Review: Nachtlichter

Dieses Buch beginnt mit einem Schlag: ein Helikopter landet auf einer der Orkney Inseln um eine junge Mutter mit ihrem Neugeborenen zurück nach Hause zu bringen. Auf dem Rollfeld wird ihr ein Mann in Zwangsjacke entgegen geschoben, der ins Krankenhaus gebracht werden soll… Es ist der Vater ihres Babys Amy.

Trotz der bipolaren Störung ihres Vaters wächst Amy Liptrot behütet und geliebt auf der Farm ihrer Eltern auf, doch mehr und mehr hasst sie die Inseln auf denen sie geboren wurde. Als Teenager träumt sie von der Großstadt… von kosmopolitischen Freunden, Museen und Partys.
Sobald sie alt genug ist flieht sie von den Orkneys und zieht nach London, wo sie die nächsten Jahre wie im Rausch erlebt. Doch ihr Traum verwandelt sich nach und nach in einen Alptraum und Amy wird klar, daß sie so alkoholkrank geworden ist, daß sie ihr Leben nicht mehr unter Kontrolle hat.

Nach einer Therapie verordnet sie sich selbst eine Auszeit und besucht ihre Eltern auf den Orkneys. Doch obwohl sie nicht geplant hat zu bleiben, stellt sie fest, daß ihr die raue Natur hilft, die Sucht in Zaum zu halten.

„Nachtlichter“ hat mich schwer beeindruckt. Nicht so sehr die Geschichte ihrer Heilung, sondern die Art, wie Amy Liptrot davon erzählt… Schnörkellos, ehrlich, ohne Selbstmitleid oder Wut läuft sie die Stationen ihrer Sucht ab, wie die Küsten der Inseln.

Schon rein sprachlich gesehen fand ich „Nachtlichter“ ein beeindruckendes Debüt und ich bin gespannt, was wir in Zukunft noch von Amy Liptrot hören werden.

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Review: Der Fuchs und der Stern

Heute möchte ich euch ein kleines aber feines Buch vorstellen, das ich schon länger umschlichen und mir jetzt doch endlich zugelegt habe.

„Der Fuchs und der Stern“ ist ein dünnes Bändchen. Ein Märchen, das hauptsächlich von seinen wunderbaren, im Ornamentstil gehaltenen Illustrationen lebt.

Darin geht es um einen Fuchs, dessen einziger Freund ein Stern ist. Als dieser Stern aufhört zu scheinen fällt der Fuchs zunächst in tiefe Trauer, doch dann macht er sich auf die Suche um seinen Stern zu finden.

Obwohl „Der Fuchs und der Stern“ ihr erstes Buch ist, war die Autorin Carolie Bickford-Smith keine Unbekannte für mich. Schließlich designed sie schon seit Jahren die Cover für die fabelhafte Penguin Clothbound Classics Reihe, die mich früher oder später noch ins Armenhaus bringen wird… Doch das ist – wie Michael Ende immer zu sagen pflegte – eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden...

„Der Fuchs und der Stern“ ist eine Fabel, die vom Leser – je nach Gemütslage – auf verschiedene Arten gedeutet werden kann.
Freunde von liebevoll gestalteten Büchern sollten auf jeden Fall mal einen Blick hinein werfen.

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Woher es kommt… und wohin es geht

Auf diesen Blogbeitrag freue ich mich schon seit Langem! 🙂

Immer wieder werde ich gefragt, ob es denn Absicht war, daß man meinen Blognamen auf zwei Arten verstehen kann… und deshalb wollte ich euch einmal erzählen was es mit dem Namen auf sich hat.

