Review: Ausgestorben, um zu bleiben

Meine Liebe zu Dinosauriern begann sonderbarerweise damit, daß in einem Neubaugebiet in der Nähe meines Hauses Solnhofener Kalkstein benutzt wurde, um die Baustelle zu schottern. Wir Kinder verbrachten unsere Wochenenden in den halbfertigen Häusern und stellten schnell fest, daß es etwas mit diesen hellen, staubigen Steinen auf sich hatte, die auf dem ganzen Gelände herumlagen.
Manche hatten ganz seltsame Formen, fast wie Schneckenhäuser, nur größer.
Schon bald schleppten wir eimerweise Steine von der Baustelle, bis wir dabei beobachtet wurden und das Gelände abgesperrt wurde, bevor wir alle Steine stehlen und ein Kind in einen ungesicherten Kellerschacht stürzen konnten.

Danach führte mich mein Weg in die kleine Gemeindebücherei, in der ich ein Buch über Fossilien entdeckte, auf dessen Umschlag eine dieser großen Schnecken – Ammoniten, wie ich erfuhr – abgebildet war, wenn auch wesentlich hübscher als meine Baustellenfunde. Von da an war klar, daß ich Paläontologin werden wollte. Ich liebte die Besuche im Museum „Mensch und Natur“ in München, ich sammelte jedes Buch, jede Figur, jedes noch so kleine Fitzelchen, das irgendetwas mit Fossilien oder Dinosauriern zu tun hatte.
Als ich elf Jahre alt war, kam dann der Film „Jurassic Park“ in die Kinos und machte Dinos plötzlich auch bei allen anderen Kindern unheimlich populär, was mich unheimlich freute. Endlich konnte ich mit anderen über meine Leidenschaft sprechen.
Wenig später war der Hype dann auch schon wieder vorbei und meine Klassenkameraden rollten nur noch mit den Augen, wenn ich einen neuen Trilobiten aus meiner Tasche zog. Nun ja… alles hat irgendwann ein Ende. Auch meine Pläne, Paläontologin zu werden.

Mein ältester Sohn hat sich nie für Dinosaurier interessiert, doch dann kam der Kleinste, sah seinen ersten Dinosaurier und verlor sein Herz, genauso wie seine Mutter damals…
Als ich damit begann, ihm neue Dino-Bücher vorzulesen, wurde mir bewusst, daß sich in den letzten 25 Jahren einiges getan hatte. Daß in Südamerika riesige Sauropodenskelette gefunden worden waren, daß es Beweise dafür gab, daß einige Raubsaurier gefiedert gewesen sein mussten, das hatte ich am Rande mitbekommen, doch viele Dinos, mit denen der Kleinste jetzt aufwächst hat es in meiner Kindheit noch gar nicht gegeben, beziehungsweise waren sie einfach noch nicht entdeckt oder ausreichend erforscht worden.

Und plötzlich hatte ich wieder große Lust, mich auch einmal jenseits von Bilderbüchern ein bißchen über meine einst so geliebten Urzeitriesen zu informieren.

Das Buch, das mir dabei am häufigsten empfohlen wurde, ist „Ausgestorben, um zu bleiben – Dinosaurier und ihre Nachfahren“ von Bernhard Kegel.
Mittlerweile ist der Titel auch schon als Taschenbuch bei Dumont erschienen, ich hatte mich aber in die wunderschöne Ausgabe der Büchergilde Gutenberg verguckt.

In diesem schönen Sachbuch erhalten wir auf durchaus spannende Weise einen Überblick über die Geschichte der Paläontologie, von den Anfängen bis zur Gegenwart.
Dabei wird beschrieben, wie sich unser Bild der Dinosaurier im Laufe der Zeit und mit jeder neuen Entdeckung oftmals grundlegend verändert hat, zum Beispiel mit der Entdeckung der Liaoning-Fossilien in China, bei denen zweifelsfrei nachgewiesen werden konnte, daß viele der kleinen Raubsaurier Federn hatten und den Vögeln damit ähnlicher waren, als Anfangs gedacht.

Bernhard Kegel bietet einen unterhaltsamen und spannenden Einblick in die Geschichte der Paläontologie. Dabei greift er auch immer wieder Filme und Bücher auf, die unsere Vorstellung der Dinosaurier geprägt haben, und klopft diese auf ihren Wahrheitsgehalt hin ab.
„Ausgestorben, um zu bleiben“ ist ein wirklich informatives und kurzweiliges Sachbuch für alle Erwachsenen Dino-Fans, die sich einmal wieder schlaumachen wollen, was sich in den letzten Jahre alles in der Forschung getan hat.

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Hier nochmal die schönen Details der Büchergilden-Ausgabe. Und ein paar der Kalksteine, die ich damals als Kind gefunden und bis heute aufbewahrt habe.
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