Durch den düsteren Dezember

Ein wirklich seltsames Jahr geht zu Ende und niemand kann so wirklich sagen, wie das nächste weitergehen wird.
Was sich für mich im Dezember aber schon mal ändert ist, daß ich aktuell keinen Lesedruck habe, was den Podcast angeht.
Seite an Seite geht nach einer Weihnachts-Spezial-Folge erst einmal in Winterpause, was für mich bedeutet, daß ich nach neun Monaten, in denen ich fast ausschließlich für den Podcast gelesen habe, endlich einmal wieder nur für mich lesen kann, ohne mir dabei Gedanken zu machen, wie man diese Geschichte gut in fünf Minuten erzählen kann ohne zu spoilern, oder schwierige Themen nicht ausreichend oder sensibel genug zu besprechen.
Es haben sich wirklich viele Titel angesammelt, die ich angelesen und wieder abgebrochen habe, weil sich nicht wirklich in den Podcast gepasst haben, oder weil ich keine Zeit hatte, dickere Bücher zu lesen.
Jetzt habe ich mir vorgenommen, diese Romane endlich einmal alle fertig zu lesen, trotzdem gibt es auch wieder einige Titel, die ich noch unbedingt im Dezember lesen möchte. Mal sehen, wie weit ich mit meinem Stapel komme!

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Den Anfang macht ein Titel, der einfach perfekt zur Jahreszeit passt: „Winter“ von Ali Smith.
„Winter“ ist der zweite Teil ihres Jahreszeiten-Quartetts, von dem ich bereits letztes Jahr „Herbst“ gelesen habe. Die beiden Teile hängen wohl nicht direkt zusammen, Gerüchten zufolge sollen die verschiedenen Geschichten erst im letzten Band „Sommer“ zueinander finden.
Smiths Schreibstil fordert zwar definitiv meine ganze Aufmerksamkeit, trotzdem begeistern mich ihre Charaktere und ihr trockener Humor.

Deutlich leichter, aber ebenso magisch ist der Stil von Nina LaCour, deren neustes Buch „Watch Over Me“ ich mir gleich auf Englisch kaufen musste.
Vor zwei Jahren las ich ebenfalls im Dezember ihren Roman „We Are Okay“ („Alles okay“), was die perfekte Lektüre für diesen Monat war, denn die Geschichte spielte auch während eines verschneiten Dezembers, was ein unheimlich schönes Leseerlebnis war.

In „Watch Over Me“ geht es wieder um eine Außenseiterin, die eine Job auf einer abgelegenen Farm annimmt, auf der es spuken soll. Eine richtig tolle Geschichte für diese düstere Jahreszeit!

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Eine weitere mystische Geschichte ist „Piranesi“ von Susanna Clarke.
Vor 15 oder 16 Jahren las ich ihr Mammutwerk „Jonathan Strange & Mr. Norrell“, eine unheimlich umfangreiche und literarisch ansprechende Geschichte über die Rivalität von zwei Zauberern. Dank der über tausend Seiten und der unzähligen (winzig gedruckten) Fußnoten brauchte ich eine gefühlte Ewigkeit, um dieses Buch zu beenden und auch wenn es seine Längen hatte, schuf Susanna Clarke in meinem Kopf Bilder, die ich nie vergessen konnte.

In „Piranesi“ geht es um einen Mann, der in einem magischen Haus lebt, das fast in eigenes Universum (mit einem Ozean und eigenem Wetter) ist. Während meiner Quarantäne hätte ich so ein großes Haus gut gebrauchen können!

Auf „Was der Fluss erzählt“ von Diane Setterfield bin ich auch schon wirklich gespannt. Ihr Debütroman „Die dreizehnte Geschichte“ ist eines meiner Lieblingsbücher. Ihr zweites Buch „Aufstieg und Fall des Wollspinners William Bellman“ dagegen hat mich wirklich enttäuscht.
Natürlich haben es Folgewerke von persönlichen Favoriten immer schwer, vielleicht ist es also ganz gut, daß meine Erwartungen an „Was der Fluss erzählt“ nicht besonders hoch sind.

