Review: The Little Book of Lykke

Eigentlich lese ich ja keine Lifestyle-Bücher…
Letztes Jahr sah mein großer Sohn aber einen Fernsehbeitrag über Hygge und bat mich, ein Buch zu besorgen, um sicher zu gehen, daß wir es uns im Winter auch richtig hyggelig machen können.
Zu dem Zeitpunkt war noch kaum etwas auf Deutsch auf dem Markt, also entschied ich mich für „The Litte Book of Hygge“ von Meik Wiking.

Was mich an dem Buch sofort begeisterte waren die hübschen Illustrationen und Wikings humorvoller Schreibstil bei dem er gerne auch mal ein bißchen selbstironisch wird.

Deshalb habe ich mir dann auch letzten Monat gleich sein zweites Buch „The Little Book of Lykke“ besorgt.
Lykke ist das Dänische Wort für Glück. Die Dänen landen ja im World Happiness Report seit Jahren schon immer ganz oben auf dem Treppchen und daß, obwohl sie einen der höchsten Steuersätze in der Welt haben!

„The Little Book of Lykke“ ist kein typisches Sei Glücklich!-Buch, sondern konzentriert sich eher darauf, wie eine ganze Gesellschaft glücklicher werden kann und welche äußerlichen Faktoren zu individueller Zufriedenheit führen können.

Dabei gibt er auch viele Tipps, wie man als einzelner anfangen kann, seine unmittelbare Gemeinschaft positiv zu verändern, sei es im Job, in der Nachbarschaft oder durch Vernetzung von Menschen.

Insgesamt fand ich das Hygge-Buch zwar besser, aber die vielen Tipps und Wikings wirklich netter Schreibstil haben das Buch durchaus lesenswert gemacht.

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Deutscher Titel: Lykke. Der dänische Weg zum Glück

Hygge im November

Der November ist wohl einer der Monate, den die wenigsten so richtig leiden können… Es wird kalt und regnerisch und man weiß, daß es erstmal nur noch kälter und regnerischer werden wird.

Also die beste Zeit, um es sich zuhause richtig hyggelig zu machen, die Kerzen anzuzünden und sich Abends mit ein paar guten Büchern in die Kuscheldecke einzurollen! 🙂

Tatsächlich habe ich meinen riesigen Oktoberstapel halbwegs abgebaut. Nur mit A Column of Fire bin ich nicht wirklich weiter gekommen und Turtles All the Way Down habe ich erst letztes Wochenende angefangen.

Bei den anderen Novemberbüchern bin ich schon ziemlich gespannt:
An Die Schlange von Essex scheiden sich ja die Geister. Ich habe hier totale Verrisse und absolute Hymnen gelesen. Offenbar wird es ein Love-it-or-Hate-it Buch und ich bin mal gespannt, wie ich es finden werde.
Von Mareike Krügels Sieh mich an und Douglas Prestons Die Stadt des Affengottes habe ich dagegen nur Gutes gehört.
Besonders gespannt bin ich schon auf Heimkehren von Yaa Gyasi.
Ich hatte ja im Sommer Underground Railroad von Colson Whitehead gelesen und fand es zwar wahnsinnig wichtig, allerdings hat mich das Buch emotional nicht so richtig abgeholt. Deshalb möchte ich auf jeden Fall noch einen Roman zu dem Thema lesen.

Ganz besonders freue ich mich auf drei Titel, die im Laufe des Monats erscheinen werden:
Juli Zehs neues Buch Leere Herzen, den vierten Teil der „Alle Toten fliegen hoch“-Reihe von Joachim Meyerhoff Die Zweisamkeit der Einzelgänger und natürlich auf den ersten Teil der „Stadt der träumenden Bücher“-Graphic Novel!

Welche Bücher habt ihr euch für den November vorgenommen?
Und was macht ihr, um durch die dunklen Novemberabende zu kommen?

