Review: Deutschland im Winter

Vor ein paar Wochen wurde ich auf das wunderschöne Reisehandbuch „Deutschland im Winter“ des kleinen aber feinen Reisedepeschen Verlags aufmerksam.
Schon die Covergestaltung und die spannende Zusammenstellung waren sehr vielversprechend, doch dann öffnete ich das Buch um den Klappentext zu lesen und schon war ich diesem Verlag verfallen, denn sie verstehen es wie kein anderer, sich beim potentiellen Käufer beliebt zu machen.

Nicht nur wird man hier ob seines ungewöhnlich guten Geschmacks gelobt, nein; man bekommt im selben Atemzug noch den seltsamen Schuppentier-Orden verliehen. Das nenne ich mal Kundenbindung!

2018-12-27_11.17.49

Und meine Begeisterung stieg gleich darauf noch weiter, denn bevor wir zu den Winteraktivitäten kommen, gibt es erst noch ein paar Tipps zum Thema „Nachhaltiges Reisen“.
Sehr gut!

Danach durchstreifen wir Deutschland von Nord nach Süd, Ost nach West.
Aus allen Regionen wurden die besten Tipps zusammengetragen, die den Leser für die kalte Jahreszeit begeistern sollen, sei es mit Indoor oder Outdoor Aktivitäten, Wellness-Oasen, Museen, Wanderungen, Wintermärkten, undundund…

Wolltet Ihr das neue Jahr schon immer mit einem unvergesslichen Erlebnis starten? Wie wäre es dann mit dem traditionellen „Anbaden“ in Büsum.
Wollt Ihr Schnee und Eis so richtig genießen und habt nicht das Geld, Euch eine Reise nach Grönland zu leisten? Auch im Allgäu kann man Iglus bauen und darin übernachten!
Oder zieht es Euch eher hin zu fremden Kulturen? Dann schaut doch mal im Hinduistischen Tempel von Hamm vorbei!

Für die großen Städte gibt es gesonderte Karten, auf man neben Schlittenhügeln, Hamams und Eislaufdiskotheken auch die besten Adressen für heiße Schokolade oder frische Waffeln finden kann.

2018-12-27_11.26.31

Die Tipps in diesem Buch sprechen jeden an: sei es für Alt oder Jung, Gemütliche oder Aktive und für größere oder kleinere Geldbeutel…

„Deutschland im Winter“ ist deshalb so vielseitig, weil es aus Beiträgen von verschiedenen Reisebloggern und Journalisten zusammengestellt wurde.
Jeder erzählt in seinem ganz eigenen Stil; manchmal fast ein bißchen poetisch, dann wieder humorvoll oder mit einer persönlichen Geschichte verbunden.
So macht das Buch seinem Untertitel „Geheimtipps von Freunden“ alle Ehre.

Ich kann „Deutschland im Winter“ wirklich nur empfehlen, sei es als Geschenk, als kleinen Anreiz, den Hintern im Winter ein bißchen hoch zu bekommen, oder für alle, die die undankbare Aufgabe haben, Firmenausflüge im Winter zu planen.

Und haltet die Augen offen nach diesem wunderbarem, kleinen Verlag, der seinen Leser schon auf der ersten Seite das Gefühl gibt, etwas ganz besonderes zu sein!

Advertisements

1. Bloggeburtstag und ein kleines Gewinnspiel

Heute ist es also soweit!
Vor genau einem Jahr ging Lesen… in vollen Zügen online…
Zeit, eine kleine Bilanz zu ziehen!

Seit ein paar Jahren schon habe ich immer wieder Besprechungen auf meiner privaten Facebook-Seite gepostet. Hauptsächlich für meine Buchhändler-Kollegen, aber auch andere meiner Facebook-Freunde nahmen meine Empfehlungen immer wieder gerne als Anregung.
Es war wirklich ein schönes Gefühl, wenn sich jemand, mit dem ich seit Jahren wenig Kontakt hatte, bei mir meldete um mir zu sagen, wie sehr ihm/ihr ein Buch gefallen hatte.
Auf der anderen Seite gab es auch immer wieder viel Frust… Denn einige meiner Freunde machten es sich zur Aufgabe, meine Besprechungen zu korregieren und mir Nachrichten zu schicken, in denen ich auf fehlende Kommas, verdrehte Buchstaben oder veraltete Rechtschreibung aufmerksam gemacht wurde.
Es war bestimmt lieb gemeint, aber an manchen Tagen frustrierten mich diese Nachrichten so sehr, daß ich alles hinschmeißen wollte. Denn es ist für mich nicht leicht, einen perfekten Beitrag zu schreiben.

