Review: Was man von hier aus sehen kann

Jedes mal, wenn Luises Oma Selma von einem Okapi träumt, wird jemand aus dem Dorf innerhalb des nächsten Tages sterben.
„Was man von hier aus sehen kann“ beginnt am Tag nach so einem Okapi-Traum. Die Nachricht verbreitet sich wie ein Lauffeuer, alle Dorfbewohner klären ihre Angelegenheiten und schreiben Abschiedsbriefe, einer plant sogar, das kurze Zeitfenster für einen Mord zu nutzen, doch dann kommt alles anders als erwartet…

Aber das ist erst der Anfang…
Wir begleiten Luise, Selma, ihre Familie und all die liebenswerten und etwas schrägen Dorfbewohner über zwanzig Jahre lang.

Bereits nach der Hälfte des Buches war mir klar, daß ich mein Lieblingsbuch für dieses Jahr gefunden hatte… – Deshalb möchte ich auch gar nicht zu viel verraten.
Ich bin absolut begeistert von Mariana Lekys humorvollem Stil, ihren wunderbaren Charakteren und der Alltagsmagie, die sie so fabelhaft beschreibt.

Ich habe gelacht, ich habe geweint, ich will das Buch ganz bald noch mal lesen!

An dieser Stelle wird mir bewusst, daß ich mehr über Bücher zu sagen habe, die mir weniger gut gefallen. Bei diesem hier möchte ich am Liebsten gar nichts sagen, sondern es einfach nur jedem in die Hand drücken! 😉

Mehr von Mariana Leky:

2018-05-26_15.41.22

Review: Die Herrenausstatterin

Advertisements

Parallel Lesen

Viele von euch tun es, andere verzweifeln daran…
Ich frage mich, ob ich die Einzige bin, die das Ganze exzessiv plant.
Heute geht es darum, mehrere Bücher gleichzeitig zu lesen.

Während meiner Schulzeit habe ich immer nur ein Buch gelesen. Manchmal hat es mich gelangweilt, dann habe ich es zur Seite gelegt und ein anderes angefangen. Zwei Bücher oder mehr habe ich nie zur selben Zeit gelesen, aber mit der Ausbildung zur Buchhändlerin begannen meine Lesegewohnheiten immer chaotischer zu werden.
Jedes Buch, das sich spannend anhörte wurde sofort mitgenommen.
Jedes Leseexemplar nach Hause getragen.
In jedes Buch wurde hinein gelesen, die Hälfte der Bücher vergessen, zur Seite gelegt, Monate später wieder zur Hand genommen…
In meiner ersten eigenen kleinen Wohnung stapelten sich auf jeder Fläche halbgelesene Bücher.

Mir war klar, daß ich etwas dagegen tun musste… Aber was?

Ein Freund schlug mir vor, einen Monat lang nur „one book at a time“ zu lesen.
Ich freute mich auf das Experiment. Ich stellte mir vor, jedes Buch dann besser würdigen zu können. Vielleicht sogar schneller zu lesen, wenn man durch keine andere Geschichte abgelenkt würde.
Anfangs lief das Experiment gut… Ich hatte mich natürlich entschieden, das spannendste Buch auf meinem Stapel zu beenden und flog geradezu durch die Geschichte.
Doch das nächste Buch hatte seine Längen. Nichts dramatisches… Nichts, weswegen man das Buch hätte abbrechen müssen oder ihm gar keine Chance geben. Aber doch genug um nur noch mit einem Seufzen danach zu greifen und mit dem Gefühl, sich ein wenig zu quälen.

Ein einziges Buch zu lesen funktionierte also für mich nicht. Mein Spaß am Lesen wurde weniger und ich laß immer langsamer…
Ich musste eine Möglichkeit finden, mehrere Bücher parallel zu lesen, diese aber auch zu beenden und nicht monatelang verstauben zu lassen.