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Der tolle Druck auf dem Foto und das dazu passende GIF kommen übrigens mit freundlicher Genehmigung von meiner lieben Bekannten Ira von iraville.de
Schaut auf jeden Fall mal bei ihr vorbei! 🙂

Review: Wolkenschloss

Obwohl ich immer weniger Jugendbücher lese ist Kerstin Gier ein absolutes Muss bei mir!

In ihrem neuen Roman lernen wir die siebzehnjährige Fanny kennen, die ein Praktikum in einem Schweizer Luxushotel macht. Das „Wolkenschloss“ liegt abgeschieden in den Bergen und bezaubert durch seinen in die Jahre gekommenen Charme, seine Angestellten und die Legenden, die sich darum ranken.
Den Großteil des Buches über lernen wir zwar hauptsächlich das Hotel und seine Bewohner kennen, was mich aber nicht weiter gestört hat. Normalerweise legt Kerstin Gier etwas mehr Tempo vor, aber ich war sehr angetan von ihren Beschreibungen und hätte am liebsten selbst eine Stelle im „Wolkenschloss“ angetreten. 😉
Später passiert dafür umso mehr… Juwelendiebe, Erpresser und Kidnapper geben sich die Klinke in die Hand.

Das alles ist vielleicht ein bißchen übertrieben, aber so lustig, spannend und charmant, daß ich „Wolkenschloss“ wirklich jedem empfehlen kann, der es sich diesen Winter mit einem netten Buch auf der Couch gemütlich machen will.

Am besten liest man dieses Buch wohl zwischen den Jahren, weil es eben auch in den letzten Dezemberwochen spielt.
Deshalb ist „Wolkenschloss“ mein diesjähriger Weihnachtsgeschenketipp für beste Freundinnen. 😉

Lieblingsillustratoren: Kat Menschik

Die letzten Wochen habe ich hier ja viele eurer Erlebnisberichte von der Frankfurter Buchmesse gelesen. Das Highlight der meisten war wohl ein Treffen mit ihrem Lieblingsautor.
Dabei bin ich ein wenig ins Grübeln gekommen… Wie ich ja schon im Mystery Blogger Award verraten habe sind Autoren für mich nicht besonders wichtig.
Durch meine Arbeit in der Buchhandlung habe ich über die Jahre hinweg einige Autoren kennenlernen dürfen, aber für mich sind die Geschichten immer wesentlich spannender als die Personen, die sie geschrieben haben.
Also dachte ich nach… Bei wem würde ich weiche Knie bekommen…? Und schlagartig wurde mir bewusst, daß ich nicht für Autoren sondern für Illustratoren schwärme wie ein verliebter Teenager. 😉

Deshalb dachte ich, ich beginne an dieser Stelle eine kleine Reihe, in der ich euch meine liebsten Illustratoren und ihre schönsten Bücher vorstelle.

Den Anfang macht natürlich Kat Menschik, deren Drucke ich so liebe, daß ich wirklich jedes Buch von ihr besitzen möchte.
Bisher sieht meine Sammlung so aus:

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Aufmerksam wurde ich auf sie durch die Kurzgeschichten von Haruki Murakami.
Murakami ist einer der wenigen Autoren von denen ich alles gelesen habe. – Sogar das Buch über das Laufen, obwohl ich nach 200 Metern Sprint meine Seele aushusten würde und sogar die Interviews mit dem Dirigenten Seiji Ozawa, obwohl ich absolut unmusikalisch bin!
Als ich „Schlaf“ zum ersten Mal in meinen Händen hielt war ich sofort verliebt in Kat Menschiks Vierfarbdrucke in blau, weiß, grau und silber.
Seitdem kann ich an keinem Buch vorbeigehen, das sie bebildert hat, ohne es sofort haben zu wollen.
Als der Galiani Verlag dann begann, sie eine eigene Reihe gestalten zu lassen, in der jedes Buch ein kleines Gesamtkunstwerk ist, war es um mich geschehen…

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Aus dieser Reihe stammt auch mein Lieblingsbuch von ihr, nämlich E.T.A. Hoffmanns „Die Bergwerke zu Falun“. Die Illustrationen sind einfach umwerfend und der Titel leuchtet sogar im Dunkeln!

