Hohe September-Stapel

Die letzten warmen Tage des Jahres sind angebrochen und wir Buchhändler lesen uns durch die hohen Novitäten-Stapel, um die Kunden in der kalten Jahreszeit perfekt beraten zu können. Schon komisch, wenn man noch in der Sommersonne liegt und dabei überlegt, welche Titel man dieses Jahr in die Weihnachtsempfehlungen packen möchte…

Jetzt genieße ich aber erst einmal meinen Lieblingsmonat September. Ich freue mich auf meinen Geburtstag in zwei Wochen und habe angefangen, mein geliebtes Lesezimmer gemütlich für den Herbst und Winter zu machen.

Aber schauen wir uns an, welche Titel diesen Monat auf meinem Lesestapel gelandet sind:

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Zunächst einmal wollte ich mich noch ein bißchen tiefer in die Longlist des Deutschen Buchpreises einlesen. Bisher kenne ich nämlich nur „Herkunft“ und „Miroloi“.
Diesen Monat möchte ich mir nun also „Kintsugi“ von Miku Sophie Kühmel und „Das flüssige Land“ von Raphaela Edelbauer vornehmen.
Von beiden Büchern habe ich bisher nur Gutes von den Kollegen gehört.
Ich freue mich darauf und bin schon sehr gespannt, wer es in die Shortlist schafft und am Ende das Rennen macht.

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Zwei Titel, auf die ich ebenfalls schon gespannt bin sind „Washington Black“ von Esi Edugyan und „Ich bin Circe“ von Madeline Miller.
Beide Titel sind dicke Romane mit historischem Hintergrund, die wohl eine gehörige Portion magischen Realismus mitbringen. Eigentlich genau meine Welt.
Da könnte es draußen sogar gerne noch ein bißchen ungemütlicher werden, um sich damit einzumummeln.

Esi Edugyan wird übrigens am 11. September im Amerikahaus in München zu Gast sein, um ihren Roman zu präsentieren. Der Eintritt ist frei, man sollte sich aber vorher anmelden. Ich habe das schon getan und hoffe, ich kann mir an dem Tag ein bißchen Zeit freischaufeln. Vielleicht sieht man sich ja!

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Zwei Romane von amerikanischen Autoren, die sich mit ihrem Platz in der Gesellschaft auseinandersetzen, sind Tommy Orange mit seinem Debütroman „Dort Dort“ und Elizabeth Acevedo mit „Poet X“.

Tommy Orange schreibt über Traditionen und das moderne Leben der native americans; spannend, denn zu diesem Thema habe ich bisher noch nichts gelesen.
Elizabeth Acevedo ist Poetry Slammerin, deren erstes Jugendbuch in den USA zig Preise abgeräumt hat. Nachdem ich ja nun im Laden wieder in der Belletristik-Abteilung arbeite, neben der auch gleich die Young Adult Bücher zu finden sind, möchte ich mich auch hier einmal wieder ein bißchen einlesen.

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Zwei Bücher, die auf den ersten Blick wohl gar nichts miteinander zu tun haben, die aber beide von norwegischen Autoren geschrieben wurden und von denen ich ja im Zuge der Frankfurter Buchmesse noch mehr lesen wollte, sind „Mittwoch also“ von Lotta Elstand und „Ein Freitod“ von Steffen Kverneland.

In „Mittwoch also“ geht es um eine junge Frau, die nach einem One-Night-Stand ungewollt schwanger wird und sich zu einer Abtreibung entschließt. Allerdings muss sie eine kurze Wartezeit einhalten, die ihr dann wider Erwarten sehr zu schaffen macht.
Angeblich soll dieses Buch recht humorvoll sein. Bei dem Thema bin ich eher skeptisch, aber es hat mich dann doch wirklich neugierig gemacht.

„Ein Freitod“ ist dagegen eine Graphic Novel, in der der Autor mit Illustrationen und Collagetechnik den Selbstmord seines Vaters verarbeitet.
Auch wieder so ein düsteres Thema, aber ich hoffe auf eine ähnlich gute Aufarbeitung der eigenen Familiengeschichte, wie es Nora Krug letztes Jahr mit „Heimat“ gelungen ist.

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Am Ende haben wir auch wieder einen schönen Titel aus der Kategorie illustriertes Sachbuch mit dabei: „Rebel Artists – 15 Malerinnen, die es der Welt gezeigt haben“.
Eigentlich habe ich ja nun mittlerweile wirklich viele Bücher gelesen, in denen starke, mutige und außergewöhnliche Frauen in farbenfrohen Porträts vorgestellt werden, eines das sich aber ausschließlich mit Künstlerinnen beschäftigt war bisher noch nicht dabei.

Ich freue mich schon sehr auf all die Titel auf meinem September-Stapel. Hoffentlich komme ich diesen Monat dann auch wieder mehr zum Lesen; der August war da eher schwierig, nachdem ich die liebsten Kinder von früh bis spät bei Laune halten durfte und ich dank Urlaub auch so gut wie keine Zeit beim Pendeln verbrachte.

Auf welche Bücher freut Ihr Euch im September?
Kennt Ihr Titel von meinem Stapel schon und wie haben sie Euch gefallen?

Ich wünsche Euch einen tollen Start in einen hoffentlich goldenen Herbst!

