Review: Auf Erden sind wir kurz grandios

„On Earth We’re Briefly Gorgeous“ wurde ja die letzten Monate schon auf vielen englischen Bookstagram-Seiten in den Himmel gelobt, also war ich natürlich neugierig auf den Debütroman dieses in den USA bereits sehr erfolgreichen Lyrikers.

Little Dog wächst als Sohn einer vietnamesischen Immigrantin in Connecticut auf. Sowohl seine Mutter, als auch die Großmutter, die bei ihnen lebt, sind vom Krieg traumatisiert, kämpfen auch nach vielen Jahren noch mit der neuen Sprache und können weder Lesen noch Schreiben.
Sein Vater verschwand aus seinem Leben, nachdem er der Mutter gegenüber gewalttätig wurde und auch Little Dogs Mutter schlägt ihren Sohn, wenn sie nicht mehr weiter weiß. Sie arbeitet hart, doch das Geld reicht kaum aus.

In der Schule wird Little Dog aufgrund seiner Herkunft gehänselt und geschlagen, es fällt ihm schwer, seinen Platz im Leben und in der neuen Heimat zu finden.
Auch die Suche nach seiner Identität wird später nicht leichter, als er sich Trevor verliebt und ihm klar wird, daß seine Homosexualität ein weiterer Grund für Diskriminierung sein wird…

In „Auf Erden sind wir kurz grandios“ verarbeitet Ocean Vuong viele autobiografische Elemente; im Großen und Ganzen stimmen wohl weite Teile von Little Dogs Geschichte mit dem Leben des Autors überein.
Dabei benutzt er einen Stil, der mir so noch nicht untergekommen ist: als Lyriker geht er mit einer gewissen Verspieltheit an die Sätze heran. Der zerpflückt Worte, dröselt ihre Bedeutung auf, setzt sie neu zusammen… und auch seine Vergleiche sind immer wieder einzigartig.
Auch der Aufbau der Geschichte erfolgt nicht linear, sondern springt zeitlich vor und zurück, fokussiert sich auf kleine Details, oder betrachtet gleich darauf wieder das große Ganze. Ich fühlte mich an eine Collage erinnert, bei der sich viele Details erst später ins Bild einordnen lassen.
Das sorgt zwar nicht unbedingt dafür, daß man als Leser das Gefühl hat, den Charakteren besonders nah zu sein, aber man liest immer aufmerksam, um die Puzzlestücke der Geschichte nach und nach zusammenzusetzen.

„Auf Erden sind wir kurz grandios“ ist die berührende Erzählung eines jungen Mannes auf der Suche nach seiner Identität.
Was mich wirklich beeindruckt hat, war daß Autor und Protagonist trotz aller Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit und Tristesse es immer schaffen, in allem eine gewisse Schönheit zu finden.