Weltklassiker – Kurz & Gut

Ihr alle wisst ja inzwischen, daß ich an schön illustrierten Titeln einfach nicht vorbeigehen kann! Kein Wunder also, daß mir die neue Reihe „Große Weltklassiker der britischen Literatur – Kurz & Gut erzählt in Zitaten und Bildern“ des Bohem Verlags sofort ins Auge gestochen ist.

Bisher gibt es vier Titel in der Serie: „Alice im Wunderland“, „Romeo und Julia“, „Der geheime Garten“ und „Stolz und Vorurteil“. Alles wohlbekannte und viel geliebte Titel also, die man hier in kurzer Zeit neu entdecken, oder noch einmal Revue passieren lassen kann.

Jeder Band ist ein Leporello in einem dünnen Schuber, in dem die ganze Geschichte in Szenenbildern nacherzählt wird und in dem jedem Bild ein Zitat des Buches beigestellt wurde.
Außerdem werden die Charaktere auf einer extra Seite vorgestellt und die gesamte Handlung sowie die Bedeutung des Romans für die Literaturgeschichte in wenigen Sätzen zusammengefasst.

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Für alle, die diese Klassiker gerade erst entdecken, ist die „Kurz & Gut“-Reihe wohl eher ein Appetitanreger, denn um den zum Teil recht komplexen Themen gerecht zu werden, dafür reichen jeweils 14 Bilder nicht aus. Doch gerade für Fans der Originale sind die Leporellos eine wirklich schöne Möglichkeit, um kurz in die Lieblingsbücher einzutauchen und sich von den Illustrationen von Yelena Brysenkova und Becca Stadtlander an die berühmten Schauplätze und zu den Protagonisten versetzen zu lassen.

Die „Große Weltklassiker“-Reihe eignet sich wunderbar, um Schulkindern, oder denen, die sich nicht an die Originale herantrauen, einen kurzen Einblick in die Handlung zu vermitteln und natürlich als das perfekte Geschenk für Fans der Romane.

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Meine Sammelleidenschaft

Es ist schon eine Weile her, da las ich den Blogbeitrag eines verzweifelten Harry Potter-Fans*… Verzweifelt, weil sie an einem Punkt angelangt war, an dem sie einfach nicht mehr wusste, ob sie mit all den Büchern, die den Markt fluteten noch mithalten konnte und wollte.
Soweit ich mich erinnere begann es für sie ganz unschuldig, mit den deutschen und englischen Ausgaben, doch dann kam immer mehr… Die illustrierten Ausgaben, die englischen Ausgaben mit den neuen Covern, die amerikanischen Ausgaben, die in den jeweiligen Hausfarben… Demnächst kommen ja die deutschen Jubiläumsausgaben und von den ganzen Zusatzbüchern will ich an dieser Stelle gar nicht erst anfangen.
Wie weit kann die Fanliebe gehen, bis man einfach nicht mehr mithalten kann, bis man das Gefühl hat, nur noch ausgenommen zu werden?

Ich las diesen Artikel und lächelte milde…
„Hach, die Jugend!“, dachte ich. „So leicht zu manipulieren… So leicht auszunutzen…“
Doch schon in der nächsten Sekunde schämte ich mich, denn mein Blick fiel auf die drei Regalmeter meiner persönlichen Sammelleidenschaft, für die mir wohl selbst jemand, der alle Harry Potter-Ausgaben besitzt, den Vogel zeigen dürfte.

Auch bei mir begann es ganz unschuldig…
Eines Tages lagen da sechs Stapel in unserer Buchhandlung… Sechs englische Ausgaben der großen Klassiker, wunderschön gestaltet und in buntes Leinen gebunden: die Penguin Clothbound Classics.
Ein bißchen Austen, ein bißchen Bronte, dazu noch Wilde und Dickens… Mehr war es nicht. Und weniger als 15 Euro für so ein schönes Buch? Mit dem Mitarbeiterrabatt fast schon geschenkt…
Gut, bei sechs Büchern läpperte es sich schon ein wenig, aber es waren ja nur sechs…
Sie würden wunderschön in meinem Regal aussehen und ich gönne mir ja sonst kaum was.
Also zogen diese ersten sechs Titel der Clothbound Classics-Reihe bei mir ein, und nachdem ihr das Titelbild gesehen habt, dürfte euch klar sein, was dann geschah…

Denn Penguin dachte gar nicht daran, diese Reihe wieder einzustellen und mich vor dem finanziellen Ruin zu retten, oh nein!  Sie hatten es auf mein mickriges Gehalt als Halbtagsbuchhändlerin abgesehen und sie bekamen es auch.

