Review: Die entsetzliche Angst der Epiphanie Schreck

Vor Kurzem erschien „Die entsetzliche Angst der Epiphanie Schreck“ bei toonfish, dem Kinderimprint der Splitter Verlags.
Da ich mich sofort in die Illustrationen verguckt hatte, war ich sehr gespannt auf diese Graphic Novel von Séverine Gauthier und Clément Lefèvre.

Epiphanie ist achteinhalb Jahre alt und fast genauso alt ist ihre Angst, die ihr wie ein Schatten folgt. Um genau zu sein ist es ihr Schatten vor dem Epiphanie Angst hat, denn sie leidet an Sciophobie.

An manchen Tagen ist die Angst so mächtig, daß Epiphanie weder ein noch aus weiß und so macht sie sich auf die Suche nach Hilfe. Dabei landet sie in einer seltsamen Welt, die eigenen, verrückten Regeln unterworfen ist, doch niemand hier scheint Epiphanie helfen zu können. Weder der Doktor, noch ein heldenhafter Ritter oder ein Dompteur, der versucht, den Schatten zu zähmen.
Im Gegenteil: je verzweifelter Epiphanie wird, desto größer und mächtiger wird ihre Angst…

Erst als sie begreift, daß sie selbst es schaffen muss, sich von ihrer Angst zu befreien, können Epiphanie und der Schatten Frieden schließen.

Clément Lefèvres Zeichenstil hat mich sofort angesprochen. Ein bißchen fühlte ich mich an „Chihiros Reise ins Zauberland“ erinnert.

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Auch die Grundidee der Geschichte fand ich sehr spannend: viele Kinder leiden an unbestimmten Ängsten, die sie oft nicht erklären können und die von Erwachsenen nicht ernst genommen werden. Das Leben kann in diesem Alter aber auch wirklich beängstigend sein!

Allerdings war mir die Erzählung stellenweise fast ein bißchen konfus. Man wird sofort in die Epiphanies Suche nach Hilfe geworfen und jagt dann atemlos von einem Abenteuer zum nächsten, so daß man oft das Gefühl hat, gar nicht richtig hinterherzukommen.

Trotzdem hat mir „Epiphanie Schreck“ gut gefallen. Für mich punktet die Geschichte vor allem durch die schönen Illustrationen und das schwierige Thema, das hier sehr kindgerecht aufgearbeitet wird.
Da das Buch ab acht Jahren empfohlen wird, habe ich es gleich noch meinem Zwölfjährigen in die Hand gedrückt, der es auch „sehr, sehr schön“ fand.

Schaut auf jeden Fall mal rein, wenn es Euch in die Finger fällt!

 

Review: Die Adoption – La Garúa

Vor zwei Monaten habe ich euch schon den ersten Band des wunderbaren Zweiteilers „Die Adoption“ aus dem Splitter Verlag vorgestellt.
Vielleicht erinnert sich noch der ein oder andere von euch, daß ich dabei Rotz und Wasser auf die Tastatur geheult habe.

Natürlich wollte ich unbedingt wissen, wie es weiter geht, auch wenn ich schon gehört hatte, daß man kein klassisches Happy End erwarten darf.

Im ersten Teil lernen wird Gabriel kennen, dessen Sohn Alain und Schwiegertochter Lynette nach einem schweren Erdbeben in Peru, bei dem zehntausende Menschen ums Leben gekommen sind, die kleine Qinaya adoptieren.
Zunächst fällt es Gabriel schwer, sich auf das Mädchen einzulassen, doch schon bald erobert Qinaya sein Herz. Umso schlimmer ist der Schock, als sich herausstellt, daß ihre leibliche Mutter noch am Leben ist und Alain und Lynette die unklare Lage ausgenutzt haben, um Qinaya nach Frankreich zu holen.

Anfang des zweiten Teiles nun ist Gabriels Familie von den Ereignissen komplett zerstört worden. Alain hat alle Schuld auf sich genommen und sitzt im Gefängnis, Lynette hat die Scheidung eingereicht, Gabriels Frau Rysette steht unter Schock und ist auf starke Medikamente angewiesen…
Aus einer Laune heraus reist Gabriel nach Lima um Qinaya zu finden und ihr ihr vergessenes Fahrrad zu bringen. Doch das Treffen ist eine Ernüchterung für ihn, denn Qinaya kann sich kaum noch an ihre Zeit in Frankreich erinnern. In ihrem Leben gibt es keinen Platz mehr für Gabriel.

