Seite an Seite – Der Literaturpodcast Folge 3 oder ooh baby baby, it’s a wild world

Ein bißchen still ist es in den letzten Wochen auf unserem Podcast geworden…
Das lag aber nicht etwa daran, daß Andi und ich keine Lust gehabt hätten, über die Bücher zu reden, die wir gelesen haben. Das Problem war, daß Andi noch an der Zulassungsarbeit für sein Staatsexamen saß und den ganzen Tag nichts anderes tat, als alle Daniel Kehlmann Bücher zum wasweißichwievielten Male durchzulesen und auf ihre Metafiktionalität abzuklopfen.
Gut… Vielleicht hätten wir auch einen Podcast darüber machen können…
Vermutlich braucht Andi jetzt aber mal eine kurze Pause von Daniel Kehlmann.

Jetzt geht es jedenfalls wieder frisch motiviert weiter, also viel Spaß mit unserer neusten Folge!

Unsere Titel in dieser Folge sind:

fbt

Andi:
Sophie Passmann – Frank Ocean
Jonathan Safran Foer – Wir sind das Klima!

fbt

Andrea:
Tommy Orange – Dort dort
Mareike Fallwickl – Das Licht ist hier viel heller

fbt

Und zusammen sprechen wir über:
Simone Lappert – Der Sprung

(Die blau unterlegten Titel führen Euch zu den Besprechungen auf meinem Blog.)

Ihr findet uns direkt hier: Seite an Seite – Der Literaturpodcast
Oder auf Spotify: Seite an Seite – Der Literaturpodcast
Bei iTunes: Seite an Seite – Der Literaturpodcast
Sowie auf vielen weiteren Podcast-Plattformen!

Und auf Instagram findet Ihr uns unter: seiteanseite.podcast

Schaut auf jeden Fall mal vorbei und hört rein!
Wir freuen uns schon auf Eure Kommentare!

Andi & Andrea

received_474364816673798

Review: Dunkelgrün fast schwarz

Es gab in diesem Frühjahr wohl kaum einen Blog, der „Dunkelgrün fast schwarz“ nicht in den Himmel gelobt hat. Doch die schiere Masse an euphorischen Rezensionen hat letztendlich dafür gesorgt, daß ich diesem Buch sehr viel Zeit geben musste…
Kennt ihr das auch, wenn ihr bemerkt, daß der Hype so stark ist, daß man absolut unerreichbare Erwartungshaltungen an eine Geschichte bekommt?
Deshalb bin ich also sehr spät dran, mit meiner Besprechung zu Mareike Fallwickls Romandebüt. Aber besser spät als nie!

Mitte der 80er Jahre zieht Marie mit ihren kleinen Kindern Moritz und Sophie in ein Bergdorf nahe der österreichischen Stadt Hallein. Der dreijährige Moritz lernt dort den gleichaltrigen Raffael – genannt Raf – kennen und sofort entwickelt sich eine extrem enge Freundschaft zwischen den beiden.
Doch Marie bemerkt schnell, daß es nicht gesund ist, was Moritz und Raf da verbindet. Ständig testet Raf seine Grenzen, geht darüber hinaus und spielt kleine Machtspielchen, doch es gelingt ihr nicht, Moritz von Raf fernzuhalten…

Auch als Teenager sind Raf und Moritz immer noch unzertrennlich, doch dann kommt Johanna in ihre Klasse. Moritz verliebt sich sofort in das traurige Mädchen, deren Eltern vor kurzem gestorben sind und tatsächlich werden die beiden ein Paar.
Aber damit gerät auch seine Freundschaft zu Raf aus dem Gleichgewicht und so kommen Ereignisse ins rollen, die Moritzs weiteres Leben beeinflussen werden.

Erst sechzehn Jahre später treffen die drei wieder aufeinander und müssen sich ihrer Vergangenheit stellen…

Die Geschichte spielt auf verschiedenen Zeitebenen und wird abwechselnd aus der Sicht von Marie, Moritz und Johanna erzählt. Dabei geht es immer um Raffael, der ein Dreh- und Angelpunkt im Leben der anderen ist.
Raf war ein mir zutiefst unsympathischer Charakter, ein regelrechter Psychopath, der aber von frühster Kindheit an über soviel Charisma verfügt, um sogar die Erwachsenen immer wieder zu manipulieren.
Streckenweise fiel es mir schwer weiterzulesen, so unwohl fühlte ich mich in längeren Szenen mit ihm.

Für mich zeichnet sich ein wirklich guter Autor besonders dadurch aus, daß er Figuren schafft, die einem so unter die Haut gehen, daß man ihr Verhalten fast schon persönlich nimmt.
Immer wieder hätte ich Lust gehabt, in das Buch hineinzugreifen um mir die Protagonisten zu packen und solange zu schütteln, bis sie endlich aus diesem Spiel, das Raf mit ihnen spielt, ausbrechen würden.

Ihr merkt schon, ich kann die Begeisterung, die dieses Buch ausgelöst hat absolut nachvollziehen.
Charaktere wie aus Fleisch und Blut, ein temporeicher Erzählstil, der den Leser mit jedem Kapitel tiefer in seinen Bann zieht und eine Geschichte, die einen sofort mitreißt.

Ein großartiges Buch!

PS: Beim Lesen musste ich immer wieder an Der Dieb in der Nacht von Katharina Hartwell denken. Die Figuren sind mir ähnlich unter die Haut gegangen und auch hier geht es um Familie, Freundschaft, Verrat und die Schatten der Vergangenheit. Wenn ihr also zu all denen gehört, die „Dunkelgrün fast schwarz“ geliebt haben, wäre das mein Buchhändler-Tipp für euch. 😉