Messevorfreude im März

Trotz der grassierenden Corona-Panik freue ich mich wirklich schon ungemein auf die Leipziger Buchmesse. Dieses Jahr habe ich zwar gefühlte tausend Termine und darf das erste Mal an einer Panel-Diskussion teilnehmen, trotzdem ist es für mich immer ein absolutes Fest, so viele Büchermenschen auf einmal zu treffen.
Kurz nach der Messe wird ein noch halbwegs geheimes Projekt das Licht der Welt erblicken und ich bin schon unheimlich aufgeregt, was es dann Ende des Monats alles zu berichten gibt.
Als wäre das nicht schon genug Aufregung, geht auch der Blogbuster Award, bei dem ich in der Bloggerjury sitze, langsam in die nächste Phase; also noch schnell die letzten Manuskripte fertig lesen und einen Favoriten festlegen. – Leichter gesagt als getan…
Ihr merkt schon, der März ist bei mir ganz schön voll mit spannenden Projekten und Treffen, na hoffentlich bleibt da noch ein bißchen Zeit zum Lesen!

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Trotzdem haben es wieder einige Titel auf meinen Lesestapel geschafft, wobei ich Buch Nummer eins schon heimlich still und leise gelesen habe, nachdem es ja in dem Projekt eine Rolle spielen wird: „Nix passiert“ von Kathrin Weßling.
Hier geht es um Alex, der sich nach der Trennung von seiner Freundin bei den Eltern verkriecht und sich mit all den unaufgearbeiteten Problemen konfrontiert sieht, die er seinerzeit zurücklassen wollte.
Obwohl es um schwierige Themen wie Depressionen und Angststörungen geht, ist „Nix passiert“ ein durchweg unterhaltsames und auch humorvolles Buch. Bald mehr dazu!

Eine weitere Autorin, auf die ich schon sehr gespannt bin, ist Anna Hope.
Über „Was wir sind“ schrieb Maria Piwowarski kürzlich, es wäre all das, was sie bei Sally Rooney vermisst hätte. Ich persönlich konnte ja mit „Gespräche mit Freunden“ auch nicht so wirklich warm werden. Hoffentlich geht es mir deshalb bei Anna Hope ähnlich wie Maria.

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Völlig unbeabsichtigt und zufällig ist der Umstand, daß es in den nächsten drei Romanen durchweg um Schwesterngeschichten geht.
In „Long Bright River“ erzählt Liz Moore von einer Polizistin, deren Schwester drogenabhängig ist und auf den Strich geht. Katya Apekina schreibt in „Je tiefer das Wasser“ von zwei Schwestern, die nach dem Selbstmordversuch der Mutter zu ihrem Vater, einem weltberühmten Schriftsteller, geschickt werden und in „Die Glasschwestern“ von Franziska Hauser geht es um Zwillingsschwestern, die durch einen Schicksalsschlag wieder näher zusammen finden.

Schon seltsam, daß man sich manchmal scheinbar völlig verschiedene Titel aussucht, die dann aber alle ein verbindendes Thema haben… Passiert Euch das auch manchmal?

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Gleich drei Graphic Novels sind diesen Monat auf meinem Lesestapel gelandet:
„Das Tagebuch der Anne Frank“ in der Adaption von Ari Folman und David Polonsky ist ja nun schon ein Weilchen auf dem Markt, allerdings gibt es gerade eine günstige Sonderausgabe bei den Zentralen für politische Bildung. Nachdem ich nun schon ewig um dieses Buch herumgeschlichen war, musste ich da natürlich zuschlagen.
Politisch interessant wird es auch in „Jein“ von Büke Schwarz. Hier geht es um eine türkischstämmige Künstlerin, die eigentlich recht unpolitisch ist; bis das türkische Verfassungsreferendum 2017 in ihr die Frage weckt, ob Kunst nicht eben auch politisch ist.
Und zu guter Letzt ist dann noch die neuste Graphic Novel von Liv Strömquist ganz frisch bei mir eingetrudelt: „Ich fühl’s nicht“. – Achtung: Erst ab 12. März im Handel erhältlich!
Bei „I’m every woman“ habe ich ja damals Tränen gelacht, beim ersten Anlesen des neusten Titel ging es mir ganz ähnlich.

