Review: Every Day

„Every Day“ wurde mir von Kollegen und begeisterten Kunden empfohlen, also hab ich es mir vorgenommen, obwohl die Grundidee auf den ersten Blick ziemlich schräg gewirkt hat…

Jeden Tag wacht A im Körper einer anderen Person auf. Geschlecht und Hautfarbe wechseln bunt durch, einzig das Alter (etwa 16 Jahre) und eine gewisse geographische Nähe scheinen konstant zu sein.

Normalerweise versucht A seine „Gastgeber“ so gut wie möglich zu vertreten und keine Probleme zu verursachen, die der Besitzer des Körpers am nächsten Tag ausbaden muss, doch eines Tages verliebt sich A in Rhiannon. Er?/Sie? setzt Himmel und Hölle in Bewegung um so viele Tage wie möglich mit Rhiannon verbringen zu können und bringt dabei das Leben aller Beteiligten ziemlich durcheinander…

Anfangs war ich ja ein bißchen ungeduldig mit dem Buch. Ich hatte einfach so viele Fragen und musste zum Teil eine ganze Weile warten, bis die geklärt wurden. Trotzdem hat mir das Buch richtig gut gefallen.

Besonders empfehlenswert für Teenager, die sich selbst für den Mittelpunkt des Universums halten oder die Angst haben, sie selbst zu sein.

(Deutscher Titel: Letztendlich sind wir dem Universum egal)

 

Meine Besprechung zu „Someday“, der Fortsetzung von „Every Day“ findet Ihr hier:

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Review: Someday

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Review: Die Geschichte der Bienen

Trotz zig Empfehlungen von Kollegen habe ich „Die Geschichte der Bienen“ jetzt schon Monate vor mir hergeschoben…
Ich wusste, daß es ein Buch ist, das mich aufwühlen würde.
Und ich wusste, daß es ein Buch ist, das ich lesen muss.

England, 1852: Nachdem ihm bewusst wird, daß sein Traum, ein angesehener Wissenschaftler zu werden, wohl nie in Erfüllung gehen wird, verfällt William in Depressionen. Doch als er ein Buch über Imkerei neben seinem Bett findet erwacht sein Forschergeist von neuem. Er entwickelt neuartige Bienenstöcke, in der Hoffnung, die Imkerei zu revolutionieren und setzt dabei alles auf diese eine Karte…

USA, 2007: George führt eine kleine aber relativ erfolgreiche Imkerei. Diese ist schon seit Generationen in Familienbesitz, die Geschäfte laufen gut und George überlegt zu expandieren. Kummer bereitet ihm lediglich sein Sohn Tom, der von der Imkerei nichts wissen will und sich mehr und mehr von seinem Vater entfernt.
Doch eines Tages öffnet George seine Bienenstöcke und ist geschockt: fast all seine Bienen sind über Nacht gestorben.
Einen Grund dafür gibt es nicht. Der sogenannte Colony Collaps Disorder hat zugeschlagen. Forscher stehen vor einem Rätsel, Georges Firma vor dem Aus…

China, 2098: Nach dem Kollaps steht die Sichuan Provinz noch relativ gut da… Da die Bienen hier schon in die 1980er Jahren ausgestorben sind hat man rechtzeitig auf Handbestäubung umgestellt und so ist es möglich, die Bevölkerung halbwegs zu versorgen.
Tao arbeitet als Bestäuberin auf den endlosen Obstplantagen, doch für ihren kleinen Sohn Wei-Wen wünscht sie sich ein besseres Leben.
Eines Tages läuft Wei-Wen in den Wald und kollabiert kurz darauf. Zwar schafft es Tao ihn in ein Krankenhaus zu bringen, doch niemand erklärt ihr, was ihrem Sohn passiert ist. Der Wald wird zum militärischen Sperrgebiet und Wei-Wen nach Peking gebracht. Auf der Suche nach ihrem Sohn und Antworten macht sich Tao auf den Weg durch halb China und begreift, daß das was Wei-Wen zugestoßen ist die Geschichte der Menschheit erneut verändern könnte…

Diese drei Geschichten hängen relativ lose zusammen.
Ich mag ja Bücher, in denen erzählt wird, wie Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verknüpft sind. Das schafft Maja Lunde zwar nicht so gut, wie beispielsweise David Mitchell, aber ich war trotzdem sehr angetan von ihrem Erzählstil.

Als Mutter hat mich die Geschichte von Tao natürlich am meisten mitgenommen. Das Verschwinden seines Kindes ist der absolute Alptraum und es ist schon fast zynisch wie sehr man mit Tao leidet, während man das Verschwinden der Bienen eher resigniert betrachtet.

Im Vorfeld habe ich natürlich schon von dem rätselhaften Bienensterben gehört und auch von den Handbestäubern in China. Trotzdem habe ich alles nie so wirklich in Zusammenhang gesetzt.

