Review: Dschungel

Ein Buch, an dem man in diesem Frühjahr wohl kaum vorbeikommt ist „Dschungel“, der erste Roman von Friedemann Karig, der schon mit seinem Sachbuch „Wie wir lieben – Vom Ende der Monogamie“ von sich reden machte.
Die Kollegen schwärmten bereits im Vorfeld davon, klarer Fall also, daß ich sehr gespannt auf diesen Titel war!

Felix und den namenlosen Ich-Erzähler (und nein, er heißt definitiv nicht Julius von Lahnstein) verbindet seit frühster Kindheit eine enge, fast schon obsessive Freundschaft.
Felix ist der Rebell, der immer wieder seine Grenzen auslotet und der Erzähler folgt ihm meist bereitwillig.
Doch nun ist Felix verschwunden. Von einer Reise nach Kambodscha kommt er nicht zurück und auch der Kontakt zu ihm ist ganz plötzlich abgerissen.
Dorothée, die Mutter von Felix, bekniet den Ich-Erzähler, selbst nach Kambodscha zu reisen, seinen besten Freund zu finden und nach Hause zu bringen. Trotz der Bedenken seiner Freundin Lea sitzt er dann auch schon am nächsten Tag im Flugzeug nach Phnom Penh, mit keiner anderen Spur als der Adresse des Hostels, von dem aus sich Felix vor einem Monat das letzte Mal gemeldet hat.

Wie zu befürchten war erinnert sich dort kaum jemand an Felix. Unter den Rucksacktouristen herrscht ein reges Kommen und Gehen und die Einheimischen reagieren misstrauisch auf die Fragen seines Freundes.
Erst, als er die Hoffnung schon fast aufgegeben hat, stößt er auf eine Spur von Felix; eine namenlose Insel, irgendwo weit draußen im Meer, mit einem verborgenen Strand.

Der Ich-Erzähler macht sich auf die Suche nach dem Strand und findet dort eine Kommune von Hippies und Aussteigern, die sich hierher zurückgezogen und der Welt den Rücken gekehrt haben.
Sehr zögerlich erfährt er von den Bewohnern des Camps, daß Felix zwar kurz hier war, doch wohin er gegangen ist, oder was mit ihm passierte will ihm zunächst niemand sagen.

Die Suche nach seinem Freund entwickelt sich für den Erzähler immer mehr zu einer Konfrontation mit den eigenen Ängsten und stellt die Frage: Wie viel sind wir bereit zu opfern, um jemanden zu finden, der nicht gefunden werden will?

„Dschungel“ ist ein Buch, das seinen Leser wahnsinnig gut unterhält, aber auch Fragen aufwirft, denen man sich immer wieder stellen muss: Wie viel will man für eine Freundschaft opfern? Wie sehr binde ich mich an einen Menschen? Wie weit will man gehen, um noch einmal neu anzufangen?

Was mich beim Lesen allerdings eine ganze Weile lang irritierte war, daß ich mich stark an drei Bücher erinnert gefühlt habe:
Dunkelgrün fast schwarz von Mareike Fallwickl. Auch hier steht eine obsessive Männerfreundschaft im Mittelpunkt, die schon seit Kindertagen besteht. Auch hier haben wir es mit einem Freund zu tun, der seine Grenzen testet und einen, der sich davon mitreißen lässt und auch hier sind die wichtigsten Charaktere der Geschichte die beiden Männer, die Mutter des einen und die Freundin des anderen.
Der Dieb in der Nacht von Katharina Hartwell. Auch hier geht es wieder um eine enge Freundschaft zwischen zwei jungen Männern. Auch hier verschwindet ausgerechnet ein Felix und auch hier spielt das Thema Vergessen eine große Rolle.
Und natürlich „Der Strand“ von Alex Garland, bei dem wir ebenfalls auf ein vermeidliches Paradies auf einer verborgenen Insel stoßen. Auch hier treffen wir eine Aussteiger-Kommune, auch hier gibt es romantische nächtliche Schwimmausflüge, Drogen und leicht manipulative Anführer.

Es fühlte sich zwar für mich nicht so an, als wäre „Dschungel“ lediglich ein Mix aus diesen Büchern. Ich weiß auch nicht, ob sie Karig selbst gelesen hat und inwieweit sie als Inspiration dienten (wobei die Ähnlichkeiten zu „Der Strand“ schon wirklich ins Auge stechen), „Dschungel“ bringt viele eigene Ideen auf, die mich überzeugen konnten und schon gespannt auf den nächsten Roman von Friedemann Karig warten lassen.
Dann aber hoffentlich mit Ideen, die mir nicht so verdammt bekannt vorkommen! ; )