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Ein Titel in den ich leider jetzt schon sehr hohe Erwartungen setze, ist „Hard Land“, der neuste Roman von Benedict Wells. „Vom Ende der Einsamkeit“ ist eines meiner liebsten Bücher der letzten Jahre, die Messlatte liegt also extrem hoch.
Das Buch erscheint erst am 24.02.2021, aber auch wenn mein Lesestapel eigentlich schon hoch genug ist, muss es erlaubt sein, eine Neuerscheinung aus dem nächsten Frühjahr zu lesen, wenn sie von einem Lieblingsautor kommt.

Ebenfalls aus dem Hause Diogenes stammt das neue Buch von Bernhard Schlink. Ich habe zwar schon mehrere Romane von ihm gelesen, „Abschiedsfarben“ sind aber nun Kurzgeschichten.
Ich bin jedenfalls gespannt!

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Die nächsten zwei Titel könnte man wohl als Sachbücher bezeichnen, auch wenn sich „Männer in Kamelhaarmänteln“ wohl keiner eindeutigen Kategorie zuordnen lässt.
Darin erzählt Elke Heidenreich in kurzen Episoden von Kleidungsstücken, die in ihrem Leben eine wichtige Rolle gespielt haben.

Mackenzie Lee hat mich letztes Jahr mit ihrer rotzfrechen Schreibe in „Kick-Ass Women“ begeistert, jetzt ist ihr neustes Sachbuch „Eine Weltgeschichte in 50 Hunden“ erschienen.
Gerade fällt mir übrigens ein, daß ich den Vorgänger bei einem außerplanmäßigen Besuch im Krankenhaus beendet habe. – Hoffentlich bleibt mir das bei diesem Buch erspart!

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Und dann gibt es auch noch zwei weihnachtliche Titel.

„Das Wunder von R.“ von Francesca Cavallo (der Co-Autorin von „Good Night Stories for Rebel Girls“) ist gerade im neuen Mentor Verlag erschienen.
Besonders schön: In dieser Weihnachtsgeschichte ab 8 Jahren geht es um eine Familie mit zwei Mamas.

Deutlich gruseliger kommt dagegen die Graphic Novel „Der Speichermann“ von Kai Meyer – illustriert von Jana Heidersdorf – daher.
Ehrlich gesagt habe ich schon beim Durchblättern ein bißchen Angst bekommen, aber die Illustrationen sind auch ganz wunderbar schaurig.

Mal sehen, wie weit ich mit all den neuen Büchern und dem halb gelesenen Stapel komme. Ich wünsche euch allen jedenfalls eine schöne Vorweihnachtszeit!

Eure Andrea

Review: Jesolo

Andrea – genannt Andi – und Georg sind schon seit ihrer Jugend ein Paar, doch nun, mit Mitte dreißig, wird klar, daß die Beziehung vollkommen stagniert.
Während ihre Freunde heiraten, Häuser bauen und Eltern werden, weigert sich Andi nach wie vor, ihre eigene Wohnung aufzugeben und zu Georg zu ziehen. Wenn die Themen Heirat oder Kinder aufkommen, reagiert sie extrem gereizt und beendet sofort das Gespräch, denn es fällt Andi schwer, sich in dieses vorgefertigte Kleinstadtleben zu fügen. Sie träumt davon, in Spanien zu Leben, von einem Haus am Meer, und doch bricht sie nicht aus und lebt dieses Leben, daß ihr nicht ganz genügt, stoisch weiter.

Beim alljährlichen Urlaub in Jesolo tritt für Andi deutlich zutage, wie eingefahren ihr Leben mit Georg ist: der fährt nämlich schon seit seiner Kindheit stets nur nach Jesolo, immer in das selbe Hotel und lädt sich am Frühstücksbuffet die immer gleichen Speisen auf den Teller…

Nach diesem Urlaub kommt es zum Bruch zwischen den beiden, doch Andi beginnt zu begreifen, daß ihre Liebe zu Georg vielleicht doch stärker war, als ihr unbestimmter Freiheitsdrang.
Dann stellt sie fest, daß sie schwanger ist und ihr Leben wird erneut auf den Kopf gestellt. Ihre ersten Gedanken sind Abtreibung und Flucht, doch wie auch schon zuvor kann sie sich nicht entschließen, ihr Leben aktiv in die Hand zu nehmen.