Und so begann ich meine Monatsstapel zu planen.
Wer meinen Blog kennt, weiß daß ich jeden Monat einen kleinen Stapel Bücher vorstelle, die ich mir vorgenommen habe.
Ich versuche, diese Stapel nicht zu groß werden zu lassen und behalte im Blick, was noch im Laufe des Monats erscheinen wird.
Jeder dieser Stapel hat sechs bis sieben Bücher, die ich dann in der Regel auch weitestgehend parallel lese.
Anfang des Monats werden die Bücher für die ich mich entschieden habe gekauft. Spontankäufe versuche ich zu vermeiden sondern plane diese Bücher für den nächsten Monat ein.
Die Titel auf meinem Stapel sollen eine bunte Mischung sein, denn ich lese verschiedene Bücher in verschiedenen Situationen:
Zwei, drei anspruchsvollere Romane für die Zugfahrten.
Auch wenn viele von euch schreiben, daß sie sich schwer damit tun, in vollen Zügen zu Lesen, habe ich mich daran gewöhnt und genieße die 40 Minuten zur Arbeit, in denen keines meiner Kinder ganz schnell etwas braucht.
Im Idealfall sind sich die Bücher nicht zu ähnlich, spielen in unterschiedlichen Ländern oder Epochen… Sonst wird es selbst mir zu verwirrend.
Ein Sachbuch darf auch gerne mal auf den Stapel. Am Besten eines mit kurzen Kapiteln oder Abschnitten, in die man schnell wieder hineinfindet, wenn man unterbrochen wird.
Das ist perfekt für kurze Wartezeiten. Gedichtbände sind da aber auch nicht schlecht.
Ein leichtes Buch für die Badewanne. Im besten Fall leichte Kost und auch leicht vom Gewicht her. 😉 Dafür sind Jugendbücher klasse!
Und natürlich eine Graphic Novel für die Abende, an denen die Kinder keine Ruhe finden, der Mann etwas im Fernsehen schauen will, was vom Lesen ablenkt. – Für die Zeiten eben, in denen gerade gar nichts geht.

So habe ich für jede Situation das richtige Buch und wenn ich dann zu müde oder zu traurig für einen anspruchsvollen Roman bin, kann ich schnell zu einem lustigen Jugendbuch greifen.

Ich achte sehr darauf, meinen Monatsstapel auch innerhalb des Monats zu beenden. Manchmal bleibt ein Buch übrig, aber das ist dann definitiv als nächstes dran.
Und so ist auch der SUB unter Kontrolle.

Zum Abschluss möchte ich noch von meinem seltsamsten Parallelleseerlebnis erzählen:
Es war ein heißer Sommer und ich wollte mich abkühlen. Also griff ich nach einem Liebling von mir: „Der Name der Rose“. Bald bibberte ich im ersten Novemberschnee von Norditalien, aber an einer Stelle wurde ich plötzlich stutzig…
Dort wurden seltsame Wesen ohne Münder beschrieben, die an der Quelle des Ganges leben und sich vom Duft verfaulender Früchte ernährten. „Die Astomoi!“, flüsterte ich…
Dann lies ich das Buch sinken und fragte mich, was zum Teufel ich da gerade gesagt hatte. Also schnappte ich mir die Neuübersetzung von Grimmelshausens „Simplicissimus“ (für alle, die sich darüber wundern: Reinhard Kaiser hat das Ganze wunderbar vom „Teutsch“ des 17. Jahrhunderts in modernes Deutsch übertragen), in der ich zu dem Zeitpunkt hin und wieder gelesen hatte und blätterte ein paar Seiten zurück.
Tatsächlich wurden dort die selben Wesen beschrieben, nur daß Grimmelshausen eben auch ihren Namen erwähnt hatte!
Natürlich musste ich googeln und fand heraus, daß beide, Grimmelshausen und Eco, bei Plinius dem Älteren abgeschrieben hatten. Aber hätte ich die beiden Bücher nicht parallel gelesen, hätte ich diese kurzen Abschnitte vermutlich nicht weiter beachtet und würde mich heute nicht mehr an die fabelhaften mundlosen Wesen an der Quelle des Ganges erinnern. 😉