Das ist er also, der Märzstapel…
Kennt schon den ein oder anderen Titel und wie fandet Ihr ihn?
Und sehen wir uns in Leipzig?

Bis bald,
Eure Andrea

Review: Rate, wer zum Essen bleibt

Vor etwa einem Jahr meinte mein Kollege, ich solle doch bei YouTube nach „Steiner & Tingler“ suchen; das Format würde ihm so gut gefallen. Tatsächlich war ich auch sofort hin und weg von den kurzen Clips, in denen sich Nicola Steiner und Philipp Tingler über Literatur und alles darum herum unterhalten. Außerdem ist Tingler regelmäßiger Gast beim SFR Literaturclub, der ebenfalls von Nicola Steiner moderiert wird.
Philipp Tingler war mir mit seiner charmanten, aber auch sehr direkten Art sofort sympathisch, doch als Romanautor hatte ich ihn bisher noch gar nicht auf dem Schirm gehabt.

Im Herbst ist nun sein neustes Buch „Rate, wer zum Essen bleibt“ erschienen und nachdem ich zwischenzeitlich viel von Philipp Tingler gesehen hatte, war ich nun auf sehr auf seine Schreibe gespannt.

Felix und Franziska sind ein erfolgreiches Ehepaar: Felix ist Kritiker in einer bekannten Literatursendung, Franziska Akademikerin. Beide ergänzen sich wunderbar, klarer Fall also, daß Felix seine Frau bei einem wichtigen Abendessen mit dem Dekan ihrer Uni unterstützen will. Dort ist nämlich eine Stelle frei geworden, auf die es Franziska abgesehen hat und so wird der Abend bis ins letzte Detail geplant… – Doch dann passiert etwas völlig Unerwartetes.
Statt des Dekans und seiner Frau steht plötzlich Felix‘ alte Studienfreundin Conni vor der Tür. Die hat Felix nämlich im Fernsehen gesehen und sich kurzerhand entschlossen, vor ihrem Rückflug nach New York, wo sie mittlerweile lebt, unangemeldet vorbeizuschauen. Völlig überrumpelt lädt Felix Conni ein, zum Essen zu bleiben und noch bevor Franziska eingreifen kann, kommen auch schon der Dekan und seine Frau an.
Damit beginnt die Katastrophe; zumindest für Franziskas berufliche Zukunft, denn Conni hat absolut keinen Filter zwischen Gehirn und Mund und sie lässt kein Fettnäpfchen und keine Gelegenheit aus, um alle am Tisch in Verlegenheit zu bringen.
Grund genug also, Conni schnellstmöglich wieder loszuwerden, doch die ist ganz offenbar gekommen um zu bleiben. Während des Essens wird sie nämlich so krank, daß ein herbeigerufener Arzt Conni strikte Bettruhe verschreibt und so müssen Felix und Franziska den ungebetenen Hausgast beherbergen, während sich auch für die folgenden Tage eine ganze Reihe wichtiger Besuche ankündigt…

„Rate, wer zum Essen bleibt“ liest sich beinahe wie ein Theaterstück mit seinen pointierten und spitzfindigen Dialogen und den überzeichneten, etwas schrulligen Charakteren.
Dabei entwickelten sich gerade Connis anstrengenden und ungefilterten Aussagen, die man in echten Leben vermutlich keine zwei Stunden ertragen könnte, zu meinen absoluten Lieblingsszenen des Buches.
Vermutlich kommt dieser extrem trockene Witz und Connis fast schon naiv ehrliche und direkte Art nicht bei allen Lesern gleichermaßen gut an, für mich hat Philipp Tingler aber genau den richtigen Humor. Ich musste immer wieder laut loslachen, mich fremdschämen und in manchen Situationen vor Unbehagen fast schon winden.

Sollte „Rate, wer zum Essen bleibt“ also tatsächlich einmal als Theaterstück aufgeführt werden, ich würde auf jeden Fall hingehen.

Review: Das Evangelium der Aale

Wenn man mir noch vor ein paar Wochen gesagt hätte, daß ein Sachbuch über Aale zu meinen Favoriten dieses Frühjahrs gehören würde, dann hätte ich denjenigen vermutlich für verrückt erklärt!
Mit Aalen hatte ich bisher so gar nichts am Hut und um ehrlich zu sein, wusste ich nicht das Geringste über sie. Doch dann wurde mir „Das Evangelium der Aale“  des schwedischen Journalisten Patrik Svensson empfohlen und schon das erste Kapitel faszinierte mich so sehr, daß ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte.