So geht sie zurück zu Georg und gibt die weitere Kontrolle über ihr Leben fast komplett aus der Hand. Als Georg von dem Baby erfährt, beginnt er sofort zusammen mit seinem Vater den Ausbau des Elternhauses zu planen, während Georgs Mutter Möbelhausprospekte wälzt, um die neue Wohnung einzurichten.
Andi ist zu erschöpft, um noch dagegen aufzubegehren. Sie fügt sich, nimmt alles hin und versucht, das Leben anzunehmen, das ihr da aufgedrängt wird.

Doch immer wieder gerät sie in Panik. Schließlich ist ihre eigene Mutter eines Tages sang- und klanglos aus ihrem Leben verschwunden. Und Andi kann nicht aufhören, sich vorzustellen, wie es wohl wäre, auch ihr Leben hinter sich zu lassen und neu zu beginnen…

Mit „Jesolo“ hat Tanja Raich ein wirklich beachtliches Debüt vorgelegt, das tiefe Einblicke in die Psyche seiner Protagonistin gewährt und das trotz deren Handlungsunfähigkeit keine Sekunde langweilt. Als Leser fiebert man mit Andi mit, man möchte sie manchmal schütteln, damit sie endlich aus ihrer Lethargie herausfindet und beginnt, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen, oder ihr versichern, daß das Leben nie perfekt ist und man nicht gezwungen ist, die Fehler seiner Eltern zu wiederholen.

Tanja Raich zeichnet ein sehr präzises Bild unserer Generation, in der das Leben nach einem bestimmten Fahrplan abzulaufen scheint, in der es keinen Platz gibt, um zu Zaudern, und in der man Angst hat, aus diesen Mustern auszubrechen.

„Jesolo“ ist für mich definitiv eines der stärksten Debüts diesen Jahres.

Sommerlese im Juli

Morgen ist schon wieder der erste Juli und das halbe Jahr ist vorbei!
Unglaublich, wie die Monate geradezu vorbeifliegen…

Wir Buchhändler stecken gerade zwischen dem Frühjahrsprogramm und den neuen Herbstvorschauen. Wir schwanken von „Oh, das wollte ich eigentlich noch lesen!“ über „Hach, das ist gerade erschienen, darauf hab ich ja schon gewartet!“ zu „Waaah… woher kommen denn jetzt schon all die Herbst-Novitäten, die da plötzlich in meinem SUB-Regal liegen?!?“.

Auch bei mir ist es diesen Monat eine Mischung aus „Solltest du doch schon kennen!“ und „Na, jetzt komm aber mal in die Gänge mit den Neuheiten. Bis zum Weihnachtsgeschäft musst du das Herbstprogramm einigermaßen abgegrast haben!“.
Und auch wenn sich das jetzt nach Stress anhört: ich liebe es, dieser Tage in der Sonne zu liegen und zu lesen und dabei all die spannenden Neuheiten zu entdecken, die demnächst auf den Markt kommen werden.

Fangen wir aber zunächst mal mit den Titeln der Rubrik „Immer noch nicht gelesen?“ an.

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Ich habe tatsächlich erst vor kurzem meinen ersten Roman von Elena Ferrante gelesen. Der Hype um die Neapolitanische Saga hat mich zwar immer abgeschreckt, jetzt muss ich aber doch mal reinlesen, nachdem mich Frau im Dunkeln so positiv überrascht hat.
Als einziges Taschenbuch diesen Monat wird Meine geniale Freundin mein treuer Begleiter fürs Schwimmbad.

Zwei Titel, die nicht auf meiner Leseliste standen, als sie Ende letzten Jahres, bzw Anfang diesen Jahres erschienen sind, sind Mein Ein und Alles von Gabriel Tallent und Jesolo von Tanja Raich.
Nachdem ich aber auf allen Kanälen nur begeisterte Stimmen zu diesen Romanen gehört habe, war ich allerdings doch noch neugierig geworden!