Mein Kleinster ist noch nicht im Kindergarten, wer also einen meiner Blogposts liest kann sich vorstellen, wie ich ihn schreibe, während der Kleine neben mir Purzelbäume schlägt, oder der Große mit seinen Mathehausaufgaben unter meiner Nase herumwedelt.
Es ist für mich fast unmöglich, eine ruhige Minute zum Bloggen zu finden. Und selbst wenn ich meine Beiträge zweimal durchlese und ein Rechtschreibprogramm benutze… der ein oder andere Fehler wird sich wohl nie vermeiden lassen, solange ich konstant abgelenkt bin.

Doch immer wieder wurde ich gefragt, ob ich mir nicht vorstellen könnte, meine Besprechungen öffentlich zu machen, aber meine größte Angst war, daß aus den gelegentlichen Korrekturmails meiner Freunde ein wahres Korrekturgewitter wildfremder Menschen werden würde.

Vor einem Jahr dann war ich von Facebook ziemlich genervt.
In meiner Newsfeed las ich plötzlich so gut wie gar nichts mehr von Freunden, alles war voller Clickbait und Werbung.

Also wagte ich den Versuch hier auf WordPress Beiträge zu schreiben.
Meinen ersten Beitrag habe ich bestimmt zehnmal durchgelesen, aus Angst, daß mich ein falsch gesetztes Komma zum Spott des Internet machen würde.
Aber dann passierte… nichts.
Wochenlang nahm kaum jemand Notiz von „Lesen… in vollen Zügen“, dafür begann ich die Bloggerwelt um mich herum zu erkunden.
Jeden Tag entdeckte ich neue Buchblogs und ich freute mich so ungemein, einen Platz gefunden zu haben, an dem so viele Menschen Bücher so sehr liebten, wie ich.

Mit der Zeit traute ich mich, Kommentare zu schreiben, Bücher zu empfehlen, in kleine „Gespräche“ verwickelt zu werden…
Und plötzlich fühlte ich mich pudelwohl.
Immer mehr Leute besuchten meine Seite und tauschten sich mit mir aus… Es ist wirklich eine Freude und eine unerwartete Bereicherung meines Lebens.

Dafür möchte ich Euch allen danken und ein kleines Gewinnspiel veranstalten.

2018-08-01_10.49.48

Zu gewinnen gibt es ein kleines Paket mit folgendem Inhalt:
Die „Gebrauchsanweisung fürs Lesen“ von Felicitas von Lovenberg. Auch wenn ich sicher bin, daß sie keiner von euch braucht, gibt es einige schöne Anregungen und Ideen für jeden Bibliophilen.
Eines meiner liebsten kleinen Geschenkbücher: „Alle Kinder – Ein ABC der Schadenfreude“. Kennt ihr „Alle Kinder“ schon? Wenn nicht; es ist ein Buch mit diesen alten Kindernamensreimen, allerdings ziemlich zynisch und lustig illustriert.
Und damit ihr den Faden nicht verliert, gibt es noch ein schickes Set mit drei Oscar Wilde Magnetlesezeichen.

Hab ich Euch auf den Geschmack gebracht? 😉

Dann kommen jetzt die Teilnahmebedingungen:

Teilnehmen kann jeder Follower meines Blogs.
Ihr müsst nur einen kleinen Kommentar unter diesem Post hinterlassen, in dem ihr mir schreibt, was Euch gefällt, oder was Ihr Euch in Zukunft noch von meinem Blog wünschen würdet.
Teilnahmeschluß ist der 08.08.2018 um 23:59 Uhr.
Der Gewinner wird dann ausgelost und unter diesem Post bekannt gegeben.
Bitte meldet euch dann bei mir und schreibt mir Eure Adresse, daß ich Euch den Gewinn zusenden kann. Eure Adresse wird von mir natürlich weder weitergegeben noch gespeichert.
Bitte denkt daran, daß aktuell Ferien sind und ich den Gewinn je nachdem, wann Ihr Euch meldet vielleicht nicht sofort losschicken kann, weil ich unterwegs bin. 😉

Ich danke Euch allen nochmal für dieses schöne, spannende Jahr mit all den netten Kommentaren und Gesprächen!