Viele empfinden den Aal als eklig, manche lieben es, ihn zu essen, für Svensson war er ein wichtiges Bindeglied zwischen ihm und seinem Vater.
Als Kind verbrachten die beiden viele Abende gemeinsam beim Aalfischen und auch später, als sie das nicht mehr gemeinsam taten, war es doch ein verbindenes Thema, auch wenn Vater und Sohn immer weniger gemeinsam zu haben schienen…

Der Aal ist ein wirklich faszinierendes Wesen, wenn man sich denn einmal mit ihm beschäftigt. Berühmte Wissenschaftler, wie Aristoteles, der eben nicht nur Philosoph war, oder auch Sigmund Freud, bissen sich die Zähne daran aus, herauszufinden, was es eigentlich mit dem Aal auf sich hat.
Denn der Lebensweg dieser Fische ist wirklich spannend: Er beginnt in der Sargassosee, nahe der Karibik, wo die Aale das Licht der Welt erblicken. Als sogenannte Weidenblattlarven treiben sie mit dem Golfstrom in Richtung der europäischen Küsten, wo sie eine Metamorphose vollziehen und zu Glasaalen werden; dünne, etwa fingerlange durchscheinende Fischlein, die besonders im Baskenland als Delikatesse gelten.
Sie beginnen, die Flüsse hinaufzuschwimmen und verwandeln sich ein weiteres Mal. Diesmal in den Gelbaal, den man wohl vor Augen hat, wenn man eben an Aale denkt.
So lebt er für viele Jahre in den Flüssen uns Seen und kann unter bestimmten Umständen ein geradezu biblisches Alter erreichen; offenbar lebte ein Aal – abgeschnitten vom Rest der Welt – an die 150 Jahre in einem Brunnen.
Doch früher oder später folgen sie einem Ruf der Natur und beginnen, die Flüsse wieder Richtung Meer herabzuschwimmen und eine letzte Metamorphose zu durchlaufen: die zum Blankaal.
Erst jetzt entwickelt der Aal Geschlechtsorgane, er hört auf zu fressen und wendet alle im verbleibende Kraft dafür auf, um wieder zu dem Ort zu gelangen, von dem er kam: zur Sargassosee. Was aber dort passiert, das hat die Wissenschaft auch bis heute nicht vollständig erforschen können.
Man weiß, daß die Aale dorthin schwimmen und nicht mehr zurückkehren und man weiß, daß hier kurze Zeit später die kleinsten Weidenblattlarven gefunden werden, doch wie sich der Aal vermehrt, das hat noch niemand beobachten können.

Bis heute gibt der Aal uns viele Rätsel auf, dabei ist ein tieferes Verständnis dieses Fisches unablässig, wenn wir ihn schützen wollen. Denn seine Art ist durch Überfischung, die Turbinen der Wasserkraftwerke, aber vor allen Dingen durch steigende Wassertemperaturen vom Aussterben bedroht. Und es ist fast völlig unmöglich, den Aal nachzuzüchten, um die Bestände wieder zu erhöhen.

Patrik Svensson gelingt es in diesem Buch eine persönliche und berührende Geschichte mit faszinierenden Fakten zu vermischen. Dabei schreibt er ebenso informativ, wie poetisch.

„Das Evangelium der Aale“ ist definitiv eines meiner Frühlings-Highlights und ich kann es jedem, der hin und wieder ein gutes Sachbuch lesen möchte nur ans Herz legen. Auch, wenn man Aale vielleicht anfangs ein wenig eklig findet.