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Ein Buch, zu dem ich keine begeisterten Stimmen hörte, ist dagegen Liebe in Lourdes von Sophie von Maltzahn. Im Rahmen einer Blogger-Aktion wurde mir dieses Buch überraschend zugesandt und nachdem ich zunächst dachte: „Oje… so ein kitschiger Titel!“, dann den Klappentext las und dachte, daß diese Geschichte durchaus Potential haben könnte, stolperte ich über die Rezension von Alexandra vom Read Pack Blog.
Ihr Beitrag ist wirklich ziemlich lesenswert: ihr findet ihn hier.

Sie kritisiert darin sehr scharf, wie Menschen mit Behinderung in diesem Buch dargestellt werden und nachdem, was sie dazu sagte und ich entsprechende Textstellen aus dem Buch gelesen hatte, wollte ich es eigentlich lieber weggeben.
Dann schrieb ich aber ein bißchen mit Alexandra und letztendlich dachte ich mir, vielleicht ist es besser, dieses Buch gerade deshalb zu lesen, um anschließend ein informiertes Feedback abgeben zu können. Schließlich kann man 2019 einfach nicht mehr über bestimmte Themen schreiben, wie man es vielleicht noch 1979 getan hat!

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Aus der „Rivers of London“-Reihe von Ben Aaronovitch gibt es auch wieder etwas Neues!
Mit The October Man ist die zweite Novella der Reihe erschienen und der Titel passt ganz wunderbar! Schließlich wird Ben Aaronovitch mein Oktober-Mann sein! – Zumindest was die Veranstaltungsorganisation bei uns im Laden betrifft, denn dann wird Aaronovitch zu einer Lesung in meine Filiale kommen!
Ich freu mich schon sehr!

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Kommen wir nun zu den ersten Herbstnovitäten dieses Jahr.
Von Stig Sæterbakken schwärmte mir Torsten Woywod von Dumont schon auf der Leipziger Buchmesse vor, Mitte Juli wird es nun endlich erscheinen.
Durch die Nacht hört sich zwar ziemlich düster an, aber Torsten hat einen Geschmack, der den meinen eigentlich immer trifft, deshalb vertraue ich seinem Urteil da gerne blind.

Ein Buch, das erst Ende August erscheint ist „Blackbird“ von Matthias Brandt.
Letzten Monat hatte ich ja schon ein bißchen von meinem kleinen, inoffiziellen Lesekreis mit zwei Kollegen erzählt, jetzt haben sich noch andere angeschlossen, so daß wir uns zu acht auf das Leseexemplar gestürzt haben!
Spannend wird es, weil mein Kollege schreibende Schauspieler absolut nicht leiden kann und dieser Zunft mit „Blackbird“ eine allerletzte Chance gibt. Das verspricht spannend zu werden!

Zwei Hinweise an dieser Stelle…

Erstens: hättet Ihr denn Lust, daß ich hier auch von dem Lesekreis mit meinen Kollegen erzähle, sie Euch ein bißchen vorstelle und statt einer normalen Rezension zu dem Buch all die verschiedenen Meinungen von uns sammle?

Zweitens: mir ist bewusst, daß ich oft der Kollege schreibe, so als hätte ich nur den einen. Tatsächlich ist es aber so, daß in der Regel immer derselbe Kollege gemeint ist, wenn ich schreibe: „Der Kollege hat mir das empfohlen…“ oder „Dem Kollegen hat das nicht gefallen…“
Diesen Kollegen möchte ich Euch Mitte des Monats gerne einmal richtig vorstellen. Wir haben da nämlich ein gemeinsames Projekt in Planung, auf das ich mich schon sehr freue!

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Natürlich durfte auch diesen Monat wieder ein illustriertes Sachbuch mit auf den Lesestapel: Rot ist doch schön von Lucia Zamolo aus dem Bohem Verlag.
Darin geht es (schockschwere Not!) um die Menstruation; ein Thema, über das ja immer noch kaum offen gesprochen wird. Deshalb bin ich jetzt schon ganz begeistert von diesem schön illustrierten Büchlein, das verspricht, Klartext zu reden.