Wie haltet ihr das so?
Lest ihr auch parallel und wenn ja, wieviele Bücher dürfen es höchstens sein?
Achtet ihr auch auf eine bunte Mischung?
Habt ihr auch verschiedene Bücher für verschiedene Leseumgebungen?
Ich freu mich auf eure Antworten. 🙂

Mehr zu meinen Lesegewohnheiten gibt es hier: Mein Leben als Leser

Review: The Furthest Station

Endlich mal wieder ein richtiges „Zug-Buch“ hier bei Lesen… in vollen Zügen. 😀

Doch zunächst einmal: Wer Police Constable Peter Grant bisher noch nicht kennt… Schnell! Auf in die nächste Buchhandlung! 😉
Stellt euch einfach vor, Harry Potter wäre als schwarzer Muggel geboren worden und hätte zuerst eine relativ erfolglose Ausbildung zum Polizisten gemacht, bevor er sein magisches Talent entdeckt hätte. 😉
In der „Flüsse von London“-Reihe paart sich britischer Humor, Krimi und Fantasy zu einer wirklich unterhaltsamen Mischung mit grandiosen Charakteren.

Eigentlich hätte der mittlerweile siebte Teil der Serie erscheinen sollen, doch „The Furthest Station“ fällt ein wenig aus der Reihe.
Tatsächlich wurde das Buch als „Rivers of London“-Novella angekündigt, was auch den Umfang von zarten 120 Seiten erklärt.
Offenbar hat Aaronovitch auch für die Zukunft geplant, die Haupthandlung in den Romanen weiterzuführen und Nebengeschichten in den Novellas und Graphic Novels weiter zu führen.

In diesem Band bekommt es Peter mit einer Reihe von Geistererscheinungen in der Londoner U-Bahn zu tun. Die Geister scheinen nichts böses im Sinn zu haben und verschwinden ebenso schnell, wie sie gekommen sind, doch was steckt hinter den Ereignissen?
Tatkräftige Unterstützung bekommt Peter diesmal von seiner kleinen Cousine und angehenden Zauberlehrling Abigail.

Ich muss sagen, daß mir diese Novella, obwohl sie so kurz war, wirklich gut gefallen hat.
Bei den Romanen wird ja mittlerweile ein ziemliches Hintergrundwissen vorausgesetzt, was bestimmte Entwicklungen angeht, da ist es ganz erfrischend eine einfache Peter Grant Geschichte zu lesen, ohne daß man sich erinnern muss in welchem Zusammenhang einzelne Personen stehen.
Trotzdem eignet sich „The Furthest Station“ nicht wirklich zum Einstieg in die Reihe, denn die Hauptcharaktere werden nicht weiter eingeführt und Wissen über Magie und wie die Zusammenarbeit mit der „richtigen“ Polizei läuft werden vorausgesetzt. Ich denke aber, wer die ersten zwei, drei Bücher gelesen hat und Lust auf eine kleine Geschichte zum Wiedereinstieg hat, hat findet sich ganz schnell wieder in der magischen Welt des Peter Grant.

Deutscher Titel: Geister auf der Metropolitan Line

 

Mehr von Ben Aaronovitch:

2017-08-24_08.33.29

Review: Black Mould

Review: Lord of Shadows

Jetzt musste ich „Lord of Shadows“ noch schnell fertig lesen, bevor das Buch diesen Monat auf Deutsch erscheint, aber mit einer Besprechung tu ich mir schwer…
Wie bespricht man ein Buch, daß das zweite in einer Reihe, aber das elfte in einer regelrechten Saga ist, ohne die eine Hälfte zu langweilen und die andere zu verwirren?

