Review: Die Adoption – La Garúa

Vor zwei Monaten habe ich euch schon den ersten Band des wunderbaren Zweiteilers „Die Adoption“ aus dem Splitter Verlag vorgestellt.
Vielleicht erinnert sich noch der ein oder andere von euch, daß ich dabei Rotz und Wasser auf die Tastatur geheult habe.

Natürlich wollte ich unbedingt wissen, wie es weiter geht, auch wenn ich schon gehört hatte, daß man kein klassisches Happy End erwarten darf.

Im ersten Teil lernen wird Gabriel kennen, dessen Sohn Alain und Schwiegertochter Lynette nach einem schweren Erdbeben in Peru, bei dem zehntausende Menschen ums Leben gekommen sind, die kleine Qinaya adoptieren.
Zunächst fällt es Gabriel schwer, sich auf das Mädchen einzulassen, doch schon bald erobert Qinaya sein Herz. Umso schlimmer ist der Schock, als sich herausstellt, daß ihre leibliche Mutter noch am Leben ist und Alain und Lynette die unklare Lage ausgenutzt haben, um Qinaya nach Frankreich zu holen.

Anfang des zweiten Teiles nun ist Gabriels Familie von den Ereignissen komplett zerstört worden. Alain hat alle Schuld auf sich genommen und sitzt im Gefängnis, Lynette hat die Scheidung eingereicht, Gabriels Frau Rysette steht unter Schock und ist auf starke Medikamente angewiesen…
Aus einer Laune heraus reist Gabriel nach Lima um Qinaya zu finden und ihr ihr vergessenes Fahrrad zu bringen. Doch das Treffen ist eine Ernüchterung für ihn, denn Qinaya kann sich kaum noch an ihre Zeit in Frankreich erinnern. In ihrem Leben gibt es keinen Platz mehr für Gabriel.

Zufällig lernt er den Belgier Marco kennen, der ebenfalls auf der Suche ist.
Seit dem verheerenden Erdbeben versucht er die Leiche seiner Tochter ausfindig zu machen, die als freiwillige Helferin in Peru arbeitete, um sie in der Heimat begraben zu können.
Gabriel und Marco freunden sich langsam an und erkunden zusammen das Land. Nach und nach wird Gabriel klar, daß da ein anderes Kind ist, das seiner Hilfe bedarf…

Wie schon Qinaya, hat mich auch „La Garúa“ tief berührt, ganz besonders, weil sich die Geschichte in eine Richtung entwickelt hat, mit der ich nie gerechnet hätte.

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Autor Zidrou bricht in vielen Szenen mit der Erwartungshaltung des Lesers und auch wenn ich den Illustrator Arno Monin schon in meiner ersten Besprechung über den grünen Klee gelobt habe, möchte ich hier nochmal sagen, wie wunderbar ausdrucksstark seine Zeichnungen sind, ganz besonders, was die Körpersprache der Figuren angeht.

Immer wieder höre ich, wie klassische Roman-Leser sagen, daß Graphic Novels nichts für sie sind…
Bitte, bitte schaut bei Gelegenheit mal in diese wunderbaren Bände hinein und bestimmt überdenkt ihr eure Meinung.

 

Meine Besprechung zum ersten Teil von „Die Adoption“ findet ihr hier:

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Review: Die Adoption – Qinaya

Review: Insel der Frauen

„Insel der Frauen“ aus dem Splitter Verlag ist eine Graphic Novel mit der ich schon länger geliebäugelt habe, weil ich das Thema einfach wahnsinnig spannend fand.

Als Kind verbrachte ich einen Teil der Ferien bei meinen Großeltern, die mich im Gegensatz zu heutigen Großeltern, nicht auf spannende Ausflüge mitnahmen, sondern auf die Couch packten und mir vom Krieg erzählten.
Besonders bei einem Großelternpaar hatte ich oft das Gefühl, daß sich nach 1945 nichts nennenswertes mehr in ihrem Leben ereignet hatte, so eingeschossen waren sie auf das Thema Krieg, was mich als Kind natürlich absolut überforderte.

Doch im Laufe der Jahre bemerkte ich, daß die Geschichten, die meine Großmütter zu erzählen hatten, die einsichtsvolleren und vielleicht wichtigeren Geschichten aus dieser Zeit waren.