Review: Die Bagage

Ein Buch, auf dessen Erscheinungstermin ich mich schon seit Monaten freue, nämlich seit mir das Manuskript in die Hände fiel und ich es fast in einem Rutsch durchlas, ist „Die Bagage“ von Monika Helfer.
Dabei war mir die Autorin vorher – wie ich zu meiner Schande gestehen muss – noch gar kein Begriff. Natürlich erinnerte ich mich nach kurzer Recherche dann doch daran, daß sie 2017 mit ihrem Roman „Schau mich an , wenn ich mit dir rede!“ auf der Longlist des Deutschen Buchpreises stand. Daß Monika Helfer aber schon seit den 1970er Jahren Romane, Hörspiele und Theaterstücke schreibt und mit Michael Köhlmeier verheiratet ist, das alles hatte ich gar nicht auf dem Schirm.
Mit „Die Bagage“ hat sie ihr nun wahrscheinlich autobiografischstes Werk vorgelegt, in dem sie sich der Geschichte ihrer Familie und der ungewissen Herkunft der Mutter widmet.
Im Winter hatte ich die große Freude, Monika Helfer bei einem Abendessen, bei dem sie „Die Bagage“ vorstellte, kennenlernen zu dürfen. Dort meinte sie, sie hätte immer ein wenig „um den heißen Brei herumgeschrieben“. Die Geschichte, die sie eigentlich immer hatte erzählen wollen, wäre diese gewesen.

Vor gut hundert Jahren leben Monika Helfers Großeltern Maria und Josef mit ihren vier Kindern etwas außerhalb eines kleinen Bergdorfes. Sie sind die letzten, die hierhergezogen sind und haben deshalb nur das Land bekommen, das noch übrig war; karger Boden, auf dem nur wenig wächst und ohne eigenen Brunnen. Von den Dorfbewohnern werden sie deshalb nur „die Bagage“ genannt.
Trotzdem kommt die Familie gut zurecht, denn Josef hat ein gewisses Talent dafür, Geschäfte zu machen und ist mit einflussreichen Leuten befreundet, unter anderem dem Bürgermeister des Dorfes.

Doch dann bricht der Erste Weltkrieg aus und Josef wird zum Kriegsdienst eingezogen. Maria bleibt mit den Kindern alleine zurück; ohne Einkommen, fruchtbaren Boden und auf die Großzügigkeit der Freunde ihres Mannes angewiesen.
Ausgerechnet in dieser Zeit wird Maria erneut schwanger. Diesmal mit einer Tochter, die später Monika Helfers Mutter werden wird. Doch woher dieses Kind kommt, bleibt ein Familiengeheimnis, dem die Autorin in diesem Roman nachspürt.
Mithilfe der Erzählungen ihrer ältesten Tante versucht Monika Helfer herauszufinden, was damals geschah und wer ihr Großvater ist. Ist es Josef, der während des Krieges hin und wieder auf Heimaturlaub zurückkehrt? Ist es die Geschichte einer großen Liebe oder die eines Verbrechens?
Aber nicht nur das Geheimnis um Marias Schwangerschaft treibt die Familie um, denn als im langen Kriegswinter das Essen knapp wird bedarf es eines drastischen Plans, um zu überleben…

Monika Helfers Familiengeschichte hat mich sehr berührt. Als mir dann bei dem Abendessen mit der Autorin klar wurde, wie nah an der Realität sie in ihrer Erzählung geblieben ist, hatte ich einen dicken Kloß im Hals.

Der Leser wird schnell an Titel wie „Ein ganzes Leben“ von Robert Seethaler oder „Unter der Drachenwand“ von Arno Geiger erinnert werden, doch anders als in den Geschichten kriegsmüder Männer wird hier ein anderer, meiner Meinung nach ebenso eindringlicher Kampf ums Überleben geschildert, nämlich der der Frauen, die daheim blieben, die versuchten, ihre Kinder satt zu bekommen und dabei auch immer noch auf ihren guten Ruf achten mussten.

Monika Helfers Protagonisten sind mehr als nur einfache Kunstfiguren. Man spürt, daß sie hier von realen Menschen erzählt, die ihr sehr nah gestanden sind. Das Leseerlebnis wird damit umso eindringlicher und intensiver.
Auch der ruhige, bildhafte Stil der Autorin ist einzigartig, wie sie immer wieder vorgreift, zurückblickt und die wichtigsten Ereignisse gerne dreimal aus leicht verschiedenen Blickwinkeln erzählt, so wie es ihre Tante damals getan hat.

Für mich ist „Die Bagage“ eines der Highlights der Saison und wäre meiner Meinung nach ein verdienter Kandidat für die nächste Longlist des Deutschen Buchpreises.