Deshalb gibt es heute drei kleine Reviews, für Anfänger, Interessierte und Fortgeschrittene. 😉

Habt ihr noch kein Buch von Cassandra Clare gelesen, oder recht schnell aufgegeben?

Dann ist dieser Abschnitt für euch:

Bei den Schattenjäger-Büchern von Cassandra Clare gibt es eigentlich drei Reihen. Angefangen hat sie mit den „Chroniken der Unterwelt“ (The Mortal Instruments), die in unserer Zeit spielen. Es geht um den üblichen Kampf gut gegen Böse und ein Mädchen, das relativ unbedarft in eben diesen Kampf verwickelt wird und feststellt, daß sie doch gar nicht so unbedarft ist, wie alle angenommen haben. In dieser Serie gibt es sechs Bände.
Dann gibt es die „Chroniken der Schattenjäger“ (The Infenal Devices). Handlung siehe oben, allerdings gut hundert Jahre früher. (Drei Bände)
Die neue Reihe ist also „Die Dunklen Mächte“ (The Dark Artifices), die ein paar Jahre nach den „Chroniken der Unterwelt“ spielt. „Lord of Shadows“ ist der zweite Band nach „Lady Midnight“.

Ich kenne viele Leute, die mit den „Chroniken der Unterwelt“ angefangen haben und recht schnell wieder aufgegeben haben. Cassandra Clare steigt immer relativ flott ein, aber gönnt sich nach etwa der Hälfte gerne eine Pause. Ich muss auch ganz ehrlich zugeben, daß ich „Lord of Shadows“ nach etwa der Hälfte für zwei, drei Wochen beiseite gelegt habe, denn nach dem ersten Spannungsbogen habe ich immer das Gefühl, daß die Geschichte schon zu Ende ist. Aber natürlich kommt dann noch einiges. 😉

Weshalb ich die Geschichten von Cassandra Clare aber wirklich mag und doch immer wieder danach greife sind die wahnsinnig lebendigen Charaktere. Die werden innerhalb kürzester Zeit zu regelrechten Freunden und ich werde nie vergessen, wie mich meine Cousine, die ein paar Bände hinterherhinkt, eines Nachts um halb eins absolut aufgebracht anschrieb, weil sich ihr Lieblingspaar getrennt hatte. Sie verlangte sofortige Spoiler, sonst würde sie sich weigern, den Rest der Reihe zu lesen! 😀

Also wenn ihr liebenswerte Charaktere mit frechen Sprüchen mögt und euch von 700+ Seiten Büchern mit mehr als einem Spannungsbogen nicht abschrecken lasst, dann schaut doch mal bei Cassandra Clare rein.
Für den Einstieg würde ich allerdings „Clockwork Angel“ empfehlen.

Ihr habt die „Chroniken der Unterwelt“ durchgelesen, wisst aber nicht, ob ihr euch die neue Reihe auch noch holen sollt?

Bitte hier entlang:

Meine klare Antwort darauf: Ja!
Ich mag die Charaktere aus der „Dark Artifices“-Reihe wirklich unheimlich gerne.
Es geht um die Kinder aus dem Institut in L.A., die ja in „City of Heavenly Fire“ schon eingeführt wurden.
Clary, Jace und Co. schauen ab und zu kurz vorbei, aber die Handlung steht auf eigenen Beinen. Besonders schön allerdings: Publikumsliebling Magnus lässt sich durchaus öfter sehen. 😀

Ihr habt „Lady Midnight“ schon lange gelesen und freut euch auf die deutsche Ausgabe von „Lord of Shadows“?

Viel Spaß!
Besonders Fans von Magnus und seiner Familie werden sich freuen.

