Review: Mit Opa ist alles anders

Heute möchte ich Euch ein Bilderbuch vorstellen, das mich sehr berührt hat: „Mit Opa ist alles anders“ von Clare Helen Welsh und Ashling Lindsay.

Ein wirklich schönes Gespräch auf der Leipziger Buchmesse hatte ich ja mit Harald Kiesel, dem Verleger des 360 Grad Verlags, dessen wunderbar illustrierten Sachbücher mich ja immer wieder begeistern.
TigerStern ist das Bilderbuch-Imprint des Verlags und widmet sich auch gerne mal schwierigen Themen, die trotzdem unheimlich liebevoll und kindgerecht aufgearbeitet werden.

In „Mit Opa ist alles anders“ geht es um so ein schwieriges Thema, nämlich Demenz.
Ein kleines Mädchen erzählt von einem Tag am Meer, den sie mit ihrem geliebten Opa verbringt, doch immer wieder tut Opa seltsame Dinge, wie die Brote im Sand zu vergraben.
Ihre Mama versucht dem Mädchen zu erklären, was mit Opa los ist, doch das macht dem Mädchen Angst: was, wenn er eines Tages sie vergisst?

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Dieses Buch hat bei mir alle Schleusen geöffnet und ich musste mich schwer beherrschen um am Stand nicht loszuheulen. Schließlich habe ich die Alzheimererkrankung meines eigenen Opas von den ersten kleinen Irritationen bis hin zum bitteren Ende, an dem er gar nicht mehr da war, miterlebt.
Mein Großer war zu diesem Zeitpunkt etwa vier (also in genau dem richtigen Alter für dieses Buch, hätte es das damals schon gegeben) und fand die Anwandlungen seines Uropas anfangs noch lustig, bis ich mich schweren Herzens dazu entscheiden musste, ihn nicht mehr mit ins Pflegeheim zu nehmen um ihn zu beschützen.

Nein, Demenz und Alzheimer ist wirklich kein Spaß, wie jeder bestätigen wird, der damit seine Erfahrungen gemacht hat. Schon für Erwachsene ist es schwer, damit umzugehen, schließlich ist man selbst oft überfordert. Wie soll man also die richtigen Worte finden, um es den Kindern zu erklären?

Ein Glück also, daß es Verlage gibt, die auch nicht vor diesen schwierigen Themen zurückschrecken und die das Ganze dann auch noch wirklich liebevoll umsetzen.
Jeder Familie, in der jemand von Demenz betroffen ist und in der es kleine Kinder gibt, kann ich deshalb „Mit Opa ist alles anders“ nur ans Herz legen!

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Abenteuerliches im April

Morgen ist schon der erste April und bevor ihr denkt, daß der riesige Stapel, der sich diesen Monat bei mir angesammelt hat nur ein Aprilscherz ist, erzähle ich Euch lieber jetzt schnell, was im nächsten Monat alles auf meiner Leseliste steht.
Denn es ist eine ganze Menge zusammen gekommen!

Leider hänge ich noch ein wenig mit meinem Märzstapel hinterher, denn wie viele von Euch ja vielleicht mitbekommen haben, war ich schwer beschäftigt damit, die Wohnung zu renovieren, aber wenigstens habe ich nun endlich ein eigenes Zimmer.
Deshalb setze ich für den April vermehrt auf illustrierte Bücher und Graphic Novels. Hach… ich freue mich, denn es ist viel Spannendes und Abenteuerliches mit dabei.

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Aber beginnen wir mit den Romanen:

Das Buch, auf das ich mich wohl am meisten freue ist Das Verschwinden der Stephanie Mailer von Joel Dicker.
Bereits mit seinen ersten beiden Romanen „Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert“ und „Die Geschichte der Baltimores“ hat mich Dicker restlos begeistert. Hoffentlich kann „Stephanie Mailer“ daran anschließen.

Spannend hört sich auch Katherine Dions Debütroman „Die Angehörigen“ an.
Es geht um einen Mann, der nach dem Tod seiner Frau feststellt, daß sie wohl Zeit Lebens Geheimnisse vor ihm hatte…

Auf der Buchmesse wurde mir am Stand von weissbooks von Luna Al-Mouslis Roman „Als Oma, Gott und Britney sich im Wohnzimmer trafen oder Der Islam und ich“ vorgeschwärmt.
Ende letzten Jahres haben ja viele Blogger sich die Mühe gemacht, um durchzuzählen, wie hoch die Frauenquote bei ihrer Lektüre war. Ich nahm das zum Anlass, um zu sehen, wie divers ich lese. Das Ergebnis: Während ich ganz gut bei den Persons of Color lag (vorausgesetzt man zählt Asiaten mit) und noch recht okay im Bereich LGBTQ+, war lediglich eine einzige Autorin mit Behinderung dabei und gar keine muslimischen Autoren! Daran wollte ich also ohnehin arbeiten, Luna Al-Mousli scheint da schon mal ein guter Einstieg zu sein.

