Review: Wie man sich mit einem Gespenst anfreundet

Morgen ist Halloween und leider bin ich ein zu großer Angsthase, um irgendwelche Horrorstories für diejenigen zu empfehlen, die sich gerne gruseln.
Trotzdem wollte ich Euch eine kleine Gespenstergeschichte vorstellen, die ganz nebenbei auch das meiner Meinung nach entzückendste Buch des Jahres ist: „Wie man sich mit einem Gespenst anfreundet“ von Rebecca Green.

Vor einiger Zeit hatte ich dieses Bilderbuch auf Englisch entdeckt und mich sofort darin verliebt. Immer wieder versuchte ich es meinem Kleinsten gleich beim Vorlesen zu übersetzen, was aber manchmal ein bißchen holprig wirkte und weshalb ich mich unheimlich darüber freute, als ich sah, daß es nun die deutsche Übersetzung beim Diogenes Verlag gibt.

Die Geschichte ist eine ganz wunderbare Anleitung darüber, wie man ein Gespenst fängt, sich mit ihm anfreundet, was man ihm zu Essen geben kann und welche Dinge man besser nicht tun sollte.
Das ganze Buch über kommt man aus dem Schmunzeln nicht mehr heraus und am Ende wird man trotzdem Tränen in den Augen haben.

Wer Sy Montgomerys Autobiografie „Einfach Mensch sein“ gelesen hat, der kennt auch schon Rebecca Greens Zeichenstil, denn die Illustrationen in diesem Buch stammen ebenfalls  aus ihrer Feder.
In gedeckten Grau- und Brauntönen und mit roten Farbakzenten setzt sie die herbstlich-düstere Stimmung perfekt in Szene und schafft es trotzdem, daß die Geschichte insgesamt unheimlich farbenfroh wirkt.

„Wie man sich mit einem Gespenst anfreundet“ ist ein wirklich wunderbares Bilderbuch, das Kinder und Erwachsene gleichermaßen bezaubern dürfte.
Empfohlen ist es ab vier Jahren und auch für all die geeignet, die sich sonst eigentlich vor Geistern fürchten. Denn am Ende der Geschichte wird niemand mehr Angst haben, sondern eher darüber nachdenken, wie er sich selbst ein kleines Gespenst fangen kann.

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Review: Nacht über Frost Hollow Hall

„Nacht über Frost Hollow Hall“ ist bestimmt eines der besten Kinderbücher, das ich in den letzten Jahren gelesen habe!

England, 1881: Bei einer Mutprobe bricht die zwölfjährige Tilly in den zugefrorenen See von Frost Hollow Hall ein. Sie meint schon, ihr letztes Stündlein hätte geschlagen, da erscheint ihr im Wasser eine Gestalt – ein bildschöner Junge – der sie an die Oberfläche bringt und rettet.
Von da an träumt Tilly jede Nacht von dem Jungen, der sie um Hilfe bittet. Bald findet sie heraus, daß Kit Barrington, der Sohn des Lords von Frost Hollow Hall, genau zehn Jahre zuvor im See eingebrochen und ertrunken war. Tilly ist überzeugt, daß es Kit Barringtons Geist ist, der sie gerettet hat und der nicht in Frieden ruhen kann bis ein dunkles Geheimnis ans Licht kommt.
Sie nimmt eine Stelle als Dienstmädchen in Frost Hollow Hall an, um dem Geheimnis auf den Grund zu gehen und bald stellt sie fest, daß sie nicht die einzige ist, die glaubt, daß es auf dem Anwesen spukt. Doch der Geist im Herrenhaus hat nichts mit ihrem Retter aus dem See gemeinsam. – Dieser Geist ist auf Rache aus…

Ich muss zugeben, daß ich von „Nacht über Frost Hollow Hall“ nicht allzuviel erwartet habe. Ich fand das Cover einfach wahnsinnig schön und dachte, daß es bestimmt eine nette Lektüre für den Advent wäre. Kinderbücher habe ich schon lange nicht mehr einfach nur für mich gelesen. In der Regel gehe ich da eher nach dem Geschmack meiner Söhne.

Deshalb habe ich auch nicht damit gerechnet, daß ich mich als Erwachsene so angesprochen fühlen würde, denn obwohl es leicht und flüssig geschrieben ist, geht es zum Teil um sehr reife Themen: Mutterliebe, Verrat, Verzweiflung und Vergebung…

Vermutlich fühlen sich Kinder und Jugendliche eher von der wirklich spannenden Geistergeschichte angesprochen, für Erwachsene hat „Nacht über Frost Hollow Hall“ aber nochmal eine andere Tiefe.