arsEdition macht Leselust

Darf man als Buchhändler eigentlich auch ein bißchen schummeln?
So ein klitzekleines bißchen?
Denn egal wie viel man liest, ob in der Badewanne, während man darauf wartet, daß die Plätzchen fertig werden oder auf den zehn Minuten Fahrt zum Kindergarten noch ein Hörbuch hört: Es ist nie genug!
Irgendwie schaffen es die Kunden immer zielsicher nach all den Büchern zu fragen, die ich eben nicht gelesen habe; und zu denen im schlimmsten Fall auch kein Kollege Feedback gegeben hat.
Deshalb liebe ich ja Bücher über Bücher!
Denn solche Titel helfen mir ungemein, meine Wissenslücken zu füllen und ganz nebenbei auch noch Bücher zu entdecken, die mich selbst brennend interessieren.

Nun gibt es aber bei arsEdition die neue Reihe „Leselust“, für die man prominente Autoren verpflichten konnte, die wissen, wovon sie schreiben.
Die beiden „Leselust“-Titel, die ich heute vorstellen möchte, sind „Nervenkitzel – 99 Krimis, die unter die Haut gehen“ von Krimi-Bloggerin und Moderatorin Miriam Semrau und „Leseglück – 99 Bücher, die gute Laune machen“ von Buchhändler und Bookstagrammer Florian Valerius und Autorin und Bloggerin Mareike Fallwickl (Dunkelgrün fast schwarz, Das Licht ist hier viel heller).
Zusätzlich gibt es in der Reihe bisher auch zwei Buch-Quizze, die kleine „Quergelesen“-Reihe mit Zitaten und Aphorismen berühmter Schriftsteller und den Titel „Bücher auf Rezept“, der ebenfalls von Valerius und Fallwickl verfasst wurde und bei dem man die passende Lektüre zur aktuellen Stimmung empfiehlt bekommt.

In „Leseglück“ werden uns Favoriten aus verschiedenen Themengebieten vorgestellt, zum Beispiel mit tierischen Protagonisten, schwarzem Humor oder erotischer Literatur.
Da ist definitiv für jeden etwas dabei!
„Nervenkitzel“ hat mir in letzter Zeit schon mehrfach das Leben in der Buchhandlung enorm erleichtert, denn leider bin ich keine große Krimileserin. Zwar habe ich eine großartige Kollegin, die sich in diesem Bereich auskennt, wie kaum eine andere und von der ich mir auch immer regelmäßig Tipps hole, aber leider sind wir meist zu beschäftigt, um uns ordentlich auszutauschen.
Welch ein Glück, wenn dann eine Kundin nach einer blinden Ermittlerin fragt, kurz nachdem man in „Nervenkitzel“ über die Thriller von Andreas Pflüger gelesen hat.
„Fall gelöst!“, sag ich da…

Illustriert wurden die Bücher übrigens sehr liebevoll Franziska Misselwitz, sodass die Büchlein nicht nur inhaltlich, sondern auch optisch sehr gelungen sind.

Das perfekte Geschenk für Leseratten und eine großartige Inspiration für die nächste Lektüre!

Auf Achse im Oktober!

Es wird nun aber wirklich Herbst…
Die Stürme wehen, die Novitätenstapel erreichen Höhen, die mich ins Schwitzen bringen und neben dem Lesen steht einiges an im Oktober!

Mitte des Monats geht es mit den weltbesten Kollegen auf die Frankfurter Buchmesse. Mein Notizbuch platzt schon aus allen Nähten, so viele Termine hab ich mir eingetragen, und ich bin wirklich sehr gespannt, was wir dort alles erleben werden.

Ende des Monats sollte es dann hoffentlich einmal wieder Zeit für eine neue Folge von „In vollen Zügen nach…“ werden. Diesmal soll es nach Wien gehen, allerdings mit beiden Kindern und die haben schon sehr eigene Pläne, was sie dort anstellen wollen!
Ich hoffe aber trotzdem, daß vielleicht ein, zwei Buchhandlungen auf dem Weg liegen werden, über die ich dann berichten kann. Also, liebe Wiener: Welche Buchhandlungen sollte ich unbedingt gesehen haben?

Wie schon erwähnt wird der Novitätenstapel nicht kleiner und ich bin schon wahnsinnig gespannt auf die Titel, die ich mir diesen Monat ausgesucht habe:

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Beginnen wir einmal mit ganz viel Liebe für den Diogenes Verlag, der einen Löwenanteil zu meinem Oktoberstapel beigetragen hat.