Auch wenn „Insel der Frauen“ von Didier Quella-Guyot schon während des ersten Weltkriegs spielt, konnte ich mich gleich für eine Geschichte begeistern, in der die Frauen im Mittelpunkt stehen.

Als der Befehl zur Mobilmachung kommt, verschwinden vom einen auf den anderen Tag alle Männer zwischen zwanzig und fünfzig Jahren von einer kleinen bretonischen Insel.
Die einzige Ausnahme ist Mael, der wegen seines Klumpfußes ausgemustert wurde.
Während die Frauen versuchen, ihr Leben so gut wie möglich zu meistern und das zusätzliche Pensum der Männer zu bewältigen, wird Mael zum Briefträger befördert.
So wird der Aussenseiter plötzlich zum wichtigsten Vertrauten der Frauen, denn da viele nicht lesen können, muss Mael ihnen die Briefe ihrer Männer vorlesen und auch beantworten.
Mael lernt auf diese Weise viel über die Gefühle der Frauen und macht sich das im Lauf der Zeit zu Nutze.
Bald beginnt er die Briefe zu manipulieren und wird zum Tröstenden, den immer mehr der Frauen in ihre Betten lassen.
Mael berauscht sich regelrecht an der Macht, die er über die Frauen hat, nachdem er jahrelang von ihnen und ihren Männern als Krüppel beschimpft wurde.
Doch irgendwann neigt sich der Krieg dem Ende zu und die Situation auf der Insel wird zum Problem…

„Insel der Frauen“ hat mich sehr überrascht. Ich hatte bei diesem Titel an eine Geschichte über weiblichen Zusammenhalt und Freundschaft gedacht und nicht damit gerechnet, daß die Hauptthemen des Buches Sexualität, Verführung und auch Machtmissbrauch sind.

Zu Beginn ist man als Leser noch ganz vernarrt in Mael, doch das ändert sich im Lauf der Geschichte immer mehr.
Solche Charakterentwicklungen sind immer spannend und auch die Handlung nimmt zuweilen unerwartete Wendungen. Selbst die Solidarität unter den Frauen kommt auf eine Art und Weise daher, mit der ich nicht gerechnet hätte.

Die Stimmung und das Licht auf der Insel wird in den Illustrationen von Sébastien Morice mit warmen Tönen und recht flächigem Farbauftrag ganz wunderbar eingefangen.

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Die „Insel der Frauen“ ist eine recht sinnliche, psychologisch tiefgründige Graphic Novel in der der Leser immer wieder überrascht wird.
Schaut auf jeden Fall mal rein, wenn sie euch in die Finger fällt! 😉

Review: Die Adoption – Qinaya

Schon länger habe ich mit „Die Adoption“ aus dem Splitter Verlag geliebäugelt, jetzt hatte ich endlich die Gelegenheit, diese wunderbare Graphic Novel zu lesen…

Als bei einem Erdbeben in Peru viele tausend Menschen ums Leben kommen, sieht die ganze Welt fassungslos zu. Doch für das kinderlose Ehepaar Lynette und Alain bietet sich eine Chance… Die beiden adoptieren das vierjährige Waisenmädchen Qinaya und holen sie zu sich nach Frankreich.
Alle sind überglücklich über den unverhofften Familienzuwachs, das heißt alle bis auf Großvater Gabriel…
Er tut sich schwer damit, die Kleine als Enkelkind zu betrachten, doch schon bald wird er immer häufiger als Babysitter eingesetzt.
Es kommt, wie es kommen muss und im Lauf der Zeit werden Gabriel und Qinaya unzertrennlich, doch dann nimmt die Geschichte eine schockierende Wendung…

Diese wunderbare Graphic Novel hat mir das Herz gebrochen.
Am Schluss musste ich so schluchzen, daß der Große mir das Buch kurzerhand abgenommen hat und bald darauf selber total verheult ankam.