Vor ein paar Jahren standen mein Kollege Stefan und ich am Münchner Hauptbahnhof und warteten auf unseren Zug. Wir plauderten ein bißchen, ich muss wohl eine meiner Anekdoten zum besten gegeben haben, denn irgendwann sagte Stefan: „Du könntest auch mal ein Buch schreiben!“
Darauf antwortete ich, was ich in solchen Situationen immer sage (frei nach Marcel Reich-Ranicki): „Es gibt Leser und es gibt Schreiber… ich bin Ersteres.“
Doch während wir weiter auf unseren Zug warteten, dachte ich ein wenig nach und sagte: „Aber wenn, wenn ich jemals ein Buch schreiben sollte, dann wäre es eine Art Reiseführer. Ich würde einfach mit der Bahn in alle europäischen Metropolen fahren und dabei lesen. Und dann würde ich darüber schreiben, was ich gelesen habe, was ich auf der Zugfahrt und in der Stadt erlebt habe und welche schönen Buchhandlungen es dort gibt… Und nennen würde ich es… Lesen… in vollen Zügen!“
Stefan lachte ein bißchen, schüttelte den Kopf und meinte: „Na, dann brauchst du nur noch einen Verlag und ganz viel Urlaub.“
Und das war das Ende der Geschichte…

Aber dieser Titel Lesen… in vollen Zügen wollte mir nicht mehr aus dem Kopf. Es war eine ganz spontane Eingebung am Bahnhof gewesen, aber ich mochte die Idee…
Als mich mein Freund dann überredete, aus meinen Buchbesprechungen, die ich nur auf meinem privaten Facebook Account gepostet hatte einen Blog zu machen kam deshalb auch nur dieser Name für mich in Frage.

Seit ich mit dem Bloggen angefangen habe bin ich leider nicht wirklich viel zum Reisen gekommen… doch dieses Jahr wird das anders!

Ich habe einige Zugreisen schon gebucht und andere bereits in Planung.
Natürlich möchte ich dann all das machen, was ich Stefan damals erzählt habe… und euch möchte ich natürlich mitnehmen! (Zumindest virtuell.) 😉

Beginnen werden wir mit… Venedig!
Hach, ich liebe diese Stadt und war schon viel zu lange nicht mehr dort.
Im Februar geht es mit dem Nachtzug dorthin und dann möchte ich auch endlich in die sagenhafte Buchhandlung Acqua Alta gehen.

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Vielleicht habt ihr ja auch noch ein paar Tipps für mich?

Ich freu mich jedenfalls wahnsinnig auf meine Reisen dieses Jahr, auf die Zugfahrten, die Lektüre, die Buchhandlungen und all die Abenteuer.
Ich hoffe, ihr seid dabei!

Eure Andrea

Review: 20.000 Meilen unter dem Meer

Vor einiger Zeit hatte ich ja meine Liste der Schande erwähnt, die bei euch auf großes Interesse gestoßen ist.
Deshalb wollte ich heute mal einen Klassiker vorstellen, den bestimmt jeder von euch kennt, auch wenn ihn vielleicht die wenigsten komplett gelesen haben. 😉

„20.000 Meilen unter dem Meer“ hat mich schon als Kind fasziniert und damals gab es auch eine illustrierte Kinderbuchausgabe in unserer kleinen Stadtteilbücherei.
Die Vorstellung, im Meer zu leben hat mich absolut verzaubert, aber auch furchtbar gegruselt… man denke nur an den Riesenkraken!

Erst viele Jahre später habe ich dann die Originalausgabe gelesen und war überrascht, wie prophetisch und sozialkritisch dieser Roman wirklich ist.
In der Kinderbuchausgabe war der Text natürlich stark gekürzt und vereinfacht… Spätestens bei dem Kapitel „Einige Zahlen“, in dem auf etwa dreißig Seiten das Fassungsvermögen und die Kapazität der Nautilus erörtert werden, würden die meisten Teenager entnervt aufgeben. 😉