Viel vor im Februar

Ja, ich habe wirklich viel vor im Februar und nein, an diesem Lesestapel sieht man das nicht!
Nach wie vor bin ich dabei meinen SUB abzubauen, der – nicht zuletzt dank meiner gewaltigen Renovierungsaktion im Januar – liegengeblieben ist, Manuskripte für den Blogbuster Award zu lesen und an ein, zwei Projekten zu arbeiten, von denen erst dann die Rede sein wird, wenn auch alles wirklich spruchreif ist.
Auf ein paar Titel warte ich diesen Monat noch, die vielleicht eingeschoben und dann hier im März nachgereicht werden. Solange gibt es erstmal nur einen kleinen Februarstapel, aber ich stecke mir eben lieber realistische Ziele.

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Den ersten Titel habe ich dann auch ehrlich gesagt schon gelesen, als er mir im Herbst als Manuskript in die Finger gefallen ist. Seitdem habe ich begeistert auf den offiziellen Erscheinungstermin gewartet, damit ich ihn endlich im Laden empfehlen kann: „Die Bagage“ von Monika Helfer.
Zu meiner Schande muss ich gestehen, daß ihr Name bei mir nichts klingeln hat lassen, obwohl sie schon seit den 1970er Jahren Romane, Theaterstücke und auch Hörspiele schreibt und 2017 mit ihrem Roman „Schau mich an, wenn ich mit dir rede!“ auf der Longlist des Deutschen Buchpreises stand. Asche über mein Haupt!
Denn mit „Die Bagage“ hat Monika Helfer eines meiner liebsten Bücher der Saison geschrieben. Nächste Woche muss ich dann auf jeden Fall ausführlich von diesem Buch erzählen!

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Buch Nummer zwei liegt zwar auch schon seit dem Herbst als Manuskript bei mir, allerdings habe ich so hohe Erwartungen daran, daß ich fast schon ein bißchen Angst habe, es zu lesen: „Marianengraben“ von Jasmin Schreiber.
Es geht darin um Tod und Trauer, aber auch um den Roadtrip von zwei recht ungleichen Menschen. Jedenfalls hat mir Kaffeehaussitzer Uwe auf der Buchmesse so von diesem Romandebüt vorgeschwärmt, daß ich gleich Tränen in den Augen hatte.
Ende des Monats erscheint „Marianengraben“ nun und bis dahin will ich es definitiv gelesen haben und berichten, ob es meine Erwartungen erfüllen konnte.

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Zwei Titel, von denen ich noch so gut wie gar nichts weiß, die mir aber von Menschen ans Herz gelegt wurden, deren Geschmack ich immer sehr schätze, sind „ewig her und gar nicht wahr“ von Marina Frenk und „Nach Matthias“ von Peter Zantingh.
Ersteres steht schon in den Läden, letzteres wird gegen Ende des Monats erscheinen.

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Zu guter Letzt entschied ich mich noch für ein comfort read, nämlich „Confessions of a Bookseller“ von Shaun Bythell.
Der Vorgänger, „Tagebuch eines Buchhändlers“, hat mich im Dezember sehr unterhalten und zum Schmunzeln gebracht. Vor allem, wenn man sich denkt, daß Shaun bei der Schilderung seiner exzentrischen Mitarbeiterin Nicky wohl bestimmt übertreibt, man dann aber schnell eines Besseren belehrt wird, wenn man die Videos auf der Facebook-Seite von „The Book Shop“ anschaut.
Der zweite Teil von Shaun Bythells Tagebüchern ist bisher noch nicht übersetzt worden, also habe ich einmal wieder auf Englisch zugeschlagen.

Mehr habe ich mir für den Februar noch nicht vorgenommen, denn wie gesagt; es gibt für mich zurzeit viel nebenher zu tun und es werden auch noch einige andere Titel im Laufe des Monats meine Aufmerksamkeit verlangen.
Was es alles damit auf sich hat… Wie gesagt: Wenn die Zeit reif ist!

Ich wünsche Euch allen einen entspannten und vor allen Dingen gesunden Start in den Februar!