Zufällig lernt er den Belgier Marco kennen, der ebenfalls auf der Suche ist.
Seit dem verheerenden Erdbeben versucht er die Leiche seiner Tochter ausfindig zu machen, die als freiwillige Helferin in Peru arbeitete, um sie in der Heimat begraben zu können.
Gabriel und Marco freunden sich langsam an und erkunden zusammen das Land. Nach und nach wird Gabriel klar, daß da ein anderes Kind ist, das seiner Hilfe bedarf…

Wie schon Qinaya, hat mich auch „La Garúa“ tief berührt, ganz besonders, weil sich die Geschichte in eine Richtung entwickelt hat, mit der ich nie gerechnet hätte.

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Autor Zidrou bricht in vielen Szenen mit der Erwartungshaltung des Lesers und auch wenn ich den Illustrator Arno Monin schon in meiner ersten Besprechung über den grünen Klee gelobt habe, möchte ich hier nochmal sagen, wie wunderbar ausdrucksstark seine Zeichnungen sind, ganz besonders, was die Körpersprache der Figuren angeht.

Immer wieder höre ich, wie klassische Roman-Leser sagen, daß Graphic Novels nichts für sie sind…
Bitte, bitte schaut bei Gelegenheit mal in diese wunderbaren Bände hinein und bestimmt überdenkt ihr eure Meinung.

 

Meine Besprechung zum ersten Teil von „Die Adoption“ findet ihr hier:

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Review: Die Adoption – Qinaya

Schön, schöner, Juni

Der Juni steht vor der Tür, das Wetter ist so schön und ich genieße noch ein paar freie Tage, an denen ich am liebsten am See liege und lese während meine Jungs im Wasser planschen.

Anders als die meisten Menschen komme ich aber an meinen freien Tagen tatsächlich kaum zum Lesen… Meine Hauptlesezeit ist und bleibt die Zugfahrt, wenn ich zur Arbeit pendle.

Trotzdem wartet diesen Monat ein ziemlich ansehnlicher Stapel Bücher auf mich…
Ob ich den halbwegs schaffe?
Aber zu viele Titel waren einfach zu schön, als daß ich sie links liegen lassen hätte können.

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Absolute Cover-Käufe waren Sunshine State von Sarah Gerard und The Queen of Hearts von Kimmery Martin.
Keine Ahnung, was mich da erwartet!
Beide Bücher habe ich bei Instagram entdeckt und als Coveropfer konnte ich einfach nicht anders, als sie zu bestellen.

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Ein weiteres Buch, in dessen Cover ich mich sofort verliebt habe ist Fische von Melissa Broder. Diese Mischung aus 70er Jahre-Schnulze und Scherenschnitt ist aber auch ein echter Hingucker!
Auf den Inhalt bin ich mal gespannt… Eine erotisch angehauchte Geschichte mit einem Meermann?!? – Das klingt so verrückt, daß es genau meinen Geschmack treffen könnte!

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Als hätten es die Verlage in letzter Zeit auf Coveropfer wie mich besonders abgesehen, hat sich der Berlin Verlag ordentlich ins Zeug gelegt und eins der gestaltungstechnisch schönsten Bücher des Jahres produziert.
Unter der Haut von Gunnar Kaiser kommt mit einem durchbrochenen Schutzumschlag daher, der nichts als verschwitzte Haut zeigt, doch darunter verbirgt sich der Querschnitt eines Menschen.
Aussen hui, innen pfui?
Mitnichten, wenn ich meinen euphorischen Kolleginnen glauben darf!
Eine verglich „Unter der Haut“ sogar mit „Das Parfum“ von Patrick Süskind. Schön, wenn die Erwartungshaltung gleich mal in unerreichbare Höhen getrieben wird! 😉

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Dann habe ich noch zwei Bücher auf dem Stapel, deren Cover vielleicht nicht so spektakulär sind, deren Inhalt mich aber wahnsinnig interessiert.
In So also endet die Welt von Philip Teir geht es um eine Familie am Scheideweg… Spannend, spannend…
Und Lincoln im Bardo von George Saunders wollte ich eigentlich schon seit letztem Jahr auf Englisch lesen, bin leider nie dazu gekommen.
Jetzt habe ich mal in die deutsche Übersetzung hinein geblättert und war sofort berührt und begeistert von dem Stil.

