Review: Dragon Teeth – Wie alles begann

„Nanu?“, denken sich die einen oder anderen von Euch heute vielleicht verwundert, denn eigentlich lese ich doch sonst immer ganz andere Titel, als ausgerechnet „Dragon Teeth“.
Schuld daran, daß ich mir dieses Buch besorgt hatte, war eine Welle der Nostalgie, die mich im Winter gepackt hatte. Denn schließlich war Michael Crichtons Roman „Dino Park“ (ja, vor der Verfilmung hieß das Buch auf Deutsch tatsächlich noch so) das erste „Erwachsenen“-Buch, das ich jemals gelesen habe.

In dem Sommer, in dem „Jurassic Park“ in die Kinos kam, war ich noch süße elf Jahre alt und die heutige Regelung der Altersfreigabe ab 12, die einen Ermessensspielraum der Eltern erlaubt, gab es damals noch nicht. Stattdessen kontrollierte in unserem Kleinstadtkino die Polizei, ob man denn auch wirklich schon zwölf Jahre alt war.
Den Film in diesem Sommer, nur drei Monate vor meinem Geburtstag zu sehen, war für mich damit ausgeschlossen.
Weil ich aber schon immer schrecklich dickköpfig war „borgte“ ich mir die Bertelsmann Club-Karte meiner Mutter, radelte in die Stadt und besorgte mir „Dino Park“.
Meine Eltern waren davon zwar nicht besonders begeistert, allerdings konnten sie mir, die ich zu diesem Zeitpunkt lieber nach Asterix-Comics griff, wohl kaum verbieten, ein richtiges Buch zu lesen.
Die ganzen Sommerferien steckte ich also mit der Nase in diesem Roman. Im Holzschuppen meiner Großmutter las ich die Szene mit dem kranken Stegosaurus (alle, die jetzt „Triceratops!“ schreien haben ganz klar nur den Film gesehen) und stolperte im Familienurlaub am Waginger See meinen Eltern auf dem Weg zum Abendessen hinterher, während die Velociraptoren angriffen.

All das war mir noch unglaublich präsent, als ich während meiner Nostalgie-Welle auf „Dragon Teeth – Wie alles begann“ stieß. Klarer Fall, daß hier keine geklonten Dinosaurier auftreten würden, aber auch die Knochen-Kriege im 19. Jahrhundert fand ich schon immer recht spannend.

Damals hatten eine handvoll Forscher begriffen, wie wichtig die Funde waren, die sie zutage förderten. Allerdings mehr um ihren eigenen Ruhm zu nähren, als wirklich wissenschaftliche Erkenntnisse zu gewinnen; schließlich kam es immer wieder vor, daß die Fossilien eines Teams von Mitgliedern eines anderen zerstört wurden.

„Dragon Teeth“ erzählt die Geschichte von William Johnson, der im Jahr 1875 zunächst mit dem Ausgrabungsteam von Charles Marsh aufbricht, dann aber dank Marshs Paranoia zurückgelassen wird und sich ausgerechnet dessen Konkurrenten Edward Drinker Cope anschließt.

Eigentlich wäre die wahre Geschichte der Knochen-Kriege von Cope und Marsh spannend genug, doch stattdessen folgen wir lediglich dem Hauptcharakter Johnson, der von der Gruppe getrennt wird und versucht, sich alleine und mit einer Wagenladung voller Fossilien zurück in die Zivilisation zu kämpfen.
Wer jetzt an „Der mit dem Wolf tanzt“ denkt, wird aber ebenfalls enttäuscht werden, denn die meiste Zeit hält sich Johnson mit Jobs in heruntergekommenen Western Städten über Wasser, um genug Geld für die Rückreise aufzutreiben…

„Dragon Teeth – Wie alles begann“ wurde bereits in den 1970er Jahren geschrieben, aber erst mehr als vierzig Jahre später posthum veröffentlicht und man merkt einfach, daß es sich hier um keine ausgefeilte Geschichte mit spannenden Überschneidungen von Fiktion und Wirklichkeit, die Michael Crichton in späteren Jahren meisterhaft beherrschte, handelt.
Stattdessen ist „Dragon Teeth“ ein wenig uninspiriert, manchmal ganz spannend, aber leider nichts, was mich in irgendeiner Weise überraschen oder besonders fesseln konnte.