Stapelweise Neues im September

Es ist schon komisch… Da denkt man, der Sommer würde ewig dauern, dann kommt ein Regentag, an dem man fast schon froh ist, daß man ein wenig Abkühlung hat, doch dann ist der nächste Tag ebenfalls verregnet und der Tag darauf bewölkt und man begreift, daß der Sommer von einem auf den anderen Tag vorbei ist.
Kaum zu glauben, daß ich vor nicht einmal zwei Wochen noch im Meer geschwommen und geschnorchelt bin!
Doch jetzt hat mich die Arbeit wieder, ein riesiger Stapel mit Herbstnovitäten wartet darauf gelesen zu werden, die Longlist des Deutschen Buchpreises steht fest und mit dem September beginnt meine liebste Zeit des Jahres.

Wie immer in den letzten Monaten, seit der Podcast mein Leben im Griff hat, zeige ich euch hier ein buntes Sammelsurium an Büchern, die ich diesen Monat lesen möchte, die ich bereits angelesen oder zum Teil auch schon beendet habe.
Es ist jedenfalls eine spannende Titelauswahl, die ich euch heute vorstellen möchte.

Von der Longlist des Deutschen Buchpreises hatte ich vor Erscheinen der Auswahl nur zwei Titel gelesen: „Allegro Pastell“ von Leif Randt, das Andi und ich im Podcast schwer gefeiert haben, und „Der letzte Satz“ von Robert Seethaler, der Ende August noch auf meinen Lesestapel gerutscht war und deshalb hier bisher noch nicht aufgetaucht ist.
Einen Titel der Longlist, den ich unbedingt noch lesen wollte, ist „Triceratops“ von Stephan Roiss; schon alleine, weil ich nicht an diesem unheimlich liebevoll gestalteten Buch vorbei gehen konnte.
Die Handlung und auch die Erzählweise beginnt recht unorthodox, immerhin spricht der Erzähler von sich selbst als „wir“. Trotzdem entwickelt die Geschichte einen ungemeinen Sog, der mich sehr gespannt auf das macht, was noch kommt.


Drei dünne Titel von jungen deutschsprachigen Autoren, die mich sehr für sich einnehmen konnten sind „Land in Sicht“, „Das Palais muss brennen“ und „Carnival“.

Ilona Hartmanns Debütroman „Land in Sicht“ hat sich zu meinem Urlaubslektüre-Highlight entwickelt. Darin macht sich die 24-Jährige Jana auf die Suche nach ihrem Vater und landet auf einem Flusskreuzfahrtschiff, dessen Passagiere allesamt Janas Groß- und Urgroßeltern sein könnten.
Ein wirklich humorvolles Buch, das die Suche nach dem leiblichen Vater aber auch sehr herzlich und ehrlich beschreibt.

Ein weiteres Romandebüt ist „Das Palais muss brennen“ von Mercedes Spannagel, in dem die aufmüpfige Tochter der rechtskonservativen österreichischen Bundespräsidentin die Regierung stürzen will.
Am Wochenende habe ich bereits die ersten Kapitel angelesen und war von der Idee und der schwarzhumorigen Erzählweise sehr begeistert.

Ein weiterer dünner Titel, den ich schon gelesen habe und der mich sofort in seinen Bann geschlagen hat, ist „Carnival“ von Philipp Winkler.
Für sein Debüt „Hool“ stand der Autor auf der Shortlist des Deutschen Buchpreis 2016 und gewann den aspekte-Literaturpreis. Mit „Carnival“ legt er nun eine sehr atmosphärische Erzählung vor, die ein Abgesang auf Jahrmärkte und Kirmessen ist.
Gerade in diesem Jahr, in dem eben all die aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt wurden, liest sich dieses Büchlein mit einer ganz besonderen Wehmut.


Weiter geht es mit noch mehr deutschsprachigen Autoren.

In „Das Rauschen der Nacht“ erzählt André Hille von einem Paar, das endlich eine Familie gegründet und ein eigenes Haus gebaut hat. Doch wie der Putz der Hausfassade, so bekommt auch das Leben des Protagonisten immer mehr Risse.