Wie eigentlich jedes Jahr gibt es etwas Neues von meiner Lieblingsautorin Amélie Nothomb, von der ich seit meiner Ausbildung jedes Buch verschlinge. „Klopf an dein Herz“ kam schon Anfang des Jahres auf Englisch auf den Markt und so hatte ich bereits im englischsprachigen BookTube sehr begeisterte Besprechungen dazu gesehen. Nun hat das Warten endlich ein Ende!

Ein weiterer Autor, von dem jede Neuerscheinung sofort auf meiner Wunschliste landet, ist Martin Suter. Mit „Allmen und der Koi“ legt er den mittlerweile sechsten Band der Allmen-Reihe vor und auch, wenn nicht jeder Suter-Fan automatisch zum Allmen-Fan wird, mag ich die Charaktere einfach unheimlich gern.

In meinem Sommerurlaub hatte ich „Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse“ von Thomas Meyer gelesen, nun erschien der zweite Teil „Wolkenbruchs waghalsiges Stelldichein mit der Spionin“.
In den letzten Monaten habe ich ja langsam wieder angefangen, Hörbücher zu hören und gerade beim ersten Wolkenbruch-Roman bedauerte ich sehr, kein Hörbuch davon zu haben, denn auch wenn man jiddisch wohl ausspricht, wie es geschrieben wird, hatte ich oft keine Ahnung, wie betont wird.
Gestern habe ich dann schon mal ins Hörbuch reingehört und war sofort begeistert von Thomas Meyers Stimme. Jiddisch und ein Schweizer Akzent! – Das freut das Ohr!

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Weiter geht es mit einer ganzen handvoll Romanen:

„Gespräche mit Freunden“ von Sally Rooney hatte mein Kollege Andi ja schon im letzten Podcast vorgestellt und er war nicht wirklich überzeugt davon, allerdings lese ich ausschließlich absolut begeisterte oder komplett enttäuschte Rezensionen. Love it or hate it? Da bilde ich mir immer gern meine eigene Meinung.

Margaret Atwoods neustes Buch „Die Zeuginnen“ habe ich schon gelesen, da es allerdings im September erst auf den Markt kam, nachdem ich meinen Monatsstapel vorgestellt hatte und ich weiß, daß sich einige Leser an den Bildern in meiner Rubrik „Mit Büchern durch das Jahr“ orientieren, um bestimmte Titel wiederzufinden, von denen sie sich nur noch an das Cover erinnern, wird dieser Titel sozusagen nochmal optisch nachgereicht. Die Besprechung könnt ihr allerdings jetzt schon lesen.

Während alle über die Shortlist des Deutschen Buchpreises diskutieren, ist heimlich still und leise die Auswahlliste des Bayerischen Buchpreises erschienen. Mit dabei: „Levi“ von Carmen Buttjer.
Auch so ein Titel, auf den ich mich diesen Monat schon sehr freue!

Ein weiteres „Love it or hate it“-Buch ist wohl „Es ist Sarah“ von Pauline Delabroy-Allard. Wie gesagt; da bilde ich mir gern eine eigene Meinung.

Worauf ich mich aber schon wirklich lange freue, ist „Melmoth“ von Sarah Perry. Ihr Roman „Die Schlange von Essex“ hat mich vor zwei Jahren nach anfänglichen Startschwierigkeiten absolut begeistert, weshalb ich auch große Erwartungen an ihr neues Buch habe.

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Wer meinen Blog nicht erst seit gestern verfolgt, dürfte inzwischen wissen, wie sehr ich die Illustrationen von Kat Menschik liebe, weshalb ihr neustes Buch „Die Puppe im Grase – Norwegische Märchen“ natürlich auf meinem Lesestapel gelandet ist.
Und was für eine schöne Einstimmung auf das diesjährige Gastland der Frankfurter Buchmesse!

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Weil ich nicht nur gerne Bücher, sondern auch Bücher über Bücher lese, freue ich mich diesen Monat sehr über „Leseglück“ von Mareike Fallwickl und Florian Valerius und „Nervenkitzel“ von Miriam Semrau. Nachdem ich so gut wie nie Krimis lese, ist besonders letzteres eine tolle Möglichkeit für mich, mein Krimi-Wissen für den Laden etwas aufzupolieren ohne mich zu Tode fürchten zu müssen.

