Englisch Lesen

Einige von Euch tun es gerne, andere schrecken davor zurück…
Heute möchte ich Euch erzählen, wie ich dazu kam, relativ viel auf Englisch zu lesen und welchen Tipps ich meinen Kunden gebe, wenn sie versuchen, ihr Englisch wieder aufzufrischen.

Eigentlich war ich schon immer von englischen Büchern umgeben… Mein Vater hatte keine Fremdsprache an der Schule gelernt und begann, als ich ein Kind war damit, sich Englisch weitestgehend selbst beizubringen.
Dazu hörte er Sprachkurse auf Kassetten an, besorgte sich einen Zweikanaltonfernseher und arbeitete sich mit einem Wörterbuch bewaffnet durch dicke Romane.

Zu diesem Zeitpunkt (vor einem viertel Jahrhundert 😉 ) waren englische Bücher noch unglaublich teuer. Ich erinnere mich an ein gebundenes Buch mit dem ich geliebäugelt habe, das über 80 Mark kostete!
Mein Vater besorgte sich also ziemlich vergilbte und komplett zerlesene Taschenbücher aus den 70er Jahren, die es in der Grabbelkiste im Secondhand Laden für eine Mark gab und las und las und las… Ich denke, es sagt viel über den Willen meines Vaters aus, daß er selbst die schlimmsten Schundromane las, um sein Englisch zu verbessern.

Je mehr Englisch ich lernte, desto öfter warf ich einen Blick in die Bücher meines Vaters, aber über ein paar Seiten kam ich nie hinaus. Später besorgte ich mir selbst ein paar englische Bücher, doch auch hier kapitulierte ich nach wenigen Kapiteln.
Vermutlich hätte ich nie damit angefangen, ernsthaft auf Englisch zu lesen, hätte ich nicht gegen Ende meiner Ausbildung ein Schlüsselerlebnis gehabt.

Ich war im Zug auf dem Weg in die Arbeit und mir gegenüber saß ein Mädchen, das etwa halb so alt war wie ich und „Harry Potter and the Philosopher’s Stone“ las.

Zu diesem Zeitpunkt gab es erst zwei Bände auf Deutsch und der Hype, der sich noch entwickeln sollte war nicht absehbar… Ja, es gab eine Zeit, in der Harry Potter tatsächlich nichts anderes war, als ein gutes Kinderbuch.
Ich hatte die ersten beiden Teile auf Deutsch gelesen und irgendwie begann es mich zu ärgern, daß dieses Mädchen das Buch einfach so auf Englisch lesen konnte.
Natürlich habe ich mich nicht über das Mädchen geärgert, aber wer schon mal als Erwachsener versucht hat, Ski fahren zu lernen kennt diesen blöde Gefühl, wenn Kleinkinder locker und leicht an einem vorbei ziehen.

Also rein in die Arbeit und her mit dem Buch!

Und tatsächlich schaffte ich es, zum ersten Mal in meinem Leben ein komplettes englisches Buch zu lesen. – Ich war schon ein bißchen stolz auf mich! 😉

Bald darauf machte ich den nächsten Schritt. „Harry Potter und der Gefangene von Azkaban“ war gerade auf Deutsch erschienen, aber ich hatte es noch nicht gelesen.
Also nahm ich mir die englische Ausgabe mit nach Kreta und las es dort innerhalb von wenigen Tagen.
Zuhause nahm ich es mir dann nochmal auf Deutsch vor und bis auf ein paar Kleinigkeiten hatte ich tatsächlich alles verstanden!

Ich begann also mehr und mehr auf Englisch zu lesen, allerdings hauptsächlich Bücher, die mir schon auf Deutsch gefallen hatten.
Wenn ich doch mal zuerst auf Englisch las, besorgte ich mir das Buch später noch auf Deutsch um mich nochmal zu vergewissern, daß ich alles verstanden hatte.
Diese „doppelte Buchführung“ machte ich ziemlich lang, bis ich eines Tages ein Buch auf Englisch las, das mir einfach nicht besonders gut gefiel. „Oh, I can’t be bothered!“, dachte ich mir, und zum ersten Mal verzichtete ich darauf, ein Buch in beiden Sprachen zu lesen.

Seitdem lese ich regelmäßig auf Englisch. Es macht etwa ein Drittel meiner Lektüre aus und bis auf wenige Ausnahmen (zum Beispiel bei ganz schlimmen Dialekten) merke ich kaum noch, in welcher Sprache ich lese.

Im Laden habe ich oft Kunden, denen es geht, wie mir damals. Nur, daß ihnen kein kleines Mädchen erscheint, über dessen Sprachkenntnisse sie sich ärgern könnten. 😉

Meine Tipps für alle, die ihr Englisch (Französisch, Spanisch oder Italienisch,…) mit Büchern wieder aufpolieren wollen sind folgende:

  • Lasst es langsam angehen! Fangt mit dünnen Büchern an, dann habt ihr ein schnelleres Erfolgserlebnis und ein geringeres Risiko, es abzubrechen.
  • Fangt ganz leicht an! Im Fitnessstudio würdet ihr euch auch nicht untrainiert auf die 50 Kilo Hanteln stürzen, warum also bei Büchern?
    Bestimmt kann man Leute damit beeindrucken, den letzten Nobelpreisträger im Original gelesen zu haben, aber Jugendbücher eignen sich für den Einstieg wesentlich besser.
  • Habt Spaß! Kauft nur Bücher, auf die ihr wirklich Lust habt und nicht, weil euch jemand sagt, daß ihr dieses oder jenes unbedingt im Original gelesen haben müsst!
    Eine Kundin sagte mal zu mir, daß es für sie die perfekte Ausrede ist, um ChickLit zu lesen. 😉
  • Wenn ihr einen eReader habt: macht euch mit der Übersetzungsfunktion vertraut und ladet euch die Wörterbücher aus der Cloud.
    Viele eReader, wie z.B. der Tolino, haben bereits vorinstallierte Übersetzungsprogramme, mit denen ihr einzelne Worte ganz schnell übersetzen könnt. Eine Kollegin von mir, die wirklich gut Englisch spricht hat sich über Jahre nicht an englische Bücher heran getraut, weil sie immer diese Horrorvorstellung hatte, daß sie in der U-Bahn sitzt und ein bestimmtes Wort nicht verstehen könnte, woraufhin sich ihr der ganze Rest des Buches nicht mehr erschließen würde.
    Seit sie ihren eReader hat liest sie plötzlich viel auf Englisch und als ich sie fragte, wie oft sie denn nun Übersetzen müsste, meinte sie nur: „Eigentlich mach ich das nie. Meistens kann ich mir denken, was es bedeuten soll… Aber es ist gut zu wissen, daß ich es könnte.“

In diesem Sinne… Traut euch ran, an die Englischen Bücher!
Ihr könnt euren Wortschatz aufbessern, im besten Fall spart man ein bißchen Geld, wenn die englische Taschenbuchausgabe lange vor der deutschen erscheint und man entdeckt den einen oder anderen Schatz vor allen anderen. 🙂

Wie geht es Euch dabei?
Lest ihr auch gerne auf Englisch oder lieber zur Entspannung auf Deutsch?
Was war euer erstes Buch in einer Fremdsprache?

Liebe Grüße,

Andrea