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Kein Monat ohne Graphic Novel!
Im Juli ist das Sumpfland der Künstlerin Moki aus dem Reprodukt Verlag.
Seitenweise ohne Text und mit absolut ungewöhnlichen Figuren, scheint „Sumpfland“ nach dem ersten Anlesen ein Titel zu sein, in dem man wirklich abtauchen und sich ein Stück weit selbst verlieren kann.
Ich freu mich sehr darauf, es mir in einer stillen Nacht ganz in Ruhe vorzunehmen.

Soviel also von meiner Seite und jetzt seid Ihr dran:
Welche Titel habt Ihr Euch für den Juli vorgenommen?
Kennt Ihr den ein oder anderen Titel von meinem Lesestapel?
Und für mich besonders interessant: möchtet Ihr meine Kollegen kennenzulernen und ihre Meinungen zu den Büchern aus dem Lesekreis hören?

Genießt den Sommer!
Eure Andrea

Review: Dragon Teeth – Wie alles begann

„Nanu?“, denken sich die einen oder anderen von Euch heute vielleicht verwundert, denn eigentlich lese ich doch sonst immer ganz andere Titel, als ausgerechnet „Dragon Teeth“.
Schuld daran, daß ich mir dieses Buch besorgt hatte, war eine Welle der Nostalgie, die mich im Winter gepackt hatte. Denn schließlich war Michael Crichtons Roman „Dino Park“ (ja, vor der Verfilmung hieß das Buch auf Deutsch tatsächlich noch so) das erste „Erwachsenen“-Buch, das ich jemals gelesen habe.

In dem Sommer, in dem „Jurassic Park“ in die Kinos kam, war ich noch süße elf Jahre alt und die heutige Regelung der Altersfreigabe ab 12, die einen Ermessensspielraum der Eltern erlaubt, gab es damals noch nicht. Stattdessen kontrollierte in unserem Kleinstadtkino die Polizei, ob man denn auch wirklich schon zwölf Jahre alt war.
Den Film in diesem Sommer, nur drei Monate vor meinem Geburtstag zu sehen, war für mich damit ausgeschlossen.
Weil ich aber schon immer schrecklich dickköpfig war „borgte“ ich mir die Bertelsmann Club-Karte meiner Mutter, radelte in die Stadt und besorgte mir „Dino Park“.
Meine Eltern waren davon zwar nicht besonders begeistert, allerdings konnten sie mir, die ich zu diesem Zeitpunkt lieber nach Asterix-Comics griff, wohl kaum verbieten, ein richtiges Buch zu lesen.
Die ganzen Sommerferien steckte ich also mit der Nase in diesem Roman. Im Holzschuppen meiner Großmutter las ich die Szene mit dem kranken Stegosaurus (alle, die jetzt „Triceratops!“ schreien haben ganz klar nur den Film gesehen) und stolperte im Familienurlaub am Waginger See meinen Eltern auf dem Weg zum Abendessen hinterher, während die Velociraptoren angriffen.

All das war mir noch unglaublich präsent, als ich während meiner Nostalgie-Welle auf „Dragon Teeth – Wie alles begann“ stieß. Klarer Fall, daß hier keine geklonten Dinosaurier auftreten würden, aber auch die Knochen-Kriege im 19. Jahrhundert fand ich schon immer recht spannend.

Damals hatten eine handvoll Forscher begriffen, wie wichtig die Funde waren, die sie zutage förderten. Allerdings mehr um ihren eigenen Ruhm zu nähren, als wirklich wissenschaftliche Erkenntnisse zu gewinnen; schließlich kam es immer wieder vor, daß die Fossilien eines Teams von Mitgliedern eines anderen zerstört wurden.