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Ich sage ja immer: „Es ist kein guter Monat, wenn keine Graphic Novel dabei ist!“, dieser Monat sollte demnach großartig werden!
Mit dabei sind nämlich „Hawking“, die neue Graphic Novel-Biografie von Ottaviani & Myrick, von denen ich auch schon den Band über Richard Feynman sehr begeistert gelesen habe. Dann noch „Natürliche Schönheit“ von Nanna Johansson, die sich feministische Themen im Stil ihrer Landsfrau Liv Strömquist vornimmt und „West, West Texas“ von Tillie Walden. Von ihr wollte ich ja immer „Pirouetten“ lesen, aber irgendwie hat es sich nicht ergeben, dann fang ich eben einfach mit ihrem neusten Buch an.

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Zu guter Letzt noch zwei Bücher aus der Rubrik „In der Kinderbuchabteilung gefunden, lassen aber auch die Herzen der Großen höher schlagen“:
„Wie man sich mit einem Gespenst anfreundet“ von Rebecca Green ist eines meiner liebsten Bilderbücher, das ich seit längerem auf Englisch besitze. Nun habe ich es mir nochmal auf Deutsch besorgt, um nicht immer simultan übersetzen zu müssen, wenn ich es dem Kleinen vorlesen will und um es Euch allen nochmal vorzustellen.
Es ist nämlich unheimlich entzückend!
Ein großartiges illustriertes Sachbuch hingegen ist „Verlorene Arten“ von Jess French und Daniel Long. Hier geht es eben nicht nur um Mammuts und Dinosaurier, sondern auch um Tiere, die erst in den letzten Jahren ausgerottet wurden.
Sehr spannend und informativ und ich kann jetzt schon sagen, daß dieses Buch sowohl mich, als auch meinen Kleinsten ungemein fasziniert.

So… Seid Ihr noch da oder schon von meinem Oktoberstapel erschlagen worden?

Kennt ihr einige der Titel und wie haben sie Euch gefallen?
Sehen wir uns auf der Buchmesse?
Und was sollte ich in Wien auf keinen Fall verpassen, selbst wenn ich alle Hände voll zu tun habe, weil ein Kind verlangt, die Krokodile im Haus des Meeres zu befreien, während sich das andere einen Panzer im Heeresgeschichtlichen Museum klauen will?

Liebe Grüße,
Andrea

Review: Mama

Bilderbücher für Erwachsene… Für viele scheint das nicht zusammen zu passen und doch gibt es in diesem Bereich immer wieder aussergewöhnlich schöne Titel, für die ich gerne eine Lanze brechen möchte.

Ein ganz wunderbares Buch ist vor Kurzem bei arsEdition erschienen, nämlich „Mama“, welches ich Euch heute gerne ans Herz legen möchte.

Darin schreibt Hélène Delforge in kleinen Szenen vom „Mama-sein“ in verschiedenen  Kulturen, durch alle Zeiten und in den unterschiedlichsten Lebenssituationen.
Da ist beispielsweise die Marquise, die ihr Kind kurz nach der Geburt einer Amme übergeben muss und sich fortan nur um ein kleines Zicklein kümmern darf. Oder die Soldatin, die ihr Kind zurücklassen muss, als sie in den Krieg zieht. Und die junge Frau, die nicht wie ihre Mutter werden will, die immer das Gefühl hatte, ihr eigenes Leben für ihre Kinder aufgegeben zu haben, und die kurzerhand mit dem Baby auf dem Rücken loszieht, um mit ihm zusammen die Welt zu erkunden…

Mama.
Ein Name, getragen von Milliarden von Frauen,
zu allen Zeiten und auf allen Kontinenten dieser Erde…

Perfekt begleitet werden Delforges Texte von den Illustrationen von Quentin Gréban, der es mit seinen detailgetreuen Aquarellen schafft, die Schönheit selbst der erschöpftesten Mütter darzustellen.

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Dieses Buch hat mich sofort angesprochen und berührt.
Die Bilder allein schon sind ein Genuss und auch wenn Hélène Delforges Texte immer von der Liebe der Mütter zu ihren Kindern handeln wird es nicht kitschig, weil sie auch die anstrengenden und nervenaufreibenden Zeiten genauso thematisiert wie die Kuschelstunden.

Empfohlen wird dieses Buch ab sechs Jahren, weshalb Ihr es vermutlich in der Kinderbuchabteilung Eurer Buchhandlung finden werdet.
Doch „Mama“ ist eigentlich ein Buch für die Mütter, ein perfektes Geschenk für Freundinnen, oder für sich selbst.

Für mich ist „Mama“ jedenfalls der beste Beweis dafür, daß man Bilderbücher für Erwachsene einfach lieben muss!