Eure Andrea

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Autor: Lesen... in vollen Zügen

Seit 20 Jahren arbeite ich als Buchhändlerin in München und seit 2017 gibt es nun "Lesen... in vollen Zügen". Hier möchte ich euch vorstellen, welche Bücher mich gerade bewegen. Meine Beträge verfasse ich im Plauderton, eben so, wie ich auch mit meinen Kunden im Laden ins Gespäch komme. Der Schwerpunkt liegt dabei auf aktueller deutsch- und englischsprachiger Literatur. Aber ich bin auch ein großer Fan von schönen Illustrationen und stelle deshalb regelmäßig Graphic Novels und spannende illustrierte Sachbücher vor. Zu meinen Lieblingsautoren gehören Haruki Murakami, Banana Yoshimoto und Amélie Nothomb. Außerdem mache ich mir immer wieder Gedanken zum Thema Leseverhalten in der Rubrik Mein Leben als Leser und plaudere aus dem Nähkästchen in Bekenntnisse einer Buchhändlerin. Wem jetzt aber die Züge bei "Lesen... in vollen Zügen" zu kurz kommen, der kann gerne bei In vollen Zügen nach… vorbei schauen. Hier berichte ich von meinen Zugreisen, den Büchern, die mich dabei begleiten, den Städten die ich besuche und natürlich auch von schönen Buchhandlungen, die es dort zu entdecken gibt.

23 Kommentare zu „Hohe September-Stapel“

  1. Was für eine bunte Auswahl! Mit ,,Ich bin Circe“ liebäugle ich auch schon eine Weile.
    Poet X von Elizabeth Acevedo habe ich gerade als Hörbuch gehört und besprochen – unglaublich kraftvolle Verse. Ganz viel Spaß damit!

    Viele Grüße
    Jana

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      1. Puh… Jetzt von den Neuerscheinungen zum Beispiel Geir Gulliksen und Stig Saeterbakken. Und davor natürlich Maja Lunde. Ich finde den Stil in der Regel immer sehr gut. Meist recht eindringlich und ungeschönt. Die Themen empfand ich immer als ziemlich heftig. Von dem was ich bisher gelesen habe, habe ich gar nicht den Eindruck, als wäre hier ein besonders lebensfrohes Völkchen am Schreiben. 😅

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      2. Na, dann lass ich mich mal überraschen, ob ich da noch Inspiration finde 🤗
        Ich hab mom. noch etwas von Roger Phil, Samuel Bjork und Heine Bakkeid hier. Ich denke von Jo Nesbo kommt auch noch etwas dazu. Ein klein wenig Zeit hab ich ja noch 😉
        Ich muss aber zugeben, dass ich nur bedingt ein Fan von tiefschürfenden Romanen bin. Krimi, Thriller und heitere Romane liegen mir eher.

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      3. Abends kann ich die auch nur bedingt lesen und es kommt auf das Thema an. Ein Wirtschaftsthriller, wie ich ihn mom. lese, ist etwas anderes als ein Psychothriller. Wenn ich das Grfühl habe, dass die Geschichte auch gerade nebenan spielen könnte, dann gruselt es mich auch manchmal 😉

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      1. Ich muss ja nicht alles kennen, aber drei Empfehlungen von dir habe ich mit Begeisterung übernommen. Einmal den Aaronovitch, dann denn Vargas und den irischen Dorfpolizisten, da habe ich aber nur ein Buch gefunden.
        Lieben Gruß, Ewald

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  2. Oo, da wachsen vor der FBM die Stapel der Leseexemplare und selbstgemachten Bücher, stimmt. Aber schön für uns.
    Circe lässt sich ganz gut an, aber ich möchte auch die Sagen des Altertums.
    Das Buch über die Künstlerinnen wäre noch etwas. Muss nur Mal schauen, ob es eine Übersetzung ist und dadurch hauptsächlich Frauen aus Amerika besprochen werden. Ich würde gerade erst Mal lieber über europäische lesen. Schade, dass schon wieder Frida vorne drauf ist, sie wird im Moment wirklich zu gern als modernes *Zugpferd* genommen. Nicht das ich sie nicht toll finden würde!
    Das Buch Washington Black würde ich bestimmt in die Hand nehmen und schauen, Titel und Bild reizen mich. Worum geht es da, weißt Du schon ein einziges bisschen mehr?
    Dann hoffe ich, Du hast ganz viel Freude bei all den vielen Titeln!
    Übrigens kommt B. Aaronowitch nicht in unsere Ecke, was ich sehr bedauere. Er scheint im Moment unglaublich viel zu schaffen, so viel zu schreiben und unterwegs…
    Liebe Grüße und guten Start in die Woche
    Nina

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    1. Guten Morgen!
      Ja, bei Rebel Artists dachte ich mir auch schon, daß es ohne Frida Kahlo als cash cow wohl nicht geht. 😉
      Die meisten Künstlerinnen kenne ich noch gar nicht. Pass auf:
      Kenojuak Ashevak (Kanada), Barbara Hepworth (GB), Hannah Höch (D), Tove Jansson ❤️ (Finnland), Frida Kahlo, Corita Kent (USA), Emily Käme Kngwarreye (Australien), Yayoi Kusama (Japan), Gabriele Münter, Georgia O’Keefe, Ljubow Popowa (Russland), Faith Ringgold (USA), Amrita Sher-Gil (Ungarn/Indien), Alma Thomas (USA), Suzanne Valadon (Frankreich).
      Die Autorin ist übrigens Britin. 😉

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      1. Oh, da sind einige dabei die ich kenne und sogar Tove Jansson, ich liebe die Mumins. Aber wie Du ja auch schon schreibst, viele kenne ich ebenfalls noch nicht. Dass das Buch von einer Britin geschrieben wurde, macht es mir sehr sympatisch, englische Autoren sind (ist so mein ganz eigener subjektiver Eindruck) doch etwas kosmopolitischer als zB Amis.
        Da werde ich doch mal reinschauen, auch wenn mir zB Paula Moderson-Becker oder C. Claudel fehlen.
        Danke Dir!
        Liebe Grüsse
        Nina

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