„Die Geschichte der Bienen“ hat mich sehr betroffen gemacht.
Was kann man tun gegen scheinbar unaufhaltsame Katastrophen?
Und in was für einer Welt werden meine Söhne groß werden, wenn die Bienen tatsächlich komplett verschwinden sollten?
Passend dazu gab der Bund Naturschutz vor wenigen Wochen neue Zahlen heraus, bei denen klar wird, daß das Sterben der Fluginsekten absolut dramatische Ausmaße angenommen hat…

Dieses Buch ist keine Wohlfühllektüre, aber ein Buch, daß man gelesen haben sollte.
Aufrüttelnd, traurig und mit einem kleinen Schimmer Hoffnung.

Review: The Shadow Land

Nach ihrem Studium beschließt die Amerikanerin Alexandra Boyd ein Jahr lang in Bulgarien zu leben und dort Englisch zu unterrichten. Doch schon am ersten Tag passiert ihr ein folgenschweres Missgeschick: Als sie einem älteren Paar hilft, in ein Taxi zu steigen, bleibt eine Tasche zurück… Darin findet Alexandra ein aufwendig verziertes Holzkästchen mit der Asche eines Toten.

Sofort versucht sie die Angehörigen ausfindig zu machen, doch die Familie des Verstorbenen scheint wie vom Erdboden verschwunden zu sein.

So reist Alexandra durch halb Bulgarien und besucht Freunde und Verwandte der Familie, die ihr nach und nach die Geschichte des Toten erzählen. Aber bald bemerkt Alexandra, daß sie verfolgt wird. Jemand anderes scheint die Urne zu suchen und es wird klar, daß ein dunkles Geheimnis damit verbunden ist…

„The Shadow Land“ war für mich leider ein kleines bißchen arg vorhersehbar, trotzdem hab ich es gerne gelesen. Mit Bulgarien hatte ich mich noch nie groß beschäftigt und so war es ganz spannend auf diese Art ein bißchen über das Land zu erfahren.

Deutscher Titel: Das dunkle Land

Review: Wiener Straße

Die „Herr Lehmann“-Trilogie habe ich vor zig Jahren an einem Stück durchgelesen.
Deshalb war ich auch sehr gespannt, als ich gesehen habe, daß Sven Regener ein neues Buch über Frank Lehmann geschrieben hat.

Auf den ersten paar Seiten musste ich mich aber erst mal wieder zurechtfinden… Einige Namen kannte ich, klar. Andere kamen mir bekannt vor, aber so richtig zuordnen konnte ich sie nicht. – Das typische Problem wenn zwischen Büchern einer Reihe so viele Jahre liegen.
Doch recht schnell war ich so in der Geschichte drin, daß ich nicht mehr groß darüber nachdachte, wer eventuell schon einmal erwähnt worden war und wer nicht.

Die Handlung von „Wiener Straße“ setzt kurz nach „Der kleine Bruder“ ein.
Frank Lehmann und der Rest der WG müssen umziehen und finden eine neue Bleibe in der Wiener Straße, direkt über dem Café Einfall, in dem alle einen Job ergattern wollen.
Es geht um Cafébesitzer, Hausbesetzer und schräge Kunstausstellungen…
Viel passiert eigentlich nicht, trotzdem habe ich mich köstlich unterhalten gefühlt und in der S-Bahn immer wieder loskichern müssen.
Das Buch lebt vor allem von seinen herrlich skurrilen Charakteren und den aberwitzigen Dialogen, die sich zwischen ihnen entwickeln.

Das ist vermutlich nicht jedermanns Humor, aber ich hatte großen Spaß mit diesem Buch. 🙂

Review: Der Report der Magd

Nachdem Margaret Atwood letztes Wochenende den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels entgegengenommen hat, dachte ich, ich füge auch hier nochmal meine alte Besprechung zu „Der Report der Magd“ ein, die ich vor einer gefühlten Ewigkeit auf meiner privaten Facebook-Seite gepostet habe:

Oh mein Gott! – Warum hab ich dieses Wahnsinns-Buch nicht schon viel früher gelesen?!?
Obwohl „Der Report der Magd“ bereits 1985 geschrieben wurde ist es wohl die Mutter aller Dystopien…

Darin geht es um ein Amerika, das nach einem Militärputsch, der muslimischen Terroristen in die Schuhe geschoben wird, von einer rechten, ultrakonservativen Partei übernommen wird. Durch Umweltverschmutzung und der Ausbreitung von Krankheiten ist die Geburtenrate immer weiter zurück gegangen und so werden Frauen nach und nach alle Rechte, ihre Konten, ihre Arbeit entzogen, denn sie sollen sich nur noch darauf konzentrieren, Kinder zu bekommen.
Dabei gibt es auch Umerziehungslager in denen Frauen mit Drogen und Bestrafungen zu sogenannten Mägden ausgebildet werden. Sie werden den Kommandanten der Regierung als Leihmütter zur Verfügung gestellt…

„Der Report der Magd“ hat mich richtig umgehauen… Nicht nur, weil man immer wieder das Gefühl bekommt, daß das alles passieren könnte, sondern weil alles was Margaret Atwood beschreibt in einer ähnlichen Form schon mal vorgekommen ist.