Für alle, die die Geschichte nur vom Hörensagen kennen:
Im Jahr 1867 nimmt der Meeresforscher Pierre Aronnax an einer Reise teil, bei der das Geheimnis eines vermeintlichen Seemonsters gelüftet werden soll. Innerhalb eines Jahres wurden nämlich mehrere Schiffe von einem mysteriösen Etwas unter Wasser regelrecht aufgeschlitzt.
Auch Aronnaxs Schiff wird angegriffen, doch er selbst, sein Diener Conseil und der Harpunier Ned Land können sich retten… und befinden sich plötzlich in einem hochmodernen Unterseeboot, der Nautilus.
Kapitän dieses Schiffes ist der geheimnisvolle Nemo, der mit einer handvoll Gleichgesinnter ein Leben unter Wasser und fernab einer Zivilisation, die er verabscheut, gewählt hat.
Aronnax, Conseil und Land bleibt keine andere Wahl, als auf der Nautilus zu bleiben und sich auf einer abenteuerlichen Reise den Gefahren der Meere und den Abgründen der menschlichen Seele zu stellen…

Ich bin ja ein großer Fan von Jules Verne und immer wieder erstaunt darüber, wie prophetisch seine Werke zuweilen sind.
Als ich diese wunderbar illustrierte Ausgabe des Knesebeck Verlages entdeckt habe war ich absolut begeistert und musste einfach zuschlagen.
Hierbei handelt es sich um den Originaltext, weshalb mein Großer leider ein wenig daran verzweifelt… aber für alle diejenigen, die schön gestaltete Bücher lieben ist diese Ausgabe ein richtiger Schatz!

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Review: Die Stadt der Träumenden Bücher Teil 2: Die Katakomben

Nachdem mich ja der erste Teil der „Stadt der Träumenden Bücher“ Graphic Novel schon restlos begeistert hat, habe ich die Tage gezählt, bis Teil zwei erscheint.
Nun war es endlich soweit und nach einem kleinen Kampf mit meinem Jüngsten, der zur Zeit alles was nach „Dino“ aussieht für sich beansprucht, habe ich ihn verschlungen.

„Die Katakomben“ setzt genau da an, wo „Buchhaim“ aufgehört hat:
Hildegunst von Mythenmetz ist auf der Suche nach einem geheimnisvollen Schriftsteller in den Katakomben von Buchhaim verschollen.
In diesem unwirtlichen Labyrinth trifft er unerwartet auf Freunde, aber auch auf schreckliche Gefahren… und über allem schwebt der Geist des Schattenkönigs, von dem niemand weiß, ob er ein Hirngespinst ist, oder vielleicht doch der Herrscher der Katakomben.

Tja… was soll ich noch groß zu Teil zwei sagen, außer daß ich begeistert war, wie auch schon bei seinem Vorgänger.
Während mich die wunderschönen Illustrationen in „Buchhaim“ überwältigt haben, war ich nun schon verwöhnter, allerdings hatten die „Katakomben“ den Vorteil, daß meine Erinnerung hier wieder aufgefrischt wurde.
Die Beschreibungen von Buchhaim und den Buchlingen waren mir nämlich auch nach all den Jahren seit ich den Roman gelesen hatte noch bestens in Erinnerung, doch ich hatte den Schluß damals wohl so weggefetzt, daß ich mich nicht mehr an alle Ereignisse gegen Ende erinnern konnte.

Der zweite Teil der „Stadt der Träumenden Bücher“ ist auf jeden Fall schon mal ein Jahreshighlight im Bereich Graphic Novels, das schwer zu überbieten sein wird. 🙂

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Zu meiner Besprechung von Band 1 bitte hier entlang:

Review: Die Stadt der Träumenden Bücher Teil 1: Buchhaim

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Review: Midnight Blue

Holland im 17. Jahrhundert:
Nach dem frühen Tod ihres Mannes hält Catrin nichts mehr in dem kleinen Dörfchen, in dem sie geboren wurde. Also heuert sie als Haushälterin bei den reichen van Nulandts in Amsterdam an. Die Herrin des Hauses hat künstlerische Ambitionen und bald darf ihr Catrin, die selbst gerne zeichnet, assistieren.
Doch ein Geheimnis aus ihrer Vergangenheit holt Catrin in Amsterdam ein und so flüchtet sie zu van Nulandts Bruder nach Delft. Dieser sucht Porzellanmaler für seine Manufaktur und Catrin sieht ihre Chance gekommen, aus ihrer heimlichen Leidenschaft einen Beruf zu machen…

Obwohl ich mit historischen Romanen zuweilen auf Kriegsfuß stehe, hat mir „Midnight Blue“ (Nachtblau) wirklich sehr gefallen.

