Review: Was helfen könnte

Die ganze Woche schon habe ich Euch Bücher von norwegischen Autoren vorgestellt, denn der Countdown zur Buchmesse läuft und ich freue mich wirklich schon sehr darauf und natürlich auf das diesjährige Gastland.
Einen Beitrag mit all meinen norwegischen Favoriten gibt es dann nächste Woche, heute möchte ich Euch aber noch ein schmales Bändchen von Mona Høvring vorstellen, das mich sehr berührt hat.

Laura ist in der erste Klasse, als ihre Mutter Selbstmord begeht. Ihr Vater, ein Fischer, ist nur selten zu Hause und ihr älterer Bruder Magnus hat ganz eigene Interessen…
So entsteht in Lauras Leben eine große Lücke; sie sehnt sich nach Zuwendung, Aufmerksamkeit und Geborgenheit, weiß aber nicht, woher diese Nähe kommen soll.
Als Jugendliche wecken eher zufällige Berührungen, wie zum Beispiel von der Mutter ihrer besten Freundin, so etwas wie Verlangen in ihr, wobei sie sexuelle Erregung und das Bedürfnis nach körperlicher Nähe kaum auseinanderhalten kann. So stürzt sie sich dann auch in eine kurze Affäre mit einer älteren Frau, doch diese Liebelei zieht unerwartete Folgen nach sich…

Mit nur gut 120 Seiten ist „Was helfen könnte“ ein wirklich kurzer Roman, trotzdem hat mich die Intensität der Geschichte so gefangen genommen, daß sie mich noch Tage später nicht losgelassen hat.
Hier passiert viel zwischen den Zeilen… Lauras Gefühle werden nicht detailliert aufgedröselt und seziert, vielmehr schafft es die Autorin, den Leser mit wenigen Worten so in das Leben der Hauptfigur zu versetzen, daß es nur ein wenig Empathie braucht, um Lauras Traurigkeit und Einsamkeit zu spüren.
Bei all dem lässt Mona Høvring ihre Protagonistin aber nie Verzweifeln. Stattdessen nimmt Laura ihr Leben selbst in die Hand, hört vertrauensvoll in sich hinein und trifft ihre eigenen Entscheidungen.

„Was helfen könnte“ ist ein kurzes, aber intensives Leseerlebnis und einer der schönsten Coming of Age-Geschichten, die ich je gelesen habe. Traurig, sinnlich und hoffnungsvoll zugleich… Diesen Roman sollte man sich nicht entgehen lassen.

Die deutsche Originalausgabe von „Was helfen könnte“ ist im Frühling bei Edition Fünf erschienen und nun im aktuellen Programm der Büchergilde Gutenberg.

Autor: Lesen... in vollen Zügen

Seit 20 Jahren arbeite ich als Buchhändlerin in München und seit 2017 gibt es nun "Lesen... in vollen Zügen". Hier möchte ich euch vorstellen, welche Bücher mich gerade bewegen. Meine Beträge verfasse ich im Plauderton, eben so, wie ich auch mit meinen Kunden im Laden ins Gespäch komme. Der Schwerpunkt liegt dabei auf aktueller deutsch- und englischsprachiger Literatur. Aber ich bin auch ein großer Fan von schönen Illustrationen und stelle deshalb regelmäßig Graphic Novels und spannende illustrierte Sachbücher vor. Zu meinen Lieblingsautoren gehören Haruki Murakami, Banana Yoshimoto und Amélie Nothomb. Außerdem mache ich mir immer wieder Gedanken zum Thema Leseverhalten in der Rubrik Mein Leben als Leser und plaudere aus dem Nähkästchen in Bekenntnisse einer Buchhändlerin. Wem jetzt aber die Züge bei "Lesen... in vollen Zügen" zu kurz kommen, der kann gerne bei In vollen Zügen nach… vorbei schauen. Hier berichte ich von meinen Zugreisen, den Büchern, die mich dabei begleiten, den Städten die ich besuche und natürlich auch von schönen Buchhandlungen, die es dort zu entdecken gibt.

2 Kommentare zu „Review: Was helfen könnte“

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