Review: The People in the Trees

Anfang des Jahres waren ja all meine Kollegen von Hanya Yanagiharas zweitem Buch „Ein wenig Leben“ absolut begeistert. Allerdings ging ihnen das Thema Kindesmißbrauch ziemlich an die Nieren. Persönlich war ich hin und her gerissen… Ich wollte gerne dieses großartige Buch lesen, aber ich weiß, wie nahe mir solche Themen gehen…

Deshalb hielt ich mich für besonders schlau, als ich mich für Yanagiharas Debütroman „The People in the Trees“ entschied. Ich dachte mir: toller Erzählstil, ohne Kindesmissbrauch, das lese ich und wenn es dann übersetzt wird, kann ich sofort darüber berichten.
Als ich aber das Buch zuhause aufschlug musste ich doch ein bißchen lachen, denn der erste Satz lautet: „Renowned Scientist Faces Charges of Sexual Abuse“. Soviel also zu meinen Plänen dieses Thema zu meiden…
In „The People in the Trees“ geht es allerdings vorwiegend um einen Wissenschaftler, der einen vergessenen Volksstamm in Mikronesien aufspührt. Mit der Zeit wird ihm bewusst, wie alt die Einheimischen werden. – Offenbar bis zu mehreren hundert Jahren.
Bald macht er auch den Grund dafür aus: eine seltene Schildkrötenart, deren Fleisch den Bewohnern ein unnatürlich langes Leben beschert. Doch die Unsterblichkeit scheint einen Fluch mit sich zu bringen…
Insgesamt hat mir „The People in the Trees“ richtig gut gefallen. Die Missbrauchsgeschichte kommt eher am Rande vor, also war es für mich noch erträglich. Ich denke, ich werde „Ein wenig Leben“ auch mal in Angriff nehmen müssen wenn ich die Nerven dafür habe. 😉