Eure Andrea

Review: Schwarze Seerosen

Michel Bussi ist Krimilesern von Titeln wie „Das Mädchen mit den blauen Augen“ oder „Fremde Tochter“ bestimmt ein Begriff. Eines seiner früheren Werke „Nymphéas noirs“ („Schwarze Seerosen“) ist zwar bisher nicht ins Deutsche übersetzt worden, allerdings dank des Splitter Verlags nun als Graphic Novel auch für die deutschsprachige Leserschaft erhältlich.

Wer sich – wenn auch nur kurz – mit dem französischen Impressionisten Claude Monet beschäftigt hat, der wird auch den Namen Giverny schon einmal gehört haben. In diesem kleinen Dorf lebte und arbeitete der Künstler viele Jahre lang; hier legte er den Seerosenteich an, an dem er seine berühmtesten Bilder malte.

In ebendiesem idyllischen Dörfchen geschieht ein Mord. Der wohlhabende Augenchirurg Jéròme Morval wird tot in einem kleinen Bach gefunden: erschlagen, erstochen und ertränkt… Jemand muss folglich einen großen Hass auf diesen Mann gehabt haben.
Die Ermittler stoßen auch schon bald auf ein mögliches Motiv, denn Morval war ein Frauenheld, der viele Affären hatte. Könnte es sein, daß seine Ehefrau, ein eifersüchtiger Ehemann oder eine verlassene Geliebte den Mord begangen hat?
Doch auch andere Motive kommen in Frage. So war es Morvals größter Wunsch, einen echten Monet zu besitzen. Ist er deshalb mit zwielichtigen Kreisen in Kontakt gekommen?
Und was hat es mit der geheimnisvollen Postkarte auf sich, die in der Jackentasche der Leiche gefunden wurde? Darin wird jemandem zur 11. Geburtstag gratuliert, doch wem?
Als die Polizei herausfindet, daß in den 1930er Jahren an der gleichen Stelle ein elfjähriger Junge tot aufgefunden wurde, wird die Verwirrung immer größer.
Hängen die beiden Todesfälle irgendwie miteinander zusammen?

„Schwarze Seerosen“ beginnt fast wie ein Märchen:
„In einem Dorf lebten drei Frauen… Die erste war böse… Die zweite eine Lügnerin… Die dritte eine Egoistin…“
Die drei Frauen, um die es geht, könnten unterschiedlicher nicht sein. Die erste ist eine über achtzigjährige Witwe, „zumindest fast“, wie sie sagt, die im Turm der „Hexenhaus“ genannten Mühle lebt und als stumme Beobachterin mehr weiß, als sie preisgibt.
Die zweite Frau ist Mitte dreißig und in einer unglücklichen und kinderlosen Ehe gefangen.
Die dritte im Bunde ist ein elfjähriges Mädchen, die das Malen liebt und davon träumt, eines Tages an einer angesehenen Kunsthochschule zu studieren.
Alle drei haben eines gemeinsam: Sie wollen weg aus Giverny und ihrem alten Leben, und alle drei werden in den Ermittlungen um den Mord eine große Rolle spielen…

„Schwarze Seerosen“ hat mich absolut begeistert. Die Geschichte ist großartig inszeniert und auch wenn den Leser hin und wieder eine leise Ahnung beschleicht, wie alles zusammenhängen könnte, begreift man wirklich erst ganz am Schluss, was da eigentlich passiert ist. Das als Graphic Novel umzusetzen, muss eine große Herausforderung gewesen sein, die aber perfekt gelungen ist.

Krimis sind ja meist keine Bücher, die man zweimal liest, schließlich kennt man dann die Lösung schon, doch im Fall der „schwarzen Seerosen“ lohnt es sich absolut, die Geschichte noch einmal zu lesen um zu begreifen, wie gekonnt man hier von Autor Michel Bussi, sowie Fred Duval und Didier Cassegrain, die für die Adaption zur Graphic Novel verantwortlich waren, in die Irre geführt worden ist.

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Die Illustrationen fangen die Stimmung in dem verschlafenen Dörfchen ganz wunderbar ein und nutzen gelegentlich auch bekannte Motive von Monet, um die Handlung der Geschichte darin einzubetten.
Beim Blättern bekommt man jedenfalls sofort Lust, seine Sachen zu packen und Giverny einen Besuch abzustatten.

„Schwarze Seerosen“ ist für mich eine der gekonntesten und besten Romanadaptionen, die ich in dieser Form gesehen habe.
Für mich ein absolutes Highlight und eine ganz große Leseempfehlung!