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Natürlich darf auch der neue Moers nicht fehlen!
In Der Bücherdrache legt Walter Moers zwar nicht den lang erwarteten dritten Teil der „Stadt der träumenden Bücher“-Saga vor, dennoch geht es endlich wieder in die Katakomben von Buchhaim, diesmal allerdings mit dem kleinen Buchling Hildegunst von Mythenmetz.

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Weiter geht es mit den Sachbüchern.
Bei meinem neuen Lieblingsreisebuchverlag, dem Reisedepeschen Verlag ist vor Kurzem „Vom Glück zu Reisen“erschienen.
Darin setzt sich Philipp Laage wohl ebenso kritisch wie humorvoll mit den Auswüchsen der heutigen Reise-Industrie auseinander; von Selbstfindungstrips über Pauschal-Abenteuerurlaube.

Ein Titel auf den ich schon sehr gespannt bin ist „Einfach Mensch sein – Von Tieren lernen“ von Sy Montgomery. Ihr erstes Buch „Rendezvous mit einem Oktopus“ wurde ja zum Bestseller und mir schon lange von Kollegen ans Herz gelegt. Allerdings habe ich mich nun doch für „Einfach Mensch sein“ entschieden, immerhin wurde es von Rebecca Green illustriert, die zwar in Deutschland weitestgehend unbekannt ist, deren entzückendes Bilderbuch „How to Make Friends with a Ghost“ aber zu meinen Favoriten in diesem Bereich zählt.

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Mit Tieren und Menschen geht es weiter und zwar in zwei Graphic Novels, die von den Forschungsreisen zwei der berühmtesten Naturwissenschaftler ihrer Zeit berichten:
„Darwin – An Exceptional Voyage“ von Fabien Grolleau und Jérémie Royer erzählt von der berühmten Reise auf der Beagle, während „Die Abenteuer des Alexander von Humboldt“ von Humboldt-Expertin und Biografin Andrea Wulf und Illustratorin Lillian Melcher sich mit den Amerika-Reisen des Forschers beschäftigt.
So ähnlich sich die beiden Titel auch vom Thema her sind, so unterschiedlich sind sie in der Umsetzung und den Illustrationen.
Ich freue mich wirklich schon sehr darauf, Euch die Titel diesen Monat noch genauer vorzustellen!

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Bleiben wir bei illustriertem Sachbuch und widmen wir uns den Frauen…
Die Graphic Novel I’m every woman von Liv Strömquist setzt sich auf absolut humorvolle Weise mit Feminismus und Themen, die Frauen bewegen auseinander.

„Kickass Women – 52 wahre Heldinnen“ von Mackenzi Lee dagegen ist im Stil von Büchern wie „Good Night Stories for Rebel Girls“ aufgemacht, wartet aber mit wesentlich unbekannteren Frauen auf, von denen ich zum Großteil noch nie gehört habe, und das obwohl ich im letzten Jahr bereits einige solcher Titel gelesen habe!

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Zu guter letzt bleiben wir bei Geschichten um Frauen und deren grafischer Umsetzung.

The Handmaid’s Tale von Margaret Atwood liegt nun endlich auf Englisch als Graphic Novel vor und wurde wirklich verdammt gut umgesetzt!
„Mary Who Wrote Frankenstein“ ist dagegen ein Bilderbuch, das zwar im englischsprachigen Raum zig Preise gewonnen hat, in Deutschland aber noch weitestgehend unbekannt ist.
Darin geht es um die Geschichte von Mary Shelley… Spannend!

Das ist er also, mein viel zu hoher Aprilstapel und wenn ich mir anschaue, was da alles noch vom März liegt könnte man ein bißchen an meinen Plänen zweifeln…
Allerdings ist nun tatsächlich wieder ein bißchen Ruhe in die Wohnung eingekehrt und ich merke, daß ich wieder Zeit finde, mehr zu lesen.
Der Maistapel wird dann aber garantiert wieder kleiner… Bestimmt!