Die Zeichnungen von Arno Monin sind absolut großartig!
Seine Figuren wirft er mit ein paar Bleistiftstrichen hin und koloriert das Ganze dann mit pastelligen Aquarellfarben. Man sieht also das zeichnerische Handwerk und trotzdem sind die Bilder so ausdrucksstark, daß man das Gefühl hat, sich im selben Raum zu befinden oder die Sonne auf dem Gesicht zu spüren.
Monin beherrscht es, seine Bilder durch Licht- und Schattenspiele lebendig werden zu lassen aber auch, den Figuren mit wenigen Strichen eine absolut ausdrucksstarke Mimik und Gestik zu verleihen.
Schon rein zeichnerisch gehört „Die Adoption“ für mich zu den besten Graphic Novels die ich je gelesen habe.

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Ihr merkt schon… Ich komme heute aus dem Schwärmen nicht mehr raus.
Gottseidank kommt bald die Fortsetzung in die Läden!
Der Große und ich warten schon gespannt darauf.

 

Meine Besprechung zum zweiten Teil von „Die Adoption“ findet ihr hier:

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Review: Die Adoption – La Garúa

Review: Dr. Watson

Jeder Sherlock Holmes Fan kennt die Geschichte von dessen Tod und Wiederauferstehung. Doch viele wissen vermutlich nicht, warum Arthur Conan Doyle seinen beliebtesten Romanhelden – sehr zum Leidwesen seiner Fans und der eigenen Mutter – in die Reichenbachfälle stürzte…

Doyle war an einem Punkt angekommen, an dem die Holmes-Geschichten eine lästige Aufgabe für ihn geworden waren und so verlangte er mehr und mehr Geld von seinen Verlegern, um diese (sozusagen im Guten) zu überzeugen, daß die Welt kein weiteres Holmes-Abenteuer bräuchte.
Doch die Verlage zahlten die übertriebenen Forderungen, und so setzte Doyle in „Das letzte Problem“ eigenmächtig einen Schlußstrich unter seine Detektiv-Geschichten und meinte später dazu: „If I had not killed him, he certainly would have killed me.“

Als ich über „Dr. Watson“ aus dem Splitter Verlag stolperte, dachte ich zuerst an eine Wild-West-Geschichte. Kein Wunder bei diesem Cover… 😉 Doch der Name Watson lies mich aufhorchen und tatsächlich handelte es sich hier um eben den Dr. Watson.

Die Handlung beginnt mit Holmes Sturz in die Reichenbachfälle. John Watson, sein langjähriger Freund und Verbündeter, fällt daraufhin in schwere Depressionen.
Zwar geht er seiner eigentlichen Arbeit als Arzt nach, doch schon bald verwickelt ihn sein detektivischer Spürsinn in neue Fälle.
Dabei stößt er auf die Spur des geheimnisvollen Moriarty und eine Intrige, die Watson auf jeden Fall verhindern muss…
Doch immer wieder kommen Erinnerungsfetzen in ihm hoch, die weder er noch der Leser zunächst zuordnen können… Handelt es sich dabei um Watsons Zukunft oder spielt ihm seine Vorstellungskraft einen Streich?
Um diesem Rätsel auf den Grund zu gehen muss er tief zurück in seine Vergangenheit reisen…

Die Graphic Novel von Stéphane Betbeder und Darko Perovic ist recht klassisch und sehr detailverliebt gezeichnet. Dabei wurde hauptsächlich in Blau- und Sepiatönen koloriert, was für einen stimmungsvollen Retrolook sorgt.
Watson selbst hat nicht viel mit dem gemütlichen Gefährten aus den Büchern gemein. Er kommt als tief gespaltener, aber willensstarker Kämpfer daher.

Allen eingefleischten Sherlock Holmes-Fans sei gleich gesagt: „Dr. Watson“ ist keine einfache Graphic Novel, die die Handlung nach „Das letzte Problem“ aufgreift.
Es ist eine Geschichte, die sich nicht an den Holmes-Kanon hält und auch mit ihm bricht, allerdings ist sie auch ein spannendes Gedankenexperiment.
Es gibt ja Fans (und das bezieht sich auf alle Buchreihen), die ziemliche Probleme damit haben, wenn „ihre“ Geschichten im Nachhinein verändert werden. Man denke nur an die Diskussionen, die eine schwarze Hermine in „Harry Potter and the Cursed Child“ ausgelöst hat.
Andere Fans verschlingen dagegen begeistert Neuinterpretationen und Umdichtungen ihrer Lieblingsgeschichten und freuen sich über andere Herangehensweisen.
Wer zu „Dr. Watson“ greift sollte sich also vielleicht zuerst die Frage stellen, zu welcher Kategorie Fan er gehört und ob er sein Weltbild erschüttert haben möchte. 😉