Abgesehen von all den Romanen durfte auch diesen Monat keine Graphic Novel fehlen. La Garúa ist der zweite Teil der Adoption von Zidrou & Monin aus dem Splitter Verlag.
Bei Teil eins habe ich schon geheult wie ein Schlosshund und auch wenn es in Band zwei wohl kein klassisches Happy End geben wird, muss ich wissen, wie die Geschichte ausgeht!

In der Rubrik „Illustriertes Sachbuch“ habe ich mir jetzt endlich auch mal Women in Science von Rachel Ignotofsky gegönnt.
Irgendwie lande ich dieses Jahr ständig bei Büchern über starke Frauen, wie Little Leaders oder The Little Book of Feminist Saints.
Schön langsam habe ich wohl erstmal genug zu dem Thema gelesen, aber dieses eine durfte trotzdem noch mit. 😉

Wie sieht es bei Euch aus?
Welche Bücher liegen bei Euch auf den Juni-Stapeln?
Kennt Ihr die Bücher, die ich mir vorgenommen habe schon?
Kommt ihr in den Ferien zum Lesen, oder habt Ihr da Freizeitstress wie ich?

Ganz liebe Grüße,
Andrea

Review: Insel der Frauen

„Insel der Frauen“ aus dem Splitter Verlag ist eine Graphic Novel mit der ich schon länger geliebäugelt habe, weil ich das Thema einfach wahnsinnig spannend fand.

Als Kind verbrachte ich einen Teil der Ferien bei meinen Großeltern, die mich im Gegensatz zu heutigen Großeltern, nicht auf spannende Ausflüge mitnahmen, sondern auf die Couch packten und mir vom Krieg erzählten.
Besonders bei einem Großelternpaar hatte ich oft das Gefühl, daß sich nach 1945 nichts nennenswertes mehr in ihrem Leben ereignet hatte, so eingeschossen waren sie auf das Thema Krieg, was mich als Kind natürlich absolut überforderte.

Doch im Laufe der Jahre bemerkte ich, daß die Geschichten, die meine Großmütter zu erzählen hatten, die einsichtsvolleren und vielleicht wichtigeren Geschichten aus dieser Zeit waren.

Auch wenn „Insel der Frauen“ von Didier Quella-Guyot schon während des ersten Weltkriegs spielt, konnte ich mich gleich für eine Geschichte begeistern, in der die Frauen im Mittelpunkt stehen.

Als der Befehl zur Mobilmachung kommt, verschwinden vom einen auf den anderen Tag alle Männer zwischen zwanzig und fünfzig Jahren von einer kleinen bretonischen Insel.
Die einzige Ausnahme ist Mael, der wegen seines Klumpfußes ausgemustert wurde.
Während die Frauen versuchen, ihr Leben so gut wie möglich zu meistern und das zusätzliche Pensum der Männer zu bewältigen, wird Mael zum Briefträger befördert.
So wird der Aussenseiter plötzlich zum wichtigsten Vertrauten der Frauen, denn da viele nicht lesen können, muss Mael ihnen die Briefe ihrer Männer vorlesen und auch beantworten.
Mael lernt auf diese Weise viel über die Gefühle der Frauen und macht sich das im Lauf der Zeit zu Nutze.
Bald beginnt er die Briefe zu manipulieren und wird zum Tröstenden, den immer mehr der Frauen in ihre Betten lassen.
Mael berauscht sich regelrecht an der Macht, die er über die Frauen hat, nachdem er jahrelang von ihnen und ihren Männern als Krüppel beschimpft wurde.
Doch irgendwann neigt sich der Krieg dem Ende zu und die Situation auf der Insel wird zum Problem…

„Insel der Frauen“ hat mich sehr überrascht. Ich hatte bei diesem Titel an eine Geschichte über weiblichen Zusammenhalt und Freundschaft gedacht und nicht damit gerechnet, daß die Hauptthemen des Buches Sexualität, Verführung und auch Machtmissbrauch sind.