Welche Titel liegen auf Euren Lesestapeln?
Worauf freut Ihr Euch am meisten und kennt Ihr einige der Titel, die ich heute vorgestellt habe vielleicht schon?
Ich wünsche Euch einen wunderbaren Frühling!

Eure Andrea

Little People, Big Dreams

Heute möchte ich Euch eine ganz wunderbare Buchreihe vorstellen, mit der ich schon seit Längerem auf Englisch geliebäugelt habe und die nun endlich auf Deutsch erschienen ist.

Von „Little People, Big Dreams“ hatte ich davor schon gehört, doch zum ersten Mal hielt ich sie in Amsterdam in Händen, wo ich mir kurzentschlossen „Anne Frank“ mitnahm.
Kurz darauf entdeckte ich in der Vorschau des Insel Verlags, daß die Reihe nun auch auf Deutsch herausgegeben würde. Wunderbar! Denn Ihr wisst ja, wie sehr ich illustrierte Sachbücher liebe…

Besonders gefreut hat mich deshalb ein kleines Überraschungspaket vom Verlag, durch das meine Anne Frank Gesellschaft von Marie Curie, Rosa Parks und Amelia Earhart bekam.
Auf Deutsch sind ausserdem noch die Geschichten von Frida Kahlo und Coco Chanel erschienen, und auf Englisch ist die Reihe schon wesentlich umfangreicher, da sind dann beispielsweise auch Agatha Christie, Audrey Hepburn oder Josephine Baker neben vielen anderen inspirierenden Frauen aus Kunst, Politik oder Wissenschaft mit von der Partie.

Jeder Band widmet sich dem Leben einer starken Frau, die die Welt veränderte und erzählt ihr Leben kurz und kindgerecht, weshalb die Reihe bereits ab vier Jahren empfohlen wird.
Am Ende jedes Buches findet man ein knappes Kapitel mit Fotos, in dem die Geschichte für Erwachsene nochmal ein wenig ausführlicher behandelt wird.

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Was ich besonders schön finde: so einzigartig wie die Frauen und ihre Geschichten sind auch die Bücher der „Little People, Big Dreams“-Reihe gestaltet. Jeder Band wurde nämlich von einer anderen Künstlerin in ihrem ganz persönlichen Stil illustriert.
Manche Bücher der Reihe sprechen den Leser dadurch vielleicht mehr an als andere, immerhin müssen die Illustrationen ja auch immer den Geschmack der Kunden treffen, allerdings finde ich, daß es die Reihe nur bereichert und umso mehr dazu einlädt, verschiedene Bücher zu sammeln.

Ich kann Euch jedenfalls nur raten, mal einen Blick in „Little People, Big Dreams“ zu werfen, wenn Ihr das nächste mal in einer Buchhandlung seid.
Die Bücher sind ein ganz wunderbares Geschenk für junge Leser, die sich für wahre Heldinnen interessieren, aber auch für ältere, die sich – wie ich – einfach an liebevoll gestalteten Büchern erfreuen!

In vollen Zügen auf der Leipziger Buchmesse 2019

Ein Geständnis am Rande: obwohl ich seit mittlerweile zwanzig Jahren im Buchhandel arbeite, war ich bisher erst einmal auf einer Buchmesse.
Es war wohl im schönen Jahr 2000, als wir damals in der Berufsschule eine Klassenfahrt zur Frankfurter Buchmesse unternahmen. Morgens hin, abends zurück und dazwischen erinnere ich mich eigentlich nur an ein Gefühl der Überforderung.
Es gab keine Ansprechpartner, ich kannte ausser meinen Klassenkameraden und Mitazubis niemanden. Also wanderte ich stundenlang durch die Gänge und wusste nicht, was ich tun sollte, oder was von mir erwartet wurde…

All die Jahre später hat sich die Situation für mich natürlich grundlegend verändert. Durch meinen Beruf, aber noch mehr durch die Bloggerei bin ich in Kontakt mit Verlagsmenschen, Autoren und anderen Bloggern, die ich nun doch endlich mal im richtigen Leben treffen wollte.
Also lies ich mich Akkreditieren, buchte ein Hotelzimmer und beschloß, mir zwei Tage Buchmesse, nämlich am Donnerstag und Freitag zu gönnen.

Mit „Scharnow“ von Bela B im Ohr schaffte ich die vier Stunden nach Leipzig in dreieinhalb und war bereit für was immer mich auch auf der Messe erwarten würde.