„Dragon Teeth“ erzählt die Geschichte von William Johnson, der im Jahr 1875 zunächst mit dem Ausgrabungsteam von Charles Marsh aufbricht, dann aber dank Marshs Paranoia zurückgelassen wird und sich ausgerechnet dessen Konkurrenten Edward Drinker Cope anschließt.

Eigentlich wäre die wahre Geschichte der Knochen-Kriege von Cope und Marsh spannend genug, doch stattdessen folgen wir lediglich dem Hauptcharakter Johnson, der von der Gruppe getrennt wird und versucht, sich alleine und mit einer Wagenladung voller Fossilien zurück in die Zivilisation zu kämpfen.
Wer jetzt an „Der mit dem Wolf tanzt“ denkt, wird aber ebenfalls enttäuscht werden, denn die meiste Zeit hält sich Johnson mit Jobs in heruntergekommenen Western Städten über Wasser, um genug Geld für die Rückreise aufzutreiben…

„Dragon Teeth – Wie alles begann“ wurde bereits in den 1970er Jahren geschrieben, aber erst mehr als vierzig Jahre später posthum veröffentlicht und man merkt einfach, daß es sich hier um keine ausgefeilte Geschichte mit spannenden Überschneidungen von Fiktion und Wirklichkeit, die Michael Crichton in späteren Jahren meisterhaft beherrschte, handelt.
Stattdessen ist „Dragon Teeth“ ein wenig uninspiriert, manchmal ganz spannend, aber leider nichts, was mich in irgendeiner Weise überraschen oder besonders fesseln konnte.

Review: So also endet die Welt

Julia und Erik haben jung geheiratet, und obwohl ihre Kinder Alice und Anton mittlerweile schon dreizehn und zehn Jahre alt sind, hat es die kleine Familie in all der Zeit nie geschafft einen mehrwöchigen Urlaub gemeinsam zu verbringen.

In diesem Jahr aber soll das endlich anders werden.
Erik hat so viele Überstunden angesammelt, daß er den ganzen Sommer frei hat und so beschließt man, nach Mjölkviken, zum alten Ferienhaus von Julias Eltern zu fahren.

Doch der Urlaub scheint von Anfang an unter einem schlechten Stern zu stehen…
Am Tag der Abreise erfährt Erik, daß er entlassen wird, Julia hinterfragt gerade ihr ganzes Leben und vor allem ihre Beziehung zu Erik, und Anders, Eriks Bruder, lädt sich nach einem Zusammenbruch mit anschließender Sinnkrise einfach selbst in das Sommerhäuschen ein.

Niemand will sich so wirklich mit seinen Problemen beschäftigen, da kommen die Nachbarn als Ablenkung gerade recht: auf der einen Seite ist da die traurige Kati, von der sich Erik und Anders gleichermaßen angezogen fühlen und auf der anderen ausgerechnet Julias Jugendfreundin Marika, die sich einer Gruppe Umweltaktivisten angeschlossen hat, die den unausweichlichen Weltuntergang in Mjölkviken aussitzen wollen.

Zwischen all diesen Menschen kommt es in den folgenden Wochen zu Spannungen, Verbrüderungen und überraschenden Geständnissen…

Obwohl mir Philip Teir bisher völlig unbekannt war hat mich der Titel des Buches sofort neugierig gemacht.
Es geht um kleine und große Ereignisse, die unser Leben verändern können, um die Suche nach dem Sinn im Leben oder auch einfach den Versuch, dem Leben einen Sinn zu geben.

„So also endet die Welt“ ist ein relativ ruhiges Buch, bei dem man nicht allzuviel großes Drama erwarten darf, trotzdem konnte ich es kaum aus der Hand legen.
Philip Teir schreibt leicht, aber eindringlich und wechselt immer wieder die Perspektive des Erzählers, so daß mir die Figuren alle sehr schnell ganz nahe waren.
Ich hätte liebend gerne noch etwas länger in dem etwas heruntergekommenen finnischen Sommerhaus am Meer mit all seinen Bewohnern verbracht.

Wer also für diesen Sommer noch auf der Suche nach einem leichten, aber durchaus literarischen Titel ist, der sollte unbedingt einen Blick in „So also endet die Welt“ werfen.