Überrascht war ich allerdings von den durchaus politischen Tönen, die Cassandra Clare in „Lord of Shadows“ anschlägt.
Ich kenne wenige Autoren, die LGBTQ Charaktere so natürlich und ohne ein großes Thema daraus zu machen in ihre Geschichten einbaut, da ist es vielleicht nicht wunderlich, daß sie die derzeitige Situation, in der ultrakonservative immer mehr Zulauf bekommen und die Rechte von Minderheiten und Andersdenkenden einschränken wollen, aufgreift.
Manche Szenen waren aber genau deshalb für mich schwerer zu verdauen, weil ich zu sehr an die aktuelle Lage erinnert war.

Allen, die sich jedenfalls auf die neue Cassandra Clare freuen wünsche ich viel Spaß! 🙂

Ode an den Oktober

Die letzten warmen Septembertage sind vorbei und heute beginnt mein zweitliebster Monat, mit seinen Herbststürmen, verregneten Nachmittagen und bunten Blättern. 🙂

Für den Oktober habe ich mir einiges vorgenommen, eigentlich viel zu viel! Und dabei wurden jetzt schon einige Bücher auf den Novemberstapel verbannt. Schrecklich!

Aber schauen wir uns mal an, was bei mir im Oktober ansteht:

Kennt jemand von euch das Hygge-Buch von Meik Wiking?
Ich habe bis dahin noch kein einziges Lifestyle-Buch gelesen, aber letzten Winter bestand mein großer Sohn darauf, daß wir uns über Hygge informieren sollten und Wikings Schreibstil war einfach so charmant und humorvoll, daß ich mir sofort sein neues Buch The Little Book of Lykke mitgenommen habe.
Darin geht es darum, warum Dänemark eine so glückliche Nation ist.

Auch neu ist The Furthest Station, das mittlerweile siebte Buch aus der „Rivers of London“-Reihe von Ben Aaronovitch.
Wie auf dem Foto unschwer zu erkennen, ist dieses Buch viel dünner als seine Vorgänger. Im Englischen war es auch nur als „Novella“ angekündigt. Mal sehen, ob es mit den anderen Büchern mithalten kann… Ich werde berichten. 😉

Zu Die Geschichte der Bienen von Maja Lunde, Wiener Straße von Sven Regener und Was man von hier aus sehen kann von Mariana Leky brauche ich nicht viel sagen…
Alle Bücher sind auf der Bestsellerliste und wurden von vielen von euch schon zum Teil großartig besprochen. Da muss ich dringen auch mal rein schauen.
Bald ist die Wiesnzeit vorbei und ich werde wieder in der Lage sein, vollständige Sätze in der Bahn zu lesen, ohne daß ich Angst haben muss, daß sich jemand auf mich übergibt… Dann ist es wieder Zeit für richtig schöne Bücher. 🙂

Als Graphic Novel durfte diesen Monat Frida von Vanna Vinci mit. – Eine wirklich schön illustrierte Biografie über Frida Kahlo.

Mit Ken Folletts neuem Buch A Column of Fire habe ich schon angefangen, allerdings bin ich noch nicht besonders weit gekommen und ich rechne auch eher damit, daß ich erst im November fertig werde.

Als wäre das noch nicht genug, kommen Mitte des Monats noch ein paar Highlights auf den Markt: Moabit von Volker Kutscher wird natürlich hauptsächlich wegen der Illustrationen von Kat Menschik gekauft, Turtles All the Way Down von John Green interessiert mich, obwohl es laut seinem YouTube-Video nicht um Schildkröten gehen wird 😉 und ich freue mich schon sehr auf , das neue Jugendbuch von Kerstin Gier. 😀

Welche Titel von meinem Oktoberstapel habt ihr schon gelesen?
Was steht auf eurer Leseliste?

Ich wünsche euch einen wunderschönen Herbst!

Review: Forest Dark

„Die Geschichte der Liebe“ habe ich ja nach anfänglichen Startschwierigkeiten sehr geliebt, „Das große Haus“ fand ich dann nur noch so lala, trotzdem war ich gespannt auf das neue Buch von Nicole Krauss.

