Review: Marlène

Dan, Richard, Nath und Mona… eine Familie im weitesten Sinne.
Richard, der Kriegsheimkehrer, der im zivilen Leben nicht zurechtkommt, in die Kleinkriminalität abrutscht und zunächst im Knast landet, seine Frau Nath, die es noch einmal wissen will und mit jungen Männern anbändelt, Mona, die achtzehnjährige Tochter der beiden, die keinen Nerv für das ganze Drama hat und kurzerhand auszieht und natürlich Dan, der diese Familie fast im Alleingang zusammenhält.
Er ist Richards ehemaliger Kriegskamerad, der alles daran setzt, daß sein bester Freund nicht wieder im Gefängnis landet, Naths engster Vertrauter, der auch schon mal ihrem Liebhaber eine Abfuhr erteilen muss und ein Ersatzvater für Mona, die bei Stress Zuhause zu ihm flüchtet.
Als wäre das alles noch nicht genug, muss Dan selbst versuchen, sein Leben nach dem Krieg wieder auf die Reihe zu bringen, sein Trauma zu bewältigen und in der Gesellschaft zu funktionieren…

Da schneit plötzlich Naths Schwester Marlène zur Tür herein.
Jahrelang hatten die beiden keinen Kontakt zueinander nun soll Nath Marlène helfen. Die ist nämlich schwanger, wurde gerade verlassen und hat alle Brücken hinter sich abgebrannt.
Dabei bringt Marlènes Auftauchen das fragile Gleichgewicht dieser ohnehin schon zerrütteten Familie so durcheinander, daß bald alles auf eine Katastrophe zusteuert…

„Marlène“ war mein erstes Buch von Philippe Djian, obwohl er mir schon seit Jahren als grandioser Schriftsteller empfohlen wurde.
Ich muss allerdings zugeben, daß ich mit Djians Stil etwas zu kämpfen hatte.
Zunächst einmal wird man ohne große Erklärungen mitten in die Handlung hineingeworfen.
Wer die Figuren sind und wie sie zueinander stehen, muss man schon selbst herausfinden und dem ganzen ein bißchen Zeit geben.
Dazu kommt, daß Djian offenbar kein Freund leerer Zeilen ist, denn die Absätze sind ohne Unterbrechung aneinandergereiht und so passiert es ständig, daß von einer Zeile auf die nächste in eine andere Erzählperspektive oder zu einem neuen Ort gewechselt wird.

Wenn man also, wie ich, meistens in der Bahn liest, mit halbem Ohr einer Durchsage lauscht und die Augen dabei kurz nicht völlig konzentriert über die nächsten drei Zeilen gleiten, können plötzlich schon Wochen im Buch vergangen sein.
So musste ich dann, wenn mir bewusst wurde, daß die Erzählperspektive oder der Ort wieder einmal ganz plötzlich gewechselt hatten zurückgehen, um nichts durcheinanderzubringen.

Immer wieder werfen die Charaktere dem Leser dann auch Informationsbröckchen hin, von denen ich oft nicht wusste, ob es nun Tatsachen, Vermutungen oder Lügen waren.
Überhaupt haben die Protagonisten so viele Geheimnisse voreinander, während sie mit anderen Personen völlig offen darüber reden, daß man schon sehr bald den Überblick darüber verliert, wer jetzt eigentlich was von wem weiß und wer nicht.

Obwohl ich das Buch nun schon seit bestimmt schon zwei Wochen ausgelesen habe, bin ich noch zu keinem abschließenden Urteil darüber gekommen.
Einerseits hat mich die Geschichte gefesselt und Dan und Marlène waren wirklich spannende Charaktere über die ich am Liebsten noch mehr erfahren hätte.
Gleichermaßen anstrengend fand ich allerdings diesen absatzlosen, erklärungsarmen Stil. Vielleicht liegt das auch einfach daran, daß man sich hier voll und ganz auf das Buch konzentrieren muss, was während meiner Lesezeit (in der S-Bahn oder zwischendurch, wenn die Kinder gerade spielen) einfach nicht möglich ist, wer weiß?

Kennt Ihr da Buch und wenn ja: wie hat es Euch gefallen?

Liebe Grüße,
Andrea

Advertisements