Review: Die zehn Lieben des Nishino

Letzten Sommer nahm ich mir Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß von Hiromi Kawakami mit in den Urlaub. Allerdings als Graphic Novel, weshalb ich zwar sehr gefangen von Kawakamis Geschichte war, zu ihrem Schreibstil allerdings wenig sagen konnte.
Höchste Zeit also, einmal einen „richtigen“ Roman von ihr zu lesen!

Yukihiko Nishino ist auf den ersten Blick ein Mann, der alles hat: er ist gutaussehend, erfolgreich und selbstbewusst. Die Frauen liegen ihm schnell zu Füssen und er behandelt sie immer zuvorkommend, ist aufmerksam und geht auf sie ein.
Doch schon bald wird seinen Geliebten auf die ein oder andere Weise klar, daß Nishino nicht wirklich lieben kann, daß das Zusammensein mit ihm eher von seiner Vorstellung davon, wie er sich eine ideale Beziehung vorstellt, bestimmt wird, als von seinen wahren Gefühlen.

Eine Frau nach der anderen trennt sich von ihm, ohne allzu großen Schmerz dabei zu empfinden und dennoch bleibt Nishino in ihren Erinnerungen stets präsent.
Zehn von Nishinos Freundinnen kommen in diesem Buch zu Wort; jede erzählt von ihrer Beziehung mit diesem Mann, der sich im Laufe der Jahre immer wieder ein Stück weit neu erfindet und dessen Beziehungen doch dem immergleichen Schema zu folgen scheinen.

Von seiner Jugend, bis zu seinem Tod und ein kleines Stück weit darüber hinaus tauchen wir in jeder Episode ein Stückchen tiefer in die Geschichte von Nishino ein. Das Ganze passiert aber nicht chronologisch, sondern springt von der Vergangenheit in die Zukunft und wieder zurück, wobei der Leser immer wieder einen etwas anderen Mann kennenlernt, sei es, weil ihn die Zeit und seine Erfahrungen verändert haben, oder weil wir ihn nur durch die Augen seiner ehemaligen Geliebten sehen.

„Die zehn Lieben des Nishino“ ist eines dieser Bücher, die sich leicht lesen lassen und zwischen den Zeilen doch einen erfreulichen Tiefgang besitzen.
Hiromi Kawakamis Schreibstil hat mich sofort begeistert und an Banana Yoshimoto erinnert, die ich ja sehr liebe.

Ein wirklich schönes Büchlein mit leichten, aber auch gut durchdachten Erzählungen, die sich nach und nach zu der Lebensgeschichte eines Mannes zusammenfügen, der seinen einzelnen Freundinnen immer ein wenig fremd geblieben ist…

 

Review: Töte mich

Amélie Nothomb ist eine der Autorinnen von der ich bis auf zwei, drei Ausnahmen alles gelesen habe.
Besonders gefallen mir die autobiographischen Geschichten aus ihrer Kindheit, ihre anderen Romane lese ich aber meistens auch in einem Rutsch durch, wobei ich den Inhalt bei einigen schnell wieder vergesse, bei anderen aber noch lange darüber nachdenke. Nothombs schrulliger Schreibstil ist allerdings in all ihren Büchern durchgängig temporeich und scharfsinnig.

In ihrem neusten Roman „Töte mich“ erzählt Amélie Nothomb „Lord Arthur Saviles Verbrechen“ von Oscar Wilde neu.
Graf Henri Neville wird von einer Wahrsagerin vorhergesagt, daß er auf seinem Gartenfest einen der Gäste umbringen wird. Seiner jüngsten Tochter Sérieuse kommt das sehr gelegen, denn sie empfindet ihr Leben als so trostlos, daß sie ihren Vater kurzerhand bittet doch einfach sie zu töten.
Neville wehrt sich mit Händen und Füßen gegen den Wunsch seiner Tochter, allerdings scheint es ihm selbst unausweichlich seinem Schicksal zu entgehen…

Wie man es von Amélie Nothomb nicht anders erwartet glänzt sie auch in „Töte mich“ wieder mit ihren verrückten Dialogen und treibt die Geschichte diesmal trotz des düsteren Themas sehr humorvoll auf die Spitze.
Definitiv eines ihrer Bücher, das ich so schnell nicht vergessen werde. 🙂

 

Mehr von Amélie Nothomb findet ihr hier:

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Review: Happy End