Für richtige Holmes-Nerds wurden übrigens auch einige Insider-Witze eingebaut, wie zum Beispiel die Unklarheit über Watsons Vornamen. (Doyle schrieb ja zuweilen so schludrig, daß er selbst den Namen verwechselte.)

Ein kleiner Fun Fact zum Schluß: Doyle selbst griff in den Holmes-Kanon ein, als er eine spannende Legende hörte, die ihn zu „Der Hund von Baskerville“ inspirierte.
Er holte Holmes und Watson also doch noch einmal aus der Schublade, um eine Art Vorgeschichte zu schreiben, und nach dem kommerziellen Erfolg dieses Buches zahlten die Verlage jeden Preis für neue Geschichten.
So feierte Sherlock Holmes seine Wiederauferstehung in „Das leere Haus“, worauf noch viele weitere Geschichten folgten.

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Review: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit – Graphic Novel

Heute möchte ich euch einen Schatz aus meiner Graphic Novel Sammlung vorstellen: Stéphane Heuets wunderbare Interpretation von Marcel Prousts Klassiker „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“.

Mit um die 7000 Seiten (je nach Ausgabe etwas mehr oder weniger) ist Prousts Opus Magnum natürlich kein Buch für zwischendurch.
Wer sich aber einen kleinen Eindruck von diesem Mammutwerk machen möchte, der sollte auf jeden Fall zu dieser Comic-Reihe greifen.

Stéphane Heuet zeichnet schon seit Jahren daran und bisher gibt es die ersten beiden Teile von „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“; „Unterwegs zu Swann“ und „Im Schatten junger Mädchenblüte“ in sechs illustrierten Bänden.

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Dabei lernen wir den Ich-Erzähler kennen, der zunächst von seiner Kindheit in Paris und Combray Ende des 19. Jahrhunderts berichtet.
In eine wohlhabende Familie geboren, erlebt er alle Annehmlichkeiten und lauscht mit Begeisterung den Geschichten über die Skandale der Adeligen. Er berichtet von Swann, einem Bekannten seiner Eltern, und dessen Liebe zu der Femme fatale Odette. Später lernt er die Tochter der beiden kennen und verliebt sich zum ersten Mal.
In „Im Schatten junger Mädchenblüte“ ist der Erzähler bereits ein Jugendlicher, der mit seiner Großmutter in ein Grand Hotel am Meer fährt und dort die Reize junger Frauen zu schätzen lernt…

„Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ ist eine Hymne auf eine vergangene Epoche und Heuet schafft es mit seinen Bildern, diese wieder zum Leben zu erwecken.
Die Illustrationen wirken auf den ersten Blick recht schlicht, doch sind sehr detailverliebt und schaffen es, den Leser in die wunderbare Atmosphäre eintauchen zu lassen.

Auch wenn der Text natürlich extrem zusammengestrichen wurde bekommt man eine Ahnung von Prousts einzigartigem Stil.
Es kommen sehr, sehr viele Figuren vor, weshalb ich die Graphic Novels mehrmals hintereinander las um die Beziehungen zwischen den Charakteren besser zu verstehen, aber gestört hat mich das nicht.

Mit 20€ pro Band ist diese Reihe natürlich kein Schnäppchen für zwischendurch, aber ich kann jedem empfehlen, die Augen danach offen zu halten, wenn man in der Bücherei oder bei Angeboten stöbert. Oder sie natürlich auf seine Wunschliste setzen. 😉

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Reihenfolge:

  1. Combray
  2. Eine Liebe Swanns I
  3. Eine Liebe Swanns II
  4. Namen und Orte: Namen
  5. Im Schatten junger Mädchenblüte I
  6. Im Schatten junger Mädchenblüte II

Review: Louis Undercover

Nachdem mich ja letzten Monat Jane, the Fox & Me sehr berührt hat, habe ich mir dann gleich noch „Louis Undercover“, die zweite Graphic Novel von Fanny Britt und Isabelle Arsenault gegönnt.