Im Vorfeld hatte ich auf Instagram meine Garderobe für die Messe gepostet, so daß jeder meiner Follower, der mich gerne ansprechen wollte eine Ahnung davon hätte, wie ich aussehe. Mein Gesicht ist nämlich nicht besonders einzigartig.
Diese Taktik schien voll aufzugehen, denn noch bevor ich überhaupt das Pressezentrum gefunden hatte, hörte ich eine Stimme hinter mir rufen: „Lesen in vollen Zügen!!! Ich erkenne dich an deinem Kleid!“
Überrascht drehte ich mich um und sah Jakob Bedford, den ich vor ein paar Wochen kennengelernt hatte, als er seinen Roman „Abtrünniges Blut“ bei uns im Laden vorstellte.
Schön, gleich zu Beginn ein freundliches Gesicht zu sehen.

Danach war ich aber zunächst einmal ein wenig erschlagen von den Menschenmassen und den Ausmaßen der Messehallen… So viele Bücher sieht man auch als Buchhändlerin selten auf einem Fleck.
Schön, daß Jakob und ich ein bißchen zusammen herumschlendern konnten und ich dann auch gleich ein paar nette Gespräche am Stand von weissbooks und beim fabelhaften Mare Verlag hatte.

Anschließend traf ich Tobias vom Buchrevier und Ilja von Muromez und zusammen schauten wir bei Vea Kaiser am KiWi-Stand vorbei.
Ihre ersten beiden Bücher habe ich damals unheimlich gern gelesen und aktuell leistet mir ihr neuster Roman „Rückwärtswalzer“ Gesellschaft beim Pendeln. Auch menschlich war ich sofort beeindruckt von ihrem selbstbewussten Auftreten und ihrer netten, direkten Art.
Wir führten ein interessantes Gespräch darüber, wie Autorinnen in Interviews oft damit zu kämpfen haben, daß ihre Weiblichkeit ständig zum Thema gemacht wird. Sie selbst wird seit der Hochzeit immer wieder nach ihrem Kinderwunsch gefragt…
In meinem Freundeskreis gehen aktuell immer mehr Frauen auf die Barrikaden, weil sie diese Frage nicht mehr hören können. Wäre schön, wenn Vea ihre gepfefferte Meinung dazu irgendwann mal niederschreiben würde.
Mich hat sie jedenfalls sofort für sich eingenommen.

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Danach schaute ich bei Harald Kiesel vom 360 Grad Verlag vorbei.
Er verlegt wirklich wunderbare illustrierte Sachbücher, die – das wissen ja vielleicht einige von Euch – einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen einnehmen.
Auch hier muss ich sagen: tolle Bücher und ein toller Mensch der dahinter steht.
Er las mir aus dem Bilderbuch „Mit Opa ist alles anders“, das ich hier demnächst vorstellen möchte vor, in dem das Thema Demenz für Kinder greifbar gemacht wird.
Mein eigener Opa hatte sich vor seinem Tod schon komplett vergessen und so lagen Harald und ich uns irgendwann mit Tränchen in den Augen in den Armen…
Warum war ich nochmal so lange nicht auf Messen?
Die meisten Leute hier sind wirklich wunderbar!

Und weil mich kleine Verlage, die richtig hochwertige Bücher abliefern ja tausendmal mehr begeistern, als große, elitäre Verlage, bei denen man am Stand die Worte „ordinärer Buchhändler“ dreimal in unter einer Minute hört (und nein, ich nenne keine Namen) freute ich mich umso mehr auf mein Treffen mit Marianna vom Reisedepeschen Verlag.
Wer diesen Zweimann-Verlag, der unglaublich schöne Reise-Handbücher und Bildbände herausgibt noch nicht kennt, der sollte dringend mal einen Blick auf ihr Programm werfen.
Von Marianna lies ich mir von dem Abenteuer erzählen, das es ist, einen eigenen Verlag zu gründen und dann gleich nach dem ersten Weihnachtsgeschäft mit der KNV-Insolvenz klarkommen zu müssen.
Und natürlich über Schuppentiere! Denn ein Schuppentier sind nicht nur einfach fabelhaft, es ist auch das Verlagslogo von Reisedepeschen.

Danach ging es dann auch schon weiter zum Bloggertreffen von Klett-Cotta in der R10 Bar, wo mir der beste Schokoladenkuchen der Stadt versprochen wurde und meine Güte… Es war der beste Schokokuchen meines Lebens!
Dort las unter anderem die sympathische Elisabeth R. Hager aus ihrem Roman „Fünf Tage im Mai“ und ich traf so viele andere Blogger, denen ich zum Teil schon folge, seit ich das erste Mal einen Fuß in diese Gewässer gesetzt habe, daß mir immer noch der Kopf schwirrt.
Schön war es!

