Review: Königskinder

In den letzten Jahren hat sich der Schweizer Autor Alex Capus nicht zuletzt durch „Léon und Louise“ einen Namen damit gemacht, gute Literatur mit schönen Liebesgeschichten zu verbinden.
Bisher hatte ich von ihm nur „Das Leben ist gut“ gelesen, wobei Capus mich mit seinem feinen Humor schnell für sich gewinnen konnte.
Deshalb habe ich mich auch schon sehr auf sein neustes Buch „Königskinder“ gefreut.

Tina und Max sind ein recht glückliches Ehepaar, das es jedoch liebt, über die kleinen Dinge des Lebens zu streiten, während man sich über die großen Dinge immer einig ist.
Als sie eines Nachts auf einem Gebirgspass im Schnee stecken bleiben, beschließen sie, das in dieser Situation sinnvollste zu tun und abzuwarten, bis es morgen wird und das Räumfahrzeug kommt.

Um sich die Zeit bis dahin zu vertreiben beginnt Max, eine Geschichte zu erzählen, die ihren Anfang vor etwa 250 Jahren in ebendieser Gegend genommen haben soll:

Jakob ist ein Waisenjunge, der alleine in einer kleinen Hütte in den Bergen wohnt und die Sommer damit verbringt, die Kühe des Bauern aus dem Tal zu hüten.
Im Herbst bringt er die Kühe dann zurück zu ihrem Besitzer und dabei verliebt er sich in Marie, die Tochter des reichsten Bauern im Dorf.

Das daß von ihrem Vater nicht gerne gesehen wird ist klar, und so brennt das junge Paar eines Tages miteinander durch.
Doch schnell begreifen die beiden, daß sie sich damit einen mächtigen Feind gemacht haben und so kehrt Marie zurück zu ihrer Familie, während sich Jakob für zehn Jahre beim Militär verpflichtet.

Jakob wird in Frankreich stationiert, doch Marie will ihm in all der Zeit nicht aus dem Kopf gehen. Sobald er seinen Dienst abgeleistet hat, kehrt er zurück in seine Heimat und wieder brennt Marie mit ihm durch.

Doch auch dieses Glück ist nur von kurzer Dauer, denn schon bald trifft eine Nachricht von König Ludwig XVI. auf der kleinen Berghütte ein, in der Jakob nach Versailles beordert wird.
Der Grund: Prinzessin Elisabeth, die Schwester des Königs, hat sich in der Nähe des Schlosses einen kleinen Bauernhof eingerichtet, doch ihre Kühe wollen keine Milch geben. Nun soll sich ausgerechnet Jakob darum kümmern.

Wieder muss sich das Paar trennen und während Jakob die königlichen Kühe hütet und sich nach Marie sehnt, rückt die Revolution immer näher…

„Königskinder“ ist ein dünnes, leichtes Büchlein, das einfach Spaß zu lesen macht.
Immer wenn die Geschichte von Jakob und Marie droht zu kitschig oder vorhersehbar zu werden, schaltet sich Tina ein, um ihren Mann dazu zu bringen, die Handlung zu verändern.
Diese Geschichte in der Geschichte ist ein schöner Kunstgriff, den ich sehr schätze. Nicht umsonst ist „Die Brautprinzessin“ eines meiner Lieblingsbücher.

Tina und Max sind dabei keine bloßen Randfiguren, sie treten immer wieder in den Vordergrund, sie schmollen, streiten ein bißchen und beeinflussen damit die Geschichte von Jakob und Marie.

Eine wirklich schöne Lektüre für die bevorstehenden Winterabende!

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