Darin geht es um Louis, einen Teenager, der mit der Trennung seiner Eltern zu kämpfen hat. Eigentlich lieben sich Louis Mama und Papa noch, doch die Alkoholsucht seines Vaters macht ein Zusammenleben unmöglich.
Wie schon in „Jane, the Fox & Me“ spielt auch hier wieder ein Tier eine wichtige Rolle. Dieses Mal ist es ein verletzter Waschbär, um den sich Louis und sein kleiner Bruder kümmern und dessen Ankunft eine mögliche Versöhnung der Eltern einläutet.
Doch so leicht ist Alkoholismus nicht zu überwinden und Louis muss lernen alleine mutig zu sein…

Auch das zweite Buch von Fanny Britt und Isabelle Arsenault traf mich wieder mitten ins Herz. Besonders die Beziehung der Eltern wird mit wenigen Strichen so wunderbar und todtraurig eingefangen, daß ich manchmal Tränen in den Augen hatte.
„Louis Undercover“ ist keine Alles-wird-wieder-gut-Geschichte… Es bleibt dem Leser selbst überlassen sich vorzustellen, wie es mit Louis Familie weiter geht.
Aber es gibt immer ein Fünkchen Hoffnung…

Farben spielten ja auch schon in „Jane, the Fox & Me“ eine wichtige Rolle und auch in „Louis Undercover“ wurden die Graphit- und Kohlzeichnungen sehr bewusst koloriert. Da gibt es die blauen Bilder, die die schlechten Erinnerungen zeigen und die gelben, die für Hoffnung stehen.

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„Louis Undercover“ ist definitiv eine Empfehlung für alle, die aussergewöhnliche Graphic Novels zu schätzen wissen.

Hier geht es zu meiner Besprechung von Jane, the Fox & Me

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Fernweh im Februar

Auf den Februar habe ich schon seit Monaten hingefiebert, denn in anderthalb Wochen ist es schon soweit und ich fahre endlich In vollen Zügen nach… Venedig!
In meinem Beitrag Woher es kommt… und wohin es geht habe ich ja schon ein bißchen davon erzählt und ich freue mich wahnsinnig, euch mit in die legendäre Buchhandlung Acqua Alta nehmen zu können.

Dementsprechend wundert es wohl auch nicht, daß viele Reiseführer auf meinem Februarstapel liegen. Als Zuglektüre habe ich mich für Ein Winter in Venedig von Claudie Gallay entschieden. Mal abgesehen davon, daß Ort und Jahreszeit perfekt passen und ein Buchhändler eine wichtige Rolle spielen soll war dieses Buch eine Empfehlung von einer lieben Kollegin, also war die Entscheidung schnell getroffen.

Ebenfalls mit in den Zug darf Alles über Heather von Matthew Weiner. Zwar hat es nichts mit Venedig zu tun, aber der Gedanke mit nur einem Buch zu verreisen macht mich nervös (selbst wenn es nur ein paar Tage sind) und dieses Büchlein nimmt nicht viel Platz weg, soll es aber in sich haben. Ich bin gespannt!

Worauf ich mich natürlich schon sehr freue ist das neuste Buch von Haruki Murakami, der einer meiner absoluten Lieblingsautoren ist.
Die Ermordung des Commendatore I – Eine Idee erscheint ist von aussen zumindest schon mal ein richtiges Juwel und ich kann es kaum erwarten, es zu lesen!

Als Graphic Novel durfte diesen Monat Louis Undercover von Fanny Britt und Isabelle Arsenault mit. Ihr erstes Buch Jane, the Fox & Me hatte mich ja im Januar tief berührt, da freue ich mich schon auf das neue.