Zu Beginn ist man als Leser noch ganz vernarrt in Mael, doch das ändert sich im Lauf der Geschichte immer mehr.
Solche Charakterentwicklungen sind immer spannend und auch die Handlung nimmt zuweilen unerwartete Wendungen. Selbst die Solidarität unter den Frauen kommt auf eine Art und Weise daher, mit der ich nicht gerechnet hätte.

Die Stimmung und das Licht auf der Insel wird in den Illustrationen von Sébastien Morice mit warmen Tönen und recht flächigem Farbauftrag ganz wunderbar eingefangen.

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Die „Insel der Frauen“ ist eine recht sinnliche, psychologisch tiefgründige Graphic Novel in der der Leser immer wieder überrascht wird.
Schaut auf jeden Fall mal rein, wenn sie euch in die Finger fällt! 😉

Alles neu macht der Mai…

Willkommen im Mai!

Die letzten Tage war es ja schon herrlich warm und ich konnte endlich wieder draußen sitzen und lesen… Hach, wie habe ich das vermisst!
Ich habe meine Bücher regelrecht verschlungen und das ist vermutlich auch der Grund, warum der Maistapel deutlich dicker ausfällt als üblich.

Natürlich musste Teil zwei von Haruki Murakamis Die Ermordung des Commendatore mit! – Eine Metapher wandelt sich. Die Besprechungen, die ich bisher gelesen habe sind ja recht verhalten, aber ich bin ganz offen und hoffe, es reicht an den grandiosen ersten Teil heran.

Einen weiterer japanischen Autor, auf den ich schon gespannt bin ist Genki Kawamura mit Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden.
Der Klappentext klang ziemlich vielversprechend und mit magischem Realismus kann man mich ja immer begeistern.

Ein Buch vor dem ich fast schon ein bißchen Angst habe, weil es von allen in den Himmel gelobt wird ist Dunkelgrün fast schwarz von Mareike Fallwickl.
Nach all den Hymnen, die ich die letzten Wochen gelesen habe, wird es vermutlich meine absolut übersteigerte Erwartungshaltung nicht erfüllen können.
Sei’s drum! – Ich will es jetzt trotzdem endlich auch mal lesen! 😉

An sich gehe ich Büchern, in denen es um den Krieg geht ja eher aus dem Weg, trotzdem finden sich diesen Monat gleich zwei Kriegsgeschichten auf meinen Lesestapel.
In Unter der Drachenwand von Arno Geiger geht es um einen Soldaten im zweiten Weltkrieg, der sich nach einer Verwundung am Mondsee erholt… Vermutlich der Hauptgrund für mich, dieses Buch mitzunehmen, denn ich war als Kind am Mondsee und fand es einfach wunderschön dort.

Das zweite Buch, das sich mit dem Krieg beschäftigt, allerdings mit dem ersten Weltkrieg, ist die Insel der Frauen aus dem Splitter Verlag.
In dieser Graphic Novel geht es jedoch nicht um die Soldaten, sondern um die Daheimgebliebenen. – Ein Thema, daß ich sehr spannend finde, weil ich die Geschichten, die meine Großmütter von Krieg zu erzählen hatten immer wesentlich wichtiger fand, als die meiner Großväter…

Um die Seele ein bißchen baumeln zu lassen gibt es dann noch ein Buch aus der für mich eher untypischen Kategorie Regionalkrimi: Kluftinger von Michael Kobr und Volker Klüpfel. Ein bißchen seicht, ein bißchen kitschig und auch vorhersehbar… trotzdem habe ich Kommissar Kluftinger irgendwann doch in mein Herz geschlossen.
Man muss nicht viel nachdenken und fliegt nur so durch die Seiten… muss auch ab und zu mal sein! 😉

Ein Buch, das mich wohl ziemlich fordern wird ist hingegen Nutshell („Nussschale“) von Ian McEwan.
„Abbitte“ fand ich ja seinerzeit ganz großartig, von „Nutshell“ habe ich dagegen nur sehr verhaltene Meinungen zu hören bekommen. Ich fand die Idee des Buches aber doch so spannend, daß ich auf jeden Fall mal reinlesen wollte. Bisher habe ich die ersten Kapitel gelesen und ich muss leider sagen, daß ich doch recht damit zu kämpfen habe.
Der Erzählton des Ungeborenen erinnert mich irgendwie an Baby Stewie aus Family Guy und macht das Buch für mich damit unfreiwillig komisch.
Ich bleibe aber am Ball!

