlt mit dem, was man tut:))

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    1. Das war damals an der Kopfhaut. Nach dem Haare waschen ist die total klebrig geworden, hat gejuckt und ist regelrecht abgefallen. Also sah ich nach dem Waschen immer schlimmer aus als vorher. Verklebte Haar mit Eiter und Blut… Das braucht kein Mensch! 😥
      Naja… So war das damals halt… Water under the bridge… 😉

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      1. Nein… Bestimmt nicht am Shampoo ich hatte ja schon alles ausprobiert. Von Omas Hausmitteln (Bier und rohes Ei) zu einem nach Schwefel stinkenden Shampoo vom Hautarzt.
        Später hab ich meine Haare mit Henna gefärbt, danach wurde es besser. Vermutlich, weil Henna auch antiseptische Wirkung hat.
        Als dann irgendwann mal das Internet Einzug gehalten hat hab ich es gegoogelt. Ist wohl sehr selten und kann in der Pubertät wegen der hormonellen Veränderungen auftreten.
        Irgendwann war es dann mal weg. Ein Glück!

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