An dieser Stelle muss ich sagen: Ich interessiere mich nicht groß für Autoren. Das mag sich vielleicht furchtbar anhören, aber ich will mich nicht immer fragen, was von der Geschichte autobiografisch sein könnte und was nicht. Das lenkt mich zu sehr ab.
Bei diesem Buch kam dann aber alles anders…

Ich unterhielt mich mit einer Kollegin über unsere aktuelle Lektüre und erwähnte, daß ich mir „Forest Dark“ mitgenommen hätte.
Daraufhin meine Kollegin: „Ach ja, die hat sich ja von Jonathan Safran Foer scheiden lassen.“
Ich wusste gar nicht, daß die beiden überhaupt verheiratet waren, habe tatsächlich noch kein Buch von ihm gelesen, obwohl „Everything is Illuminated“ und „Extremely Loud and Incredibly Close“ seit Jahren auf meinem SUB liegen, und wusste zu dem Zeitpunkt auch nichts von seinen offenbar ehebeendenden Emails an Natalie Portman.
Meine Kollegin hatte außerdem „Here I Am“ gelesen und erzählte, daß sich Foer darin mit der Scheidung von Nicole Krauss auseinandersetzt und so kam die Frage auf, ob „Forest Dark“ wohl ihre Sicht der Dinge wäre.
Also wirklich! Bei soviel Hintergrundwissen, wie soll man da noch unvoreingenommen an das Buch herangehen?

In „Forest Dark“ geht es um zwei Menschen, deren Geschichten abwechselnd erzählt werden, die aber – anders als in „Die Geschichte der Liebe“ – nie wirklich zusammen finden.
Zum einen ist da Jules Epstein, der ein Vermögen als erfolgreicher Anwalt gemacht hat und nun im Alter beginnt, sein Geld und seine Besitztümer zu verschenken. So beschließt er, seinen Eltern ein Denkmal in Israel zu setzen und reist durch das Land um nach einem geeigneten Projekt zu suchen, das die Namen seiner Eltern unsterblich machen soll.
Zum anderen ist da Nicole Krauss (ja, in diesem Buch ist sie tatsächlich ihre eigene Hauptperson). Nicole beschreibt ihre Ehe, die nur noch von der Liebe zu den gemeinsamen Kindern zusammengehalten wird und von der Schreibblockade unter der sie leidet. Um sich eine Auszeit von all dem zu nehmen reist sie nach Tel Aviv und trifft dort einen geheimnisvollen Mann, der ihr ein unglaubliches Angebot macht: Er erzählt ihr, daß Franz Kafka nicht jung verstarb, sondern seinen Tod fingierte, nach Israel auswanderte und dort ein langes, wenn auch einsames Leben führte. Ausserdem berichtet er von unbekannten und unvollendeten Kafka-Manuskripten, die sie – Nicole Krauss – für ihn fertigstellen soll…

Nicole Krauss‘ Streibstil ist sehr dicht und wirklich poetisch. In einem einzelnen Satz steckt oft soviel Bedeutung, daß ihre Bücher sicherlich keine Mal-nebenher-Lektüre sind.
Ich denke nicht, daß sich mir das Buch schon beim ersten Lesen vollständig erschlossen hat, aber es ist definitiv ein Buch, über das ich noch länger nachdenken werde.

Ich hätte mir gewünscht, daß ich vorher nichts über das Beziehungsdrama im Hause Krauss/Foer gewusst hätte, weil ich so natürlich mehr auf die Beschreibung ihrer Ehe geachtet habe, die übrigens sehr sanft und zurückgenommen war.
Das Grundthema dieses Buches ist es, sich selbst zu verlieren. Irgendwie ist es da schon ironisch, daß das letzte Buch ihres Exmannes „Hier bin ich“ heißt.

Wie geht es euch eigentlich damit?
Wollt ihr lieber viel über die Autoren wissen um autobiografische Teile besser zu verstehen oder wollt ihr das Buch ganz unabhängig davon lesen?