Auf ins nächste Blogjahr!

Liebe Grüße,
Andrea

Bewertungssysteme: The Fault in Our Stars

Gestern Abend kochte es auf Twitter und Facebook ja zeitweise ziemlich hoch… Viele von euch haben bestimmt mitbekommen worum es ging, für alle anderen eine kurze Zusammenfassung:
Es begann damit, daß eine Autorin (ich möchte keine Namen nennen) zunächst den Ausschnitt einer Rezension auf ihrer Facebook-Seite veröffentlichte, diesen leicht säuerlich kommentierte und danach noch ein fünfminütiges (mittlerweile wohl gelöschtes) Video hochlud, in dem sie ihrem Unmut über Blogger Luft machte.

Zu diesem Video gäbe es viel zu sagen und das überlasse ich gerne auch anderen, doch was mich so irritierte war der Grund für diese Aktion. Es war nicht etwa eine schlechte, oder gar verletzende Rezension… Auslöser war, daß die Bloggerin das Buch zwar für gut befunden hatte, erwähnte daß sie aber nicht die Zielgruppe wäre und drei Sterne vergab.

Es waren die drei Sterne, die die Autorin als so himmelsschreiend ungerecht empfand!

Ich hatte schon gerüchteweise von Autoren gehört, die Besprechungen bei drei Sternen monieren würden, war aber immer davon ausgegangen, daß es sich hierbei um Leute handeln würde, die man persönlich kennt und die Rezensionsexemplare aus dem Kleinstverlag aus eigener Tasche zahlen müssten. Doch nein! Hier handelte es sich um eine Autorin, die bereits mehrere Titel bei einem sehr großen Verlagshaus im Programm hat. Ein Verlagshaus übrigens, daß viel Geld für Werbemittel (unter anderem eben Rezensionsexemplare) in die Hand nimmt.

Es gäbe viel zu diesem Video zu sagen… Muss man Leseexemplare absolut objektiv behandeln, wie die Autorin forderte? Darf man es nicht Rezension nennen, wenn man seine persönliche Meinung mit einbringt?
Wie gesagt… Vermutlich werden sich noch andere mit diesem Thema auseinandersetzen, was mir aber einfach nicht aus dem Kopf wollte war, daß es hier um drei Sterne ging!

Und wie es der Teufel so wollte, war ich über das neuste Buch dieser Autorin just an diesem Tag beim Bloggerportal und Vorablesen gestolpert.
Und wisst ihr was?
Ich hatte mir das Buch angeschaut und überlegt, ob ich es anfragen sollte… Obwohl ich sonst wenig Bücher in dieser Art lese, einfach weil mir das Cover gut gefallen hat und ich gerne auch outside the box lesen möchte und muss. (Als Buchhändlerin muss ich ja schließlich in allen Bereichen beraten können.)

So, und jetzt kommts:
Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit hätte dieses Buch auch nicht mehr als drei Sterne von mir bekommen und bevor ihr jetzt ruft: „Aber Andrea! Wie unfair kann man denn nur sein und das über ein Buch sagen, das man noch nicht mal gelesen hat?!?“ muss ich etwas erklären…

Ich vergebe keine Sterne und das aus gutem Grund.
Sterne bedeuten für jeden etwas anderes. Für mich wäre es in etwa so:

1 Stern verschwendete Lebenszeit
2 Sterne das Gute überwiegt das Schlechte
3 Sterne ein schönes Buch, hat mir gefallen
4 Sterne ein wunderbares Buch, es hat mich berührt
5 Sterne Ich bin sprachlos! Ein Meisterwerk!

So sieht sie also aus, meine persönliche Sterne-Einteilung, wenn ich denn eine machen müsste und dementsprechend sind die meisten Bücher, die ich lese 3-Sterne-Bücher.

Aber jeder hat eine andere Skala für sich festgelegt. Es gibt genug Leute für die fünf Sterne bedeuten: ein schönes Buch, das mich gut unterhalten hat.

Das Sternesystem ist absolut individuell und kommt dann noch der persönliche Geschmack dazu, ist es kein Wunder, daß manche Bewertungen so voreinander abweichen.