Im Mai geht es auch endlich wieder weiter mit In vollen Zügen nach…!
Mitte des Monats bin ich auf eine Hochzeit in Hamburg eingeladen und ich freue mich schon sehr darauf.
Hamburg, das bedeutet für mich insgesamt an die 15 Stunden Zugfahrt und deshalb habe ich mir lange überlegt, welche Lektüre mit auf die Reise darf.
Die Wahl fiel schließlich auf Aristotle and Dante Discover the Secrets of the Universe („Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums“) von Benjamin Alire Sáenz, welches eine Empfehlung von John Green war und Die Herrenausstatterin von Mariana Leky.
Ein bißchen Angst habe ich ja vor diesem Buch, weil Was man von hier aus sehen kann mein absolutes Lieblingsbuch 2017 war und „Die Herrenausstatterin“ ein schweres Erbe hat. Trotzdem freue ich mich schon darauf und auf die Reise.

Da ich in erster Linie zum Freunde besuchen und Hochzeit feiern in Hamburg bin, werde ich vermutlich nicht viel Zeit haben, die dortigen Buchhandlungen unsicher zu machen. Allerdings liegt mir schon viel daran, in meiner wenigen freien Zeit ein, zwei schöne Läden zu besuchen und euch davon zu berichten.
Wenn ihr also Tipps habt, welche Buchhandlungen ich in Hamburg auf jeden Fall gesehen haben muss, dann lasst mir einen Kommentar da!

Schon mal ganz vielen Dank für eure Tipps und liebe Grüße,

Andrea

Review: Die Adoption – Qinaya

Schon länger habe ich mit „Die Adoption“ aus dem Splitter Verlag geliebäugelt, jetzt hatte ich endlich die Gelegenheit, diese wunderbare Graphic Novel zu lesen…

Als bei einem Erdbeben in Peru viele tausend Menschen ums Leben kommen, sieht die ganze Welt fassungslos zu. Doch für das kinderlose Ehepaar Lynette und Alain bietet sich eine Chance… Die beiden adoptieren das vierjährige Waisenmädchen Qinaya und holen sie zu sich nach Frankreich.
Alle sind überglücklich über den unverhofften Familienzuwachs, das heißt alle bis auf Großvater Gabriel…
Er tut sich schwer damit, die Kleine als Enkelkind zu betrachten, doch schon bald wird er immer häufiger als Babysitter eingesetzt.
Es kommt, wie es kommen muss und im Lauf der Zeit werden Gabriel und Qinaya unzertrennlich, doch dann nimmt die Geschichte eine schockierende Wendung…

Diese wunderbare Graphic Novel hat mir das Herz gebrochen.
Am Schluss musste ich so schluchzen, daß der Große mir das Buch kurzerhand abgenommen hat und bald darauf selber total verheult ankam.

Die Zeichnungen von Arno Monin sind absolut großartig!
Seine Figuren wirft er mit ein paar Bleistiftstrichen hin und koloriert das Ganze dann mit pastelligen Aquarellfarben. Man sieht also das zeichnerische Handwerk und trotzdem sind die Bilder so ausdrucksstark, daß man das Gefühl hat, sich im selben Raum zu befinden oder die Sonne auf dem Gesicht zu spüren.
Monin beherrscht es, seine Bilder durch Licht- und Schattenspiele lebendig werden zu lassen aber auch, den Figuren mit wenigen Strichen eine absolut ausdrucksstarke Mimik und Gestik zu verleihen.
Schon rein zeichnerisch gehört „Die Adoption“ für mich zu den besten Graphic Novels die ich je gelesen habe.

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Ihr merkt schon… Ich komme heute aus dem Schwärmen nicht mehr raus.
Gottseidank kommt bald die Fortsetzung in die Läden!
Der Große und ich warten schon gespannt darauf.