Und natürlich hatte ich schon angekündigt, daß ich diesen Monat beim Black History Month mitmachen möchte. In den USA wird der BHM im Februar gefeiert und deshalb will ich mich mal ganz bewusst mit afroamerikanischen Autoren beschäftigen.
Mit dabei sind Heimkehren von Yaa Gyasi, das ich eigentlich schon im November lesen wollte, aber dann leider nicht dazu gekommen bin und Sing, Unburied, Sing („Singt, ihr Lebenden und ihr Toten, singt“) von Jesmyn Ward. Dieses Buch hat letztes Jahr viele Leser begeistert; unter anderem Barack Obama… Ich weiß noch gar nicht, worum es geht, lasse mich aber gerne überraschen.

Eigentlich hatte ich mir noch drei andere Bücher zum Black History Month bestellt, aber der Importeur hat es wohl nicht ganz so eilig wie ich… 😉
Ich hoffe mal, daß die Titel dann doch im Laufe des Monats eintrudeln und wir zusammen darüber reden können.

Bis dahin wünsche ich euch einen erlebnisreichen Februar!

Andrea

Review: Jane, the Fox & Me

Nachdem ich von allen Seiten gehört habe, wie schön „Jane, der Fuchs & ich“ sein soll, habe ich es mir nun auch mal gegönnt und mein erster Gedanke war, daß ich diese Graphic Novel gerne schon gehabt hätte, als ich jung war.

Hélène macht durch, was viele Mädchen im Teenageralter erleben: Sie wurde von ihrer Clique ausgeschlossen und ist seitdem eine Einzelgängerin, die von ihren ehemaligen Freundinnen in der Schule gemobbt wird.
Ihre einzige Zuflucht ist das Buch, das sie gerade liest: Jane Eyre. Hélène kann sich mit Jane identifizieren, die zunächst von niemandem geliebt wird und die im Vergleich zu anderen Frauen unscheinbar und langweilig wirkt.
Als die Klasse in ein Sommercamp fährt, leidet Hélène weiter unter den Streichen ihrer Mitschülerinnen, doch dann begegnet ihr ein Fuchs im Wald. Auch wenn die Begegnung nur kurz ist, ist Hélène verzaubert von dem Tier und kurz nach seinem Verschwinden taucht die lebenslustige Géraldine, die ebenfalls von der Mädchenclique verstoßen wurde, in Hélènes Zelt auf… und zusammen sieht die Welt gleich viel bunter aus.

Hélènes Geschichte hat mich wirklich tief berührt, besonders eine Episode im Schulbus war ganz eindeutig aus meiner eigenen Teenagerzeit abgezeichnet! 😉

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Überhaupt hat mir der Zeichenstil sehr gefallen, obwohl das Buch weitestgehend aus sehr schlichten Bleistift- und Kohlezeichnungen besteht.
Nur „Jane Eyre“ bringt etwas Farbe in Hélènes Leben und diese Teile wurden in Pastellfarben aquarelliert.
Erst als der Fuchs und später Géraldine in Hélènes Leben treten, werden auch ihre Bilder bunter.

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„Jane, the Fox & Me“ hat mich wirklich berührt und ich habe mir jetzt „Louis Undercover“, das nächste Buch von Fanny Britt und Isabelle Arsenault bestellt.
Ich bin schon gespannt! 🙂

Deutscher Titel: Jane, der Fuchs & ich
Allen Preisfüchsen kann ich empfehlen, bei Graphic Novels immer mal zu schauen, ob es eine günstigere englischsprachige Ausgabe gibt. In diesem Fall hat sich das wirklich gelohnt.

Review: Die Stadt der Träumenden Bücher Teil 2: Die Katakomben

Nachdem mich ja der erste Teil der „Stadt der Träumenden Bücher“ Graphic Novel schon restlos begeistert hat, habe ich die Tage gezählt, bis Teil zwei erscheint.
Nun war es endlich soweit und nach einem kleinen Kampf mit meinem Jüngsten, der zur Zeit alles was nach „Dino“ aussieht für sich beansprucht, habe ich ihn verschlungen.

„Die Katakomben“ setzt genau da an, wo „Buchhaim“ aufgehört hat:
Hildegunst von Mythenmetz ist auf der Suche nach einem geheimnisvollen Schriftsteller in den Katakomben von Buchhaim verschollen.
In diesem unwirtlichen Labyrinth trifft er unerwartet auf Freunde, aber auch auf schreckliche Gefahren… und über allem schwebt der Geist des Schattenkönigs, von dem niemand weiß, ob er ein Hirngespinst ist, oder vielleicht doch der Herrscher der Katakomben.

