Review: Poet X

Die 15-jährige Xiomara wächst zusammen mit ihrem Zwillingsbruder Xavier in einer streng religiösen Familie auf. Jeden Tag besucht ihre Mutter die Kirche und legt ihrer Tochter strikte Regeln auf: Sie darf nicht ausgehen, sich mit Jungen treffen, soll Demut zeigen. Doch Xiomara fühlt sich, als ob sie nicht in dieses Leben passen würde, das ihre Mutter für sie gewählt hat.
Sie möchte auf Partys gehen, feiern, sich verlieben… All diese Gedanken kann sie nur ihrem Notizbuch anvertrauen, das sie ununterbrochen mit Gedichten über ihr Leben, ihre Familie und ihren Wünschen füllt.

Als ihre Lehrerin Ms. Galiano sie eines Tages einlädt, am Spoken Word Poetry Club der Schule teilzunehmen, möchte Xiomara nichts anderes lieber tun, doch zeitgleich findet bereits ihr Kommunionsunterricht in der Kirche statt. Keine Chance also, für Xiomara das zu tun, was sie sich am meisten wünscht, denn ihre Mutter hat trotz aller Liebe absolut brutale Methoden, um ihre Tochter vor der Welt – wie sie meint – zu beschützen.
Doch Xiomara rebelliert, verliebt sich, äußert ihre Zweifel an der konservativen Glaubensauslegung ihrer Mutter und riskiert damit, alles zu verlieren…

Mit „Poet X“ hat Elizabeth Acevedo bereits prestigeträchtige Preise, wie die Carnegie Medal oder den National Book Award abgeräumt. Kein Wunder, denn ihr Schreibstil ist wirklich eindrucksvoll. Acevedo ist selbst Poetry Slammerin und so ist auch das ganze Buch sehr rhythmisch, fast wie eine Sammlung von Gedichten verfasst. Das kann anstrengend oder gekünstelt wirken, doch in diesem Fall sorgt der Stil dafür, daß wir tief in Xiomaras Gedankenwelt eintauchen und mit ihr hoffen und bangen.
Für die Übersetzung hat der Rowohlt Verlag die kluge Entscheidung getroffen, mit Leticia Wahl eine deutsche Poetry Slammerin zu verpflichten, die es schafft, den Rhythmus des Originals einzufangen und ihm eine eigene Note zu verleihen.

Auch wenn „Poet X“ ein Young Adult Roman ist, der vom Verlag ab 14 Jahren empfohlen wird, werden hier Themen angesprochen, die auch ältere Leser bewegen dürften. Der ungewöhnliche und kreative Schreibstil macht dieses Buch dann auch nochmal zu einem ganz besonderen Leseerlebnis.

Autor: Lesen... in vollen Zügen

Seit 20 Jahren arbeite ich als Buchhändlerin in München und seit 2017 gibt es nun "Lesen... in vollen Zügen". Hier möchte ich euch vorstellen, welche Bücher mich gerade bewegen. Meine Beträge verfasse ich im Plauderton, eben so, wie ich auch mit meinen Kunden im Laden ins Gespäch komme. Der Schwerpunkt liegt dabei auf aktueller deutsch- und englischsprachiger Literatur. Aber ich bin auch ein großer Fan von schönen Illustrationen und stelle deshalb regelmäßig Graphic Novels und spannende illustrierte Sachbücher vor. Zu meinen Lieblingsautoren gehören Haruki Murakami, Banana Yoshimoto und Amélie Nothomb. Außerdem mache ich mir immer wieder Gedanken zum Thema Leseverhalten in der Rubrik Mein Leben als Leser und plaudere aus dem Nähkästchen in Bekenntnisse einer Buchhändlerin. Wem jetzt aber die Züge bei "Lesen... in vollen Zügen" zu kurz kommen, der kann gerne bei In vollen Zügen nach… vorbei schauen. Hier berichte ich von meinen Zugreisen, den Büchern, die mich dabei begleiten, den Städten die ich besuche und natürlich auch von schönen Buchhandlungen, die es dort zu entdecken gibt.

5 Kommentare zu „Review: Poet X“

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