Zu Weihnachten gönne ich mir ja immer einen kleinen Luxus und letztes Jahr habe ich mir dann tatsächlich selbst einen limitierten und signierten Druck von Kat Menschik geschenkt.
Der Kontakt mir ihr war wirklich sehr nett und unkompliziert und „My Lovely Pangolin“ ist mittlerweile das Herzstück meiner Leseecke:

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Sollte es mich in absehbarer Zeit doch mal wieder auf eine Buchmesse verschlagen, werde ich wohl alle Autoren links liegen lassen (sogar Haruki Murakami) und Kat Menschik auflauern wie ein gruseliger Stalker. 😉

Wer also wunderschön gestaltete Bücher liebt, der möge doch bei seinem nächsten Besuch in der Buchhandlung die Augen nach Illustrationen von Kat Menschik offen halten. 🙂

 

Noch mehr über Kat Menschik schwärme ich zum Beispiel hier:

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Review: Moabit

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Review: Unheimliche Geschichten

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Review: Der Held im Pardelfell

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Review: Die Puppe im Grase

Review: Every Day

„Every Day“ wurde mir von Kollegen und begeisterten Kunden empfohlen, also hab ich es mir vorgenommen, obwohl die Grundidee auf den ersten Blick ziemlich schräg gewirkt hat…

Jeden Tag wacht A im Körper einer anderen Person auf. Geschlecht und Hautfarbe wechseln bunt durch, einzig das Alter (etwa 16 Jahre) und eine gewisse geographische Nähe scheinen konstant zu sein.

Normalerweise versucht A seine „Gastgeber“ so gut wie möglich zu vertreten und keine Probleme zu verursachen, die der Besitzer des Körpers am nächsten Tag ausbaden muss, doch eines Tages verliebt sich A in Rhiannon. Er?/Sie? setzt Himmel und Hölle in Bewegung um so viele Tage wie möglich mit Rhiannon verbringen zu können und bringt dabei das Leben aller Beteiligten ziemlich durcheinander…

Anfangs war ich ja ein bißchen ungeduldig mit dem Buch. Ich hatte einfach so viele Fragen und musste zum Teil eine ganze Weile warten, bis die geklärt wurden. Trotzdem hat mir das Buch richtig gut gefallen.

Besonders empfehlenswert für Teenager, die sich selbst für den Mittelpunkt des Universums halten oder die Angst haben, sie selbst zu sein.

(Deutscher Titel: Letztendlich sind wir dem Universum egal)

 

Meine Besprechung zu „Someday“, der Fortsetzung von „Every Day“ findet Ihr hier:

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Review: Someday

Review: Die Geschichte der Bienen

Trotz zig Empfehlungen von Kollegen habe ich „Die Geschichte der Bienen“ jetzt schon Monate vor mir hergeschoben…
Ich wusste, daß es ein Buch ist, das mich aufwühlen würde.
Und ich wusste, daß es ein Buch ist, das ich lesen muss.

England, 1852: Nachdem ihm bewusst wird, daß sein Traum, ein angesehener Wissenschaftler zu werden, wohl nie in Erfüllung gehen wird, verfällt William in Depressionen. Doch als er ein Buch über Imkerei neben seinem Bett findet erwacht sein Forschergeist von neuem. Er entwickelt neuartige Bienenstöcke, in der Hoffnung, die Imkerei zu revolutionieren und setzt dabei alles auf diese eine Karte…

USA, 2007: George führt eine kleine aber relativ erfolgreiche Imkerei. Diese ist schon seit Generationen in Familienbesitz, die Geschäfte laufen gut und George überlegt zu expandieren. Kummer bereitet ihm lediglich sein Sohn Tom, der von der Imkerei nichts wissen will und sich mehr und mehr von seinem Vater entfernt.
Doch eines Tages öffnet George seine Bienenstöcke und ist geschockt: fast all seine Bienen sind über Nacht gestorben.
Einen Grund dafür gibt es nicht. Der sogenannte Colony Collaps Disorder hat zugeschlagen. Forscher stehen vor einem Rätsel, Georges Firma vor dem Aus…