(Deutscher Titel: Waldes Dunkel)

Review: Prinzessin Insomnia & der alptaumfarbene Nachtmahr

Was hab ich mich auf den neuen Moers gefreut! Daß es nicht das langerwartete „Schloß der Träumenden Bücher“ war… – Geschenkt!
Auch als ich laß, daß die Illustrationen diesmal nicht von Walter Moers gezeichnet wurden, war ich einfach gespannt auf die Bilder von Lydia Rode und dann auch ganz verzaubert, als ich den ersten Blick ins Buch warf…

Endlich wieder zurück nach Zamonien! Von Anfang an war da wieder diese überschäumende Phantasie von Walter Moers und dann… ja dann… passierte irgendwie nicht mehr viel… :/

In „Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr“ geht es um Prinzessin Dylia, die an einer seltenen Krankheit leidet, die sie kaum schlafen lässt. Nacht für Nacht durchwandert sie das elterliche Schloß und ist weitestgehend allein mit sich und ihren Gedanken. Diese Gedanken ordnet sie, alphabetisiert sie, steckt sie in Schubladen…
Doch eines Nachts wird sie von dem Nachtmahr Havarius Opal heimgesucht, der sie auf eine Reise in ihre Gedankenwelt mitnimmt.
Der Grund für diese Reise ist schon von Anfang an relativ schwammig, offenbar will Havarius Dylia in den Wahnsinn treiben, doch sie geht trotzdem gerne mit und durchwandert eine Region ihres Gehirns nach der anderen.
Und so geht es dahin… Dylia und Havarius erreichen eine Region von Dylias Gehirn, diese wird beschrieben, eine Art Feind oder sonstiges Ungemach tritt auf, zwei Zeilen später hat Dylia eine Lösung parat oder ihre wohlgesonnenen Gedankenwesen retten sie…
Richtig Spannung kam da leider nicht auf.

Dabei ist der Hintergrund für diese Geschichte wirklich schön, aber vermutlich auch ihr Knackpunkt: Lydia Rode leidet am chronischen Erschöpfungssyndrom.
In einem Leserbrief an Walter Moers schrieb sie, wie ihr seine Bücher in Phasen anhaltender Schlaflosigkeit halfen.
Es entwickelte sich eine Brieffreundschaft, dann kam die Idee zu einer Erzählung, dazu dann noch Lydia Rodes malerisches Talent und „Prinzessin Insomnia…“ war geboren. – Aus Lydia wurde Dylia.
Es ist ziemlich klar, daß Walter Moers Lydia Rode dafür bewundert, wie positiv sie mit ihrer Krankheit umgeht und daß sie auch noch die Kraft hat, ein ganzes Buch wirklich wunderbar zu illustrieren.
Nur leider machte das Prinzessin Dylia schrecklich langweilig für mich.
Ich identifiziere mich am schnellsten mit Charakteren, wenn ich ihre Schwächen und Fehler kenne. Dylia dagegen ist einfach perfekt. – Sie ist blitzgescheit, unglaublich talentiert, unerschütterlich und extrem positiv.
Selbst ihre Krankheit, ihre einzige Schwäche, wird regelrecht erhoben zu einem Leiden, das sie nicht nur erträgt wie eine Heilige, sondern sie auch noch so kreativ und besonders werden lässt.

Es ist schwierig mir Charakteren mitzuleiden, die einem irgendwie nicht wirklich nahe gehen und eine Handlung mitzuverfolgen die sich ständig zu wiederholen scheint.

Wie ging es euch?
Ich habe ja hier schon ein paar andere Besprechungen zu „Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr“ gelesen und hatte das Gefühl, daß es einigen von euch ähnlich ging, während andere ganz begeistert waren.
Lasst mich eure Meinung wissen. 🙂

 

Mehr von Walter Moers und Lydia Rode findet ihr hier:

2018-12-11_14.50.40

Review: Weihnachten auf der Lindwurmfeste