Nachdem ich mich schweren Herzens von dem Schokokuchen getrennt hatte, nicht ohne ihm zu versprechen, bald wieder zu kommen, brachen wir zur Tropen-Party auf, eigentlich ein Fußweg von fünf Minuten, der sich dank der Orientierung unserer Führer zu einer halbstündigen Nachtwanderung entwickelte.
Immerhin habe ich so auch noch etwas von Leipzig gesehen!

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Auf der Tropen-Party war es dann voll, voller, am vollsten. Trotzdem waren interessante Gespräche möglich, wenn auch das Atmen mit der Zeit schwierig wurde.
Also schnell die gute Silke eingepackt und zurück ins Hotel, schließlich stand mir ja noch ein weiterer Tag bevor.

Am Freitag stand schließlich auch einiges auf dem Programm…

Mittags lud Kiepenheuer und Witsch zur Lesung mit Vea Kaiser im schicken Kongresszentrum. In ihrem neuen Buch „Rückwärtswalzer“ erzählt Vea von der Familie Prischinger und den drei fabelhaften Tanten, die den ganzen Tag mit Kochen und Backen verbringen. Schnell wurde klar, daß sie von ihrer eigenen Familie zu dieser Geschichte inspiriert worden war, denn ihre Tante Waldtraud hatte ihr acht Kilo „Kekse“ für den Notfall mitgegeben. Und mit „Kekse“ war hier keine staubige Angelegenheit gemeint. Wir sprechen hier von Rumkrapfen und Co! Der Schokoladenkuchen vom Vortag hatte durch Tante Waldtraud ernstzunehmende Konkurrenz bekommen!
Dazu dann noch Speckchips und Wein. Nein, darben mussten wir bei Vea Kaiser bestimmt nicht!
Nebenbei erzählte sie auf ihre lustige und charmante Weise aus ihrem Leben und „Rückwärtswalzer“. Ich war begeistert!

Gleich im Anschluß fand das Bloggertreffen des Diogenes Verlags statt. Mit dabei: Daniela Krien, deren Buch Die Liebe im Ernstfall ich ja hier schon vorgestellt habe und das mich sehr bewegt hat.
Nach einem kurzem Gespräch mit Daniela Krien schrieb sie mir eine sehr persönliche Widmung, die mir viel bedeutet, ins Buch. So eine nette Autorin!

Im Anschluß legten sich die Damen von Diogenes mächtig ins Zeug und priesen das kommende Programm so an, daß ich am liebsten jetzt schon jedes Buch daraus in Händen halten würde.

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Am Galiani Stand lauerte ich dann Kat Menschik auf, deren Illustrationen ich ja sehr liebe und die mir mein Exemplar von „Essen essen“ nicht nur signierte, sondern auch mit einem selbstgemachtem Stempel verschönerte.
Wahnsinnig lieb, trotz meiner – zugegebenermaßen – etwas frechen Störung.

Weiter ging es zu Max Schlegel vom Splitter Verlag.
Seit einiger Zeit tauschen wir uns ja per Mail über Graphic Novels aus, nun war es mir eine Freude, ihn endlich einmal persönlich kennenzulernen und darüber zu philosophieren, warum sich die Graphic Novel noch so schwer tut, als ernstzunehmende Kunstform anerkannt zu werden.
Überraschende Trivia: Margaret Atwood, ja genau… DIE Margaret Atwood ist ein begeisterter Comic-Fan und schreibt für ihre eigene Superhelden-Comic-Reihe „Angel Catbird“. Wusste ich vorher auch noch nicht!

Mein letzter Termin auf der Messe war ein spontanes Treffen mit Torsten Woywod vom Dumont Verlag, mit dem ich bisher nur per Mail und Instagram in Kontakt war.
Dabei redeten wir über ein gemeinsames Lieblingsthema: Bücher über Bücher, und ich horchte ihn ein wenig zu seinem ersten Roman aus, an dem er gerade fleißig schreibt.

Danach hieß es Abschied nehmen…
Auf dem Weg nach draußen plauderte ich noch mit einer völlig entkräfteten Nicci und freute mich so, Brösels treuen Gefährten Konrad Freiherr von Keks halten zu dürfen, daß ich ihn beinahe mitgenommen hätte.