Was treibt also die Autorin eines großen Verlags dazu, sich dermaßen über eine drei Sterne Bewertung aufzuregen? Die meisten Argumente, die sie ins Feld führte waren reichlich undurchdacht und ständig wurde zurückgerudert…
Ist es der Druck, der vom Verlag aufgebaut wird, einen bestimmten Verkaufsrang erreichen zu müssen?
Irgendwie kann ich mir das nicht so recht vorstellen, da der Verlag ausdrücklich schreibt, daß auch negative Rezensionen willkommen sind.
Was man bei dem Video deutlich gespürt hat, war eine Frustration darüber, daß mittlerweile jeder seine Meinung kundtun darf und daß ein Blog eine gewisse „journalistische Berechtigung“ darstellen soll, auch wenn die Qualität dafür fehlt.

Das Traurige an der ganzen Geschichte ist für mich, daß es wohl eine gute Besprechung war, die sie da bekommen hat. Einzig die Sternevergabe konnte sie nicht nachvollziehen. Wären die nicht gewesen, hätten wir letzte Nacht weniger wütende Blogger und keine Autorin gehabt, der vielleicht mittlerweile auch schon aufgegangen ist, daß sie sich da einen Bärendienst geleistet hat.

Ich kenne einige Blogger, die mit den Bewertungssternen recht unglücklich sind. Doch bestimmte Seiten lassen es nicht zu, eine Besprechung zu schreiben ohne Punkte abzugeben.

Was also tun?
Sollen Blogger jetzt per se nur noch vier oder fünf Sterne vergeben dürfen?

Als Buchhändlerin bin ich schon des Öfteren über die Sternefalle gestolpert.
Ein Beratungsgespräch ist mir da bis heute in Erinnerung:

Kunde: “ Ich habe im Internet recherchiert und dieser Reiseführer ist der beste, was können Sie mir dazu sagen?“
Ich: „Wie meinen Sie das? Der Beste?“
Kunde: „Er hat die meisten Sterne bekommen!“
Ich: „Was haben Sie denn vor?“
Kunde: „Ich mache eine dreimonatige Tour durch das Land!“
Ich: „Als Backpacker?“
Kunde: „Ja.“
Ich: „Haben Sie schon eine feste Route und Unterkünfte gebucht?“
Kunde: „Nein.“
Ich: „Dann ist das leider der falsche Führer für Sie. Der wird Ihnen nicht bei dem helfen, was sie brauchen.“
Kunde: „Aber komisch, daß der dann im Internet so gut bewertet wird…“
Ich: „Das Internet hat Sie ja auch nicht gefragt, was Sie brauchen!“
Kunde: „Hmmm… Stimmt.“

Sterne machen niemanden so wirklich glücklich und trotzdem fallen wir alle immer wieder darauf herein. Ich ertappe mich selbst dabei, wie ich bei Hotels, Restaurants oder Elektroartikeln nach den Sternen schiele.
Es ist verführerisch, mit einem so einfachen Bewertungssystem zu arbeiten. Aber was sagt es wirklich aus?

Allen Bloggern möchte ich raten: lasst Euch nicht verunsichern. Bei einigen habe ich in letzter Zeit festgestellt, daß die Sterne gegen Kategorien wie Lieblingsbuch oder Zwischendurchlektüre ersetzt wurden.
Vielleicht ist das ja schon mal ein Anfang, auch wenn bestimmte Plattformen uns weiter zu Sternevergaben zwingen werden.

Und an die Autoren: natürlich möchte man sein Buch lieber im Feuilleton der Süddeutschen sehen, als auf dem Blog einer Schülerin, die im schlimmsten Fall auch noch sagt, daß es ihr nicht gefallen hat. Aber auch diese Leute leisten viel Arbeit für Euch. Und ja, es werden Bewertungen dabei sein, die euch nicht gefallen und die ihr als unfair empfindet. Und ja, es kann Euch aufregen, daß für diese Meinung Geld aus Eurem Werbeetat (sprich: Rezensionsexemplare) bezahlt wurde.
Aber: jemand macht sich die Mühe, Euer Buch zu lesen, es zu fotografieren, eine Besprechung dazu zu schreiben, es auf Instagram, Twitter und Facebook zu posten, es bei Amazon, LovelyBooks oder Goodreads zu bewerten und das ist Arbeit! Vergesst das bitte nicht.
Ja, über die Qualität einiger Rezensionen kann man streiten aber jeder versucht sein bestes.

Lasst Euch bitte nicht auf Sterne reduzieren!

Liebe Grüße,
Andrea