Alles neu im Mai?

Der April war ein unheimlich anstrengender, aber auch ereignisreicher Monat, in dem ich leider so gut wie gar nicht zum Bloggen gekommen bin.
Das liegt einfach daran, daß ich mit den Kindern zu Hause keine Zeit mehr habe, um die Ruhe zu finden, die ich brauche, um meine Gedanken zu formulieren. Wenn ich mir aber etwas Zeit freischaufeln kann, dann geht es an die Planung für die nächsten Podcast-Folgen, ans Skripte und Artikel schreiben.
Für „Mit Vergnügen“ haben Andi und ich zum Beispiel eine ganze Liste mit Buch-Tipps zusammengetragen, die ihr hier finden könnt.
Überhaupt waren die ersten Wochen, seit „Seite an Seite“ von Hugendubel übernommen wurde richtig arbeitsintensiv. Langsam finden Andi und ich aber in einen Rhythmus, mit dem wir ganz gut klar kommen und die Planung, Unterstützung und die Zusammenarbeit mit dem ganzen Team zahlt sich wirklich aus, denn was als kleines Wohnzimmerprojekt angefangen hat, schafft es mittlerweile in die Podcasts Charts.
Für Andi und mich ist das alles immer noch absolut surreal, aber wir haben extrem viel Spaß an der Sache und freuen uns über die Möglichkeiten, die sich uns durch dieses Projekt plötzlich bieten.

Ich habe mir die letzten Wochen überlegt, ob ich dieses Format hier weiterhin beibehalten soll, denn mein Leseverhalten hat sich durch den Podcast extrem verändert. Statt meiner durchgeplanten Monatsstapel, herrscht mittlerweile das kreative Chaos.
Immerhin müssen Andi und ich unsere Leseinteressen jetzt deutlich besser koordinieren, da rutscht dann immer mal wieder etwas rein oder raus, womit wir vielleicht vorher gar nicht gerechnet haben.
Also hatte ich überlegt, statt meiner Monatsstapel zu Monatsrückblicken zu wechseln. Da wir aber immer die Podcast-Folgen eines ganzen Monats im Vorfeld aufnehmen, wäre es vermutlich arg spoilerig, welche Titel ich dann alle gelesen habe.
Letztendlich bleibe ich nun doch bei meinem gewohnten Format und was es dann in die „Seite an Seite“-Episoden schafft ist weiterhin eine Überraschung.

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Beginnen wir den Monat gleich mit zwei Titeln, die euch vielleicht verwundern dürften: „Krokodilwächter“ und „Blutmond“ von Katrine Engberg.
Den dritten Teil ihrer Kopenhagen-Krimis – „Glasflügel“ – hatte ich zuletzt gelesen, warum jetzt aber so schnell noch die beiden Vorgänger, wenn ich doch aktuell damit beschäftigt bin, für den Podcast zu lesen?
Der Grund dafür freut mich sehr, denn am nächsten Dienstag, also am 05.05. werden Katrine und ich einen Livestream auf dem Instagram-Kanal von Hugendubel und Seite an Seite machen. Ich freue mich schon wahnsinnig darauf, diese unheimlich nette und spannende Autorin zu interviewen und will mich da vorher natürlich noch ein bißchen mehr in ihre Bücher einlesen.

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Zwei Titel, die ich dann auch noch im April gelesen habe, sind „Giovannis Zimmer“ von James Baldwin und „Die Schönheit der Begegnung“ von Frank Berzbach.

„Giovannis Zimmer“ erschien bereits in den 1950er Jahren und wurde jetzt – wie die anderen Werke von James Baldwin – neu übersetzt.
Soviel kann ich schon mal verraten: Selten habe ich so viele Post-it’s gebraucht, um großartige Stelle zu markieren, wie in diesem Buch.

Frank Berzbach habe ich im Februar kennengelernt, als der Eisele Verlag zu einem unheimlich schönen Verlagsabend eingeladen hatte, an dem ich mit lieben Kollegen und Buchhändlern aus ganz Bayern zusammen saß, aß und trank und nicht ahnte, daß ich schon bald darauf auf all das verzichten würde müssen…

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Ein weiterer Titel, der es noch in den April geschafft hat, ist „Tschudi“ von Mariam Kühsel-Hossaini.
In dieser literarischen Romanbiografie habe ich den Namen Hugo von Tschudi zum ersten Mal gelesen. – Dabei bin ich doch sonst ein echter Kunst-Nerd!
Der damalige Leiter der Nationalgalerie in Berlin war es, der Anfang des 20. Jahrhunderts die bekanntesten impressionistischen Werke nach Deutschland holte und der eine ganz persönliche Tragödie erleben musste…
Eine unheimlich spannende Figur und ein wahnsinnig schöner und literarischer Text!