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Zurück also nach Bayern, schließlich musste ich am Samstag wieder frisch wie der junge Morgen im Laden stehen.
Was bleibt ist ein großes Gefühl der Dankbarkeit, daß ich nun nach all den Jahren doch endlich mal wieder auf einer Buchmesse war und für all die netten Menschen, die mir begegnet sind.
Egal ob Verleger, Autoren, Verlagsmenschen, Journalisten und Blogger… es war eine absolute Bereicherung, mit Euch allen zu sprechen und so viele Meinungen und Geschichten zu hören.

Also nochmal ein großes DANKE an alle, die ich kennenlernen durfte.
Bis hoffentlich ganz bald mal wieder!

Eure Andrea

Aus dem Leben: Ein eigenes Zimmer

Still ist es in den letzten zwei Wochen auf diesem Blog gewesen…
Der Grund dafür war ebenso anstrengend wie schön und davon möchte ich heute ein wenig erzählen.

Schon vor 90 Jahren schrieb Virignia Woolf in ihrem Essay „A Room of One’s Own“ darüber, wie wichtig es für Frauen ist, ihr eigenes Zimmer zu haben, um kreativ werden zu können.
Nun habe ich zwar nicht vor, plötzlich Weltliteratur aus diesen Tasten zu klopfen, aber schon allein mein kleiner Blog verlangt mir eine gewisse Konzentration ab, die oft schwierig zu erreichen ist. Denn wenn ich schreibe passiert es oft, daß meine Kinder um mich herumtanzen oder auf meinem Bett (der einzige Rückzugsort, den ich bisher innerhalb dieser Wohnung hatte) Trampolin springen.

Wenn mich irgendjemand fragte, was ich mir wünschen würde, wenn ich einen Wunsch frei hätte sagte ich nie: „Weltreise!“ oder „Eine Million Euro!“. Ich sagte immer und ohne zu zögern: „Ein eigenes Zimmer!“

Dabei brauchte ich noch nicht einmal viel Platz. Zwei Quadratmeter für mich, mehr hätte es nicht gebraucht zu meinem Glück!
Jedesmal, wenn ich an Neubausiedlungen vorbeikam, bei denen die Balkone verglast waren, stöhnte ich innerlich auf, wenn ich sah, daß dort in vielen Fällen nur ein Wäscheständer unmotiviert herumstand.
Was hätte ich alles mit diesem Platz machen können!

Dabei hätte ich eigentlich Raum genug gehabt; doch mein schöner großer Schreibtisch wurde von Mann und Sohn zum Computertisch umfunktioniert, was mich zwang, am Küchentisch oder eben im Bett zu arbeiten.
Auch das Elternschlafzimmer in dieser Wohnung ist weiß Gott groß genug, doch zuerst stand dort das Babybett, danach ein Heimtrainer, um den Babyspeck loszuwerden, oder meine Kleider daran aufzuhängen, das dürft ihr entscheiden… Später stapelten sich dann die Kisten mit den abgelegten Klamotten meines Sohnes (irgendwann sollte ja ein zweites Kind kommen, warum also alles weggeben), dann tatsächlich wieder das Babybett und weil sich der Große manchmal nachts alleine fühlte noch das Gästebett…
Ihr merkt schon: das Schlafzimmer, so groß es auch war, verwandelte sich im Lauf der Jahre in eine regelrechte Rumpelkammer in der kein Platz war, um mich irgendwie zurückzuziehen.

Dieses Jahr aber haben wir endlich das Großprojekt „Zimmertausch“ in Angriff genommen!
Die Jungs sollten in das große Schlafzimmer ziehen und für mich ergab sich endlich die Chance, mein neues Zimmer so zu gestalten, daß ich endlich ein wenig Platz für mich haben würde.

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Seit Anfang des Jahres war ich also dabei, auszusortieren und Möbel, Kleidung, Bücher und Spielzeug zu verkaufen, verschenken, zu spenden oder entsorgen.
Wenn man alles, was seit Januar die Wohnung verließ in einen Umzugslaster gepackt hätte, dann wäre er wohl bis zum Rand voll gewesen!
Marie Kondo dürfte begeistert sein.

Danach ging es ans abbauen, einlagern, streichen, einkaufen, aufbauen, einräumen und dekorieren…
Keine Zeit mehr zum Bloggen, kaum noch genug Zeit, den Haushalt halbwegs am Laufen zu halten und, ach ja, in die Arbeit musste ich ja auch noch gehen!
Aber nach zwei unglaublich anstrengenden Wochen liegt das Schlimmste hinter mir und ich freue mich unglaublich über meinen kleinen Raum für mich…

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In Zukunft werdet ihr also wieder regelmäßig von mir hören und hoffentlich komme ich jetzt auch wieder dazu, mehr zu lesen.
Meine neue Umgebung lädt nämlich wirklich sehr dazu ein.