…Und ich möchte jetzt niemandem auf den Schlips treten, der historische Romane liebt!
Früher habe ich selbst fast nichts anderes gelesen.
Doch mit der Zeit hatte ich immer mehr das Gefühl, daß sich die meisten dieser Bücher in zwei Kategorien einteilen ließen: eine schöne, junge Frau wird zum Spielball der Mächtigen oder eine schöne, junge Frau setzt sich über alle Konventionen ihrer Zeit hinweg und wird zur Heldin.

Mit der Zeit habe ich einfach angefangen, mich zu fragen, was wohl all die Frauen machen, die nicht jung und schön sind und die keine Heldinnen sein können.

„Midnight Blue“ erzählt von so einer Frau.
Catrin ist kein unbedarftes Ding, das ihrem Retter in die Arme sinkt und sie ist auch keine Amazone, die den Lauf der Weltgeschichte verändert.
Sie ist eine ganz normale Frau, die ihr Schicksal selbst bestimmt, aber immer innerhalb den Konventionen ihrer Zeit.

Vielleicht wäre die Geschichte spannender, wenn Catrin eine Kämpferin, Priesterin oder Päpstin wäre. Für mich war es einfach schön, ein Buch über eine spannende Zeit aus der Sicht einer ganz normalen Frau zu lesen.

Deutscher Titel: Nachtblau

Review: The End We Start From

Ist „The End We Start From“ nicht der perfekte Titel um es an Silvester und Neujahr zu lesen?
Aufmerksam wurde ich auf dieses Buch bei Instagram.  Wunderschönes Cover… mehr braucht es meist nicht um mich zum Kauf zu verführen. 😉

Als ich es dann aufschlug war ich etwas irritiert darüber, das beinahe jeder Satz ein eigener Absatz ist. Nur eine Möglichkeit das Buch in die Länge zu ziehen?
Doch schon nach ein paar dieser Absatz-Sätze war ich gefesselt…

Als unsere namenlose Protagonistin schwanger wird stellt sich heraus, daß der Meeresspiegel schneller steigt, als bisher angenommen. Als sie ihren kleinen Sohn Z zur Welt bringt ist London bereits überflutet. Gemeinsam mit ihrem Mann fliehen sie zu den Schwiegereltern in die Berge, doch die Vorräte gehen auch hier bald zur Neige…
Mutter und Kind landen in Flüchtlingslagern, nehmen ihr Schicksal schließlich selbst in die Hand und finden Zuflucht auf einer einsamen Insel.
Dabei erzählt die Hauptfigur die ganze Geschichte aus ihrer „Blase“ heraus, denn sie ist völlig im Babyglück und Berichten von Katastrophen wird weniger Platz eingeräumt, als den Entwicklungsfortschritten ihres Sohnes.
Während die Großeltern bei Unruhen ums Leben kommen lernt Z zu lächeln, als sein Vater verschwindet kann er sein Köpfchen heben…

Es ist eine sehr ungewöhnliche Perspektive, die Megan Hunter da für ihre Geschichte gewählt hat und gerade deshalb fand ich sie faszinierend.
Nicht Tod und Verwüstung stehen bei dieser Dystopie im Vordergrund, sondern Leben und Neuanfang.

Die seltsame Gliederung in diese Absatz-Sätze hat dabei durchaus seine Berechtigung. Denn in diesem Buch werden kaum Emotionen beschrieben und auch wörtliche Rede gibt es nicht.
Man hat manchmal das Gefühl, ein Protokoll zu lesen und dennoch kommt „The End We Start From“ fast poetisch daher…

Deutscher Titel: Vom Ende an