China, 2098: Nach dem Kollaps steht die Sichuan Provinz noch relativ gut da… Da die Bienen hier schon in die 1980er Jahren ausgestorben sind hat man rechtzeitig auf Handbestäubung umgestellt und so ist es möglich, die Bevölkerung halbwegs zu versorgen.
Tao arbeitet als Bestäuberin auf den endlosen Obstplantagen, doch für ihren kleinen Sohn Wei-Wen wünscht sie sich ein besseres Leben.
Eines Tages läuft Wei-Wen in den Wald und kollabiert kurz darauf. Zwar schafft es Tao ihn in ein Krankenhaus zu bringen, doch niemand erklärt ihr, was ihrem Sohn passiert ist. Der Wald wird zum militärischen Sperrgebiet und Wei-Wen nach Peking gebracht. Auf der Suche nach ihrem Sohn und Antworten macht sich Tao auf den Weg durch halb China und begreift, daß das was Wei-Wen zugestoßen ist die Geschichte der Menschheit erneut verändern könnte…

Diese drei Geschichten hängen relativ lose zusammen.
Ich mag ja Bücher, in denen erzählt wird, wie Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verknüpft sind. Das schafft Maja Lunde zwar nicht so gut, wie beispielsweise David Mitchell, aber ich war trotzdem sehr angetan von ihrem Erzählstil.

Als Mutter hat mich die Geschichte von Tao natürlich am meisten mitgenommen. Das Verschwinden seines Kindes ist der absolute Alptraum und es ist schon fast zynisch wie sehr man mit Tao leidet, während man das Verschwinden der Bienen eher resigniert betrachtet.

Im Vorfeld habe ich natürlich schon von dem rätselhaften Bienensterben gehört und auch von den Handbestäubern in China. Trotzdem habe ich alles nie so wirklich in Zusammenhang gesetzt.

„Die Geschichte der Bienen“ hat mich sehr betroffen gemacht.
Was kann man tun gegen scheinbar unaufhaltsame Katastrophen?
Und in was für einer Welt werden meine Söhne groß werden, wenn die Bienen tatsächlich komplett verschwinden sollten?
Passend dazu gab der Bund Naturschutz vor wenigen Wochen neue Zahlen heraus, bei denen klar wird, daß das Sterben der Fluginsekten absolut dramatische Ausmaße angenommen hat…

Dieses Buch ist keine Wohlfühllektüre, aber ein Buch, daß man gelesen haben sollte.
Aufrüttelnd, traurig und mit einem kleinen Schimmer Hoffnung.

Review: The Shadow Land

Nach ihrem Studium beschließt die Amerikanerin Alexandra Boyd ein Jahr lang in Bulgarien zu leben und dort Englisch zu unterrichten. Doch schon am ersten Tag passiert ihr ein folgenschweres Missgeschick: Als sie einem älteren Paar hilft, in ein Taxi zu steigen, bleibt eine Tasche zurück… Darin findet Alexandra ein aufwendig verziertes Holzkästchen mit der Asche eines Toten.

Sofort versucht sie die Angehörigen ausfindig zu machen, doch die Familie des Verstorbenen scheint wie vom Erdboden verschwunden zu sein.

So reist Alexandra durch halb Bulgarien und besucht Freunde und Verwandte der Familie, die ihr nach und nach die Geschichte des Toten erzählen. Aber bald bemerkt Alexandra, daß sie verfolgt wird. Jemand anderes scheint die Urne zu suchen und es wird klar, daß ein dunkles Geheimnis damit verbunden ist…

„The Shadow Land“ war für mich leider ein kleines bißchen arg vorhersehbar, trotzdem hab ich es gerne gelesen. Mit Bulgarien hatte ich mich noch nie groß beschäftigt und so war es ganz spannend auf diese Art ein bißchen über das Land zu erfahren.

Deutscher Titel: Das dunkle Land