Schön, schöner, Juni

Der Juni steht vor der Tür, das Wetter ist so schön und ich genieße noch ein paar freie Tage, an denen ich am liebsten am See liege und lese während meine Jungs im Wasser planschen.

Anders als die meisten Menschen komme ich aber an meinen freien Tagen tatsächlich kaum zum Lesen… Meine Hauptlesezeit ist und bleibt die Zugfahrt, wenn ich zur Arbeit pendle.

Trotzdem wartet diesen Monat ein ziemlich ansehnlicher Stapel Bücher auf mich…
Ob ich den halbwegs schaffe?
Aber zu viele Titel waren einfach zu schön, als daß ich sie links liegen lassen hätte können.

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Absolute Cover-Käufe waren Sunshine State von Sarah Gerard und The Queen of Hearts von Kimmery Martin.
Keine Ahnung, was mich da erwartet!
Beide Bücher habe ich bei Instagram entdeckt und als Coveropfer konnte ich einfach nicht anders, als sie zu bestellen.

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Ein weiteres Buch, in dessen Cover ich mich sofort verliebt habe ist Fische von Melissa Broder. Diese Mischung aus 70er Jahre-Schnulze und Scherenschnitt ist aber auch ein echter Hingucker!
Auf den Inhalt bin ich mal gespannt… Eine erotisch angehauchte Geschichte mit einem Meermann?!? – Das klingt so verrückt, daß es genau meinen Geschmack treffen könnte!

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Als hätten es die Verlage in letzter Zeit auf Coveropfer wie mich besonders abgesehen, hat sich der Berlin Verlag ordentlich ins Zeug gelegt und eins der gestaltungstechnisch schönsten Bücher des Jahres produziert.
Unter der Haut von Gunnar Kaiser kommt mit einem durchbrochenen Schutzumschlag daher, der nichts als verschwitzte Haut zeigt, doch darunter verbirgt sich der Querschnitt eines Menschen.
Aussen hui, innen pfui?
Mitnichten, wenn ich meinen euphorischen Kolleginnen glauben darf!
Eine verglich „Unter der Haut“ sogar mit „Das Parfum“ von Patrick Süskind. Schön, wenn die Erwartungshaltung gleich mal in unerreichbare Höhen getrieben wird! 😉

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Dann habe ich noch zwei Bücher auf dem Stapel, deren Cover vielleicht nicht so spektakulär sind, deren Inhalt mich aber wahnsinnig interessiert.
In So also endet die Welt von Philip Teir geht es um eine Familie am Scheideweg… Spannend, spannend…
Und Lincoln im Bardo von George Saunders wollte ich eigentlich schon seit letztem Jahr auf Englisch lesen, bin leider nie dazu gekommen.
Jetzt habe ich mal in die deutsche Übersetzung hinein geblättert und war sofort berührt und begeistert von dem Stil.

Abgesehen von all den Romanen durfte auch diesen Monat keine Graphic Novel fehlen. La Garúa ist der zweite Teil der Adoption von Zidrou & Monin aus dem Splitter Verlag.
Bei Teil eins habe ich schon geheult wie ein Schlosshund und auch wenn es in Band zwei wohl kein klassisches Happy End geben wird, muss ich wissen, wie die Geschichte ausgeht!

In der Rubrik „Illustriertes Sachbuch“ habe ich mir jetzt endlich auch mal Women in Science von Rachel Ignotofsky gegönnt.
Irgendwie lande ich dieses Jahr ständig bei Büchern über starke Frauen, wie Little Leaders oder The Little Book of Feminist Saints.
Schön langsam habe ich wohl erstmal genug zu dem Thema gelesen, aber dieses eine durfte trotzdem noch mit. 😉

Wie sieht es bei Euch aus?
Welche Bücher liegen bei Euch auf den Juni-Stapeln?
Kennt Ihr die Bücher, die ich mir vorgenommen habe schon?
Kommt ihr in den Ferien zum Lesen, oder habt Ihr da Freizeitstress wie ich?

Ganz liebe Grüße,
Andrea