Ab morgen bin ich dann für zwei Tage auf der Leipziger Buchmesse.
ich würde mich sehr freuen, dann ein paar von Euch auch mal persönlich kennen zu lernen.

Liebe Grüße und bis dahin,
Andrea

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Review: Die Liebe im Ernstfall

Vor einigen Jahren hatte ich die Nase gründlich voll von der aktuellen deutschen Literatur. In jedem Buch schien es um einen Mann mittleren Alters zu gehen, der sein mittelmäßiges Leben satt aber keine Ahnung hat, was er denn eigentlich will…
Vielleicht fühlen sich mittelalte Männer dabei tief in ihrem Innersten verstanden, ich fand es irgendwann einfach nur ermüdend.
Also begann ich, deutsche Schriftsteller mehr und mehr zu meiden.
Jeder noch so unbedeutende Nebencharakter in einem amerikanischen Roman schien mehr Persönlichkeit zu besitzen, als die Hauptfiguren der deutschen Autoren.

Doch eines Tages begann mein damaliger Chef von Daniela Kriens Debütroman „Irgendwann werden wir uns alles erzählen“ zu schwärmen.
Als ich meinte, daß ich gerade keine Lust auf deutsche Schriftsteller hätte, redete er so lange auf mich ein, bis ich begann Kriens Roman zu lesen. Zu Recht!
Die Geschichte einer jungen Frau, die in den Wendejahren nach einem Ziel im Leben sucht und sich dabei auf eine ungleiche Affäre einlässt hatte mich sofort gepackt und mir im gleichen Zug den Glauben an die deutsche Literatur zurückgegeben.

Auch Daniela Kriens Erzählband „Muldental“ habe ich seinerzeit gern gelesen, nun war ich natürlich unheimlich gespannt auf ihren neuen Roman „Die Liebe im Ernstfall“.

Darin begleiten wir fünf Frauen ein Stück ihres Lebens. Alle sind auf die eine oder andere Art miteinander verbunden, alle suchen die Liebe und verlieren sie wieder…
Da ist Paula, deren Mann sich nach dem Tod der gemeinsamen Tochter von ihr trennt.
Ihr beste Freundin Judith ist Karrierefrau und selbstbestimmt, trotzdem sucht sie ständig auf Datingportalen im Netz nach dem Richtigen, der ihr etwas geben soll, von dem sie selbst nicht weiß, was es ist.
Ihre Freundin Brida hat lange um ihren Mann gekämpft und eine Familie gegründet, nur um dann zu merken, wie schwer es ihr fällt, ihr eigenes Leben und ihre Romane für die Kinder hintenan zu stellen.
Den Kampf um ihren Mann hatte Brida seinerzeit gegen Malika gewonnen, die nach der Trennung in ein tiefes Loch gefallen ist, aus dem sie nie wieder herausgefunden hat. Die Kinder, die Brida oft verzweifeln lassen, hätte sich Malika gern gewünscht, doch sie ist immer einsam geblieben. Bis sich plötzlich ihre Schwester Jorinde bei ihr meldet. Sie ist schwanger und das Kind nicht von ihrem Ehemann, ihre Schauspielkarriere ist gefährdet. Ob Malika denn nicht dieses Kind haben möchte?

„Die Liebe im Ernstfall“ ist kein Happily Ever After-Buch. Hier geht es um Beziehungen, wenn die Liebe endet; das Geflecht einer gescheiterten Ehe, bei denen sich die Partner dank der gemeinsamen Kinder ein Leben lang verbunden sind, auch wenn es oft schmerzhaft ist.
Es geht um die Liebe und was davon nach Jahren des Zusammenlebens oder der Trennung noch davon übrig ist.

Mir hat Daniela Kriens neues Buch unheimlich aus der Seele gesprochen.
Dabei möchte ich aber an dieser Stelle gar nicht zu persönlich werden. Wer langjährige Beziehungen hatte, wer durch Höhen und Tiefen gegangen ist weiß, wovon ich spreche.
Manchmal brauchen wir Geschichten, bei denen am Ende alle zusammenkommen und glücklich sind. Und manchmal brauchen wir auch Geschichten, die so ehrlich sind uns zu zeigen, wie es danach weitergeht, so wie „Die Liebe im Ernstfall“.