Mittlerweile besitze ich 63 Bände und es ich noch kein Ende in Sicht.
Ich weiß, ich sollte so vernünftig sein, wie dieser Harry Potter-Fan und einfach sagen: „Danke, liebe Leute vom Penguin Verlag! Es war mir ein Fest, aber nun muss ich leider aufhören, eure schönen Clothbound Classics zu sammeln. Meine Regale quellen über und Geld habe ich eigentlich auch keines!“
Aber nein… Alle paar Monate bibliografiere ich, welche Titel erscheinen werden und ärgere mich und schwöre mir, damit aufzuhören und dann kaufe ich sie doch!

Es gibt keine Entschuldigung, ich hänge da einfach am Haken.
Eigentlich wünsche ich mir fast schon, daß die Reihe eingestellt wird und trotzdem bleibe ich ihr treu…
Solltet ihr also mal in 30-40 Jahren durch Freising spazieren, kann es gut sein, daß ihr ein Häuschen seht, das ausschließlich aus Penguin Clothbound Classics-Ausgaben besteht und die Leute werden sagen: „Ja ja… Darin wohnt eine verrückte Alte, die hat ihr ganzes Geld für Bücher ausgegeben und jetzt muss sie darin wohnen!“
Dann schaut einfach mal bei mir vorbei. Demnächst erscheint das englische Libretto zu „Der Ring der Nibelungen“ in der Reihe. Braucht kein Mensch, aber wir machen es uns dann gemütlich und ich les euch daraus vor. 😉

Wie steht es bei euch? Sammelt ihr eine bestimmte Buchreihe oder Bücher zu einem Thema?
Könnt ihr einfach sagen „Bis hierher und nicht weiter“, oder greift ihr doch immer wieder zu?

Liebe Grüße,
Andrea

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*Leider konnte ich den Beitrag nicht mehr finden. Ich habe versucht, mich nach bestem Wissen und Gewissen daran zu erinnern. Wer sich darin wiedererkennt darf sich gerne bei mir melden und schamlos verlinken lassen. 😉

Review: 20.000 Meilen unter dem Meer

Vor einiger Zeit hatte ich ja meine Liste der Schande erwähnt, die bei euch auf großes Interesse gestoßen ist.
Deshalb wollte ich heute mal einen Klassiker vorstellen, den bestimmt jeder von euch kennt, auch wenn ihn vielleicht die wenigsten komplett gelesen haben. 😉

„20.000 Meilen unter dem Meer“ hat mich schon als Kind fasziniert und damals gab es auch eine illustrierte Kinderbuchausgabe in unserer kleinen Stadtteilbücherei.
Die Vorstellung, im Meer zu leben hat mich absolut verzaubert, aber auch furchtbar gegruselt… man denke nur an den Riesenkraken!

Erst viele Jahre später habe ich dann die Originalausgabe gelesen und war überrascht, wie prophetisch und sozialkritisch dieser Roman wirklich ist.
In der Kinderbuchausgabe war der Text natürlich stark gekürzt und vereinfacht… Spätestens bei dem Kapitel „Einige Zahlen“, in dem auf etwa dreißig Seiten das Fassungsvermögen und die Kapazität der Nautilus erörtert werden, würden die meisten Teenager entnervt aufgeben. 😉

Für alle, die die Geschichte nur vom Hörensagen kennen:
Im Jahr 1867 nimmt der Meeresforscher Pierre Aronnax an einer Reise teil, bei der das Geheimnis eines vermeintlichen Seemonsters gelüftet werden soll. Innerhalb eines Jahres wurden nämlich mehrere Schiffe von einem mysteriösen Etwas unter Wasser regelrecht aufgeschlitzt.
Auch Aronnaxs Schiff wird angegriffen, doch er selbst, sein Diener Conseil und der Harpunier Ned Land können sich retten… und befinden sich plötzlich in einem hochmodernen Unterseeboot, der Nautilus.
Kapitän dieses Schiffes ist der geheimnisvolle Nemo, der mit einer handvoll Gleichgesinnter ein Leben unter Wasser und fernab einer Zivilisation, die er verabscheut, gewählt hat.
Aronnax, Conseil und Land bleibt keine andere Wahl, als auf der Nautilus zu bleiben und sich auf einer abenteuerlichen Reise den Gefahren der Meere und den Abgründen der menschlichen Seele zu stellen…

Ich bin ja ein großer Fan von Jules Verne und immer wieder erstaunt darüber, wie prophetisch seine Werke zuweilen sind.
Als ich diese wunderbar illustrierte Ausgabe des Knesebeck Verlages entdeckt habe war ich absolut begeistert und musste einfach zuschlagen.
Hierbei handelt es sich um den Originaltext, weshalb mein Großer leider ein wenig daran verzweifelt… aber für alle diejenigen, die schön gestaltete Bücher lieben ist diese Ausgabe ein richtiger Schatz!