Tja… was soll ich noch groß zu Teil zwei sagen, außer daß ich begeistert war, wie auch schon bei seinem Vorgänger.
Während mich die wunderschönen Illustrationen in „Buchhaim“ überwältigt haben, war ich nun schon verwöhnter, allerdings hatten die „Katakomben“ den Vorteil, daß meine Erinnerung hier wieder aufgefrischt wurde.
Die Beschreibungen von Buchhaim und den Buchlingen waren mir nämlich auch nach all den Jahren seit ich den Roman gelesen hatte noch bestens in Erinnerung, doch ich hatte den Schluß damals wohl so weggefetzt, daß ich mich nicht mehr an alle Ereignisse gegen Ende erinnern konnte.

Der zweite Teil der „Stadt der Träumenden Bücher“ ist auf jeden Fall schon mal ein Jahreshighlight im Bereich Graphic Novels, das schwer zu überbieten sein wird. 🙂

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Zu meiner Besprechung von Band 1 bitte hier entlang:

Review: Die Stadt der Träumenden Bücher Teil 1: Buchhaim

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Review: Frida

Heute möchte ich etwas tun, das ich bisher noch nie gemacht habe; nämlich zwei Bücher in eine Review packen.
Beide Bücher waren aber in den letzten Wochen untrennbar für mich, weil sie sich so wunderbar ergänzt haben, da möchte ich sie auch in der Besprechung nicht auseinander reissen.

Vor einiger Zeit hatte ich ja schon erwähnt, daß ich mir die Graphic Novel „Frida – Ein Leben zwischen Kunst und Liebe“ von Vanna Vinci besorgt habe.
Ein wenig wusste ich schon über das Leben von Frida Kahlo, aber noch lange nicht genug und dieses Buch schien mir ein guter Einstieg zu sein.

Darin erzählt Frida Kahlo ihr Leben von der Geburt bis zum Tod. Besonders spannend ist dabei, daß Fridas Gesprächspartner(in) der Tod selbst ist. Die beiden plaudern miteinander wie alte Freunde, die noch eine Rechnung offen haben.
Sehr gelungen, finde ich…

Doch bald schon merkte ich, daß Vanna Vinci sich nicht damit begnügt hat, einfach das Leben von Frida Kahlo in eine Graphic Novel zu packen, sie greift auch deren Malstil auf und bezieht sich auf ihre Bilder.
Ich suchte in meinem Regal nach einem Bildband über Frida Kahlo aber es war einfach nichts zu finden… Da musste schnell einer her!

Aufmerksam geworden bin ich dann auf „Frida Kahlo – Verschollene, zerstörte und kaum gezeigte Bilder“ von Helga Prignitz-Poda, was sich als richtiger Glücksgriff erwies!
Zuerst hatte ich ein bißchen bedenken, daß nur obskure Skizzen darin gezeigt werden könnten, aber erstaunlicherweise sind die meisten Bilder von Frida Kahlo in Privatbesitz.

Und tatsächlich werden in der Graphic Novel immer wieder Bilder zitiert, die Frida an Freunde oder Liebhaber verschenkte und die in eben diesem schönen Bildband zu finden sind!

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Deshalb hatte ich immer beide Bücher beim Lesen auf dem Schoß und verglich die Gemälde mit den Zeichnungen der Graphic Novel.
Viele Bilder wurden spannender, weil ich sie in eine Geschichte einordnen konnte und wenn mir etwas in Vanna Vincis Buch zu kurz abgehandelt wurde, konnte ich es im Bildband nochmal genau nachlesen.
Für mich war das ein doppelter Genuss!

Zum Schluss noch eine kleine Warnung: In der Graphic Novel werden Unfälle, Operationen und Abtreibungen zum Teil recht grafisch dargestellt.
Es ist eine wirklich gelungenes Buch, aber manchmal tat es ein bißchen weh, so genau hinschauen zu müssen.

 

Eine weitere, ganz wunderbare Biografie von Frida Kahlo stelle ich hier vor:

Frida Kahlo – Eine Biografie

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