Am 10. September erscheint mit „Hamster im hinteren Stromgebiet“ der fünfte Teil der „Alle Toten fliegen hoch“-Reihe von Joachim Meyerhoff, in dem er seinen Schlaganfall und die Zeit danach verarbeitet. An sich ein schwieriges Thema, das Meyerhoff aber mit seinem gewohnten Witz ganz wunderbar zu verpacken versteht.

Oliver Hilmes ist ja für mich einer der wenigen Sachbuchautoren, die es schaffen, so zu schreiben, daß man nie das Gefühl hat, man würde mit Wissen vollgestopft, sondern die einen in erster Linie ganz großartig unterhalten.
Seine Alma Mahler-Werfel Biografie „Witwe im Wahn“ ist eines meiner liebsten Sachbücher und auch sein Buch zur Olympiade von 1936 „Berlin 1936“ hat mich schwer begeistert.
In „Das Verschwinden des Dr. Mühe“ widmet sich Hilmes nun einem Kriminalfall von 1932, auf den er eher zufällig bei seinen Recherchen zum Olympia-Buch gestoßen ist und der ihn nie ganz losgelassen hat.
Für mich besonders spannend: Während des Lockdowns habe ich alle Gereon Rath-Krimis von Volker Kutscher als Hörbuch durchgesuchtet. Jetzt stoße ich bei Hilmes auf viele bekannte Namen.


An Annie Ernaux hat ja in den letzten Jahren kein Weg vorbeigeführt, trotzdem habe ich noch keins ihrer Bücher gelesen. Das aktuelle Buch, das nun übersetzt wurde, heißt „Die Scham“ und lässt mich verstehen, warum so viele Leser:innen Annie Ernaux schätzen und lieben, auch wenn ich das Gefühl habe, nicht so ganz mit der Handlung warmzuwerden. Es fühlt sich im Moment so an, als würden mir zu viele Hintergrundinformationen zu Ernaux aus ihren früheren autobiografischen Werken fehlen.

Ein Titel, der perfekt zu diesem Monatsstapel passt, ist die „Septembernovelle“ von Johan Bargum.
Darin geht es um zwei Männer, die zu verschiedenen Zeiten mit derselben Frau verheiratet waren. Nach deren Tod begeben sich die beiden auf einen Segeltörn, von dem nur einer wieder zurückkehren wird.

Sehr gespannt bin ich ich auch auf den neusten Roman von Elena Ferrante. Während ich „Die Frau im Dunkeln“ als komprimiertes Psychogramm einer älteren Frau ganz großartig fand, war ich dann sehr überrascht über den völlig anderen Erzählton in „Meine geniale Freundin“. Ob wirklich unterschiedliche Autor:innen dahinter stecken?
„Das lügenhafte Leben der Erwachsenen“ lässt sich jedenfalls schon gut an, erinnert mich aber vom Stil her eher an die Neapolitanische Saga.


Der Titel, zu dem ich aktuell am häufigsten greife, ist „Hundert Augen“ von Samanta Schweblin. Darin lässt sie ein neue technische Spielerei auf die Menschheit los: die Kentukis.
Diese kleinen Plüschtiere, die sich über das Internet steuern lassen, verbinden die unterschiedlichsten Menschen auf der Welt anonym und bringen dabei die besten wie die schlechtesten Eigenschaften vieler User ans Licht.

Nachdem mich ja „Gespräche mit Freunden“ letztes Jahr nicht wirklich vom Hocker gehauen hat, will ich Sally Rooney trotzdem noch eine Chance geben. Und wieder lese ich nur Kritiken, die „Normale Menschen“ entweder feiern, oder es richtig schlecht finden.
Auch diesmal bin ich gespannt, wo ich mich positionieren werde.


