Review: Verlorene Arten

Wer meine Liebe zu schön illustrierten Sachbüchern kennt, der dürfte sich über das heutige Buch nicht wundern: „Verlorene Arten“ von Jess French und Daniel Long.

In diesem Buch erfahren wir von Tierarten, die im Lauf der Geschichte ausgestorben sind; das Spannende daran ist aber, daß es dabei nicht vordergründig um Dinosaurier, Meeresreptilien oder  Mammuts geht, obwohl von diesen natürlich auch erzählt wird. Doch jenseits dieser populären Arten, die wohl jedes Kind kennt, und auch einiger, von denen die meisten vielleicht schon gehört haben, wie dem Megalodon oder dem Dodo, lernen wir hier auch weniger bekannte Tiere, wie zum Beispiel den faszinierenden Magenbrüterfrosch kennen.

Die meisten Tiere sind schon vor Urzeiten ausgestorben, doch erschreckend viele auch erst in den letzten Jahren, was uns vor Augen führt, wie schnell es passieren kann, daß Lebewesen auf nimmer wiedersehen verschwinden.
Ein für mich besonders trauriges Leseerlebnis war es, zu erfahren, daß der chinesische Flussdelfin seit dem Jahr 2006 als ausgestorben gilt. Als Kind hatte ich ein Buch gelesen, in dem es um diese Tiere ging und erzählt wurde, wie bedroht sie damals waren.
In meiner kindlichen Naivität war ich davon ausgegangen, daß nun, nachdem sogar eine Zehnjährige über das Schicksal der Flußdelfine informiert war, alles vonseiten der Regierung und der Umweltschützer getan werden würde, um dafür zu Sorgen, daß die sich die Bestände wieder erholen würden.
Es machte mich wirklich sehr traurig über die Tiere zu lesen, die in meinen Lebzeiten ausgestorben sind und das, obwohl das Thema Umweltschutz damals in den 80ern ständig Thema in der Schule und in den Medien war.
Als Kind war ich einfach davon ausgegangen, daß die Erwachsenen, sobald sie wussten, daß ein Tier geschützt werden musste, alles daran setzten, dies auch zu tun. Doch die Entwicklung in den letzten Jahren zeigt, daß wir uns am Beginn eines neuen großen Massenaussterbens befinden.
Wie schön wäre es, wenn meine Kinder in dreißig Jahren nicht von Tierarten lesen müssten, die heute noch leben und bis dahin als ausgestorben gelten…

Immerhin endet „Verlorene Arten“ mit einem kleinen Hoffnungsschimmer, nämlich einem Kapitel über die sogenannten Lazarus-Arten. Dabei handelt es sich um Tiere, die man für ausgestorben hielt und die dann doch wieder auftauchten, wie beispielsweise der Quastenflosser.

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„Verlorene Arten“ wurde farbenfroh, aber trotzdem künstlerisch ansprechend illustriert. Die großformatigen Doppelseiten lassen den Betrachter ganz in die Welt der Tiere abtauchen und die Informationen sind so gehalten, daß man sie schon kleinen Kindern vorlesen kann, aber auch daß Erwachsene hier noch etwas lernen können.

Vom Verlag wird das Buch ab acht Jahren empfohlen, allerdings schleppte es schon mein Vierjähriger fast täglich zum Vorlesen an.
Ein wirklich schönes und interessantes Buch, daß Leser aller Altersgruppen vor Augen führt, wie dringlich es ist, die Tiere unserer Welt zu schützen.

Autor: Lesen... in vollen Zügen

Seit 20 Jahren arbeite ich als Buchhändlerin in München und seit 2017 gibt es nun "Lesen... in vollen Zügen". Hier möchte ich euch vorstellen, welche Bücher mich gerade bewegen. Meine Beträge verfasse ich im Plauderton, eben so, wie ich auch mit meinen Kunden im Laden ins Gespäch komme. Der Schwerpunkt liegt dabei auf aktueller deutsch- und englischsprachiger Literatur. Aber ich bin auch ein großer Fan von schönen Illustrationen und stelle deshalb regelmäßig Graphic Novels und spannende illustrierte Sachbücher vor. Zu meinen Lieblingsautoren gehören Haruki Murakami, Banana Yoshimoto und Amélie Nothomb. Außerdem mache ich mir immer wieder Gedanken zum Thema Leseverhalten in der Rubrik Mein Leben als Leser und plaudere aus dem Nähkästchen in Bekenntnisse einer Buchhändlerin. Wem jetzt aber die Züge bei "Lesen... in vollen Zügen" zu kurz kommen, der kann gerne bei In vollen Zügen nach… vorbei schauen. Hier berichte ich von meinen Zugreisen, den Büchern, die mich dabei begleiten, den Städten die ich besuche und natürlich auch von schönen Buchhandlungen, die es dort zu entdecken gibt.

13 Kommentare zu „Review: Verlorene Arten“

  1. Ha! Du hast an mich gedacht….stimmt s?
    Ach, Tasmanischer Teufel fällt mir da sofort ein. An den Flussdelphin habe ich auch sofort gedacht,… oder das unser Feuersalamander durch etwas Eingeschleppt kurz vorm Aussterben steht,… Manchmal sind es auch besondere Spezialisten, die mit Veränderungen, welch vielfach Menschen ausgelöst haben, nicht klar kommen. Ich bin gespannt!
    Die Bilder finde ich sehr zeitgemäß und für das Alter entsprechend.
    Liebe Grüße
    Nina

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  2. Huhu Andrea!
    Was für ein wunderschönes Buch! Die Liebe zu schönen Sachbüchern teilen wir ja, weshalb ich dir wirklich sehr dankbar bin, dass du dieses wunderschöne und wichtige Buch uns vorgestellt hast. Ich finde es genau wie du sehr sehr traurig, wie sehr die Natur noch immer zu leiden hat, ganz besonders auch unter uns Menschen.

    Liebe Grüße!
    Gabriela

    Gefällt 1 Person

    1. Grüß dich,
      Hmmm… Also mein Vierjähriger mag es sehr, aber halt besonders den Megalodon und den Spinosaurus, die er ja schon von seinen Dino Büchern kennt. Er ist nur immer ein bißchen enttäuscht, weil sein geliebter T-Rex fehlt.
      Wenn ihr etwas in dem Stil aber dinolastiger sucht, dann empfehle ich euch Dinosaurier von Dieter Braun. Das ist auch aus dem Knesebeck Verlag. Die Illustrationen sind ähnlich graphisch und farbenfroh.
      Lieben Gruß zurück!

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  3. Danke für den tollen Tipp. Das Buch wird direkt gekauft.
    Jetzt fehlt mir nur noch ein Weihnachtsgeschenk für meinen 12 jährigen Neffen, der hat sich über deinen Buchtipp im letzten Jahr sehr gefreut. Mal sehen ob ich da bis Weihnachten noch etwas schönes bei dir entdecken werde.
    LG Kerstin

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      1. Ah! Ich weiß, welches du meinst!
        Schau dir doch mal „The Big Book of Adventure“ aus dem Prestel Verlag an. (Keine Sorge, das ist deutsch.)
        Das ist ein richtig cooles Buch; eine Mischung aus Abenteuergeschichte und Survivalguide mit ganz tollen Illustrationen.

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