Lesen!!!

 

Mehr von Margaret Atwood:

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Review: Lady Orakel

Review: Moabit

Jedes mal, wenn ein neues, von Kat Menschik illustriertes Buch auf den Markt kommt, möchte ich rufen: „Shut up and take my money already!“
Ganz ehrlich, wenn sie das Telefonbuch von Paderborn bebildern würde, würde ich es haben wollen. 😀

In ihrer schönen „Lieblingsbücher“-Reihe im Galiani Verlag ist nun Band 4 erschienen und besonders spannend: Dieses mal handelt es sich um keinen Klassiker sondern eine brandneue Geschichte von Krimiautor Volker Kutscher.
Ich habe seine Gereon Rath Bücher bisher noch nicht gelesen, aber offenbar ist „Moabit“ als kurze Vorgeschichte zu der Reihe gedacht.

Berlin, 1927: Adolf Winkler hat nur noch eine Woche bis zu seiner Entlassung aus dem Gefängnis Moabit, da versucht ein anderer Häftling ihn umzubringen. Aufseher Ritter geht dazwischen und trifft den Angreifer so heftig, daß dieser ins Koma fällt und kurz darauf verstirbt.
Beide, Winkler und Ritter, können sich keinen rechten Reim auf diesen Angriff machen und versuchen herauszubekommen, was dahinter steckt…

Mit nur knapp 80 Seiten und den vielen Illustrationen darf man natürlich keine Geschichte erwarten, in der alle Fragen geklärt werden, trotzdem war ich schwer begeistert von Volker Kutschers Stil.
Was ich bisher so noch nie gesehen habe: Der Anfang ist in der zweiten Person geschrieben. Ich habe lange überlegt, aber mir will beim besten Willen kein anderes Buch einfallen, das in der zweiten Person geschrieben wurde.
Später wechselt das noch… Die drei Kapitel sind tatsächlich in der zweiten, ersten und schließlich dritten Person verfasst. – Das fand ich stilistisch ziemlich spannend und ich muss meine Kollegen, von denen es genug Kutscher-Fans gibt dringend fragen, ob er das auch in seinen anderen Büchern so macht und ob die offenen Fragen aus „Moabit“ in den Gereon Rath Romanen geklärt werden.
Oder weiß da jemand von euch Bescheid? 😉

Kat Menschik überlegt sich ja für jedes Buch aus ihrer Reihe etwas Neues.
Für „Moabit“ hat sie knallige, kontrastreiche Farben gewählt und den Text immer wieder mit passenden Werbeanzeigen aus den 1920ern aufgepeppt.

Ich bin schon ganz gespannt auf die nächsten Teile der Reihe! 🙂

Review: Was man von hier aus sehen kann

Jedes mal, wenn Luises Oma Selma von einem Okapi träumt, wird jemand aus dem Dorf innerhalb des nächsten Tages sterben.
„Was man von hier aus sehen kann“ beginnt am Tag nach so einem Okapi-Traum. Die Nachricht verbreitet sich wie ein Lauffeuer, alle Dorfbewohner klären ihre Angelegenheiten und schreiben Abschiedsbriefe, einer plant sogar, das kurze Zeitfenster für einen Mord zu nutzen, doch dann kommt alles anders als erwartet…

Aber das ist erst der Anfang…
Wir begleiten Luise, Selma, ihre Familie und all die liebenswerten und etwas schrägen Dorfbewohner über zwanzig Jahre lang.

Bereits nach der Hälfte des Buches war mir klar, daß ich mein Lieblingsbuch für dieses Jahr gefunden hatte… – Deshalb möchte ich auch gar nicht zu viel verraten.
Ich bin absolut begeistert von Mariana Lekys humorvollem Stil, ihren wunderbaren Charakteren und der Alltagsmagie, die sie so fabelhaft beschreibt.

Ich habe gelacht, ich habe geweint, ich will das Buch ganz bald noch mal lesen!

An dieser Stelle wird mir bewusst, daß ich mehr über Bücher zu sagen habe, die mir weniger gut gefallen. Bei diesem hier möchte ich am Liebsten gar nichts sagen, sondern es einfach nur jedem in die Hand drücken! 😉

Mehr von Mariana Leky:

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Review: Die Herrenausstatterin