Last but not least gibt es jetzt beim Bohem Verlag eine tolle neue Reihe mit dem handlichen Titel „Große Weltklassiker der britischen Literatur – Kurz & Gut erzählt in Zitaten und Bildern“.
Dabei handelt es sich um vier Klassiker, die in einem wunderschön gestalteten Leporello mit Schuber auf wenigen Seiten erzählt und erklärt werden.
Aktuell gibt es in der Reihe: „Romeo und Julia“, „Alice im Wunderland“, „Der geheime Garten“ und „Stolz und Vorurteil“.
Eine wirklich tolle Reihe, die ich euch schon bald genauer vorstellen möchte.

Ihr seht schon: Für den September habe ich mir wirklich einiges vorgenommen.
Welche der vorgestellten Titel kennt ihr vielleicht schon und auf welche seid ihr ganz besonders gespannt?

Ich wünsche euch einen ganz wunderbaren Start in den Herbst.
Andrea

Autor: Lesen... in vollen Zügen

Seit 20 Jahren arbeite ich als Buchhändlerin in München und seit 2017 gibt es nun "Lesen... in vollen Zügen". Hier möchte ich euch vorstellen, welche Bücher mich gerade bewegen. Meine Beträge verfasse ich im Plauderton, eben so, wie ich auch mit meinen Kunden im Laden ins Gespäch komme. Der Schwerpunkt liegt dabei auf aktueller deutsch- und englischsprachiger Literatur. Aber ich bin auch ein großer Fan von schönen Illustrationen und stelle deshalb regelmäßig Graphic Novels und spannende illustrierte Sachbücher vor. Zu meinen Lieblingsautoren gehören Haruki Murakami, Banana Yoshimoto und Amélie Nothomb. Außerdem mache ich mir immer wieder Gedanken zum Thema Leseverhalten in der Rubrik Mein Leben als Leser und plaudere aus dem Nähkästchen in Bekenntnisse einer Buchhändlerin. Wem jetzt aber die Züge bei "Lesen... in vollen Zügen" zu kurz kommen, der kann gerne bei In vollen Zügen nach… vorbei schauen. Hier berichte ich von meinen Zugreisen, den Büchern, die mich dabei begleiten, den Städten die ich besuche und natürlich auch von schönen Buchhandlungen, die es dort zu entdecken gibt.

6 Kommentare zu „Stapelweise Neues im September“

  1. Selbstredend mag und freue ich mich auf die Bohem Reihe. ENGLISCHE KLASSIKER UND LUSTIERT! Ich hoffe allerdings, dass noch ein paar nicht ganz so bekannte Titel aus der Weltliteratur der britischen Insel es in die Reihe schaffen. Diese Titel sind schon so durchgehechelt, auch als Iustrationen. Aber schauen wir mal! Grundsätzlich finde ich einfach schöne Bücher immer besonders.
    Danke Dir und liebe Grüße
    Nina

    Gefällt 1 Person

  2. Das ist wahrlich eine ambitionierte Liste für einen Monat! „Der letzte Satz“ ist von mir schon gelesen und rezensiert, daher bin ich gespannt auf die Meinung hier im Blog. Aber vor allem möchte ich mich ganz herzlich für den Hinweis auf den Krimi von Oliver Hilmes bedanken – der ist mir doch tatsächlich bisher durchgerutscht. Denn bei mir stehen neben „Witwe im Wahn“, „Berlin 1936“ auch die „Herrin des Hügels“, „Cosimas Kinder“ und die Biographie über „Ludwig II.“ von ihm im Regal – alle sehr gut und angenehm zu lesen, lehrreich, informativ und überhaupt nicht trocken. Der Krimi kommt daher ganz oben auf meine Wunschliste! Danke!

    Gefällt 1 Person

  3. Liebe Andrea
    Hatte vorhin deinen Insta-Post gesehen und bin gleich vorbeigekommen, um – ich gebe es zu – mir den Triceraptos auf dem Buchcover genauer anzusehen 🙂 Ich bin gespannt, was du über die Bücher berichten wirst. Die illustrierten kleinen Klassikerbände werde ich mir auf jeden Fall jetzt schon genauer angucken. Ich hoffe auf schöne Illustrationen und Bildsprache.

    Danke für den Ausblick und liebe Grüße
    Sandra

    Gefällt 1 Person

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