Review: West, West Texas

Gibt etwas schöneres, als das neue Jahr mit einem Titel zu beginnen, der ganz zufällig auch im Januar spielt?

In der Graphic Novel „West, West Texas“ von Tillie Walden begeben sich zwei junge Frauen auf einen Roadtrip, der schon bald unerwartete Wendungen nimmt…

Lou hat sich seit dem Tod ihrer Mutter in die Arbeit gestürzt, sich keinen Urlaub, keine Auszeit gegönnt, doch nun ist sie völlig ausgebrannt. Also beschließt sie, sich mit ihrem kleinen Wohnwagen auf die mehrtägige Reise nach Texas zu machen, um dort ihre Tante zu besuchen und auf der langen Fahrt hoffentlich ein wenig zur Ruhe zu kommen.
Doch schon an der ersten Tankstelle läuft ihr die 18-jährige Bea, die Tochter einer Nachbarin, über den Weg.
Schnell wird klar, das Bea von zu Hause abgehauen ist, aber keine rechte Ahnung hat, wohin sie eigentlich will. Also entschließt sich Lou, sie ein Stück weit mitzunehmen.
Die beiden sind jedoch zunächst sehr unfreiwillige Begleiterinnen; sowohl Lou als auch Bea haben Probleme, mit denen sie zu kämpfen haben, beide sind nicht besonders aufgeschlossen, leicht reizbar und geraten mitunter schnell aneinander. Trotzdem beginnen sie sich einander nach und nach zu öffnen und über die Dinge zu sprechen, die sie beide auf diesen Weg geführt haben.
Alles ändert sich jedoch, als Bea und Lou ein Kätzchen finden, auf deren Marke eine Adresse in West, West Texas eingraviert ist. Kurzerhand packen die beiden die kleine Katze, die sie Diamond nennen ein, um sie zu ihrer Familie zurückzubringen, doch ab diesem Zeitpunkt nimmt die Geschichte eine überraschende Wendung…
Das Wetter spielt immer mehr verrückt, die Landschaft scheint sich zu verändern und plötzlich tauchen bedrohlich wirkende Männer auf, die offenbar hinter Diamond her sind.
Schnell wird aus dem Roadtrip eine immer surrealere Verfolgungsjagd, auf der sich Bea und Lou nicht nur ihren mysteriösen Verfolgern, sondern auch ihren eigenen Ängsten stellen müssen.

„West, West Texas“ hat mich sehr berührt und beschäftigt.
Was als eine einfache Geschichte über zwei junge Frauen beginnt, die sich eine Auszeit vom Leben nehmen müssen, um mit ihren Problemen klarzukommen, entwickelt ich nach und nach zu einer fantastischen Geschichte in der die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit immer mehr verschwimmen.

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Tillie Waldens Illustrationsstil ist an sich recht einfach, mit flächigen Kolorierungen, die meist über mehrere Seiten Ton in Ton gehalten sind, trotzdem schafft sie es, nicht nur große Emotionen einzufangen, sondern auch den Spagat zwischen den Landschaften der wirklichen Welt und denen der Traumwelt ohne Stilbruch zu machen.

„West, West Texas“ war für mich wohl eine der berührendsten Graphic Novels des letzten Jahres und am liebsten würde ich mich jetzt selbst mit einem winzigen Wohnwagen ins Abenteuer stürzen.

Autor: Lesen... in vollen Zügen

Seit 20 Jahren arbeite ich als Buchhändlerin in München und seit 2017 gibt es nun "Lesen... in vollen Zügen". Hier möchte ich euch vorstellen, welche Bücher mich gerade bewegen. Meine Beträge verfasse ich im Plauderton, eben so, wie ich auch mit meinen Kunden im Laden ins Gespäch komme. Der Schwerpunkt liegt dabei auf aktueller deutsch- und englischsprachiger Literatur. Aber ich bin auch ein großer Fan von schönen Illustrationen und stelle deshalb regelmäßig Graphic Novels und spannende illustrierte Sachbücher vor. Zu meinen Lieblingsautoren gehören Haruki Murakami, Banana Yoshimoto und Amélie Nothomb. Außerdem mache ich mir immer wieder Gedanken zum Thema Leseverhalten in der Rubrik Mein Leben als Leser und plaudere aus dem Nähkästchen in Bekenntnisse einer Buchhändlerin. Wem jetzt aber die Züge bei "Lesen... in vollen Zügen" zu kurz kommen, der kann gerne bei In vollen Zügen nach… vorbei schauen. Hier berichte ich von meinen Zugreisen, den Büchern, die mich dabei begleiten, den Städten die ich besuche und natürlich auch von schönen Buchhandlungen, die es dort zu entdecken gibt.

2 Kommentare zu „Review: West, West Texas“

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