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Meine Liste der Schande

An manchen Tagen scheinen die Beratungsgespräche in der Buchhandlung perfekt zu laufen. In all der Titelflut zeigt der Kunde nur auf Bücher, die man gelesen und geliebt hat und man kann nach Herzenslust schwärmen… Man empfiehlt ein Buch nach dem anderen, der Stapel in den Armen des Kunden wird immer höher und seine Augen leuchten… In diesen Momenten fühle ich mich wie die Königin der Bücherwelt!

Doch dann kommt der Moment der Wahrheit: der Kunde erwähnt einen Klassiker, oder einen Literaturnobelpreisträger, den ich eigentlich schon vor Jahren hätte lesen müssen und ich kann nur mit den Schultern zucken.
Der Kunde ist enttäuscht und meine credibility dahin…

Natürlich kann ich nicht jedes Buch gelesen haben.
Wer eine grobe Ahnung davon hat, wieviele Bücher jedes Jahr erscheinen, kann sich ausrechnen, daß da für all die Highlights die erschienen sind, bevor ich lesen konnte wenig Zeit bleibt, wenn ich up to date bleiben will.

Und versteht mich nicht falsch!
Ich habe verhältnismäßig viele Klassiker gelesen!
Allerdings hatte ich keinen Deutsch Leistungskurs und auch kein Literaturstudium.

In der Realschule haben wir vielleicht zwei, drei Klassiker gelesen und jeder von uns sollte ein Referat über einen weiteren halten.
Ich habe diese Referate geliebt und tatsächlich viele Bücher von der Liste einfach nur für mich gelesen. „Homo faber“, „Der Erwählte“, „Der zerbrochene Krug“,… – alles Bücher zu denen mich niemand gezwungen hat.

An der FOS sah es mit der Lektüre auch eher mau aus. Im Sommer saßen wir im Schulgarten und hörten unserem Lehrer zu, der uns den „Vorleser“ vorlas… Das war wirklich schön, aber richtig ausgelastet war ich nicht.
Wann immer ein Lehrer ein Buch erwähnte landete es auf meiner Liste.
„Der Name der Rose“ habe ich nur gelesen, weil ein Lehrer meinte, wir wären zu dumm, es zu verstehen. „Menschenkind“ von Toni Morrison war ein Tipp von einem ziemlich angetrunkenen Musiklehrer…

Als ich dann mit meiner Ausbildung zur Buchhändlerin anfing wurden die Leselisten zwar ein klein wenig länger (wenn auch nicht viel… an der Frankfurter Buchhändlerschule ist die Liste wesentlich länger!), aber nach zwanzig Jahren „Effi Briest“ hatte unser Literaturkundelehrer wohl den Punkt erreicht, an dem er eher unbekanntere Bücher der großen Literaten durchnahm, um sich selbst nicht ganz so schrecklich zu langweilen.

Später, als ausgebildete Buchhändlerin hatte ich dann eben alle Hände voll damit zu tun, mich durch die Neuerscheinungen zu arbeiten und tatsächlich kommt es sehr selten vor, daß man eine wirklich anspruchsvolle Klassikerberatung machen muss.

Trotzdem versuche ich jedes Jahr an meinen Lücken zu arbeiten…
Und da gibt es noch erschreckend viele!
Ich habe noch nie etwas von Dostojewski oder Tolstoi gelesen! (Es sei denn, das „Anna Karenina“-Hörbuch zählt?)
Auch bei spanisch- und französischsprachigen Autoren sieht es düster bei mir aus…

Deshalb habe ich irgendwann angefangen, eine Liste zu machen, die ich humorvoll meine „Liste der Schande“ nenne.
Darauf stehen all die Titel und Autoren, die ich wirklich irgendwann mal lesen muss!
Wenn ich also im Beratungsgespräch mit einem Kunden zugeben muss, noch kein einziges Buch von Mario Vargas Llosa gelesen zu haben, sage ich gleich: „Aber er steht auf meiner Liste der Schande!“
Dann lachen die Kunden und mit einem Augenzwinkern kann man weiter beraten.

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Jedes Jahr können ein paar Bücher von meiner Liste der Schande gestrichen werden. Dieses Jahr waren es zum Beispiel: „To Kill a Mockingbird“, „A Moveable Feast“ und Der Report der Magd.

Ich habe nicht das Gefühl, daß es etwas ist, was ich für die Kunden mache. Ich mache das hauptsächlich für mich. Denn diese Bücher sind nicht umsonst zu Klassikern geworden, und auch wenn mich einige Werke nicht wirklich überzeugen können, ist es manchmal faszinierend zu sehen, woher bestimmte Referenzen kommen. Und manchmal versteht man auch einfach nur einen Witz mehr bei den „Simpsons“… 😉

Wie sieht es bei euch aus?
Lest ihr Klassiker auch wenn euch niemand dazu zwingt? 😉
Habt ihr manchmal das Gefühl, daß ihr literarische Wissenslücken dringend schließen solltet?
Enttäuschen euch Klassiker, oder begeistern sie euch?

Ich wünsche euch noch einen schönen zweiten Advent! 🙂