Ein Glück, daß mich mein Chef vor all den Jahren davon überzeugt hat, Daniela Kriens Debütroman zu lesen und ein Glück, daß mich ihr zweiter Roman gerade jetzt erreicht hat.

Review: Was dann nachher so schön fliegt

Eigentlich möchte Volker Winterberg Schriftsteller werden, am liebsten ein gefeierter Lyriker, wie sein großes Vorbild Peter Rühmkorf. In seinen Tagträumen jedenfalls ist Volker schon auf dem Gipfel des Erfolges; er nimmt an Tagungen der Gruppe 47 Teil, die zu dem Zeitpunkt (wir schreiben die 1980er Jahre) natürlich schon lang nicht mehr existiert, oder er trifft bei einem Ausflug plötzlich auf Günter Grass…
Doch all das sind eben nur Tagträume.

In der Realität leistet Volker gerade seinen Zivildienst in einem Altenheim im Ruhrgebiet ab, wo er den pflegebedürftigen Senioren das Essen anreicht, mit ihnen Kontinenztraining macht und ihnen aus der Zeitung vorliest.

Doch dann erhält Volker eine Einladung nach Westberlin. Dort nämlich hat er mit einem seiner Gedichte die Teilnahme an einem Workshop für Nachwuchsschriftsteller gewonnen.
Endlich fühlt sich Volker in seinem Traum Schriftsteller zu werden ernst genommen und kann es kaum erwarten, dem Alltag des Pflegeheimes zu entkommen.

Doch auch in Berlin fühlt sich Volker nicht wirklich richtig am Platz.
Statt anregender Gespräche mit Gleichgesinnten gibt es schon am ersten Tag regelrechte Grabenkämpfe um die Gunst der Dozenten, die er fassungslos verfolgt.
Dennoch scheinen einige andere Teilnehmer absolut davon überzeugt zu sein, daß Volker perfekt in diese Gruppe passt. Gleich zwei davon verlieben sich in ihn und ermutigen ihn, sich für Stipendien und Literaturpreise zu bewerben.
Doch zurück im Altenheim begreift Volker, daß das Künstlerleben in Berlin für ihn genauso unbefriedigend ist, wie ein bürgerliches Leben ohne die Literatur.
Zeit also, einen eigenen Weg zu finden…

„Was dann nachher so schön fliegt“ habe ich auf Empfehlung eines lieben Kollegen hin gelesen, den das Buch schwer begeistert hat. Kein Wunder: immerhin wird er bald Deutschlehrer und die Art und Weise, wie sich Hilmar Klutes Protagonist durch die deutsche Literaturszene der Nachkriegszeit träumt ist aber auch wirklich charmant!

Besonders bezeichnend ist da beispielsweise eine Szene, in der Volker erzählt, wie er sich eine Ohrfeige von einer Klassenkameradin einfängt, als er eine flapsige Bemerkung zu John Lennons Ermordung macht, schließlich hat er keinerlei Bezug zur Musik der Beatles.
Als dann allerdings Heinrich Böll stirbt, ist es plötzlich Volker, der vor Trauer überwältigt ist und nun dafür von den Mädchen in seiner Klasse gefoppt wird.
Welchem Deutschlehrer würde angesichts eines solchen Literaturfanatikers nicht das Herz aufgehen?

Aber auch mir war Volker Winterberg sehr sympathisch.
Es hätte eine dieser Geschichten sein können, in der sich ein junger Mann zu Besserem berufen fühlt und schnell zum Widerling entwickelt, stattdessen verhält sich Volker immer hochanständig.
Als beispielsweise eine Workshopteilnehmerin sowohl von der Gruppe als auch dem Dozenten in Grund und Boden kritisiert wird, weil sie ihre esoterischen Gedichte zu Sphärenklängen vorliest, ist es alleine Volker, der dafür plädiert ihr nachzugehen und mit ihr zu reden.
Und auch die Beschreibung der Arbeit mit den Senioren im Pflegeheim war durchweg wertschätzend. Ich habe damals in meiner FOS-Zeit selbst ein halbes Jahr im Altenheim gearbeitet und fühlte mich durch dieses Buch sehr positiv an dieses Praktikum erinnert.

Hilmar Klute schreibt in einem sehr leichten, humorvollem Stil, bei dem er aber immer wieder durch unglaublich schöne und lyrische Sätze auffällt.
Wer Sven Regener mag, sollte auf jeden Fall mal einen Blick in „Was dann nachher so schön fliegt“ werfen.