Mitte Juni erscheint „Das Seidenraupenzimmer“ von Sayaka Murata, die mit „Die Ladenhüterin“ bekannt geworden ist.
Dieses Buch steht schon lange auf der Liste der Bücher, die ich unbedingt noch lesen wollte; nachdem nun aber schon das Leseexemplar ihres neusten Romans hereinschneite, habe ich mir jetzt wirklich vorgenommen, endlich etwas von Murata zu lesen.

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Zwei französische Titel, die sich ganz wunderbar draußen in der Sonne lesen lassen dürften (vielleicht sogar an einem See, der Balkon ist aber notfalls auch wieder gemütlich hergerichtet), sind „Hitze“ von Victor Jestin und „Du wirst mein Herz verwüsten“ von Morgane Ortin. Beide habe ich schon angelesen und beide machen unheimlich viel Lust auf mehr.

In „Hitze“ wird ein 17-jähriger Junge Zeuge eines Selbstmordes, doch anstatt zu helfen oder jemanden zu alarmieren, lässt er die Leiche verschwinden. Eine unheimlich intensive Ausgangssituation!

„Du wirst mein Herz verwüsten“ ist ein extrem spannendes Projekt, von dem ich hoffe, daß es auch wirklich konstant gut bleibt.
Morgane Ortin hat für dieses Buch nämlich reale Chatverläufe und SMS von anonymen Teilnehmern gesammelt und sie so arrangiert, daß sie eine durchgängige Geschichte bilden.
Ich liebe es ja sehr, wenn sich Autoren trauen, gängige Erzählstrukturen aufzubrechen und sich Neues trauen. Hoffentlich geht dieses Konzept auf!

Das ist also das Kuddelmuddel aus gelesenen, angelesenen und noch ungelesenen Titeln, mit denen ich mich auf jeden Fall noch im Mai beschäftigen werde.
Kennt ihr vielleicht den ein oder anderen davon?

Bis bald und bleibt gesund!
Eure Andrea.

Review: Sag den Wölfen, ich bin zu Hause

„Sag den Wölfen, ich bin zu Hause“ ist einer dieser Titel, die scheinbar aus dem Nichts kommen, dann aber plötzlich in aller Munde sind. Denn obwohl das Buch bereits in zig Sprachen übersetzt wurde, von verschiedenen Magazinen zu einem der besten Bücher des Jahres gekürt wurde und eine Verfilmung geplant ist, dauerte es doch ganze sechs Jahre, bis es seinen Weg nach Deutschland fand.

Die Geschichte spielt im New York der achtziger Jahre: Junes geliebter Onkel Finn wird bald an AIDS sterben. Doch vorher möchte der bekannte Künstler noch ein Porträt von der vierzehnjährigen June und ihrer Schwester Greta malen.
Kurz nachdem er das Gemälde fertig gestellt hat, stirbt Finn und June stürzt in ein tiefes Loch… Denn Finn war nicht nur ihr Onkel, ihr bester Freund und Vertrauter, für sie war er auch die erste große (unerwiderte) Liebe.

Kurz nach Finns Beerdigung erhält June eine seltsame Botschaft: Toby, der langjährige Partner ihres Onkels bittet sie um ein Treffen.
Zunächst ist June verärgert und frustriert. Ihre Mutter ist überzeugt davon, daß Toby derjenige war, der Finn mit AIDS angesteckt hat und für June bricht eine Welt zusammen, als ihr bewusst wird, daß ihr Onkel ihr verschwiegen hat, daß er seit Jahren in einer festen Beziehung lebt.

Trotzdem ist June neugierig und trifft sich heimlich mit Toby.
Schnell wird ihnen klar, daß beide gleich stark um Finn trauern und mit der Zeit entwickelt sich eine zarte, aber fragile Freundschaft zwischen den beiden…

Doch während June und Toby langsam Vertrauen zueinander fassen, wird es immer schwieriger, ihre Freundschaft vor Junes Familie zu verbergen, denn die eifersüchtige Greta spioniert ihrer Schwester nach…
Als dann plötzlich ein Foto des Porträts der Mädchen in einer Zeitung veröffentlicht wird und sich die Medien auf die Suche nach dem Gemälde machen, eskaliert der Streit der Schwestern…

„Sag den Wölfen, ich bin zu Hause“ hat mich ziemlich schnell in seinen Bann geschlagen.
Es ist zwar recht leicht geschrieben und scheint mir in den USA auch eher als Jugendbuch gehandelt zu werden, aber die Geschichte spricht doch viele Altersgruppen gleichermaßen an.

Dieses Buch handelt von den verschiedensten Arten der Liebe und kommt doch ganz ohne Sex aus.
Ich war überrascht, auf eine so tiefgründige Geschichte zu stoßen und bin gespannt, was uns noch von Carol Rifka Brunt erwartet.
Hoffentlich dauert es beim nächsten Buch nicht auch wieder sechs Jahre. 😉