Review: Die Nibelungen

Wer mich zumindest ein bißchen kennt, weiß wie sehr ich illustrierte Bücher liebe, aber vielleicht auch, daß ich die Bände der Insel-Bücherei mit Begeisterung sammle.
Die derzeit schönsten sind da für mich die aus der von Burkhard Neie gestalteten Reihe, in der bereits Deutsche Balladen, Helden- und Volkssagen erschienen sind. Dabei liebe ich nicht nur den Illustrationsstil, sondern auch die Auswahl der Sagen und Balladen.

Nun erschien in der großformatigen Ausgabe der Insel-Bücherei das nächste von Burkhard Neie gestaltete Buch und was würde nach Dichtung und Sagen besser passen, als seine Interpretation der Nibelungen-Sage?

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Die Geschichte ist bekannt: Siegfried von Xanten wird durch das Bad im Blut eines Drachen bis auf eine kleine Stelle zwischen den Schulterblättern unverwundbar. Bei einem weiteren Abenteuer gelangt er außerdem in den Besitz einer Tarnkappe, die ihn Unsichtbar machen kann und er gewinnt den Hort der Nibelungen; einen schier unermesslich großen Goldschatz.
Als er nach Worms an den Hof der Burgunder kommt, verliebt er sich in Kriemhild, die Schwester von König Gunther, der aber hat eine Aufgabe für Siegfried, bevor er ihm die Hand seiner Schwester geben will. Gemeinsam reisen sie nach Island, wo Gunther die Kriegerkönigin Brünhild zur Frau nehmen will, doch die will nur denjenigen heiraten, der sie im Kampf besiegt. Schnell ist klar, daß er keine Chance gegen Brünhild hat, doch dank der Tarnkappe kann im Siegfried unsichtbar zur Seite stehen und so den Kampf für Gunther entscheiden. Brünhild wird Gunthers Frau und reist mit ihm zurück nach Worms, wo Siegfried und Kriemhild heiraten, doch schon nach kurzer Zeit kommt es zum Eklat: Kriemhild verrät Brünhild im Streit, daß nicht Gunther, sondern Siegfried im Kampf gegen sie gewonnen hat, woraufhin die Königin Rache schwört.
Hagen von Tronje, der Onkel des Königs, überredet Kriemhild die Stelle an der Siegfrieds verwundbar ist mit einem kleinen Kreuz an seiner Tunika zu markieren, vorgeblich um Siegfried so besser schützen zu können, doch nur kurze Zeit darauf ermordet Hagen Siegfried bei einem Jagdausflug.
Kriemhild ist voller Hass auf ihre Familie, die den Mord an Siegfried nicht rächen will und beginnt, den Nibelungenhort nach und nach zu verschenken, was ihre Brüder verhindern wollen. Wieder einmal mischt sich Hagen ein und versenkt den kompletten Schatz kurzerhand im Rhein.
Als Jahre später ein Botschafter der Hunnen an den Hof der Burgunder kommt und in König Etzels Namen um Kriemhilds Hand anhält, sieht sie endlich ihre Chance gekommen, doch noch Siegfrieds Mord zu rächen…

Natürlich kannte ich die Geschichte durch Bücher und Filme schon, trotzdem war es ein großer Genuss, diese Nacherzählung von Gretel und Wolfgang Hecht zu lesen. Die beiden haben einen angenehmen Ton gefunden, der zwar die alte und sehr getragene Sprache gut wiedergibt, der aber so spannend ist, daß man als Leser durchgehend mitfiebert.

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Die Illustrationen von Burkhard Neie treffen, wie immer, genau meinen Geschmack.
Vorwiegend in orangerot und blaugrau setzt er die Handlung in Szene, wobei er die Charaktere meist in an M.C. Escher erinnernde, grafische Umgebungen platziert. Dabei kombiniert er oft überraschende Elemente, die den Illustrationen seine ganz persönliche, etwas surrealistische Note geben.

„Die Nibelungen“ sind eine ganz wunderbare Ergänzung zur Burkhard Neie-Reihe der Insel-Bücherei, die mich durch die gekonnte Nacherzählung und die kraftvollen Bilder absolut begeistern konnte.

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