 

Meine Besprechung zum zweiten Teil von „Die Adoption“ findet ihr hier:

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Review: Die Adoption – La Garúa

Review: Dr. Watson

Jeder Sherlock Holmes Fan kennt die Geschichte von dessen Tod und Wiederauferstehung. Doch viele wissen vermutlich nicht, warum Arthur Conan Doyle seinen beliebtesten Romanhelden – sehr zum Leidwesen seiner Fans und der eigenen Mutter – in die Reichenbachfälle stürzte…

Doyle war an einem Punkt angekommen, an dem die Holmes-Geschichten eine lästige Aufgabe für ihn geworden waren und so verlangte er mehr und mehr Geld von seinen Verlegern, um diese (sozusagen im Guten) zu überzeugen, daß die Welt kein weiteres Holmes-Abenteuer bräuchte.
Doch die Verlage zahlten die übertriebenen Forderungen, und so setzte Doyle in „Das letzte Problem“ eigenmächtig einen Schlußstrich unter seine Detektiv-Geschichten und meinte später dazu: „If I had not killed him, he certainly would have killed me.“

Als ich über „Dr. Watson“ aus dem Splitter Verlag stolperte, dachte ich zuerst an eine Wild-West-Geschichte. Kein Wunder bei diesem Cover… 😉 Doch der Name Watson lies mich aufhorchen und tatsächlich handelte es sich hier um eben den Dr. Watson.

Die Handlung beginnt mit Holmes Sturz in die Reichenbachfälle. John Watson, sein langjähriger Freund und Verbündeter, fällt daraufhin in schwere Depressionen.
Zwar geht er seiner eigentlichen Arbeit als Arzt nach, doch schon bald verwickelt ihn sein detektivischer Spürsinn in neue Fälle.
Dabei stößt er auf die Spur des geheimnisvollen Moriarty und eine Intrige, die Watson auf jeden Fall verhindern muss…
Doch immer wieder kommen Erinnerungsfetzen in ihm hoch, die weder er noch der Leser zunächst zuordnen können… Handelt es sich dabei um Watsons Zukunft oder spielt ihm seine Vorstellungskraft einen Streich?
Um diesem Rätsel auf den Grund zu gehen muss er tief zurück in seine Vergangenheit reisen…

Die Graphic Novel von Stéphane Betbeder und Darko Perovic ist recht klassisch und sehr detailverliebt gezeichnet. Dabei wurde hauptsächlich in Blau- und Sepiatönen koloriert, was für einen stimmungsvollen Retrolook sorgt.
Watson selbst hat nicht viel mit dem gemütlichen Gefährten aus den Büchern gemein. Er kommt als tief gespaltener, aber willensstarker Kämpfer daher.

Allen eingefleischten Sherlock Holmes-Fans sei gleich gesagt: „Dr. Watson“ ist keine einfache Graphic Novel, die die Handlung nach „Das letzte Problem“ aufgreift.
Es ist eine Geschichte, die sich nicht an den Holmes-Kanon hält und auch mit ihm bricht, allerdings ist sie auch ein spannendes Gedankenexperiment.
Es gibt ja Fans (und das bezieht sich auf alle Buchreihen), die ziemliche Probleme damit haben, wenn „ihre“ Geschichten im Nachhinein verändert werden. Man denke nur an die Diskussionen, die eine schwarze Hermine in „Harry Potter and the Cursed Child“ ausgelöst hat.
Andere Fans verschlingen dagegen begeistert Neuinterpretationen und Umdichtungen ihrer Lieblingsgeschichten und freuen sich über andere Herangehensweisen.
Wer zu „Dr. Watson“ greift sollte sich also vielleicht zuerst die Frage stellen, zu welcher Kategorie Fan er gehört und ob er sein Weltbild erschüttert haben möchte. 😉

Für richtige Holmes-Nerds wurden übrigens auch einige Insider-Witze eingebaut, wie zum Beispiel die Unklarheit über Watsons Vornamen. (Doyle schrieb ja zuweilen so schludrig, daß er selbst den Namen verwechselte.)

Ein kleiner Fun Fact zum Schluß: Doyle selbst griff in den Holmes-Kanon ein, als er eine spannende Legende hörte, die ihn zu „Der Hund von Baskerville“ inspirierte.
Er holte Holmes und Watson also doch noch einmal aus der Schublade, um eine Art Vorgeschichte zu schreiben, und nach dem kommerziellen Erfolg dieses Buches zahlten die Verlage jeden Preis für neue Geschichten.
So feierte Sherlock Holmes seine Wiederauferstehung in „Das leere Haus“, worauf noch viele weitere Geschichten folgten.

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